Autor Thema: Buchrezensionen  (Gelesen 98465 mal)

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Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #960 am: 5 April 2017, 18:30:26 »


Wrath James White. Natasha hat den Mann ihrer Träume gefunden. Kenyatta führt Natasha in völlig neue Welten der sexuellen Lust und er gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit, das sie nie zuvor erlebt hat. Natasha würde alles tun, um ihm zu gefallen. Aber Kenyatta, dessen Vorfahren aus Afrika stammen, glaubt nicht an eine gemeinsame Zukunft mit einer Weißen. Dennoch fordert er Natasha zu einem Wagnis heraus: Damit sie ihn und sein schwarzes Erbe wirklich versteht, soll Natasha sich ihm ausliefern. Bedingungslos. Sie muss für 400 Tage seine Sklavin sein! Natasha ahnt nicht, zu was Kenyatta fähig ist.

Natasha ist mit einer Bekannten unterwegs zum üblichen Abend mit Herr(en) als ihr Kenyatta über den Weg läuft. Er hat sie sofort für sich eingenommen und sie ist von ihm immens begeistert. Sie kommen immer intensiver ins Gespräch und bald wird es in Richtung Sklaverei gelenkt. Kenyatta hat da so seine Lehren und auch das Wissen um viele Aspekte der Entführung der Schwarzen aus ihrer angestammten Heimat. Natasha, Mauerblümchen und immer nur die Begleiterin der schöneren Mädchen, ist hin und weg, verliebt bis zum Anschlag, nass bis zum Wassersturz. Das eigentliche Thema und die wahren Absichten des Kolosses in "Starkpigment" entgehen ihr völlig, würden ihr aber genauso völlig am fülligen Arsch vorbeigehen. Sie lässt sich nur allzu gerne abschleppen. Und bald kommt von ihm der Vorschlag - nicht zu bald, denn zuvor muss Mädi ja noch richtig deftig-derb kriegen, wonach es giert -, dass sie einmal nachempfinden soll, was seine Vorfahren damals erleiden mussten. Er zeigt ihr das Buch 400 Jahre der Erniedrigung, die deren Torturen schildern - und er will, dass sie sich für nur 400 Tage demselben Grauen unterzieht. Danach würde er sie heiraten, für immer der ihre sein. Trotz leicht aufkeimender Bedenken stimmt sie zu und muss bald erfahren, dass es nicht gerade ein einfaches Los ist, das sie sich da ausgesucht hat. Man hat ein Safeword vereinbart, mit dem sie abbrechen kann, aber er würde dann nie ihr Mann sein, sie würde ihn verlieren. So bleibt sie bei allen Leiden und schrecklichen Aufgaben standhaft.

Ich beginne jetzt zuerst einmal mit den Figuren. Eigentlich reicht es eh, nur auf die beiden Hauptcharaktere einzugehen, die restlichen Beteiligten, sind nur Staffage. Es ist ja nun nicht wirklich neu, dass Wrath James White mit Sympathieträgern und netten Mitmenschen irgendwie wenig anfangen kann. Sein Personal ist meist mehr oder weniger abstoßend. Um als Beispiel mal "Krank" heranzuziehen: die waren eigentlich alle Kandidaten für den Abdecker. "Yaccubus Fluch" strotzte auch nicht vor Mitmenschen, zu denen man sich hingezogen fühlen würde. Und auch hier kann man sich nur sehr schwer mit den Handelnden anfreunden. Kenyatta liebte als Vierzehnjähriger ein weißes Mädchen, die Zuneigung war gegenseitig, doch deren Eltern waren strikt dagegen. Liebeskummer beim Burschen. Danach taucht er erst wieder als Erwachsener auf, der etwas aus sich gemacht hat. Gut aussehend, kräftig, perfekt gebaut, intelligent, eloquent und mit einigen Dollars ausgestattet, die ihm viel ermöglichen. Und er nutzt das auch aus. Was er da so als Begründung heranzieht, um seine bösartigen Spielchen zu inszenieren, ist lächerlich hoch zehn. Er hasst einfach alle Menschen, aber speziell Weiße. Der Typ entpuppt sich als reinrassig - als reinrassiger Psycho mit Hang zu S/M, der aus den Fugen gerät. "Dominance and submission" intonierten dereinst Blue Öyster Cult - und das ist hier Programm und Kenyatta lebt es auf Kosten anderer nur zu gerne aus. Der Typ hat einfach einen an der Klatsche. Sehr viel besser sieht es mit dem Geisteszustand der Natasha auch nicht aus. Angeblich früher einmal von ihrem Cousin belästigt, auch eine Andeutung, dass Papa ein bisserl von dem hatte, was er unter Spaß verstand, ein bisserl pummelig, um zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten zu haben - im Sommer spendet sie Schatten und Winter ist sie ne gute Wärmflasche - und mit Sicherheit komplexbehaftet und in ihren eigenen Augen minderwertig. Dafür aber als Pädagogin ständig unterwegs, um den Wanderpokal zu geben, zu kiffen und sich die Birne zuzurußen. Perfekt für eine Lehrerin von siebten und achten Klassen und dann zu feige, im Unterricht die Zeiten der Skalverei anzusprechen (Anscheinend gibt es zumindest im Romanuniversum einen Unterrichtsteil der als Sklavereimonat bekannt ist). Als treffen die beiden Unsympathen aufeinander und aus dem familientauglichen "Fifty shades of grey" wird "400 (Tage der Erniedrigung) shades of black and white" für die ältere Generation. Und dazu kommt, wie bei Herrn White oft, das Thema Rassismus. Dass der hier mal wieder umgedreht wird, mag niemanden mehr überraschen. Das Buch hat seine Härten, der Sex hat wenig mit Blümchen zu tun, die Torturen pendeln zwischen grausam und real. Natasha wird nicht nur gefickt, sie muss auch schuften, putzen, Reste fressen, wird verkauft und zu allerlei sexuellen Handlungen genötigt. Kommt sie auf die Idee, das Safeword zu nutzen? Ja, aber immer nur kurz, ein kaum Spürbares aufblitzen, dann suhlt sie sich wieder in ihrer Hörigkeit dem Traummann gegenüber. Die Gesellschaftskritik, die auch hier nicht fehlen darf, denn Mr. White legt gerne den Finger in vorhandene Wunden (während seine Protagonisten die Ffingerchen anderweitig unterbringen😈), wird durch die Geschichte der Skalverei von der Gefangenschaft in Afrika, der Überfahrt ins neue Land, der Arbeit und den Schrecken auf den Plantagen der Gutsbesitzer bis hin zum Bürgerkrieg und den nachfolgenden neuen Gesetzen, die durch spätere doch wieder zur Rassentrennung führten. Alles stimmig, alles so gelent. Auch dass die befreiten Sklaven von ihrer feiheit nicht vielhatten. Für sich selbst sorgen, waren sie eh nicht gewohnt, aber es wollte ihnen auch keiner Arbeit geben und so gingen viele wieder auf die alten Plantagen zurück. Später kamen dann ja noch die Klansmen, die getrennten Räume und Toiletten, Zeiten in denen Schwarze nicht mit Weißen zusammen in einem Raum sein durften, bis sich endlich Besserung einstellte. Was aber fehlt, ist die Tatsache, dass dieser Bürgerkrieg nur ein verlogener war unter dem Vorwand, die armen Sklaven befreien zu wollen. Es ging nur um wirtschaftliche Interessen. Durch ihre Sklaven konnten die Südstaaten einfach viel billiger produzieren und ihre Waren mit riesigen Gewinnen nach Europa verkaufen. DAS musste unterbunden werden, nichts sonst. Wie auch heute ging/geht es nicht um die Menschen, sondern um die große Kohle. Gegen Ende kommt sogar etwas Thrill rein, nur eine kleine Prise, aber ein Pluspunkt. Da werden dann auch einmal die Richtigen richtig bestraft. Apropos Strafe: Es gibt - in meinen Augen - auch ein Plädoyer dafür, gewisse Individuen nie wieder unter Menschen zu lassen. Hier sind die Gesetzgeber viel zu milde. Extrem schwere Straftaten gehören extrem schwer bestraft und basta. Wegsperren und vergessen - natürlich auch die Fütterungszeiten. Insgesamt ein recht ordentlicher Roman von Wrath James White, aber hier ist es sein Problem, dass er schon einige bessere geschrieben hat. Es ist eigentlich alles drin, was man von ihm erwartet, sämtliche Zutaten wie Rassismus, Sex, Folter, Mord, Gewalt, aber irgendwie hat der Mix nicht so gepasst wie bei den zuvor erwähnten anderen seiner Werke. Dennoch ist das jetzt kein knapp 270 Seiten langer Flop. Statt ein 1 A-Buch ist es eben nur, aber immer noch 1B. Oder eben 7/10.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #961 am: 5 April 2017, 18:32:12 »


Janis Otsiemi: Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Èchos du sud, am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Mit den Ermittlungen im Mordfall werden Herve Louis Boukinda und Pierre Koumba Owoula beauftragt, zwei Polizisten, die ohne die DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen.

Libreville, Hauptstadt des Gabun, im Jahr 2008. Zwei Typen werfen ein schweres Paket irgendwo in der Nähe der Stadt ins Wasser. Unterdessen sind die Polizisten damit beschäftigt, ihren Boss damit zu besänftigen, dass sie Fälle aufklären. Da wäre der Selbstmord von zwei Mädchen. Sie stellen fest, dass von beiden Teenies Nacktvideos ins Internet gestellt wurden und beginnen ihre Ermittlungen. Ein anderer ist Fahrerflucht nach einem tödlichen Unfall. Dann wird am Strand eine Leiche gefunden, schon ausgebleicht, aufgedunsen und die Kehle durchgeschnitten. Eine Identifizierung ist schwierig unter diesen Umständen, aber es gelingt dann doch. Es ist ein Journalist, der dafür bekannt war, dass er kritisch Artikel über Gabuns Regierung und auch das Wirtschaftsgebaren geschrieben hat. Zu Zeiten des Ölbooms ist viel Geld ins Land geflossen, das aber nie bei der Bevölkerung ankam. Zudem ging er auch dem Verdacht nach, dass die Korruption weitere Kreise ziehen würde als bisher angenommen.

"Libreville" ist  mehr als ein "gewöhnlicher" Kriminalfall um die Ermordung eines Journalisten. Es ist vielmehr ein Blick in die Geschichte Gabuns seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960. Die Möglichkeit des Wohlstandes für alle wurde verschenkt, indem man wirtschaftliche Gewinne lieber auf die Taschen von Wenigen verteilte (Geschieht heutzutage ja auch in den reichen Ländern wie USA oder den Europäern, nur wird es da geschickter kaschiert), statt sie in die Infratruktur zu investieren, die Bildung zu verbessern oder der überbordenden Kriminalität mit modernen Mitteln und genug Personal Herr zu werden (wieder eine Parallele zu mindestens einem europäischen Land, das vorgibt, eine Demokratie zu sein). Nur wird hier nicht von nötigen Sparmaßnahmen geheuchelt, um die Zahl der Ermittlungsbehördenmitarbeiter zu verringern. Das Geld versickerte einfach und tut es jetzt noch. Das fördert Korruption und nötigt die Polizisten nahezu, ihr mageres Gehalt auf diese Weise aufzubessern. Und im Buch scheint sich jeder damit schon abgefunden zu haben, keine Proteste, wenn mal wieder ein Beamter sich mit einem erfundenen Vergehen Geld besorgen will. Aber die Männer haben auch die üblichen Probleme, die man halt so hat. Eifersüchtige Gattinnen, die eine oder andere Geliebte und uneheliche Kinder, die es zu versorgen gilt. Und in all dem Trubel machen sie auch unter widrigsten Umständen ihre Arbeit, ermitteln und klären Fälle. Ein fröhliches Buch, ein Spaßmacher ist dieser Thriller aus Afrika nicht. Irgendwie deutet man sich schon seinen Sympathieträger heraus, aber im Prinzip sind sie alle Gauner, wobei die Politiker wie selbstverständlich den größten Anteil einsacken. Doch den meisten Raum nimmt in dem Buch die Beschreibung eines afrikanischen Landes ein, das eine Hauptstadt hat, die hinter einer Fassade des Glanzes doch nur ein völlig überbevölkerter Slum ist, in dem die Menschen sich nur durch viele kleinere kriminelle Machenschaften ernähren können, in dem Straßen nur ein kaputter Feldweg sind, Bauten einsturzgefährdet und die Staatsmänner Vetternwirtschaft betreiben. Ein Glossar sowie ein Interview mit dem Autor runden diese Story ab und zeigen, wie sich Gabun von Frankreich abgrenzt und welchen mit täglichen Hindernissen sich die Bevölkerung auseinandersetzen muss.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #962 am: 14 April 2017, 21:44:19 »


Tom Zola. Blindwütig bringen sich die irdischen Militärbündnisse gegeneinander in Stellung, der Gefahr nicht bewusst, die der Menschheit insgesamt droht. Als die unbekannte Macht erstmals offen in Erscheinung tritt und sie ihr Zerstörungswerk beginnt, stehen die Menschen an der Schwelle zum Krieg untereinander. Stabsunteroffizier Bernau gerät im Nahen Osten in den Sog der Ereignisse. Die NATO und die Türkei überwerfen sich, Russland bereitet einen Atomschlag gegen den Westen vor. Die Fremden platzen in dieses Chaos hinein und greifen an. Im Nebel des Krieges aber sehen die Menschen doch nur die alten Feindbilder und sind blind für die offensichtliche Bedrohung.

Als es auf der ISS Probleme gibt, nutzen drei Astronauten (zwei Amis, ein Deutscher) die Sojus der Russen, um sich gen Erde aufzumachen, ohne zu ahnen, was sie dort erwartet. Eigentlich auch ohne zu wissen, wie sie unbeschadet landen sollen. Nachdem sie nicht in der Atmosphäre verglüht sind, ist ihre größte Sorge NICHTim Wasser zu landen. Es ist nämlich niemand da, der sie bergen könnte. Dann lieber einen harten Aufprall auf der Erdoberfläche - und bitte nicht in einer Stadt oder im verschneiten Gebirge. Soweit haben sie Glück - doch die weite Steppe, in der sie runterkommen, ist auch nicht gerade eine Wohlfühloase. Unterdessen gehen die Kampfhandlungen im Nahen Osten weiter, der Iran ist ein Spielplatz des Teufels geworden - und die Menschen sehen sich immer mehr dazu gezwungen, eine Niederlage einzugestehen. Damit nicht genug. Die Iraner und die Türken werfen die Alliierten Truppen aus dem Gebiet und behalten deren Ausrüstung ein -angeblich hätten die Westler einen Vernichtungskrieg gegen den Islam begonnen. So kommen Bernau und seine Leute zurück in die Heimat - und eine neue Front. Die Angreifer haben ihre Truppen überall angelandet und man sieht sich den neuartigen Waffensystemen und Schutzschilden fast ohnmächitg gegenüber. Aber völlig wehrlos ist man doch nicht. Es gelingt, einige Lücken in die Reihen der Angreifer zuschlagen. Und mitten im umkämpften Bielefeld sucht der Polizist Robert Becker seine Tochter Lilly. Finden tut er sie erst einmal nicht, stattdessen wird er von Kollegen festgenommen. In dem nachfolgenden Chaos kann er aber mithilfe von Riembrandt entkommen und die Suche fortsetzen. Überall auf dem Globus wird mit harten Bandagen gegen die Angreifer vorgegangen und letztlich helfen in gößerem Umfang nur Atombomben - die natürlich keine Nation auf eigenem Grund einsetzt. Und die deutschen Politiker tun, was sie immer tun. Versuchen es auszusitzen oder wegzudiskutieren, handeln will zwar jemand, doch der wird ausgebremst.

Zwar kann absolut niemand dem Autor Tom Zola vorwerfen, dass er nach dem Literatur-Nobelpreis schielen würde, aber dass er unterhaltsame Militär-Sci Fi-Action unter interessierte Volk bringen kann, ist für mich nach dem zweiten "V-Fall Erde" und einem "Weltenkrieg: Die Rückkehr" sicher (seine "Stahlzeit"-Reihe hab ich bis Band 11 zwar vorliegen, aber ungelesen). Die Actionsequenzen sind eindeutig nicht auf  "Einzelfeuer" gestellt, da wird eher alles an Munition verballert, was vorhanden ist. Die meisten Kampfeinsätze wirken wie "Independence day" aus Sicht der am Boden kämpfenden Truppe, die im Film ja kaum eine Rolle spielte - hätte vermutlich dem Fun-Faktor fürs US-Publikum und den den Film finanzierenden Militärs geschadet, da tote Soldaten sich nicht gut fürs Rekrutieren neuer Mannschaften machen -, und lässt viel über das wilde Chaos, die Furcht, die Wut, die Machtlosigkeit während einer solchen Auseinandersetzung erahnen. Da wird gebetet, gestritten, geflucht und ungerecht geurteilt.Es ist nicht so, dass die Charakterzeichnung der Handelnden allzu ausgeprägt ist, nur einige Hauptfiguren kommen etwas mehr in den Fokus, was aber nicht heißt, dass sie auch gleichzeitig zu den Überlebenden der Truppem zählen werden. Und außerdem hat Tom Zola recht viele Punkte angesprochen, die uns in der Realität durchaus Sorge machen. Seien es die untätigen Politiker, die "verkauften" Sicherheitskräfte (Polizei mit Gehältern fast am Mindestlohn - natürlich nur die im einfachen und mittleren Dienst, die auf der Straße den Pöbelnden gegenüberstehen - , Kürzungn im Waffenetat bei Polizei UND Bundeswehr, Personalabbau bei den Einsatzkräften unter anderem durch genötigte Krankschreibungen und Frühpensionierungen ohne adäquaten Ersatz einzustellen oder auszubilden, auch die anderen deutschen Unternehmen mit staatlicher Beteiligung wie Telekom oder Post werden da erwähnt.), Rassismus oder diese dämlichen Populistenbezeichnung, die nun gerne für politsch nicht korrekte Aussagen genutzt wird, obwohl man sie gut und gerne auch für diverse Aussagen wie "sichere Renten" usw. hernehmen kann. Wobei der Begriff "politisch korrekt" ja auch gerne zur Zensur herhalten muss und derart aufgeweicht ist, dass man jederzeit unter diesen Tatbestand fallen kann. Diese einseitige Sicht und Gesetzesauslegung sowie Berichterstattungen in Politik und Medien kommt ebenfalls nicht unerwähnt weg. WERTEN tut der Autor nichts, er legt dem Leser auch keine Wertungen nahe. Er lässt seine Protagoisten diskutieren, bringt unterschiedliche Sichtweisen zu deren Recht. Ob sich nun der Leser darüber Gedanken macht und falls ja welche, ist dessen Angelegenheit. Der Stil des Autors ist in Ordnung, sein Humor anscheinend auch, wenn er sich einige seiner Fatzken vornimmt und selbst der von mir überaus "geschätzte" Sigma wird nicht nur in die Idiotenecke gestellt. Viel Action, wenig Geplauder und zum Ende noch ein kleiner Cliffhanger im Epilog, der durchaus gespannt macht, was er uns da noch kredenzen wird. Das allerletzte "Kapitel" Contact, dient wohl dazu, gutgläubige Leser locken, dass sie sich 2017 als "..das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen." aussuchen und in die Alienfalle tappen. Oder so oder wie auch immer. Wer sich an Militär Sci Fi freuen kann und auf Action rundum steht, ist hier schon richtig. Mal wieder eine Entdeckung auf dem deutschen Autorenmarkt. Fein, sonst unterhalten uns ja nur noch die Amis. Knapp 260 Seiten Auseinandersetzung mit unbekannt.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #963 am: 14 April 2017, 21:46:06 »


Ted Bell. Irgendwo in Russland gibt es einen Mann - einen mächtigen Mann -, dessen Namen niemand kennt. Über seine Existenz wird lediglich spekuliert. Obwohl er unsichtbar zu sein scheint, zieht er dennoch seine Fäden - und er zieht sie gnadenlos. Plötzlich stellt Russland eine weitaus unheilvollere Bedrohung dar, als es selbst die hartgesottenen Veteranen des Kalten Krieges jemals für möglich gehalten hätten.

