Autor Thema: Die letzte Sichtung  (Gelesen 143295 mal)

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Offline Max Blank

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1530 am: 17 Januar 2017, 11:24:12 »
Der große Trip - Wild (USA 2014) 9/10
Super Performance von Reese Witherspoon, einzig die vielen Rückblenden auf ihr
früheres Leben haben mir nicht ganz so gefallen.

Cold Blood (USA 2012) 1/10
Holprig und amateurhaft inszenierter Thriller mit teilweise unglaublich blöden/peinlichen
Dialogen und Szenen. 1 Punkt gibts für die Atmosphäre und das Setting.
 



Offline StS

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1531 am: 24 Januar 2017, 18:37:04 »
Bei der argentinisch-mexikanisch-brasilianisch-spanisch-amerikanischen Co-Produktion „El Ardor“ haben wir es mit einem von Pablo Fendrik verfassten und realisierten Neo-Western aus dem Jahr 2014 zutun. Angesiedelt in den Tiefen des südamerikanischen Urwalds, werden einige Tabak-Farmer von einer Gruppe Männer bedroht, die sie zum Verkauf ihres Grundbesitzes zwingen wollen: Wer nicht einwilligt, wird entweder vertrieben oder getötet – bis eines Tages ein geheimnisvoller, wortkarger Fremder auftaucht, der sie dabei unterstützt, sich wehrhaft diesen „Eindringlingen“ zu widersetzen (sprich: um ihr Land und Leben zu kämpfen)…

Mit den beiden international bekannten Schauspielern Gael García Bernal und Alice Braga als Leads schuf Fendrik einen ruhigen, schön anzusehenden Film mit wenigen Dialogen und viel Dschungel-Atmosphäre. Leider aber sind die Charakterzeichnungen nicht gerade reichhaltig ausgefallen, bleiben nicht nur die Baddies „eher blass“ und nimmt sich das Ganze einen Zacken zu ernst. Spirituelle und sozialkritische Elemente spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte, deren „Grundgerüst“ und Protagonisten allerdings unvorteilhaft generisch gestrickt wurden. Zudem hätte etwas mehr Tempo ebenfalls beileibe nicht geschadet…

4/10
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Offline Max Blank

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1532 am: 31 Januar 2017, 09:23:05 »
Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis (D 2011) 6/10
Solide Umsetzung der Geschichte.
« Letzte Änderung: 31 Januar 2017, 10:49:28 von Max Blank »

Offline StS

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1533 am: 2 Februar 2017, 19:16:41 »
Uncertainty“ (2008) ist ein netter kleiner „Indie“ des Regie- und Autoren-Gespanns Scott McGehee und David Siegel („the Deep End“), in welchem sich die Geschichte eines jungen Paares am Morgen eines 4. Julis auf der Brooklyn Bridge nach dem Werfen einer Münze quasi „aufsplittet“ und fortan (auf der Basis der damit verknüpften Entscheidungen) parallel zueinander entlang zweiter ganz unterschiedlicher Bahnen entwickelt: Auf der „Manhattan-Seite“ geraten sie in eine gefährliche Hetzjagd, nachdem sie in einem Taxi ein verlorenes Handy finden – während sie sich auf der „Brooklyn-Seite“ u.a. um einen streunenden Hund kümmern, ein Familienfest besuchen und sich darüber Gedanken machen, ob sie tatsächlich schon so weit sind, Eltern zu werden…

Halb ruhiges Drama – halb temporeicher Thriller: In beiden Strängen steht die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten im Zentrum des Geschehens. Überzeugend verkörpert von Joseph Gordon-Levitt und Lynn Collins, wird das Interesse des Publikums (trotz minimaler „Längen“ hier und da) stets aufrecht erhalten – gerade weil die Chemie der beiden stimmt und sie einem rasch einträglich sympathisch werden. Die Dreharbeiten fanden an einigen ansprechenden Locations in New York City statt – und zwar nachdem das Skript zuvor ohne Dialoge verfasst worden war und eben jene erst im Rahmen der Proben gemeinsam erarbeitet wurden. Ein unterhaltsames, wenn auch nicht umfassend ausgereiftes „filmisches Experiment“ also, u.a. mit Olivia Thirlby in einer Nebenrolle…

6/10
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Offline Kerry

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1534 am: 3 Februar 2017, 00:45:50 »
Gestern habe ich mir mal wieder "Zeugin der Anklage" (Witness for the Prosecution) mit Marlene Dietrich, Charles Laughton und Tyrone Power angesehen.
Was soll ich sagen: bei diesem Streifen stimmt einfach alles. Jede einzelne Szene ist ein kleines Kabinettstückchen für sich.
Spannung, Humor, Dramatik: die Spielzeit vergeht fast wie im Flug. Wahrhaft grandiose Schauspieler zelebrieren hier ihr Können.
Marlene Dietrich hat im kleinen Finger mehr Ausstrahlung als alle heutigen Filmsternchen zusammen. Charles Laughton, der den Verteidiger Sir Wilfried Robarts auf eine unnachahmliche Art und Weise verkörpert - da sitzt jede einzelne Bewegung.
Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Film schon gesehen habe - jedes Mal entdecke ich etwas Neues, jedes mal fiebere ich erneut mit.

Online Moonshade

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1535 am: 3 Februar 2017, 09:32:19 »
Endlich mal Howard Hughes "Düsenjäger" aka "Jet Pilot" gesehen und verblüfft gewesen, wie man sich auf so eine alberne Ninotschka-Variante jahrelang einschießen kann.
Dämlicher Plot, endlose Jet-Aufnahmen, die bei Veröffentlichung schon veraltet waren und zwei Leads, die kaum zueinander passen. Dazu die offensichtliche Fetischisierung verschiedener Aspekte an Janet Leigh. Fand wohl sogar John Wayne Kacke. Wirklich nur Kuriositätenwert (3/10)

Tapfer mir mal "Das Lächeln der Sterne" reingekloppt und weiß immer noch nicht, warum der Film so heißt - es wird ständig nur der Mond als Münzanalogie erwähnt.
Ansonsten schöner Träntreiber mit ordentlich Melodrama und Post-9/11-Referenzen - bisschen sehr konstruiert, aber manchmal braucht das Publikum eben 3-Taschentücher-Stories. Wer das verlacht, ignoriert die 20er, 30er und 40er Jahre. (5/10) (Damen mitunter: 6-7/10)

Reihe beendet: "Urban Legends 3" geguckt und mal wieder gesehen, wie man DTV-Ware auf eine Filmreihe umstricken kann.
Ganz nett, aber leidet stark unter kleinem Budget und schwachen Charakteren. Nach hinten raus leider extrem durchsichtig und mit ganz miesen Schlußeffekten. 4/10
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.785 Filme ohne IMDB-Link (28.03.17, 1301 Neulinks)!

