Die letzte Sichtung

Erstellt von MMeXX, 19 November 2012, 13:01:27

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Stefan M

"Das Parfüm der Dame in Schwarz"

Nicht die gleichnamige französische Krimikomödie von 2005, sondern der italienische Vertreter aus dem Jahr 1974 von Francesco Barilli. Wird gern als Giallo bezeichnet und erinnert mitunter auch an einen, auch wenn entscheidende Merkmale wie die schwarzen Handschuhe fehlen. Dafür die oft übersehene Mimsy Farmer (die ja auch schon für Argento vor der Kamera stand) in ihrer Paraderolle als zerbrechliche junge Frau, die eigentlich alles hat, was sie glücklich machen sollte, aber sich durch verstörende Alpträume quält und sich von ihrer Umgebung allein gelassen und abgelehnt fühlt (vor allem auch von ihrem Freund). In der Folge fragt sie sich immer häufiger, was denn nun wahr ist und was nicht... - Unglaublich edel fotografiert, großartig musikalisch untermalt von Nicola Piovani und in der Hauptrolle schön Mia-Farrow-like gespielt. Dabei erliegt Barilli nie der Versuchung, das wirklich sehr gemächliche Tempo zugunsten effekthascherischer Schauwerte aufzugeben. Erst am Ende entlädt sich alles in einem folgerichtigen Showdown, der mit einer richtig schön rätselhaften WTF-Pointe zu einem knalligen Ende geführt wird, wonach man herzlich eingeladen ist, darauf herumzukauen und sich seine eigene Lösung des Films zurechtzulegen - um daran wahrscheinlich trotzdem zu scheitern. Empfehlenswert und für mich neben "Malastrana" bisher einer der Höhepunkte des italienischen Mystery-Kinos der 70er Jahre.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

PierrotLeFou

Toivon tuolla puolen

Im neuen Jahrtausend kommen Kaurismäki-Langfilme ja bloß noch im 5-Jahres-Takt - und das Warten lohnt sich eigentlich nach dem "Mann ohne Vergangenheit" nicht mehr so recht. Kaurismäki selbst sagt ja, er werde faul und müde... so fühlen sich auch die letzten drei Filme ein wenig an... "Toivon tuolla puolen" ist sein 2. Film in Folge zur Flüchtlingsthematik, steht aber deutlicher unter der Flüchtlings"krise" der jüngeren Zeit. Und da ist er auf gar keinen Fall unsympathisch, aber in seiner Einfachheit (gute, wenn auch mitunter brummelige Typen auf der einen Seite, tumbe Arschlöcher auf der anderen Seite) taugt er sicher nicht dazu, sein Publikum von der eigenen Haltung zu überzeugen... ansonsten ist fast alles beim Alten: eine sehr kaurismäki-typische Geschichte um einen Typen, der seine Lebensgefährtin verlässt und eine Gaststätte aufmacht; eine nicht ganz so kaurismäki-typische Geschichte über einen Flüchtling mit dem Herzen am rechten Fleck, der sich nach Ablehnung seines Asyl-Antrags unter widrigen Bedingungen durchsetzt... Die Farben sind bisweilen sehr Godard, die lakonischen Musiknummern ein wenig zu aufgesetzt und zu zahlreich... alles etwas baukastenmäßig und altbekannt tragikomisch, lakonisch, melancholisch... aber auch recht sympathisch, wenn man Kaurismäki-Filme mag. Schwache 7/10 zuücke ich gerne...



Get Out
Zitat von: PierrotLeFou nach 10 Mai 2017, 04:32:00
War so eine Art "Die Schwarzen von Stepford", was ja bereits nach dem Trailer zu erahnen war... ohne größere Überraschungen geht es nach einem großartigen Einstieg im Prolog dann durch eine nicht wirklich sonderlich originelle Handlung, die im Finale dann auch ganz konventionellen Klischees verfällt. Ein wenig erinnert er an Verbinskis "Cure for Wellness", der ganz ähnliche Strukturen und Motive heranzieht, fällt aber wesentlich runder und stimmiger aus. Allerdings sind mir die humoristischen Einschübe, die sich um den besorgten Freund ranken, doch etwas zu brachial geraten... es bleibt eine recht unterhaltsame Horrorthriller-Komödie, die halbwegs pünktlich zur Black Lives Matter-Debatte kommt und hier und da auch einige tiefergehende Gedanken zum Schwarz-/Weiß-Verhältnis bietet, aber überwiegend altbekannten Pfaden folgt... Hatte eigentlich noch ein wenig mehr (und etwas weniger Comedy) erwartet, aber eine 7/10 würde ich durchaus geben...

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ca. im Zeitraum einer Generation - etwa jedes Vierteljahrhundert - irgendein recht schnell kanonisierter Horrorfilm daherkommt und durchaus ambitioniert das Verhältnis zwischen Weißen und Farbigen behandelt... Get Out, Candyman, Night of the Living Dead, I Walked With a Zombie...

"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

manisimmati

29 Mai 2017, 15:29:42 #1562 Letzte Bearbeitung: 29 Mai 2017, 15:31:32 von manisimmati
Nymphomaniac Vol. 1 & 2 (2013)

Böse, kunstvoll, intelligent und niederschmetternd: Genau das, was ich von Lars sehen will. 9/10.

Battle Royale (2000)

Eine Enttäuschung. Die Idee könnte viel hergeben, aber Plot und Ausführung sind (bis auf eine Handvoll Szenen) belanglos. Ein spannender und unterhaltsamer Film, der sein emotionales und sozialkritisches Potential fahrlässig verschenkt. 6/10.
"Human beings are divided into mind and body.
The mind embraces all the nobler aspirations, like poetry and philosophy.
But the body has all the fun." (Woody Allen)

Wolfhard-Eitelwolf

X-Tro II - Immer wieder ein herrliches Kleinod inmitten des heutigen Mainstreamschrotts. Billige Kulissen, mehr oder minder talentierte B- und C-Darsteller rund um J. M. Vincent, eine gewaltige Prise Alien(s) und natürlich die kultige "Duotangente" :D X-Tro II packt auch nach Jahrzehnten durch seine dichte Atmosphäre, gelungene SOundeffekte und einige hübsch blutige Effekte. Hoffenltich kommt bald mal ne Blu Ray....