Alex Hawke, im Dienst der britischen Krone, erholt sich gerade auf den Bermudas von einem schwierigen Einsatz, als ihm am Strand eine unglaulich schöne Russin seinen "Privatstrand" streitig macht. Doch ihr wundervolles Äußeres macht diesen Nachteil locker wett. Dass er später von seinen Freunden und Vorgesetzten in ein neues Abenteuer manövriert wird, ahnt er da noch nicht. Russland hat sich nach den Umwälzungen der letzten Jahre immer noch nicht von der Niederlage erholt. Nun steuert ein neuer Mann auf die Allmacht in dem Riesenreich zu. Er verbirgt sich hinter absoluter Geheimhaltung, setzt eine Marionette als neuen Präsidenten ein und bestraft Fehler seiner Leute knallhart. Russland will wieder groß werden, es mit den Amerikanern aufnehmen können und setzt dabei auf neue Waffen und alte Skrupellosigkeit. Und während in Russland die Umwälzungen fortschreiten, ist in den USA ein scheinbar verrückter Killer namens Happy unterwegs, der einen ganzen Ort einfach auslöscht.

Gerade der Part mit der Ortschaft wirkt wie eine Prise Jon Land, als dieser noch wirklich Top-Thriller verfasste. Dazu gesellt sich dann die schon auf dem Buchrücken von James Patterson (Okay, nicht gerade einer, den ich bei einer Frage zur Kaufentscheidung wirklich ernst nehmen würde) Äußerung, dass Hawke der neue James Bond sei (passt) und Ted Bell der neue Clive Cussler (passt glücklicherweise nicht). Der Protagonist wirkt tatsächlich wie ein Mix aus Eure Lordschaft Roger Moore aus der TV-Serie "Die 2" und einer etwas raueren Ausgabe des James Bond. Eine Überfigur gegen einen Überbösewicht mit neuer alles bedrohender Waffe. Unrealistisch? Wohl, aber die vielen Fans von James Bond können ja nicht irren. Von dem James Bond des alten Schlages, bevor er von der political correctness kastriert wurde. Und so einige Handlungsstränge sind nicht so weit hergeholt, wie man glauben mag. Okay, Putins Geschichte ist etwas vogelwild, einen Schmunzler konnte ich mir nicht verkneifen, aber dass die Russen ihre Niederlage im Kalten Krieg nicht verdaut haben, ist doch nahe an der Realität. Das Buch wurde im Original 2008 geschrieben und man kann sich ja mal überlegen, was erst vor kurzer Zeit in der Ukraine passierte. Davor war Georgien. Und davor waren etliche russische Staatenlenker unfähig, im Land Ordnung zu schaffen, die Kriminellen übernahmen das Zepter. Und die Amis hielten die NATO und ihre Bündnispartner dazu an, der russischen Volksseele auf der Nase herumzutanzen, sie zu brüskieren, ihnen immer wieder ihre Überlegenheit unter die Nase zu reiben, sich jedes osteuropäische Land nach und nach unter den Nagel zu reißen und sich Stück für Stück dem russischen Reich zu nähern. In einer Form der Überheblichkeit, die es auch auf ganz normalen Ebenen des Zusammenlebens gibt - sei es in Totenkultforen oder Filmforen, immer gibt es welche, die meinen, sie wären besser als die Anderen und könnten sie an den Rand drängen, sich dann aber wundern, wenn sich welche wehren und sie dann alleine dastehen. Politik, Konzernführer, User - jeder hat solche Großmannssüchtigen aufzuweisen. Also kein Wunder, dass ein Putin in der realen Welt trotz gewisser Rückfälle in alte Muster so einen Zulauf hat - und ebenso kein Wunder, dass man aus so einer Situation einen blendenden Spionage-/Agententhriller der alten Schule basteln kann. Seit der Ostblock niedergerungen wurde, gab es fast keine derartigen Agentenstories mehr, man widmete sich mehr dem Kampf gegen den Terror oder ließ Profiler, Serienkiller oder Psychofuzzis auf die Leserwelt los. Sehr schnell wurden auch die Actionromane um den Terrorkampf aussortiert, um blasse Professoren Rätsel lösen zu lassen. Jetzt sind sie wieder da - die Actioner und die Spyhunter. Verlagen wie Luzifer und Festa sei Dank. Noch ein Wort zum veröffentlichenden Verlag Luzifer. An einigen Stellen im Buch merkt man, dass auf vorherige Ereignisse angespielt wird. Selbstverständlich gestöbert und festgestellt, dass es tatsächlich frühere Abenteuer von Hawke gab/gibt. Nicht das erste Mal, dass ein Verlag mitten in einer Reihe beginnt. Doch das erste Mal, dass eine Anfrag von mir auch wirklich beantwortet wurde. Nicht mit irgendwelchen bedeutungslosen Worthülsen oder Textbausteinen zum Abwimmeln von Kundenanfragen. Hier wurde ein klare Antwort formuliert, die man dann auch akzeptieren kann und die aus Verlegersicht natürlich Sinn macht. Man sucht sich einfach den besten Roman - oder den, der sich bisher am besten verkauft hat - raus und hofft, dass dies in Deutschland ebenfalls so sein wird. 640 Seiten um Agenten, Atombomben, Gefängnisinseln und das gute, alte Pfählen. 8/10 sind da schon drin. Falls das nicht reicht, gibt es noch nen Extrapunkt für die Covergestaltung. Kann er halt, der Herr Schubert.  Gelle, Michael?                         

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #964 am: 19 April 2017, 18:12:30 »


Wallace Stroby. Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert die Beute auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen. Crissa hat das System des Bankraubs perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen wie unprofessionell. Zum Glück wartet schon ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York.

Crissa Stone hat den Geldautomaten mit ihren Kollegen sicher in eine Scheune in einer ruhigen Ecke gebracht. Man macht sich daran, ihn gewaltsam zu öffnen und die Beute aus ihrem Gefängnis zu befreien. Nach der Zählung sind eigentlich alle zufrieden, doch dann brechen gewisse Ressentiments zwischen den Partnern von Stone aus dem bisher behüteten Innenleben der Männer aus. Als dann das Wort Nigger fällt und die Pistolen sprechen, ist Crissa Stone auf einmal alleine für die Beute verantwortlich. da sie mit diesen Geldautomaten-Jobs eh aufhören wollte, weil es mittlerweile doch ein zu gut zu erkennendes Muster gibt, schnappt sie sich die Kohle und dampft ab Richtung Norden. Dort will sie erst einmal Gras über die Sache wachsen lassen,mit ihrem Mittelsmann und Anwalt sprechen, der ihr die Jobs besorgt und Geld für ihren Wayne im texanischen Knast aufwendet, um ihn zu beschützen und vielleicht eine Bewährung durchzusetzen. Da ihr Geld, das sie mitgebracht hat, möglicherweise heiß ist, muss es gewaschen werden und damit wird es auch weniger. Und sie benötigt eine Menge Geld, um für Wayne zu sorgen. Also hört sie sich an, was ein gewisser Benny zu sagen hat. Er war als Gehilfe für eine Kern-Crew tätig, die den berühmten Lufthansa-Raub 1978 durchgezogen hat. Nach dem erfolgreichen Coup ging es aber bald rund in der Stadt. Immer mehr Mitwisser und Täter starben und es ist kaum noch einer übrig, der über die Sache Bescheid weiß. Auch Benny kann anhand seiner wenigen Informationen nur Vermutungen anstellen, doch die scheinen gut zu sein. Bald erweist sich, dass wohl etwas dran ist, da auf einmal auch die Mafia - längst nicht mehr die Organisation, die sie 1978 war - ihre gierigen Pfoten auf das Geld legen will. Und dadurch wird der Coup plötzlich von schwierig zu mörderisch gewandelt.

Die Reihe um Crissa Stone ist das Gegenteil der hier sonst üblichen Actionlektüre und unterscheidet sich auch in einigen Punkten von Richard Starks "Parker"- Romanen. Diese Berufsverbrecherin agiert nicht ganz so kalt und skrupellos wie deren Protagonist, was aber nicht heißt, dass sie jetzt eine Gaunerin mit Heiligenschein ist. sicher, der Grund für ihre derzeitigen Raubzüge ist ein halbwegs ehrenvoller, da sie für Wayne und ihre Tochter, die bei einer Kusine lebt und diese Mama nennt, sind, aber sie ist und bleibt eine Verbrecherin. Wenn auch eine mit Moral und Ehrencodex - bis zu einer gewissen Grenze natürlich nur. Benny dagegen ist ein Mann, der miterleben musste, wie sein Vater sich krumm schuftete, damit die Gauner in Anzügen nur noch reicher wurden als sie es eh schon sind. In der Hinsicht hat sich in der Realität wohl nicht viel gewandelt. Nur, dass die Gauner mittlerweile sämtliche Gesellschaftsschichten durchsetzen und sich vermutlich geeinigt haben, dass Politik, Recht und Gesetz und die Wirtschaftsbosse Hand in Hand arbeiten und den großen, 90-prozentigen Rest der Bevölkerung dafür bluten lassen. So blieb Benny irgendwie keine Wahl, eine anderen Karriereweg zu wählen. Menschliches Schicksal halt. Die ganze Aufräumaktion hat er nur überlebt, weil er im Zeugenschutz saß. Wieder eine Notwendigkeit. Auch Crissa und selbst die Mafiosi haben ihren Hintergrund, um so zu werden wie sie sind. Doch Wallace Stroby ist sich seines Genres bewusst, schreibt knapp, klar und präzise, kein Wort zuviel, kein umständliches Geschwafel um unnützes Zeug zu beschreiben. Schnell geht es zum großen Geld, schnell kommen auch die gebrechlichen Mafiosi hinter ihnen her und schnell weht der Pulverdampf durch die Seiten. Bald ist ihr voller Einsatz gefordert und sie erweist sich als Parkers Schwester, die aber etwas mehr Gefühl an den Tag legt ohne weich und schwach rüberzukommen. Hardboiled ist mittlerweile zu einer Rarität geworden, guter Hardboiled erst recht. Der Pendragon Verlag hat dem mit Crissa Stone Abhilfe geschaffen - und versprochen, auch die weiteren Romane von Wallace Stroby um seine Protagonistin in Deutschland zu veröffentlichen. Ich werde dabei sein, wenn sich die Buchbestellungen häufen. Im Nachwort von Alf Mayer gibt es dann Informationen zu und von WallaceStroby und dem Lufthansa-Heist.  330 Seiten.                         

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #965 am: 19 April 2017, 18:14:21 »


Kristopher Rufty. Amy liebt ihren Hund über alles. Er ist ihr Beschützer und bester Freund. Jagger ist zwar riesig, aber lieb und verspielt. Doch das wird sich ändern; denn der hoch verschuldete Loser Clayton will bei Hundekämpfen die fette Kohle machen. Und dazu braucht er dringend einen Hund - einen sehr großen Hund! Clayton weiß, wie man aus einem harmlosen Hund eine Tötungsmaschine macht: Er pumpt den armen Jagger voll mit Drogen und Steroiden und verwandelt ihn in ein blutgieriges Monster, das keinen Schmerz empfindet. Als die durchgedrehte Bestie flieht und durch die Stadt hetzt, zerreißt sie alles, was ihr in die Quere kommt. Jagger ist auf dem Weg nach Hause, zurück zu Amy, denn die hat ihn doch im Stich gelassen.

Clayton scheint am Arsch. Wieder wurde eine Töle bei Hundekämpfen zerfleischt und er schuldet einem fiesen Drecksack noch mehr Geld. Er will sein Glück zu sich zurück zwingen. Dafür benötigt er dringend einen Hund, der sich aufs Kämpfen versteht und kein Zwergpinscher ist. Leichter gesagt als getan. Die im Tierheim nehmen nicht nur Geld für eine Tieradoption, die überprüfen auch das neue Herrchen. Genug Geld hätte er eh nicht, rasselt bei der Prüfung seiner Lebensumstände genauso schnell durch wie dereinst in der Schule. Auch ein Grund, warum er nicht gerade im besten Viertel der Stadt wohnt. Für viele hier wäre die nächste Station unter der Brücke. Doch er hat eine Idee, die ihm sein Kumpel Stan eingepflanzt hat. Hund besorgen, von Stan mit selbst experimentell zusammengestellten Anabolika aufpuschen und schon ist er frei von Schulden. Dass Stan das Zeug so ganz nebenbei auch an die Farmer der Umgebung vertickt, damit die ihre Viehzucht etwas gewinnträchtiger machen können und das Fleisch an die Läden in der Stadt verkaufen, wo es womöglich nach dem Verzehr divese gesundheitliche Schäden bei den Kunden anrichtet, interessiert ihn absolut nada, rien, niente. Fehlt nur noch der Köter. Amy hat einen Hund, der sich eignen würde. Es ist Jagger, der zwar ein häßliches Riesenvieh ist, aber ein ganz lieber - Einschränkung ist aber der UPS-Mann, den mag er nicht. Ansonsten knuddelt er gerne mit Amy, ihrer Freundin Teresa, sogar mit den Nachbarn. Doch dann holt ihn die Realität ein. In Form von Clayton. Der schnappt sich den Hund, bringt ihn zu Freddy, der für Stan die Hunde scharf macht, die Mittelchen verabreicht, aber auch kräftig Schläge mit der Peitsche zum Training austeilt, um den Hund so richtig biestig und blutgierig zu machen. Das ist dann sogar dem Loser Clayton zuviel und er greift Freddy in die Parade. Pech, dass der dann Jagger in die Fänge fällt - und Jagger ist mittlerweile gut abgerichtet. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Das Buch beginnt fast schon idyllisch, auch wenn die Umgebung, in der Amy und Jagger zuhause sind, nicht gerade den Eindruck eines Lebens ohne Sorgen vermittelt. Und so nach und nach werden zwar Amy und Jagger vorgestellt und so richtig zu den Goldielöckchens der Geschichte, aber die Charaktere drumherum zeigen sich schon bald als fiese Egoisten, geile Böcke oder einfach nur Scheißkerle. Und Kristopher Rufty nimmt sich Zeit, das vermeintliche Idyll umgeben von Müll zu skizzieren und obwohl  man weiß, dass dies bald ein Ende haben wird, lässt man sich darauf ein, spekuliert, was die mehr oder weniger seltsamen Nachbarn vielleicht mit der Sache zu tun haben könnten, bis es denn passiert. Und während dieser Zeit schleicht sich dieses namenlose Grauen bedächtig und leise an den Leser heran wie ein schüchterner Dieb in der Nacht. Und wirklich von einer Seite auf die andere schlägt das Wetter bzw. Jaggers Stimmung um und es gibt Fleisch und Gekröse satt. Jagger ist auf Rache aus an allen, die ihn belogen, betrogen und hintergangen haben. Die arme Hundeseele vertsteht das Handeln der Menschen nicht - und gerade die haben ihm das letzte Fünkchen Freundlichkeit aus dem Leib geprügelt. So geht er seinen Weg wie dereinst Charles Bronson - nur dass es jetzt heißt "Ein Hund räumt auf". Naja, ein bisschen "Lassie" mit hohem Gewaltanteil und etlichen wahrlich zerfledderten Körpern und Körperteilen ist vielleicht auch dabei. Jagger kennt keine Freunde mehr und die Zahl seiner Opfer auf dem Weg zu Amy steigt immer weiter. Amy indes zeigt sich auch immer mehr von einer egoistischen und winseligen Seite, ihr Nervfaktor steigt. Fragt sich, wieso ihr die Kerle abhauen. Kein Wunder, wenn sie weitaus mehr Interesse am Haustier hat, denn Freund. Allzuviel Sex kommt in dem Buch nicht vor, ein bisschen Erotik und Gespanne gepaart mit Ekel vor Ü-50-Sex unter Rentnern. Nachdem die freundliche Stimmung zu Beginn des Buches nach und nach fast schon vernichtet wurde, zeigt sich so etwas wie eine brutale Hundedystopie, die wenig Hoffnung aufkommen lässt, dass sich je etwas ändert. Während der Lektüre kann man sich selbstverständlich seine Gedanken über die abgehalfterten Figuren machen, im Kopf ein bisschen "Dueling Banjos" ablaufen lassen und feststellen, dass - abgesehen von Tollwut, Verteidigung oder Revierkämpfen - der Mensch die Schuld an der Verrohung der Tiere trägt (und wenn ich mich heutzutage so umsehe und mitbekomme, was die Erziehung oder die Politik und Konzernauftreten betrifft, auch die Verrohung der menschlichen Rasse). Was mir während der Lektüre aber auch ständig im Kopf rumspukte, was die Frage, ob man noch etwas von Stans Wundermittelchen, das ja an die Farmer der Umgebung und damit auch in die Nahrungskette abgegeben wurde, lesen würde und ob es rabiate Auswirkungen zeigt. War nicht so, aber dann eben als neue Idee in einem zweiten Teil und mit einem Hund namens Swagger - oder so. Tierhorror vom Feinsten, in den man auch Gesellschaftskritik hineinlesen kann, wenn man will. Die zweite Hälfte des Buches hat es so richtig in sich und ist rein gar nichts für Tierfreunde. Die bleiben dann besser bei "Lassie". Unterhaltsam und flott geschrieben und mit einigen Spannungsmomenten sowie Ekelszenen über 440 Seiten auf ne 8/10 getrieben. Und besser als die letzten Tierhorrorfilme um Hunde, die ich mir so angeschaut hab.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #966 am: 22 April 2017, 14:31:19 »


Brad Taylor. Pike Logan und seine Taskforce sollen für den Schutz eines US-Gesandten sorgen, der in Dubai an Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina teilnimmt. Und tatsächlich gibt es einen ausgeklügelten Plan: Alle Teilnehmer sollen mitsamt den Burj Khalifa, einem der höchsten Wolkenkratzer der Welt, in die Luft gejagt werden. Pike und seine Partnerin Jennifer Cahill haben es aber nicht nur mit einer Terrororganisation aus dem Nahen Osten zu tun: Auftragskiller und Verbündete auf Abwegen nehmen auch die Taskforce ins Fadenkreuz.

