Autor Thema: Die letzte Sichtung  (Gelesen 244676 mal)

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Offline EddieSpaghetti

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1680 am: 17 Februar 2018, 23:26:07 »
Eigentlich stand an diesem Wochenende ein Dreier mit der Mangler Trilogie auf meinem Zettel. Den ersten Teil hatte ich irgendwann mal gesehen, ob vollständig oder nur teilweise weiss ich nicht mehr. Auf jeden Fall kam mir einiges sehr bekannt vor. Wirklich kein guter Film. Die Story ist recht lahm, wenigstens retten die zumindest solide Atmo und Englund den Film noch zu einem Durchschnittswert.

Hinterher gabs dann den zweiten Film. Argh was für eine Qual: ein hanebüchender Unsinn. Story, Dialoge, Darsteller, alles auf gruseligem Niveau, selbst Lance Henriksen (mit sowieso wenig Screentime) rettet da gar nix. Hatte von vorn herein keine grossen Ansprüche an die Reihe, aber das war ja nun gar nix und somit wird der dritte Film ein anderes Mal geschaut, nach dieser Gurke ist mir die Lust auf einen weiteren Mangler vergangen.

Online JasonXtreme

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1681 am: 26 Februar 2018, 11:27:37 »
THE EDITOR hey der war echt witzig! Ich als eher Nicht-Giallo-Fan war wirklich überrascht! Ich kenne Manborg und Fathers Day von dem Team noch nicht, werde mir die aber nun wohl mal ansehen müssen! Handwerklich absolut top, was Farbgebung, Kameraarbeit und Sound angeht, die Darsteller sind auch klasse und diese Paarung von ernster und harter Giallomanier mit skurril-witzigen Einlagen ist gelungen. Für ne 16 geht der manchmal auch gut nach vorne, Paz de la Huerta trübt das Ganze dank ihrer Fratze leider etwas, wer die engagiert... kann ich nicht nachvollziehen. Die Hommagen an etwaige Gailli oder gerade auch Über dem Jenseits von Onkel Fluschti sind hervorragend gelungen, und ich haue mal sehr wohlwollende 7,5/10 raus!

DJANGO NUDO UND DIE LÜSTERNEN MÄDCHEN VON PORNO HILL da fehlen einem die Worte! Was "Kameramann" I. M. Blind da gezaubert hat ist wohl der erste Western im Found Footage Bereich - wenn man das Film nennen kann. Erwin C. Dietrich präsentiert die Full Frontal Verdummung an Synchro, gepaart mit Darstellern die sich das nicht schimpfen dürften und jeder Menge 70er Jahre Titten in einer nicht oder rudimentär vorhandenen Handlung. Ok mit Bier, Schnaps und Kumpels wars in einigen Szenen witzig - der Steine und Gräser Monolog von Django is die Hölle auf Erden.
"Hör mal, du kannst mein Ding nicht Prinzessin Sofia nennen. Wenn du meinem Ding schon einen Namen geben willst, dann muss es schon was supermaskulines sein. Sowas wie Spike oder Butch oder Krull, The Warrior King, aber NICHT Prinzessin Sofia."

Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1682 am: 28 Februar 2018, 01:49:44 »
The Post (2017)

Es steckt vielleicht ein bisschen Koketterie darin, als Steven Spielberg einen so unspektakulären, ruhigen, relativ trockenen Film zu drehen. War aber nett anzusehen. (Wirkt teilweise wie ein ganz direkter Affront gegenüber Trump.)

Ich hoffe doch sehr, dass noch ein paar Regisseure historische Ereignisse aus ihrer Jugendzeit als Historienfilme umsetzen, die so zwischen 1967 und 1978 angesiedelt halbwegs mit der Chiffre '68 in Verbindung gebracht werden könne. Ein paar zeitgenössische Filmplakate (u.a. "Joanna" (1968) - wer hätte den erwartet! -, "Valley of the Dolls" (1967), "Planet of the Apes" (1968)) sind als Bonmot dabei... Und "All the President's Men" (1976) schwirrte auch immer ein bisschen mit. (Am Ende wird - leider arg überdeutlich & geradezu penetrant, damit es noch der Letzte versteht - auf die Watergate-Affäre verwiesen... Vielleicht hat da aber auch die dt. Synchro etwas hinzugemogelt...(?))
Pakulas Klassiker war aber wesentlich formvollendeter in Szene gesetzt worden. Bei Spielberg leistest sich die Kamera neben einer diskutablen Unruhe auch ein paar unnötige Extravaganzen, die eher stören.
Im Gegensatz zu einem "Spotlight" mit dem grausigen Howard Shore-Gebimmel hat John Williams für Spielberg erstaunlicherweise einen geringfügig besseren Soundtrack zusammengeschustert, der aber in berühren sollenden Szenendoch konventionell trieft und schmalzt.
Dramaturgisch ist Spielbergs "The Post" aber doch eine Ecke anders gelagert, geht es hier doch um die Pentagon Papers, also weniger um investigativen Journalismus sondern eher um den Grundsatzstreit zwischen Presse und Regierung...
Ich frage mich, ob das Drehbuch eher auf Whistleblower und starke Frauen setzte und der ganze Trump-Anteil dann glücklicherweise noch ganz von selbst hinzu kam. Ist jedenfalls eine recht geglückte Verschmelzung von Historie und Aktualität.
Eine unaufgeregte 7/10 würde ich durchaus vergeben... (leider hat das Cinemaxx das Bild doch recht auffällig beschnitten... eventuell aus 1,85:1 1,78:1 gemacht...)



Wind River (2017)

Ist ohne Frage ein starker Film, ich will den gar nicht kleinreden. "Sicario" gefiel mir besser, der ist inszenatorisch eine ganze Ecke souveräner und arbeitet dramaturgisch mMn auch etwas besser.

"Hell or High Water" habe ich bisher nicht gesehen; momentan habe ich den Eindruck, dass Sheridan Gefallen an verletzlichen Frauen und harten Männern hat.
Bei "Sicario" war es - und ich weiß nicht, ob es am Drehbuch lag oder daran, dass Villeneuve immer wieder sehr positiv konnotierte, edelmütige Frauengestalten in Szene setzt - zumindest so, dass die weibliche Hauptfigur die anständigste Figur, die dann erkennen muss, dass sie benutzt wird... (und die, das wäre der unschönere Aspekt, etwas illusorisch an ein Problem herangeht, das von harten "Machern" mit ganz eigenen Regeln bearbeitet werden muss... Aber dieser Aspekt tritt ja nie so klar zutage und wird eigentlich durch vielerlei Details doch eher entschärft...)

"Wind River" ist nun aber doch ein Film, der recht konventionell als "schwache Frau, starker Mann"-Buddy Movie funktioniert. (Natürlich wird der Heimvorteil Renners plausibel erklärt, aber darum geht es mir gar nicht; man kann auch eine gleichwertige Beziehung plausibel erklären... Und dass es am Rande auch ein Film über weibliche Opfer und männliche Täter ist, ist in dieser Beziehung unerheblich.)
Vielleicht würde mich das gar nicht so stören, wenn der Film nicht zumindest zweimal recht deutliche Anleihen beim Über-Thriller "Silence of the Lambs" machen würde, wo die weibliche Hauptfigur doch wesentlich besser wegkommt.