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Offline Stefan M

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1536 am: 3 Februar 2017, 10:00:18 »
Tapfer mir mal "Das Lächeln der Sterne" reingekloppt und weiß immer noch nicht, warum der Film so heißt - es wird ständig nur der Mond als Münzanalogie erwähnt.
Ansonsten schöner Träntreiber mit ordentlich Melodrama und Post-9/11-Referenzen - bisschen sehr konstruiert, aber manchmal braucht das Publikum eben 3-Taschentücher-Stories. Wer das verlacht, ignoriert die 20er, 30er und 40er Jahre. (5/10) (Damen mitunter: 6-7/10)
Nicholas Sparks. Puh. Ich habe mir ja damals notgedrungen mit meiner Freundin fast alle Verfilmungen reingepfiffen, weil sie ein riesiger Sparks-Fan war, und irgendwie sind die mir einfach egal. Ich akzeptiere, daß es sie gibt und sie tun auch nicht so weh, daß ich leiden mußte, abgesehen vielleicht von dem schlimmen "The Lucky One", den ich sogar im Kino gesehen habe. Ich weiß nur nicht, ob das auf Dauer gut für die Seele ist, denn 80 Prozent der Geschichten gehen ja tragisch aus.  :unknown:
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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1537 am: 3 Februar 2017, 10:55:08 »
Na, dann dürften wir ja auch keine Horrorfilme mehr sehen, deren Bodycount ist auch schlecht für die Seele... :icon_mrgreen:

Der hier hatte ja sogar ein HappyEnd, ich kenne aber längst nicht alle.
Angesichts der Tragödienvorliebe vieler Zuschauer (auch Opernfans und so...) ist das vielleicht nicht das schlechteste Genre, um sich mal ordentlich durchschütteln zu lassen.
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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1538 am: 3 Februar 2017, 16:08:04 »
Ach Kacke, ich hab ja doch "Das Leuchten der Stille" geguckt (hat auch nichts mit dem Film zu tun, der Titel), Wirkung bleibt die Geleiche...
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Offline Stefan M

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1539 am: 3 Februar 2017, 16:31:14 »
Ach Kacke, ich hab ja doch "Das Leuchten der Stille" geguckt (hat auch nichts mit dem Film zu tun, der Titel), Wirkung bleibt die Geleiche...
Und Sparks bleibt auch Sparks.  :icon_mrgreen:

(Erklärt aber auch, warum ich mich nicht daran erinnern konnte, daß "Das Lächeln der Sterne" gut ausgeht...)
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Offline Private Joker

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1540 am: 6 Februar 2017, 09:45:10 »
"Erlösung" (2016)

Teil 3 der eigentlich immer ganz soliden J.A.Olsen-Verfilmungen, diesmal mit einen wie gelähmt auftretenden Carl Mørck (was Darsteller Kaas mächtig an seine schauspielerischen Grenzen bringt) und Assi Assad (Fares Fares) endgültig zur weitaus interessanteren und besser gespielten Figur macht.

Inhaltlich im Kern wie gehabt: Die "Cold Cases" sind nur Aufhänger, in nahezu Nullzeit wird auf aktuelle Fälle umgeschaltet, aus Spannungssicht natürlich nachvollziehbar, alles andere füllt die Kinolaufzeit einfach nicht. Leider bezieht das Drehbuch seine - durchaus vorhandene - Spannung weitgehend aus der Inkompetenz der handelnden Polizisten. Wo die US-TV Cops Marke XCIYinnerhalb von 3 Minuten aus den 10 Mio Einwohnern ihrer Bezirke 2-3 Verdächtige rausgeklickt und -gewischt haben, läuft der Verdächtige den Dänen-Cops eigentlich ständig unerkannt vor der Nase rum. Und so schwer kann es eigentlich nicht sein, mal nach dem ja von einem Zeugen gesehenen goldenen 7er BMW älteren Baujahrs zu fahnden, allzuviel dürfte es in so einer Gegend nun wirklich nicht geben.

Wie gesagt, nicht unspannend, wie bei den Skandinaviern gewohnt relativ düster, aber auch wenig glaubhaft. Und die Darstellung der religiösen Bezüge irritiert mehr als sie fesselt.

Knapp 6/10
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Online Moonshade

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1541 am: 16 Februar 2017, 08:32:52 »
RTL2 war so frei, mal wieder einen netten Slasher im Abendprogramm zu verstecken - "Girlhouse" - der nach saftigem Beginn und dann der üblichen 45minütigen Einführung mit etwas nackter Haut plötzlich noch aufs Tempo drückt und seinen gesamten Cast ordentlich verhackstückt - und das sogar recht derb fürs TV.

Schöne unaufdringliche Zitate und Bezüge können die sonstige Schlichtheit des Plots, der "horror-moralisch" mal wieder alles anpackt und verdammt, etwas abmildern. Gore gibt es auch - allein die ungeheure Agilität von Klopper-Moppel Slaine wirkt etwas übertrieben. Keine Offenbarung, aber auch nicht zu doof und passabel gestrickt. 5/10
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Offline Dale Cooper

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1542 am: 18 Februar 2017, 13:39:52 »
"Absolution" (1978)

Ein mir zuvor unbekannter Film mit Richard Burton, über den ich zufällig während der Suche nach neuen Filmen gestolpert war.
Mit Richard Burton ist wohl auch direkt der einzige Grund genannt, sich diesen Film anzuschauen - könnte man meinen. Der Rest ist offenbar kaum der Rede wert, weder die anderen Darsteller, noch der Regisseur (kaum weitere Filme gedreht) haben in irgendeiner Form später eine nennenswerte Karriere fortgeführt.
Dementsprechend kann man über diesen Film auch kaum etwas lesen, es gibt in der imdb nur 858 (!) Bewertungen.
Doch entgegen meinen Befürchtungen bot sich mir hier ein durchaus spannender Film mit einer gewissen Sogwirkung. Die Grundstimmung ist sehr düster und bedrückend.
Die Handlung bietet zwar kaum Höhepunkte, spitzt sich aber am Ende zu und lässt einen etwas ratlos zurück.
Gewisse Logikfehler sind ganz offenkundig, und eine Augenweide ist der Film auch nicht. Kameraführung, Schnitttechnik und Beleuchtung werden nur den niedrigsten Ansprüchen gerecht.
In Summe dennoch eine Sichtung wert
5/10

"Außer Atem" (1960)