Pike Logan hat Schwierigkeiten. In Sidon, nahe Beirut, gerät er in Gefangenschaft. Was im dortigen System mit Gefangenen passiert, ist ihm nur zu bewusst. Er wurde bei der Überwachung eines Verdächtigen geschnappt, als in einem Laptop eine Bombe hochging, die irgendwer dort platziert hatte. Jennifer verdächtigt Samir, ihren Helfer im Libanon.Der weist diesen Verdacht weit von sich und schließt sich Jennifer an als es daran geht, Pike zu befreien. Doch die Gegebenheiten in Beirut sind immer noch äußerst seltsam für einen Westler. Hier verlaufen unsichtbare Grenzen zwischen den Gruppen, die sich stündlich verändern und niemand weiß so recht, wer gerade mit wem eine Liaison eingegangen ist. Schwierig, da eine gut koordinierte Befreiungsaktion zu planen. Dennoch gelingt das Vorhaben und als Pike frei ist, will er sich am liebsten auf Samir stürzen, der in seinen Augen ein Verräter ist. Unterdessen sind in der Gegend zwei Killer unterwegs, die anscheinend beide das gleiche Ziel haben. Über einen wissen die Leute um Pike und auch in der Heimatregierung Bescheid. Es ist sein alter Feind Lucas. Was keiner weiß, ist die Tatsache, das mit dem Phantom ein weiterer Spieler auf dem Platz ist. Und der entwickelt sich sogar zu einem Gegner von Lucas, denn Lucas argwöhnt, dass man außer ihm noch einen Killer angeheuert hat und er duldet keine Konkurrenz um sich. Auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Plänen nähern sich die Killer ihrem Ziel des Anschlages an und hinterlassen dabei recht unprofessionell einige Leichen. Selbsverständlich haben sie die Task Force auf den Hacken und die wird sie irgendwann beide oder auch nur einen von ihnen erwischen, um das Attentat zu verhindern.

Der dritte Roman um Pike Logan und seine Task Force. Pike leidet immer noch unter dem Tod seiner Familie, was eine gewisse Emotion in das Buch bringt, das ansonsten sehr flott und actionreich voran geht. Dass sein Erzfeind wieder in dieser neuen Auseinandersetzung mit dem Terror im Nahen Osten eine große Rolle spielt, nimmt er noch als Bonus mit. Daneben gibt es auch noch eine Hetzjagd unter Killern, verzwickte Fallen und tödliche Attentate. Bei einem davon musste ich unwillkürlich an den BVB-Bus denken. Hätte ein professioneller Killer oder ein Selbstmordattentäter seine Bomben präpariert, wäre alles viel schlimmer ausgegangen. Die Riesenpanik wurde dann hauptsächlich voin den Medien mit hren Spekulationen geschürt, von den "Experten", die sich ständig für Geld interviewen lassen, gestützt und man hat auch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, von möglichen linksgerichteten Tätern nach rechts zu weisen. Was nicht sein darf, ist auch nicht. Es gibt keine Bösen von links. Im Buch ist eine Bombe derart aufgerüstet, dass die Kugellager Menschen und Gegenstände regelrecht zerreißen (DAS wären schwere Verletzungen! Kein Armbruch und einige Splitter im Arm. Sind natürlich auch ziemlich schmerzhaft, aber auch hier haben die Medien wieder ihr Spielchen getrieben). Die Hatz geht durch diverse Länder wie den Jemen, Libanon usw. Amerika hetzt Menschen im Ausland und nimmt nicht unbedingt Rücksicht auf irgendwelche diplomatischen Verwicklungen. Im wahren Leben sind sie schon längst zu feige dazu. Deshalb sind diese Romane auch so erfolgreich. Gilt ja auch für Deutschland. Und für mich - ich les das Zeug recht gerne. Später wird zur "Tarnung" dieser illegalen Menschenjagdszenen mit Hang zur Selbstjustiz eine Szenenabfolge eingeflochten, die zeigen soll, dass die Amerikaner so schlimm nicht sind und dass Leute wie Pike Logan im Kampf um die Werte des Westens besser sind als der Feind. Dauert aber nicht lang, scheint eherein Ablenkungsmanöver, um den Leser weiter für die Protagonisten einzunehmen. Da ist mir ein ehrlicher Kracher, der die Feinde nicht verunglimpft und als Trottel hinstellt doch etwas lieber. Ist jetzt natürlich wieder Kleinkrämerei, denn das Buch geht geradlinig voran, ist mit viel Action unterfüttert und Sprache und Schreibstil sind direkt und flüssig, sodass der geneigte Leser zügig das Ziel erreicht und nach weiteren Abentuern dieser Art giert. Dafür sorgt der FESTA-Verlag ja weiterhin, hat er sich doch mit etlichen Autoren zu ähnlichen Themenkomplexen fast schon "eingedeckt". Da diese Art der Lektüre trotz gewisser "Befremdlichkeiten" zu meinen Favoriten zählt, bin ich natürlich wieder dabei. Unterbrochen wird die Einklaufsflut der Actioner bei Festa sicher -oder erst - wieder im März 2018, wenn von Tom Wood das neue Abenteuer um Victor erscheint: "Die Tage des Jägers". 505 Seiten.

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #967 am: 26 April 2017, 10:34:48 »


Chris Philbrook. Herauszufinden, dass ein Nachbar überlebt hat, nachdem die Untoten die Welt übernommen haben, ist nicht immer eine gute Sache. Es sei denn, bei diesem Nachbarn handelt es sich um den mürrischen, bewaffneten und pensionierten Green Beret, Gilbert Donohue. In diesem Fall findet man heraus, dass dieser Nachbar so etwas wie der sprichwörtliche Jackpot ist. Adrians abtrünniges Leben auf dem Campus nach „DEM TAG“ ist nur noch ein Kampf. Die Beschaffung von Lebensmitteln aus der Nachbarschaft, die voll mit wandelnden Untoten ist, stellt für Adrian eine riesen Gefahr dar, aber zumindest ist er am Leben. Denn er ist ein wenig schlauer als so manch anderer Überlebende - und ein wenig schneller als die wankenden, hungrigen Zombies, die sowohl seine Stadt als auch den Rest der Welt eingenommen haben.

Adrian vertraut seinem Tagebuch weitere Erlebnisse an, wie er sich mit Vorräten eindeckt, wie er diverse Häuser in der Umgebung säubert und sich dann nimmt, was er braucht. Dass das nicht ohne irgendwelche Gefahren abgeht, ist sonnenklar im tiefen Winter. Einmal gerät er an eine riesige Dänische Dogge, die ihm das Bein zerfleischt, bevor er das Vieh von sich weg bringt. Das andere Bein hat er sich angeknackst, sodass seine Flucht ziemlich schmerzhaft wird. Die Anfänge der Zombielution seiner Welt erlebt er noch als Hausmeister der Highschool, wo er nur Reparaturarbeiten zu verrichten hat und hin und wieder die Girlies auf die Regeln der nächtlichen Ruhe hinweisen muss. Wie auch er werden dann alle von den eintrudelnden Nachrichten überrascht, finden sie unglaubwürdig. Bis dann die ersten Eltern angerauscht kommen, um ihre Zöglinge abzuholen und dabei ein Unfall passiert, der ein Menschenleben kostet, das kurz darauf zum Zombieleben wird. Ruckzuck begreifen Adrian, die Lehrer, die Kids und deren Eltern, dass an den Nachrichten sehr wohl etwas Wahres dran ist, denn die Beißer holen sich ihre Beute und vermehren sich dabei schneller als Karnickel. Auch andernorts geht es nicht viel besser zu. Ganze Erdteile werden überrannt und ihr Kleinstadtkosmos hat dieser Invasion der Lebenden Toten nichts entgegenzusetzen. Adrian verbarrikadiert sich in den Räumen der Highschool und lebt sein Leben einsam vor sich hin, nachdem er den Laden und die nähere Umgebung gesäubert hat. Bis er feststellt, dass es ganz nahe tatsächlich noch richtiges, menschliches Leben gibt. Gesellschaft - das wäre was für ihn.

"Adrians Untote 2" ist flüssig erzählt und hebt sich auch etwas von den sonstigen Titeln um derartige Epidemien oder Pandemien ab. Adrian ist nicht der große Held einer Spezialeinheit, der seine Ausbildung nutzt, um allein gegen den Untergang anzutreten und dabei todesmutig Unmengen von Überlebenden rettet, mit denen er einen Neuanfang der Menschheit starten kann. Zwar war er bei der Armee, aber keinesfalls der Übersoldat. Zurück im Privatleben ist er nur ein simpler Bediensteter einer Highschool. Sicher helfen ihm einige Kenntnisse etwas mehr als es bei den restlichen Leuten in seiner Umfeld der Fall ist, aber heroisches America First gibt es hier nicht. In diesem Teil nimmt der Autor den Leser mit in die nähere Vergangenheit und erzählt, wie sich dieses Desaster entwickelt hat und wie die Menschen damit umgegangen sind. Unglauben, Angst, Flucht, Wehrhaftigkeit machen sich im Chaos breit und nur wenige haben überhaupt eine Chance, sich gegen die sich wieder erhebenen Toten zu bestehen. Zuerst erwischt es die Helfer. Feuerwehr, Sanitäter, Ärzte, Polizei. Unfallopfer greifen ihre Retter an. An wen kann man sich noch wenden, wer fällt einen nicht an, um die Bauchhöhle leerzufressen? Nirgends Hilfe, totaler Zusammenbruch. All dies gewinnt besonders durch den Tonfall, in dem die Story verfasst wurde. Leicht flapsig und mit einem gewissen humoristischen Einschlag, aber auch der nötigen Action, um gar nicht erst so etwas wie eine Durststrecke aufkommen zu lassen. Kein Werk, das sich in zuviel Anspruch verzettelt, das aber dafür direkt und schwer unterhaltsam auf die Zielliinie dieses Teils zusteuert. Ein dritter Teil der Reihe ist vom Verlag Voodoo-Press schon angekündigt und darf gerne zeitig kommen. Die 330 Seiten waren jedenfalls ruckzuck gelesen.

Offline Jerry Garcia

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« Antwort #968 am: 30 April 2017, 18:08:44 »


John Grisham. Theo Boone, Anwaltssohn mit ausgeprägtem Sinn für Recht und Gerechtigkeit, löst die schwierigsten Fälle – und er ist erst dreizehn! Als in seinem Heimatstädtchen Strattenburg, Louisiana, ein aufsehenerregendes Verbrechen geschieht, ist Theo wie elektrisiert – nun endlich kann er aus nächster Nähe einen großen Prozess verfolgen. Es scheint das perfekte Verbrechen zu sein, und schnell zeichnet sich ab, dass der Angeklagte seiner gerechten Strafe entkommen wird. Doch niemand hat mit Theo gerechnet.

Theo ist als Sohn von Anwälten auch selbst an der Rechtssprechung der USA interessiert und verfolgt alles, was er finden kann, um diesem Thema näher zu kommen. In seiner Heimatstadt Strattenburg kennt man den Schüler durchaus schon als "Rechtsberater" seiner Schulkollegen und hilfsberreiten Menschen, der auch im Obdachlosenheim Nachhilfeunterricht gibt. Einer dieser jungs dort, dessen Mutter sich um eine Aufenthaltsgenehmigung in den USA bemüht und immerzu arbeitet, kommt mit einem Problem zu ihm. Der Fall um die Ermordung einer Frau hat schon Schlagzeilen gemacht. Verdächtig ist der Gatte der Toten. Nach seiner version war er zur Tatzeit auf dem Golfplatz, doch hier kommt Theo mit dem Jungen aus dem Center ins spiel. Es gibt angeblich einen Zeugen und der Junge kennt ihn wohl, verrät aber seine Identität vorerst nicht. Zumindest hat er etwas gesehen, das entscheidend für den Prozess sein kann. Nun wird es zu einer Hängeparty für Theo. Der Zeuge ist illegal im Land und will nichts mit der Polizei oder Behörden zu tun haben. Also auch keine offizielle Aussage vor Gericht machen.

Der junge Protagonist von Grishams Gnaden ist ein Anwerber auf den Heiligenschein - zu gut, um wahr zu sein. Nett, hilfsbereit, superschlau und gehorsam. Dazu extrem interessiert an Gerichtsverfahren, weil er selbst Anwalt werden will. Auch seine Charakterisierung ist oberfläch, aber gegen die der Nebenfiguren dennoch ausgeprägt. Denn die sind einfach nur da, um Theo als Stichwortgeber zu dienen. Aber auch die Figur des Boone-Buben ist zweckgemäß im Roman eingebaut. Als Jugendromancier will der Schöpfer so vieler mittelmäßiger Thriller für Erwachsene nun den heranwachsenden der Nation von Superhelden das Rechtssystem näherbringen. Mal abgesehen davon, dass wohl nur solche Leser seine Bücher in Händen halten werden, die des Lesens auch mächtig sind (Die USA wollen ja überall führend sein und bei mangelnder Bildung der Bürger haben sie auch dieses Ziel erreicht.), war ich gespannt, wie er die verzwickten Ausgangslagen und Fallstricke im US-System formuliert. Tja, er hält sich merklich zurück, vereinfacht hier noch mehr als in seinen Büchern für Erwachsene (man lasse einmal seine wenigen Klassiker aus der Anfangszeit außen vor, die seinen Ruhm begründeten) und entwickelt keine überrmäßg komplizierten Fälle. Für die Zielgruppe eine gute Entscheidung. Als etwas älterer Leser sollte man das berücksichtigen, wenn man eine Story um Theo Boone angeht, von dem es mittlerweile sechs Abenteuer im Gerichtssaal gibt. So ist das rund 270 Seiten lange Werk schnell und leicht zu konsumieren, hat den einen oder anderen Spannungseffekt und erinnert irgendwie an einen Tom Sawyer der Moderne. Clever und eigenen Wege gehend, manchmal etwas Besserwisserei ausstrahlend, die den Erziehungsberechtigten gefälligst verborgen zu bleiben haben. Kleiner Happen für die Zugfahrt zur Arbeit für Erwachsene oder zum Referieren für Schüler, wie Alex ja schon bewiesen hat.                         

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #969 am: 30 April 2017, 18:10:29 »


John Grisham. Die Anwältin Lacy Stoltz ermittelt in einem Korruoptionsfall von nie da gewesenem Ausmaß. Ein Richter soll ber Jahre hinweg Bestechungsgelder in schwindelerregender Höhe kassiert haben. Woher stammt dieses schmutzige geld? Lacy Stoltz recherchiert und kommt Machenschaften auf die Spur, die sie das Leben kosten könnten.

In den Staaten gibt es eine unterbesetzte und unterfinanzierte Behörde namens BJC, die gegen korrupte Staatsbedienstete wie Richter Ermittlungen anstellt. Eines Tages werden sie von einem ehemaligen Anwalt, später Verräter äh Informant für die Polizei auf illegale Aktivitäten im Umfeld eines Spielcasinos auf Reservatsgebiet in Florida aufmerksam gemacht. Der eigentliche Whistleblower hat sich über einen Mittelsmann an den Ex-Knacki gewendet, um selbst im Hintergrund zu bleiben. Auch der Mittelsmann und der Kontaktmann wollen bei den Behörden lieber nicht in Erscheinung treten. Also muss sich Lacy mit ihrem Partner Hatch an ungewöhnlichen Orten treffen, die eine gewisse Verschwiegenheit garantieren können. Was sie dabei erfahren, ist Organized Crime in Reinkultur auf dem Gebiet der Indianer. Und da für die Reservate eigene Gesetze gelten, wid es schwierig, dort zu ermitteln. Doch auch die Gegenseite schläft nicht und die Reaktion ist gewalttätig und tödlich für einen der Mitarbeiter. Jetzt wird mit Nachdruck ermittelt und man erhält sogar Hilfe von einer Seite, die man nicht erwartet hat.

Was gibt es groß zu sagen. Ein weiterer Fließband-Grisham, der mit seinen früheren echten Thrillern wenig zu tun hat. Immerhin bezeichnet es der veröffentlichende Verlag nur noch als Roman und das ist gut so. Die Inhaltsangaben und abgedruckten Zitate verheißen dann aber doch wieder Spannungsliteratur im Thriller-Milieu. Wenn Publishers Weekly Worte wie "hochbrisant" und "meisterhafter Erzähler" raushaut, ist das doch etwas sehr übertrieben. Im Umfeld eines Reservates lassen sich seit jeher gute Geschäfte machen. Die Indianer dürfen ihr Gebiet selbst verwalten und auch ihre eigene Polizei aufstellen. Nur in allerschwersten Fällen darf sich das FBI einmischen, lokale Behörden haben keine Berechtigung dazu, ebenso ergeht es der Steuerbehörde. Im Gegensatz zu früher geht es den Indianern gut, obwohl diese Regeln auch Risiken bergen, auf die der Autor kurz eingeht und ein Problem anspricht, das sicher nicht einfach ist, aber unter die Gesetze des Reservats fällt. Überhaupt erweist er sich oft in Nebensätzen als Vertreter und Beschwörer der erzwungenen political correctness oder rigoroser Gesundheitspolitik und anderer Eingriffe ins Leben der Menschen in den USA. Dinge, die auch hier immer mehr propagiert werden und zu hanebüchenen Entscheidungen in der Politik führen. Zu behaupten, dass die Story Schwung hätte, wäre geprahlt. Es wird zwar immer wieder mit der einen oder anderen Formulierung versucht, an der Spannungsschraube zu drehen, aber richtig zünden will das nicht. Da gilt auch für den feigen Anschlag auf die Ermittler. So bleiben erschöpfende, wenn auch sehr simpel formulierte Erläuterungen zu den Reservaten, die es über ganz Amerika verteilt gibt und die Figuren, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Gut und weniger gut sind sauber voneinander getrennt, die Neugier des Lesers beschränkt sich auf die Identität des Informanten. Und hier kommt dann eine in meine Augen infame Praxis an den Tag. Mit dem netten Wörtchen Whistleblower bezeichnete Verräter erhalten per Gesetz gar eine finanzielle Belohnung für ihre Aktionen. Wie man auch schon beim Ankauf von Steuer-CDs lesen konnte, wird hier eine kriminelle Handlung belohnt. Datendiebstahl, Betriebsspionage, im weiteren Sinne sogar Stalking von Privatpersonen durch Privatpersonen. Verbrechenslegalisierung per Gesetz. Gewollt von der Politik. Der Rechtsstaat wird von seinen Vertretern ausgehebelt. Solche Ergebnisse sollten eigentlich durch Ermittler im Staatsdienst kommen, Doch das wurde leider durch das Drehen an der Kostenschraube zur Unmöglichkeit verdammt. Einmal sind zu wenig Polizei oder andere Institutionen derart gut besetzt, dass sie ihre Arbeit korrekt erledigen könnten und zum Zweiten auch zu schlecht ausgerüstet. Hätte alles Geld gekostet. Da nimmt man es lieber in Kauf, dass zwielichtige Subjekte die Drecksarbeit machen und dafür belohnt werden. Nicht, dass die Behörden da Kapazitäten frei hätten, um Wohnungseinbrüche oder Ladendiebstähle zu bearbeiten. Da lässt man die Täter gewähren und bürdet dem Bürger die sogenannte Eigenverantwortung auf - und stärkt nebenbei die eh immer zahlungsunwillige Versicherungsbranche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das Ende ist dann eigentlich nur noch eine Aufzählung der Vorgänge wie man seinen Einkaufszettel aufschreibt. Seichtes Mittelmaß, einfach verständlich für die Massen produziert und verfasst. Ohne große Überraschungen und wenig Spannung. Nur bei den Informationen über die Reservate wurden schon vorhandene Erkenntnisse und bestehendes Wissen punktuell ergänzt. Ein Reißer waren die 450 Seiten nicht. Wer beim Lesen einfach nur Entspannung sucht und die Handlung flach haben will wie die Charaktere, fühlt sich hier aber Zuhause. Grisham wie gewohnt zum Schnellkonsum. Der Erfolg gibt ihm ja recht.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #970 am: 5 Mai 2017, 12:38:38 »


Arto Paasilinna. Er weiß gerade noch, dass er Tavetti Rytkönen heißt und einmal Panzer-Sergeant war, als ihn Taxifahrer Seppo in Helsinki mitten auf der Straße aufgabelt. Auf die Frage "Wo soll╔s hingehen?" lautet Rytkönens Antwort: "Egal, einfach vorwärts." Und so beginnt eine skurrile Tour, die das ungleiche Paar kreuz und quer durch die finnische Seenplatte führt. Dabei wird ein Bauernhof verwüstet, werden Kühe gejagt und ein Dutzend Französinnen beim Überlebenstraining überrascht.

