Autor Thema: Buchrezensionen  (Gelesen 91032 mal)

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Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #960 am: 5 April 2017, 18:30:26 »


Wrath James White. Natasha hat den Mann ihrer Träume gefunden. Kenyatta führt Natasha in völlig neue Welten der sexuellen Lust und er gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit, das sie nie zuvor erlebt hat. Natasha würde alles tun, um ihm zu gefallen. Aber Kenyatta, dessen Vorfahren aus Afrika stammen, glaubt nicht an eine gemeinsame Zukunft mit einer Weißen. Dennoch fordert er Natasha zu einem Wagnis heraus: Damit sie ihn und sein schwarzes Erbe wirklich versteht, soll Natasha sich ihm ausliefern. Bedingungslos. Sie muss für 400 Tage seine Sklavin sein! Natasha ahnt nicht, zu was Kenyatta fähig ist.

Natasha ist mit einer Bekannten unterwegs zum üblichen Abend mit Herr(en) als ihr Kenyatta über den Weg läuft. Er hat sie sofort für sich eingenommen und sie ist von ihm immens begeistert. Sie kommen immer intensiver ins Gespräch und bald wird es in Richtung Sklaverei gelenkt. Kenyatta hat da so seine Lehren und auch das Wissen um viele Aspekte der Entführung der Schwarzen aus ihrer angestammten Heimat. Natasha, Mauerblümchen und immer nur die Begleiterin der schöneren Mädchen, ist hin und weg, verliebt bis zum Anschlag, nass bis zum Wassersturz. Das eigentliche Thema und die wahren Absichten des Kolosses in "Starkpigment" entgehen ihr völlig, würden ihr aber genauso völlig am fülligen Arsch vorbeigehen. Sie lässt sich nur allzu gerne abschleppen. Und bald kommt von ihm der Vorschlag - nicht zu bald, denn zuvor muss Mädi ja noch richtig deftig-derb kriegen, wonach es giert -, dass sie einmal nachempfinden soll, was seine Vorfahren damals erleiden mussten. Er zeigt ihr das Buch 400 Jahre der Erniedrigung, die deren Torturen schildern - und er will, dass sie sich für nur 400 Tage demselben Grauen unterzieht. Danach würde er sie heiraten, für immer der ihre sein. Trotz leicht aufkeimender Bedenken stimmt sie zu und muss bald erfahren, dass es nicht gerade ein einfaches Los ist, das sie sich da ausgesucht hat. Man hat ein Safeword vereinbart, mit dem sie abbrechen kann, aber er würde dann nie ihr Mann sein, sie würde ihn verlieren. So bleibt sie bei allen Leiden und schrecklichen Aufgaben standhaft.

Ich beginne jetzt zuerst einmal mit den Figuren. Eigentlich reicht es eh, nur auf die beiden Hauptcharaktere einzugehen, die restlichen Beteiligten, sind nur Staffage. Es ist ja nun nicht wirklich neu, dass Wrath James White mit Sympathieträgern und netten Mitmenschen irgendwie wenig anfangen kann. Sein Personal ist meist mehr oder weniger abstoßend. Um als Beispiel mal "Krank" heranzuziehen: die waren eigentlich alle Kandidaten für den Abdecker. "Yaccubus Fluch" strotzte auch nicht vor Mitmenschen, zu denen man sich hingezogen fühlen würde. Und auch hier kann man sich nur sehr schwer mit den Handelnden anfreunden. Kenyatta liebte als Vierzehnjähriger ein weißes Mädchen, die Zuneigung war gegenseitig, doch deren Eltern waren strikt dagegen. Liebeskummer beim Burschen. Danach taucht er erst wieder als Erwachsener auf, der etwas aus sich gemacht hat. Gut aussehend, kräftig, perfekt gebaut, intelligent, eloquent und mit einigen Dollars ausgestattet, die ihm viel ermöglichen. Und er nutzt das auch aus. Was er da so als Begründung heranzieht, um seine bösartigen Spielchen zu inszenieren, ist lächerlich hoch zehn. Er hasst einfach alle Menschen, aber speziell Weiße. Der Typ entpuppt sich als reinrassig - als reinrassiger Psycho mit Hang zu S/M, der aus den Fugen gerät. "Dominance and submission" intonierten dereinst Blue Öyster Cult - und das ist hier Programm und Kenyatta lebt es auf Kosten anderer nur zu gerne aus. Der Typ hat einfach einen an der Klatsche. Sehr viel besser sieht es mit dem Geisteszustand der Natasha auch nicht aus. Angeblich früher einmal von ihrem Cousin belästigt, auch eine Andeutung, dass Papa ein bisserl von dem hatte, was er unter Spaß verstand, ein bisserl pummelig, um zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten zu haben - im Sommer spendet sie Schatten und Winter ist sie ne gute Wärmflasche - und mit Sicherheit komplexbehaftet und in ihren eigenen Augen minderwertig. Dafür aber als Pädagogin ständig unterwegs, um den Wanderpokal zu geben, zu kiffen und sich die Birne zuzurußen. Perfekt für eine Lehrerin von siebten und achten Klassen und dann zu feige, im Unterricht die Zeiten der Skalverei anzusprechen (Anscheinend gibt es zumindest im Romanuniversum einen Unterrichtsteil der als Sklavereimonat bekannt ist). Als treffen die beiden Unsympathen aufeinander und aus dem familientauglichen "Fifty shades of grey" wird "400 (Tage der Erniedrigung) shades of black and white" für die ältere Generation. Und dazu kommt, wie bei Herrn White oft, das Thema Rassismus. Dass der hier mal wieder umgedreht wird, mag niemanden mehr überraschen. Das Buch hat seine Härten, der Sex hat wenig mit Blümchen zu tun, die Torturen pendeln zwischen grausam und real. Natasha wird nicht nur gefickt, sie muss auch schuften, putzen, Reste fressen, wird verkauft und zu allerlei sexuellen Handlungen genötigt. Kommt sie auf die Idee, das Safeword zu nutzen? Ja, aber immer nur kurz, ein kaum Spürbares aufblitzen, dann suhlt sie sich wieder in ihrer Hörigkeit dem Traummann gegenüber. Die Gesellschaftskritik, die auch hier nicht fehlen darf, denn Mr. White legt gerne den Finger in vorhandene Wunden (während seine Protagonisten die Ffingerchen anderweitig unterbringen😈), wird durch die Geschichte der Skalverei von der Gefangenschaft in Afrika, der Überfahrt ins neue Land, der Arbeit und den Schrecken auf den Plantagen der Gutsbesitzer bis hin zum Bürgerkrieg und den nachfolgenden neuen Gesetzen, die durch spätere doch wieder zur Rassentrennung führten. Alles stimmig, alles so gelent. Auch dass die befreiten Sklaven von ihrer feiheit nicht vielhatten. Für sich selbst sorgen, waren sie eh nicht gewohnt, aber es wollte ihnen auch keiner Arbeit geben und so gingen viele wieder auf die alten Plantagen zurück. Später kamen dann ja noch die Klansmen, die getrennten Räume und Toiletten, Zeiten in denen Schwarze nicht mit Weißen zusammen in einem Raum sein durften, bis sich endlich Besserung einstellte. Was aber fehlt, ist die Tatsache, dass dieser Bürgerkrieg nur ein verlogener war unter dem Vorwand, die armen Sklaven befreien zu wollen. Es ging nur um wirtschaftliche Interessen. Durch ihre Sklaven konnten die Südstaaten einfach viel billiger produzieren und ihre Waren mit riesigen Gewinnen nach Europa verkaufen. DAS musste unterbunden werden, nichts sonst. Wie auch heute ging/geht es nicht um die Menschen, sondern um die große Kohle. Gegen Ende kommt sogar etwas Thrill rein, nur eine kleine Prise, aber ein Pluspunkt. Da werden dann auch einmal die Richtigen richtig bestraft. Apropos Strafe: Es gibt - in meinen Augen - auch ein Plädoyer dafür, gewisse Individuen nie wieder unter Menschen zu lassen. Hier sind die Gesetzgeber viel zu milde. Extrem schwere Straftaten gehören extrem schwer bestraft und basta. Wegsperren und vergessen - natürlich auch die Fütterungszeiten. Insgesamt ein recht ordentlicher Roman von Wrath James White, aber hier ist es sein Problem, dass er schon einige bessere geschrieben hat. Es ist eigentlich alles drin, was man von ihm erwartet, sämtliche Zutaten wie Rassismus, Sex, Folter, Mord, Gewalt, aber irgendwie hat der Mix nicht so gepasst wie bei den zuvor erwähnten anderen seiner Werke. Dennoch ist das jetzt kein knapp 270 Seiten langer Flop. Statt ein 1 A-Buch ist es eben nur, aber immer noch 1B. Oder eben 7/10.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #961 am: 5 April 2017, 18:32:12 »


