Gone Girl - Das perfekte Opfer (David Fincher)

Erstellt von blade2603, 26 Juli 2013, 21:44:03

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blade2603

26 Juli 2013, 21:44:03 Letzte Bearbeitung: 2 August 2014, 11:44:52 von MMeXX
Komisch ich dachte ich hätte schon mal nen Beitrag gesehen!

Neil Patrick Harris in David Finchers Gone Girl

Anfang des Jahres gaben wir bekannt, dass David Fincher den Roman Gone Girl auf die große Leinwand adaptiert. Nun füllt sich so langsam der Cast. Neben Ben Affleck und Rosamunde Pike befinden sich zwei weitere Schauspieler im Gespräch um eine Rolle.

Erst letzte Woche gaben wir bekannt, dass Jack Reacher und The World's End Star Rosamund Pike die Wunschkandidatin von David Fincher für dessen kommenden Film Gone Girl ist. Exklusiv berichtete The Hollywood Reporter nun, dass die Schauspielerin tatsächlich für die Hauptrolle unterschrieben habe. Sie ist somit das zweite offizielle Cast-Mitglied neben Ben Affleck, der ihren Ehemann im Film darstellen wird (wir berichteten). Darüber hinaus sind zwei weitere Schauspieler für Nebenrollen im Gespräch: How I Met Your Mother -Star Neil Patrick Harris und Erfolgsproduzent Tyler Perry.

Beide Schauspieler sind eine Überraschung, da wir sie nicht gerade mit Thrillern oder ernsten Rollen in Verbindung bringen. Auch wenn Alex Cross nicht gerade als Paradebeispiel gilt, konnte Tyler Perry mit dieser Hauptrolle bereits Erfahrungen im Krimi-Genre sammeln, wohingegen Neil Patrick Harris vornehmlich auf Komödien gebucht ist und sich somit in gewisser Weise in Neuland begibt. Auf Basis des Buches lässt sich auch schon eine Vermutung anstellen, wen die beiden Schauspieler darstellen könnten. Tyler Perry könnte für die Rolle eines Detectives in Frage kommen, der Nick auf der Suche nach seiner Frau behilflich ist. Denken wir an den Anzug tragenden Barney aus der Serie How I met your Mother wäre Neil Patrick Harris für die Rolle des reichen Ex-Freundes von Hauptcharakter Amy geeignet. Welche Funktion die einzelnen Figuren haben, können wir an dieser Stelle nicht enthüllen ohne zu spoilern.

In Gone Girl geht es um Amy, die an ihrem fünften Hochzeitstag spurlos verschwindet. Alle Indizien rücken den Ehemann Nick in das Zentrum der mutmaßlichen Straftat, seinen eigenartiges Verhalten trägt zum Verdacht seiner Umgebung nicht unwesentlich bei. Mit dem Fund von Amys Tagebuch und einer mysteriösen, silbernen Geschenkbox, die sich gut versteckt in ihrem Schlafzimmer befand und offensichtlich geleert wurde, geraten die Ermittler jedoch in einen Strudel aus Lügen und Täuschungen. Nick beteuert immer wieder seine Unschuld.

Das Skript, welches von Autor Gillian Flynn höchstselbst adaptiert wird, ist beinahe fertig. Die Dreharbeiten zu Gone Girl sollen im September beginnen. Wann der Film in den Kinos startet, ist bisher unklar.

http://www.moviepilot.de/news/neil-patrick-harris-in-david-finchers-gone-girl-123633

____________



Rosamund Pike has been offered and is expected to accept the starring role opposite Ben Affleck in the 20th Century Fox mystery thriller Gone Girl, which is being co-financed 50-50 with New Regency, sources said. Neil Patrick Harris and Tyler Perry are being eyed for supporting roles.

Pike will play a wife who goes missing on her fifth wedding anniversary, as her husband (Affleck) becomes the prime suspect. Much of the story is told in flashbacks.