Rytkönen steht mitten auf der Fahrbahn einer Stadtstraße und versucht, sich die Krawatte zu binden. Der Verkehr fließt um ihn herum, ansonsten beachtet ihn keiner. Taxifahrer Seppo Sorjonen hat gerade eine Leerfahrt und beobachtet die seltsame Szene, während sich hinter ihm der Verkehr staut. Als die hinter ihm wartenden Hektiker das Hupkonzert überlaut zelebrieren, steigt er aus, hilft dem Mann mit der Krawatte und lädt ihn in sein Taxi. So begnnt eine Tour, die er nie im Leben erwartet hat. Rytkönen hat genug Geld, um sich die Fahrt leisten zu können, wohin auch immer sie führen soll. Nur weiß er nicht mehr, woher er kommt. Er lebt am Rande des Vergessens. Dennoch fährt Sorjonen ihn weiter, den Wünschen des Fahrgastes entsprechend.

"Der Sommer der lachenden Kühe" ist ein humorvolles Buch und anrührend zudem. Launig und witzig, aber auch mit einem Blick auf die finnische Geschichte mit den Russen und den Deutschen. Und den Umgang mit Demenz, an der Protagonist Rytkönen leidet. Da sich der alte Mann aber mehr an seine früheren Abenteuer erinnert, denn an das, was er am Vortag erlebte, wird die Story auch bald zu einer Zeitreise durch die finnischen Ereignisse und Rytkönens Erlebnisse ab dem zweiten Weltkrieg. Und ganz nebenbei bekommt der Sozialstaat einige Hiebe verpasst. Seien es die Rentenversorger, die anscheinend aus reinen Analphabeten und Faulenzern bestehen, die ihre Aufgaben lieber auf die Versicherten abwälzen und ihnen das eigene Versagen in die Schuhe schieben wollen oder auch die Gesundheitsversorgung, bei der man nicht auf eine Behandlung hoffen kann, wenn man nicht im Ort wohnt, wo einen die Krankheit erwischt hat. Die Sozialkritik hat der Autor gut in die Handlung eingebunden und macht daraus auch keine ausufernden Diskussionen - es wird erwähnt und gut ist. So bewahrt er das Buch vor der totalen Langeweile. Sicher sind da einige kreative Momente, skurrile Ereignisse, verrückte Stories, aber die reichen nur für Schmunzler. Dialogwitz stellt sich eigentlich kaum ein. Das Buch wird lange von einer gewissen Leichtigkeit getragen, erhält durch die Ideen einen netten Spaßfaktor, plätschert aber auch hin und wieder ob der Erzählweise nur vor sich hin. Da hatte ich schon witzigere Bücher gelesen. Mittelmaß auf 220 Seiten.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #971 am: 5 Mai 2017, 12:40:04 »


Edward Lee.
Sie haben alles gefilmt.
Der Journalist Melvin glaubt kein Wort über das sogenannte Snuff-Haus. Doch die Gräuel, die vor 30 Jahren in diesem Haus geschahen, haben ihre Narben hinterlassen. Seither suchen ruhelose Seelen die Gemäuer heim. Das Haus aus "Das Schwein" - 30 Jahre später.

Melvin, 33 Jahre, unberührt, naiv und Mitarbeiter bei einer Zeitung. Er wird in den Norden des Bundesstaates New York geschickt, um eine Reportage über ein altes Mafiahaus bei Pennellville zu schreiben. Von Daddy finanziert, der seinen scheuen Sohn gerne unterstützt, damit der wenigstens etwas zu tun hat und er ihn los ist, geht die Reise an den Start. Was Melvin nicht ahnte, war die Sache, dass er seine Stiefmutter mitnehmen musste, da Daddy auf einer Tagung außerhalb als Redner auftreten sollte und dies einige Tage dauern würde. Da konnte er neben dem Loser-Sohn auch den heißen Feger, den er trotz Ehevertrages für eine gemütsschlichte Goldgräberin hielt, nicht gebrauchen. Melvin hingegen sabberte schon aus allen Ecken alleine bei dem Gedanken. Und die Reise wird in der Hinsicht für Melvin ein voller Erfolg und nebenbei gab es auch noch ein Intermezzo mit der dürren, versifften Hinterwäldlerin Squirrely, bei dem er aber jeden Versuch vorzeitig beendete. Doch was er dann mit seiner Stiefmutter, einer Biker-Gang und dem dürren Mädchen noch erleben muss, wäre ihm in seinen kühnsten Träumen nicht eingefallen.

Diese Novelle von Edward Lee bietet durchaus das, was man sich von einem Extrem-Titel dieses Autors erwartet. Einige Szenarien, die sicher nicht in jedem gut geführten Restaurant mit fünf Sternen als Appetizer angeboten werden, das ist schon mal klar. Aber im Vergleich zu "Das Schwein" fehlt eine Menge, um dessen Qualität zu erreichen. Es mag an den nicht sonderlich kruden Ideen liegen, die der Autor dem Leser hier auftischt. Oder am Leser selbst, der nach den bisherigen Outputs von Edward Lee - man erinnere sich an den killenden Wasserkopf "Bighead", der zwar blöd wie Stroh ist, aber das Hinterland seiner Heimat ideenreich unsicher macht und dabei selbst blutigste Löcher fickt - möglicherweise etwas übersättigt ist oder einfach immer noch mehr erwartet. So jedenfalls können die knapp 200 Seiten nicht an den Vorgänger heranreichen. Der Stil ist gewohnt einfach und leicht zu lesen, höchstens für seinen oben schon erwähnten "Bighead" etwas zu komplex😁. Ansonsten dürfte jeder der Story leicht folgen können. Einige Perversitäten werden zwar geboten, aber insgesamt konnte mich das hier nicht wirklich begeistern. Nett, aber es fehlte der letzte Kick, der Humor war auch nicht unbedingt der Brüller und selbst ein kleiner Alienkniff als Wiederholung wäre hier besser gewesen als sein "gar kein Kniff" und geschnetzelt wurde hier auch kaum. Ein mittelmäßiges Buch aus dem Portfolio des Autors der sexuellen Schrecken und der Wald- und Wiesenblutsäufer. Kann ja mal passieren. Man zeige mir einen Autor, der bei einem solchen Schreibdrang ausschließlich Topbücher abliefert.

Offline Jerry Garcia

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« Antwort #972 am: 5 Mai 2017, 12:41:20 »


J. L.Bourne. Dies ist das handgeschriebene Tagebuch eines Mannes, der durch die zerstörten und verlassenen Städte streift - auf der Flucht vor dem Grauen, das über die Menschheit gekommen ist.

Kil macht sich auf, den Verbleib der Kampfgruppen Phoenix und Sanduhr zu klären, die Gerüchte über ein Heilmittel hoffentlich zu bestätigen und im Nachgang Lebensmittel für seine Frau Tara und die gemeinsame kleine Tochter zu besorgen. Schon der Landgang alleine stellt ihn vor große Probleme, da sich die Untoten selbstverständlich weiter ausgebreitet haben. Und die sich auch nicht immer nur so dämlich anstellen, wie man es in gehypten TV-Serien eines Comic-Autors gerne hätte. So muss er sich aus unterschiedlichsten Bedrohungsszenarien seinen Weg freischießen oder schlicht und einfach einen Fluchtweg suchen und abhauen. Er findt neue Gefährten wie Laksa und auch Mitch, plündert Waffengeschäfte, nur um dann die Munition fast schon zügellos in Zombiehorden ballern zu müssen, was ihn erneut auf nahezu Null drückt, was seine Patronen angeht. Immer wieder die gleichen Probleme, bis dann auch Zombieviecher auftauchen, gebissene Hunde, die nun ihn beißen wollen,selbst vor Ratten muss er sich mehr vorsehen als jemals ins einem Soldatenleben. Und mehr als einmal sind seine Gefährten, die er im Laufe seiner Reise aufsammelt, seine Lebensretter.

"Tagebuch der Apokalypse 3" war mit seinem Hang zu Harmonie und Familienleben schlicht so langweilig wie die Romane zu der gehypten TV-Serie aus der Feder eines Autorenduos, das seine Werke eigentlich nur wegen dieses Massenphänomens überhaupt verkaufen kann. Ansonsten hätten die Bücher höchstens den Wert von Wühltischexemplaren. Und so ähnlich war die Qualität des dritten buches um den Soldaten Kil halt auch. DAS hat sich mit Teil vier zum Glück geändert. Ab dem Landgang direkt zu Beginn ist wieder Militäraction angesagt, inklusive einer kleinen Waffen- und Munitionskunde. So im Nachklapp wirkt es eigentlich wie ein Videospiel und seinen immer höheren Schwierigkeitgraden. Aber hey, das macht den Spaß hier ja aus. Keine großen menschlichen Dramen, die zerlabert werden und um deretwillen man die Action vernachlässigt. Kil schießt sich straight den Weg zum Ziel frei, plündert und versorgt sich selbst. Einer seiner neuen Freunde ist dann schon etwas "aus der Art geschlagen" und bisher selten in derartiger Literatur oder auch Filmen aufgetaucht. Im einen oder anderen Sci-Fi-Film denn schon, aber nicht in einer Zombie-Mär. Quasselfrei, aber dafür mit Logiklöchern, kleinen oder größeren Übertreibungen, Militärkunde und endlosem Geballer. Und schon ist für Kurzweil gesorgt. Wenn man (ich ja hin und wieder auch) davon schreibt, die Lektüre wäre zum Verstand ausschalten, ist das auch ein riesiges Logikloch. Wie soll man dann das Gelesene überhaupt aufnehmen?😃 Aber wenigstens muss man sich nicht um Charakterentwicklungen oder komplexe Handlungsabläufe sorgen - die gibt es nicht. Gerade aus und durch - fertig. Das Ende ist ein bisschen happy und ob man den Abschiedsgruß des Autors als Drohung oder Versprechen ansehen soll, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde einmal einen Blick in die Reihe "The extinction cycle" von Nicholas Sansbury-Smith beim FESTA-Verlag werfen. Die hat es wahrlich in sich. Militär-Action at its best. 410 Seiten.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #973 am: 9 Mai 2017, 18:56:50 »


John Shirley. Der ehemalige Söldner Roland versucht sich auf Pandora, dem gefährlichsten Planeten der Galaxie, mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Er ist gut bewaffnet, skrupellos und zäher als Skag-Leder. Für Zac Finn und seine Familie könnte Roland zur letzten Chance werden, als die drei mit ihrem Schiff über den brandgefährlichen Außenzonen Pandoras abstürzen. Plötzlich ist die Ein-Mann-Armee das einzige was noch zwischen den Finns und einer Horde psychotischer Killer und blutrünstigen Outlaws steht. Ganz zu schweigen von Pandoras ausgesprochen heimtückischer Flora und Fauna, die nur auf unvorsichtige Besucher wartet.

Die in die Bredouille geratene Familie Finn hat selbst schuld. Statt sich mit harter Arbeit ihr neues Zuhause aufzubauen, versuchen sie es über einen vermeinlich leichten Umweg auf dem als nahezu tödlich bekannten Planeten Pandora. Hier soll es massenweise Artefakte geben, die sich zu großem Geld machen lassen. Was man ihnen vorenthalten hatte, erfahren sie nachdem, sie gelernt haben, dass der Vorname von Landung Bruch ist und der Absturz ihres Schiffes in den Außenbezirken endet. Nicht nur, dass sie getrennt werden und jeder an eine andere Partei gerät - sie sehen jetzt endlich, wie bösartig und gefährlich das Land ist. Skags, Psycho-Zwerge, Bullymongs, Tunnelratten usw. - jeder tödlicher als der andere. Zu der Zeit ist auch Roland im Land unterwegs. zusammen mit seinem alten Partner McNee gerät er in eine Falle seines Feindes Crannigan und bei der Gelegenheit muss McNee seiner Rübe Adieu sagen, der er sie mit einem satten Platschen verliert. Doch auch Roland erwartet etwas weniger Feines. Entweder er wird von Crannigan umgenietet oder von den Psycho-Zwergen, die auf ihren riesigen Bullymongs angeritten kommen. Mit einer List entkommt er seinen Häschern und verschwindet in der Weite des kargen Gebietes. Dort stößt er auf Cal, den Sohn der Finns. Zak, der Vater, gerät an einen knurrigen und misstrauischen alten Knacker, Berl, der im Land unterwegs ist und Artefakte sucht, während Marla, die Mutter, an einen Banditen namens Vance gerät. Und ziemlich schnell wird ihnen allen klar, dass sie es hätten noch schlimmer treffen können.

Anhand der Inhaltsangabe auf der Rückseite könnte man vermuten - hab ich ja auch -, dass man hier einen Roman um einen knallharten Söldner auf seinem Weg zum Reichtum. Tja, war es denn doch nicht. Man nimmt am Schicksal der Familienmitglieder teil, wie sie sich in einer unwirtlichen Welt den Gefahren entgegenstemmen, in die sie sich selbst gebracht haben. Anpassung ist vonnöten. Roland und die anderen Charaktere sind nur Rahmenfiguren mit einer mehr oder weniger großen Rolle. Was Artefakte und Monster angeht, fühlte ich mich zeitweise schon wie in einem Roman zu Resident Evil, aber wenigstens die durchgeknallten Psycho-Zwerge waren originell - naja, für dieses Buch halt. DassTunnelratten und anderes Gesocks nicht gerade als Veganer durchs harte Leben ziehen, dürfte sofort jedem Leser klar gewesen sein. Und da ist dann auch mein Problem mit dem Buch - nix Neues drin, keine Überraschungen, kein letzter Knalleffekt. Drei voneinander getrennte Familienmitglieder spielen Lassie auf einem feindseligen Planeten und suchen ihre - HEIMAT. Gut, wirklich rührselig ist es nicht, aber den netten Sidekick des alten Berl, den tapferen Roland, der aus dem leicht nervigen Cal einen Kerl macht und Marla, die alles für ihre Familie tut. Schnuckeligkeit im Actiongewand. Dazu ein Elitesoldat, den in einem Western von Louis L'Amour mit Sicherheit Sam Elliott gespielt hätte. Cool, knurrig, wenig redselig, aber das Herz am rechten (Ist das heute noch erlaubt?) Fleck. Eine härtere Version von Familie Robinson im All und die wie die Figuren der TV-Serie "Lost" schnell feststellt, dass ihr einsamer Ort der Strandung so einsam gar nicht ist. Und dann der Slangsprech. Meine Fresse, dann lieber den Nuschelking in nem Film. Haste gemercht? Wurde manchmal tatsächlich zur Tortur. Autor John Shirley hat ja schon mehrere dieser Auftragsarbeiten erledigt, ist mir aber hauptsächlich als Songwriter (Lyrics) für Blue Öyster Cult und die Alben "Heaven forbid", "The curse of the hidden mirror" und den OST "Bad Channels" bekannt, ebenfalls von BÖC. Als Beispiel "See you in black".

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #974 am: 9 Mai 2017, 18:58:59 »


Und hier der neueste Appetitzügler, der auf dem Markt zu haben ist:

Matthew Stokoe. Steven ist 25 Jahre alt. Im Fernsehen beobachtet er all die perfekten, fröhlichen Menschen und träumt davon, selbst das normale Glück zu finden. Vielleicht mit Lucy, die eine Etage über ihm wohnt - auch wenn ihre Besessenheit für Vivisektionen echt krank ist. Aber Stevens Mutter würde das niemals zulassen. Sie hasst ihn und will ihn zerstören. Als Steven Arbeit in einem Schlachthaus findet, offenbart ihm der unvorstellbar perverse Vorarbeiter Cripps, wie man durch das Töten von Kühen echte Erfüllung findet. Doch die Tiere beginnen mit Steven zu reden und sie bitten um Hilfe.

Steven erlebt zu Hause die Hölle. Muttern ist eine versiffte Schlampe, die ihn tagein tagaus striezt, ihm ungenießbaren Fraß vorsetzt und zwingt, den Rotz auch noch zu fressen. Sein Leben spielt sich ansonsten vor dem Fernseher ab, der ihm die Bilder bietet, die er gerne als Familienleben sehen würde. Mit seinen 25 Jahren wird es auch Zeit, sich einen Job zu suschen. Den bekommt er in der Schlachterei und kommt unter die Fittiche des Vorarbeiters Cripps, der ihn anlernt - und als Frischling wird er auch gleich getestet. Was er dann erlebt, geht nicht mal mehr auf die sprichwörtliche Kuhhaut. Gewaltexzesse und sprechende Kühe, die ihn um Hilfe bitten. Einen manipulativen Bullen und eine Herde unter der Erde.