Janis Otsiemi: Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Èchos du sud, am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Mit den Ermittlungen im Mordfall werden Herve Louis Boukinda und Pierre Koumba Owoula beauftragt, zwei Polizisten, die ohne die DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen.

Libreville, Hauptstadt des Gabun, im Jahr 2008. Zwei Typen werfen ein schweres Paket irgendwo in der Nähe der Stadt ins Wasser. Unterdessen sind die Polizisten damit beschäftigt, ihren Boss damit zu besänftigen, dass sie Fälle aufklären. Da wäre der Selbstmord von zwei Mädchen. Sie stellen fest, dass von beiden Teenies Nacktvideos ins Internet gestellt wurden und beginnen ihre Ermittlungen. Ein anderer ist Fahrerflucht nach einem tödlichen Unfall. Dann wird am Strand eine Leiche gefunden, schon ausgebleicht, aufgedunsen und die Kehle durchgeschnitten. Eine Identifizierung ist schwierig unter diesen Umständen, aber es gelingt dann doch. Es ist ein Journalist, der dafür bekannt war, dass er kritisch Artikel über Gabuns Regierung und auch das Wirtschaftsgebaren geschrieben hat. Zu Zeiten des Ölbooms ist viel Geld ins Land geflossen, das aber nie bei der Bevölkerung ankam. Zudem ging er auch dem Verdacht nach, dass die Korruption weitere Kreise ziehen würde als bisher angenommen.

"Libreville" ist  mehr als ein "gewöhnlicher" Kriminalfall um die Ermordung eines Journalisten. Es ist vielmehr ein Blick in die Geschichte Gabuns seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960. Die Möglichkeit des Wohlstandes für alle wurde verschenkt, indem man wirtschaftliche Gewinne lieber auf die Taschen von Wenigen verteilte (Geschieht heutzutage ja auch in den reichen Ländern wie USA oder den Europäern, nur wird es da geschickter kaschiert), statt sie in die Infratruktur zu investieren, die Bildung zu verbessern oder der überbordenden Kriminalität mit modernen Mitteln und genug Personal Herr zu werden (wieder eine Parallele zu mindestens einem europäischen Land, das vorgibt, eine Demokratie zu sein). Nur wird hier nicht von nötigen Sparmaßnahmen geheuchelt, um die Zahl der Ermittlungsbehördenmitarbeiter zu verringern. Das Geld versickerte einfach und tut es jetzt noch. Das fördert Korruption und nötigt die Polizisten nahezu, ihr mageres Gehalt auf diese Weise aufzubessern. Und im Buch scheint sich jeder damit schon abgefunden zu haben, keine Proteste, wenn mal wieder ein Beamter sich mit einem erfundenen Vergehen Geld besorgen will. Aber die Männer haben auch die üblichen Probleme, die man halt so hat. Eifersüchtige Gattinnen, die eine oder andere Geliebte und uneheliche Kinder, die es zu versorgen gilt. Und in all dem Trubel machen sie auch unter widrigsten Umständen ihre Arbeit, ermitteln und klären Fälle. Ein fröhliches Buch, ein Spaßmacher ist dieser Thriller aus Afrika nicht. Irgendwie deutet man sich schon seinen Sympathieträger heraus, aber im Prinzip sind sie alle Gauner, wobei die Politiker wie selbstverständlich den größten Anteil einsacken. Doch den meisten Raum nimmt in dem Buch die Beschreibung eines afrikanischen Landes ein, das eine Hauptstadt hat, die hinter einer Fassade des Glanzes doch nur ein völlig überbevölkerter Slum ist, in dem die Menschen sich nur durch viele kleinere kriminelle Machenschaften ernähren können, in dem Straßen nur ein kaputter Feldweg sind, Bauten einsturzgefährdet und die Staatsmänner Vetternwirtschaft betreiben. Ein Glossar sowie ein Interview mit dem Autor runden diese Story ab und zeigen, wie sich Gabun von Frankreich abgrenzt und welchen mit täglichen Hindernissen sich die Bevölkerung auseinandersetzen muss.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #962 am: 14 April 2017, 21:44:19 »


Tom Zola. Blindwütig bringen sich die irdischen Militärbündnisse gegeneinander in Stellung, der Gefahr nicht bewusst, die der Menschheit insgesamt droht. Als die unbekannte Macht erstmals offen in Erscheinung tritt und sie ihr Zerstörungswerk beginnt, stehen die Menschen an der Schwelle zum Krieg untereinander. Stabsunteroffizier Bernau gerät im Nahen Osten in den Sog der Ereignisse. Die NATO und die Türkei überwerfen sich, Russland bereitet einen Atomschlag gegen den Westen vor. Die Fremden platzen in dieses Chaos hinein und greifen an. Im Nebel des Krieges aber sehen die Menschen doch nur die alten Feindbilder und sind blind für die offensichtliche Bedrohung.

Als es auf der ISS Probleme gibt, nutzen drei Astronauten (zwei Amis, ein Deutscher) die Sojus der Russen, um sich gen Erde aufzumachen, ohne zu ahnen, was sie dort erwartet. Eigentlich auch ohne zu wissen, wie sie unbeschadet landen sollen. Nachdem sie nicht in der Atmosphäre verglüht sind, ist ihre größte Sorge NICHTim Wasser zu landen. Es ist nämlich niemand da, der sie bergen könnte. Dann lieber einen harten Aufprall auf der Erdoberfläche - und bitte nicht in einer Stadt oder im verschneiten Gebirge. Soweit haben sie Glück - doch die weite Steppe, in der sie runterkommen, ist auch nicht gerade eine Wohlfühloase. Unterdessen gehen die Kampfhandlungen im Nahen Osten weiter, der Iran ist ein Spielplatz des Teufels geworden - und die Menschen sehen sich immer mehr dazu gezwungen, eine Niederlage einzugestehen. Damit nicht genug. Die Iraner und die Türken werfen die Alliierten Truppen aus dem Gebiet und behalten deren Ausrüstung ein -angeblich hätten die Westler einen Vernichtungskrieg gegen den Islam begonnen. So kommen Bernau und seine Leute zurück in die Heimat - und eine neue Front. Die Angreifer haben ihre Truppen überall angelandet und man sieht sich den neuartigen Waffensystemen und Schutzschilden fast ohnmächitg gegenüber. Aber völlig wehrlos ist man doch nicht. Es gelingt, einige Lücken in die Reihen der Angreifer zuschlagen. Und mitten im umkämpften Bielefeld sucht der Polizist Robert Becker seine Tochter Lilly. Finden tut er sie erst einmal nicht, stattdessen wird er von Kollegen festgenommen. In dem nachfolgenden Chaos kann er aber mithilfe von Riembrandt entkommen und die Suche fortsetzen. Überall auf dem Globus wird mit harten Bandagen gegen die Angreifer vorgegangen und letztlich helfen in gößerem Umfang nur Atombomben - die natürlich keine Nation auf eigenem Grund einsetzt. Und die deutschen Politiker tun, was sie immer tun. Versuchen es auszusitzen oder wegzudiskutieren, handeln will zwar jemand, doch der wird ausgebremst.