The British actress, who recently starred opposite Tom Cruise in Jack Reacher, landed the role that had Hollywood's thirtysomething female set jockeying for the chance to work with Fincher. A number of actresses including Charlize Theron, Natalie Portman and Emily Blunt had been reported to be in the mix, but all were ruled out for various reasons including availability. Abbie Cornish and Olivia Wilde also had been considered.

Reese Witherspoon, who optioned the book last summer, is producing alongside Bruna Papandrea and Leslie Dixon.

The film is set to go into production in September.

Author Gillian Flynn adapted the screenplay from her novel, which became one of the biggest sellers of 2012.
Pike recently shot the dramedy A Long Way Down opposite Aaron Paul. The busy actress' upcoming films also include Andy Hamilton and Guy Jenkin's What We Did on Our Holiday, Fouad Mikati's Return to Sender and Peter Chelsom's Hector and the Search for Happiness.
She is repped by UTA, Magnolia Entertainment and United Agents in the U.K.

http://www.hollywoodreporter.com/news/rosamund-pike-star-david-finchers-593245
"Jedes Publikum kriegt die Vorstellung, die es verdient." -Mario Barth
◾ Originalzitat von: Curt Goetz

(aus den Känguru Büchern)

StS



Director: David Fincher
Screenwriter: Gillian Flynn
Starring: Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Kim Dickens, Patrick Fugit, Carrie Coon, David Clennon
Genre: Drama, Thriller

Directed by David Fincher and based upon the global bestseller by Gillian Flynn - unearths the secrets at the heart of a modern marriage. On the occasion of his fifth wedding anniversary, Nick Dunne (Ben Affleck) reports that his beautiful wife, Amy (Rosamund Pike), has gone missing. Under pressure from the police and a growing media frenzy, Nick's portrait of a blissful union begins to crumble. Soon his lies, deceits and strange behavior have everyone asking the same dark question: Did Nick Dunne kill his wife?

Trailer:
http://www.comingsoon.net/news/movienews.php?id=117147

Das Buch hab ich mir schon zugelegt - muss es aber noch lesen - der Trailer sieht okay aus ... aber da es ein Fincher-Film ist, wird er auf jeden Fall geschaut.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

manisimmati

Ich habe das Buch schon vor Längerem gelesen, als ich erfahren habe, dass Fincher es verfilmt. Die Geschichte ist in Ordnung, wird dem Hype aber nicht ganz gerecht. (Ich fand die Figuren grösstenteils langweilig und uncharismatisch.) Trotzdem ist der Stoff wie geschaffen für Fincher. In diesem Fall kann ich mir gut vorstellen, dass mir die Verfilmung besser gefallen wird, als die Vorlage. Gespannt bin ich jedenfalls. Und das Ende des Buches ist schon cool, soviel muss ich zugeben.
"Human beings are divided into mind and body.
The mind embraces all the nobler aspirations, like poetry and philosophy.
But the body has all the fun." (Woody Allen)

StS

7 Juli 2014, 20:17:33 #3 Letzte Bearbeitung: 7 Juli 2014, 20:21:08 von StS
Gone Girl Official Trailer #2 (2014) Ben Affleck, Rosamund Pike HD

Mir gefiel das Buch. Mal sehen, wie der Film mit den "unterschiedlichen Perspektiven" der Vorlage umgeht.
Aber Tyler Perry als Tanner Bolt?! Da haben sie die Figur aber mal komplett verändert. Egal.
Feiner Stoff für Fincher - dürfte prima passen. Und dann noch Pike als "Amazing Amy": Perfekt! 
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(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

StS

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StS

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Wolfhard-Eitelwolf

Wenn ich nicht gerade das Buch lesen würde, würde ich mir die Trailer auch ansehen. Hab's kurz getestet und nach 30 Sekunden abgeschaltet, um nichts gespoilert zu bekommen :D Für Fincher ist der Stoff jedenfalls bestens geeignet und erste Bildeindrücke sind auch recht stimmig (wobei ich mir den männlichen Protagonisten etwas weniger beaumäßig vorgestellt hätte)

vodkamartini

Hab das Buch gelesen, ein geradezu perfekter Stoff für Ficher und - keine Ironie - Affleck ist die Idealbestzung für die Hauptrolle. Das passt super. Freu mich drfauf, obwohl ich natürlich das Ende kenne.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