Unappetitlich bis zum Bersten. So kann man die ersten Seiten dieses Romans beschreiben. Mägen aus Stahl, Eier aus Granit und eine starke Abstumpfung gegen jegliches Leid irgendwelcher Lebewesen sind fast schon Grundausstattung, um die erste Hälfte zu überstehen. Die wimmelt nur so vor ekelerregenden Szenen, gegen die "Das Schwein""Bighead" und andere Werke von Edward Lee Kindergeburtsagsgschichtchen sind. Die Figuren - Mensch und Tier -  wandeln zwischen zwei Extremen: die arme geschundene Kreatur (Steven oder auch Hund - kein weiterer Name) oder die skrupellosen Täter. Cripps, der irre Killer und Boss der Schlachtergruppe oder Gummy, der verunstaltete Tierschänder. Hier werden Kühen nicht nur weitere Löcher gebohrt, die dann die gesamte Schlachter Bande rammelt. Hier wird Kot gefressen, beim Schlachten eher gemetztelt und gefoltert, Körperteile abgehackt und zerlegt und als Sexspielzeug benutzt - und als Steven endlich seine Rolle dort findet, akzeptiert wird, ist er schon mitten in einem Prozess, der ihn verändern soll und wird. Die Kühe, speziell der Guerney-Bulle, sprechen mit ihm und seine Persönlichkeit wird stärker. Er widersetzt sich seinem "Muttertier" und beginnt zu kämpfen - um seinen Platz in der Gesellschaft. Wobei ihm beide Parteien Gegner vorsetzen. Und immer wieder ist bei Steven die Rede von einer der sauberen und netten Familien, die zusammen glücklich sind - und nur auf dem Schein des Fernsehens basieren, fernab jeglicher Realität. Sein Wunschtraum während des Leidens unter dem Muttertier. Um dies zu erreichen, muss er aber den Mächtigen ihre Macht nehmen, sich auflehnen, vom Gefolge zum Führer der Massen werden. Das gelingt nicht so einfach - und am Ende??? Wünsche erfüllt? Gesellschaftskritik in ihrer wohl bis dato ekelhaftesten Form. Eine Wertung für das Buch nach Punkten? Nö, unmöglich, so aus der Reihe ist es. Ich kann es auch nicht zum Lesen empfehlen, aber ebenso wenig verdammen. Das Ganze ist wie ein Test. Man muss es probieren. Mir hat es jedenfalls stellenweise ordentlich den Appetit verhagelt bei derart vielen Kackwürsten zum Frühstück. für das Buch müsste man vielleicht eine Extra-Reihe beginnen - Festa-EXTREM extrem. So kommen dann auch 260 extremste Seiten zusammen. Wer zuvor "High life" und "Empty mile" gelesen hat, sollte wissen, dass "Kühe" die Gesellschaftskritik von der blutigen und brutalen Seite ausgeht.
Eigentlich sollte der Verlag eine Gratiskotztüte mitliefern.


Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #975 am: 13 Mai 2017, 20:22:59 »


Robert Blake Whitehill. In seinem kalten Versteck in einem New Yorker Keller erhält Ben Blackshaw von einem früheren Vorgesetzten einen codierten Notruf. Die anschließende Jagd nach einem mysteriösen Scharfschützen führt Blackshaw einmal um die ganze Welt. Zusammen mit seinem alten Freund Knocker Ellis Hogan versucht er, den Todesschützen in eine Falle zu locken. Aber dieser ist ihnen immer eine Nasenlänge voraus. Es dauert nicht lange, bis Blackshaw Verbindungen zu einer weitaus größeren und gefährlicheren Verschwörung aufdeckt, die nicht weniger als einen profitablen Krieg in Südafrika plant. Doch es gibt einen Ort, an dem Blackshaw gegenüber seinem Widersacher im Vorteil sein könnte.

Ben Bradshaw ist nach New York gekommen. Genauer auf die Insel Manhattan, die sich zwar für das einzige New York hält, aber doch nur der Platz für die Gierigen ist. Ben glaubte, eine Insel sei eine Insel wie die andere. Irrtum. Manhattan ist so weit entfernt davon, wie sein zu Hause zu sein, wie die meisten Politiker von einem Funken Intelligenz oder die DHL vom Kundenservice. Doch was will er machen? Manhattan ist nun einmal der beste Platz, um sein Gold umzusetzen. Schmelzen und bearbeiten finden im Keller eines verfallenden Hauses statt, das keiner mehr will, weil zuviele Belastungen drauf sind - selbst für New Yorker Verhältnisse. Also hat er sich dort eingerichtet. Er denkt, er sei unter dem Radar, doch das stellt sich bald als weiterer Irrtum heraus. Er findet eine mysteriöse Botschaft an die Wand neben seiner Tür gesprüht. Eine Aufruf, sich an einem bestimmten Ort zu zeigen. Er geht hin und wird von seinem alten Boss engagiert - höflich ausgedrückt. In Los Angeles wurde vor der Premiere eines Films eine dieser Diven, die sich für die Welt halten, weil sie irgendwo ein Talent gefunden haben, das man zum Ausbeuten der Massen nutzen kann und in diesem Werk mitspielt bei ihrer Parade vor dem Filmtheater mit einem einzigen Schuss in ihre Einzelteile zerlegt wurde. Die Spuren geben nicht viel her, nur dass alles - bis auf die wahrliche Ballistik-Zerpflückung des Opfers - an den Kennedy-Mord von Dallas erinnert. Und so nimmt eine Story ihren Lauf, mit der Ben nicht gerechnet hat.

Am Vorgänger gingen mir ja die Insulaner und die allseits durchdringende Gier auf die Nerven, viele Personen waren einfach unsympathisch. Daher war das Buch "Deadrise" eben "nur" gut. Die Mängel - was ich als Mängel betrachtet habe - sind ausgemerzt und die Sache nimmt nicht nur schnell Fahrt auf, sie lässt den Leser auch schön lange im Ungewissen, wer hier überhaupt warum die Fäden zieht und um welchen Hintergrund es sich handelt. Da bleibt man schon allein aus reiner Neugier dran, die Spannung ist also gesichert. Der Begriff "Nitro Express" hat eine bestimmte Bedeutung, die im Laufe der Handlung erklärt wird. Dazu gibt es einige ganz spezifische Beigaben, die leicht Richtung Science fiction abdriften (DNS) und auch nicht so ganz glaubwürdig daherkommen, was aber durchaus an der Unkenntnis des Lesers (in dem Fall mir) liegen mag. Viele Pläne, viele Bösewichte, falsche Spuren, Politiker, Verrat, wieder Gier und ein paar Sniper-Szenen, die es in sich haben. Kein Swagger, aber gut für die Unterhaltung. Und es herrscht manchmal eine Kaltblütigkeit vor, die man so auch selten liest. Hier mal schnell einige Unschuldige nur so als Ablenkungsmanöver geradezu vernichtet, dort mal ein bisschen Bullet-Folter und das Töten fällt auch bei Verwundeten Gegnern leicht - verbrannte Erde halt. Man muss aber schon aufpassen, dass man bei der Vielzahl der Handelnden und den Täuschungsmanövern den Überblick behält, wer jetzt welche Motivation hat und wohin das alles führen soll. Schneller, spannender Kracher, der ein typisches und Aufmerksamkeit erregendes Cover von Michael Schubert als klaren, weiteren Pluspunkt aufweisen kann. Die Bücher vom Luzifer-Verlag werden dadurch nur noch mehr aufgewertet. Und dabei hat der Verlag ja auch zum Großteil ein gutes Programm. Jetzt noch schnell zum Home-Entertainment-Start von "Stratton" eines der Bücher von D. Falconer rausgebracht, vom Verleger Steffen Janssen die Frage beantwortet, was die Schlagzeile im Videotext bei Sport1, diesem Sender, der meint, Pokern wäre Sport und verdiene massig live-Übertragungen, sollte - "Steffen ist schwanger"😈 - und alles ist gut. Zurück zum Ernst der Lage und zum Buch. Mir hat es sehr gut gefallen, ich konnte mich der Action nicht entziehen und daher sind 8/10 meiner Meinung nach voll verdient. Das Buch hat nur 300 Seiten, wurde aber Ressourcen sparend gefertigt. soll heißen, kleinere Schrift und den Platz voll ausgeschöpft. Papier gespart, Rohstoffe gespart/geschont. find ich okay, gab es früher auch schon, wurde aber von diversen Großkopferten zum Vorgaukeln umfangreicher Handlung und mehr Stoff aufgebläht, um damit höhere Preise zu rechtfertigen.

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« Antwort #976 am: 17 Mai 2017, 17:47:46 »


Candice Fox. Vor zwanzig Jahren wurden zwei Kinder gekidnappt und dem Tod beantwortet. Doch das kriminelle Mastermind von Sydney, Hades Archer, nimmt sich ihrer an, und sie werden Cops bei der Mordkommission.

In einer wirklich düsteren Nach, die auf dem riesigen Schrottplatz noch furchterregender wirkt, kommt ein Mann mit zwei Bündeln zu dem Besitzer und fragt unterwürfig, ob der was für ihn tun kann. Etwas muss entsorgt werden und da geht man auch zu einem Spezialisten. Hades schien dafür der richige Mann zu sein. Doch das war ein radikaler Denkfehler! Hades tötet den Mann und erschafft ihm denPlatz, der für die Kinder gedacht war. Als er merkt, dass diese sogar noch mal gerade so am Leben sind, behält er sie und bringt sie in Sicherheit. Zwanzig Jahre später arbeiten die beiden "Kinder" bei der Polizei. Beide bei der Mordkommission unter neuen Identitäten. Da Eden vor kurzer Zeit ihren Partner verloren hat, bekommt sie Frank Bennett zugeteilt. Und der bekommt schnell mitgeteilt, dass sie viel lieber Distanz zwischen sich und dem Neuen hätte. Und Bruder Eric fängt Frank auf der Toilette ab und donnert ihm eine Ohrfeige in die Fresse. Und Frank merkt,dass er gegen diesen harten und kräftigen Brocken keine Chance hätte, was dieser zu einer Art Mobbing wie dereinst auf dem Schulhof nutzt. Bald ergibt sich eine echte Spur im Falle eines Mordes, die ihnen ein Junkie verschafft.Was sie dort endecken, raubt ihnen schier den Schlaf.

Irgendwie war ich etwas enttäuscht. Es kommt mir so vor, als habe da jemand fünf Folgen Dexter geschaut und sich dann an der Idee fesgeklammert, die Story als Grundlage für einen eigenen Roman zu nutzen. Kinderloser Mann, Schwerverbrecher mit einem gewissen Ehrenkodex, rettet zwei Kinder und bildet sie aus. In Rückblenden erfährt der Leser den Werdegang der beiden Kids, die nun Polizisten sind und stellt fest, dass man bei der Erziehung durch einen Schrottplatzbesitzer, der seinen Job nur als Tarnung für kriminelle Geschäfte und die Beseitigung von Leichen nutzt. Wenn man dann noch eine bestimmte Veranlagung hat, ist man dann als Erwachsener schon ein Pulverfass mit kurzer Lunte. Bei Eden und Eric ist man also schnell bei der Hand mit einem bisherigen Urteil (es gibt zwei weitere Bücher) und der Polizist Frank will anscheinend einen auf den harten, aber gefühllosen Stecher sämtlicher weiblicher Detectives oder - man lese und staune - Opfern und Zeuginnen machen. Natürlich ist er auch an Eden interessiert. Die wirkt zwar gelangweilt (wie ich bei dieser lahm inszeniertenVersuchsliebelei), aber hey, es gibt noch zwei Bücher während deren sich Eden dem freundlichen Cop an ihrer Seite in allen Belangen öffnen kann und er sein Gehabe vielleicht ablegt. Zwei Gattinnen verschlissen, alles seine Schuld, meint er. Ob er sich mit diesem Geständnis Schlüpferfreigang bei Eden erhaschen will, kann man nur vermuten. Die Beiden reden viel ber Bullengeheimnisse und dämliche Taten, die sie mal angestellt haben, Fälle verbockt oder nur mit Glück bei der Polizei bleiben durften. Ist ja ganz nett, aber zu schwallig, das verlaberte Geplänkel der Eden und des Ich-Erzählers Frank wirken mit der Zeit nervig. Der Fall, der später zu "die Fälle" wird, ist schon etwas spezieller als die üblichen Mörderhatz-Krimis, aber auch keine Weltneuheit. ein Serienkiller mit einem etwas weniger abgedroschenen Motiv ist zwar eine feine Idee, aber insgesamt fehlt es eben gerade an denen - feine Ideen. Klischees allerorten, Dexter mindestens genauso oft. Dazu noch ein Racheplan. Letzterer ist das einzige Teil im Puzzle, das noch die Neugier des Lesers wecken konnte. Der Leser, der diese Zeilen hier verfasst, hatte nämlich eindeutig auf einen satten Hardboiler mit coolen Charakteren, ner ordentlichen Portion Selbstjustiz und lockere Sprüche gehofft - One-Liner vom Feinsten sowie etwas maulfaulere Protagonisten. Wenn das erste Buch nur als Einsteiger in eine deftigere Dimension sein sollte, dann erhoffe ich mir beim zweiten Buch mehr. War das aber schon alles, dann "Adieu, Baby", ich les lieber endlich mal einen Wyatt. Mitreißend? Nur wenn man es in Aare bei Hochwasser wirft. Spannend bis zum Nägel kauen? Ich kann mich beherrschen. Das langt nicht einemal zum Fingernägel kauen. Ein netter Entwurf für eine leicht abgewandelte neue Serie im Stile von "Dexter", aber Highlight ist was anderes. Und dass Protagonisten nach einem Fund etlicher Mordopfer, die schon verfaulen, Hunger bekommen, ist auch nur ein Klischee. Clint Eastwood hat schon in den 70-ern ne Bande von Flugzeugentführern (naja, sie versuchten es und der Vogel war noch am Boden) umgenietet und danach den Burger weitergefuttert. Es gelingt nicht wirklich, sie cool oder gar sympathisch wirken zu lassen. Das ist eher eine Bande Soziopathen in einem simplen Krimi. Muss also nicht unbedingt auf den Wunschzettel.

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #977 am: 19 Mai 2017, 19:33:57 »


Ben Coes. Als Dewey die Identität eines Maulwurfs in den höchsten Kreisen des israelischen Mossad aufdeckt, löst er eine gefährlichere Kettenreaktion aus. Fao Bhang, Leiter des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit, reagiert auf die brutale Beseitigung von Chinas wichtigstem Spion, indem er unverzüglich ein Killerteam auf den Verantwortlichen ansetzt. Egal wie die Chancen stehen, Dewey wird kämpfen müssen - und erlebt die schlimmsten Momente seines Lebens.

In London verhört Dewey einen iranischen UN-Diplomaten, um herauszufinden, wer der chinesische Spion ist, den die Asiaten beim Mossad eingeschleust haben. Nachdem sie dessen Identität erfahren haben, machen sich die Amerikaner auf nach Israel, um das Vorgehen abzuklopfen. Die sind in ihrer Art gewohnt rigoros und machen kurzen Prozess. Die Chinesen sind wenig begeistert. Besonders auf den Magen schlägt ihnen das Geschenk, das die CIA ihnen im Schrankkoffer schickt. Die Leiche ihres Spions. Ab diesem Zeitpunkt ist die Jagd auf ihn eröffnet. Nichts ahnend von der Bedrohung spielt der Gejagte in Amerika mit dem Präsidenten und seinen Kumpels Eishockey, während die Leiterin des Nationalen Sicherheitsrates, Jessica, sich schon auf ihren Urlaub in Argentinien vorbereitet, den sie dort mit Dewey verbringen will. Und China heuert einen Killer nach dem anderen an, um sicherzugehen, dass ihr Feind auch wirklich ausgeschaltet wird. Nach einem ersten Attentat geht Dewey in die Offensive und holt sich dabei Unterstützung bei einem Waffenhändler, der aber erst unsanft dazu überredet werden muss.

Dewey Andreas in seinem Element. Von wenigen Momenten abgesehen bewegt er sich wieder im Höllentempo und ohne Rücksicht auf jegliche Verluste zwischen seinen vielen Feinden, um deren Zahl brutalstmöglich zu verringern. Da wird schon mal ein Verhör auf Jack Bauer-Art durchgeführt, Diplomaten gefoltert und auf Menschenrechte verzichtet. Man kennt ja die Redewendung "America first", doch das hier ist schon "America only". Was schert die Amis der Rest der Welt. Und deren Präsident in der Realität hat ja schon ähnliche Texte verlauten lassen. Und sehr real ist auch das Finanzdesaster, das die Amerikaner sich selbst aufgeladen haben - sei es nun Buch oder wahre Welt. China hat die USA finanziell am Sack. Grob formuliert, aber wohl wahr. Die USA haben Schulden noch und nöcher, aber einen Sparkurs fahren ist nicht drin. Und selbst die Filmindustrie biedert sich bei den Chinesen immer mehr an. Der europäische Fußball lässt sich nach Russen und Saudis nun ebenfalls von Chinesen kaufen. Die Politk - auch die hiesige - versucht ebenfalls einen Schulterschluss mit den Kommis. Irgendwann in der Zukunft, vielleicht gar nicht so fern, wird China Gegenleistungen verlangen, die sich aber keiner mehr leisten kann. Wenn die ihre Gelder abziehen oder gar eine Rückzahlung verlangen, geht gar nichts mehr. Die Amis werden wahrscheinlich in den Krieg ziehen wie sie das immer machen. Schuldentilgung können sie sich nicht leisten, wollen es aber wohl auch nicht. Diese Situation wird in "Auge um Auge" zumindest angedeutet. Daher kann die Regierung nicht zu offen gegen Bao Fhang vorgehen, doch sie lassen Dewey von der Leine. Und der lässt sich nicht lange bitten. Derartige Stoffe oder Genres werden ja gerne populistisch miserabilisiert, doch das kann für ich den Unterhaltungswert nicht mindern. Manchmal etwas zu sehr Pro Amerika oder Pro Israel und damit auch an jeglicher Rechtsstaatlichkeit vorbei, aber dafür ist es ja auch nur reine Unterhaltung und kein Sachbuch. Es handelt sich um ein Actionmärchen um einen unbesiegbaren Helden, der sich um keine Konsequenzen schert. Und deswegen lässt der Autor es auch ordentlich krachen. Das eine oder andere Klischee, diverse Ränkespiele in Machtzentralen, Anspielungen auf reale Geschehnisse und viel überbordende Action ohne Pardon. Spannung, Rasanz und Kompromisslosigkeit auf rund 585 Seiten. Wer das Genre liebt, kann sich dieses Buch ohne Bedenken zulegen. Und Dewey Andreas wird auch weiter einen Munitionsetat haben, der das gesamte Bruttoinlandsprodukt eines mitteleuropäischen Staates übertrifft. Also abwarten aud darauf freuen, welchen Staat er als nächstes auseinander nimmt. Ich werde sicher den nächsten Roman um Dewey Andreas kaufen. So wie so ziemlich alle Actioner, die glücklicherweise der FESTA-Verlag nach dem "Versagen" der Mainstreamer ins Programm genommen hat. Und dann ist da ja auch der Luzifer-Verlag, der sich mit Chris Ryan ebenfalls einen der knallharten Sorte eingekauft hat - und der ist ja auch nicht der einzige Autor dieser Stoßrichtung bei denen.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #978 am: 21 Mai 2017, 18:09:54 »


Ken Bruen. Er hatte schon seit Tagen kein Koks mehr auftreiben können, musste sich also anderweitig behelfen. Kaufte eine flasche wodka und sechs Dosen Red Bull. Das Kokain des einfachen Mannes. Langsam tat sich etwas, seine Nerven fingen an zu summen, während aus den Lautsprechern Iron Maiden tönte. Voll aufgedreht. Dann plötzich die Idee: Einen Bullen umbringen! Wie Oprah wohl sagen würde, ging ihm ein licht auf wie eine Glühbirne. Nein ... Halt, warte mal ... Lieber gleich eine Bullenmeute umbringen. Und falls sie ihn erwischten? Dann gäbe es Angebote von Verlagen, von Sky News, von TV-Produzenten ...