Zwar kann absolut niemand dem Autor Tom Zola vorwerfen, dass er nach dem Literatur-Nobelpreis schielen würde, aber dass er unterhaltsame Militär-Sci Fi-Action unter interessierte Volk bringen kann, ist für mich nach dem zweiten "V-Fall Erde" und einem "Weltenkrieg: Die Rückkehr" sicher (seine "Stahlzeit"-Reihe hab ich bis Band 11 zwar vorliegen, aber ungelesen). Die Actionsequenzen sind eindeutig nicht auf  "Einzelfeuer" gestellt, da wird eher alles an Munition verballert, was vorhanden ist. Die meisten Kampfeinsätze wirken wie "Independence day" aus Sicht der am Boden kämpfenden Truppe, die im Film ja kaum eine Rolle spielte - hätte vermutlich dem Fun-Faktor fürs US-Publikum und den den Film finanzierenden Militärs geschadet, da tote Soldaten sich nicht gut fürs Rekrutieren neuer Mannschaften machen -, und lässt viel über das wilde Chaos, die Furcht, die Wut, die Machtlosigkeit während einer solchen Auseinandersetzung erahnen. Da wird gebetet, gestritten, geflucht und ungerecht geurteilt.Es ist nicht so, dass die Charakterzeichnung der Handelnden allzu ausgeprägt ist, nur einige Hauptfiguren kommen etwas mehr in den Fokus, was aber nicht heißt, dass sie auch gleichzeitig zu den Überlebenden der Truppem zählen werden. Und außerdem hat Tom Zola recht viele Punkte angesprochen, die uns in der Realität durchaus Sorge machen. Seien es die untätigen Politiker, die "verkauften" Sicherheitskräfte (Polizei mit Gehältern fast am Mindestlohn - natürlich nur die im einfachen und mittleren Dienst, die auf der Straße den Pöbelnden gegenüberstehen - , Kürzungn im Waffenetat bei Polizei UND Bundeswehr, Personalabbau bei den Einsatzkräften unter anderem durch genötigte Krankschreibungen und Frühpensionierungen ohne adäquaten Ersatz einzustellen oder auszubilden, auch die anderen deutschen Unternehmen mit staatlicher Beteiligung wie Telekom oder Post werden da erwähnt.), Rassismus oder diese dämlichen Populistenbezeichnung, die nun gerne für politsch nicht korrekte Aussagen genutzt wird, obwohl man sie gut und gerne auch für diverse Aussagen wie "sichere Renten" usw. hernehmen kann. Wobei der Begriff "politisch korrekt" ja auch gerne zur Zensur herhalten muss und derart aufgeweicht ist, dass man jederzeit unter diesen Tatbestand fallen kann. Diese einseitige Sicht und Gesetzesauslegung sowie Berichterstattungen in Politik und Medien kommt ebenfalls nicht unerwähnt weg. WERTEN tut der Autor nichts, er legt dem Leser auch keine Wertungen nahe. Er lässt seine Protagoisten diskutieren, bringt unterschiedliche Sichtweisen zu deren Recht. Ob sich nun der Leser darüber Gedanken macht und falls ja welche, ist dessen Angelegenheit. Der Stil des Autors ist in Ordnung, sein Humor anscheinend auch, wenn er sich einige seiner Fatzken vornimmt und selbst der von mir überaus "geschätzte" Sigma wird nicht nur in die Idiotenecke gestellt. Viel Action, wenig Geplauder und zum Ende noch ein kleiner Cliffhanger im Epilog, der durchaus gespannt macht, was er uns da noch kredenzen wird. Das allerletzte "Kapitel" Contact, dient wohl dazu, gutgläubige Leser locken, dass sie sich 2017 als "..das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen." aussuchen und in die Alienfalle tappen. Oder so oder wie auch immer. Wer sich an Militär Sci Fi freuen kann und auf Action rundum steht, ist hier schon richtig. Mal wieder eine Entdeckung auf dem deutschen Autorenmarkt. Fein, sonst unterhalten uns ja nur noch die Amis. Knapp 260 Seiten Auseinandersetzung mit unbekannt.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #963 am: 14 April 2017, 21:46:06 »


Ted Bell. Irgendwo in Russland gibt es einen Mann - einen mächtigen Mann -, dessen Namen niemand kennt. Über seine Existenz wird lediglich spekuliert. Obwohl er unsichtbar zu sein scheint, zieht er dennoch seine Fäden - und er zieht sie gnadenlos. Plötzlich stellt Russland eine weitaus unheilvollere Bedrohung dar, als es selbst die hartgesottenen Veteranen des Kalten Krieges jemals für möglich gehalten hätten.

Alex Hawke, im Dienst der britischen Krone, erholt sich gerade auf den Bermudas von einem schwierigen Einsatz, als ihm am Strand eine unglaulich schöne Russin seinen "Privatstrand" streitig macht. Doch ihr wundervolles Äußeres macht diesen Nachteil locker wett. Dass er später von seinen Freunden und Vorgesetzten in ein neues Abenteuer manövriert wird, ahnt er da noch nicht. Russland hat sich nach den Umwälzungen der letzten Jahre immer noch nicht von der Niederlage erholt. Nun steuert ein neuer Mann auf die Allmacht in dem Riesenreich zu. Er verbirgt sich hinter absoluter Geheimhaltung, setzt eine Marionette als neuen Präsidenten ein und bestraft Fehler seiner Leute knallhart. Russland will wieder groß werden, es mit den Amerikanern aufnehmen können und setzt dabei auf neue Waffen und alte Skrupellosigkeit. Und während in Russland die Umwälzungen fortschreiten, ist in den USA ein scheinbar verrückter Killer namens Happy unterwegs, der einen ganzen Ort einfach auslöscht.

