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Scarpetta (Prime-Crime-Serie mit N. Kidman & J.L. Curtis)

Begonnen von StS, 11 Februar 2026, 20:15:41

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StS


The case that made her could be the case that breaks her. Based on the best-selling novels by Patricia Cornwell, Scarpetta premieres March 11 on Prime Video.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Moonshade

Witzigerweise lese ich mich gerade durch die ersten 25 Scarpetta-Bücher - zehn hab ich schon geschafft.

Allzuviel von der Buchserie sehe ich bei der Charakterbildung im Trailer leider nicht.
Weder ist Kidman auch nur ansatzweise "italienischen Ursprungs" und Cannavales Marino scheint eine Art lässiger Schlunzcop zu werden - und nicht der chauvinistische, politisch inkorrekte, sich gesundheitlich totfressende und rauchende Für-alle-Fälle-Mordkommissionsbegleiter aus den Büchern.
Das Seltsamste scheint die Implementierung von Jamie L. Curtis als Scarpettas Schwester zu sein, die in den ersten zehn Büchern eigentlich nur sporadisch für ein paar Seiten auftaucht, sich mit ihrer Schwester (und umgekehrt) null versteht (eigentlich hassen sich die beiden inbrünstig) und auch sonst relativ oberflächlich und ignorant beschrieben wird.

Simon "Mentalist" Baker als Benton Wesley (der Love Interest vom FBI) ist einigermaßen passend, auf ihre Allzweckwaffe Nichte Lucy, die in den Büchern (wenig überzeugend) Computergenie, FBI-Agentin, dann ATF-Agentin,Brandbekämpfungsexpertin, Superpilotin und lesbische Kontroversfigur (damit war Cornwell in den 90er spot-on, immerhin) ist, Kann ich noch nichts sagen, da kommt zu wenig rüber.

Scheint also die übliche Neuausrichtung fürs TV zu werden - aber da ich die Bücher selbst streckenweise kritisch sehe (sie sind, trotz der detailreichen Schilderungen fachlicher Natur, die Autorin hat selbst als Pathologin gearbeitet), weil sie häufig gleich aufgebaut sind (wenn auch thematisch variabel) und Entwicklungen der Figuren zwischen den Romanen platzieren, um sie dann in einem Nebensatz im nächsten Buch zu erwähnen, bin ich gespannt, was sie draus machen.

"Du hältst durch und ich halte durch und nächstes Jahr gehen wir einen saufen!

"Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

"Gebt dem Mann ein verdammtes Puppers!"

Moonshade

16 März 2026, 15:12:48 #2 Letzte Bearbeitung: 16 März 2026, 15:14:41 von Moonshade
Ich hab jetzt 5 der 8 Folgen gesehen und prophezeie trotz guter Chartplatzierung dem Ganzen mal eine rumpelige Fahrt auf dem Streamingmarkt.

Tatsächlich werden hier Teile aus dem ersten Roman (Vergangenheitshandlung, allerdings statt 1990 der Bücher 1998 in der Serie) und ggf. einem der letzten (spielt 2024, aber ich bin noch nicht soweit, lese am 12.Roman) zusammen gemischt, es kann auch sein, dass die aktuelle Handlung mit Kidman und Curtis vollkommen erdacht ist.

Allerdings weiß ich schon, dass
Spoiler: zeige
 Marino und Dorothy auch in der Buchreihe in den letzten Romanen ein Paar wurden (was man sich iwie gar nicht vorstellen kann).


Das Problem sind hier zwei komplette Casts a 5 Personen plus so einige mehr, die um Spielzeit konkurrieren und es sollte wohl auch reichlich Charaktersubstanz der Autorin rein, so dass hier sehr häufig sehr wild diskutiert wird (Ehe, Familie, Umgang mit Kindern, Karriere), der Fall an sich (oder die Fälle) aber eher im zweiten Glied landen.

Leider schaffen es die namhaften Oscarpreisträger auch nicht, eine narrative Symbiose aus Figur und Plotdienlichkeiten einzugehen. Hier spürt man in jeder Szene, das ist Nicole Kidman, die ihre Rolle als Gerichtsmedizinerin und gebeutelter Frau mit Karriere angeht und Curtis ist sowieso vogelwild in einer Rolle, die hier stark für Konflikt aufgeblasen wurde. Baker spielt das, was er offenbar aus dem Skript rauslesen konnte, allerdings ist Wesley auch in den Büchern immer eine etwas rätselhafte und verschlossene Figur. Marino hat man ästhetisch gereinigt (er ist weder fett noch kahl, raucht weniger), aber ein gewisser Unterklassenrassismus ist der Figur erhalten geblieben. Lucy ist ganz gut gewählt, allerdings ist sie in der Serie den Unterbau ("Das letzte Revier", ihre eigene Ermittlungsagentur) noch gar nicht angegangen, in den Büchern schon im 11.Band (von 27 oder 29).

Also erlesen produziert, aber eckig inszeniert, man wollte offenbar Großes leisten und das Bemühen spürt man ständig (Cross und Reacher fühlen sich dagegen erzählerisch organisch gewachsen an). Und dass sich die Figuren ständig mit der KI von Lucys verstorbener Ehefrau unterhalten (die ein entscheidungstechnisch munteres Eigenleben führt), weil hier wirklich alle kommunikationsgestört sind, fügt dem überbackenen Kuchen nur noch ein paar bizarre Streusel bei.

Angeblich waren ja minimum zwei Staffeln der Deal, ich kann mir aber irgendwie nicht vorstellen, dass die Serie enorm länger laufen wird.
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Moonshade

So, insgesamt durchaus delektabel, aber ich bleibe bei der überfrachteten und unebenen Inszenierung, die wohl aus Geschehnissen des ersten und des 25.Romans bestehen, plus ein paar weiteren kleineren Änderungen.

Durch die zwei Zeitebenen bekommt man immerhin zwei Showdowns in zwei Folgen geboten, allerdings verabschiedet sich die Serie mit einem Cliffhanger in die Pause zur im Vorfeld bereits geplanten zweiten Staffel.

Alles in allem okay, aber Begeisterung kommt bei mir irgendwie nicht auf.
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