Hitfield

26 Juni 2017, 01:01:11 #1564 Letzte Bearbeitung: 2 August 2017, 11:30:30 von Hitfield
Nach einer Ewigkeit mal wieder zum 35-jährigen Jubiläum gesichtet:

Mutant - Das Grauen im All (USA 1982)
aka Forbidden World
aka Subject 20 - Horror im All



Die 1 Mio. US$ 'teure' Roger Corman-Produktion zählt immer noch zu den zehn besten "Alien"-Rip-offs. Auffällig vor allem die sehr blutig-matschigen Make-Up-Effekte, die in der deutschen DVD-Veröffentlichung von Anolis mit FSK 16 sogar ungekürzt sind. Überflüssig, unpassend und wenig überzeugend inszeniert dagegen die von der Roger Corman-Produktion "Sador - Herrscher im Weltraum" (1980) zweitverwerteten Weltraumschlacht-Szenen. Diese waren aber wohl nötig, um überhaupt auf die knappen 77 Minuten Laufzeit zu kommen. Wie immer bei Corman gibt es auch einige - zumindest für einen solchen Genrefilm - beachtliche Nackt-/Erotikszenen.

Interessant im Rückblick, was aus den Beteiligten geworden ist:
Kameramann Tim Suhrstedt gibt hier sein Spielfilmdebüt. Zu seinen späteren Arbeiten zählen u. a. "Critters", "Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit", "Idiocracy" und "Little Miss Sunshine". Editor Martin Nicholson arbeitete u. a. für "Game of Thrones" und "CSI: NY". Die erwähnten Make-Up-Effekte sind von John Carl Buechler, der hier seine dritte Arbeit abliefert und Genrefans auch als Regisseur bekannt sein dürfte ("Troll", "Ghoulies", "Freitag, der 13. Teil 7", "Re-Animator 1 & 2", "Nightmare on Elm Street 4 & 6", "Halloween 4 & 6", "Scanner Cop 1 & 2"). Der 2nd Unit Regisseur und Production Manager Aaron Lipstadt ist inzwischen ein vielbeschäftigter (TV-)Regisseur ("Grimm", "Medium", "Surface", "Crossing Jordan") und hat auch auch ein paar Genrefilme inszeniert (wie "Der Android" mit Klaus Kinski). Die visuellen Spezialeffekte sind von Michael F. Hoover ("Spider-Man 2", "The Abyss", "Deep Star Six", "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen", "Gate - Die Unterirdischen"), Steve Caldwell ("Gangs of New York", "The Day After Tomorrow", "Riddick - Chroniken eines Kriegers") und Tony Randel, Regisseur von "Hellbound - Hellraiser II" und einigen anderen Genrefilmen wie "C2 - Killerinsect", "Children of the Night" oder "Fist of the North Star".

Überhaupt haben fast alle in der Crew mit "Mutant" ihren Einstand gefeiert und später Karriere gemacht. Quasi das genaue Gegenteil von The Asylum heute - Gnadenhof-Produktionsfirma für abgehalfterte Ex-Stars.

Gute 6 / 10.

"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

PierrotLeFou

"La Mort de Louis XIV"

In "Història de la meva mort", seinem vorangegangenen Todes-Spielfilm, hatte Serra Casanova und Dracula zu seinen Hauptfiguren gemacht - und dennoch einen Film abgeliefert, der nirgends nach Trash oder Camp aussah, der sich nahelegende Sensationnen verkniff und eine ungeheuer gemächliche Gegenüberstellung zweier Kulturen darstellte.
Der aktuelle Film zieht die Monotonie und Ereignisarmut noch weiter an - und wird wohl kaum ein großes Publikum finden -, ist dafür aber wesentlich zugänglicher... nicht bloß, weil man hier einen mittlerweile greisen Léaud bewundern kann, von dessen lange bewahrter, jugendlicher Verschmitztheit bloß noch das eine oder andere Lächeln zeugt, während es ansonsten nur unbeweglich daliegt, stöhnt, nuschelt und zuiemlich häufig die Augen geschlossen hält... Aber der Film gibt einen mit seiner Beziehung von Macht, Körper und Ritual, mit seinem Motiv des goldenen Käfigs zentrale Themen mit, denen man sich etwas leichter annähern kann als dem früheren Serra...
Ich wusste halbwegs, worauf ich mich da einlasse und kann dennoch nicht ganz leugnen, dass der Film hin und wieder auch eine wahre Geduldsprobe darstellt. Dennoch: es ist auch ein sehr sinnlicher Film, der in vielen warmen, gedämpften Farben und langsamsten Bewegungen ein Gefühl von Stickigkeit, Erstarrung und Bedeutungslosigkeit erzielt... Ein paar absurd anmutende ärztliche Untersuchungen und die Sezierung am Ende setzen jeweils eigenwillige Akzente, aber insgesamt zeigt der Film, was der Titel verspricht: einen langsamen, unaufhaltsamen Sterbeprozess eines Großen, der im Sterben zugleich auch als gewöhnlicher Mensch erscheint. (Passte ganz gut, zum schwülen, verregneten Wetter...)

Schwache 7/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Hitfield

Es gibt tatsächlich keinen Thread zu dem Animations-Top-Titel von 2016? Habe jetzt sowohl über die Suchfunktion als auch über Google gesucht, aber außer Boxoffice- und Jahresrückblick-Threads nichts gefunden.


Vaiana - Das Paradies hat einen Haken (Originaltitel: Moana)


99¢ VoD Erstsichtung

150 Mio. US$ teurer Animationsfilm aus dem Hause Disney, aber nicht von Pixar, sondern von den Walt Disney Animation Studios, auf deren Konto u. a. "Frozen", "Zootopia", "Big Hero 6" und "Wreck-It Ralph" geht.

Ich war noch nie so hin- und hergerissen bei einem Animationsfilm wie hier. Die Südsee-Location ist einmalig, sieht fantastisch aus und dürfte für einen Animationsfilm ein Novum sein. Sehr schön auch, dass es keine zeitlichen Bezüge gibt - der Film könnte 50 oder 500 Jahre in der Vergangenheit spielen und wirkt dadurch zeitlos. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass es keinen Kontakt der polynesischen Kultur und Einwohner zu äußeren, westlichen Einflüssen gibt. Was ich wirklich wunderbar finde.

Inhaltlich gibt es die typische special snowflake- und Emanzipations-Geschichte, die in diesem Fall zudem sehr an Pixars "Merida - Legende der Highlands" erinnert. Dieser Rahmen ist seit gut zehn Jahren allgegenwärtig und findet sich neben berühmten Beispielen wie "The Hunger Games" selbst in Filmen wie der neuen deutschen "Fünf Freunde"-Verfilmung. Für mich kein Problem, da die Titelfigur Vaiana (im Original: Moana) sehr gut entwickelt und animiert wurde und die junge Nachwuchsschauspielerin Auliʻi Cravalho perfekt passt.