McClane

Fand das Buch auch sehr gut. Bin mal gespannt wie Fincher die Struktur (mit den Tagebucheinträgen usw.) filmisch rüberbringt.
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

StS

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StS

,,Gone Girl": Gillian Flynn hat ihren eigenen (sehr lesenswerten) Roman höchstpersönlich ,,für die große Leinwand" adaptiert und daraus ein kompaktes Drehbuch gestrickt, welches Meisterregisseur David Fincher anschließend in etwas unter 150 Minuten (von denen keine einzige irgendwie ,,vergeudet" wurde) ganz vortrefflich umgesetzt hat. Gesegnet mit einer kompetenten Besetzung - aus deren Reihen im Grunde nur Neil Patrick Harris die einzige ,,Semi-Schwachstelle" markiert - unterlegt mit einem klangvollen Score von Trent Reznor und Atticus Ross sowie handwerklich vorzüglich in Szene gesetzt, hat es der Zuschauer mit einer düsteren, schwarzhumorigen, cleveren Kombination aus einem ebenso vertrackten wie spannenden Beziehungsdrama und Crime-Thriller zutun. Kurzum: Feines, reizvolles Entertainment - von der ersten bis zur allerletzten Einstellung...   starke 8/10 
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Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
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vodkamartini

Muss ich so schnell wie möglich sehen. Ist der Film, der mich in den nächsten 2-3 Monaten am meisten reizt.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

vodkamartini

Wer immer noch letzte Zweifel an David Finchers Qualitäten als Thriller-Meister hegt, sollte schleunigst ins Kino gehen. Die Adaption von Gillian Flynns Bestseller "Gone Girl" ist perfektes Spannungskino mit Niveau. Intelligentt, abgründig, bissig, fintenreich. Fincher händelt spielerisch verschiedene Erzählebenen und Themen und schafft es stolze 150 Minuten zu fesseln.   
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Hitfield

5 Oktober 2014, 23:59:45 #13 Letzte Bearbeitung: 6 Oktober 2014, 14:03:50 von Hitfield
"The Social Network" habe ich noch nicht gesehen, aber das hier ist aus meiner Sicht neben "Benjamin Button" die zweite Enttäuschung von David Fincher. Oberflächlich-uninteressante Charaktere, deren Schicksale mich von Anfang bis Ende total kaltgelassen haben, reichlich banale und klischeehafte Dialoge und Krimihandlung (zudem ab einem bestimmten Punkt auch vorhersehbar), Zeitlupendramaturgie und sogar visuell erstaunlich mittelmäßig - völlig ungewohnt für Fincher.

Ich kenne die Buchvorlage nicht, aber die Geschichte verliert ständig den Faden und widerspricht sich selbst: nicht nur Affleck/Pike sind pleite, sondern auch die Eltern von Pike, und die Ehe kriselt und eskaliert wegen des Geldes -- trotzdem geben beide über längere Zeit, wenn man den Tagebucheintragungen folgt, Unsummen aus, Pike bestellt heimlich einen ganzen Schuppen voll mit Technikkram, Afflecks Bar wirft nichts ab und verbrennt zusätzlich Geld, beide wohnen nichtsdestotrotz in einem schicken Haus, haben ein großes Auto, Pike hat für ihren Plan noch Zehntausende Dollar Bargeld in petto und so weiter... Das macht alles keinen Sinn. Entweder sie sind pleite/fast pleite oder eben nicht. Sie müssen es sein, weil Pike einen Aufstand wegen der Playstation 4 und des MacBook Pro macht. Sie können es andererseits aus den genannten Gründen nicht sein, selbst wenn man berücksichtigt, dass in Amerika nicht wie z. B. in Deutschland die Kreditkartenumsätze am Anfang des Folgemonats abgebucht werden, sondern wirklich lange aufgeschoben und gestückelt werden können. Also ist der Aufhänger der Geschichte/Krise totaler Blödsinn und nur eine Behauptung.

