Immer wieder erschüttert es mich, dass Film- und Fernsehen-Interessierte häufig diese Krimiserie nicht kennen! In D-Land leider bislang nicht erschienen, im Privatfernsehen aber gelaufen (nur die ersten Staffeln, glaube ich) und viel zu unbekannt.
Laut amazon erscheint am 29.03.2010 eine
Edition der kompletten Serie in E-Land auf DVD, was ich mal zum Anlass nehme, hier mal auf die Serie hinzuweisen und auf andere Homicide-Gucker zu hoffen.
Ich habe die Serie nie systematisch gesehen, bin aber beim Zappen
immer hängengeblieben, wenn sie lief. Das liegt vor allem an der Kameraarbeit und Inszenierung: lange Kameraeinstellungen, Plansequenzen, lebendige Kamerabewegungen, Handkamera. Das liegt aber auch an den Figuren (Mitarbeiter des Morddezernats in Baltimore) und den Darstellern (vor allem ein hervorragender Ned Beatty!) und es liegt an dem, was erzählt wird. Denn in dieser Serie geht es nicht einfach mal wieder um Kriminalfälle, Mordthrill und Gangsterjagd, sondern einen großen Raum nimmt das Alltägliche ein. Darin ist "Homicide" ungeschlagen. Wenn Ned Beatty da 15 Sekunden in einer Krimiserie an seinem Schreibtisch sitzt und versucht, die Verzwirbelungen aus dem Telefonkabel zu drehen, geht mir das Filmherz auf. Wenn eine Folge mit einem Gespräch zwischen zwei Detectives beginnt, von denen der eine gerade verliebt ist und vom Frühlingsduft schwärmt, der andere von seiner 150. Affäre sitzengelassen wurde und depressiv Trübsal bläst und erst am Ende dieser langen, in einer Einstellung gefilmten Sequenz ersichtlich wird, dass sie die letzten Meter zu einem Tatort gehen (ein Rentnerpaar tot unter einem Baum sitzend), dann ist das weit mehr als eine weitere Cop-Serie.
Produziert wurde das von Barry Levinson und die Liste der Regisseure ist durchaus lesenswert, wegen mancher Kuriosität und Überraschung. Ein paar Beispiele außer Levinson selbst: Kathy Bates, Brad Anderson, Kathryn Bigelow, Steve Buscemi, Uli Edel, Matt Reeves, Peter Weller.