Ansonsten: Klar, interessant, kraftvoll verkörperte Figuren, sauber inszeniert, unterhaltsam, ein bisschen berührend, spannend, anklagend und eine der großen US-Ungerechtigkeiten behandelnd, die man ja recht erfolgreich aussitzen wollte... (oder es zumindest getan hat...)
Dass aber die Hintergründigkeit des Geschichte gleich zu Beginn offen zutage liegt und der Kriminalfall dann sehr simpel mit einer Massenvergewaltigung aufgelöst wird, ist doch (trotz angerührter Täter-Motivationen) etwas enttäuschend. Dramaturgisch geschickt ist doch eher eine komplexere Auflösung einer weniger trivialen Tat, die eine Hintergründigkeit erst so richtig in den Film hineinführt... Das war zumindest - vom sinnigen Überraschungseffekt abgesehen, dass es wirklich mehrere Täter gibt - einfach ein - trotz spannender Schießerei - unspannendes Ende...
7-8 würde ich aber vergeben.
« Letzte Änderung: 28 Februar 2018, 01:52:35 von PierrotLeFou »
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Offline Wolfhard-Eitelwolf

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1683 am: 10 März 2018, 11:36:47 »
Mit Hungrig https://ssl.ofdb.de/film/302560,Hungrig liefert Netflix derzeit einen brauchbaren, nicht jugendfreien Beitrag zum Zombiegenre aus Kanada. Die Flucht vor sich zügig fortbewegenden Untoten / infizierten a la 28 days findet hier fast ausschließlich in Mutter Natur statt und hebt sich damit von vielen Genrekollegen durchaus wohltuend ab, ist darüber hinaus souverän wie atmosphärisch in Szene gesetzt und mit solide agierenden Darstellern versehen. Für den ganz großen Wurf reicht es am Ende nicht, dafür bleibt das Ganze dann doch etwas zu unspektakulär und ohne echten Krachermoment. Spannung und Goregehalt gehen voll in Ordnung.

gute 7 / 10

Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1684 am: 14 März 2018, 00:15:29 »
Lucky (2017)

Ich kann mich den begeisterten Kritiken nicht anschließen. Sicher, toller Schauspieler und eine angemessene Rolle für ein Abschiedswerk, aber doch ziemlich platt, im Tonfall etwas unausgegoren; teilweise werden Pointen ewig lange angekündigt und am Witz sticht am ehesten die Konstruiertheit hervor. Ist inszenatorisch manchmal ganz beachtlich, manchmal auf grausigem TV-Niveau.
Teilt mMn das Schicksal vieler dramaturgisch entschlackter Filme mit stark gealterten Stars über das Altern und Sterben, die mitunter von erheblich jüngeren Regisseuren in Szene gesetzt werden. (Sehe ich in in einer Liga mit "The Whales of August"...) Manche Szenen ertrinken in schmalzigen Stammtischweisheiten zum Fremdschämen (intelligenterweise auch am Stammtisch geäußert, was es wohl entschuldigen soll), was auch durch ironische Wendungen nicht ausgeglichen werden kann.
Zwischendurch auch ein, zwei kluge, aber nicht gerade neue Gedanken inmitten der zahlreichen, auf Versöhnung ausgerichteten "Altern ist unschön"-Klischees...
Nette Nebenrollen, die den Film teilweise etwas zerfasern. Gute 6/10...
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Offline Retro

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1685 am: 17 März 2018, 19:49:15 »
Am Donnerstag gekriegt, heute angesehen:



Ich mach's mal kurz und knackig...

"The great Wall" hat mich positiv überrascht.
Zwar jede Menge CGI, aber gute Darsteller, eine nette Geschichte, fiese Gegner- und richtig coole Fallen bzw Waffen, welche gegen diese eingesetzt werden.
7/10

"Transformers - The last Knight" ist unerträglich, wir haben nach etwa 80 Minuten (von 155 abgebrochen).
Das ist besonders schade, da mir der Vorgänger noch am besten dieser Reihe gefallen hat. Aber dieser hier geht einfach gar nicht mehr.
Ohne Wertung, da nicht beendet. Tendenz zu einem Punkt für die wie immer guten Tricks.

Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1686 am: 17 März 2018, 20:28:57 »
Dem kann ich mich nur anschließen. Gehöre auch zu den wenigen, denen "The Great Wall" wirklich gut gefallen hat. Prima Besetzung, gute Action und Effekte, leichtes "Starship Troopers"-Feeling und sogar das Drehbuch fand ich ziemlich gut, weil man sich an die eigenen Spielregeln gehalten und alles in sich logisch aufgebaut und durchgezogen hat. Locker 7,5 / 10.

Den letzten "Transformers" habe ich dagegen auch kaum ertragen und nur durchgehalten, weil ich während der zweieinhalb Stunden auf dem iPad gespielt und gesurft habe. Das war einfach der Tiefpunkt der ohnehin miesen Reihe. Lediglich Teil 1 (netter guilty pleasure Blockbuster) und Teil 3 (hatte einige tolle Actionszenen, vor allem mit den kollabierenden Wolkenkratzern) konnte ich etwas abgewinnen. 1 / 10
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Offline Stefan M

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1687 am: 21 März 2018, 12:26:44 »
Ich habe mir kürzlich die "Nightmare on Elm Street"-Box gekauft, als sie mir für 20 Euro vor die Flinte kam. Ich meine, sieben Filme à nicht mal 3 Euro. Dazu konnte ich nicht Nein sagen. Abgesehen von dem ersten Teil habe ich einige Filme der Reihe teilweise bestimmt 15 Jahre nicht mehr gesehen und war sehr gespannt, ob ich ihnen noch genauso viele Sympathien entgegenbringen kann wie damals - und glücklicherweise mag ich sie immer noch.

Im Gegensatz zu den anderen langlebigen Slasher-Reihen wie "Halloween" und "Freitag der 13." haben die "Nightmare on Elm Street"-Streifen auch keinen wirklichen Aussetzer in der Reihe. Selbst das viel kritisierte böse Stiefkind - Teil 2 - hat bei mir in der Gunst eher noch gewonnen als verloren, auch wenn der schon stellenweise unfreiwillig komisch ist. Dafür hat er eine der besten Sequenzen der gesamten Serie (Freddys Herausbrechen aus Jesses Körper, das tatsächlich nicht nur angemessen widerlich, sondern auch wirklich furchterregend ist) und ist recht interessant wegen seines schwulen Subtextes (wobei - "Sub" kann man das schon nicht mehr nennen, wenn in gefühlt jeder zweiten Szene ein halbnackter männlicher Oberkörper in die Kamera gehalten wird, Jesse in der Not lieber bei seinem besten Freund, mit dem er auch gern mal balgt, übernachtet als bei der Freundin und der böse Sportlehrer den armen Jesse zum Schwitzen bringt - ich mag nicht glauben, daß Jack Sholder das angeblich übersehen haben will).

Mein Favorit und auch einer meiner Lieblingshorrorfilme, weil auch von jungen Jahren mein ständiger Begleiter, bleibt das Original, das ganz bestimmt nicht ohne Schwächen ist, vereinzelt auch in seiner Gesamtkomposition etwas roh und eckig wirkt und nicht so tadellos durchkomponiert wie "Halloween". "Halloween" hatte auch bessere Schauspieler. Dennoch nimmt der Film seine jungen Figuren ernst, obwohl auf den ersten Blick etwa der coole Rod wie das Musterarschloch, das den Tod mehr als verdient hat, rüberkommt, aber in Wirklichkeit seine eigenen Ängste hat. Es gibt hier keine Stereotypen, maximal noch Johnny Depp, der wirklich 'ne extrem trübe und ignorante Tasse verkörpert. Die finstere Atmosphäre ist nahezu erdrückend, die wilde Musik eindeutig Kind der 80er, aber großartig, die Mordszenen (vor allem die erste) atemberaubend gut inszeniert - und denkwürdig. Gleichzeitig kann man auch sämtliche logische Ungereimtheiten verzeihen, weil in Träumen alles möglich ist (und das Ende andeutet, daß sich Nancy in einem Traum im Traum befindet).

Die Filme 3 bis 6 würde ich allesamt auf ähnlichem Niveau verorten: Teil 3 ist vielleicht der kreativste, zumal er erstmals die Möglichkeiten der Träume voll auslebt und in seinen schrägen Traumwelten einige bizarre Momente kreiert (die Freddy-Schlange). Allerdings muß man nun auch den Wandel von Freddy zum lustigen Sprücheklopfer schlucken. Da gehöre ich leider auch zu der Kategorie, die Freddy lieber schweigsam und sich seiner Bedrohlichkeit besinnend mögen. Teil 4 verfügt über den wohl höchsten Bodycount, ist insgesamt aber auch am konventionellsten geraten, während Teil 5 mit der anstehenden Geburt eines Babys, in dessen Träume sich Freddy ebenfalls einnistet, wieder einen etwas anderen Weg geht. Die Opferzahl sinkt beträchtlich, was aber nicht stört, weil man sich bei den Traummorden wieder sehr viel Mühe gegeben hat. Außerdem kommen einige überraschend anrührende Szenen zwischen Heldin und Vater zustande. In "Freddys Finale" wird mit den Clownerien des Killers nun wirklich übertrieben, aber auch wenn der Film sich teilweise wie eine Horrorkomödie spielt, ist dann aber in den Rückblenden mit Freddy als Familienvater wiederum sehr ernsthaft. Schön surreal wird's dabei auch angenehm häufig (das ständig herabfallende Haus, in dem eine der Hauptfiguren ständig wach wird). Insgesamt sind besagte vier Teile aber alles Filme, die allein durch die Vielzahl an Traumwelten unterhalten. Da gibt es selten Durststrecken, ständig ist was los. Kein langsamer Spannungsaufbau, sofort voll auf die Zwölf.

