Claude Lanzmann: Dokumentarfilme 1973 - 2013

Erstellt von pm.diebelshausen, 26 Juli 2015, 16:43:02

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pm.diebelshausen

26 Juli 2015, 16:43:02 Letzte Bearbeitung: 26 Juli 2015, 23:06:25 von pm.diebelshausen



Claude Lanzmann (geboren 1925 in Paris, Philosoph, Publizist, Regisseur und Produzent) hat seit den 1970er Jahren sieben umfassende Dokumentarfilme veröffentlicht:



Den Kern bilden Warum Israel, Shoah und Tsahal, die quasi als Trilogie über die Geschichte des Judentums im 20. Jahrhundert gesehen werden können: der Völkermord an den europäischen Juden, die Begründung des israelischen Staates, die Armee zur Verteidigung Israels. Als Hauptwerk gilt die über neunstündige Dokumentation Shoah, die im Zentrum von Lanzmanns Schaffen steht. Von dem Material, das er in diesem Film nicht verwenden konnte, zehren die weniger umfangreichen Dokumentationen seit 1997, die sozusagen bedeutsame Fußnoten zum opus magnum darstellen, aber auch für sich genommen wichtige Zeugnisse darstellen.

In seinen Filmen vertraut Lanzmann auf die Kraft des gesprochenen Wortes und die Authentizität von Augenzeugenberichten. Die Interviews erhalten durch den Verzicht auf Archivmaterial großen Raum und bewahren einen unmittelbaren Charakter, beispielsweise indem oft lange Passagen der Gespräche ungeschnitten wiedergegeben werden und sich die Filme einen breit angelegten Rhythmus erlauben. Lanzmanns Perspektive ist weit, zu Wort kommen Namhafte und Unbekannte gleichermaßen. Nicht zuletzt profitieren die Filme von seiner insistierenden Gesprächsführung und den erzählerischen Qualitäten seiner Gesprächspartner sowie der Macht ihrer Stimme. Neben dem Gesagten treten auch stets Persönlichkeiten hervor, ganz persönliche Geschichten, die parallel und jenseits der Geschichtsschreibung, die Lanzmanns Filme bereichern wollen, mitgehen. So ließen sich seine Filme über ihre expliziten Themen hinaus auch als Studien über den Menschen sehen.

Selber jüdischer Abstammung, im zweiten Weltkrieg als Partisane im besetzten Frankreich aktiv, als Freund Sartres und Partner Simone de Beauvoirs an Umbrüchen in den Erkenntnissen über die Welt beteiligt, sind seine Filme keineswegs überparteilich, sondern zielgerichtet kämpferisch (wenn auch nicht brüllend) und sich ihrer Bedeutung sehr wohl bewusst - Claude Lanzmann, der Filmer von Zeitzeugen, ist selber mehrfacher Zeitzeuge.

Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.