Seit Urzeiten steht dieser Klassiker auf meiner Watchlist.
Kurz, knackig und unterhaltsam - mit einer Prise Existenzialismus / philosophischen Fragestellungen. Wilde Schnitte, wenige Dialoge und hektische Jazz-Klänge. Ein rebellischer und (film-)historisch bedeutender Film, der den heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr entspricht.
Man muss den Film vor dem Hintergrund seiner filmischen Bedeutung/Wertigkeit betrachten und anerkennen, dass er bahnbrechend war und neue Trends hervorgerufen hat. Ein Bruch mit Traditionen schafft immer Raum für Neues. Ein bemerkenswerter Erstling von Godard und ein Stück Belmondo-Kult.
8/10

"Manhattan" (1979)

Die nächste große Bildungslücke, welche geschlossen wurde.
Was für eine Wucht ist bitte dieser Film!?
Ich mochte immer Woody Allen - Filme, aber häufig waren mir diese zu schwerpunktmäßig intellektuell betont und haben (aus meiner Sicht) dann als Film nicht mehr so gut funktioniert. Zum Beispiel wurde ich nie so recht mit "Annie Hall" warm, obwohl dieser ja sein bekanntester und beliebtester Film zu sein scheint - sicherlich ist er auch repräsentativ für sein Gesamtwerk und ein wirklich toller Film, aber das endlosschleifenartige Gerede ging mir teilweise doch auf den Wecker, so sehr es auch geistig anregend sein mochte.
Bei "Manhattan" ist alles anders. Der Film wirkt von der ersten bis zur letzten Sekunde "perfekt" und extrem angenehm/harmonisch.
Zwar bleiben die üblichen Allen-Zutaten erhalten (die ich gut finde), aber diese paaren sich nun mit anderen Eigenschaften und ergeben den idealen Mix. Da ist die warme, wohlige Schwarz/Weiß Optik (ich weiß, klingt wie ein Widerspruch, ist aber so), die perfekte Komposition von Bild/Schnitt und Musik - die Jazz-Klänge lassen einen dahinschmelzen und man sieht New York durch eine wunderschöne Rosarot-Brille.
Die Rollen sind extrem gut besetzt, jeder Darsteller bringt Höchstleistungen - alles im Einklang mit grandios unterhaltsamer Sprache und vielen lustigen Einfällen.
Für mich ist dies der mit Abstand beste Allen-Film, einer der besten 70s-Filme und ganz sicher ein neuer Lieblingsfilm.
Welcher Film schafft es schon, einen euphorisch/begeistert und zugleich melancholisch/gerührt zurückzulassen? Da giert man nach der nächsten Sichtung.
PS: Das Opening ist ja wohl unschlagbar!
10/10

"Anatomie einer Entführung" (2004)

Das ist wieder so einer diese zuhauf vorhandenen Filme mit viel Potential, da großartig besetzt, und doch nur knapp überdurchschnittlich.
Redford, Dafoe, Mirren - allesamt legendäre Darsteller, da horcht jeder auf.
Leider hatten zu diesem Zeitpunkt bereits alle ihren Zenit überschritten - lange. Wahrscheinlich wurden die alternden Stars mal wieder mit großen Gagen gelockt und ein unerfahrener Regisseur darf Hand anlegen.
Ein schlechter Film ist es trotzdem nicht geworden, im Gegenteil. Man bekommt keinen klassischen Thriller serviert, sondern eine ruhig erzählte Geschichte, die eher einem Drama als einem Krimi gleicht. Hier stehen vor allem die handelnden Personen im Vordergrund und wie diese mit der gegebenen Situation jeweils umgehen. Das ist dann auch sehr schön gezeichnet und gut anzusehen, während der Auslöser der Situation, die Entführung, etwas in den Hintergrund rückt, wie auch der Antrieb/das Ziel des Täters.
Auf ein Happy End wird auch verzichtet, was ich zur Abwechslung mal ganz gut finde.
6/10

Offline StS

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1543 am: 20 Februar 2017, 18:10:57 »
In „the Scorpion King: Quest for Power“ (2016) – dem inzwischen vierten Teil der Franchise – prügelt sich der nun schon zum zweiten Mal von Victor Webster (eigentlich ganz annehmbar) verkörperte Titel-Held inzwischen nicht mehr durch irgendwelche Wüstenregionen – sondern durch den Ostblock! Im Grunde ist der Streifen genauso belanglos-doof wie es seine beiden DtV-Vorgänger auch schon waren – aber einen gewissen Unterhaltungswert kann man dieser mit einer unerwarteten Menge Humor angereicherten Abenteuergeschichte keineswegs absprechen. Ja, viele Gags sind albern, unfreiwillige Komik gibt es ebenfalls zu verzeichnen, diverse Kostüme und Kulissen sehen doch recht billig aus, die gebotene Action ist eher mauer Natur und die CGIs gehören zur kostengünstig-schwächeren Art – doch wirklich langweilig wird es insgesamt zum Glück etwa nie (kleinerer „Längen“ zum Trotz). Aus dem begrenzten Budget und dem nicht sonderlich beseelten Skript von Michael D. Weiss („U.S. Seals 2“) hat Regisseur Mike Elliott („Blue Crush 2“) immerhin noch einiges herausholen können und Ellen Hollman weiß als „feisty“ weibliche Hauptdarstellerin zu gefallen – wohingegen Will Kemp als Baddie leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann und Barry Bostwick mal wieder „over the Top“ bei der Sache ist (was der entsprechenden Ausrichtung seiner Rolle gebührt). In Nebenparts vermag man überdies noch eine Reihe „B-Movie-Resterampe-Mimen“ á la Michael Biehn, Lou Ferrigno, Rutger Hauer, M. Emmet Walsh und Don „The Dragon“ Wilson zu erspähen. Alles in allem also nicht unbedingt unsympathische (jungendfreundliche Kost) – welche allerdings reich an „inhaltlichen und stilistischen Fehltritten“ daherkommt…   

gute 3/10
« Letzte Änderung: 20 Februar 2017, 18:14:53 von StS »
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Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1544 am: 22 Februar 2017, 00:53:02 »
Nach längerer Kino-Abstinenz einen neunstündigen Kino-Aufenthalt gehabt...