"Freddy's New Nightmare" - wieder von Wes Craven gedreht - gefällt mir nach dem Original nach wie vor am besten. Freddy wieder düster, mit nur spärlichen Auftritten, Heather Langenkamp merklich gereift als Schauspielerin (und bildhübsch), dazu die pfiffige Idee, die ersten sechs Teile und somit auch Freddy Krueger in diesem Film als reine Fiktion abzustempeln, der sich aber den Weg in die Realität bahnt und die Filmcrew des ersten Teils bzw. deren Angehörige heimsucht. Hinzu kommen einige sauspannende Szenen. Besonders schön, wenn Freddy aus dem Kleiderschrank springt und Heather ein "Miss me?" zublökt, denn damit wendet er sich zugleich auch an das Publikum vor den Bildschirmen, die sich ja öfter den düsteren Schurken zurückgewünscht haben. Am Ende folgen noch schöne Rückgriffe auf Teil 1, die auch dafür entschädigen können, daß Freddy hier echt wenig drauf hat. Für mich der krönende Abschluß der Reihe. Der unterhaltsame "Freddy vs. Jason" existiert für mich zwar auch, aber gehört irgendwie nicht richtig dazu.

Bei der Punkteverteilung bin ich nach der letzten Sichtung bei 9 - 6 - 7 - 6 - 6 - 6 - 8 verblieben.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

Offline Retro

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1688 am: 23 März 2018, 23:57:57 »


Habe heute die Blu-ray von einem Arbeitskollegen gekriegt...
Ihm gefiel der Film nicht, mir dagegen wider erwarten ziemlich gut.
Für 5€ ist er mein war die Ansage- und da ich auch die anderen habe, musste ich zuschlagen.
Ich mochte Teil 1 bis 6, nur Teil 7, "Vollendung" hat mir überhaupt nicht gefallen.
Dieser achte Film schließt aber gut an die vorherigen an, auch wenn er in zumindest einer bestimmten Szene vorhersehbar war.

7/10 sind da drin!

Offline Stefan M

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1689 am: 28 März 2018, 09:16:58 »
"Die Sch'tis in Paris - Eine Familie auf Abwegen"

Inoffizielle Fortsetzung des französischen Kinohits "Willkommen bei den Sch'tis", die aber inhaltlich nichts damit zu tun hat. Sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades und insgesamt sehr zahm, will aber auch gar nichts anderes sein als eine liebenswürdige Komödie für die ganze Familie. In der gelungenen Synchronisation wird der Sch'ti-Dialekt mal wieder durch ein fiktives Kauderwelsch ersetzt und bringt recht niedliche Ausdrücke hervor. Inhaltlich wird zum x-ten Mal der Kontrast Arm vs. Reich und natürlich der Zusammenstoß von Menschen aus unterschiedlichen Regionen - die hinterwälderischen Sch'tis in der französischen Hauptstadt - wiedergekäut: Mann vergißt seine Wurzeln, besinnt sich aber in Folge des Besuchs seiner Familie (in diesem Fall: nachdem er zwischenzeitlich sein Gedächtnis verliert und geistig 25 Jahre zurück in seine Kindheit als Sch'ti zurückfällt). Nichts Neues also, jedes Konfliktpotential löst sich bewundernswert leicht in Luft auf (da reicht mitunter schon eine einfache "Ich liebe dich"-Beteuerung), weshalb die Affekthandlung des geldgierigen Schwiegervaters, seinen Schwiegersohn über den Haufen zu fahren, schon fast deplaziert in ihrer Bösartigkeit wirkt, aber irgendwoher muß man ja den Gedächtnisverlust herleiten, Klischees werden reichlich bedient. Der Film hat aber wie gesagt auch keinerlei Ambitionen, in die Tiefe zu gehen, sondern stattdessen allerlei Situationskomik zu kreieren. Dabei hat er keine Probleme damit, Slapstick wie zu besten Stummfilmzeiten zu präsentieren, besonders bei den Zwischenspielen mit Pierre Richard (ja, dem Pierre Richard), der - von seiner Familie bei deren Besuch in Paris allein gelassen - sich notgedrungen als Hausmann versuchen muß und dabei das gesamte Haus zerlegt. Erfreulich in dem gesamten Chaos die Zeichnung der Ehefrau der Hauptfigur, die sich - als vermeintliche hochnäsige Zicke - erst damit arrangieren muß, daß ihr geliebter Gatte sich plötzlich wie ein halbes Kind aufführt, aber mehr und mehr Verständnis aufbringt (und sogar Sch'ti lernt).

Bleibt eine stellenweise schreiend komische Komödie (der dürftig gefüllte Kinosaal verfiel nach ruhigem Anfang quasi im Minutentakt in Gelächter) mit liebenswerten Figuren, die nun wirklich keinem, aber wirklich keinem wehtut. 6/10, sogar mit Tendenz zur 7/10.
« Letzte Änderung: 28 März 2018, 09:19:01 von Stefan M »
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1690 am: 11 April 2018, 03:32:04 »
Transit (2018)

Ich hatte mich schon in den wirklich großartigen Trailer verliebt (auch wenn ein Kollege den mit seinem Gequassel fast vollständig übertönt hatte) und wurde auch vom Film nicht enttäuscht. Einer der besten Petzolds und erneut ein Beweis dafür, dass der deutsche Film dank einiger Vertreter wirklich wieder zu alter Größe zurückgefunden hat.
Der Entschluss, Seghers Roman zu erzählen, ihn aber mitsamt seiner historischen Begebenheiten inmitten der Gegenwart anzusiedeln, ist wesentlich radikaler als zB irgendwelche in die Gegenwart verlegte "Romeo und Julia"-Filme mit Shakespeare-O-Ton. Das Ergebnis ist eine manchmal irritierende, aber durchgängig spannende Behandlung von Geschichte, deren Gegenwartsbezug zudem immer deutlich ist. Was in einem billigen TV-Streifen wie "Ausbruch ins Ungewisse" weitestgehend in die Hose gegangen ist, geht hier voll auf - ohne dass auf irgendwelche Feindbilder eingedroschen werden müsste.
Großen Anteil hat daran Franz Rogowski (der auch kürzlich bei Haneke recht erfolgreich mit dabei war) in der Hauptrolle. Und in wundervollen Bildern (und Klängen) wurde daraus ein manchmal ziemlich unangenehmer Film über Angst, Scham, Verantwortung, Opferbereitschaft, der mich bisweilen so sehr berührt hat, dass es dann fast schon wieder seltsam beschämend war, angesichts seiner fröhlicheren, optimistischeren Momente wieder mit guter Laune im Kino zu sitzen... 9/10


Incident in a Ghost Land (2018)

Nach "Tall Man" eine Steigerung Laugiers. Horrorfilm über die Lust am Horror, über die Verarbeitung von Ängsten, über Misogynie, Weiblichkeitsklischees... und über die Emanzipation und Strategien zur Selbstbehauptung. Sieht gut aus, hat Mylene Farmer, ist ziemlich spannend - aber in seinen doch recht langgezogenen Szenen sexualisierter Gewalt wahrlich kein Vergnügen. 8/10

http://www.gemeinschaftsforum.com/forum/index.php/topic,212592.msg1217384.html#msg1217384


Unsane (2018)

"Logan Lucky" habe ich noch nicht gesehen, aber der hier hat mich mit seinem Trailer und dem ungewöhnlichen Format doch ziemlich angefixt. Soderbergh ist doch immer wieder für Überraschungen gut.
Es würde sich jetzt anbieten, über die Einengung des Bildformats und die Einengung der eingesperrten Hauptfigur einige Worte zu verlieren, aber tatsächlich bleibt das doch ein recht banaler Nebeneffekt. (Auch die Abhängigkeit von modernen Medien wird zwar thematisiert, hat aber wenig mit der Inszenierung zu tun; zumal ja der iPhone-Einsatz dafür gesorgt hat, allerlei Freiheiten zu haben...)
Die nicht immer glaubwürdige Stalker-Geschichte (denn esgibt tatsächlich einen Stalker, auch wenn der Filme lange die Möglichkeit anbietet, die Hauptfigur sei einfach bloß ihren Angststörungen erlegen) ist ziemlich kurzweilig und dreht eigentlich permanent an der Spannungsschraube. Aber ein paar Glaubwürdigkeitsprobleme und arge Klischees, die einmal mehr die Schattenseiten sozialer Berufe marktschreierisch des thrills wegen instrumentalisieren, trüben den Gesamteindruck dann doch... Das ist etwas unschön, zumal hier nahezu alle Pflegekräfte wie inkompetente, unmenschliche Maschinen oder Kriminelle rüberkommen. Das wirft ein unschönes Licht auf ein Milieu, das ohnehin (auch hierzulande) mit Imageproblemen zu kämpfen hat. (Dabei sind ja herrschende Misstände ganz offenbar politisch und gesellschaftlich gewollt, und skandlös empfindet man es erst, wenn man selbst zum Opfer wird.)
7/10
« Letzte Änderung: 11 April 2018, 04:23:32 von PierrotLeFou »
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1691 am: 25 April 2018, 01:59:17 »
Lady Bird (2017)