Um zu den Kritikpunkten zu kommen: Die Synchronisation fand ich - als großer Synchronfan - eher durchwachsen. Mein größtes Problem ist aber, dass es gefühlt seit den 60er Jahren keinen Disney-Film mehr gab, in dem so viel gesungen wurde wie hier. Geschätzt etwa 30-40 der ca. 95 Minuten ohne Abspann wird die Handlung singend erzählt und der Film mutiert fast zum Musical (vielleicht waren es auch nur 20 Minuten und es kam mir nur besonders lange vor). Da hilft es auch nicht, wenn in der deutschen Fassung dann Helene Fischer die Vaiana-Hauptrolle übernimmt.

Highlights sind der Anfang mit Baby-Vaiana und ihrer ersten Begegnung mit dem Meer, der Teil mit der Riesenkrabbe und das Ende mit dem Feuerdämon.

Ich schwanke zwischen 5,5 bei den schwächeren Gesangseinlagen und 8,5 bei den besten Momenten. Insgesamt knapp 7 / 10. Wem die Singerei nichts ausmacht, dürfte seine helle Freude haben.

"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

StS

Ich war im März auf den Hawaii-Inseln - und da wurde der Film mehrfach von verschiedenen Seiten (der Einheimischen) mir gegenüber erwähnt und gelobt für seine gelungene kulturelle Darstellung, bei der mehrere Elemente unterschiedlicher Kulturen der Region aufgegriffen und offenbar ganz inspiriert miteinander kombiniert wurden. Danach wollte ich mir ihn eigentlich noch ansehen - bin bis heute aber leider noch nicht dazu gekommen. 
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Hitfield

Zitat von: StS nach  2 August 2017, 15:39:21
Ich war im März auf den Hawaii-Inseln - und da wurde der Film mehrfach von verschiedenen Seiten (der Einheimischen) mir gegenüber erwähnt und gelobt für seine gelungene kulturelle Darstellung, bei der mehrere Elemente unterschiedlicher Kulturen der Region aufgegriffen und offenbar ganz inspiriert miteinander kombiniert wurden.


Ich habe mich in den letzten Jahren ein wenig in den kulturellen und philosophischen Kontext eingelesen - vor allem in die Schöpfungsgeschichte und -mythen Hawaiis und Neuseelands - und fand als Laie die Darstellung wirklich sehr gelungen und interessant bzw. konnte ich einige Elemente wiedererkennen. Außerdem wie gesagt prima, dass nicht versucht wurde, eine Brücke zur westlichen Kultur zu schlagen oder die Handlung zeitlich einzuordnen. Es ist ein rein indigenes Südsee-Abenteuer geworden, wirklich sehr fein.

Die Sichtung lohnt sich auf jeden Fall. Nur die vielen Disney-urtypischen Gesangseinlagen haben mich unerwartet erwischt. War ich durch Pixar & Co. gar nicht mehr gewohnt.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Wolfhard-Eitelwolf

Devil's Dolls AKA Worry Dolls: Überraschend hochwertig gefilmter Horrorthriller mit durchaus atmosphärischen (Südstaaten)Locations, guten Darstellern und einigen sehr blutigen Effekten. Die Story um verfluchte Miniaturpuppen, die ihre Besitzer in den Mordwahn treiben, ist recht einfach gehalten, hält aber trotzdem bis zum Schluss (angenehm kurze Laufzeit) solide bei der Stange. Schade nur, dass die nicht gerade im Überfluss gesäten Spannungsszenen nicht noch intensiver  ausgekostet wurden. Vieles ist für meinen Geschmack zu schnell vorbei, wo es doch vermeintlich ein Leichtes gewesen wäre, quantitativ noch etwas mehr Grusel (im Dunkeln) zu liefern. Dennoch eine Empfehlung für den Genrefan (knappe 7 v. 10)

DisposableMiffy

The Last Tycoon (1976)

Elia Kazans letzter Film und die einzige Zusammenarbeit von Robert De Niro und Jack Nicholson. Die wenigen Szenen, die beide zusammen haben, sind dann auch das einzig Bemerkenswerte, was The Last Tycoon zu bieten hat. Trotz des darüber hinaus hochkarätigen Casts (Robert Mitchum, Theresa Russell, Ray Milland, Tony Curtis) bleibt der Film arg blass, was an dem furchtbar drögen Drehbuch liegt, das gerade mit De Niros Hauptfigur nur wenig Interessantes anzufangen weiß.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

Moonshade

Zitat von: DisposableMiffy nach  7 August 2017, 11:26:03
The Last Tycoon (1976)

Elia Kazans letzter Film und die einzige Zusammenarbeit von Robert De Niro und Jack Nicholson. Die wenigen Szenen, die beide zusammen haben, sind dann auch das einzig Bemerkenswerte, was The Last Tycoon zu bieten hat. Trotz des darüber hinaus hochkarätigen Casts (Robert Mitchum, Theresa Russell, Ray Milland, Tony Curtis) bleibt der Film arg blass, was an dem furchtbar drögen Drehbuch liegt, das gerade mit De Niros Hauptfigur nur wenig Interessantes anzufangen weiß.


Ja, der Film ist genauso fragmentarisch wie eben die Vorlage Fitzgeralds, die er ja nicht mehr fertiggestellt hat.
Obwohl die tatsächliche "schwierige" Beziehung zwischen Irving Thalberg und Louis B. Meyer eigentlich eine eigene Mini-Serie verdient hätte, führt der Film irgendwie nirgendwo hin.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

DisposableMiffy

Ja, es ist schade um die verpasste Gelegenheit.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

Wolfhard-Eitelwolf

Die neue Blu Ray von Fortress fand den Weg in den Player. Schön, diesen recht gut gealterten Klassiker endlich in brauchbarer Qualität und in Deutsch begutachten zu können! Atmosphäre immer noch top, Lambert sowieso und auch die handgemachten Actionszenen ebenso noch Spitzenklasse. Welch Wohltat beispielsweise die in blauer Suppe explodierenden Klonsoldaten gegenüber all dem CGI-Müll der heutigen Tage! Eingefügte Unratedszenen erkennt man erwartungsgemäß an der schwächeren Bildqualität, aber da das gesamte Remastering jetzt auch nicht gerade Weltklasse ist und Defizite beim Schwarzwert und der Anzahl der Verschmutzungen des Masters zu verzeichnen sind, fällt dieses Manko nicht ganz so schwer ins Gewicht.