1.) Jackie - Der hat sich als der beste Film des Abends erwiesen. Pablo Larraín mag ich ohnehin sehr gerne. (Natalie Portman im Grunde auch, die bekommt bloß überwiegend unbedeutende Filme ab.) "Jackie" hat wundervolle Kameraarbeit, einen der besten Soundtracks der letzten Jahre, eine spannend montierte Ordnung der Ereignisse... Das Thema des Individuums, das in komplexere, undurchsichtige Zusammenhänge eingespannt ist, passt perfekt in Larraíns bisherige Filmografie; in "Jackie" findet er dafür ausdrucksstarke Bilder, in denen er Jackie Kennedy im Sog der Geschichte und im Rahmen der Macht präsentiert. Und selten hat mich eine Behandlung des Kennedy-Attentats im Film derartig vor den Kopf gestoßen und emotional berührt... Inszenatorisch eine Wucht, ein spannendes, interessantes, intelligentes Porträt ohne Kitsch... 8-9/10

2.) Elle - weder in Verhoevens, noch in Hupperts Filmografie ein Glanzlicht. Huppert macht, was man von ihr erwartet; Verhoeven betätigt sich einmal mehr als kontroverser Skandalfilmer. Die Geschichte einer Frau, die eine sehr sonderbare Beziehung mit ihrem Vergewaltiger eingeht, wird von allerlei Nebensträngen aus ihrem angeknacksten sozialem Umfeld angereichert, um letztlich in einer hochgradig fiesen Szene zu münden, in der die Partnerin ihres Vergewaltigers ihr dafür dankt, dass ebendieser kurzzeitig bei ihr finden konnte, was er benötigte... Eher ein schwarzhumoriges Drama über einen Selbstfindungsprozess, weniger ein Thriller. Und ein interessanter Film darüber, wie natürlich, alltäglich und menschlich all die monströsen Abgründe so sind; dieser Punkt ist sicher das interessanteste am Film, da es im Grunde das Element ist, das alle Stränge beisammenhält... dennoch ein etwas zerfaserter Film, bei dem ich auch das Gefühl hatte, er würde 2,5 bis 3 Stunden dauern... Schwache 7/10.

3.) La La Land - Bereits 1-2 Minuten haben gereicht, um mir zu zeigen, dass er bei mir sicherlich keine Begeisterungsstürme auslösen würde. Lange, kurvenreiche Kamerafahrten mit einigen Reißschwenks scheinen mir für Musicalnummern nicht sonderlich geeignet zu sein... Im Hinblick auf die Choreografie war das dann auch eine ziemlich Enttäuschung. Musikalisch hat es mich nicht angefixt, aber daraus kann ich natürlich keinen Vorwurf machen... Vorwerfen würde ich eher diese platte "Wir drehen ein nostalgisches, hochmodernes Musical und lassen die Figuren über Nostalgie diskutieren"-Ausrichtung des Films; die zwei Musicalnummern am Schluss und während der Szene, die für das (lila-farbene) Plakat herhalten musste, sowie die beiden Stars stellen für mich die größten Pluspunkte dar... Ryan Gosling hat Charisma, ist attraktiv und kommt sehr sympathisch rüber, Emma Stone bleibt allerdings etwas blasser, was aber auch gewollt zu sein scheint und ins dramaturgische Konzept passt... Schön, dass es kein reines Happy End gibt; erinnert ein wenig an den jüngsten Woody Allen. "Les parapluies de Cherbourg" könnte in dieser Hinsicht auch Pate gestanden haben... Ein sehr souveränes Musical, fürwahr - aber sicher kein Meilenstein (wenngleich er als weitgehend konkurrenzloses modernes Musical sicherlich im Genre eine wichtige Stellung einnehmen wird...) 7-8/10

4.) T2 Trainspotting - Ein etwas enttäuschender Abschluss des Kinoabends... So wie die Figuren auf ihre Jugend zurückblicken, guckt der Film auch permanent auf den 1996er "Trainspotting" zurück. Das ist dramaturgisch etwas ungeschickt; wirkt auch weniger frisch & weniger roh als der Erstling, was angesichts der Thematisierung des Alterns auch erwünscht gewesen ist. Sicher recht unterhaltsam und inszenatorisch durchaus noch originell; aber irgendwie ist das eher eine ausgewalzte Fußnote, ein verspätestes Anhängsel und weniger ein für sich funktionierender Film... 6-7/10
« Letzte Änderung: 22 Februar 2017, 01:29:24 von PierrotLeFou »
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Online Moonshade

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1545 am: 22 Februar 2017, 09:26:52 »
Zwei sperrige Filme von gestern:

Hugh Grant und Alan Rickman - interessante Combo. In "Eine sachliche Romanze" sind sie unfreiwillige Mentoren eines jungen und sehr naiven Mädchens, das zum Theater möchte und dort einen Job als Bühnenassistentin im Jahr 1947 bekommt. Dem einen verfallen (ein homosexueller Zyniker) geht sie mit dem Anderen (dem Verlust seiner Liebe hinterher trauernd) ins Bett und nimmt nicht wahr, was sie falsch macht.

Ein Drittel Komödie, Rest Drama, alles zusammen am Theater in der Nachkriegszeit angerührert - anfangs eine Nummernrevue hart an der Grenze zur Groteske, später ein Bühnendrama mit Tiefe, dass sich zu einer klassischen Tragödie ausweitet. 7/10


Dann "Dementia" mit Gene Jones, einem Thriller über einen Vietnamveteran und Ex-Prügler, der nach einem Schlaganfall eine ganz besondere Pflegerin zugeteilt, die mehr als drei Schrauben locker hat.
Was relativ bekannt klingt, bekommt durch die Figurenkonstellation ordentlich Tiefe und endet in einem Kreislauf aus Gewalt und Rache, bei der niemand ohne Schuld ist.
Leider nur als kleiner Film aufgemacht, bringt der Film das Übliche, deutet aber immer wieder mehr an und führt alles dann zu einem zerstörerischen Drama zusammen. Hätte mit weniger Betonung auf die oberflächlichen Thrillerelemente mehr gebracht, so bleiben meistens interessante Schablonen, die sich erst im Finale offenbaren. (5,5/10
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Offline Dale Cooper

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1546 am: 23 Februar 2017, 13:25:41 »
"Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia" (1974)

Peckinpah zeichnet hier ein sehr düsteres Menschenbild. Es herrschen Verachtung, Frauenfeindlichkeit und Rücksichtslosigkeit. Gewalt regiert, das Recht des Stärkeren und des Besitzenden gilt. Die dargestellten Lebensräume der handelnden Personen sind verarmt, schmutzig.
Im Zentrum steht ein brillanter Warren Oates, der verzweifelt versucht, aus diesem Sumpf auszubrechen und letztlich selbst ein Teil dieser Verkommenheit wird, indem er vollkommen abgestumpft mit einem abgeschlagenen Kopf quer durch Mexiko irrt und dem Irrsinn näherkommt.
Hier wird einem keine leichte Kost vorgesetzt.
Mir hat der Film aber sehr gut gefallen, denn ich halte Peckinpahs Werk für außergewöhnlich und einzigartig - und dieser Film könnte repräsentativ für sein Schaffen stehen, auch wenn er kommerziell nicht sehr erfolgreich war.
9/10