Gerade der Part mit der Ortschaft wirkt wie eine Prise Jon Land, als dieser noch wirklich Top-Thriller verfasste. Dazu gesellt sich dann die schon auf dem Buchrücken von James Patterson (Okay, nicht gerade einer, den ich bei einer Frage zur Kaufentscheidung wirklich ernst nehmen würde) Äußerung, dass Hawke der neue James Bond sei (passt) und Ted Bell der neue Clive Cussler (passt glücklicherweise nicht). Der Protagonist wirkt tatsächlich wie ein Mix aus Eure Lordschaft Roger Moore aus der TV-Serie "Die 2" und einer etwas raueren Ausgabe des James Bond. Eine Überfigur gegen einen Überbösewicht mit neuer alles bedrohender Waffe. Unrealistisch? Wohl, aber die vielen Fans von James Bond können ja nicht irren. Von dem James Bond des alten Schlages, bevor er von der political correctness kastriert wurde. Und so einige Handlungsstränge sind nicht so weit hergeholt, wie man glauben mag. Okay, Putins Geschichte ist etwas vogelwild, einen Schmunzler konnte ich mir nicht verkneifen, aber dass die Russen ihre Niederlage im Kalten Krieg nicht verdaut haben, ist doch nahe an der Realität. Das Buch wurde im Original 2008 geschrieben und man kann sich ja mal überlegen, was erst vor kurzer Zeit in der Ukraine passierte. Davor war Georgien. Und davor waren etliche russische Staatenlenker unfähig, im Land Ordnung zu schaffen, die Kriminellen übernahmen das Zepter. Und die Amis hielten die NATO und ihre Bündnispartner dazu an, der russischen Volksseele auf der Nase herumzutanzen, sie zu brüskieren, ihnen immer wieder ihre Überlegenheit unter die Nase zu reiben, sich jedes osteuropäische Land nach und nach unter den Nagel zu reißen und sich Stück für Stück dem russischen Reich zu nähern. In einer Form der Überheblichkeit, die es auch auf ganz normalen Ebenen des Zusammenlebens gibt - sei es in Totenkultforen oder Filmforen, immer gibt es welche, die meinen, sie wären besser als die Anderen und könnten sie an den Rand drängen, sich dann aber wundern, wenn sich welche wehren und sie dann alleine dastehen. Politik, Konzernführer, User - jeder hat solche Großmannssüchtigen aufzuweisen. Also kein Wunder, dass ein Putin in der realen Welt trotz gewisser Rückfälle in alte Muster so einen Zulauf hat - und ebenso kein Wunder, dass man aus so einer Situation einen blendenden Spionage-/Agententhriller der alten Schule basteln kann. Seit der Ostblock niedergerungen wurde, gab es fast keine derartigen Agentenstories mehr, man widmete sich mehr dem Kampf gegen den Terror oder ließ Profiler, Serienkiller oder Psychofuzzis auf die Leserwelt los. Sehr schnell wurden auch die Actionromane um den Terrorkampf aussortiert, um blasse Professoren Rätsel lösen zu lassen. Jetzt sind sie wieder da - die Actioner und die Spyhunter. Verlagen wie Luzifer und Festa sei Dank. Noch ein Wort zum veröffentlichenden Verlag Luzifer. An einigen Stellen im Buch merkt man, dass auf vorherige Ereignisse angespielt wird. Selbstverständlich gestöbert und festgestellt, dass es tatsächlich frühere Abenteuer von Hawke gab/gibt. Nicht das erste Mal, dass ein Verlag mitten in einer Reihe beginnt. Doch das erste Mal, dass eine Anfrag von mir auch wirklich beantwortet wurde. Nicht mit irgendwelchen bedeutungslosen Worthülsen oder Textbausteinen zum Abwimmeln von Kundenanfragen. Hier wurde ein klare Antwort formuliert, die man dann auch akzeptieren kann und die aus Verlegersicht natürlich Sinn macht. Man sucht sich einfach den besten Roman - oder den, der sich bisher am besten verkauft hat - raus und hofft, dass dies in Deutschland ebenfalls so sein wird. 640 Seiten um Agenten, Atombomben, Gefängnisinseln und das gute, alte Pfählen. 8/10 sind da schon drin. Falls das nicht reicht, gibt es noch nen Extrapunkt für die Covergestaltung. Kann er halt, der Herr Schubert.  Gelle, Michael?                         

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #964 am: 19 April 2017, 18:12:30 »


Wallace Stroby. Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert die Beute auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen. Crissa hat das System des Bankraubs perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen wie unprofessionell. Zum Glück wartet schon ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York.

Crissa Stone hat den Geldautomaten mit ihren Kollegen sicher in eine Scheune in einer ruhigen Ecke gebracht. Man macht sich daran, ihn gewaltsam zu öffnen und die Beute aus ihrem Gefängnis zu befreien. Nach der Zählung sind eigentlich alle zufrieden, doch dann brechen gewisse Ressentiments zwischen den Partnern von Stone aus dem bisher behüteten Innenleben der Männer aus. Als dann das Wort Nigger fällt und die Pistolen sprechen, ist Crissa Stone auf einmal alleine für die Beute verantwortlich. da sie mit diesen Geldautomaten-Jobs eh aufhören wollte, weil es mittlerweile doch ein zu gut zu erkennendes Muster gibt, schnappt sie sich die Kohle und dampft ab Richtung Norden. Dort will sie erst einmal Gras über die Sache wachsen lassen,mit ihrem Mittelsmann und Anwalt sprechen, der ihr die Jobs besorgt und Geld für ihren Wayne im texanischen Knast aufwendet, um ihn zu beschützen und vielleicht eine Bewährung durchzusetzen. Da ihr Geld, das sie mitgebracht hat, möglicherweise heiß ist, muss es gewaschen werden und damit wird es auch weniger. Und sie benötigt eine Menge Geld, um für Wayne zu sorgen. Also hört sie sich an, was ein gewisser Benny zu sagen hat. Er war als Gehilfe für eine Kern-Crew tätig, die den berühmten Lufthansa-Raub 1978 durchgezogen hat. Nach dem erfolgreichen Coup ging es aber bald rund in der Stadt. Immer mehr Mitwisser und Täter starben und es ist kaum noch einer übrig, der über die Sache Bescheid weiß. Auch Benny kann anhand seiner wenigen Informationen nur Vermutungen anstellen, doch die scheinen gut zu sein. Bald erweist sich, dass wohl etwas dran ist, da auf einmal auch die Mafia - längst nicht mehr die Organisation, die sie 1978 war - ihre gierigen Pfoten auf das Geld legen will. Und dadurch wird der Coup plötzlich von schwierig zu mörderisch gewandelt.