Moonshade

Gestern Sally Potters "The Party" gesehen - eine 71minütige Giftspritze von einem Film, der mit einer ausgesuchten Besetzung in s/w glänzt und ein bißchen wie ein Woody-Allen-Film wirkt, den dieser jetzt so nicht mehr hinbekommt.

Eine spitzzüngige Mischung aus Komödie und Drama, das allerdings nicht ganz ausgereift wirkt und bei dem hinterher noch irgendwas zu fehlen scheint, das aber ungewöhnlicherweise mit seinem letzten Satz einen ganz guten Punkt und eine Pointe findet.
Einige Themen werden nur zu kurz angeschnitten, dann kippt das Ganze wieder in Farce und Groteske, unterhaltsam ist das alles aber unbedingt.

Letztendlich aber eine Story, die sich auf einer Theaterbühne - und noch etwas ausgearbeitet - besser macht als als Film.
Insofern ein Festspiele-Hit, den man empfehlen kann, wenn man auf dialoggetriebene Werke steht.
7/10
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

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PierrotLeFou

Zitat von: Moonshade nach 10 August 2017, 09:47:47
Gestern Sally Potters "The Party" gesehen - eine 71minütige Giftspritze von einem Film, der mit einer ausgesuchten Besetzung in s/w glänzt und ein bißchen wie ein Woody-Allen-Film wirkt, den dieser jetzt so nicht mehr hinbekommt.


Der lief gestern? :icon_sad: Ich wollte den am Dienstag sehen und musste feststellen, dass er im Raschplatzkino gar nicht mehr zur Auswahl stand...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Moonshade

Wir waren in einer OmU, die gibt es am Raschplatz Fr/Sa spät nochmal und kommenden Montag abend.
Ansonsten läuft er jetzt im Hochhaus auf deutsch...
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

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PierrotLeFou

Oha, das Hochhaus hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm... Werde dann wohl am Montag ins Raschplatzkino gehen... :D
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Retro

13 August 2017, 00:48:33 #1578 Letzte Bearbeitung: 13 August 2017, 01:05:48 von Retro
Das Wetter ist Scheisse,und ich habe gestern ein Paket Filme mit (unter anderem) Blair Witch 1 und 3 auf Blu-ray erhalten-
Teil 2 stand noch auf DVD hier herum, und meine Frau kannte noch keinen davon.
Also: Jalousien runter, Hunde auf's Sofa- und Blair-Weekend starten!

BLAIR WITCH PROJECT



Seinerzeit wurde der Film angepriesen als reale Filmszenen der angeblich wirklich verschwundenen jungen Leute,
die in einem Wald auf der Suche nach Spuren der Hexe von Blair waren.
Lediglich die Kamera mit eben diesem unbearbeiteten Filmmaterial wurden angeblich gefunden.

Ich hatte den Film schon lange vor dem deutschen Release als NTSC-VHS Tape, da lief er hier gerade erst im Kino.
Der komplette Film ist der oben erwähnten Werbung nach entsprechend mit wackliger Handkamera gefilmt.
Die Tatsache der Zuschauerverarschung, die man spätestens im DVD-Zeitalter dank Dolby Digital 5.1 sofort durchschaut,
das nervige verhalten aller Akteure, und vor allem das dauernde Kreischen und Heulen der Frau im Team sind hier aber leider der einzige Horror.
Als dann das erste mal (die letzte Minute) ein wenig Spannung aufgebaut wird, ist der Film auch schon aus.
Einer der langweiligsten und zugleich nervigsten Filme, die ich jemals gesehen habe.
Das änderte sich jetzt auch bei erneuter Sichtung auf Blu-ray nicht...

0/10

BLAIR WITCH 2



Eine Gruppe Touristen lässt sich zu den Orten führen an denen der erste Film gedreht wurde, und verbringt dort die Nacht.
Am nächsten Tag ist die Lagerstelle verwüstet und keiner kann sich an die letzten Stunden erinnern...
Als sie in der Wohnung ihres Gruppenführers anhand der am Tag zuvor gemachten Filme und Fotos herausfinden wollen was passiert ist, geschieht seltsames-
die Zeit läuft rückwärts, Symbole erscheinen auf der Haut, Dinge verschwinden...

Hier hat man sich bemüht eine Handlung in den Film zu bringen, welche sich um das angeblich gefundene Videoband (Teil 1) dreht.
Leider sind die Schauspieler größtenteils untalentiert, und ausserdem extrem klischeehaft dargestellt-
aber immerhin kann man in der zweiten Hälfte des Films durchaus ein wenig unheimliche Atmosphäre aufbauen.
Sicher kein Highlight, aber deutlich besser als der Vorgänger.

3/10

BLAIR WITCH



20 Jahre nach dem geschehen im ersten Teil glaubt der Bruder (dürfte selbst nicht viel älter als 20 sein) des im ersten Film verschwundenen Mädels (ebenfalls so um die 20, auch jetzt noch...)
seine Schwester auf einem aktuellen Foto entdeckt zu haben, welches im Wald von Burkittsville aufgenommen wurde.
Also schnell noch drei Freunde, sowie modernste Technik und Handkameras eingepackt, und ab auf die Suche nach der Schwester.
Vor Ort schließt sich der Truppe noch ein einheimisches Pärchen an, welches einiges über die Hexenlegende zu erzählen hat.
Schon bald geschieht seltsames, merkwürdige Figuren aus Ästen tauchen überall im Wald auf, was sich aber als Scherz des Pärchens entpuppt- welches daraufhin weggeschickt wird.
Kurz darauf versagt allerdings das GPS, die Zeit scheint sich teilweise zu verschieben- und die Gruppe entdeckt das alte Haus im Wald, wo die Hexe umgehen soll...