Was ich wiederum sehr schade finde, weil ein Thriller, in dem die Wirtschaftkrise eine Rolle spielt, eine wirklich prima Grundlage ist. Das wurde in "Company Men" wesentlich besser angeschnitten - ironischerweise ebenfalls mit Ben Affleck. Am besten aufgegriffen wurde das Thema in einem Krimi bislang im Roman "Schattenstill" der irischen Schriftstellerin Tana French - ähnlich wie "Gone Girl" auch in einem äußerst langsamen Tempo erzählt, aber sehr anschaulich und glaubwürdig. "Gone Girl" ist dagegen eine verkitschte Farce.

5 / 10
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

McClane

Ich war am Wochenende drin und recht angetan. Kennt man die Romanvorlage Flynns, dann sind die Überraschungen der Geschichte zwar keine mehr, aber trotzdem besticht Finchers Adaption. Sinnvoll gekürzt und toll besetzt, denn selbst Tyler Perry macht hier eine überraschend gute Figur. Visuell weniger extravagant als andere Fincher-Arbeiten, eher mit dem nüchternen Stil eines "Zodiac" erzählt der Regisseur zusammen mit Gillian Flynn, die auch für das Drehbuch verantwortlich war, nicht nur einen spannenden Thriller, sondern auch ein bitterböses Drama über die Dinge, die Menschen einander antun, mögen sie nun Eheleute, Geliebte, (Schwieger-)Eltern oder sonstwie miteinander verbandelt sein. Die einzige heile Beziehung ist die zwischen Nick und seiner Zwillingsschwester Go (Carrie Coon ist wohl die Entdeckung des Films), ansonsten seziert "Gone Girl" mit Freude die Brüche hinter der schönen Fassade. Langsam, aber stilsicher erzählt Fincher seine Geschichte bis zum bitteren Ende, ohne große Knalleffekte. Das könnte manchmal in Sachen Figurenzeichnung/Emotion etwas mehr unter die Haut gehen, schlägt aber in seinen Bann. (8/10)

@ Hitfield

Im Roman wird da etwas mehr drauf eingegangen. Im Roman wird beispielsweise erklärt, dass sie das Haus spottbillig bekommen haben, da die Gegend verödet ist und die Arbeitslosigkeit herrscht, was man im Film ja auch sieht. Außerdem wird mit den Kreditkarten das Konto überzogen - Miese, von denen Nick nichts mitbekommt. Das mit Amys Geld wird auch erklärt, bin mir aber nicht mehr sicher wie. Sie hat es auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum beschafft; teilweise aus dem Trinkgeldglas in der Bar geklaut, wenn ich mich richtig entsinne. Und sie haben noch Geld übrig, müssen aber haushalten, da sie ja arbeitslos sind - "broke" heißt in dem Fall nicht völlig blank, aber wirtschaftlich am Ende, wenn keine Veränderung eintritt.
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"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

Benny88

Nach diesem Film dachte ich mir nur: FUCK, ICH WERDE NIE HEIRATEN!!  :LOL:

Ein umwerfend guter Streifen, der sowohl als Thriller funktioniert, als auch als böses Ehe-Drama mit herrlich schwarzem Humor.

Ein hervorragendes Script, viele wendungsreiche Twists (obwohl ich mir den ersten größeren Twist ab der Hälfte des Films schon so ein wenig gedacht habe) und eine gewohnt stylische Regie von David Fincher.

Hervorzuheben ist auch das überragende Ensemble: Ben Affleck war nie zuvor besser; Rosamund Pike kann auf eine Oscarnominierung hoffen und den Kleinen aus "Almost Famous" wiederzusehen war auch ganz nett. Großartig auch Kim Dickens als Detective, deren Rolle mehr im Gedächtnis bleibt als bei den typischen Ermittlern bei solchen Thrillern. Herzstück des Films und auch schauspielerisches Highlight ist für mich persönlich allerdings Carrie Coon als Nicks Schwester Go.