Brant hat einen Termin beim Psycho-Doc wegen seiner Aggressionen und entledigt sich dieses lästigen Störfaktors auf seine Art. Chief Inspector Roberts wird am Todestag seiner Frau vom Chef zusammengefaltet und PC Falls war durch die Prüfung gerasselt - und das obwohl ihr Brant in seiner gewohnten Art brüsk mitgeteilt hatte, dass sie eine schwarze Tussi nie durchfallen lassen würden. Pech, dass noch ne Asiatin da war. Und Porter Nash muss sich als Homo ständig gegenüber den ach so knallharten Kollegen beweisen - und wird trotzdem immer wieder als lahme Schwuchtel abgekanzelt. Als dann die Morde anfangen, Roberts den Tod der Gattin zu Hause mit Dauersuff betrauert, wird Nash als sein Vertreter ernannt. Dann beginnt die Mordserie an Polizisten und die Truppe hält so gut es eben geht zusammen, alle haben das gleiche Ziel - den Drecksack aus dem Verkehr zu ziehen.Doch so einfach macht der es ihnen nicht, obwohl er vor seinen Morden tatsächlich einen Pressefritzen anruft und fragt, wieviel Bullen er umnieten soll. Er ist nicht leicht zu fassen, auch weil Informanten plötzlich verschwinden oder sterben. Zwischendurch muss auch mal ein Nachtschwärmer dran glauben, die Vorgehensweise wird geändert, ein Hammer kommt ins Spiel - und bald auch ganz nah am Killer Brant.

Kurz, knackig, wortkarg und weit von jeglicher political correctness entfernt ist "Brant" eine weitere Meisterleistung von Ken Bruen, die ja dann auch zu Filmehren und mit Jason Statham als Brant ins Kino kam. In Deutschland wurde dem Film ein größerer Kinoauftritt verweigert und mit dem Titel "Blitz" schnell die Heimkinos versorgt. Wer schon einen der Romane von Ken Bruen zu seinem rauen Gesellen Brant gelesen hat und dazu auch den Film gesehen, dürfte direkt auf den Einfall gekommen sein, dass die Szene mit den Autodieben eine reine Statham-Idee war und nicht wirklich mit dem Buch in Verbindung stand. Kann ich so jetzt bestätigen. Doch ansonsten passt da recht viel zusammen. Sogar der kurze Anfall von Menschlichkeit Porter Nash gegenüber, den Brant selbstverständlich im nüchternen Zustand niemals offen zugeben würde, denn er erweist sich doch die meiste Zeit als zynischer Sauhund. Wer ihm im Weg ist oder ihn - seiner Meinung nach - reizt, muss büßen. So wie der Psycho-Doc, der ihn genervt hat. Und bei der Gelegenheit hat er gleich noch einem Rivalen eine mit auf den Weg gegeben. Der knappe Stil mit seinen originellen Ideen und viel schwarzem Humor lässt den Leser mit etlichen Schmunzlern durch reisen und sich wünschen, dass es nicht schon nach rund 250 Seiten zu Ende wäre. Wo Brant schon eine Marke für sich ist, haben auch die anderen Charaktere einiges an Tiefe zu bieten, obwohl man das von einem Krimi dieser Art nicht so erwartet hätte. Da steckt mehr drin als in den Wälzern mit etwas 1000 Seiten eines Stephen King (und natürlich etlichen anderen Autoren), der sich dann doch zu sehr verschwallt. Ganz klare Leseempfehlung mit einem Ende, das all Jene, die den Film nicht gesehen haben möglicherweise etwas überraschen dürfte. Hardboiled vom Feinsten. Ich hoffe, der Polar-Verlag lässt uns auch an weiteren Fällen des bemerkenswerten Bullen Brant teilnehmen.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #979 am: 23 Mai 2017, 18:45:13 »


Jeff Menapace. Im Herbst 2008 wurde die Lambert-Familie im amerikanischen Hinterland Opfer der Fannelli-Brüder. Von den beiden Verbrechern überwältigt, mussten die Lamberts buchstäblich durch die Hölle gehen. Sie haben überlebt – und zurückgeschlagen. Doch es ist noch nicht vorbei, denn die Fannellis haben Freunde, sehr gute Freunde. Das Spiel geht weiter.

Monica ist eine Killerin und gerade mit einem Auftrag beschäftigt. Nach der problemlosen Ausführung setzt sie sich kaltblütig hin und schaut TV. Und sieht in den Nachrichten die Meldung über die Geschehnisse mit der Familie Lambert - und entdeckt auf einem Bild des Überlebenden Arty etwas schier Unglaubliches. John ist ein passionierter Jäüger und hat in Alaska in den tiefen und dunklen Wäldern auch eine Jagdhütte. Dort versorgt er gerade einen Obdachlosen mit einer Mahlzeit. Als der endlich fertig ist, bekommt er zehn Minuten Vorsprung. Dann beginnt die Jagd. John spielt noch etwas mit seinem Opfer als aus einer anderen Richtung ein Schuss fällt und dem Mann mit der Wucht des Geschosses fast den Kopf abreißt. Und in Valley Forge ist die Familie Lambert in psychologischer Behandlung mit einem Arzt für die Erwachsenen und einem für die beiden Kinder. Es geht natürlich auch um den Scherz, den sich Caleb zum Ende des ersten Buches seiner Mutter gegenüber geleistet hat. Doch insgesamt ist ihr Leben nach einigen Wochen so langsam wieder im Lot. Arty liegt immer noch ans Bett gefesselt im Krankenhaus, seine Mutter, die er beinahe getötet hätte, ist ebenfalls in einem der Krankenbetten in Behandlung. Bei Arty ist auch noch ein Polizist, der ihn bewacht und keine Besucher und Pressevertreter vorlassen soll. Ablenkung gibt es nur, wenn die Schwestern kommen, um den Verletzten zu versorgen - und als die Mutter unerwartet stirbt. Über Mangel an Spannung kann sich auch bald die Familie Lambert  nicht beschweren. Erst stirbt ihr Hund, dann wird eine Präsentation von Patrick sabotiert und der Vater von Amy kommt ums Leben. Soviel Pech in kurzer Zeit macht Patrick misstrauisch und er holt einen alten Kumpel, Domino, und dessen zwei Kollegen zu Hilfe. 

Es war einmal eine Zeit, weit vor FESTA, da hätte dieses Buch und auch der Vorgänger vielleicht etwas besser abgeschnitten, doch aktuell ist nun einmal so, dass es von der Konkurrenz gnadenlos abgehängt wurde. Und Heyne Hardcore soll doch eigentlich dafür stehen, Bücher zu veröffentlichen, die nicht dem Mainstream entstammen, aber viel mehr hat Jeff Menapace nicht geboten. Das ist ein Mainstream-Thriller, an dem bezüglich des Härtegrades schon etliche aus den Massen der Psychothriller vorbeigezogen sind. Dabei war die Idee doch ziemlich gut. Nur die Ideen für das Spiel, die sich der Autor ausgedacht hat, waren nicht ausgefallen genug. Man hat das hier ja schon mit Richard Laymon verglichen. Dem würde ich sogar zustimmen. Stilistisch simpel, ne Story vom Reißbrett und kleinere Härten für die Freunde des Horrorthrills. Und das war es auch schon.Was an Ästhetik fehlt, wird durch Klischees ausgeglichen, die Grausamkeit ist gebremst (verglichen  mit Werken abseits der Massenware) und die Psychodocs labern nur Scheiße. Das ist so oberflächlich wie selten gelesen. Nach und nach "steigert" sich dann der Roman zum Finale hin. Nicht dass es jetzt der perfekte Reißer wäre, der den Leser in den Bann zieht und an den Nägeln kauen lässt vor lauter Spannungselementen. Er geht seinen Weg schlicht, baut etwas Action ein und lässt es auf den letzten rund 30 Seiten von 430 dann etwas krachen, obwohl das Ende dann recht abgehackt wird und den Anschein erweckt, der Autor habe seine erwartete Seitenzahl erreicht und müsse jetzt zack-zack zum Ende kommen. Ärgerlich waren auch einige Schlampereien, die das Lesen zur Tortur machten. In der Hinsicht war es wirklich Horror. Man schaue als Beispiel mal gerne auf die Seite 275. Zitat: "Hab ich dir je gesagt, wie stolz ich auf dich bin?" "Heute noch nicht." "Du mein kleines geliebtes Augäpfelchen, du."  Von der Sorte gibt es leider mehr in dem Buch. Für diese Grütze wird Geld verlangt, das der Leser berappen soll. Dann hat er auch Anspruch darauf, das Buch ohne solche Macken zu erhalten. Fehler passieren, meist nicht absichtlich, aber gehäuft ist es nicht zu ertragen. Und wie gesagt, abkassiert wird gerne. Korrekturen in der Arbeitsweise vornehmen gehört eher nicht ins Profil der Verlage, solange der Kunde zahlt. Noch ein Grund, der verhindert, dass ich das Buch empfehlen würde. Es ist eh nur ein Machwerk, das man so nebenbei liest, während man darauf wartet, dass diese Filmschnipsel im TV endlich aufhören und die unterbrochene Werbung endlich weitergeht. Es ist belanglos und mit den Fehlern steigert es sich dann zu ärgerlich. Heyne Hardcore - Ja, klar. Ich warte nun auf "Sesamstraße - The beginning" unter diesem Label. Aber erst lese ich noch den dritten Teil über "Das Spiel", der so martialisch noch den Beititel "Tod" trägt. Viel Hoffnung hab ich nicht. Warum ich Depp dann nun alle drei Werke gekauft habe? Weil ich mich zuvor mit anderen Büchern beschäftigt hatte, die von Luzifer-Verlag, Voodoo-Press, Atlantis-Verlag oder dem Festa-Verlag kamen und irgendwann hatten sich dann fast unbemerkt alle drei Teile der Menapace-Familie angesammelt.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #980 am: 23 Mai 2017, 18:46:22 »


Jeff Menapace. Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt - aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens … für die Lamberts die pure Hölle!

Am Rande einer Landstraße wird ein hilfsbereites Ehepaar getötet und die Person, die dieses Verbrechen begangen hat, verduftet mit deren Auto. In Paoli, Pennsylvania, sind die Lamberts unter dem Schutz von Domino etwas zur Ruhe gekommen. Doch auch das soll bald vorbei und vergessen sein. Erste Anzeichen verdichten sich bald zu einer wirklichen Bedrohung. Also will Domino die Sache in die Hand nehmen. In einem Mädcheninternat für schwer erziehbare Jugendliche taucht eine Frau auf, die einen Bericht über die schlimmsten Kids schreiben will und wie die sich in die Gesellschaft einfügen wollen. Was nicht ihre wahren Beweggründe sind, wie die Leiterin der Schule bald feststellen muss. Und schon sind wir auf dem Weg zu einem neuen Spiel - das Labyrinth.

Bei diesem dritten Teil der Reihe hatte ich den Eindruck, dass der Heimatverlag aufgrund guter Verkaufszahlen der ersten beiden Teile vom Autor einen dritten verlangt hatte. Und den bitte dann im Schnellverfahren. So liest es sich dann auch. Schnell runtergerotzt, mit ein paar Ideen, die nicht weiter ausgeführt werden (der Nebenjob Auftrags-Killerin ist bald nur noch ein Witz mit Codierung), ein luschiges Spiel, das ebenfalls nicht sonderlich innovativ wirkt und im Fall der Halluzinationen absolut einfallslos und lasch wirkt. Da war überhaupt kein Pfeffer drin, dabei hätte man doch gerade aus der späteren Konstellation ein wirklich wunderbares Spiel mit Grauen und Grusel machen können und wäre vielleicht auch dem Erscheinen bei Heyne Hardcore irgendwie gerecht geworden. Dieses Buch war nur insofern abseits des Mainstream, dass es vortäuschte, abseits des Mainstream zu sein und somit die Leser und Käufer in die Irre geführt hat. GAAAAAAAANZ perfide. Das war nicht mehr als ein Thriller um eine Trulla auf Rachetrip mit Lehrling. Und dann kommt das Ende: abrupt, kurz und ungenügend. Okay, mir war es recht, es langweilte schon und daher waren die 330 Seiten genug. Empfehlen kann ich das nur Lesern, die einfache Kost ohne allzu grausame Aktivitäten mit etwas  - nicht zuviel - Spannung haben wollen. Als Horror gibt es ein ungenügend. Als Psychothriller ein mangelhaft. Als Actioner ebenfalls mangelhaft. Spannungsroman ein ausreichend. Insgesamt: wer noch einen Holzofen hat, nimmt es besser zum Feuer anzünden. Somit erfüllt das Werk wenigstens noch einen  gewissen Sinn. Die Trilogie begann recht brauchbar, wenn auch weniger heftig und mit Psychoterror unterfüttert als man den Leser gerne weismachen wollte, rutsche dann aber von Seite zu Seite und von Buch zu Buch immer tiefer in den Strudel des Nichtssagenden und Unspannenden. Desinteresse am Schicksal der Familie Lambert machte sich schnell breit, die vielen offenen Fäden und Handlungsstränge, die wirklich viel Spielraum für ein echt reißerisches und deftiges Game of death geboten hätten, wurden einfach ausgeblendet und machten der Reihe schnell den Garaus. Allein die Möglichkeit, die die Auswirkungen auf die Blagen geboten haben, hätten für mindestens ein vernünftiges Buch gereicht, doch wurde das mit dem hohlen Psychogelaber in Buch zwei abgehakt und verschenkt. Doch man hat es eben bei simpler Massenware belassen wollen. Meine Güte, wenn ihm schon nix einfallen wollte, hätte er doch mal bei "Saw" klauen können.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #981 am: 25 Mai 2017, 19:40:23 »


Oliver Harris. Nick Belseys dritter Fall. Ein packender, raffinierter Thriller über die Obsession und Abgründe hinter Londons glamouröser Welt der Reichen und Schönen, und ein draufgängerischer Ermittler, der unter seinen Fans bereits Kultstatus erlangt hat.

Nick Belsey ist vom Dienst suspendiert und muss mit einigem Ärger rechnen. Um dem aus dem Weg zu gehen, hat er seine Wohnung sausen lassen und hast jetzt wie ein Obdachloser in einem zugemachten Polizeirevier. Amber Knight ist Londons größtes It-Girl und lebt das glamouröse Leben eines Pop- und Filmstars. Als eines Tages eine ältere Frau bei Belsey anklopft und ihn bittet, ihren Sohn aufzuspüren, der seit Tagen verschwunden ist, findet Belsey Hinweise darauf, dass er Amber Knight gestalkt hat. Belsey schmuggelt sich als Security-Mann in Amber Knights Leben ein und gerät, als eine Bekannte von Amber tot aufgefunden wird, selbst unter Mordverdacht. Während er versucht, seine eigene Haut zu retten sowie den wahren Täter und den Vermissten zu finden, stößt Belsey hinter Reichtum, Glanz und Glamour auf Verzweiflung, Obsession und eine mysteriöse Organisation, die davon zu profitieren scheint.

Völlig verändert hat sich Belsey zwar nicht, aber in diesem Buch kommt er entschieden massenkompatibler rüber als in den beiden Vorgängern. Er hat zwar weiterhin seine Macken, ist aber mittlerweile gegen "Brant" von Ken Bruen doch ein Chorknabe geworden. Er ist dem Mütterchen gegenüber ja schon fast warmherzig. Zynisch und egositisch bleibt er natürlich dennoch, will er ja ob einiger seiner Missetaten den liebsten Menschen retten, der ihm je unterkam - sich selbst. Der Stil von Oliver Harris passt da schon recht gut, ist aber auch meilenweit vom kernigen, aber sparsamen Bruen entfernt. "London Stalker" hat mehr von einem puren Krimi mit akribischen Ermittlungen zu tun als man erwarten würde und ehrlich gesagt, hätte mich der Informationshappen auf der Umschlagrückseite (Siehe erster Abschnitt oben) absolut nicht zum Kauf gereizt. Da konnten mich nur die Aktivitäten des Bullen in den beiden früheren Romanen zum Kauf bewegen. Sicher bekommt der Leser wieder einen Einblick in die Machenschaften hinter den Kulissen, wenn sich die Cops und auch ihre Vorgesetzten bereichern, Bestechungsgelder abkassieren, Drogen für eigene Zwecke missbrauchen oder in Hinterzimmern Deals abschließen, von denen der Steuerzahler niemals etwas erfahren darf. Aber die häppchenweise zelebrierte Aufdeckung, was denn nun mit der Jugend-Ikone Amber wirklich geschieht, wie sie tickt und weiso in ihrem Umfeld, das nur von ihrem Ruhm und Geld lebt und wie die Regenbogenpresse soviel wie möglich so schnell wie möglich davon profitieren will, ist normales Thrillerwerk. Gut, aber nicht mehr so faszinierend wie zuvor. Hie und da ne Wendung, eine Auflösung, die man zwar nicht erwartet hatte, die aber auch nicht vom Hocker reißt. Dazu ein Ende, das einen weiteren Roman erwarten lässt, der dann hoffentlich NICHT einen völlig geläuterten Belsey zum Protagonisten macht. Für eine Verfilmung aber wäre "London Stalker" geeignet: die Hauptfigur bekommt sympathische Züge verpasst und die Bösen sind allesamt viel schlimmer als der Held der Geschichte. Dazu der Glamour. Passt schon. Und einen kleinen Gag hat sich der Autor auch einfallen lassen. Er lässt seinen Helden als Surfer auf Pornoseiten dastehen und ihn etliche Seiten später den Namen Ronald Jeremy für einem Bluff benutzen. So begeistert wie beim Erstling bin ich nicht mehr, kann das Buch aber dennoch über viele der sonstigen Veröffentlichungen im Genre heben. War jetzt vielleicht auch Pech, dass ich kurz zuvor nen Bruen gelesen hab. 370 Seiten

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« Antwort #982 am: 28 Mai 2017, 19:21:32 »


Marc Cameron. Von Küste zu Küste erlebt die amerikanische Nation eine neue Welle des Terrors: Ein Pilot will ein Flugzeug zum Absturz bringen … In der Zentrale des CIA beginnt ein Direktor einen mörderischen Amoklauf ... Ein Polizist schießt in einem Stadion auf wehrlose Fans ... Special Agent Jericho Quinn glaubt nicht an so viele Zufälle. Er vermutet hinter all den Selbstmordanschlägen ein ausländisches Terrornetzwerk. Und die Täter, obwohl Amerikaner, scheinen verdeckte Agenten zu sein, ausgebildet für einen einzigen Zweck: die völlige Vernichtung Amerikas. Quinn kann weitere Anschläge nicht verhindern - und er steht schon von Anfang an auf der Todesliste …

Quinn, seine Ex und sein Bruder sind in Alaska mit den Motorrädern unterwegs nach Anchorage, wo ein ihre überaus talentierte sechsjährige Tochter auf der Bühne ein Musikstück der äußerst schwierigen Art interpretieren soll. Quinn hat schon während der Fahrt Zoff mit Kim, seiner Ex-Frau, aber als plötzlich ein Killerkommando die Veranstaltung überfällt, erlaubt sie ihm zwar die Gesellschaft und besonders ihre Tochter zu retten, ist danach aber wie ein Furie und will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Andernorts machen sich in der CIA-Zentrale einige Personen, auch Agenten sind dabei, bereit, ihre Kollegen, die sie für Freunde hielten, skrupellos und ohne Vorwarnung zu erschießen. Bis Ronnie Garcia auftaucht. Wie auf dem Schießstand schaltet sie einen Angreifer nach dem anderen aus. Doch das bleiben nicht die einzigen feindlichen Aktione auf dem amerikanischen Kontinent. In Afghanistan nimmt Journalistin/Spionin Karen Hunt an einer Operation im Gebiet der Taliban teil, bei der sie später erkennen muss, dass der Gegner clevere Schachzüge in der Hinterhand hat. Sie und zwei Soldaten werden entführt und in irgendeinem Loch gefangen gehalten, ohne den Grund dafür zu erfahren - noch nicht. Als in den USA die Anschläge immer mehr werden, man nicht hinter die Fassaden der Attentäter blicken kann, werden Quinn und Ronnie gemeinsam auf den Fall angesetzt.