"Blair Witch 2" wird zwar komplett übergangen, macht aber nichts- die Handlung des zweiten Teils könnte durchaus zwischen den beiden anderen passiert sein.
Allerdings ist die ganze Geschichte von vorneherein ein einziger Logikfehler, bietet von der Story her nichts neues- und wird wieder mit der wackeligen Handkamera erzählt.
Es geht schon los mit dem "Altersproblem", was bei den gezeigten Figuren niemals hinkommt.
Auf eine mögliche Zeitverschiebung wird zwar hingewiesen, aber 20 Jahre?
Und Brüderchen wundert sich nicht, dass Schwesterchen immer noch exakt so aussieht, wie er sie eigentlich selbst aufgrund seines Alters nie gesehen haben dürfte?
Genau genommen könnte man auch sagen, wenn man die Erklärung mit der Schwester weglässt, ist der Film quasi ein Remake des ersten Teils.
Aber:
Die Darsteller nicht so nervig wie in den Vorgängern, im Wald kommt durchaus ein wenig unheimliche Atmosphäre auf-
und mit dem entdecken des Hauses, worin die zweite Hälfte des Films spielt, wird die Spannungsschraube deutlich angezogen. Ein paar schöne Schocks für ängstliche Naturen inklusive.
Somit macht der dritte Film einiges richtig, was die Vorgänger komplett vergurkt haben.
Über die komplett unlogischen Altersangaben am Anfang habe ich mich zwar geärgert, das muss man wirklich abhaken und das Hirn auf Standby stellen-
aber den größten Teil des Films habe ich mich durchaus sehr gut unterhalten gefühlt.
Ein zwar unlogischer, aber atmosphärischer, fast schon klassischer Grusler mit wenig Blut aber Spannung und Schocks.

7/10

Hitfield

Zitat von: Retro nach 13 August 2017, 00:48:33
Einer der langweiligsten und zugleich nervigsten Filme, die ich jemals gesehen habe.
Das änderte sich jetzt auch bei erneuter Sichtung auf Blu-ray nicht...

0/10


:respekt:

Ich kenne nur das erste "Blair Witch Project" und habe dem Film auch eine 0/10 gegeben. Konnte nie verstehen, warum dieser Mist so erfolgreich war (der nach Budget/Einspielergebnis erfolgreichste Film aller Zeiten, um genau zu sein - hat das 4.144-fache des Budgets eingespielt). Inhaltlich gibt er nichts her und die technische Umsetzung ist unter aller Kanone - und das aus meiner Sicht nicht beabsichtigt (von wegen es muss so amateurhaft aussehen, damit es "authentisch" wirkt), sondern aus Unvermögen. Kamera, Dialoge, Darsteller... alles nervt einfach nur.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

PierrotLeFou

13 August 2017, 01:37:03 #1580 Letzte Bearbeitung: 13 August 2017, 06:20:25 von PierrotLeFou
Ich würde den mit "Martyrs" und "The VVitch" zu den herausragendsten, besten und einschneidendsten Horrorfilmen der letzten 30 Jahre zählen. Im Hinblick auf die Wirkung von Filmbildern, auf die schwierige Definierbarkeit des Dokumentarfilms und auf die Verfremdung/Distanzierung beim Blick durch die Kamera auf das Beunruhigende ist BWP mMn ziemlich gehaltvoll... (Ich denke, dass die Filme, die einem ganz explizit eine handfeste Erkenntnis vermitteln wollen, meist doch die weniger gehaltreichen Werke sind. Da gibt es dann eine Aussage, zu der man seine "falsch/wahr"-Position beziehen kann... ein großartiges Filmerlebnis habe ich persönlich meist gerade dann, wenn assoziativ Fragen aufgeworfen werden, über die man dann grübeln kann; das ist mMn wesentlich produktiver.)
Ästhetisch ist das - trotz "Cannibal Holocaust" & Dogma-Filmen - zweifelsohne einflussreich; und es hatte ja bei zahlreichen Zuschauer(inne)n den gewünschten Erfolg: offenbar wird er nicht nur als nervig wahrgenommen, sondern von einer Mehrheit als aufreibendes, aufwühlendes, packendes Filmerlebnis, dessen Wirkung ja gerade in der Ästhetik begründet liegt.

Ich kann verstehen, dass man das hässlich und penetrant findet, aber solche 0/10-Wertungen scheinen mir - insbesondere auf einer Skala von 1-10 - doch etwas arg subjektiv zu sein... ;)



edit: Ein "Altersproblem" habe ich in "Blair Witch" eigentlich nicht gesehen. James Allen McCune sagt, er war 9, als BWP damals herauskam. Also ist er im Film als 26jähriger zu sehen... hätte kein Problem damit, davon auszugehen, dass seine Figur auch 28 oder 29 Jahre ist... (hätte ihn wohl aber auf 26/27 Jahre geschätzt...)
Was spricht dagegen, dass sich ein 27jähriger an seine 20 Jahre verschollene Schwester erinnert? Und an ihr damaliges Aussehen? Und angesichts der unscharfen, verrauschten Aufnahme lässt sich eigentlich nicht sagen, dass Heather noch exakt so aussehen würde wie vor 20 Jahren... (Und taucht die Aufnahme nicht bloß 2014 im Internet auf? Das heißt ja nicht, dass sie schon ein paar Jahre älter sein könnte... zumindest beweist sie unter der Prämisse, dass es sich bei der abgebildeten Person tatsächlich um die ältere Schwester handelt, dass diese die 1994er Ereignisse überlebt haben muss.)
Das war bloß psychologisch recht unglaubwürdig... und das korrigiert der Film dann ja letztlich über die Zeitschlaufen-Pointe, die auf mich allerdings etwas aufgesetzt wirkt. Aber ein "Altersproblem" habe ich da jetzt wirklich nicht wahrgenommen...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Hitfield

Zitat von: PierrotLeFou nach 13 August 2017, 01:37:03
Ich kann verstehen, dass man das hässlich und penetrant findet, aber solche 0/10-Wertungen scheinen mir - insbesondere auf einer Skala von 1-10 - doch etwas arg subjektiv zu sein... ;)


Subjektiv ist die Wertung sicherlich. "Blair Witch Project" zählt aus meiner Sicht halt zu den Filmen der Kategorie Verarschung so wie "Daniel, der Zauberer" oder auch "Kartoffelsalat" - nach dem Motto Mal sehen, ob wir als Macher damit durchkommen. Das ist nicht hässlich, sondern einfach amateurhaft. Wenn dann das Amateurgemurkse noch zur Filmkunst feuilletoniert wird, stößt es mir ehrlich gesagt besonders sauer auf. Man stelle sich mal vor, Andreas Bethmanns Œuvre oder "Das komabrutale Duell" würde auf einmal zu weltweiten Blockbustern und höherem Filmschaffen erhoben. Ich kann "BWP" selbst unter dem Aspekt eines amateurhaften, selbstfinanzierten "Autoren"-Films nichts abgewinnen, im Gegensatz etwa zu den Werken von Wenzel Storch.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

PierrotLeFou

Zitat von: Hitfield nach 13 August 2017, 23:50:17
"Blair Witch Project" zählt aus meiner Sicht halt zu den Filmen der Kategorie Verarschung so wie "Daniel, der Zauberer" oder auch "Kartoffelsalat" - nach dem Motto Mal sehen, ob wir als Macher damit durchkommen. Das ist nicht hässlich, sondern einfach amateurhaft. Wenn dann das Amateurgemurkse noch zur Filmkunst feuilletoniert wird, stößt es mir ehrlich gesagt besonders sauer auf. Man stelle sich mal vor, Andreas Bethmanns Œuvre oder "Das komabrutale Duell" würde auf einmal zu weltweiten Blockbustern und höherem Filmschaffen erhoben.