Sehr sympathische, bei aller Komik glaubwürdige Figuren; ein wachsames Auge für die Probleme einer auch für die Eltern entscheidenden Umbruchsphase; keinerlei S/W-Malerei, keine Schuldzuweisungen... Schöner Film über eine Phase, in der alle Probleme weit schwerer aussehen, als sie später im Rückblick erscheinen, und in der die später rückblickend wahrgenommenen Vorzüge völlig übersehen wird. Das ganz große Trara kann ich dennoch nicht nachvollziehen... ich wünschte, bei starken ungarischen oder bulgarischen Filmen würden sich auch alle so begeistert überschlagen - aber das klappt wohl nur bei US-Indie-Streifen, die scheinbar beachtlicher sind als Hollywood-Mainstream, aber eben doch noch verdauliche US-Ware...
8/10


Ghost Stories (2017)

Schade. Ist zwar teilweise haarsträubend gruselig, aber die drei Episoden kommen zunächst unglaublich witzlos daher, während sich immer mehr abzeichnet, dass da noch eine Pointe bezüglich der Identitätstörung der Hauptfigur kommen wird. (Und tatsächlich verarbeitet diese nach einem Suizidversuch auf dem Krankenhausbett "bloß" alte Schuldgefühle und ständig gegenwärtige Ärzte, Pfleger und Reinigungskräfte.) Arg theaterhaft, das letzte Viertel... aber schön bizarr, britisch, creepy.
7/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1692 am: 27 April 2018, 21:43:34 »
Djam (2017)

Mit knapp acht betont-anzüglichen Momenten, die meistens den Intimbereich der Hauptdarstellerin zum Inhalt haben, ist diese Reise durch (nicht nur) griechische Geschichte & Gegenwart doch wesentlich voyeuristischer als es sein musste. Ich anerkenne zwar den Umstand, dass die Freizügigkeit der Charakterisierung der quasi vagabundierenden Titelfigur geschuldet ist, aber die Kamera - die gleich zu Anfang schon einen Blick auf den Slip unter dem Rock wirft - nimmt doch immer wieder Perspektiven ein, die unnötig sind. Das macht den Film - der nun wahrlich kein Erotik-, schon gar kein Sexfilm ist - zwar durchaus manchmal recht erotisch, aber eben auch recht voyeuristisch: Dass der Kamerablick des alten Mannes auf Hinterbacken und Schamlippen der jungen Frau einen feministischen Blick ergeben soll - wie es mancherorts heißt - sehe ich nicht ganz ein. Aber feministische Charakterzüge und voyeuristische Inszenierung ergeben ein seltsames Ganzes, das doch recht spannend ist.
Davon abgesehen ist der Film intelligenter als das meiste, was zur Flüchtlingskrise einst so im TV zu sehen war...
Schwache 7/10...
« Letzte Änderung: 28 April 2018, 12:06:29 von PierrotLeFou »
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Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1693 am: 30 April 2018, 06:06:51 »
Zu meinem Marvel-Marathon in Vorbereitung auf "Infinity War" zählte u. a. auch der folgende Film. Zweitsichtung auf DVD fast 15 Jahre (!!) nach der Erstsichtung im Kino:


Hulk (2003) Regie: Ang Lee

Wow, seit fast 15 Jahren nicht mehr gesehen. Der Film zählt innerhalb der Comicverfilmungen mittlerweile schon fast zur Kategorie "Vintage". Wenn man mal von "Howard the Duck", einigen frühen B-Movies ("The Punisher", "Fantastic Four" von Roger Corman) und der "Blade"-Reihe absieht, markiert "Hulk" zusammen mit dem Start der "X-Men"-Verfilmungen im Jahre 2000 (alle Teile übrigens auch seit damals nicht mehr gesehen) und vor allem dem ein Jahr zuvor neu gestarteten "Spiderman"-Franchise den Anfang einer neuen Ära. "Hulk" war zuvor über ein Jahrzehnt in der Entwicklung, aber selbst der gewaltige Schub im Spezialeffekte-Bereich in den 90er Jahren mit "Terminator 2" und "Jurassic Park" hat nicht gereicht, um den grünen Wüterich angemessen früher umzusetzen.

2003 nahm sich Kunstfilmer Ang Lee des Projektes unter der Federführung von Produzentin Gale Ann Hurd ("Aliens", "Terminator 2") an. Das Budget lag mit 135-140 Mio. genau in dem Rahmen von Sam Raimis "Spiderman" im Vorjahr.

Ich muss sagen, aus heutiger Sicht wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen. Hat mit den heutigen Comicverfilmungen und Sehgewohnheiten nichts mehr zu tun - auch nicht mit Raimis "Spiderman", der sich von der Machart, dem Aufbau und dem Tonfall auch heute noch recht vertraut anfühlt.

Bei Ang Lees "Hulk" handelt es sich letztendlich um ein Psychodrama im Umfeld von Militärbasen und Forschungseinrichtungen. Im Prinzip geht es um Familientragödien und Schuld - und das nicht zu knapp. Zusammen mit dem klassischen Mad Scientist-Ansatz, aber vollkommen frei von Humor und Ironie, dafür sehr deprimierend und düster. Im Prinzip ist das weniger ein Marvelfilm als ein altmodischer Universal-Monsterfilm.

Ich will mich hier nicht noch länger darüber auslassen, nur so viel: die ganze Backstory und das Gerüst ist nicht sonderlich gelungen. Banners Vater, der seinen Sohn als Kleinkind umbringen wollte (warum wird nie ganz klar und macht keinen Sinn; irgendwas wurde an Bruce vererbt, hat aber eigentlich keine negativen Einflüsse auf die Familie; des Vaters sinnlose Selbstzweifel, obwohl er sich doch für eigentlich gar nichts um ihn herum interessiert usw.) und dabei aus Versehen Bruces Mutter getötet hat. Bruces Adaption. Die Rolle des Generals bei der Sache (Sam Elliott) und seine Tochter (Jennifer Connelly), die sich selber an etwas aus ihrer frühsten Kindheit erinnert (was enorm ausgewälzt und betont, aber nie richtig aufgeklärt/vertieft wird). Und Bruces leiblicher Vater (Nick Nolte) taucht dann als Reinigungskraft im Labor auf, weil ihn der General lange weggeschlossen hat. Nolte hat nebenbei drei mutierte Hunde gezüchtet, die ihn begleiten? Und er hat selber instabile Kräfte - kann sich an seine Umgebung anpassen, hat Haut wie ein Seestern und kann zu einem haushohen Elektro-Monster werden, aber auch zu einem noch größeren Stein-Monster. Das ist alles unausgegorener, letztendlich hohler Mist. Und auch das Drehbuch ist sehr holprig, wenn man sich einige Abfolgen anschaut (Hulk wird in einer langen Montage in eine unterirdische Anlage gebracht, nur um gleich wieder zu fliehen usw.).

Die Besetzung ist okay, verrichtet aber keine Glanzleistungen.

Kommen wir nun zum Hulk selber. Es dauert lange, bis er auftaucht und noch länger, bis er bei Tageslicht zu sehen ist. Während in der ersten Stunde wenig passiert, geht es dann ab der Hälfte - spätestens aber im letzten Drittel - richtig zur Sache mit unzähligen geschrotteten Panzern, Hubschraubern und Kampfjets. Sogar Teile eines Canyons werden zu Asche gebombt und Hulk bis ins All hochkatapultiert. Die Effekte sind anders als heute und bei Hulks nachfolgenden Auftritten. Die Effekte sind nicht schlecht, aber sehr speziell. Ich würde nicht einmal sagen, dass es alleine am Technikfortschritt liegt. Wenn man sich darauf einlässt, sehen einige der Einstellungen auch heute noch wirklich gut aus, aber zum sich darauf Einlassen zählt auch, dass der Hulk bei jeder Verwandlung immer größer und größer wird. Der Hulk ist hier um ein Vielfaches massiger und größer als der Ruffalo-Hulk.

Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben, aber komme jetzt langsam zum Ende. Die Inszenierung mit teils mehreren Split-Screens im Bild wirkt aus heutiger Sicht wie ein altbackener, unbeholfener Versuch, ein Comicheft zu imitieren, was auch Ang Lees Ansatz war. Das ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Schade, dass Hulk nie so etabliert werden konnte, dass er schon frühzeitig seine eigene Trilogie bekommen hat wie "Spiderman", "Iron Man", "Captain America" oder "Thor". Stattdessen das Remake 2008 mit Edward Norton - in allen Belangen die bessere, rundere Hulk-Verfilmung mit immer noch sehr guten Effekten, bei denen man trotzdem klar die technische Entwicklung von 2008 bis 2018 sehen kann. Die 2003er-Version fällt dagegen irgendwie aus dem Rahmen, ohne aber richtig mißlungen zu sein. Ach ja, nicht zu vergessen die riesigen (!) Sprünge von "Hulk" in der 2003er-Version, die aber den Vorlagen entsprechen und sehr gut umgesetzt sind.

5,5 / 10
(Erstsichtung: 7/10)

« Letzte Änderung: 30 April 2018, 14:49:41 von Hitfield »
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Offline Wolfhard-Eitelwolf

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1694 am: 30 April 2018, 12:19:33 »
28 Soldiers

Russischer Kriegsfilm über die Schlacht vor Moskau 1941. Laut Texttafeln spendenfinaziert (vielleicht ja auch vom Putin-Staat angesichts der gehobenen Qualität?), was natürlich Skepsis aufkommen lässt. Alles in allem aber trotz jeder Menge Patriotismus und posthumer Heldenverehrung ein ziemlich überzeugend gemachtes Stück Film, das sich zunächst einige Zeit für seine Figuren nimmt, denen man zumeist beim Stellungsbaum zusehen darf. Ab der Hälfte geht's dann rund mit dem (etwas stumpfen, aber nicht Herz aus Stahl-Niveau erreichenden) Anrennen der Deutschen gegen die besagte Stellung. Dabei bilden Kämpfe mit Nahkampfmitteln gegen Panzer einen Schwerpunkt, aber auch Infanteriegefechte sind selbstredend mit dabei. Die zur Schau gestellten Waffen sind mit historischer Korrektheit gewählt und bewirken so einen gesunden Schub in Sachen Realismus und Historizität. Wie viel letztlich CGI war, weiß ich nicht zu sagen. Ich vermute mal, dass man zumindest einen echten Panzer III / IV zur Verfügung hatte und die anderen dann digital geclont hat, ebenso in Sachen Artillerie 15 cm-FH 18 (nur in wenigen Szenen fallen die CGI Fahrzeuge etwas deutlicher auf). Flieger kommen natürlich aus dem Computer, aber da keine Nahaufnahmen vorkommen, fällt das nicht ins Gewicht.

Insgesamt handwerklich absolut überzeugend umgesetzt, mitunter sehr atmosphärisch und auch gut gespielt gibt's von mir 7 / 10 und eine Empfehlung an Genrefreunde.

Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1695 am: 2 Mai 2018, 04:41:52 »
Starkstrom (CAN 1981)
aka Murder by Phone (USA)
aka Bells (UK)

Diese Zweitsichtung dürfte zu meinen Rekorden zählen, was den zeitlichen Abstand zur Erstsichtung angeht. Wird nur noch von "Das Geheimnis von Centreville" getoppt. Beide Filme habe/hatte ich nicht mehr gesehen, seit RTL noch RTLplus hieß. Der Film wurde in Deutschland 1984 auf VHS bei IMV veröffentlicht und wart seitdem nicht mehr gesehen. Keine Zweitauflage, geschweigedenn eine DVD oder gar eine Blu-ray - nichts. Auch international liegt die letzte Veröffentlichung mindestens 35 Jahre zurück.

Beim Horrorthriller "Starkstrom" geht es um einen Außenseiter und Technikfreak, der sich schlecht behandelt und von allen übersehen fühlt, weshalb er teils wahllos Leute mit einem Starkstromstoß umbringt, den er durch die Telefonleitung schickt. Manchmal trifft es unbekannte Leute in einer verlassenen U-Bahn-Station, die den klingelnden Telefonhörer abnehmen, manchmal rächt er sich an Leuten in ihren Wohnungen oder Büros, die ihn kürzlich schlecht behandelt haben.

Für die damalige Zeit gelingt es dem Film ganz gut, beim Zuschauer eine Art Paranoia zu erzeugen, die ihn auch nach dem Film jedes Mal befällt, wenn das Telefon klingelt. "Murder by Phone" wollte für Telefonanrufe in etwa das sein, was "Der weiße Hai" für das Schwimmen im Meer war.

Die Inszenierung ist solide, aus heutiger Sicht aber äußerst altbacken. Die Morde wurden eher simpel und immer nach dem gleichen Schema, aber ziemlich blutig inszeniert. Nicht nur die kanadische Herkunft legt nahe, dass die Macher deutlich von David Cronenberg inspiriert wurden, speziell von "Scanners".

Regie führte der kürzlich verstorbene Michael Anderson, dessen mit Abstand bester Film aus meiner Sicht immer noch "Flucht ins 23. Jahrhundert" ("Logan's Run") ist. Auch das 3-Stunden-Epos "In 80 Tagen um die Welt" (1956) mit David Niven und Shirley MacLaine sowie "Millennium – Die 4. Dimension" haben mir gut gefallen. "Orca – Der Killerwal" und "Der Seewolf" (mit Charles Bronson und Christopher Reeve) dürften ebenfalls recht bekannt sein; und es gehen noch einige andere empfehlenswerte Filme auf sein Konto wie etwa "Geheimaktion Crossbow" mit George Peppard, "Ein Mann geht seinen Weg" mit Gary Cooper oder die Harold Pinter-Verfilmung "Tod in Berlin / Das Quiller-Memorandum" mit Alec Guinness, Max von Sydow und Senta Berger.

Die Besetzung ist okay, reißt sich aber keine Beine aus oder bleibt in Erinnerung. In der Hauptrolle ist Richard Chamberlain zu sehen, der in den 70er/80er Jahren ein ziemlicher Star war. Sein Film "Der Mann mit der eisernen Maske" von 1977 hat mich als Kind damals nachhaltig traumatisiert.

Abschließend bleibt noch das für einen solchen Film beachtliche Budget von 5,6 Mio. kanadischen Dollar zu erwähnen.

Fazit: Furchtbar altbacken (eigentlich auch schon für die damaligen Verhältnisse), solide, belanglos, aber auch kurios und nicht wirklich langweilig. So etwa 4,5 / 10 bzw. schwach befriedigend.


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Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1696 am: 8 Mai 2018, 00:43:48 »
Kürzlich im Kino: Krotkaya (2017)