Macht wirklich sehr viel Spaß und ich habe bereits Lust ihn noch einmal zu sehen.

Finchers bester seit "Zodiac" - 9/10

DisposableMiffy

Bin auch schwer begeistert. Fincher hat erneut einen durchweg spannenden, stimmungsvollen Thriller geschaffen, der nicht schon bei Halbzeit die Auflösung mehr oder weniger unverhohlen heraus posaunt und mich bis zum durchaus finsteren Ende mit fiebern ließ.

Sehr positiv überrascht hat mich Ben Afflecks Leistung. War ich im Vorfeld noch skeptisch, ob er bei so einem etwas anspruchsvolleren Stoff nicht völlig baden gehen würde, zieht er sich ansprechend aus der Affäre. In geringerem Maß galt diese Skepsis auch für Rosamund Pike, die auf mich mit ihrer Ausstrahlung oft etwas unwirklich wirkt, hier aber Wandlungsfähigkeit beweist und alle Facetten ihrer Figur glaubhaft verkörpert.

letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

Moonshade

Gesehen und stimme überein, daß es ein raffinierter Plot ist - und sehr gut von Fincher umgesetzt und von Pike und Affleck samt Nebencast gespielt.
Gleichzeitig aber bedeutet raffiniert ja auch aufbereitet - und das ist der Plot: aufbereitet und sehr, sehr konstruiert.
Mag sein, daß durch die Übertragung in ein Drehbuch einige Details verloren gegangen sind, aber die ganze Filmverschwörung kam mir über die volle Laufzeit trotz guter Umsetzung stets wacklig vor.
Daß man keine der Figuren richtig sympathisch finden kann - geschenkt, das ist sogar mal ein angenehmer Nebeneffekt. Aber selbst nach der "Rückkehrwendung" scheint man sehr findig bemüht zu sein, eventuelle Nachfragen und Logiklöcher zugunsten des geschundenen Opfers unter den Tisch fallen zu lassen. Da blendet das FBI mal dringende Nachfragen und Logiklöcher aus, die Polizistin wird kalt gestellt, investigativen Journalismus gibts wohl gar nicht mehr.
Alles nur für die Darstellung zweier Menschen, die sich gegenseitig so einiges antun - und das Meiste davon, speziell das was sich Amy ausdenkt, scheint vollkommen aufgeblasen und übersteigert.
Anstatt eines vielleicht mutierten Racheschemas wird Amy als eine Art gefährliche Soziopathin dargestellt, die vollkommen unberechenbar ist und falsche Männer in Reihe aussucht, um sie später nieder zu machen. Was sie will, was sie ist, was ihr Problem ist, das geht im Film leider bis auf den Hass auf Nicks Typ (also in einem Menschen etwas anderes sehen, als er ist; sich in ein Bild von etwas verlieben) verloren oder ist nicht wichtig. Wo ich für Nick Mitleid empfinde und es doch nicht tun sollt, tut mir Amy jedoch in keiner Sekunde leid.
Ein Film, der so auf eine Pattsituation setzt, in der niemand blütenweiß ist und auch Nick der Vernachlässigung und des Ehebruchs angeklagt werden kann, entscheidet sich in der Figur der Amy letztendlich doch für eine Einteilung in ein Gut/Böse-Schema, denn im letzten Viertel ist Amy eisiger, gefühlloser und mieser als die besten Serienkillerinnen der Filmgeschichte.
Darin liegt für mich ein eklatanter Makel - der Vorlage! Das hätte man offener gestalten können - die Figuren gefühlvoller, doch während Affleck wie ein depperter Bär durch den Film stapft und damit auch noch passend wirkt, kann ich die Mischung aus Glenn Close und Hannibal Lektor, die Pike da spielt, an keinem Punkt ihrer Lebenslinie wirklich als Persönlichkeit einordnen.