Die Reihe um Crissa Stone ist das Gegenteil der hier sonst üblichen Actionlektüre und unterscheidet sich auch in einigen Punkten von Richard Starks "Parker"- Romanen. Diese Berufsverbrecherin agiert nicht ganz so kalt und skrupellos wie deren Protagonist, was aber nicht heißt, dass sie jetzt eine Gaunerin mit Heiligenschein ist. sicher, der Grund für ihre derzeitigen Raubzüge ist ein halbwegs ehrenvoller, da sie für Wayne und ihre Tochter, die bei einer Kusine lebt und diese Mama nennt, sind, aber sie ist und bleibt eine Verbrecherin. Wenn auch eine mit Moral und Ehrencodex - bis zu einer gewissen Grenze natürlich nur. Benny dagegen ist ein Mann, der miterleben musste, wie sein Vater sich krumm schuftete, damit die Gauner in Anzügen nur noch reicher wurden als sie es eh schon sind. In der Hinsicht hat sich in der Realität wohl nicht viel gewandelt. Nur, dass die Gauner mittlerweile sämtliche Gesellschaftsschichten durchsetzen und sich vermutlich geeinigt haben, dass Politik, Recht und Gesetz und die Wirtschaftsbosse Hand in Hand arbeiten und den großen, 90-prozentigen Rest der Bevölkerung dafür bluten lassen. So blieb Benny irgendwie keine Wahl, eine anderen Karriereweg zu wählen. Menschliches Schicksal halt. Die ganze Aufräumaktion hat er nur überlebt, weil er im Zeugenschutz saß. Wieder eine Notwendigkeit. Auch Crissa und selbst die Mafiosi haben ihren Hintergrund, um so zu werden wie sie sind. Doch Wallace Stroby ist sich seines Genres bewusst, schreibt knapp, klar und präzise, kein Wort zuviel, kein umständliches Geschwafel um unnützes Zeug zu beschreiben. Schnell geht es zum großen Geld, schnell kommen auch die gebrechlichen Mafiosi hinter ihnen her und schnell weht der Pulverdampf durch die Seiten. Bald ist ihr voller Einsatz gefordert und sie erweist sich als Parkers Schwester, die aber etwas mehr Gefühl an den Tag legt ohne weich und schwach rüberzukommen. Hardboiled ist mittlerweile zu einer Rarität geworden, guter Hardboiled erst recht. Der Pendragon Verlag hat dem mit Crissa Stone Abhilfe geschaffen - und versprochen, auch die weiteren Romane von Wallace Stroby um seine Protagonistin in Deutschland zu veröffentlichen. Ich werde dabei sein, wenn sich die Buchbestellungen häufen. Im Nachwort von Alf Mayer gibt es dann Informationen zu und von WallaceStroby und dem Lufthansa-Heist.  330 Seiten.                         

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #965 am: 19 April 2017, 18:14:21 »


Kristopher Rufty. Amy liebt ihren Hund über alles. Er ist ihr Beschützer und bester Freund. Jagger ist zwar riesig, aber lieb und verspielt. Doch das wird sich ändern; denn der hoch verschuldete Loser Clayton will bei Hundekämpfen die fette Kohle machen. Und dazu braucht er dringend einen Hund - einen sehr großen Hund! Clayton weiß, wie man aus einem harmlosen Hund eine Tötungsmaschine macht: Er pumpt den armen Jagger voll mit Drogen und Steroiden und verwandelt ihn in ein blutgieriges Monster, das keinen Schmerz empfindet. Als die durchgedrehte Bestie flieht und durch die Stadt hetzt, zerreißt sie alles, was ihr in die Quere kommt. Jagger ist auf dem Weg nach Hause, zurück zu Amy, denn die hat ihn doch im Stich gelassen.

Clayton scheint am Arsch. Wieder wurde eine Töle bei Hundekämpfen zerfleischt und er schuldet einem fiesen Drecksack noch mehr Geld. Er will sein Glück zu sich zurück zwingen. Dafür benötigt er dringend einen Hund, der sich aufs Kämpfen versteht und kein Zwergpinscher ist. Leichter gesagt als getan. Die im Tierheim nehmen nicht nur Geld für eine Tieradoption, die überprüfen auch das neue Herrchen. Genug Geld hätte er eh nicht, rasselt bei der Prüfung seiner Lebensumstände genauso schnell durch wie dereinst in der Schule. Auch ein Grund, warum er nicht gerade im besten Viertel der Stadt wohnt. Für viele hier wäre die nächste Station unter der Brücke. Doch er hat eine Idee, die ihm sein Kumpel Stan eingepflanzt hat. Hund besorgen, von Stan mit selbst experimentell zusammengestellten Anabolika aufpuschen und schon ist er frei von Schulden. Dass Stan das Zeug so ganz nebenbei auch an die Farmer der Umgebung vertickt, damit die ihre Viehzucht etwas gewinnträchtiger machen können und das Fleisch an die Läden in der Stadt verkaufen, wo es womöglich nach dem Verzehr divese gesundheitliche Schäden bei den Kunden anrichtet, interessiert ihn absolut nada, rien, niente. Fehlt nur noch der Köter. Amy hat einen Hund, der sich eignen würde. Es ist Jagger, der zwar ein häßliches Riesenvieh ist, aber ein ganz lieber - Einschränkung ist aber der UPS-Mann, den mag er nicht. Ansonsten knuddelt er gerne mit Amy, ihrer Freundin Teresa, sogar mit den Nachbarn. Doch dann holt ihn die Realität ein. In Form von Clayton. Der schnappt sich den Hund, bringt ihn zu Freddy, der für Stan die Hunde scharf macht, die Mittelchen verabreicht, aber auch kräftig Schläge mit der Peitsche zum Training austeilt, um den Hund so richtig biestig und blutgierig zu machen. Das ist dann sogar dem Loser Clayton zuviel und er greift Freddy in die Parade. Pech, dass der dann Jagger in die Fänge fällt - und Jagger ist mittlerweile gut abgerichtet. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Das Buch beginnt fast schon idyllisch, auch wenn die Umgebung, in der Amy und Jagger zuhause sind, nicht gerade den Eindruck eines Lebens ohne Sorgen vermittelt. Und so nach und nach werden zwar Amy und Jagger vorgestellt und so richtig zu den Goldielöckchens der Geschichte, aber die Charaktere drumherum zeigen sich schon bald als fiese Egoisten, geile Böcke oder einfach nur Scheißkerle. Und Kristopher Rufty nimmt sich Zeit, das vermeintliche Idyll umgeben von Müll zu skizzieren und obwohl  man weiß, dass dies bald ein Ende haben wird, lässt man sich darauf ein, spekuliert, was die mehr oder weniger seltsamen Nachbarn vielleicht mit der Sache zu tun haben könnten, bis es denn passiert. Und während dieser Zeit schleicht sich dieses namenlose Grauen bedächtig und leise an den Leser heran wie ein schüchterner Dieb in der Nacht. Und wirklich von einer Seite auf die andere schlägt das Wetter bzw. Jaggers Stimmung um und es gibt Fleisch und Gekröse satt. Jagger ist auf Rache aus an allen, die ihn belogen, betrogen und hintergangen haben. Die arme Hundeseele vertsteht das Handeln der Menschen nicht - und gerade die haben ihm das letzte Fünkchen Freundlichkeit aus dem Leib geprügelt. So geht er seinen Weg wie dereinst Charles Bronson - nur dass es jetzt heißt "Ein Hund räumt auf". Naja, ein bisschen "Lassie" mit hohem Gewaltanteil und etlichen wahrlich zerfledderten Körpern und Körperteilen ist vielleicht auch dabei. Jagger kennt keine Freunde mehr und die Zahl seiner Opfer auf dem Weg zu Amy steigt immer weiter. Amy indes zeigt sich auch immer mehr von einer egoistischen und winseligen Seite, ihr Nervfaktor steigt. Fragt sich, wieso ihr die Kerle abhauen. Kein Wunder, wenn sie weitaus mehr Interesse am Haustier hat, denn Freund. Allzuviel Sex kommt in dem Buch nicht vor, ein bisschen Erotik und Gespanne gepaart mit Ekel vor Ü-50-Sex unter Rentnern. Nachdem die freundliche Stimmung zu Beginn des Buches nach und nach fast schon vernichtet wurde, zeigt sich so etwas wie eine brutale Hundedystopie, die wenig Hoffnung aufkommen lässt, dass sich je etwas ändert. Während der Lektüre kann man sich selbstverständlich seine Gedanken über die abgehalfterten Figuren machen, im Kopf ein bisschen "Dueling Banjos" ablaufen lassen und feststellen, dass - abgesehen von Tollwut, Verteidigung oder Revierkämpfen - der Mensch die Schuld an der Verrohung der Tiere trägt (und wenn ich mich heutzutage so umsehe und mitbekomme, was die Erziehung oder die Politik und Konzernauftreten betrifft, auch die Verrohung der menschlichen Rasse). Was mir während der Lektüre aber auch ständig im Kopf rumspukte, was die Frage, ob man noch etwas von Stans Wundermittelchen, das ja an die Farmer der Umgebung und damit auch in die Nahrungskette abgegeben wurde, lesen würde und ob es rabiate Auswirkungen zeigt. War nicht so, aber dann eben als neue Idee in einem zweiten Teil und mit einem Hund namens Swagger - oder so. Tierhorror vom Feinsten, in den man auch Gesellschaftskritik hineinlesen kann, wenn man will. Die zweite Hälfte des Buches hat es so richtig in sich und ist rein gar nichts für Tierfreunde. Die bleiben dann besser bei "Lassie". Unterhaltsam und flott geschrieben und mit einigen Spannungsmomenten sowie Ekelszenen über 440 Seiten auf ne 8/10 getrieben. Und besser als die letzten Tierhorrorfilme um Hunde, die ich mir so angeschaut hab.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #966 am: 22 April 2017, 14:31:19 »


