Autor Thema: (lehrreiche) Filme über chinesische Kultur/Gesellschaft/Geschichte  (Gelesen 314 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Mr Creazil

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.169
  • It's just me: Inspector Timquila!
    • Kozure Okami - Filmblog
Hi liebe Asiafilm-Experten, ich habe ein kleines Anliegen. Und zwar bin ich auf der Suche nach chinesischen (vorzugsweise; Hong Kong oder Taiwan sind nicht ausgeschlossen, aber China steht an erster Stelle) Filmen, die auch Westlern ohne Vorwissen chinesische Kultur, Gesellschaft und/oder Geschichte näher bringen (chinesische Propaganda-Produktion außen vor gelassen, bitte). Jetzt kommt der dicken Haken: da mich eine befreundete Lehrerin darum gebeten hat, sie hat vor, einen entsprechenden Film ihrer Klasse von Gymnasialschülern vorzuführen, wäre der Idealfall ein Film, der auch Schüler zumindest so weit fasziniert, dass sie nicht umgehend nach der ersten Sekunde Laufzeit ihr Smartphone zücken, um an Frozen Bubble, Candy Crush oder WhatsApp ihre gesamte Aufmerksamkeit zu verschwenden (weswegen ich behaupten würde, Ultrakunst à la Wong Kar-Wai eignet sich höchstens bedingt). Durch meinen Kopf schwirren bereits ein paar Ideen, über weitere Tipps würde ich mich nichtsdestotrotz sehr freuen. Europäische Filme oder Ko-Produktionen wären ebenfalls möglich. Hauptsache man lernt etwas über die entsprechenden Themen.

Habt ihr vielleicht Ideen?  谢谢
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"

Offline Grusler

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.633
  • SIE leben und ES ist wieder da!
http://www.ofdb.de/film/238443,The-Grandmaster

Ist aber von Wong Kar-Wei. :icon_mrgreen: Bietet Action und kulturelle bzw. geschichtliche  Einblicke. Im Vordergrung steht jedoch Kung Fu, was wiederum kulturell eine sehr große Bedeutung in China hat.

http://www.ofdb.de/film/7722,Die-M%C3%A4nner-von-Wu-Dang

Ist auch ein Kung Fu-Film, der aber auch sehr gute Informationen über das Chinesische Volk liefert.

Beides sind keine schweren Geschichtsfilme, die Spannung und Action bieten.

Ip Man Teil 1 wäre auch noch sowas, der ist allerdings nicht jugendfrei, weil er teils sehr brutal ist....
« Letzte Änderung: 23 März 2017, 01:37:12 von Grusler »


ROCK 'N' ROLL WIRD NIEMALS STERBEN, IHR SCHEISSER!
 -Rollie LeBay


Ko(s)misches Sein.

Offline Hitfield

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.704
Von Gymnasiasten kann man aus meiner Sicht schon eine etwas höhere Aufmerksamkeitsspanne erwarten als bei einer Runde Candy Crush erforderlich ist. Keine chinesische Produktion, aber ein Pflichtfilm, den ich 1987 als Schüler mit der Klasse im Kino ansehen musste, ist Der Letzte Kaiser. Ich habe den gerade im letzten Jahr nochmal gesichtet - ist zwar keine Spannungsgranate und leider ziemlich lang, aber doch sehr interessant und aufschlussreich.

Zu den besten westlichen Werken über asiatische Geschichte zählen die Vorlagen von James Clavell. Tai Pan ist leider nur eine sehr durchschnittliche Verfilmung des Buches, aber es geht um die Gründung der Weltmetropole Hongkong - muss man mal gelesen haben.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Offline Mr Creazil

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.169
  • It's just me: Inspector Timquila!
    • Kozure Okami - Filmblog
Schon mal vielen Dank für die Tipps! Wong Kar-Wai habe ich, wie gesagt, zunächst ausgeschlossen, weil er doch ein bisschen... anspruchsvoll und als Einstieg eher ungeeignet ist. "The Grandmaster" kenne ich selbstredend und meiner Einschätzung nach, ist der ein wenig zu "artsy" (abgesehen davon, dass ich ihn nicht sonderlich mag).
Zumal es sich um eine neunte Klasse handelt und man somit das Alter, bzw. die Altersfreigabe miteinbeziehen muss, würde ich "Ip Man" ebenfalls ausschließen, nicht, weil ich denke, dass das zu viel für die Schüler ist, aber ein Risiko wollte ich da nicht eingehen wegen der 18er-Freigabe (ich denke dabei eher an die Eltern). Ganz abgesehen davon, dass meine Bekannte eine sehr zartbesaitete Seele ist. ;-)
"Der letzte Kaiser" kam mir auch sofort in den Sinn. Er könnte zu lang sein, das müsste ich mal eruieren. "Tai Pan" ist eine Mini-Serie, oder? Deswegen denke, dass die ebenfalls zu lang sein könnte.