Loznitsas Jüngster ist doch ein erstaunlicher Einschnitt, ähnlich krass wie sein Wechsel vom Dokumentar- zum Spielfilm. Diesmal kein Historien-/Kriegs-Setting mehr (wenngleich es in details sicher durchschimmert), sondern eine sehr kafkaeske Parabel, die in der Traumsequenz am Ende ausgesprochen surreale, phantastische Züge annimmt und an das phantastische Ostblock-Kino der 70er erinnert. Das Ende fasziniert dann am meisten, auch wenn man da die Pointe im Grunde sehr schnell erkennt und der Film ein wenig auf der Stelle tritt und sich auch ein bisschen zieht... etwas mehr als ein bisschen zieht er sich auch schon in den ersten 100 Minuten.
(Ehefrau will dem Gatten im Gefängnis ein Päckchen zukommen lassen, das aber mit der Post zurückkommt. Auch sie selbst wird nach ihrer Reise in die Gefängnisstadt abgewiesen; Gründe nennt man ihr nicht. Weitere Versuche bringen ihr Drohungen ein, Hilfestellungen von dubiosen Mitmenschen sind ergebnislos und mitunter eher ziemlich unerfreulich. Als sie die Angelegenheit den Anwälten überlassen will und die Heimreise antritt, als man sie in einer Kutsche mit klingenden Glöckchen durch eine idyllische Schneelandschaft der vermeintlichen Lösung entgegenführt: Im Prunk eines alten Russlands wohnt sie - erst als sie ihre besten Kleider anzieht - als stille Zeugin einer Farce der Heuchelei bei, in der viele ihrer Bekanntschaften den Wert des Menschen preisen und gnädig beschließen, den Fall zu bearbeiten: Sie soll ihrem Mann den Präsentkorb überbringen können, die harte Gefängnisstrafe aber bleibt. Auf dem Rückweg wird sie dann aber doch nur vergewaltigt - ehe sie wieder im Bahnhof erwacht aus ihrem Traum, vor welchem sie zuvor schon eine alte Dame gewarnt hatte.)
Loznitsa hatte schon in seinen Dokus einen Hang zur Statik und eine Vorliebe für vermeintliche Nebensächlichkeiten. Das wird hier noch weiter ausgereizt als in anderen seiner Spielfilme: Mitmenschen sind meist mürrisch, weisen einen manchmal sogar mit fast identischem Wortlaut ab; Derbheit, Egoismus, Hartherzigkeit werden im Überfluss zelebriert und alles wird nicht ohne Witz, aber doch so angestrengt in Szene gesetzt, dass sich zu einem sicherlich prätentiösen Eindruck auch noch der Eindruck der Simplizität gesellt. Die Handlung kommt wie die Hauptfigur nicht voran und erlebt immer dieselben frustrierenden Behinderungen in neuen Variationen.
Dass schon sehr früh die Handlungszeit zwar in der Gegenwart verortet wird, aber immer wieder auch äußerst antiquiert und anachronistisch wirkt, wird in der Traumsequenz noch weiter zugespitzt: Hier stecken sicherlich noch einige gehaltvolle Details, die mir bei der Erstsichtung verborgen geblieben sind - überdurchschnittliche Kenntnisse der russischen Geschichte wären sicher hilfreich. Aber selbst wenn es tatsächlich nur eindimensionale "Die russische Gesellschaft ist egoistisch und heuchlerisch und ungerecht"-Polemik (im Zusammenhang mit der Krim-Krise) wäre, so ist sie doch trotz manch nervenzerrend langatmiger Momente ziemlich faszinierend. Inszenatorisch zwar mitunter leicht gewollt/konstruiert/prätentiös, aber doch bei aller Banalität der meisten Ereignisse irgendwie vereinnahmend und gegen Ende dann wirklich überaus betörend.
Dass aber selbst im Künstlerhaus Teile des Publikums nach 1-1,5 Stunden das Handtuch werfen und gehen, spricht sicher auch irgendwie für sich. Pleasure for the few... Ich bin mir etwas uneins und schwanke zwischen 6 und 7 Punkten... Empfehlen würde ich den wahrlich nicht jedem, aber wenn man z.B. Kafka und Bruno Schulz mag oder (neben Losnitzas früheren Arbeiten) z.B. Sarunas Bartas, Pedro Costa und Albert Serra mit Aufgeschlossenheit begegnen kann, dann kann man hier zweifellos reinschauen.
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Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1697 am: 10 Mai 2018, 01:16:08 »
Dracula (GB 1979)

Letzte Sichtung war im Dezember 1995. Ist nicht so gut gealtert wie gedacht. Die Adaption von Regisseur John Badham ("Saturday Night Fever", "WarGames", "Auf die harte Tour", "Drop Zone", "Nummer 5 lebt!", "Codename: Nina" u. v. a.) und Drehbuchautor W.D. Richter ("Brubaker", "Big Trouble in Little China", "Invasion of the Body Snatchers") basiert sowohl auf dem Klassiker von Bram Stoker als auch auf einem Bühnenstück von 1927 zweier legendärer Autoren, auf deren Konto Universal-Horrorklassiker der 1930er Jahre ("Frankenstein", "Die Mumie") ebenso gehen wie Vorlagen wie "Der letzte Mohikaner" (erst 1992 von Michael Mann verfilmt).

Der Film ist 1913 angesiedelt, was auch von der Ausstattung etc. her stilvoll umgesetzt wurde. Einige Effekte sind recht blutig, aber der Film bricht mit einigen Blutsauger-Gewohnheiten. Dracula hat zum Beispiel keine Reißzähne und der Anfang und Showdown auf dem Schiff sind sehr ungewöhnlich. Einige Effektaufnahmen von Altmeister Albert Whitlock, den ich schon immer klasse fand ("Achterbahn", "Papillon", "Die Vögel", "Dune", "Gate - Die Unterirdischen", "Gremlins 2"), sehen auch heute noch super aus wie das Klettern an Außenwänden (wennauch simpel, aber clever umgesetzt) oder das Schloß an der englischen Küste, das Dracula kauft (gibt es nicht wirklich, war nur ein Matte Painting).

Sehr gute Kameraführung von Gilbert Taylor ("Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung", Polanskis "Macbeth", "Das Omen", "Frenzy") und wahrscheinlich der einzige Score, den John Williams jemals für einen Vampirfilm komponiert hat.

Schauspielerisch gibt es zwar keine echten Ausfälle, aber diese Adaption ist zu stark auf das Trio Frank Langella (Dracula), Laurence Olivier (Prof. Van Helsing) und Donald Pleasence (Dr. Seward) zugeschnitten, so dass selbst die hübsche Kate Nelligan in der weiblichen Hauptrolle (als Lucy Seward) und vor allem Trevor Eve (als Jonathan Harker) keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Alles in allem ist die Adaption immer noch okay-gut, aber letztendlich etwas kraftlos und mehr Melodram mit leichtem Erotik-Einschlag als spannender Horrorfilm mit unvergesslichen Szenen. Leider handelt es sich bei der Fassung auf Amazon Instant Video um die seit Anfang der 1990er Jahre geläufige desaturierte Fassung, die von John Badham bevorzugt wird und praktisch alle Farben auf Sepiatöne reduziert. Die Kinofassung und die VHS von CIC waren noch deutlich farbenfroher.

Sehr knapp 6 / 10 (früher gute 7 / 10).
« Letzte Änderung: 10 Mai 2018, 01:29:48 von Hitfield »
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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1698 am: 13 Mai 2018, 16:11:03 »
Ich versuche, mich möglichst kurz zu halten, obwohl man sich über diesen Klassiker seitenweise auslassen könnte:

Giganten (USA 1956)

Das müsste das letzte Epos der Kategorie 'drei Stunden oder länger' gewesen sein, das ich noch nie gesichtet hatte. War über 20 Jahre auf meiner Watchlist, die (sehr gute) Special Edition der DVD stand schlappe 12 Jahre in meinem Regal.

Auf die Story will ich jetzt nicht näher eingehen. Sie basiert auf einem Literaturklassiker, den die Texaner gehasst haben, wogegen die Verfilmung fast schon so etwas wie ein Nationalheiligtum des Lone Star State ist. Obwohl die Geschichte nicht auf einer wahren Begebenheit basiert, erzählt sie recht akkurat den Übergang von Texas als kargen Viehzucht-Staat zur Wiege der Öl-Multimillionäre um die Jahrhundertwende gegen 1900. Viele einfache, ungebildete Rancher, die das Land für wenige Cent gekauft hatten (ein Hektar kostete einen halben Dollar), wurden damals innerhalb weniger Wochen zu Multimillionären. Die Figur des James Dean basiert übrigens durchaus auf einem wahren Vorbild. Der Film endet nach dem 2. Weltkrieg.

Die Kosten der Warner Bros.-Produktion verdreifachten sich fast auf 6 Mio. Dollar, doch statt einer Bruchlandung spielte der Film dann alleine in den USA sagenhafte 25 Mio. US$ ein.

Diesen Klassiker genau zu bewerten ist nicht leicht. Es ist ein alter, epischer Studiofilm wie er im Buche steht mit überkandidelten Stars (Elizabeth Taylor, Rock Hudson, James Dean), langen Einstellungen und Panorama-Landschaftsaufnahmen, wobei ich letztere wegen der staubig-kargen Landschaft nicht allzu beeindruckend fand.

Regisseur George Stevens macht einen guten Job. Vor dem 2. Weltkrieg war er übrigens einer der führenden Regisseure leichter Hollywood-Komödien, inklusive Dick & Doof. In den Tagen und Wochen nach der deutschen Kapitulation sendete ihn die US-Armee u. a. nach Deutschland und Polen, wo er die Befreiung und Leichenberge der Konzentrationslager filmte. Viele dieser Aufnahmen, die wir von Fotos, aus Geschichtsbüchern oder Dokumentationen kennen, sind von Stevens. Nach dieser Erfahrung konnte George Stevens keine Komödien mehr drehen.