Aber ein Blick auf die begleitende mockumentary "Curse of the Blair Witch" (1999) zeigt ja, dass Unvermögen nicht der ausschlaggebende Grund für die Ästhetik in BWP gewesen ist (wenngleich "Curse of the Blair Witch" sicher keine Meisterleistung und mMn im Vergleich mit BWP der schwächere Film ist).

Ich denke auch, dass es nun gerade kein Zufall ist, dass BWP sich den Status eines prägenden, effektiven Klassikers sichern konnte, derweil ein Andreas Bethmann weitgehend ignoriert wird. Sondern wie beim frühen John Waters, wie bei den Kuchar-Brüdern, wie bei Buttgereit oder den sich als Amateurfilmern betrachtenden Experimentalfilm-Regisseuren scheinen mir gerade die charakteristischen, eigenwilligen Züge und Konzepte solcher Werke für deren Erfolg verantwortlich zu sein. (Am kommerziellen Erfolg hatte sicher auch die Werbestrategie ihren Anteil, aber über diese lässt sich hingegen der Stellenwert, die Beliebtheit von BWP nicht umfassend erklären.)
Bethmann setzt darauf, auf Splatterszenen draufzuhalten, solange es die simple Tricktechnik erlaubt; damit hätte er vor H. G. Lewis sicher für Furore und verdiente Aufmerksamkeit sorgen können; in den 90er Jahren sicher nicht mehr. BWP setzt hingegen darauf, wenig zu zeigen... da ließen sich Einflüsse von Jacques Tourneur über Deodato bis Lars von Trier nennen, aber BWP kopiert nichts davon einfach bloß.
(Als Filmkunst würde ich Bethmanns Filme übrigens durchaus ansehen - bloß halt als schlechte Filmkunst. Kunst würde ich allerdings auch nicht mit dem Können in Zusammenhang bringen, sondern als ein Unterfangen verstehen, über die sinnliche Wahrnehmung von Objekten und/oder Performances Emotionen und/oder Reflexionen im Wahrnehmenden auszulösen.)
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

StS

BWP1: Wegweisender, minimalistischer und schön unheimlicher Film... wenn man den Zugang dazu findet.  8,5/10
BWP2: Von der Idee her nicht uninteressantes Sequel... konventioneller... aber nicht so schlecht wie sein Ruf.  5/10
BWP3: Dreht erst in der 2. Hälfte richtig auf und erfüllt dann die Hoffnungen an einen solchen Film heutzutage.  5,5/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

PierrotLeFou

23 August 2017, 03:34:45 #1584 Letzte Bearbeitung: 23 August 2017, 04:01:19 von PierrotLeFou
Träum was Schönes - Fai Bei Sogni (F, I 2016, R.: Marco Bellocchio)

Erst einmal die offensichtlichen Stärken: Wundervolle Aufnahmen von Daniele Ciprì, die gerade in den Schneefall-Szenen betörend schön sind... ein großartiger Soundtrack von Carlo Crivelli: ein kreiselndes Gemenge von Instrumenten, von denen jedes irgendwie hervorzustechen scheint, ohne sich wirklich in der Vordergrund zu drängeln... (Scheinbar muss man ein großer Künstler sein, wenn man schon Carlo Crivelli heißt.) Ergänzt wird er noch von ein paar tollen, populären Songs... Tolle Darstellerleistungen (wobei wohl nur Bejo als Star durchgeht; die anderen sagten mir jetzt jeweils nichts, haben aber Eindruck hinterlassen): Bérénice Bejo, schön & ungemein warmherzig & einfühlsam; Valerio Mastandrea, ein in sich gekehrter Trauriger in bester Jeremy Irons-Tradition; Fabrizio Gifuni, unerhört zwielichtig und latent bedrohlich in einem kurzen, geradezu geheimnisvollen Auftritt; Barbara Ronchi, die wirklich eine ungemein sympathische Mutter abgibt... da wirkt die Fixiertheit der Hauptfigur auf die Mutter gleich nochmals ein bisschen verständlicher...

Diese Fixiertheit ist zugleich die Schwachstelle des Films: Dass der Verlust eines heißgeliebten Elternteils in jungen Jahren Auswirkungen haben kann, die sich indirekt ein ganzes Leben lang bemerkbar machen, will ich gar nicht leugnen; es sieht bloß ein wenig flach aus, wenn man das ganze Leben auf 2,33 Stunden Stunden und ausschließlich auf den Verlust und dessen Auswirkungen komprimiert... aber das ist so ein Problem, an welchem sich Filmemacher bei bestimmten Themen häufig einen Bruch heben; liegt weniger an ihnen, sondern eher an der Natur des Problems... (Und weil der Film zB - als Massimo, die Hauptfigur, einen Leserbrief beantwortet und dabei die Liebe zur Mutter, die Liebe einer Mutter preist - darauf verzichtet, seiner Antwort einen großen Erfolg beim Leserbrief-Verfasser zukommen zu lassen, sondern dessen Mutter bloß einen hämischen, flappsigen Kommentar reißen lässt, wirkt er auch weniger sentimental, als man befürchten könnte...)

