Joker (Joaquin Phoenix)

Erstellt von Mr. Blonde, 23 August 2017, 02:53:14

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McClane

Ich finde es immer lustig: Sobald sich ein Film mal von den üblichen Comicformeln abwendet, wird das gefeiert wie die Neuerfindung geschnittenen Brotes, selbst wenn er dafür Formeln anderer Genres kopiert (siehe "Logan"). In diesem Falle steckt unter der Clownsschminke ein Film, der irgendwo zwischen Scorsese-Hommage und -Plagiat schwankt: Gerade an "Taxi Driver" und "King of Comedy" wanzt sich "Joker" ja dermaßen ran, dass Scorsese fast Klage einreichen könnte, hätte er das Teil nicht selbst produziert.
Ich will aber nicht zu viel unken, denn "Joker" ist schon ein ziemlich starkes Psychogramm eines psychisch geschädigten Mannes, der immer weiter in seine Abgründe hinabsteigt. Manchmal übertreibt der Film es zwar mit seiner x-ten Szene, in der man die Rippen des halbnackten Phoenix nachzählen darf (das erinnert an das oft belächelte "Gebt mir nen Oscar!"-Spiel von DiCaprio), man kann seinen Method-Acting-Ansatz auch kritisch sehen, aber ich fand ihn Bombe in der Rolle. Tatsächlich lebt "Joker" über weite Strecken von seinem Spiel, da war ich drin. Ebenso schön ist das Einfangen der Atmosphäre jener New-York-Filme der 1970er und 1980er, an denen sich Todd Phillips zweifellos orientiert - neben Scorseses Werk fallen mir da William Friedkin ("French Connection"), Sidney Lumet ("Dog Day Afternoon") und Brian de Palma ("Dressed to Kill") ein. Dass von letzterem "Blow Out" in einem Kino läuft, dürfte kein Zufall sein.
Natürlich schafft diese Verortung in einer vergangen Epoche unter Umständen eine Distanz zur gesellschaftskritischen Attitüde des Films, die ich wegen seines Zitatcharakters aber nicht überbewerten möchte. Dass Leute, die alles verlieren, die (Narren-)Freiheit haben zum Amokläufer oder Verbrecher zu werden, ist jetzt keine revolutionär neue Erkenntnis. In der Clownsmaskenbewegung kann man natürlich Spuren der Occupy-Bewegung erkennen (was ja schon "The Dark Knight Rises" beackerte), wobei mancher Kritiker das ja kritisch sah, denn die Keimzelle der Revolution für mehr Gleichheit ist letzten Endes ein Mord, egal wie arschig die Yuppies gewesen sein mögen. Aber auch das will ich nicht überbewerten, so wie ich auch jene wenig wohlwollende Interpretation fraglich finde, dass die jugendlichen Schläger in der ersten Sequenz auf die Central Park Five anspielen könnten. "Joker" ist da vielseitig interpretierbar, etwas unkonkret - konkret ist dagegen die Beschreibung einer Gesellschaft am Rande des Kollaps, in der jeder vielleicht auch dadurch gleichgültig, dass er sich um seine eigenen, substantiellen Probleme kümmern muss, wie Vince schon ausführt. Man merkt das ja im letzten Gespräch mit der Therapeutin: Unterschwellig denkt sie ja viel mehr daran, dass die Kürzungen auch sie den Job kosten können (oder schon gekostet haben?), weshalb sie Fleck nicht groß helfen kann.
Eine Sache war mir relativ schnell klar: Als Fleck im Club seinen großen Auftritt hat, hatte ich fest damit gerechnet, dass das nicht wahr sein kann. Hatte angenommen, dass er sich die Nachbarin komplett eingebildet hat, weil sie ja nie mit wem außer ihm agiert. Aber die Pointe der Missinterpretation einer freundlichen Geste war dann doch smarter, das fand ich sehr schön.
Unterm Strich muss ich sagen: Echte Revolutionen sehen anders aus, aber ein stark gespieltes Charakterdrama mit viel Flair, welches das (IMO eh schon vorhandende) Spektrum der Spielarten der Comicverfilmung bereichert. (7-7,5/10)
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

Max Blank

Von 0 auf 12 in die imdb-Charts und da ist noch Luft nach oben  :respect:

Inspektor Yuen

Bevor ich zum Film komme.
Ich freue mich auf den Tag an dem Kinofilme auch kostenpflichtig gestreamt werden kann.
Neben mir rechts saß ein 150Kg Typ mit seiner debilen Freundin, welcher der Film erklärt werden musste. Er selbst frass lautstark einen Eimer Popcorn, schlürfte Cola und rülpste im 10 min Takt. Durch seine Masse nahm er sich Platz von meiner Lehne ein.
Habe dann mit meiner Frau den Platz getauscht, da saß ein Paar bei der der Mann versuchte den Strohhalm zu reparieren während die Frau jedes Popcorn mit den Zähnen halbiert hat.
Ich hoffe das Kino stirbt bald!

Der Film ist gut, aber nicht überragend. Phoenix dagegen ist ne glatte 10/10.
Die Revolte ging mir zu schnell, ich konnte nicht greifen warum sich diese Gruppierung generell so schnell gebildet hat. Den Leuten in Gotham ging es ja nicht soo schlecht und auch die 3 Wayne Jerks waren Idioten aber kein richtiges Sinnbild für den Abgesang für die Gesellschaft. Da waren meine Sitznachbarn schlimmer.

Für mich hätte der Film nach der Befreiungsaktion, auf dem Auto stehend enden können.


Trotz der dezenten Kritik und 1-2 Szenen, die hätten gestrafft werden können, war das ein guter Film.
Bitte mehr davon. 7/10
"Wenn ich jetzt sterben würde, was würdest du machen?" -"Ich würd dich nicht sterben lassen!"

El_Hadschi

Vielleicht hab ich ein dickeres Fell, aber ich schaff das immer ganz gut meine Mitmenschen im Kino auszublenden, solange sie nicht lautstark reden.
"You follow drugs, you get drug addicts and drug dealers. But you start to follow the money, and you don't know where the fuck it's gonna take you."

Lester Freamon

Inspektor Yuen

Zitat von: El_Hadschi nach 20 Oktober 2019, 12:09:14Vielleicht hab ich ein dickeres Fell, aber ich schaff das immer ganz gut meine Mitmenschen im Kino auszublenden, solange sie nicht lautstark reden.

Ich bin nicht so oft im Kino, vielleicht habe ich deswegen keins. Auf der anderen Seite reichen mir diese Erfahrungen um auch nur jedes Halbjahr ins Kino zu gehen.
"Wenn ich jetzt sterben würde, was würdest du machen?" -"Ich würd dich nicht sterben lassen!"

vodkamartini

Es gibt eine ganz simple Lösung für diese Probleme. Niemals, gar niemals nicht am FR oder SA Abend ins Kino gehen. Mit dieser Taktik fahre ich wunderbar und kenne solche Probleme praktisch nicht. Von MO-DO ist das alles wesentlich entspannter und man hat auch ein anderes Publikum.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

PierrotLeFou

Ich war sonntags in der Spätvorstellung und hatte gehofft, dass es vor einem Werktag nicht ganz so voll sein würde. War aber nahezu ausverkauft und ich habe mich doch ziemlich erschreckt, welche Gepflogenheiten in einem vollbesetzten Kinosaal gang und gäbe sind...
10 Minuten nach Filmbeginn eintrudeln, kontinuierlich rumflüstern, reinrufen, dämliche Fragen stellen, rascheln, fressen, Getränkebecher umkippen, Popcorn umkippen, während des Films minutenlang den Saal verlassen, beim Abspann aufstehen und mindestens 5% der ZuschauerInnen sind über den ganzen Film hinweg mit ihren unsäglichen Handys beschäftigt. Und selbst wenn man sich genervt umdreht und längeren direkten Augenkontakt aufnimmt, hilft das bloß für knapp 5 Minuten. Und die Gestalten, die da reinlaufen, sind zu 25-33% wirklich gruselig: intellektuell selbst von so einem Comicfilm schwerst überfordert, aber hübsch modisch und mit Markenklamotten zurechtgemacht, Gossenjargon pflegen, so richtig assig auf dicke Eier machen und vor lauter Kraft kaum laufen können...
In der Hinsicht war "Joker" für mich der schlimmste Kinobesuch seit (mindestens) einem guten Jahr...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Tito