"Nosferatu - Phantom der Nacht" (1979)

Bildgewaltig und prachtvoll inszeniert, mit einer bemerkenswerten Ruhe, Gelassenheit und Präzision.
Für mich persönlich das beste und geschmackvollste, was der Dracula-Stoff hervorgebracht hat. Ein wirklich gelungener Horrorfilm, der seine Spannung/das Grauen nicht aus Effekthascherei bezieht, sondern durch seine Atmosphäre, welche durch die perfekte Vermischung aus Drehorten, musikalischer Untermalung und hervorragenden schauspielerischen Leistungen (Kinski einmalig) entsteht. 8.5/10

Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1547 am: 1 März 2017, 21:46:12 »
Es gibt zwei ältere Threads, aber ich packe das mal hier rein:

Terra Nova (TV-Serie, 2011)

Ich habe mir schon vor längerer Zeit die Staffelbox gekauft und jetzt endlich mal die Zeit genommen, mir die Serie anzusehen. Geschafft habe ich gerade mal zwei Folgen und eigentlich keine Lust mehr: uninteressante Charaktere, miese (Dino-)Effekte und Actionszenen (trotz minutenlanger Ballerei auf die Dinos mit Mega-Kanonen bekommen die noch nicht mal einen Kratzer ab?), 80% der Episoden ging für diesen Familien-Kram drauf, überwiegend völlig belanglose Dialoge usw.

Die ersten beiden Folgen erinnerten mich sehr an eine Mischung aus "Primeval" (aber ohne den Spaß und die Kurzweil) und vor allem "Earth 2". Letztere Serie habe ich gerade vor zwei Jahren noch einmal komplett gesichtet und auch durchgehalten. "Earth 2" ist und bleibt jedoch eine völlig vermurkste SF-Serie mit ähnlicher Rahmenhandlung, hatte mit Clancy Brown aber immerhin eine halbwegs sympathische Hauptfigur.

Wird "Terra Nova" noch besser? Ich dachte eigentlich, mit Dinos, der Prämisse und Steven Spielberg & "Star Trek"-Urgestein Brannon Braga hinter den Kulissen kann nichts schiefgehen. Und dann im Schnitt 6,8 bei IMDb? Bei mir gibt es für die ersten beiden Folgen nur 3/10. Ob ich mir das noch weitere >8 Stunden antun soll?
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Offline Retro

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1548 am: 1 März 2017, 23:21:55 »
OVERKILL – DURCH DIE HÖLLE ZUR EWIGKEIT

Aus einem Forschungslabor in Leipzig wird ein von der US-Armee entwickelter tödlicher Virus geschmuggelt.
Das Flugzeug, mit dem der Virus transportiert wird, stürzt jedoch ab- und der Virus kann entweichen...
In nur wenigen Tagen breitet sich eine tödlich endende Epidemie rund um die Welt aus, die anfänglich wirkt wie eine normale Erkältung.
Ein Gegenmittel ist bisher nicht bekannt.
Während der Großteil der Erdbevölkerung schon gestorben ist, oder langsam dahinsiecht, gibt es einige bisher nicht betroffene Überlebende-
wie z.B. die Besatzungen von schwer bewaffneten Atom U-Booten mehrerer Nationen, welche nur gefilterte Luft einatmen, und sich jetzt quasi im Krieg wähnen.
Doch wer ist der Feind, auf wen richtet man seine Atomraketen?
Überlebt haben auch Wissenschaftler einer arktischen Forschungsstation- diese finden heraus, dass der Virus sich bei kälte passiv verhält.
Ist das die Gelegenheit, den Virus zu untersuchen und ein Gegenmittel zu finden, bevor Atomraketen abgefeuert werden- oder steht das Leben auf der Erde am Abgrund?

Japanisch/Amerikanischer Film von 1980, der die Story vieler später erschienener ähnlicher Filme vorweg nimmt- und mit einigen damals durchweg großen Schauspielern glänzt:
(George Kennedy, Glenn Ford, Chuck Connors, Sonny Chiba, Edward James Olmos, Olivia Hussey, Henry Silva, Bo Svenson, Robert Vaughn)
Um so erstaunlicher, dass es diesen Film lange Zeit bei uns nur auf VHS und Laserdisc gab- und das auch nur stark gekürzt, und in der Handlungsreihenfolge umgeschnitten.
Wobei es selbst auf VHS in Deutschland mindestens zwei Schnittfassung gab:
Die als "Internationale Fassung" bekannte Fassung, welche dann auf VHS und LD herauskam, sowie eine noch deutlich stärker heruntergekürzte, reine VHS-Fassung, die meines Wissens nur in Deutschland vermarktet wurde.
Die erste Veröffentlichung auf DVD kam erst 9/2008 bei uns heraus- und das auch nur in einer Sci-Fi-Box mit drei anderen, arg Trashlastigen Filmen, zu denen dieser absolut nicht passte.
Zudem war auch diese Fassung noch deutlich gekürzt, aber immerhin wieder in die richtige Reihenfolge gebracht worden- und sogar etwas länger als die alte Version auf VHS.
Seit 8/2016 liegt der Film jetzt erstmals auch in Deutschland in seiner ungekürzten Langfassung vor- auf DVD und sogar Blu-ray, welche auch eine ominöse, schon wieder anders geschnittene "Kinofassung" enthält.

Wer den Film noch von früher, zu VHS-Zeiten kennt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Fassung von "Arcade Video" gesehen, welche es in verschiedenen Cover-Auflagen, und sogar als Laserdisc gab.
Laut Cover läuft diese Fassung immerhin 108 Minuten, was leider eine falsche Angabe ist. Nach 95 Minuten kommt bereits der Abspann.
Hier handelt es sich um die sogenannte "Internationale Fassung", welche zum einen stark in der Handlung gekürzt wurde- und zum anderen sogar in der Handlungsfolge geändert wurde.
So beginnt diese Version des Films schon mit dem Ende- die Frage ob die Menschheit überleben wird ist damit zwar nicht komplett beantwortet, aber es geht doch einiges an Spannung verloren.



Eventuell hat man sogar Pech gehabt, und nur die Billig-Auflage im Pappschuber von "Vision Video" erwischt, welche gerade mal 70 Minuten läuft-
und ebenfalls auf der "Internationalen" Fassung beruht, also mit dem Ende beginnt- und noch stärker gekürzt ist.
Fairerweise muss ich allerdings ganz klar sagen, dass selbst die um mehr als die Hälfte gekürzte Fassung immer noch einwandfrei verständlich ist.