Erstaunlich ist die zeitlich springende, recht episodenhaft und frei anmutende Struktur des Films, der lange gar nicht erkennen lässt, was er eigentlich erzählen will und mitzuteilen hat... abgesehen davon, dass das Verschwinden der Mutter zu Beginn etwas Mysteriöses in sich birgt, auf dessen Klärung man wartet, kristallisiert sich bloß ganz, ganz langsam eine rote Linie heraus, die man vereinfach so beschreiben könnte: Hauptfigur schützt sich nach dem Verlust der Mutter, indem sie andere Menschen nicht zu dicht an sich heran lässt; wird beruflich erfolgreich, innerlich aber nicht erfüllt; erkennt sich selbst und geht aus sich heraus; erfährt letztlich vom Suizid der Mutter und muss diesen vermeintlich egoistischen Akt auch nochmals verarbeiten.
Und es ist schön zu sehen, wie unaufdringlich, aber konsequent der Film mit Symbolen, Analogien, Vorausdeutungen usw. arbeitet. Der Suizid der Mutter durch Sprung in die Tiefe ist schon zu erahnen, als in einer Rückblende Mutter & Sohn bei der mehrfach erinnerten "Belphégor"-Sichtung Juliette Grecos tödlichen Sprung in die Tiefe betrachten. (Und so ein Sprung wird dann nochmals wiederkehren, als Massimo im Schwimmbad seiner Freundin beim Sprung vom Sprungbrett zusieht... ein früheres Tourneur-Zitat wird hierbei auch gleich nochmals aufgegriffen...) Überhaupt wird intensiv mit Film-im-Film-Aufnahmen gearbeitet: Der Fernseher wird geradezu zum Fenster in eine Wunsch-/Alptraumwelt, während zugleich das Fenster der Wohnung (oder das Fenster, durch welches Nosferatu in einem anderen Filmausschnitt innerhalb des Films blickt) eine Art romantischen Sehnsuchtsraum zu präsentieren scheint. Film als Fenster zur Welt, die Traumfabrik... das sind bekannte Diskurse, die hier ganz elegant eingespannt werden...

Ab und an eine Spur zu akzentuiert & bedeutungsschwanger; aber zwischen 7 und 8 schwankend, würde ich mich dann doch noch auf die 8/10 festlegen... Ich wünschte, der würde die Aufmerksamkeit erhalten, die völlig zu Unrecht den zynischen, uneigenständigen Fellini-Plagiaten von Paolo Sorrentino zukommt, der leider derzeit als der große Filmkünstler Italiens durchgeht.


(Ist schon seltsam; da trage ich vor vier Tagen ein Profil für Juliette Gréco ein und erinnere mich dabei, dass ich eigentlich endlich mal die "Belphégor"-DVDs erwerben will, und dann werde ich im spontanen, gänzlich unvorbereiteten Kinobesuch von "Belphégor"-Ausschnitten überrascht, in denen dann gegen Ende auch die Gréco in einer schönen Großaufnahme präsent ist... Und natürlich ist die 65er-Belphégor-Version zu sehen, nicht die 27er Version, wie die IMDb es behauptet...)
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Kinomensch

Puh, was gab es zuletzt denn so... ich beschränke mich fürs erste mal nur auf die Highlights:

Casanova {1972, Federico Fellini}
Anfangs war ich etwas orientierungslos und wusste nicht so recht, was ich von dem Film halten soll.
Aber je weiter ich geschaut habe und umso mehr ich im nachhinein darüber nachdenke, verstehe ich seine Aussage immer mehr.
Als sexuelle Frauenfantasie kann Fellinis Casanova nicht herhalten, das ist ganz und gar unmöglich. Von solch einem Mann kann man nicht träumen.
Ich hatte viel eher das Gefühl, es handelt sich um eine krasse, etwas bizarre Demontage des Mythos, und Fellini spottet über die gesamte Menschheit.
Kein gut verdauberer Film, kein Schmaus fürs Auge, aber doch auf seine Weise faszinierend.

Wertung: 8 von 10 Punkten


The Beguiled {2017, Sofia Coppola}
Visuell um einiges ergiebiger als die Siegel-Adaption, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu nahe an dessen Script.
Ist schon etwas länger her dass ich die alte Verfilmung gesehen habe, aber manche Szenen kamen mir wie 1:1 nachgedreht vor.
Colin Farrel als Hahn im Korb macht seine Sache ganz gut, aber die Fußstapfen von Eastwood sind dann doch etwas zu groß.
Dafür sind die weiblichen Akteurinnen absolute Weltklasse. Neben Nicole Kidman, ist vor allem Elle Fanning einer meiner Garantinnen für einnehmende Kinominuten.
Wie immer ganz bezaubernd. Unterm Strich eine sehr positive Überraschung.

Wertung: 8 von 10 Punkten


Seraphim Falls {2006, David von Ancken}
Ziemlich guter Rache-Western, der leider überall ziemlich floppte. Kameramäßig, ist der Film schlicht grandios. Es sollten einfach mehr Filme in New Mexico gedreht werden.
Und Brosnan in seinem Überlebenskampf mit nur einem Bowie-Messer und dem wissen, dass seine Verfolger konstant hinter ihm her sind, hat überzeugt.
Jetzt weiss ich auch, woher Inarritu die Idee mit dem Pferd für "The Revenant" her hat (aber sowas ähnliches gab es auch schon in Rob Roy).
Ein guter bis sehr guter Film. Mit tollen Kurzauftritten von Wes Studi und Anjelica Huston.

Wertung: 7 von 10 Punkten


Ludwig II. {1972, Luchino Visconti}
Mit einem Wort: Überwältigend!

Wertung: 10 von 10 Punkten


Un Moment d`egarement {2015, Jean-Francois Richet}
Schöne Sommerdramödie über einen unüberlegten Moment der Verführung. Jetzt bin ich aber mal neugierig auf das Original und die US-Variante "Schuld daran ist Rio".

Wertung: 8 von 10 Punkten


Ps: Ist es eigentlich in Ordnung, wenn ich die Filme beim Originaltitel nenne? Schreibe dazu auch immer das Entstehungsjahr und den Regiesseur...
Es gibt nämlich manchmal so ein nerviges Namenswirrwarr mit deutschen Titeln, von daher nenne ich immer lieber gleich die Originalen Titel.

Eric

Zitat von: Kinomensch nach 27 August 2017, 17:26:37
Ps: Ist es eigentlich in Ordnung, wenn ich die Filme beim Originaltitel nenne? Schreibe dazu auch immer das Entstehungsjahr und den Regiesseur...
Es gibt nämlich manchmal so ein nerviges Namenswirrwarr mit deutschen Titeln, von daher nenne ich immer lieber gleich die Originalen Titel.


Jep, so kann jeder ohne grosse Mühe nachsehen welchen Film genau du meinst ohne das es zu Verwechslungen kommt.


LG

ERIC
Liebe Ursula,
wünsch dir frohe Ostern, nen tollen Namenstag und nen guten Rutsch ins Jahr 1978!
Grüsse aus der Alzheimergruppe, deine Tante Günther!