Ich fang mal mit einem Punkt an, der mich in derartigen - von mir sehr geschätzten - Werken gewaltig nervt. Die Angehörigen der Protagonisten bis runter zum kleinsten Baby sind fast jedesmal tapferer, mutiger und wehrhafter als Erwachsene oder ausgebildete Vertreter der Staatsmacht. Hier räumt ein sechsjähriges Wunderkind am Instrument seiner Wahl auch noch einen Terroristen ab. Später halten sich eine Schwangere und deren sechs Blagen aber sowas von standhaft gegen zwei Kraftmeier der Gegenseite, dass es doch schon fast widerlich wirkt, wie hier die sogenannte "richtige" Seite glorifiziert wird. Auch sonst wird hier "Schwarz" und "Weiß" fein säuberlich getrennt, die Bösen werden weinerlich, wenn man sie erwischt, die Guten gehen stolz und erhobenen Hauptes ihrem Schicksal entgegen. Bei derartigen Genreperlen bin ich Patriotismus und Propaganda ja gewohnt, macht mir in wohldosierten Mengen auch gar nix aus, solange die Action stimmt, aber wenn es übertrieben wird, wirkt es nervig. Auch so der Running Gag mit den fehlerhaft zitierten Sprichworten. Einmal ist okay, aber damit ständig den Leser quälen und den Feind ins Lächerliche ziehen, weil der aufrechte Amerikaner seine Sprache ja kennt (Gerade die: wie nennt man einen Menschen, der höchstens nur eine Sprache spricht? Amerikaner.).

Die Story ist - abgesehen von dem vorhergehenden Abschnitt - ziemlich gelungen und wenn man an diverse Ereignisse oder Entscheidungen der letzten Jahre denkt, auch gar nicht so abwegig. War die Manchester-Sau doch ein konvertierter Brite, lebte der Mörder von Berlin jahrelang ungeschoren in Deutschland, obwohl er abgeschoben werden sollte. Ebenso ergeht es in diesem actionreichen Reißer auch den Behörden und Bürgern. Die Staatsdiener und Sicherheitsorgane haben die Entwicklung verpennt und auf Gutmensch gemacht und büßen mussten es Unbeteiligte, die ein Konzert oder einen Weihnachtsmarkt besuchten. Über 440 Seiten wird hier eine Hatz in kargen Gebieten mit rasanter Acion in den USA gemixt. Die Zeit vergeht beim Lesen wie im Flug und die Handlung inklusive der geschickt gesetzten Cliffhanger machen das Buch zu einem der berühmten Page Turner. Der Verlag - FESTA - hat ja auf die Flut der neuen Actionautoren reagiert und seine Reihe nun Festa Action genannt. Reihen, die das Programm nur verwässern würden, werden entweder ausgemerzt oder solo gebracht. So geschehen mit "Longmire" und anderen. Crime und Thriller scheinen keine Chance mehr zu haben, auf Hardboiled wie von Dan Simmons braucht man nicht mehr hoffen. Zumindest derzeit nicht. Dafür gibt es die neue Reihe "Festa Dark Romance". Nun gut. Preis des Erfolges, die Mechanismen des Geschäfts greifen im positiven wie im negativen Sinn. Ich werde mir aber weiterhin meine Actioner gönnen und wenn ein paar gescheite Horror- oder Krimielemente drin sind, bin ich auch dabei.                   

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« Antwort #983 am: 2 Juni 2017, 18:55:12 »


Jake Bible. Im Yellowstone Park bricht ein Supervulkan aus, der Nordamerika ins Chaos stürzt und den Rest der Welt in Panik versetzt. Verzweifelt und unter Anwendung aller Mittel versuchen die Menschen dem Megaausbruch zu entkommen, denn sie wissen, dass er den Kontinent und die Welt in einem ewigen Aschewinter versinken lassen wird. Doch egal, was die Menschheit unternimmt, um mit dieser Katastrophe fertig zu werden - nichts kann sie auf das vorbereiten, was aus der Asche steigt: Kaiju!

Die Angst der Amerikaner vor einem Ausbruch des Supervulkans, der ihr ach so großartiges Land vernichten könnte, ist mittlerweile berechtigt. Im Yellowstone Park rumort es mächtig und die gut geschützt in ihren Bunkern sitzende Regierung gibt den Bürgern die Erlaubnis, sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen und die Umgebung zu evakuieren. Da wäre Kyle, der seinen Vater kaum kennt, mit seiner Großmutter und auch ein FBI-Agent, der ohne Rücksicht agiert. Kyles Mutter ist als US-Marshal dafür verantwortlich, dass die Gefangenen aus dem Knast ebenfalls gerettet und in Bussen in Sicherheit gebracht werden. Dazu sind Fahrer und Deputies - darunter auch Conner Bolton - an ihrer Seite. Doch der Ausbruch wird immer schlimmer, die Erde wackelt ohne Ende, Risse tun sich auf, Flammen schießen empor - und etwas anderes: kleine fliegende Monster, die sich sofort über die Menschen hermachen. Als wäre das noch nicht genug, entsteigt dem Krater eine Kreatur, höher als ein Skyscraper, und fordert ihr Recht ein - fressen und zerstören. Abgesehen von dem FBI-Agent tun sich die Menschen zusammen, um dieser Höllenmacht zu entfliehen. Doch so einfach ist das nicht. Selbst die kleineren Viecher sind mit Atombomben kaum zu zerlegen, wie soll man da dem schreienden Berg beikommen?

Jake Bible geht gleich in die Vollen und macht keine Gefangenen. Dennoch hat er in dem ganzen Chaos, in das er schriftstellerisch die Welt stürzt und sie wortwörtlich in Schutt und Asche zerlegt, die Zeit, die einzelnen Charaktere mit Leben zu füllen und einen Spannungsbogen aufzubauen, der nicht vom Monster beherrscht wird. Nicht jede Figur ist auf Anhieb auch so, wie sie zu sein scheint, wobei ich bei einer direkt an einen John Carpenter-Film denken musste. Nach und nach entwickelt man dann auch Sympathien für den einen oder anderen Protagonisten, wenn sich die unterschiedlichen Motive des Handelns deutlicher herauskristallisieren. Logisch wie üblich bekämpfen sich diverse Gestalten trotz der Gefahr immer noch untereinander und werden zumeist auch dafür abgestraft. Der Stil von Jake Bible ist okay, man kann sich richtig vorstellen, wie da so ein Godzilla durch die Berge tobt, alles plättet, was nicht rechtzeitig abgehauen ist und nebenbei noch anderes Viehzeug erledigt. Oder wenn er mit seinem Riesenfuß so ein kleines Menschlein zermatscht wie unsereins ne Ameise - merkt er sowenig wie wir. Ganze Bundesstaaten verschwinden in einem Loch, aus dem weiteres Gewimmel zu sehen ist und dem man ebenfalls eine Atombombe schenkt. Seinen ganz besonderen Humor hat der Autor sich aber für später aufgehoben, denn mit dem geht es erst im letzten Viertel los, wenn sich die Kämpfer mit lockerem Mundwerk kabbeln. Da sind dann schon einige Schmunzler fällig. So hat man dann eigentlich alles, was es zu einem guten und unterhaltsamen Buch braucht: feine Charakterentwicklung, die nicht durch Dauergelaber gestreckt wird bis zur Langeweile wie in so manch abgefeierter TV-Serie, satte und fette Action und massenweise Kaiju-Krawall, der mit den USA so richtig aufräumt. 330 Seiten lang hetzt man regelrecht durch diese Story und hofft auf mehr. Wenn man nicht wie bei einem anderen Verlag die Kaiju-Reihe von Jeremy Robinson diese hier auch abbricht, warten noch einige zerstörerische Lesestunden auf uns, wie das offene Ende verrät. Und die Bücher dann hoffentlich wieder vom Cover-Wiz Michael Schubert veredelt. Sollte sich das Buch gut verkaufen, würde ich neben der Fortsetzung auch empfehlen, mal ein Auge auf die Reihe des zuvor erwähnten Jeremy Robinson zu werfen. Die hat es auch in sich und war ebenso voller Humor. Feiner Lesespaß also, außer  man nimmt ihn zu ernst und will viel lieber den Realismus eines Films wie "xXx -Die Rückkehr des Xander Cage".😈

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« Antwort #984 am: 3 Juni 2017, 13:18:22 »


Tonino Benaquista. Die amerikanische Familie Blake siedelt sich in einem beschaulichen Städtchen in der Normandie an. Auf den ersten Blick wirken Fred, Maggie und ihre beiden Kinder harmlos, freundlich und hilfsbereit. Eine ganz normale Familie also? Nein, denn hinter Fred verbirgt sich in Wahrheit einer der ganz großen Mafia-Bosse von New York, der im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms in die Normandie umgesiedelt wurde. Doch weil es nicht wirklich seine Sache ist, sich unauffällig zu verhalten, fliegt die Tarnung bald auf.

Da zieht eine neue Familie in ein Haus in der Normandie und glaubt, dass sie dort vor neugierigen Leuten sich ist. Irrtum - es gibt ja noch Nachbarn. Es dauert auch  nicht lange, bis sich Großmaul Fred bei der Erklärung seines vermeintlichen Buchprojektes schwer verplappert und einen recht verwirrten Zaungast zurücklässt. Das Buchprojekt ist aber die ideale Ausrede dafür, dass er sich kaum aus dem Haus bewegt. Das wiederum wird von seinen Beschützern vom FBI gut bewacht, da so ein Singvogel bei der Mafia schlechte Karten hat. Maggie kommt mit ihren Bewachern/Beschützern gut zurecht, die beiden Kinder ignorieren sie einfach und Fred? Ist eben Fred und nervt. Das Idyll hält nicht lange an. Sohnemann wird in der Schule abgezockt und rächt sich dafür mit der Gründung einer Gang, die im Prinzip aus den Außenseitern seiner Schule besteht. Töchterchen lässt die Verehrer am langen Arm verhungern und Gattin Maggie ist dann auch wieder ein Fall für sich. Aus der netten Lady wird bald eine fiese. Sie langweilt sich eh schon in dem Kaff, will sich aber dennoch anpassen, da sie schon zu oft umziehen mussten. Doch hier kommt ihr das eigene Anspruchsdenken in die Quere. Wurde sie früher hofiert ohne Ende und ihr jeder Wunsch von den blitzenden Augen abgelesen, ist es in der Provinz schon schwierig die Zutaten für vernünftiges italo-amerikanisches Essen aufzutreiben. Als der arme Supermarktleiter ihrem Wunsch nicht entsprechen kann, regelt sie später die Heizung in dem Laden hoch. Der wird ein Opfer der Flammen, aber Menschen kommen nicht zu Schaden. Bei einem Filmabend der Dörfler brüstet sich Fred mit seinen Kenntnissen über das Mafiatum in den USA. Und schon droht wieder Ungemach. Man erfährt, wo sich der Verräter Fred aufhält und schickt seine Schergen.

Ich hatte zuerst den Film gesehen und konnte mich daran so gar nicht erquicken. Grummel DeNiro wirkte abgedroschen und stellenweise auch selten dämlich für einen abgetauchten Mafia-Verräter. Seine Gattin hielt im Film wie auch im Buch irgendwie die Fäden zusammen, die Kids waren da und uninteressant. Passt auch aufs Buch. Hie und da gibt es mal einen Schmunzler und was für den Film im Trailer schon alles verraten wurde, ist auch nach dem Buch genauso geschehen - und da waren auch da die Höhepunkte. Irgendwie hab ich darauf gewartet, dass endlich mal richtig Schwung in die Sache kommt, aber es blieb bei kleinen Episödchen, die man so gar ncht als Highlights wahrnehmen konnte, es für dieses Buch aber waren. Feinsinniger Witz blitzte auch kaum auf und dass die Franzosen, die meisten Amis - zu Recht - für ungebildet halten, bekam der Leser aber dick aufs Brot geschmiert. Kennt man alles, war schon da, ist Klischee. Und dann gibt es da ja auch noch die eine Sache, die mich in vielen Büchern und auch Filmen nervt. Die Kids der Hauptfiguren sind unheimlich tapfer, gewandt, gescheit, sodass keiner gegen sie an kann. Hier ja auch. Dann zieht die Brut mal wieder um, nachdem sie einige Leichen hinterlassen hat, die keinen interessieren und mit zwei Worten abgehandelt werden, Papa bringt noch einige Zeilen zu Papier, das Buch ist fertig und war genauso lahm wie der Film. Dann lieber wieder Jake Bible, Jeremy Robinson und Konsorten. Die hätten aus dem Buch nen Brüller gemacht. Aber ein richtiges Highlight hatte das Buch denn doch - es war für 1,50€ vom Grabbeltisch. Mehr war es auch nicht wert. Absolut KEINE Empfehlung. Unwitzige 300 Seiten.

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #985 am: 4 Juni 2017, 18:03:12 »


Jake Bible. Eine wunderschöne Außerirdische tritt in Joe Laribeaus Leben und bietet ihm die Chance seines Lebens: Den Dienst im Salvage Merc Corp. Unter seinem neuen Namen Salvage Merc 1-84 bekommt Joe Laribeau den ultimativen Auftrag. Er soll jene Legende finden, mit der das Corp überhaupt erst begann. Er soll IHN finden - den SALVAGE MERC-ONE.

Joe Laribeau war ein Marine, der im Dienst seiner Flotte die Skrang Allianz bekämpft hat. Die Skrang waren eine feindliche Rasse, die die Menschheit auslöschen wollte. Umso unerbittlicher waren die Auseinandersetzungen. Dennoch gab es irgendwann einen brüchigen Frieden. Joe war bei den Kämpfen schwer verletzt worden und hat beide Beine verloren. Sie wurden zwar durch Prothesen ersetzt, doch in den Dienst durfte er nicht wieder zurück. So blieb der Platz an der Tränke einer Bar sein einziges Hobby. Doch dann kam das Angebot von Salvage Merc Corp. Er konnte sein Glück kaum fassen - und die Trulla, die das Angebot überbrachte, war ja auch nicht gerade von schlechten Eltern. Die Aufträge, die dort ausgeführt werden, haben es ebenfalls in sich und als er auf die Suche nach dem Salvage Merc One geschckt wird und dazu den Partner Mgurn, den Leforianer, zugeteilt bekommt, der ihm etwas skeptisch gegenüber ist, ahnen die neuen Kampfgefährten noch gar nicht, auf was sie sich da eingelassen haben.

Was er sich bei "Kaiju Winter" für das letzte Viertel aufgehoben hat, gibt Jake Bible seinen Lesern jetzt wieder von Beginn an. Neben der Action kommt auch wieder der Humor mehr zum Zuge. Der Protagonist Joe haut als Erzähler etliche derbe und dämliche Sprüche raus, kabbelt sich mit seinem Partner und der Schönen, die ihn angeheuert hat und zieht alle Register der Heldenclownerie. Ansonsten hat der Autor eine schier endlose Zahl außerirdischer Rassen aufmarschieren lassen, hat actionttechnisch ordentlich auf die Kacke und unterhält damit blendend. Die 305 Seiten sind geschwind durchgelesen und man freut sich schon auf mehr. Mehr Spaß und Sprüche, mehr Action, mehr Abenteuer der Kumpels Mgurn und Joe und ob es weitere finstere Intrigen gibt, die irgendwelche Kriege anfachen sollen. Natürlich sind die Gestalten, die ganzen Geschichten nicht allzu ernst zu nehmen, die dem Leser in Buch 1 geboten wurden und so soll es auch bei weiteren Space-Jokes um Joe sein, die ja schon im Original existieren, nur den Weg nach Deutschland noch nicht gefunden haben, aber es hoffentlich werden, denn bei den Storys steht der Spaß im Vordergrund und wer stattdessen lieber Schweinigeleien aus anderen Verlagen liest und sich depperte Nicks nach Titeln im Redneck-Bereich verpasst, wird hier womöglich ebenso enttäuscht werden wie die Leser, die hier Klassiker in der Art von Lessing oder Kafka erwarten, brauchen auch kaum einen Blick reinzuwerfen. Aber wer die reine und lustige Unterhaltung schätzt, den ganzen Alltagsmurks außen vor lassen will und sich auch nicht den Kopf über die Probleme von Dramenromanfiguren zerbrechen will, der ist hier an der richtigen Stelle. Und für diese Klientel gibt es eine klare Kaufempfehlung.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #986 am: 5 Juni 2017, 18:47:24 »


Nick Cutter. Unsere Welt in naher Zukunft: Die westliche Hemisphäre wird von religiösem Fundamentalismus regiert. Das erste Gebot der Neuen Republik lautet: Die Kirche ist der Staat. Jonah Murtag ist ein treuer Staatsdiener. Er arbeitet für die Religionspolizei, die brutal gegen Andersgläubige vorgeht. Alle sogenannten Sünder werden "umerzogen" oder hingerichtet. Als die Republik von einer Serie grausamer Attentate heimgesucht wird, gerät Jonahs Weltbild ins Wanken. Er stellt sich gegen die Republik - und wird zum Gehetzten.