Zitat von: PierrotLeFou nach 20 Oktober 2019, 18:22:34Ich war sonntags in der Spätvorstellung und hatte gehofft, dass es vor einem Werktag nicht ganz so voll sein würde. War aber nahezu ausverkauft und ich habe mich doch ziemlich erschreckt, welche Gepflogenheiten in einem vollbesetzten Kinosaal gang und gäbe sind...
10 Minuten nach Filmbeginn eintrudeln, kontinuierlich rumflüstern, reinrufen, dämliche Fragen stellen, rascheln, fressen, Getränkebecher umkippen, Popcorn umkippen, während des Films minutenlang den Saal verlassen, beim Abspann aufstehen und mindestens 5% der ZuschauerInnen sind über den ganzen Film hinweg mit ihren unsäglichen Handys beschäftigt. Und selbst wenn man sich genervt umdreht und längeren direkten Augenkontakt aufnimmt, hilft das bloß für knapp 5 Minuten. Und die Gestalten, die da reinlaufen, sind zu 25-33% wirklich gruselig: intellektuell selbst von so einem Comicfilm schwerst überfordert, aber hübsch modisch und mit Markenklamotten zurechtgemacht, Gossenjargon pflegen, so richtig assig auf dicke Eier machen und vor lauter Kraft kaum laufen können...
In der Hinsicht war "Joker" für mich der schlimmste Kinobesuch seit (mindestens) einem guten Jahr...
Und ich dachte, es geht nur mir so  :mr.green:
Da spielt inzwischen auch die Tageszeit, der Wochentag oder besondere Umstände keine Rolle mehr. Jeder Kinobesuch der letzten Jahre wurde immer schlimmer. Mein liebstes Kino ist inzwischen das Heimkino  :tv:
Ins Kino verschlägt es mich wirklich nur noch in Ausnahmefällen, wenn es der Film auch wirklich "verdient", auf der großen Leinwand gesehen zu werden. Joker würde ich mir sogar im Lichtspielhaus antun, leider finde ich niemanden, der gerne mit will. Und der letzte Film, den ich allein im Kino sah, war "Mars Attacks". Das macht keinen Spaß, wenn man hinterher keinen zum Diskutieren und Reden hat.

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Wir sind Polizeibeamte, für Gewalttätigkeiten wurden wir nicht ausgebildet.

Inspektor Yuen

Zitat von: vodkamartini nach 20 Oktober 2019, 15:05:54Es gibt eine ganz simple Lösung für diese Probleme. Niemals, gar niemals nicht am FR oder SA Abend ins Kino gehen. Mit dieser Taktik fahre ich wunderbar und kenne solche Probleme praktisch nicht. Von MO-DO ist das alles wesentlich entspannter und man hat auch ein anderes Publikum.

Falls es mich nochmal ins Kino verschlägt, werde ich das mal ausprobieren.
Gerade bei so einer Art Film, fällt sowas doch sehr negativ auf (unabhängig davon dass man nicht wenig Geld ausgibt um einen Film zu schauen).
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Max Blank

Zitat von: Tito nach 20 Oktober 2019, 19:13:06Das macht keinen Spaß, wenn man hinterher keinen zum Diskutieren und Reden hat.
Ach doch, dann kann einem wenigstens niemand den Film madig machen.  :mr.green:

DisposableMiffy

Bei solchen Zuständen frage ich mich immer, in welchen Ghettos bzw. Inzuchtgebieten lebt ihr denn bitte?  :mr.green:

Ich gehe oft ins Kino, auch ins Multiplex, wohne in einer Großstadt und solche Extreme habe ich bisher nicht erlebt. Klar hat man mal Pech und hat ne Nase in der Vorstellung, deren Verhalten unangebracht ist, aber es ist die Ausnahme.
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Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

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Max Blank

21 Oktober 2019, 13:53:32 #71 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2019, 13:58:51 von Max Blank
Zitat von: DisposableMiffy nach 21 Oktober 2019, 12:55:09..in welchen Ghettos bzw. Inzuchtgebieten lebt ihr denn bitte?
:denk3:
Ich weiß ja nicht in welchen Ghettos oder "Inzuchtgebieten" überhaupt Kinos stehen?!
Mittlerweile gibts ja fast nur noch Multiplex..