Brad Taylor. Pike Logan und seine Taskforce sollen für den Schutz eines US-Gesandten sorgen, der in Dubai an Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina teilnimmt. Und tatsächlich gibt es einen ausgeklügelten Plan: Alle Teilnehmer sollen mitsamt den Burj Khalifa, einem der höchsten Wolkenkratzer der Welt, in die Luft gejagt werden. Pike und seine Partnerin Jennifer Cahill haben es aber nicht nur mit einer Terrororganisation aus dem Nahen Osten zu tun: Auftragskiller und Verbündete auf Abwegen nehmen auch die Taskforce ins Fadenkreuz.

Pike Logan hat Schwierigkeiten. In Sidon, nahe Beirut, gerät er in Gefangenschaft. Was im dortigen System mit Gefangenen passiert, ist ihm nur zu bewusst. Er wurde bei der Überwachung eines Verdächtigen geschnappt, als in einem Laptop eine Bombe hochging, die irgendwer dort platziert hatte. Jennifer verdächtigt Samir, ihren Helfer im Libanon.Der weist diesen Verdacht weit von sich und schließt sich Jennifer an als es daran geht, Pike zu befreien. Doch die Gegebenheiten in Beirut sind immer noch äußerst seltsam für einen Westler. Hier verlaufen unsichtbare Grenzen zwischen den Gruppen, die sich stündlich verändern und niemand weiß so recht, wer gerade mit wem eine Liaison eingegangen ist. Schwierig, da eine gut koordinierte Befreiungsaktion zu planen. Dennoch gelingt das Vorhaben und als Pike frei ist, will er sich am liebsten auf Samir stürzen, der in seinen Augen ein Verräter ist. Unterdessen sind in der Gegend zwei Killer unterwegs, die anscheinend beide das gleiche Ziel haben. Über einen wissen die Leute um Pike und auch in der Heimatregierung Bescheid. Es ist sein alter Feind Lucas. Was keiner weiß, ist die Tatsache, das mit dem Phantom ein weiterer Spieler auf dem Platz ist. Und der entwickelt sich sogar zu einem Gegner von Lucas, denn Lucas argwöhnt, dass man außer ihm noch einen Killer angeheuert hat und er duldet keine Konkurrenz um sich. Auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Plänen nähern sich die Killer ihrem Ziel des Anschlages an und hinterlassen dabei recht unprofessionell einige Leichen. Selbsverständlich haben sie die Task Force auf den Hacken und die wird sie irgendwann beide oder auch nur einen von ihnen erwischen, um das Attentat zu verhindern.

Der dritte Roman um Pike Logan und seine Task Force. Pike leidet immer noch unter dem Tod seiner Familie, was eine gewisse Emotion in das Buch bringt, das ansonsten sehr flott und actionreich voran geht. Dass sein Erzfeind wieder in dieser neuen Auseinandersetzung mit dem Terror im Nahen Osten eine große Rolle spielt, nimmt er noch als Bonus mit. Daneben gibt es auch noch eine Hetzjagd unter Killern, verzwickte Fallen und tödliche Attentate. Bei einem davon musste ich unwillkürlich an den BVB-Bus denken. Hätte ein professioneller Killer oder ein Selbstmordattentäter seine Bomben präpariert, wäre alles viel schlimmer ausgegangen. Die Riesenpanik wurde dann hauptsächlich voin den Medien mit hren Spekulationen geschürt, von den "Experten", die sich ständig für Geld interviewen lassen, gestützt und man hat auch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, von möglichen linksgerichteten Tätern nach rechts zu weisen. Was nicht sein darf, ist auch nicht. Es gibt keine Bösen von links. Im Buch ist eine Bombe derart aufgerüstet, dass die Kugellager Menschen und Gegenstände regelrecht zerreißen (DAS wären schwere Verletzungen! Kein Armbruch und einige Splitter im Arm. Sind natürlich auch ziemlich schmerzhaft, aber auch hier haben die Medien wieder ihr Spielchen getrieben). Die Hatz geht durch diverse Länder wie den Jemen, Libanon usw. Amerika hetzt Menschen im Ausland und nimmt nicht unbedingt Rücksicht auf irgendwelche diplomatischen Verwicklungen. Im wahren Leben sind sie schon längst zu feige dazu. Deshalb sind diese Romane auch so erfolgreich. Gilt ja auch für Deutschland. Und für mich - ich les das Zeug recht gerne. Später wird zur "Tarnung" dieser illegalen Menschenjagdszenen mit Hang zur Selbstjustiz eine Szenenabfolge eingeflochten, die zeigen soll, dass die Amerikaner so schlimm nicht sind und dass Leute wie Pike Logan im Kampf um die Werte des Westens besser sind als der Feind. Dauert aber nicht lang, scheint eherein Ablenkungsmanöver, um den Leser weiter für die Protagonisten einzunehmen. Da ist mir ein ehrlicher Kracher, der die Feinde nicht verunglimpft und als Trottel hinstellt doch etwas lieber. Ist jetzt natürlich wieder Kleinkrämerei, denn das Buch geht geradlinig voran, ist mit viel Action unterfüttert und Sprache und Schreibstil sind direkt und flüssig, sodass der geneigte Leser zügig das Ziel erreicht und nach weiteren Abentuern dieser Art giert. Dafür sorgt der FESTA-Verlag ja weiterhin, hat er sich doch mit etlichen Autoren zu ähnlichen Themenkomplexen fast schon "eingedeckt". Da diese Art der Lektüre trotz gewisser "Befremdlichkeiten" zu meinen Favoriten zählt, bin ich natürlich wieder dabei. Unterbrochen wird die Einklaufsflut der Actioner bei Festa sicher -oder erst - wieder im März 2018, wenn von Tom Wood das neue Abenteuer um Victor erscheint: "Die Tage des Jägers". 505 Seiten.