Lohnenswert ist der Film aber trotzdem, niemals gedehnt und stets perfekt in Stimmung und Tempo.

Aber: mögen kann ich ihn nicht. Er ist mir sogar herzlich unsympathisch, alles darin. Aber das wiederum macht Fincher perfekt.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

Dionysos

Vordergründig betrachtet ist "Gone Girl" ein spannendes Thrillerdrama und mehr als eine vage Beschreibung der Ausgangssituation sollte man vor der Sichtung am besten gar nicht kennen, denn in den satten 150 Minuten Spielzeit wird auf mehreren erzählerischen Ebenen und mit wechselnden Perspektiven ein Plot mit bemerkenswertem Spannungsbogen aufgebaut, der sich mitnichten damit begnügt ,,nur" die Handlung voranzutreiben, sondern vor allem stetig eine vielschichtige Metaebene bedient. Diese dreht sich grob gesagt um die gesellschaftlich oktroyierte Wahrung des schönen Scheins, hier in erster Linie bezogen auf die Institution Ehe, die in den USA noch eine weit höhere Bedeutung genießt als bei uns und von vielen konservativen Medien, insbesondere in den provinziellen Regionen, als heiliges Gut gesehen und mit allen reaktionären Mitteln verteidigt wird. Ein Gut, das oftmals nur eine bloße Fassade aus Lügen ist, die nur durch weitere Lügen aufrechterhalten werden kann. Was sich hinter diesem mentalen Gefängnis zuträgt, Angst, gegenseitiges Misstrauen und in letzter Konsequenz pure Verachtung, darf für die Außendarstellung keine Rolle spielen und jede unangenehme Wahrheit, die nach außen dringt und nicht dem allgemeinen Kodex entspricht, wird massiv in Form von öffentlicher Demütigung bestraft. Mit der logischen Pointe, dass der Protagonist letztlich weniger für ein echtes Verbrechen sondern vielmehr dafür angeprangert wird, einfach ein schlechter Ehemann zu sein.

"Gone Girl" ist damit mehr als nur ein guter Thriller, sondern eine gallige und bitterböse Analyse der manipulativen Mechanismen in Paarbeziehungen, nicht nur innerhalb der Ehe. Bei Beginn des Abspanns schwirrte mir jedenfalls sofort ein Gedanke im Kopf herum, den ich nur wenig später praktisch 1:1 im Review der Empire wiederfinden konnte:
ZitatFor those in a relationship, you may recognise its petty hatreds, artful manipulations and quiet despair. For those who are not, it will make you thankful to be single.

Amen.

9/10

@Moon
Den extremen Charakter von Amy sehe ich übrgens lediglich als satirische Überspitzung der oben beschriebenen Manipulationsmechnismen: Um jeden Preis nach außen den Eindruck einer perfekten Beziehung wahren, ganz egal wie die Wahrheit hinter der Fassade aussieht und welch aberwitzigen Aufwand man dafür betreiben muss. Die tiefergehenden Motive für ihre absurden Taten, etwa Amys emotionale Verwahrlosung, werden zwar nicht direkt erklärt, sie lassen sich aber gut erahnen: Eine Kindheit und Jugend im Schatten der "Amazing Amy", einer fiktiven, "besseren" Version ihres eigenen Ichs, zudem auch noch erfunden von ihren eigenen (ziemlich versnobten) Eltern, die diese Perfektion offenbar gern auch auf ihre Tochter übertragen hätten. Das übernimmt sie nun eben selbst. Mit ihren höchst eigenen Mitteln.

Und was das Verhalten der Polizei/des FBI angeht: Die moralischen Maßstäbe werden von der Gesellschaft vorgegeben, von den Medien verbreitet und selbst die Ermittler sind von diesem Gedankengut so infiltriert, dass die zweifelhafte Aussage eines vermeintlichen Opfers kritiklos durchgewunken wird. Hauptsache, das Paar ist wieder "glücklich" vereint.

