OFDb

Hijack (Real-Time Apple TV+ Serie mit Idris Elba)

Begonnen von StS, 25 Mai 2023, 19:17:30

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

StS

25 Mai 2023, 19:17:30 Letzte Bearbeitung: 25 Mai 2023, 19:21:13 von StS

Told in real time, Hijack is a tense thriller that follows the journey of a hijacked plane as it makes its way to London over a seven-hour flight, and as authorities on the ground scramble for answers...

Hijack premieres June 28.


Schaut gut aus.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

Schon 'ne Weile draußen - ich habe mal die aktuelle Preiserhöhung im Apfelhaus als Anlass genommen, die hier und andere nachzuholen (um dann zu kündigen; als nächstes "For all Mankind", das ist zumindest am Anfang ein ganz schön zähes Brot...).

Was "Hijack" angeht: Nun ja. Ist natürlich ein bewährtes Szenario, da ist es fast unmöglich, da nicht ein Mindestmaß an Spannung herauszudestillieren, und das gelingt auch. Aber irgendwo hakt es, ich weiß nur nicht genau wo. Die Entführer agieren irgendwie semiprofessionell, na gut, irgendwann erfährt man, warum. Elbas Figur wirkt sagen wir mal künstlich bis hergeholt; auch ohne schon mal selbst in der Lage gewesen zu sein: Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand in dieser Situation SO verhalten würde, Job in der Verhandlungsbranche hin oder her. Auch die Sache am Boden wirkt von allen Beteiligten irgendwie ständig semiprofessionell (nur mal als Stichworte: Der Cop ("ich bin gut in meinem Job") und die alte Frau mit den Taschentüchern und kurze Zeit später noch mal bei der Verfolgung; die Politiker, die sich aus unerfindlichen Gründen gegen einen Abschuss der möglicherweise auf Crashkurs fliegenden Maschine entscheiden; der "Chefverbrecher", der sich statt mit seiner Flucht als Aktienspekulant versucht). Einige offene Enden bleiben in der Boden- oder von mir aus Krimihandlung auch - Stoff für Staffel 2? Dann als reiner Politkrimi ohne Flugzeug??

Technisch wie von Apple nicht anders zu erwarten sehr solide, mit ein paar kleinen optischen Highlights. Auffällig und das nicht im positiven Sinn dagegen der Versuch, mit Auslassungen Spannung zu erzeugen (oder zu harte Gewaltszenen zu vermeiden) - bis zu dem Grad, dass ich mir das Ende einer Folge und den Anfang der nächsten noch mal ansehen musste, weil da am Übergang eine wichtige Szene künstlich weggeschnitten wurde.

So bleibt das Gefühl, dass da relativ viel Aufwand für überschaubar wenig Resultate getrieben wurde. Ob das Subgenre auserzählt ist oder Apple auf der Suche nach einem neuen Dreh am Ziel vorbei- oder darüber hinausgeschossen ist, lasse ich an dieser Stelle mal dahinstehen. Für sich genommen aber schon ansehbar, dafür dann doch knapp 6/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

Mittlerweile ist Staffel 2 draußen; auch wenn die Hardcore-Fans (gibt es die?) schon durch sind, reiche ich den Trailer noch mal nach:


Jo, nette Kulisse, da hat man in Berlin offenbar recht freigiebig Plätze, Straßen und (stillgelegte ?) U-Bahnstrecken und -bahnhöfe freigeräumt - ein paar "positive" Bilder (also lieber High-Crime statt Pleiten, Pech und Pannen) können nicht schaden, hat da jemand zu Recht gedacht. Und ein paar solide Jobs und Rollen für deutsche Schauspieler sind auch abgefallen; "Otto" Christian Nähte darf Elba sogar phasenweise fast die Show stehlen.

Davon ab bleibt es bei den leichten Bauchschmerzen, die mir schon Staffel 1 verursacht haben. Ja, das nicht überstrapazierte, aber schon mal erprobte Szenario (ich sag nur "Pelham 123") bietet eine gute Basis, da wäre es schon vom Ansatz her fast ein Kunststück, wenigstens nicht eine solide Grundspannung und ein paar dynamische Momente zu produzieren. Wie bei einer fahrplanmäßigen U-Bahn ist da wenig Stillstand und viel Bewegung drin, auch wenn da gerade im Vergleich zum 1970iger "Pelham" (immer noch eine meiner Favs aus der Ära) die wirklichen Highlights so ein bisschen ausbleiben. Übrigens auch zum Finale, das wenig zeigt und einige Chancen auslässt.

So weit, so durchwachsen, und vor allem auf der Plotebene abseits der reinen Bewegung funktioniert es schon wieder nicht oder nicht durchgehend. Die ganze Entführungskiste ist ein enormer und sehr aufmerksamkeitsträchtiger Aufwand für das, was da am Ende  - soweit überhaupt erklärt  - mit erreicht werden sollte, und sollten Verschwörungen nicht besser so leise wie möglich ablaufen?. Und warum braucht man für das ganze Unterfangen "Sam", welche Funktion soll der dabei ausüben (
Spoiler: zeige
außer - vielleicht, aber warum ?- mit zu sterben
- ); mit Otto, der "Ärztin" und vielleicht einer Schusswaffe würde das mindestens genauso gut funktonieren. Dass die Passagiere die Entführung durch unbewaffnete Täter weithin einfach hinnehmen, ist auch nicht sehr plausibel, und die zwischenzeitliche Explosion - die nur verschämt gezeigt wird - kann einfach so nicht funktionieren, nach aller Logik müsste der ganze Zug danach zumindest mal bis zur (immerhin) nachgeholten Abkoppelung schlicht fahruntüchtig sein.

Dem ganzen Unterfangen hilft auch nicht der in Sachen Spannung eher suboptimale Schottland-Waldteil, das hält den Erzählfluss eigentlich nur auf. Und auch die Tätigkeit der zwei britischen Polizisten trägt wenig zur Handlung bei (vielleicht, damit da nicht nur teutonische Cop-Nasen im Bild sind??).

So bleibe ich mal bei den eher knappen 6/10 für letztlich solide Unterhaltung bei reichlich Luft nach oben im Drehbuch. Und eine Staffel 3 ? Dass die damit in Dauerserie gehen können, ist schon mangels möglicher Verkehrsmittel eher fraglich - an dem möglichen Thema "Schiff" und "Entführung" sind schon ganz andere gescheitert.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

TinyPortal 2.0.0 © 2005-2020