Ich hasse Menschen, Tiere + Pflanzen. Steine sind ok.

Retro

LUCKY LUKE (2009)



Daisy Town, die kleine Stadt in der Lucky Luke aufgewachsen ist, soll eine Eisenbahnstation erhalten.
Allerdings ist die Stadt inzwischen total heruntergekommen, die letzten Einwohner verstecken sich, und werden von Gesetzlosen terrorisiert.
Der US-Präsident persönlich reist mit der "Rail Force One" an, um Luke zu überreden die Stadt als Sheriff aufzuräumen.
Der Gangster und Kartenspieler Pat Poker beherrscht die Stadt, und auch Billy the Kid und Jesse James tauchen dort auf.
Bei einem Duell mit Pat Poker scheint Luke allerdings seine legendäre Treffsicherheit verlassen zu haben-
er schießt diesem nicht wie gewollt die Waffe aus der Hand, sondern sieht sein gegenüber blutend zusammensacken.
Da sich Luke geschworen hat, niemals jemanden zu töten, beschließt er in Zukunft ein ruhiges und gewaltloses Leben als Farmer zu führen.
Calamity Jane holt Luke allerdings aus seinem Stimmungstief heraus und rettet ihm sogar das Leben.
Gouverneur Cooper will Luke daraufhin für seine bisherigen Verdienste als Belohnung die Ausreise aus den USA nach Europa finanzieren.
Allerdings wollen sich Billy the Kid und Jesse James immer noch mit Luke messen und lauern ihm bei der Abreise auf.
Luke kann Jesse James zwar überwältigen- doch Billy the Kid schießt mit Luke's Colt auf ihn... welcher aber nur Platzpatronen enthält.
Steckt dahinter ein gemeiner Plan um Luke für immer loszuwerden?
Da unter diesen Umständen auch kein ehrenwertes Duell möglich ist, schließen sich auch Jesse James und Billy the Kid nun Lucky Luke an-
und kommen einer großen Verschwörung auf die Spur...

Man mag von dieser Verfilmung, und einigen kleinen Änderungen gegenüber den Comics halten was man will- er hat unbestreitbar einige Pluspunkte.
Das fängt an bei Hauptdarsteller Jean Dujardin, der einfach unglaublich gut in diese Rolle passt. Da kann man wirklich nur sagen: "Dujardin IST Lucky Luke"!
Auch die generelle Cinemascope-Optik des Films ist hochwertig, überrascht mit einigen ungewöhnlichen Kamerawinkeln und generell schönen Bildern und tollen Sets.
Zudem hat man es geschafft, gleichzeitig bunt wie die Comics, aber in den richtigen Momenten auch schön dreckig daherzukommen.
Generell gibt es sehr viele Anspielungen auf die Comics, was den geneigten Fan trotz ein paar Neuerungen an der Geschichte erfreuen dürfte-
schließlich enthielten schon die Comics immer wieder Anspielungen auf diverse Filme und Schauspieler.
Die Freigabe ab 12 ist gerechtfertigt, im Vergleich zu den Comics geht es hier doch ein klein wenig brutaler zur Sache,
einige (nicht allzu) blutige Schusswunden gibt es durchaus zu sehen- und generell ist schon die Vorgeschichte eher im Stil klassischer, dreckiger Italowestern gehalten.
Herrlich sind auch die Anspielungen auf die in den 80'er vorgenommenen Zensuren der alten Comics, Stichwort "Zigaretten".
Kommen wir zu den Änderungen in der Geschichte:
Luke hat laut dem Film noch nie zuvor getötet- das trifft aber nur auf späteren (teils überarbeiteten) Comics zu.
Wer die ganz alten Originalzeichnungen aus den 50'er Jahren kennt (oder die "Gesamtausgaben" der Comics besitzt) kann vom Gegenteil berichten.
Damit kann man leben, dürften wohl eh nur wenige davon gewusst haben.
Was manchen alten Fan aber eventuell stören könnte, ist Luke's Geschichte wie er zu seinem Namen kam.
Diese war (meines Wissens) vorher so nirgends in den Comics erwähnt, und zumindest die alten kenne ich größtenteils...
Demnach ist Luke Halbindianer, und heißt mit Vornamen eigentlich John- wird später aber "Lucky" genannt, weil er als einziger den Mord an seiner Familie überlebt hat.
Wer unbedingt meckern will, darf sich noch über das fehlen einiger bekannter Nebenfiguren aufregen: Die Daltons tauchen hier nicht auf- ebensowenig Rantanplan.
Dafür sind der Erwachsene Billy the Kid (immer noch kindisch und Lolli-Süchtig), Jesse James (Shakespeare-Freak) und vor allem Calamity Jane hervorragend getroffen.
Der Film macht definitiv Spaß, wer mit den Comic-Vorlagen aber nicht besonders vertraut ist, dürfte sich über manches wundern, was die Comic-Fans dagegen erfreut.
Schade, dass es mit dieser Besetzung nie zu einer Fortsetzung gekommen ist...

8/10

Da mich der Film jetzt durchaus richtig begeistert hat, kommt demnächst noch ein bisschen mehr zum Thema Lucky Luke.
Ausserdem muss ich mir wohl irgendwann die ganzen alten Comics wieder zulegen, welche ich mal hatte...

Hitfield

Zitat von: Retro nach  7 September 2017, 13:06:30
LUCKY LUKE (2009)




Den fand ich überraschenderweise auch äußerst gelungen. Aus meiner Sicht eine ausgezeichnete, eigenständige Verfilmung der Comic-Vorlage. Kamera, Licht, Farbgestaltung und Ausstattung waren super, die Inszenierung schnörkellos und der Film durchweg sehr gut besetzt. Plus ein Hauch Terry Gilliam-Flair. 7,5 / 10
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Retro

Ich kannte bisher nur die Trickfilme, welche ich als Fan der Comics ganz nett fand.
Nachdem ich den obigen Film aber richtig gut fand, habe ich mir auch noch die beiden anderen Realfilme bestellt.
Ich erwarte zwar nicht viel, aber mal sehen.
Besonders Til Schweiger kann ich mir einfach gar nicht als Luke vorstellen,
Terence Hill schon eher, obwohl ich auch von ihm nicht gerade ein großer Fan bin.
Deshalb habe ich diese Filme bisher auch immer links liegen gelassen...  :icon_mrgreen:

Wie auch immer: Ich werde demnächst berichten!  ;)