Es existiert noch eine Fassung von "Titan Video", welche als "neue Videofassung" betitelt wurde- und mit 113 Min. Länge auf dem Cover angegeben ist. Diese ist mir allerdings nicht selbst bekannt.

Als 2008 endlich die erste DVD mit diesem Film in Deutschland erschien, war die Verwirrung groß.
Kaum jemand hat es überhaupt mitgekriegt, denn der Film kam unter dem Titel "Apocalypse - Das Ende der Welt" in einer "Science Fiction Classic Box", zusammen mit drei richtig schlechten Trash-Filmen auf den Markt.
Immerhin: Erstmals hat man den Film wieder in seine ursprüngliche Reihenfolge umgeschnitten, und kann sogar mit einer längeren Laufzeit von knapp 114 Minuten punkten.



Seit August 2016 kommen auch wir in Deutschland in den Genuss der ursprünglichen, ungekürzten Fassung von ganzen 156 Minuten.
Da der Film bisher nicht ungekürzt bei uns herauskam, und ursprünglich zweisprachig gedreht wurde, sind alle bei uns bisher unveröffentlichten Szenen nun mit festen Untertiteln versehen.
Und zwar nicht nur den Deutschen... Schon im Original gab es eigene Untertitel, wenn die Amerikaner sprechen sind es japanische, wenn die Japaner sprechen dementsprechend englische Untertitel.
In dieser Version kommen natürlich noch jeweils deutsche Untertitel mit dazu... Das wirkt zwar teils arg unübersichtlich, ist aber wohl besser, als den Film mit einer komplett neuen Synchro eventuell zu versauen.
Die Blu-ray enthält zudem noch eine "Deutsche Kinofassung" von 110 Minuten. Der Schnitt ist auch hier basierend auf der Originalfassung, aber die DVD aus der oben genannten Sci-Fi-Box läuft sogar länger.



Nostalgiker, die "ihre" alte Fassung mal wieder sehen wollen kommen somit nicht um eine VHS herum- denn diese Version existiert nach wie vor nicht auf DVD oder Blu-ray.
Wer den Film aber noch nicht kennt, macht mit der Blu-ray definitiv nichts falsch.
Empfehlen würde ich dann allerdings zuerst die "Kinofassung", welche Dank der guten alten Synchro doch deutlich angenehmer zu sehen ist.

10/10

Online Moonshade

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1549 am: 2 März 2017, 08:52:58 »
Wird "Terra Nova" noch besser? Ich dachte eigentlich, mit Dinos, der Prämisse und Steven Spielberg & "Star Trek"-Urgestein Brannon Braga hinter den Kulissen kann nichts schiefgehen. Und dann im Schnitt 6,8 bei IMDb? Bei mir gibt es für die ersten beiden Folgen nur 3/10. Ob ich mir das noch weitere >8 Stunden antun soll?

Nicht wirklich.
Tatsächlich bleiben die Konflikte alle sehr übersichtlich und überschaubar und wie es schon so oft war: die Serie ist in dem Moment abgesetzt worden, wo sie anfängt, interessant zu werden.
Im übrigen warne ich generell vor fast allem im TV, wo Steven Spielberg mit drin steckt - ein radikaler Ansatz ist da fast nie bei. (Under the Dome, Extant, Falling Skies, Taken, SeaQuest, Earth 2)
Braga ist auch nicht stilsicher, mit "FlashForward" , TerraNova und Threshold hat er sich auch keinen Gefallen getan.
Hab TN damals durchgeschaut, aber der Egalfaktor ist doch schon sehr hoch.
Nur falls man 200Pro-Dino-Fan ist!

Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.785 Filme ohne IMDB-Link (28.03.17, 1301 Neulinks)!

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Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1550 am: 2 März 2017, 13:30:49 »
Wird "Terra Nova" noch besser? (...) Ob ich mir das noch weitere >8 Stunden antun soll?

Nicht wirklich.
Tatsächlich bleiben die Konflikte alle sehr übersichtlich und überschaubar und wie es schon so oft war: die Serie ist in dem Moment abgesetzt worden, wo sie anfängt, interessant zu werden.

Interessant waren in den ersten beiden Folgen eigentlich nur die fremden Schriftzeichen beim Wasserfall und was aus dem Sohn des Commanders (=Stephen Lang) geworden ist.

Wie dem auch sei, Danke für die Einschätzung. Ich werde stattdessen lieber 4-5 Spielfilme sichten, die bei mir noch in der Warteschleife stehen, und die Staffelbox am Wochenende bei eBay verkloppen. Auf ein zweites "Earth 2" habe ich echt keine Lust.
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Offline Dale Cooper

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1551 am: 6 März 2017, 17:47:40 »
"Blood Diamond" (2006)

Aufwändig inszenierter Abenteuer-Thriller mit drei herausragenden Hauptdarstellern und einer packenden Story.
Ich persönlich finde es sehr gut, wenn ein Film es schafft, höchst spannend/unterhaltsam zu sein und gleichzeitig eine politische/moralische Botschaft überbringt.
Dies ist ein sehr effektiver, aber auch schwieriger und daher löblicher Weg, brisante Themen einem großen Publikum nahezubringen. So erreicht man viele Menschen und regt diese zum Nachdenken an, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu urteilen. Hier wird einem die Komplexität der Wirklichkeit gut aufgezeigt und man wird als Zuschauer motiviert, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Man muss das Gezeigte selbst interpretieren.
9/10

"Zulu" (2013)

Dieser Film hat ähnlich viel Potential wie "Blood Diamond" und auch ein paar Gemeinsamkeiten mit ihm, wie zum Beispiel den afrikanischen Kontinent als Schauplatz des Geschehens und die schonungslose Darstellung von Gewalt und schrecklicher Brutalität.
Die Story dreht sich im Wesentlichen um zwei Polizeibeamte, die in einem Sumpf aus Verbrechen zu versinken scheinen und nebenbei einen Haufen privater und persönlicher Probleme zu bewältigen haben.
Die Darstellung von purer sinnloser Gewalt eskaliert hier vollends, bis man (wie die handelnden Personen selbst) kaum mehr weiß, wer gegen wen kämpft und warum. Der Moralkompass ist am Ende ganz durcheinander.
Wenn man diese Härte vertragen kann, kann man einen spannenden Film genießen.
Jedoch muss ich leider Punkte abziehen, da die Personen sowie deren Probleme doch arg klischeebeladen sind - hier hätte etwas mehr Tiefgang mehr überzeugen können!
6.5/10

Online Moonshade

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1552 am: 8 März 2017, 11:45:40 »
Winter's Tale

Mark Helprins Romanvorlage ist ja schon ein prachtvoller, wenn auch sehr zerfaserter Brocken, aber was Akiva Goldman daraus gemacht hat, ist ja wohl die strukturelle Ausdünnung des Jahres. Ein dürrer Plot, rein um Peter Lake und seine Bestimmung, eine Verdämonisierung der Gegner, keine korrekte Verortung in dem Paralleluniversum des Romans, mäßige Tricks, ein eher wirrer Off-Kommentar, sehr sehr wenig Winter und der falsche Hauptdarsteller machen daraus einen relativ schwachen Film, der aber anders als der Roman zumindest problemlos goutiert werden kann (ist aber trotzdem doof-simpel).