Roughale

OV Schauen, das hält die dumme Masse ab ;)

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When there is no more room for talent OK will make another UFC

vodkamartini

Nicht unbedingt, bei der heutigen Abiturienteninflation kriegts du masssenweise Studenten, die sich nicht wie solche benehmen. :)
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Tito

Bin auch in der Großstadt und auch in "gutsituierten" Kinos und Multiplexen unterwegs. Was bei dir die Ausnahme ist, ist bei mir die Regel.

Vor kurzer Zeit noch im Kino gewesen, "Monsiuer Claude 2" wegen und mit meiner Frau geguckt. Da dachte ich auch, endlich mal ein Film, bei dem die Dödel nicht hingehen... von wegen. Rechts eine Möchtegern-Punk-Tussi, die ihre Nachos und Cola gar nicht laut genug konsumieren konnte und mir ständig den Arm von meiner Seite der Lehne geschoben hat. Zwei Reihen weiter vorne einige Hornochsen, die ihr Handy alle zehn Minuten gezückt haben und hinten zwei grenzdebile Pärchen, die jede Szene lauthals kommentieren mussten oder ihr Missfallen zum Ausdruck bringen mussten.

Wenn du mich fragst, hat sich einfach das Verhalten ab einer bestimmten Generation verändert und das, was man als "normal" in der Öffentlichkeit definiert. Z. B. das Handy. Es gehört nun einmal zum wichtigsten Lebensbedarf überhaupt, da kann man doch nicht verlangen, dass das zwei Stunden ausgemacht wird.

Demzufolge kommen die Ghettos und Inzuchtler eher inzwischen in die Kinogebiete  :essen:

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Mr Creazil

21 Oktober 2019, 20:22:51 #75 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2019, 20:25:16 von Mr Creazil
"Parasite" war im Cinedom die Woche bis in die erste Reihe gefüllt (was mich bei einem koreanischen Film doch wunderte) und dementsprechend anstrengend macht sich die Atmosphäre aus. Nun gab es dort Wieder-Eröffnungs-Sonderangebote, das Cinedom-Publikum mochte ich allerdings ungeachtet dessen noch nie, von dort kenne ich die beschriebenen Probleme nur zu gut, wobei ich sie in der Regel recht gut ausblenden kann.
Mein Lieblingserlebnis ereignete sich übrigens dort zu Burtons "Sweeney Todd", in dem scheinbar ein Mann saß, der den Film unsäglich doof fand (weil er kein Musical erwartete vielleicht?), daraufhin dreist sein Smartphone zückte und rumspielte... bis ihn sein entnervter Sitznachbar ungehalten darauf ansprach und ihn mehr oder minder des Kinos erfolgreich verwies. Heute käm man hinter den ganzen Smombies wahrscheinlich nicht mehr hinterher, das wäre quasi ein nicht enden wollendes "Whack a Mole"-Spiel für die Mitarbeiter. Ich habe übrigens schon lange keinen "Bitte das Handy ausschalten"-Spot mehr im Kino gesehen... haben die diesbezüglich etwa kapituliert? ^^
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

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McClane

Mir geht es wie Miffy. Ich gehe öfter ins Kino, hab zwar hin und wieder auch Erlebnisse der dritten Art, aber manchmal hilft es die Betreffenden einfach mal anzuranzen. Als Kölner habe ich natürlich den Großstadtvorteil, dass ich diverse Kinos zur Auswahl habe und Multiplexe meiden kann, wo meist das Nervpublikum abhängt. Außerdem gibt es hier viele O-Ton-Vorstellungen, die auch schon mal gewisse Schichten fernhalten.
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DisposableMiffy

Zitat von: Max Blank nach 21 Oktober 2019, 13:53:32Mittlerweile gibts ja fast nur noch Multiplex..

Das ist natürlich suboptimal.

Bin immer froh, dass ich nicht mehr im ländlichen Raum wohne.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

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DisposableMiffy

Zitat von: Tito nach 21 Oktober 2019, 18:27:08Was bei dir die Ausnahme ist, ist bei mir die Regel.