Unsere Welt mal anders. Statt Bürgermeiswter oder Ortsvorsteher gibt es nun für die Städte oder Kommunen sogenannte Propheten. Regierungen sind passe, jetzt herrscht die Kirche und lässt die Bürger von ihrer Religionspolizei überwachen. Wer vom wahren Glauben abweicht oder abartig veranlagt ist, wird ausgemerzt. Für solche Missetäter ist in seiner Eigenschaft als Polizist Jonah Murtaug zuständig. Eines Tages erhält er den Auftrag, die Tochter eines Anführers in einen Club zu begleiten, wobei dann eine Katastrophe ihren Lauf nimmt. Ein Anschlag kostet etliche Menschenleben und Jonah sieht etwas, das sein Weltbild ins Wanken bringt. Er wird zu einem der Gegner der christlichen Republik und der Unterdrücker.

Eine Dystopie um Religionswahn, die in einer wohl nicht allzu fernen Zukunft spielt. Eine Art christlicher Religion hat die Welt im Griff. Und alles, was man nun zu lesen bekommt, kennt man aus den Nachrichten in irgendeiner Form aufbereitet. Religionspolizei, die sich sogar in Deutschland breitgemacht hat und das sogar mit Erlaubnis der Gesetzgebung. Attentate, Morde, Hetze gegen den Westen oder von dort gegen den Osten, den Nahen Osten oder Afrika, lasche Politiker, die noch dazu korrupt sind allerorten, geistliche Führer die offen oder verdeckt Gewalt gegen andere Religionen predigen, ob nun Christentum, Islam oder Judentum, Hinduismus oder Scientiology. Alles ein- und dieselbe Mischpoke, die ihre verqueren Ideen durchsetzen will und dabei nur an die Unterdrückung ihrer Bürger denkt. Political Correctness als neuer Zwangsglaube, der bei Nichteinhaltung verfolgt wird. Der erste Gedanke war natürlich, dass es die gewalttätigen Gruppierungen wie der IS sind, die hier Pate standen, doch das wäre zu simpel. Sämtliche Religionen haben mit dem Mittel der Gewalt ihren Glauben verbreitet und wer nicht übergelaufen ist, wurde eben ausgemerzt. Seien es die Juden durch die Nazis gewesen oder die Indianer mit ihrem Manitou durch die Amerikaner oder die Inkas und Indios durch die Christen aus Spanien und Portugal, alle haben ihren Teil dazu beigetragen. Israel mit seiner Besetzung von Palästina braucht sich da auch nicht freisprechen und in die Opferrolle zu flüchten. Überall gab es Auswüchse im Namen der Religion. Beängstigend ist, dass der Scheiß derzeit direkt vor der Haustür passiert (Berlin, London, Paris, Nizza), die Regierungen längst die Kontrolle verloren haben oder sich schon längst regieren lassen. Sei es von Feigheit oder ewigen Schuldgefühlen und Weltenretterambitionen mit eigenem Ergebnis noch dem Empfang des Friedensnobelpreises. Dafür opfert man gerne mal Freiheit und Sicherheit mit verheerenden Folgen. Die Briten bekommen es derzeit zu spüren, in Marseille -. ja, das in Frankreich - gibt es Viertel, die die Polizei schon gar nicht mehr betritt oder betreten kann, weil sie sich verbarrikadiert haben und ihr eigens Recht durchsetzen, statt denen ihres Gastgeberlandes. Lange scheint es nicht mehr hin, bis der Roman von Nick Cutter sehr wirklichkeitsnah wird. Zum Zwecke der Unterhaltung hat er ihn mit Ermittlungen und Action sowie unterdrückten Gefühlen und einem Ende serviert, das den Leser sich die Handlung selbst weiterdenken lässt - und hoffentlich auch darüber hinaus. Als Hauptübel jedenfalls markiert er die Religion und die jeweiligen Landesführer oder Staatsoberhäupter, die sich schon weit von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernt haben. Knapp 400 Seiten

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #987 am: 7 Juni 2017, 12:30:08 »


John Grisham. Der 13-jährige Theo Boone, der allseits bekannte und beliebte "Junganwalt" von Strattenburg, erfährt plötzlich, was es bedeutet, auf der anderen Seite zu stehen: Er wird verdächtigt, einen Einbruch verübt zu haben! Theo bekommt es mit der angst zu tun, denn eines ist klar: Irgendjemand hat etwas gegen ihn. Und dieser jemand schreckt vor nichts zurück.

Theo will für seine Klasse, die diesmal keinen Zutritt bekommt, den neu aufgerollten Prozess um Pete Duffy und dem Mord an dessen Ehefrau verfolgen. Doch der Beschuldigte, der auf Kaution frei kam, erscheint nicht vor Gericht, der Prozess wird vertagt. Das ist aber nicht das einzige Unglück, mit dem Theo zu kämpfen hat. Mehrmals zerschneidet ihm jemand die Reifen seines Fahrrades, ein Stein zertrümmert die Scheiben in dem Raum der Kanzlei seiner Eltern, wo er gerade lernt. Ein Security-Mann vom Markt verliert einen Prozess vor dem Tiergericht gegen ihn und ist nicht gut auf Theo zu sprechen und dann wird in der Schule noch sein Spind durchwühlt. Dann kommt der Hammer: die Polizei verdächtigt Theo, in einen Computerladen eingebrochen zu haben. Und siehe da, ein Teil der Sore wird in seinem Spind gefunden. Jetzt muss Theo für sich eintreten. Und erhält dabei nicht nur von seinem Onkel Ike Hilfe.

John Grisham hat auch das dritte Buch um den Junganwalt Theo leicht und locker verfasst und es zu einem flott lesbaren Jugendthriller inszeniert. Natürlich wendet er sich hier an junge Leser und lässt die Finessen der Gerichtsbarkeit und der deutbaren Gesetze außen vor. Hier legt er viel Wert auf Feststellungen wie jene, dass eine Person solange als unschuldig gilt, bis man ihr eine Schuld beweisen kann und die Grundprinzipien des Rechtswesens vermittelt er mit dem Fall um Theo ebenso wie in dem um Pete Duffy. Da neue Abenteuer von Mr. Boone junior hat diesmal entschieden mehr Spannung zu bieten als der Vorgänger. Verdächtige gibt es genug und auch wenn es jetzt nicht der große Plot-Twist ist, kann er doch eine Auflösung bieten, die nicht zu offensichtlich war. Also schon mal ganz nett. Dazu gibt es Nebenhandlungen wie das Tiergericht, neue und alte Freunde, Probleme von berufstätigen Eltern und ne kleine Keilerei in der Schule. Nachdem die Story recht langsam aufgebaut wird, lässt sich der Autor dann zum Ende hin hetzen, es wirkt irgendwie abgehackt. Netter Thriller um Recht und Ordnung für Kids - oder Erwachsene, die ganz leichte Lektüre für den Urlaub oder den Weg zur Arbeit wollen. 300 Seiten.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #988 am: 7 Juni 2017, 12:31:34 »


Ezekiel Boone. Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe. Kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören. In Indien schnellen die Seismographen in die Höhe, doch es folgt kein Erdbeben. In China wird eine Atombombe gezündet. Angeblich versehentlich.
In Minneapolis stürzt ein Flugzeug vom Himmel. Im Wrack findet Agent Mike Rich eine verbrannte Leiche, aus der etwas Schwarzes kriecht. In Washington erhält die Biologin Melanie Guyver eine mysteriöse FedEx-Sendung.

Es beginnt in Peru in einem Nationalpark, um dann in China aufzutauchen. Dort in einer Mine, die recht abgelegen ist und auch das Umfeld wenig bevölkert taucht es dann wieder auf. Anfangs sind die Arbeiter wenig skeptisch, bis es sich dann wie in Peru zu einer schwarzen Flut zusammenschließt und Mine, Arbeiter sowie Stadt unter sich begräbt. Die Regierung lässt die Gegend weitläufig absperren und wirft in letzter Konsequenz eine Atombombe ab. Das bleibt natürlich auch in den USA nicht unbemerkt. Die Präsidentin holt ihren Krisenstab zusammen. Andernorts ist ein FBI-Agent im Einsatz und nietet zwei Methkocher und Neos um. Leider erst nachdem sie seinen Partner verletzt haben. Als ein Milliardär mit seiner Maschine unfreiwillig auf einem sportgelände landet, das zu dem Zeitpunkt glücklicherweise leer war, wird er mit der Leitung der Untersuchung beauftragt. Und in Indien wird Neu Delhi von der schwarzen Flut überrollt - die auch amerikanischen Boden erreicht hat, wie sich bald herausstellt. In Los Angeles brettert eines der riesigen Containerschiffe ungebremst in den Hafen und auch noch eine ordentliche Strecke in die Hafenanlage hinein, so groß war die Wucht hinter dem Riesenbrummer. Und ab diesem Zeitpunkt heißt es nur noch Panik. Einheiten der Marines werden überall im Land in Alarmbereitschaft versetzt, Survivalisten auf dem Land verschwinden in ihre Bunker und Politiker und Wissenschaftler suchen händeringend nach einer Lösung.

Nach dem Ausflug in den Jugendbuchbereich direkt zu einer sehr positiven Überraschung. Ich hatte das Buch erst gar nicht auf der Liste, hab aber dann beim Stöbern doch zugeschlagen. Grund: der Verlag hat es nahezu perfekt verstanden, trotz Inhaltsangaben und Klappentexten sowie diversen Zitaten anderer Autoren und irgendwelcher Zeitungen zu verschleiern, was hinter den Geschehnissen steckt. Kurz - Alterchen wurde neugierig. Auch der Autor lässt den Leser einige Zeit zappeln, bis er ihm die Bedrohung richtig serviert. Bis dahin aber geht es in kurzen Kapiteln zack zack von einem Schauplatz zum nächsten, Figuren weden eingeführt und wieder entfernt oder dürfen länger an der Geschichte teilhaben, das kann man nie so richtig einschätzen bis man eben einige Seiten weiter ist. Die Charaktere zeichnen sich jetzt nicht gerade durch Tiefe aus, eher durch Untiefen, große Emotionen und Dramaszenen gibt es kaum, die werden am Rande abgehandelt, wobei es fast schon unwirklich wirkt, dass nach was weiß ich wie vielen Büchern, die ich gelesen hab, mal die beendeten Ehen und Beziehungen zu keinen ausufernden Dialogszenarien führen und keine tiefschürfenden Erkenntnisse an den Leser weitergegeben werden. Im Grunde verträgt man sich. Selbst die Liebe ist eher was für Sex zwischendurch, kein Gesülze oder Geplärre. Während der ganzen Action ist auch keine Zeit für so etwas. So entstand ein beängstigender Reißer, der in höchstem Tempo vorangetrieben wird und durchaus das Zeug für eine Verfilmung hätte. Hätte, weil leider derzeit nur Diesel Prolls oder Stramplerträger die Vorherrschaft in Hollywood haben. Von den Protagonisten und der Handlung her vielleicht etwas schwach auf der Brust, aber das wird mit Action und Power locker wieder wettgemacht. Es fällt echt nicht leicht, das Buch mal kurz aus der Hand zu legen, was natürlich auch am schlichten Stil liegt, der aber zum großen Ganzen passt. Man hetzt durch die Seiten und der Begriff Page Turner ist hier völlig angebracht. Angst, Chaos, Angriffe, Gegenattacken mit Apaches und ihren Railguns oder Bombern läuten ein Finale ein, das die am Boden kämpfenden Marines und die anderen Protagonisten mit einem fetten Cliffhanger in die Warteschleife auf den zweiten Teil schickt. Der soll als E-Book im August und als Druckversion im September kommen. bis dahin kann ich diese globale Katastrophe mit ihren rund 400 Seiten nur jedem Freund schneller und rasanter, aber auch reiner Unterhaltung als Leseempfehlung mit auf den Weg geben. Literarische Weihen gibt es hier garantiert nicht, aber explosive Momente für Adrenalinjunkies dafür zuhauf.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #989 am: 12 Juni 2017, 17:23:03 »


Matthew Betley. Der Anruf für einen Toten ist der Startschuss zu einer Hetzjagd rund um die Welt. Doch davon ahnt der frühere US-Soldat Logan West noch nichts, als er an das klingelnde Telefon des toten Mannes geht. Von der Einöde des Mittleren Westens über die prunkvollen Villen der Drogenmafia in Nordmexiko bis zur krisengeplagten Al-Anbar-Provinz im Irak führt Logans Odyssee, um gegen die Söldner einer Sicherheitsfirma des US-Militärs zu kämpfen. Ihr Ziel: die USA in einen Konflikt mit dem Iran zu verwickeln. Dann wird seine Frau verschleppt. Sollte er nicht aufgeben, wird er Sarah nie wieder sehen - zumindest nicht lebend! Logan steht vor dem Zusammenbruch.

Logan West liegt Zuhause rum und kriegt in seinem Suffkoma erst einmal gar nichts mehr von seiner Umwelt mit. Mit verschleiertem Blick kann er gerade so erkennen, das es ein Man gewesen ist, der ihn mit einem unsanften Klaps gegen die brummende Birne versucht, ins Reich der denkenden Wesen zurückzuholen. Klappt etwas zu gut. Schon ach den ersten Worten erkennt West, dass er hier einen Killer vor sich hat und der überhebliche Sack muss ausgeschaltet werden. Gelingt dann auch. Was ihn dann erwartet, ist eine Hatz zu seiner Ex-Frau Sarah, die in ihrem früheren gemeinsamen Haus mit dem Kläffer der Familie logiert. Auch sie ist in Gefahr - und dort ist dann auch schon der Teufel los. Obwohl sich Sarah tapfer wehrt und zwei der angreifenden Ex-Armee-Penner umnietet, können die andren Beiden sich die Frau greifen. Unterdessen hat West seinen FBI-Kumpel und ehemaligen Armee-Kameraden Mike kontaktiert, der sich sofort aufmacht, um ihn persönlich aber auch mit Waffen zu unterstützen. Gemeinsam befreien sie Sarah und holen aus einem der schwer Verletzten, ist eh nur einer, noch die Info, wer die Bande geschickt hat. Ist ein Scheißkerl namens Juan Black, also die nächste Anlaufstation, um zu erfahren, wer denn diesen Scheiß angezettelt hat. Und wer als Nächster sein Leben aushaucht, denn West kennt jetzt kein Pardon mehr. Und so führt dann bald eine Spur nach Mexiko, wo sie mit der mexikanischen Spezialpolizei ein fettes Greaser-Nest ausheben und fast alle erwischen, bis auf die Rädelsführer - und sie steigen endlich hinter den perfiden Plan, der Boss sich ausgedacht hat. Und die Zeit läuft.

In zwei Erzählsträngen erfährt man etwas über den Protagonisten und wird gleichzeitig mit den Kampfhandlungen - und aus eben diesen besteht das Buch zum größten Teil - ratzfatz über die Seiten geführt. Logan West hat ein Trauma zu verarbeiten, das ihn zu Alki gemacht und seine Ehe eben wegen seiner Sauferei ruiniert hat. Das ist der eine Teil, der aus dem Jahre 2004 und einem Einsatz im Irak stammt. Etwas wichtiger, aber mit 2004 zusammenhängend, ist die brutale Gewalt, die 2008 über ihn und seine Familie hereinbricht. Und da hält sich Matthew Betley denn auch nicht lange auf. Im Prinzip von der ersten Seite an geht es knallhart zur Sache. Und das Tempo sowie die Ausbrüche der exzessiven Gewalt nehmen von Seite zu Seite zu. Auch wenn sich der fiese Plan für die Helden erst nach und nach langsam entwickelt, ist akribische und feinsinnige Ermittlungsarbeit hier mehr als nur untergeordnet. Dialoglastig darf man das Buch auch nicht nennen - bleihaltig bis zum Blut erbrechen stimmt da eher. Kompromisse? Och nö - legen wir die Sau lieber um. Ungefähr so ist die Tönung der Aktionen in "Overwatch - Jagd auf Logan West". Wer also literarische Feinkost erwartet, sollte sich lieber anderweitig umsehen. Wer aber temporeiche, rasante und knallharte Shoot-Outs in Zusammenhang mit modernsten Waffen und einer schier beispiellosen Rücksichtslosigkeit lesen will, der hat sich die perfekte Lektüre ausgesucht. Da knallt und explodiert es an jeder Ecke und fast jede Seite ist mit Blut besprüht, dass es dem geneigten Leser fast über die das Buch haltenden Hände läuft. Klar ist das die pure America First-Story, der Plan ein bisschen gaga und der Logik hat man ein striktes Zutrittsverbot zur Handlung auferlegt, aber das stört mal so rein gar nicht. Wer mit einer negativen Einstellung solchen Geschichten gegenüber an das Werk herangeht, wird von der ersten Seite an maulen. Aber wer solche Stories schätzt, wird ob der ganzen Action, die ihn da überwältigt, die Mängel eh nicht bemerken. Wieder einer der Kracher, die uns der Festa-Verlag nun schon seit einiger Zeit vor die gierigen Leseraugen in den gierigen Lesergriffeln legt. Kudos, Frank Festa, M & M Kudos.
Dennoch hab ich was zu mäkeln. Der Klappentext ist der Spoiler schlechthin oder in Bezug auf die entführte Ehefrau dämlich platziert. Ich weiß nicht, wer die Texte erstellt, aber hier wäre etwas mehr Sorgfalt angebracht. Das ist jetzt aber kein Problem bloß dieses Verlags, sondern aller - und manche von denen, die glauben, dass sie es sich aufgrund ihrer führenden Marktposition in Deutschland erlauben können, lügen bei den Inhaltsangaben schlichtweg. Ärgerlich.
Und ein weiterer Punkt ist - der mich auch bei unheimlich vielen Büchern des Genres Verlags übergreifend nervt - die Tatsache, dass die Angehörigen der Superheldenprotagonisten zumeist auch immer so mutig, tapfer und kampfeswillig sind, dass sie auch allein gut ausgebildete Ex-Soldaten in die Schranken weisen können und sich nur der schieren Überrmacht beugen müssen oder schmerzhaften Befragungen mit sturen und bösen Blicken ohne einen Laut trotzen. Mir reicht da als tapferer Heroe der Supermann ohne Strampelanzug, der seine gefangene Mischpoke irgendwann befreit. Noch besser: Er gibt mal das Arschloch und lässt sie einfach hängen.
Abgesehen von den beiden Punkten ist das Buch ein Reißer vor dem Herrn, der ein Actionblockbuster in Buchform auf rund 480 Seiten ist. Wer derartige Knaller mag, kriegt die totale Kaufempfehlung und gleich die nächste noch hinterher, denn ich bin grad beim neuen Buch von Brad Thor, der erfolgreich Thriller und Actionbrett verquickt - bisher. Bin noch nicht ganz durch. Morgen wohl mehr zu Thor.