Rock Hudson und Elizabeth Taylor sind für sich gesehen gut (vor allem Elizabeth Taylor als schnippisch-vorlautes Nordstaaten-Mädel), aber als Paar funkt es nicht richtig, die Chemie könnte besser sein. Herausragend ist James Dean in seinem dritten und letzten Spielfilm (ansonsten hatte er zuvor nur viel fürs Fernsehen gemacht und war in vier Filmen als Kleindarsteller ohne Namensnennung zu sehen). Obwohl die Rolle verhältnismäßig klein ausfällt, weil der Fokus auf den beiden Familien von Taylor und Hudson liegt, macht seine Figur die größte Entwicklung durch und bleibt am deutlichsten in Erinnerung. Wegen der kleineren Rolle waren die Dreharbeiten für ihn auch Wochen früher vorbei, während die anderen noch beim Filmen und Schneiden waren. Der Rest ist Geschichte: er setzte sich praktisch am nächsten Tag nach Drehende in seinen Flitzer und verunglückte kurz darauf.

Ach ja: auch nach 60-90 Minuten habe ich bis zum Abspann den zur Drehzeit 18/19-jährigen Dennis Hopper nicht erkannt, obwohl er in der zweiten Hälfte eine zentrale Rolle hat. "Giganten" war sein zweiter Film - der erste übrigens "...denn sie wissen nicht, was sie tun" ebenfalls mit James Dean.

Thematisch wird hier viel angeschnitten und heiße Eisen angefasst: das Land, das die Texaner den Mexikanern "gestohlen" haben. Nord- gegen Südstaaten-Mentalität. Frauenrechte und Selbstbestimmung (viele Frauen sind erstaunlich selbstbewusst, wortführend und schnippisch). Und natürlich Rassismus mit dem halb-mexikanischen Nachwuchs, Hoppers mexikanischer Ehefrau, die beim Friseur nicht bedient wird und ohne Begleitung aus dem Restaurant geworfen worden wäre. Besonders überrascht war ich, dass die politischen Dimensionen schon damals angesprochen wurden (sowohl bezogen auf die Filmhandlung in den 1920-30er Jahren als auch auf die Drehzeit Mitte der 1950er Jahre) - ungebildete, einfache, religiös erzkonservative Rancher, die ihre Millionen genutzt haben, die Politik in Washington zu beeinflussen. Die USA und letztendlich die Welt leiden bis heute unter diesen Entwicklungen, die um 1900 ihren Anfang nahmen.

Letztendlich ein guter Film, aber mit krassen Längen. Man muss sich das so vorstellen: der Film dauert über 190 Minuten. Das Drehbuch war nur etwas über 70 Seiten lang. Ein Drehbuch für eine Fernsehserie wie "Star Trek" (nur ein Beispiel, das ich gerade zur Hand habe) umfasst etwa 45-60 Seiten, obwohl eine Folge nur ±45 Minuten lang ist. Man kann sich also ungefähr vorstellen, wie lange der Film bei einigen Szenen und Einstellungen verweilt, obwohl sich nicht viel tut.

Ich habe mir außerdem die gesamte Sonderausstattung der deutschen Special Edition von Warner Home Video angesehen - nochmal knapp 220 Minuten. Ist überwiegend wirklich sehr interessant, wobei die knapp halbstündige Doku "Fernsehausstrahlung der New York Premiere" die Nerven leicht strapaziert (ungefähr 500 Mal "Hello, nice to meet you! How are you?" BussiBussi).

Der Text ist hoffentlich nicht zu lang und langweilig geworden. Habe viele Punkte nur angeschnitten. 7 / 10
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Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1699 am: 14 Mai 2018, 03:49:35 »
Erstsichtung arte/Deutsches Filminstitut

Das Testament des Dr. Mabuse (D 1933, restaurierte Fassung 2014)

Jahrelang um diesen (deutschen) Filmklassiker gedrückt. Ich muss mich wohl mal outen: obwohl seit jeher ein Filmfan, bin ich kein allzu großer Fan von (ur-)alten Filmen und von Schwarzweißfilm-Filmen. Ist natürlich alles relativ. Für die heute 18-28-jährigen sind bereits Filme aus den 1980er Jahren alte, kuriose Filme - und das meinen die völlig ernst.

Wie dem auch sei: habe die Ausstrahlung der restaurierten Fassung auf arte zum Anlaß genommen, den Film zu sichten. Goebbels hatte den Film einst verbieten lassen; in Deutschland wurde er erst fast 20 Jahre später gezeigt. Ich kenne nicht viele Filme vor den 1950er Jahren, und nur weniger als fünfzehn Filme vor den 1940er Jahren. Selbst mit Klassikern wie "Metropolis" habe ich meine Probleme - ein Vergnügen sind solche Sichtungen nicht (nebenbei: 5/10 für "Metropolis").

"Das Testament des Dr. Mabuse" ist eine Mischung aus Psychokrimi und einer Prise Mystery mit sehr subversiven, für die damalige Zeit äußerst ungewöhnlichen Untertönen. Scheint es zunächst nur um banale Kleinverbrechen wie Geldfälschung usw. zu gehen, wird immer mehr klar, dass ein völlig durchgeknallter Irrer die ganze Stadt und letztendlich den Staat in die Knie zwingen will: vergiftetes Wasser, Anschläge auf Banken und Währungsmanipulationen, Sprengung von Chemiewerken, um Giftgaswolken freizusetzen und so weiter. Hat mich sehr an Christopher Nolans "The Dark Knight" erinnert, der auch mit einem ziemlich lächerlichen Clown-Verbrecher anfängt, der jedoch nach und nach die ganze Stadt terrorisiert. Wie ich inzwischen gelesen habe, diente der Fritz Lang-Klassiker als Vorbild für Nolan.

Die Inszenierung ist altmodisch, aber teilweise richtig gut und innovativ. Alleine der Plan zur Befreiung aus dem versiegelten Raum mit der Bombe im Boden - fabelhaft. Auch die Effekte können sich für die Entstehungszeit sehen lassen und unterstreichen perfekt die Wendungen in der Handlung. Die Handlung ist übrigens ziemlich subtil - da wird nicht wie aktuell alles für den dümmsten anzunehmenden Zuschauer bis ins kleinste Detail erklärt. Gerade die Szenen, wenn sich der "Geist" von Dr. Mabuse des Irrenarztes bemächtigt, ihm erscheint, gegenübersitzt, ihn durchdringt usw. (siehe Foto) und ihm seine Pläne einflüstert - eine Verbildlichung des Wahnsinnigwerdens und wie der Arzt selbst zum Verbrecher wird, quasi als multiple Persönlichkeit. Das ist wirklich ausgezeichnet und dürfte für die damaligen Zuschauer ein Schock gewesen sein.

Was mir nicht so gut gefallen hat: die lange Autoverfolgungsjagd am Ende ist schon sehr angestaubt mit dieser ganzen Rückprojektionstechnik wie man sie aus alten Filmen kennt. Vielen Schauspielern sieht man ihre Theaterherkunft an - für mich schon immer klar erkennbar und kaum auszuhalten, da gnadenlos überkandidelt mit der ganzen theatralischen Bühnengestik.

Und last but not least hat mich schon immer gestört, wie in alten deutschen Filmen Deutsch gesprochen wird. Wenn sich das englischsprachige Ausland bis heute über das hart klingende Deutsch lustig macht, geht das immer auf diese alten Filme zurück. Die Leute reden nie normal miteinander, sie brüllen und herrschen sich letztendlich im Kommandoton an. Selbst in alten deutschen Komödien war das der Fall. Vermutlich ein Grund, warum ich deutsche Synchronisationen amerikanischer Filme deutschen Filmen immer vorgezogen habe. Der moderne deutsche Film hat der jahrzehntelangen Filmsynchronisation-Tradition viel zu verdanken. Den Synchros ist es zu verdanken, dass die deutschen Schauspieler in deutschen Produktionen irgendwann angefangen haben, mal normal zu sprechen.

Zurecht ein Klassiker - ich bin überrascht. Keine Hochspannung, aber wenn man reingefunden hat und sich der Wahnsinn von Mabuse langsam entfaltet trotz der Laufzeit von zwei Stunden durchaus kurzweilig. Knapp 8 / 10.