Beides finde ich im Zusammenhang mit dem oben beschriebenen durchaus stimmig
God doesn't make the world this way. We do. - Watchmen

Sometimes, I guess there just aren't enough rocks. - Forrest Gump

It doesn't take much to see that the problems of three little people don't amount to a hill of beans in this crazy world. Someday you'll understand that. - Casablanca

Wolfhard-Eitelwolf

Gestern im Kino gesehen und (nachdem ich das Buch erst kürzlich gelesen hatte) sehr zufrieden mit der filmischen Umsetzung. Fincher konzentriert sich auf das Wesentliche, lässt viel (unnötigen) Hintergrund weg und kommt recht zügig zum ersten großen Wendepunkt der Geschichte. Schauspielerisch erstklassig besetzt (wobei ich immer noch finde, dass Ben Affleck nicht 100% passend besetzt ist und auch die Rolle Nicks durchaus noch etwas dreckiger hätte sein können, gerade im Bezug auf den Alkoholkonsum), optisch sehr zurückhaltend inszeniert (ein bisschen "mehr" wäre durchaus nett gewesen) und gerade für unvorbelastete Zuschauer auch enorm fesselnd (keiner meiner schlafanfälligen Begleiter ist weggenickt) gehört Gone Girl zu den Thriller-HIghlights des Jahres. Gerne darf eine Extended Edition noch ein paar Szenen nachlegen zum New York-Leben der Dunns oder auch Nicks ungeplantes Bar-Interview mit der jungen Journalistin. Der Original-Schlussdialog des Buches wär auch noch nett als Krönung.

Eric

Ich kann mich den guten Bewertungen hier anschliessen.
Obwohl der Film im letzten Drittel irgendwie einiges "verliert".

Folgendes wurde ja schon angesprochen: Warum wird die Polizistin mundtot gemacht? Warum sucht sie nicht auf eigene Faust weiter?
Das hat mich dann doch etwas gestört.

Liebe Ursula,
wünsch dir frohe Ostern, nen tollen Namenstag und nen guten Rutsch ins Jahr 1978!
Grüsse aus der Alzheimergruppe, deine Tante Günther!

Ich hasse Menschen, Tiere + Pflanzen. Steine sind ok.

McClane

Zitat von: Eric nach 15 Dezember 2014, 11:50:48
Folgendes wurde ja schon angesprochen: Warum wird die Polizistin mundtot gemacht? Warum sucht sie nicht auf eigene Faust weiter?
Das hat mich dann doch etwas gestört.


Tut sie doch... deshalb ruft Nick ja an und sagt ihr, dass er ihr nicht mehr helfen kann. Amy hat alles viel zu gut durchdacht und keine Beweise gelassen. Sie wird ja nur in dem Verhör abgewürgt, aber ermittelt dann inoffiziell weiter.
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

cyborg_2029

Für mich hat der Film als Thriller vollkommen versagt. Die Figuren sind, ausgenommen die Schwester, unsympatisch. Die Geschichte der Beziehung wird nur oberflächlich angerissen, der Kennenlern-Dialog ist wohl der schlechteste der Filmgeschichte. Spannend inszeniert war es auch zu keiner Zeit. Gegen Ende hat er sich dann auch ziemlich gezogen. Für mich funktioniert der Film nur als überspitzte Satiere auf die amerikanische Ehe und die Medien, da gab es einiges zu lachen.
6-7/10

Lebensweisheiten 101: "Wenn Du einmal damit anfängst, dann kniest Du nur noch."

PierrotLeFou

Aktuell stellt Fincher übrigens ein Mankiewicz-Biopic fertig, das er schon Ende der 90er im Sinn hatte... Da freue ich mich sehr drauf. Wobei Fincher ja meist mit seinen Drehbüchern steht oder fällt und in diesem Fall ist der Autor (Jack Fincher) filmmäßig ein unbeschriebenes Blatt...
Aber nachdem Fincher in den 10er Jahren ja nicht so produktiv war, freue ich mich sehr auf einen neuen Spielfilm, der zudem um einen der Höhepunkte des US-Films kreist... :happy2:
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)