Auffällig ist, dass man einen Roman, der davon lebt, in seinen jahrhundertüberspannenden Beschreibungen vor allem starke Licht- und Farbenspiele zu präsentieren (es geht ja um ein neues Zeitalter bzw. eine neue Stadt des Lichts), mit total entsättigten Farben und extra trüben Linsen ins Kino bringt.

Und dass man auf gängigen Realismus setzt, dann aber kommentarlos deutliche Fantasyversatzstücke präsentiert.

Im übrigen fehlen ca. 50-60 Prozent des Buches und das Filmende existiert im Buch nicht mal ansatzweise.

good lord: 4/10
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Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1553 am: 15 März 2017, 03:04:16 »
Moonlight - Sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber ein sehr anständiges Coming of Age-Drama, das inszenatorisch deutlich über dem Durchschnitt liegt... ein wenig "Boyhood", ein wenig später Malick... stimmig entwickelt, facettenreich und kraftvoll... mag ja sein, dass es aus politischen Gründen so viele Oscar-Nominierungen für "Moonlight" gab, aber der Film hat jetzt nicht verdient, als bloßer Nutznießer eines Klimas betrachtet zu werden... 8/10


Der junge Karl Marx - Pecks "Lumumba"-Doku soll ja sehr großartig sein, aber ich kenne nur seinen "Lumumba"-Spielfilm und der war eher "ganz nett". Der Marx-Film spielt in derselben Liga... Über die Texte selbst wird eher wenig vermittelt, dafür gibt es aber natürlich viel Biographisches: teils interessant, teils weniger interessant und mitunter mit einem Humor ausgestattet, der wohl nur unter überzeugten Linken gut ankommt... Letztlich kurzweilige Unterhaltung, die als Anregung dienen mag, sich noch ein wenig mit den dargebotenen Persönlichkeiten zu befassen... 7/10


A Cure for Wellness - Fängt sehr ambitioniert an, endet dann aber als unausgegorener Mix aus diversen Elementen, der auch noch eine gute Stunde zu lang geworden ist (aber zumindest im Finale nochmals furios aufspielt)... ein trotz hübscher Bilder hässlich gestaltloses Werk: Wälsungenblut & Zauberberg (welcher auch in einer Szene gelesen wird), Placebo-Effekt & Küchenpsychologie, Jugendwahn-Farce und Workaholic-Satire... Zu Beginn noch ein Film über Wahnsinn & Paranoia (ganz im Geist der Genrefilme der späten 60er Jahre), zum Ende hin dann ein phantastischer Gothic-Horrorfilm, der eher den Geist der frühen 60er (Bava, Margheriti) atmet... ein bisschen "Shutter Island", etwas weniger "Crimson Peak"...
Aber das passt alles nicht so recht zusammen und ist dramaturgisch reichlich zerfahren; ist ein bisschen so, als würde man einem Schwachsinnigen bei einer Peinlichkeit zuschauen, für die er voller Stolz Applaus erwartet...
Immerhin sitzen die meisten Schockeffekte... Und Mia Goth hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen... Ihren sexuellen Missbrauch hätte man etwas weniger auskosten sollen. Und die Schweizer stellt sich Verbinski offenbar so vor, wie Eli Roth die Slowaken... 6/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1554 am: 17 März 2017, 22:22:50 »
Ice Age - Kollision voraus! (2016)

99¢ VoD Erstsichtung

So einen Absturz einer ehemals tollen Filmreihe habe ich noch nicht gesehen. Schon der letzte Teil war nur eine seelenlose Aneinanderreihung von leidlich gelungenen Slapstick-Einlagen. Der Trailer zum fünften Teil konzentrierte sich auf Scrat, den es beim Versuch, die Eichel zu fangen, bis in den Weltraum verschlägt. Das ist sehr irreführend, denn diese Sequenzen bieten nur die übliche Slapstick-Routine rund um Scrat und sind noch das "Beste" am Film, wirken aber wie ein Fremdkörper und stellen nur eine Randnotiz dar, die mit viel Mühe mit dem Rest der "Handlung" zusammengekittet wurde.

Teil 5 ist eine Aneinanderreihung oftmals völlig niveauloser Furz- und Kacka-Witze für die lieben Kleinen. Es wirkt wie eine Vorschulvariante der in R-rated US-Komödien so beliebten Muschi-, Pippi-, Kacka-, Penis-, Titten-, Furz- und Schleim-Witze. So nach dem Motto: früh übt sich, wer schon als Dreikäsehoch an derartigen Humor gewöhnt wurde. Da hilft es auch nichts, dass die Computeranimationen auf höchsten Niveau sind. Manni und Diego sind nur noch Statisten, den Ton gibt hier die Nervensäge Sid an - jedoch wie gesagt unappetitlicher als je zuvor.

1 / 10 mit der Hoffnung, dass die Reihe nicht weiter fortgesetzt wird.

Der Vollständigkeit halber:
Ice Age (2002) 8 / 10
Ice Age 2 - Jetzt taut's (2006) 6 / 10
Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los (2009) 6 / 10
Ice Age 4 - Voll verschoben (2012) 4 / 10
« Letzte Änderung: 18 März 2017, 00:52:36 von Hitfield »
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Offline DisposableMiffy

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1555 am: 18 März 2017, 10:45:41 »
Ice Age - Kollision voraus! (2016)

Teil 5 ist eine Aneinanderreihung oftmals völlig niveauloser Furz- und Kacka-Witze für die lieben Kleinen. Es wirkt wie eine Vorschulvariante der in R-rated US-Komödien so beliebten Muschi-, Pippi-, Kacka-, Penis-, Titten-, Furz- und Schleim-Witze. So nach dem Motto: früh übt sich, wer schon als Dreikäsehoch an derartigen Humor gewöhnt wurde. Da hilft es auch nichts, dass die Computeranimationen auf höchsten Niveau sind. Manni und Diego sind nur noch Statisten, den Ton gibt hier die Nervensäge Sid an - jedoch wie gesagt unappetitlicher als je zuvor.