Ich dachte übrigens an "Leben!" oder "Heimweg" von Zhang Yimou, die ich jedoch beide noch nicht gesehen habe. Kann sich jemand zu den beiden äußern, ob die den Kriterien gerecht sind?

(Und zur Aufmerksamkeitsspannen von Gymnasiasten: was sie mir ständig an Geschichten erzählt, klingt sehr, sehr ernüchternd und man kann sich anscheinend glücklich schätzen, wenn die Schüler die Aufmerksamkeitsspanne für Candy Crush aufbringen...)
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"

Online Private Joker

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.355
Tai Pan ist (im Gegensatz zu einigen anderen Versuchen Clavell ins Bild zu setzen) ein Kinofilm, 127 Minuten.

https://en.wikipedia.org/wiki/Tai-Pan_(film)

Vielleicht was von King Hu ? Touch of Zen ist ja vielleicht DER asiatische Kunst-Kung Fu-Film (war damals auch mein erster Kontakt mit dem Kinoland China), bei Raining in the Mountain kann man einiges über Buddhismus lernen. Dürften allerdings beide an der Geduld von Neuntklässlern schon etws zerren.

Wenn man im Bereich des China-Kinos "Propaganda", "zu brutal" und "zu künstlerisch" ausschließt, bleibt allerdings auch nicht mehr so rasend viel. Vielleicht irgendwas zum Thema "Marco Polo", das spricht uns Westler ja schon von der Ausgangsposition her an.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Offline PierrotLeFou

  • Stammuser
  • Mitglied
  • Beiträge: 1.809
Also wenn Taiwan nicht ausgeschlossen ist, würde ich - gleichwohl kein Asia-Experte - "Ein Sommer zum Verlieben" (1991) und "Yi Yi" (2000) von Edward Yang empfehlen. Der erste sich wohl aussagekräftiger, (im Hinblick auf die Geschichte) gehaltvoller, aber auch länger und womöglich doch etwas zu "langsam"...
Chen Kaiges "Xiaos Weg" wäre vielleicht auch eine Überlegung wert, der kommt mMn - wie "Yi Yi" - Europäern sehr entgegen...

Jia Zhangke dürfte sicher sehr interessant sein; "Pickpocket" war mMn sehr packend.


Womöglich wäre Stanley Kwans "Yang ± Yin: Gender in Chinese Cinema" (1998) etwas, wenn Dokus nicht völlig ausgeschlossen sind... der hat auch eine kurze Laufzeit...


Zhang Yimous "Rotes Kornfeld" ist natürlich ein großer Klassiker, den ich sowohl für spannend, als auch für gehaltvoll halte... mMn ein perfekter Unterrichtsfilm...


Vielleicht wäre ja auch eine "Chinese Ghost Story"-Vorführung mit begleitenden chinesischen Gespenstergeschichten denkbar...

Das Vorhaben, über einen (!) Film die Kultur eines Landes etwas näherzubringen, dürfte vermutlich eh scheitern... mir fällt kein Film irgendeines Landes ein, der das vermag.
Aber ich würde vermutlich von Eastern/Wuxia-Geschichten eher Abstand nehmen, denn das wirkt erst einmal so fremdartig, dass sich aus einer 20köpfigen Gruppe sicherlich ein gutes Dutzend abwenden wird. Damit wird man einige wenige Fans erreichen, aber den größten Teil verschrecken... (Ich nehme an, dass das auch für Filme gilt, die älter als 30, 40 Jahre sind... sonst könnte man auch "Shen nü" zeigen, der als Stummfilm nicht so fremdartig klingt...)
Ein aktueller, auch im Westen groß beworbener Titel wäre Yimous "The Great Wall" - damit dürfte man dann vielleicht doch recht viele Schüler(innen) erreichen, aber den kenne ich noch nicht und vermag nicht zu sagen, ob der halbwegs lehrreich ist. Aber da die DVD ja demnächst günstig zu haben sein wird, kann man das ja vorher noch austesten...
« Letzte Änderung: 23 März 2017, 19:06:10 von PierrotLeFou »
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Offline Rain Jao

  • Mitglied
  • Beiträge: 466
Täte eher auf etwas Neueres plädieren und keine Schinken von anno dunnemals anwerfen, die schon älter sind als die Schüler selber. Da gehen glaube gleich die Vorhänge bzw. die Augenlider runter.
Great Wall ist ja wohl gestrichen, und warum erübrigt sich auch. Da kann man ja gleich Outcast mit dem Cage anwerfen.
Wie wäre es denn mit Feuerwerk am helllichten Tage bzw. A Touch of Sin?

Beide auf Deutsch erhältlich, beide FSK 16, also Pi mal Daumen Neuntklässler, und Beide haben auch genug Attraktionen abseits des zeitgenössischen Bildes. Gut, Kultur und Geschichte kommen vielleicht etwas kurz, aber die Gesellschaft ist vertreten.