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #967 am: 26 April 2017, 10:34:48 »


Chris Philbrook. Herauszufinden, dass ein Nachbar überlebt hat, nachdem die Untoten die Welt übernommen haben, ist nicht immer eine gute Sache. Es sei denn, bei diesem Nachbarn handelt es sich um den mürrischen, bewaffneten und pensionierten Green Beret, Gilbert Donohue. In diesem Fall findet man heraus, dass dieser Nachbar so etwas wie der sprichwörtliche Jackpot ist. Adrians abtrünniges Leben auf dem Campus nach „DEM TAG“ ist nur noch ein Kampf. Die Beschaffung von Lebensmitteln aus der Nachbarschaft, die voll mit wandelnden Untoten ist, stellt für Adrian eine riesen Gefahr dar, aber zumindest ist er am Leben. Denn er ist ein wenig schlauer als so manch anderer Überlebende - und ein wenig schneller als die wankenden, hungrigen Zombies, die sowohl seine Stadt als auch den Rest der Welt eingenommen haben.

Adrian vertraut seinem Tagebuch weitere Erlebnisse an, wie er sich mit Vorräten eindeckt, wie er diverse Häuser in der Umgebung säubert und sich dann nimmt, was er braucht. Dass das nicht ohne irgendwelche Gefahren abgeht, ist sonnenklar im tiefen Winter. Einmal gerät er an eine riesige Dänische Dogge, die ihm das Bein zerfleischt, bevor er das Vieh von sich weg bringt. Das andere Bein hat er sich angeknackst, sodass seine Flucht ziemlich schmerzhaft wird. Die Anfänge der Zombielution seiner Welt erlebt er noch als Hausmeister der Highschool, wo er nur Reparaturarbeiten zu verrichten hat und hin und wieder die Girlies auf die Regeln der nächtlichen Ruhe hinweisen muss. Wie auch er werden dann alle von den eintrudelnden Nachrichten überrascht, finden sie unglaubwürdig. Bis dann die ersten Eltern angerauscht kommen, um ihre Zöglinge abzuholen und dabei ein Unfall passiert, der ein Menschenleben kostet, das kurz darauf zum Zombieleben wird. Ruckzuck begreifen Adrian, die Lehrer, die Kids und deren Eltern, dass an den Nachrichten sehr wohl etwas Wahres dran ist, denn die Beißer holen sich ihre Beute und vermehren sich dabei schneller als Karnickel. Auch andernorts geht es nicht viel besser zu. Ganze Erdteile werden überrannt und ihr Kleinstadtkosmos hat dieser Invasion der Lebenden Toten nichts entgegenzusetzen. Adrian verbarrikadiert sich in den Räumen der Highschool und lebt sein Leben einsam vor sich hin, nachdem er den Laden und die nähere Umgebung gesäubert hat. Bis er feststellt, dass es ganz nahe tatsächlich noch richtiges, menschliches Leben gibt. Gesellschaft - das wäre was für ihn.

"Adrians Untote 2" ist flüssig erzählt und hebt sich auch etwas von den sonstigen Titeln um derartige Epidemien oder Pandemien ab. Adrian ist nicht der große Held einer Spezialeinheit, der seine Ausbildung nutzt, um allein gegen den Untergang anzutreten und dabei todesmutig Unmengen von Überlebenden rettet, mit denen er einen Neuanfang der Menschheit starten kann. Zwar war er bei der Armee, aber keinesfalls der Übersoldat. Zurück im Privatleben ist er nur ein simpler Bediensteter einer Highschool. Sicher helfen ihm einige Kenntnisse etwas mehr als es bei den restlichen Leuten in seiner Umfeld der Fall ist, aber heroisches America First gibt es hier nicht. In diesem Teil nimmt der Autor den Leser mit in die nähere Vergangenheit und erzählt, wie sich dieses Desaster entwickelt hat und wie die Menschen damit umgegangen sind. Unglauben, Angst, Flucht, Wehrhaftigkeit machen sich im Chaos breit und nur wenige haben überhaupt eine Chance, sich gegen die sich wieder erhebenen Toten zu bestehen. Zuerst erwischt es die Helfer. Feuerwehr, Sanitäter, Ärzte, Polizei. Unfallopfer greifen ihre Retter an. An wen kann man sich noch wenden, wer fällt einen nicht an, um die Bauchhöhle leerzufressen? Nirgends Hilfe, totaler Zusammenbruch. All dies gewinnt besonders durch den Tonfall, in dem die Story verfasst wurde. Leicht flapsig und mit einem gewissen humoristischen Einschlag, aber auch der nötigen Action, um gar nicht erst so etwas wie eine Durststrecke aufkommen zu lassen. Kein Werk, das sich in zuviel Anspruch verzettelt, das aber dafür direkt und schwer unterhaltsam auf die Zielliinie dieses Teils zusteuert. Ein dritter Teil der Reihe ist vom Verlag Voodoo-Press schon angekündigt und darf gerne zeitig kommen. Die 330 Seiten waren jedenfalls ruckzuck gelesen.

Offline Jerry Garcia

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« Antwort #968 am: Heute um 18:08:44 »


John Grisham. Theo Boone, Anwaltssohn mit ausgeprägtem Sinn für Recht und Gerechtigkeit, löst die schwierigsten Fälle – und er ist erst dreizehn! Als in seinem Heimatstädtchen Strattenburg, Louisiana, ein aufsehenerregendes Verbrechen geschieht, ist Theo wie elektrisiert – nun endlich kann er aus nächster Nähe einen großen Prozess verfolgen. Es scheint das perfekte Verbrechen zu sein, und schnell zeichnet sich ab, dass der Angeklagte seiner gerechten Strafe entkommen wird. Doch niemand hat mit Theo gerechnet.

Theo ist als Sohn von Anwälten auch selbst an der Rechtssprechung der USA interessiert und verfolgt alles, was er finden kann, um diesem Thema näher zu kommen. In seiner Heimatstadt Strattenburg kennt man den Schüler durchaus schon als "Rechtsberater" seiner Schulkollegen und hilfsberreiten Menschen, der auch im Obdachlosenheim Nachhilfeunterricht gibt. Einer dieser jungs dort, dessen Mutter sich um eine Aufenthaltsgenehmigung in den USA bemüht und immerzu arbeitet, kommt mit einem Problem zu ihm. Der Fall um die Ermordung einer Frau hat schon Schlagzeilen gemacht. Verdächtig ist der Gatte der Toten. Nach seiner version war er zur Tatzeit auf dem Golfplatz, doch hier kommt Theo mit dem Jungen aus dem Center ins spiel. Es gibt angeblich einen Zeugen und der Junge kennt ihn wohl, verrät aber seine Identität vorerst nicht. Zumindest hat er etwas gesehen, das entscheidend für den Prozess sein kann. Nun wird es zu einer Hängeparty für Theo. Der Zeuge ist illegal im Land und will nichts mit der Polizei oder Behörden zu tun haben. Also auch keine offizielle Aussage vor Gericht machen.