Na super. Bisher mochte ich jeden Ice Age-Film, das liest sich allerdings wenig schmeichelhaft.

Rabid (1977)

Ich arbeite mich grade in losen Abständen durch Cronenbergs Frühwerke. "Rabid" hat leider wenig auf der Habenseite zu verbuchen. Woran es dem Film am meisten mangelt ist Spannung. Je länger er dauert, desto mehr verkommt er zu bloßen Aneinanderreihung neuer Opfer. Die Darsteller sind zwar nicht direkt überfordert, hinterlassen allerdings auch keinen bleibenden Eindruck. Die Effekte sind für die Zeit und das offensichtlich mikroskopische Budget ganz anständig, mal abgesehen vom irritierend grellroten Blut. Das ist aber etwas, was mich generell in vielen Filmen von vor der Jahrtausendwende stört.

Kann man aus Vollständigkeitsgründen durchaus gucken, ansonsten bietet "Rabid" keinen Grund für eine erneute Sichtung. 4,5/10
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1556 am: 18 März 2017, 21:25:09 »
Zum 30-jährigen Jubiläum nach langer Zeit mal wieder gesichtet und ein weiteres Mal darin bestätigt worden, einige Klassiker aus der Jugendzeit lieber in der Erinnerung zu belassen:


Bad Taste (Neuseeland 1987)

Erstsichtung war im Dezember 1994, damals gab ich dem Film eine 8/10. 160 DM haben ich und meine beiden Kumpel damals zu Schulzeiten zusammengekratzt, um über einen Mailorder-Shop an die VHS-Kassette zu kommen. Es war damals - vor dem Internet, wie wir es heute kennen - ein aufwendiges und kostspieliges Abenteuer, um an die ungekürzten Fassungen diverser Filme zu kommen. Das VHS-Tape habe ich übrigens heute noch.

Gedruckte Publikationen wie Hölle auf Erden, Die Angst sitzt neben dir, Moviestar, The Art of Horror oder Leviathan lieferten mit ihren Kurzbesprechungen, Schnittberichten und Härtegraden quasi die Einkaufsliste jener Horror- und Actionfilme, die man als Teenager in den 80er/90er Jahren unbedingt sehen musste. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass es dabei um Vieles ging (Wettlauf um der ungekürzten Fassung habhaft zu werden; der Kick, einen verbotenen/zensierten Film zu sichten, der noch blutiger war als vorherige usw.), um eine nüchtern-sachliche Betrachtung der Werke aber weniger.

Aus diesem Grund vermeide ich es in der Regel auch, mir bestimmte Filme von früher noch einmal anzusehen - vor allem Hongkong-Actionfilme und Splatterfilme.

Peter Jacksons Spielfilmdebüt habe ich natürlich schon früher als Splatterkomödie wahrgenommen, aber dass es wirklich so extrem in Richtung Slapstick und Monty Python geht, fällt mir heute besonders auf. Was mich heute sehr stört ist die zähe Erzählweise, mit der bestimmte Handlungsabschnitte verbunden werden. Sicherlich ist das der allgemein hier wohl bekannten Entstehungsgeschichte des Films geschuldet. Aber auch die amateurhaften Darsteller und dämlichen Dialoge machen die Sichtung zu einem recht anstrengenden Unterfangen.

Gelungen sind - gemessen am Budget - die meisten handgemachten Splatter-Effekte, die sich aus völlig absurden, Slapstick-artigen Actionszenen ergeben. Aber auch das wird irgendwann etwas redundant. Beachtlich die Szenen mit der Panzerfaust - da frage ich mich sogar heute noch, wie Jackson speziell die Einstellung mit dem Haus ohne Schnitte gefilmt hat.

Wie dem auch sei: es ist wirklich unglaublich, dass dieser hausgemachte, letztendlich recht amateurhafte, neuseeländische Film die Grundlage für Jacksons Karriere war, ihn nur acht Jahre später nach Hollywood und zu Robert Zemeckis katapultierte ("The Frighteners", gedreht 1995) und nur elf Jahre später zu einem der größten Big Budget-Regisseure aller Zeiten machte (mit Beginn der Dreharbeiten von "Herr der Ringe" anno 1998). Sam Raimi hat einen ähnlichen Werdegang (von "Tanz der Teufel" 1981 bis zur Mainstream-Krönung 2002 mit "Spider-Man"), aber von wie viele anderen früheren Splatter-Regisseuren, die in den 80ern eigenfinanzierte Splatterfilme gedreht haben, hat man nie wieder etwas gehört?

Wie auch immer - ja, man kann in dieser Splatterkomödie gewisse Qualitäten entdecken wie den absurden Humor, der Blut und Gedärme mit Slapstick verbindet (was übrigens auch die Pythons schon gemacht haben, allerdings viel besser - siehe das "Live Organ Transplant"-Segment), aber der Hype der frühen 90er ist verflogen. 5,5 / 10
« Letzte Änderung: 18 März 2017, 21:26:48 von Hitfield »
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Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1557 am: 21 März 2017, 00:29:45 »
Wilde Maus (Österreich/Deutschland 2017)

Regiedebüt von Josef Hader, den ich als Kabarettist und Satiriker schon immer gerne mochte. Sympathische Lebenskrise-Dramödie mit durchweg guter Besetzung, allerdings letztendlich von eher harmlos-granteliger statt allzu existenziell-masochistischer Natur. Der typischer Wiener Schmäh eben, der mir, wie ich hier wieder festgestellt habe, viel näherliegt als der bei deutschen Komödien übliche Humor.

7 / 10
« Letzte Änderung: 22 März 2017, 03:06:50 von Hitfield »
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Online manisimmati

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1558 am: 23 März 2017, 10:49:49 »
Beauty and the Beast (2017)

Meine Kitsch-Toleranz ist ja relativ hoch, aber: Wow! Was für ein epochaler Quark. Dass das Ganze hoffnungslos überzeichnet werden würde, war zu erwarten. Geschenkt. Aber abgesehen von zwei schönen Musik-Einlagen (Alan Menken sei Dank) und einer süssen Montage liess mich dieser Zirkus völlig kalt. Vieles ist unfreiwillig komisch – so sehr, dass es fast ins Fremdschämen geht. Emma Watson hat nichts zu tun und Luke Evans gibt die schwülstigste Bösewicht-Karikatur seit Oscar Isaac in Sucker Punch.

2/10
"Human beings are divided into mind and body.
The mind embraces all the nobler aspirations, like poetry and philosophy.
But the body has all the fun." (Woody Allen)