Offline Mr Creazil

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.169
  • It's just me: Inspector Timquila!
    • Kozure Okami - Filmblog
Viele, viele tolle Vorschläge! Bei Clavell (der mit an meiner in Jugendzeiten ausgebrochene Liebe für Japan Schuld ist) denke ich direkt an Mini-Serien-Formate, mir war demnach nicht bewusst, dass "Tai-Pan" als Film realisiert wurde. Und ich schließe mit Gewissheit und aus Überzeugung keine Filme aus, weil sie "zu künstlerisch" sind. Vielmehr geht es mir darum, dass man die Schüler mit dem Film erreicht - was ein elegisches Drama wie "Grandmaster" (oder andere Werke von Wong Kar-Wai), in dem sich die Protagonisten unterunterbrochen gegenseitig anleiden und in emotionale Sphären schweben, die für Heranwachsende aus diesem Jahrgang schwerlich nachvollziehbar sind (zumal derart elliptisch inszeniert), kaum oder höchstens bedingt vermag. Filme wie "Touch of Zen", so großartig sie sind, finde ich ohne vorbereitende Einführung oder begleitende Auseinandersetzung ebenfalls schwierig.
"Yi Yi", einige Filme von Jia Zhangke, "A Touch of Sin" und natürlich Klassiker wie "Red Sorghum", "Yellow Earth" oder "Spring in a Small Town" kamen mir auch in den Sinn. Da stellt sich bei manchen bloß die Frage der Verfügbarkeit (u.a. von deutschem Ton, das ist leider, leider eine Voraussetzung, die mir so vorgesetzt wurde).

Schlussendlich ist das Ziel bei der Vorführung eine Einführung in, bzw. ein Kennenlernen mit chinesische Kultur (oder einem Aspekt chinesische Kultur), die/das auch ohne Vorwissen etwas bringt. Ich weiß als Asienwissenschaften-Student, wie unmöglich das eigentlich ist, aber darum finde ich den Thread und die Suche hier gerade spannend.  :respekt:
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"

Offline Mr Creazil

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.169
  • It's just me: Inspector Timquila!
    • Kozure Okami - Filmblog
Bemerkenswert finde ich, dass sich bisher unter den genannten Filme überwiegend entweder mittelschweren Dramen oder Kung Fu- bzw. Wuxia-Filme tummeln. Gibt es keine Komödien oder Tragikomödien, die sich eignen (vielleicht in etwa so, wie "My Sassy Girl" für Korea aufschlussreich sein kann)?
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"

Offline manisimmati

  • Mitglied
  • Beiträge: 193
    • Cinema Lunacy
Bemerkenswert finde ich, dass sich bisher unter den genannten Filme überwiegend entweder mittelschweren Dramen oder Kung Fu- bzw. Wuxia-Filme tummeln. Gibt es keine Komödien oder Tragikomödien, die sich eignen (vielleicht in etwa so, wie "My Sassy Girl" für Korea aufschlussreich sein kann)?

Wie wäre es mit Ang Lees Eat Drink Man Woman? Das ist allerdings eine überaus subtile Komödie, vielleicht zu subtil für euren Zweck. (Und sie spielt in Taiwan.) Und: kein Wuxia? Dann wohl auch nicht Crouching Tiger, Hidden Dragon? Der hat ja echt geile Kampfszenen, ist aber streckenweise enorm langsam.
"Human beings are divided into mind and body.
The mind embraces all the nobler aspirations, like poetry and philosophy.
But the body has all the fun." (Woody Allen)

Offline Mr Creazil

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.169
  • It's just me: Inspector Timquila!
    • Kozure Okami - Filmblog
Re: (lehrreiche) Filme über chinesische Kultur/Gesellschaft/Geschichte
« Antwort #10 am: 27 März 2017, 09:17:37 »
Ja, an Ang Lee dachte ich gestern auch noch! Und Wuxia schließe ich nicht aus (hatte etwa an "Hero" gedacht, schon wegen Shi Huangdi), mache mir nur ein wenig Sorgen, dass das ebenfalls eine eher abelenkde Wirkung haben könnte. (Ich erinnere mich noch an meine Geschwister, gegenüber denen ich früher die "fliegenden Schwertkämpfer" aus "Crouching Tiger, Hidden Dragon" verteidigen musste... ;) ).
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"

Offline Mr Creazil

  • Mitglied
  • Beiträge: 1.169
  • It's just me: Inspector Timquila!
    • Kozure Okami - Filmblog
Re: (lehrreiche) Filme über chinesische Kultur/Gesellschaft/Geschichte
« Antwort #11 am: 20 April 2017, 16:07:49 »
Eine Sache ist mir noch eingefallen: gibt es noch andere Filme, die sich mit Konfuzius befassen, außer dem einen Biopic mit Chow Yun-Fat? Oder in denen er zumindest als Charaktere auftaucht?
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"