Der junge Protagonist von Grishams Gnaden ist ein Anwerber auf den Heiligenschein - zu gut, um wahr zu sein. Nett, hilfsbereit, superschlau und gehorsam. Dazu extrem interessiert an Gerichtsverfahren, weil er selbst Anwalt werden will. Auch seine Charakterisierung ist oberfläch, aber gegen die der Nebenfiguren dennoch ausgeprägt. Denn die sind einfach nur da, um Theo als Stichwortgeber zu dienen. Aber auch die Figur des Boone-Buben ist zweckgemäß im Roman eingebaut. Als Jugendromancier will der Schöpfer so vieler mittelmäßiger Thriller für Erwachsene nun den heranwachsenden der Nation von Superhelden das Rechtssystem näherbringen. Mal abgesehen davon, dass wohl nur solche Leser seine Bücher in Händen halten werden, die des Lesens auch mächtig sind (Die USA wollen ja überall führend sein und bei mangelnder Bildung der Bürger haben sie auch dieses Ziel erreicht.), war ich gespannt, wie er die verzwickten Ausgangslagen und Fallstricke im US-System formuliert. Tja, er hält sich merklich zurück, vereinfacht hier noch mehr als in seinen Büchern für Erwachsene (man lasse einmal seine wenigen Klassiker aus der Anfangszeit außen vor, die seinen Ruhm begründeten) und entwickelt keine überrmäßg komplizierten Fälle. Für die Zielgruppe eine gute Entscheidung. Als etwas älterer Leser sollte man das berücksichtigen, wenn man eine Story um Theo Boone angeht, von dem es mittlerweile sechs Abenteuer im Gerichtssaal gibt. So ist das rund 270 Seiten lange Werk schnell und leicht zu konsumieren, hat den einen oder anderen Spannungseffekt und erinnert irgendwie an einen Tom Sawyer der Moderne. Clever und eigenen Wege gehend, manchmal etwas Besserwisserei ausstrahlend, die den Erziehungsberechtigten gefälligst verborgen zu bleiben haben. Kleiner Happen für die Zugfahrt zur Arbeit für Erwachsene oder zum Referieren für Schüler, wie Alex ja schon bewiesen hat.                         

Offline Jerry Garcia

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Re: Buchrezensionen
« Antwort #969 am: Heute um 18:10:29 »


John Grisham. Die Anwältin Lacy Stoltz ermittelt in einem Korruoptionsfall von nie da gewesenem Ausmaß. Ein Richter soll ber Jahre hinweg Bestechungsgelder in schwindelerregender Höhe kassiert haben. Woher stammt dieses schmutzige geld? Lacy Stoltz recherchiert und kommt Machenschaften auf die Spur, die sie das Leben kosten könnten.

In den Staaten gibt es eine unterbesetzte und unterfinanzierte Behörde namens BJC, die gegen korrupte Staatsbedienstete wie Richter Ermittlungen anstellt. Eines Tages werden sie von einem ehemaligen Anwalt, später Verräter äh Informant für die Polizei auf illegale Aktivitäten im Umfeld eines Spielcasinos auf Reservatsgebiet in Florida aufmerksam gemacht. Der eigentliche Whistleblower hat sich über einen Mittelsmann an den Ex-Knacki gewendet, um selbst im Hintergrund zu bleiben. Auch der Mittelsmann und der Kontaktmann wollen bei den Behörden lieber nicht in Erscheinung treten. Also muss sich Lacy mit ihrem Partner Hatch an ungewöhnlichen Orten treffen, die eine gewisse Verschwiegenheit garantieren können. Was sie dabei erfahren, ist Organized Crime in Reinkultur auf dem Gebiet der Indianer. Und da für die Reservate eigene Gesetze gelten, wid es schwierig, dort zu ermitteln. Doch auch die Gegenseite schläft nicht und die Reaktion ist gewalttätig und tödlich für einen der Mitarbeiter. Jetzt wird mit Nachdruck ermittelt und man erhält sogar Hilfe von einer Seite, die man nicht erwartet hat.

Was gibt es groß zu sagen. Ein weiterer Fließband-Grisham, der mit seinen früheren echten Thrillern wenig zu tun hat. Immerhin bezeichnet es der veröffentlichende Verlag nur noch als Roman und das ist gut so. Die Inhaltsangaben und abgedruckten Zitate verheißen dann aber doch wieder Spannungsliteratur im Thriller-Milieu. Wenn Publishers Weekly Worte wie "hochbrisant" und "meisterhafter Erzähler" raushaut, ist das doch etwas sehr übertrieben. Im Umfeld eines Reservates lassen sich seit jeher gute Geschäfte machen. Die Indianer dürfen ihr Gebiet selbst verwalten und auch ihre eigene Polizei aufstellen. Nur in allerschwersten Fällen darf sich das FBI einmischen, lokale Behörden haben keine Berechtigung dazu, ebenso ergeht es der Steuerbehörde. Im Gegensatz zu früher geht es den Indianern gut, obwohl diese Regeln auch Risiken bergen, auf die der Autor kurz eingeht und ein Problem anspricht, das sicher nicht einfach ist, aber unter die Gesetze des Reservats fällt. Überhaupt erweist er sich oft in Nebensätzen als Vertreter und Beschwörer der erzwungenen political correctness oder rigoroser Gesundheitspolitik und anderer Eingriffe ins Leben der Menschen in den USA. Dinge, die auch hier immer mehr propagiert werden und zu hanebüchenen Entscheidungen in der Politik führen. Zu behaupten, dass die Story Schwung hätte, wäre geprahlt. Es wird zwar immer wieder mit der einen oder anderen Formulierung versucht, an der Spannungsschraube zu drehen, aber richtig zünden will das nicht. Da gilt auch für den feigen Anschlag auf die Ermittler. So bleiben erschöpfende, wenn auch sehr simpel formulierte Erläuterungen zu den Reservaten, die es über ganz Amerika verteilt gibt und die Figuren, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Gut und weniger gut sind sauber voneinander getrennt, die Neugier des Lesers beschränkt sich auf die Identität des Informanten. Und hier kommt dann eine in meine Augen infame Praxis an den Tag. Mit dem netten Wörtchen Whistleblower bezeichnete Verräter erhalten per Gesetz gar eine finanzielle Belohnung für ihre Aktionen. Wie man auch schon beim Ankauf von Steuer-CDs lesen konnte, wird hier eine kriminelle Handlung belohnt. Datendiebstahl, Betriebsspionage, im weiteren Sinne sogar Stalking von Privatpersonen durch Privatpersonen. Verbrechenslegalisierung per Gesetz. Gewollt von der Politik. Der Rechtsstaat wird von seinen Vertretern ausgehebelt. Solche Ergebnisse sollten eigentlich durch Ermittler im Staatsdienst kommen, Doch das wurde leider durch das Drehen an der Kostenschraube zur Unmöglichkeit verdammt. Einmal sind zu wenig Polizei oder andere Institutionen derart gut besetzt, dass sie ihre Arbeit korrekt erledigen könnten und zum Zweiten auch zu schlecht ausgerüstet. Hätte alles Geld gekostet. Da nimmt man es lieber in Kauf, dass zwielichtige Subjekte die Drecksarbeit machen und dafür belohnt werden. Nicht, dass die Behörden da Kapazitäten frei hätten, um Wohnungseinbrüche oder Ladendiebstähle zu bearbeiten. Da lässt man die Täter gewähren und bürdet dem Bürger die sogenannte Eigenverantwortung auf - und stärkt nebenbei die eh immer zahlungsunwillige Versicherungsbranche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das Ende ist dann eigentlich nur noch eine Aufzählung der Vorgänge wie man seinen Einkaufszettel aufschreibt. Seichtes Mittelmaß, einfach verständlich für die Massen produziert und verfasst. Ohne große Überraschungen und wenig Spannung. Nur bei den Informationen über die Reservate wurden schon vorhandene Erkenntnisse und bestehendes Wissen punktuell ergänzt. Ein Reißer waren die 450 Seiten nicht. Wer beim Lesen einfach nur Entspannung sucht und die Handlung flach haben will wie die Charaktere, fühlt sich hier aber Zuhause. Grisham wie gewohnt zum Schnellkonsum. Der Erfolg gibt ihm ja recht.