Das ist bitter. Bei solchen Zuständen würde mir vermutlich auch beizeiten die Lust aufs Kino vergehen.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

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elpadro

Ich hab' Joker in einer überraschend vollen OV an einem Sonntag um 1730h gesehen - war auch hier und da etwas nervig, aber ich saß weit vorne, da dann fast alleine.
Bei dem Film ist für mich DER Asi-/Dummkopfindikator schlechthin die Szene, in der der kleinwüchsige Kollege plötzlich vor der Tür mit der für ihn unerreichbaren Türkette steht..
Da hat wider schlimmere Befürchtung tatsächlich fast niemand gelacht, sondern selbiges scheint den meisten wie mir eher im Hals stecken gebliebenen zu sein (hoffe jedenfalls, dass die nicht alle nur Political Correctness gehirngewaschen waren).

Wie war das bei euch?
"Hey Asshole, I'm talking to you!"
"You're not, you're talking to yourself."
Moon 44

PierrotLeFou

Zitat von: elpadro nach 22 Oktober 2019, 19:30:17Da hat wider schlimmere Befürchtung tatsächlich fast niemand gelacht, sondern selbiges scheint den meisten wie mir eher im Hals stecken gebliebenen zu sein (hoffe jedenfalls, dass die nicht alle nur Political Correctness gehirngewaschen waren).

Wie war das bei euch?

Es wurde gelacht und einer aus der recht verdaulichen Gruppe neben mir meinte, das sei eigentlich nicht komisch (wobei mich solche Erklärungen im Kino eigentlich eher stören als irgendwelche Affekte)...

Wobei ich jetzt nicht beurteilen kann, bei wem das Lachen welche Funktion hatte. Einem Kleinwüchsigen versehentlich etwas zu gestattet, was ihm aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit unmöglich ist, ist per se komisch, wobei da grundsätzlich schon Mitleid, Fremdscham usw. hineinspielen dürften, da es um einen unschicklichen Verweis auf eine Beeinträchtigung geht (obwohl ironischerweise ja so gehandelt worden ist, als gäbe es diese nicht), hier aber nochmals eine größere Unangemessenheit oder Kontrastwirkung hinzukommt, insofern dieser Witz im Kontext einer krude-gewalttägigen Tat stattfindet... Und weil (trotz der Erwartungshaltung, dass ein Außenseiter den anderen Außenseiter verstehen und verschonen wird) die Bedrohung im Raum steht, dass eine sympathische Figur womöglich sterben muss, kann ein galliges Lachen hier durchaus befreiend sein...
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El_Hadschi

Also wenn man jetzt schon nicht mehr lachen darf im Kino.... Also man kann's mit der Empfindlichkeit auch übertreiben.... :denk2:
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Lester Freamon

PierrotLeFou

Zitat von: El_Hadschi nach 23 Oktober 2019, 03:05:48Also wenn man jetzt schon nicht mehr lachen darf im Kino.... Also man kann's mit der Empfindlichkeit auch übertreiben.... :denk2:
Das hat keiner gefordert... :happy3:
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elpadro

Ich stehe auf Filme wie U-Turn, Fargo, Red Rock West & Co, wo auch die absurdesten Dinge schief gehen, aber bei der o.g. Szene war mir überhaupt nicht zum Lachen zumute, hätte mir einfach unendlich Leid getan für den Kollegen, wenn diese kurze Unterbrechung den Joker doch zum Umdenken gebracht hätte.
Spricht für die Intensität der Szene.

Wer weiß, war vielleicht auch vom Regisseur als lustig gedacht - die Tür hätte ja einfach normal abgeschlossen sein können.
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"You're not, you're talking to yourself."
Moon 44

tenderman

Zitat von: elpadro nach 23 Oktober 2019, 03:34:33Wer weiß, war vielleicht auch vom Regisseur als lustig gedacht - die Tür hätte ja einfach normal abgeschlossen sein können.
Das ist halt Geschmacksache. Wer eine leicht zynische Ader hat, wird hier auch gelacht haben. Das ist absolut o.k
"Aspirin gab´s nicht, da hab ich dir Zigaretten mitgebracht" (Homer Simpson)

TakaTukaLand

28 Oktober 2019, 23:46:18 #85 Letzte Bearbeitung: 28 Oktober 2019, 23:49:45 von TakaTukaLand
Ich genieße das Privileg des Ruhrgebiets, habe also auch das Glück der großen Auswahl und meide die großen Massenkino-Warenhäuser seit... naja eigentlich schon immer. Dabei gibt es in kleineren Ruhrgebietsstädten sogar Kinos mit 10 Sälen, die aber trotzdem meist sehr leer sind (weil es ja noch größere Cineplexe in der Nähe gibt). Sogar die wenigen MCU-Filme, die ich dort gesehen habe, waren mit maximal 20 Personen ausgelastet - zur richtigen Uhrzeit ist man dort auch mal zu zweit :happy5:

Joker habe ich in der 70mm-Fassung gesehen, an einem Freitag Nachmittag in "Deutschlands größtem Filmpalast", ebenfalls mit vielleicht 20 weiteren. :love:
Die Mainstream-Mampf-Kinogänger_innen hätte ich bei diesem Film auch wirklich nicht ertragen und wäre vermutlich lieber gegangen als gleich zwei Dramen (Leinwand und Kinosaal) auszuhalten.

RoboLuster

2 November 2019, 21:51:04 #86 Letzte Bearbeitung: 2 November 2019, 22:13:43 von RoboLuster
Guter Hollywood-Klischee Film, ohne Überraschungen oder Nennenswerte Höhepunkte. Nur schon tausend mal gesehen, u.a. in diversen Highschoolfilmen.

Die Entmystifizierung einer Ikone der Popkultur,

oder

genau so hab ich ihn mir vorgestellt. Wie tief kann man in die Schmalzkiste greifen?

Und Thomas Wayne; was für ein Idiot. :lol:
https://youtu.be/RPQOMyyg9b8
"Shoot first, think never!" - Ash

Mr. Blonde

5 November 2019, 21:59:11 #87 Letzte Bearbeitung: 5 November 2019, 22:02:24 von Mr. Blonde

Ich fand ihn als Zitateschau absolut großartig. Lieber habe ich es, wenn alte Meisterwerke auf diese Weise aufbereitet werden, als das tausendste Remake. Zumal man sich hier wirklich alle Mühe gegeben hat, den Zeitgeist und Stil Scorseses einzufangen. Was Tarantino darf, dürfen andere schon lange. Falls es Scorsese stört, kann er sich dagegen aussprechen. Ich denke eher, dass er das Kompliment versteht und umso schöner dürfte es für Marty sein, dass es gerade seine etablierten Strukturen sind, die den von ihm wenig geschätzten Comic-Film gerade in eine spannende, neue Richtung drehen. Mal davon abgesehen, dass "Joker" trotz alle dem eigenständig ist. Phoenix liefert dazu eine absolut sagenhafte Performance ab und Phillips überrascht, weil er anscheinend mehr kann, als nur Proll-Humor. Hätte ich nicht gedacht. Die Frage ist halt, wie viel er ohne sein großes Vorbild hinbekommen hätte. Aber das ist Gemecker auf hohem Niveau, der Film wischt mit einigen anderen Filmen von 2019 locker den Boden auf.

Bekommt 9/10 Punkte von mir.

Meine ausführliche Kritik kann man hier nachlesen.


cinemediatech.wordpress.com - Artikel & News zu Filmen, Games, Musik & Technik

RoboLuster

10 November 2019, 13:54:05 #88 Letzte Bearbeitung: 10 November 2019, 13:59:32 von RoboLuster
Hab da zwar nicht viele Zitate erkennen können, aber die Macher scheinen auch kaum Batman oder Joker Stoffe gesehen zu haben. Oder warum liegt Wayne Manor augenscheinlich "mitten" in Gotham City? Oder warum geht jemand wie Thomas Wayne (reichster Mann der Stadt, Bürgermeisterkandidat der die Bürger als Clowns bezeichnet), mit seiner Familie, während "Unruhen usw" die Statd heimsuchen, zu Fuß durch dunkle Seitengassen? Und der junge Bruce war wohl geistig umnachtet zu der Zeit (deswegen kann er sich später auch nicht an den Joker erinnern), jedenfalls kam er bei der Szene am Tor schon fast debil rüber, da hat nur noch ne Fledermausmaske gefehlt.

Hätten die Filmschaffenden weniger ein Mann sieht rot "zitiert", und sich mehr auf ihre Sache konzentriert, wäre vielleicht auch ein origineller Film entstanden, zB ohne krampfhafte Opfer-Charakterisierung der kitschigen Art. So bleiben nur viele Retcons in Erinnerung, und ständiges Gelache oder Ausdruckstanz.
https://youtu.be/RPQOMyyg9b8
"Shoot first, think never!" - Ash