« Letzte Änderung: 14 Mai 2018, 03:58:08 von Hitfield »
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Offline PierrotLeFou

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1700 am: 23 Mai 2018, 00:11:45 »
"D'après une histoire vraie" (2017)

Ein Polanski, der wie die vorangegangenen Kammerspiele keinesfalls die alte Größe aufweist, mich aber ganz passabel bei Laune gehalten hat. Irgendetwas zwischen "Repulsion" und "Le locataire", mit einer zunächst undurchsichtigen Figur wie aus "La Vénus à la fourrure", bisweilen an "Persona", "Misery" oder Laugiers jüngsten "Ghostland" erinnernd, aber an keinen der genannten Filme heranreichend.
Psychothriller mit äußerst wenig Thrill, eher ein Drama mit Mystery-Elementen zu Beginn und alsbald einsetzendem Plottwist. Hat ein paar zumindest interessante Szenen (die Träume, die aber weit hinter einem "Le locataire" zurückbleiben, die Hand mit Handy in Großaufnahme vor dem Karussell, die kreisende, kippende Kamera, die manche Einstellungen kittet und nicht ohne Hintergedanken manches auf den Kopf zu stellen scheint), aber nichts, was mich nachhaltig begeistert hätte. Die Auflösung scheint mir leider nicht ganz ergiebig zu sein... eine schwache 7/10 würde ich schon vergeben, aber ins Kino müssen eigentlich nur echte Polanski-Fans/-Komplettisten.
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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1701 am: 24 Mai 2018, 23:41:49 »
SHAME THE DEVIL



Inspektor James Trent ermittelt in London in einem Mordfall, in welchem das Opfer an einen Lügendetektor angeschlossen wurde-
und über einen Lautsprecher gestellte Fragen beantworten musste. Die Regeln dabei waren recht einfach: Wenn du lügst stirbst du!
In diesem Fall durch ein großkalibriges Gewehr, welches direkt vor dem Kopf des Opfers befestigt, und mit dem Lügendetektor verbunden war.
Allerdings war dieser Mord nur der Auftakt zu einer ganzen Serie ähnlicher Morde- welche alle in der Nähe des ermittelnden Inspektors stattfinden.
Mit dem dritten Lügendetektor-Mord hintereinander wird dieser schließlich selbst verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben.
Um seine Unschuld zu beweisen, und seine schwangere Frau nicht damit zu belasten, beschließt er London kurzzeitig zu verlassen,
und fliegt nach New York zu seiner Ex-Freundin, welche eine bekannte kriminologische Expertin in Sachen Täterpsychologie ist.
Mit ihr zusammen will er ein Täterprofil erstellen, da die Polizei nach wie vor keinerlei brauchbare Spuren hat.
Kurz nachdem er in New York angekommen ist, wird der Taxifahrer, welcher ihn vom Flughafen zu seiner Ex-Frau gefahren hat, ermordet aufgefunden.
Seine Leiche ist angeschlossen an einen Lügendetektor...

Welcher Vollidiot kam nur auf die Idee, dieses vollkommen unpassende Cover für den Film zu benutzten?
Das schürt Erwartungen an einen übernatürlichen Horrorfilm mit Dämonen, Besessenen oder ähnlichem, welche es hier absolut nicht gibt.
Stattdessen bekommt man einen überzeugenden, spannenden Thriller, welcher sich inhaltlich ein wenig an die "Saw"-Reihe anlehnt,
durch seinen leicht religiösen Touch auch etwas an "Sieben" erinnert, seinen Schwerpunkt aber auf klassische Polizeiarbeit gegen einen Psycho-Killer legt.
Die (ungeschnittene) FSK 16-Freigabe lässt es schon erahnen- besonders brutal geht es hier nicht zur Sache.
Die Morde sind zwar teils wirklich fies, werden aber weitgehend unblutig gezeigt, und verfehlen auch so ihre Wirkung nicht.
Dazu kommt noch die gelungene, fiese Auflösung des ganzen- welche nicht unbedingt vorhersehbar ist.
Die Darsteller sind weitgehend unbekannt, am bekanntesten dürfte noch Doug Bradley sein, welchen viele wohl nur als "Pinhead" kennen.
Insgesamt eine klare Empfehlung, vor allem, da der Film auf Wühltischen und in vielen Billigläden für sehr kleines Geld zu haben ist.
Mein Exemplar stammt aus einem "EuroShop", hat also wirklich nur 1€ neu gekostet.
Man sollte nur keinen Horrorfilm erwarten, welchen einem das Cover aber verspricht. Wer Thriller mag, kann zugreifen!

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Offline Retro

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1702 am: 9 Juni 2018, 09:45:41 »
BEASTMASTER - DER BEFREIER



Der junge Dar entdeckt schon als Kind seine Fähigkeit mit wilden Tieren zu kommunizieren, kann sich aber nicht erklären warum.
Als der komplette Stamm bei dem er auzfwuchs von einer Horde Krieger getötet wird, überlebt er als einziger.
Jahre später durchstreift er mit einem Tiger, einem Adler und zwei Frettchen das Land,
und trifft auf ein Volk welches von Hohepriester Maax unterjocht wird, und diesem immer wieder Menschenopfer zu bringen hat.
Da ihm Kiri, eine der Sklavinnen von Maax gefällt, greift er in eine Opferzeremonie ein, und verhindert dank seines Adlers den Opfertod eines Kindes.
Als Dar erfährt, dass Maax damals für die Vernichtung seines Dorfes verantwortlich war, nimmt er mit Kiri, ein paar Verbündeten aus dem Volk,
und seinen Tieren den Kampf gegen den Tyrannen auf...

Nach seinem Überraschungserfolg im Horror-Bereich mit "Phantasm" (Das Böse),
drehte Don Coscarelli mit "Beastmaster" einen Fantasy-Film, welchen ich persönlich als den besten der damals vielen Conan-Konkurrenten ansehe.
Klar, die Geschichte ist bis auf die Tiere quasi identisch: Junge überlebt als einziger das Massaker an seinem Stamm- und rächt sich später an den Bösen.
Trotzdem macht der Film Spaß, kommt nicht zu billig daher-
und bietet neben gut dressierten Tieren eine nicht zu ernste Mischung aus Fantasy und ein wenig Horror.
Mit Marc Singer in der Rolle als "Beastmaster" Dar, und Tanya Roberts in der weiblichen Hauptrolle der Kiri,
gab es für männliche wie weibliche Zuschauer zumindest schon mal optische Gründe, sich den Film anzusehen.
Ansonsten tummeln sich hier noch Rip Torn und John Amos, der Rest der Darsteller ist eher unauffällig.
Die Ausstattung und die Tricks sind durchaus ansehnlich, der Soundtrack passend- und auch mit der Synchro kann man gut leben.
Die BD enthält den Director's Cut und die kürzere damalige Kinofassung.
Mit persönlich gefällt die kürzere Kinofassung allerdings besser als der Director's Cut, der doch ein paar Längen aufweist.

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Offline Hitfield

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Re: Die letzte Sichtung
« Antwort #1703 am: Heute um 00:40:35 »
Dschungelkind (Deutschland 2011)

Zweite Sichtung nach dem Kinobesuch vor sieben Jahren. Die von der ARD gestern ausgestrahlte Fassung lief satte 160 Minuten und ist deutlich dichter und besser als die gekürzte Kinofassung. Auch die DVD ist über eine halbe Stunde gekürzt.

Der Film basiert auf einem Bestseller und wahren Begebenheiten. Von der Geschichte des blonden deutschen Mädchens, das mit ihren Eltern und zwei Geschwistern im Dschungel bei einem steinzeitlichen Urwaldstamm aufwächst, hat bestimmt jeder schonmal gehört.

Ich mache es kurz: vor allem für eine deutsche Produktion sehr aufwendig und gut inszeniert und produziert. Tolle Kamera und gute Besetzung (am bekanntesten wohl Thomas Kretschmann, der von "Blade II" über Peter Jacksons "King Kong" bis "Operation Walküre" und "Avengers: Age of Ultron" ständig in Hollywood-Produktionen zu sehen ist).

Mein Problem mit dem Film bzw. mit der Vorlage ist: die deutsche Familie waren keine Wissenschaftler, sondern christliche Missionare (und das in den 1970er Jahren). Das verschweigt die Verfilmung im Gegensatz zur Buchvorlage im Prinzip komplett, was ein Vorteil ist. Dennoch bleibt hier bei mir ein extremer Beigeschmack, dass einmal mehr die typische Geschichte vom weißen Erlöser gezeigt wird, der die schwarzen Wilden erstmal bekehren muss. Dadurch wird auch die ganze "Dschungelromantik", das angebliche Interesse an fremden Kulturen und Gebräuchen zu einer absoluten Farce. Dies betrifft wie gesagt die Romanvorlage sogar noch mehr als die Verfilmung. Der echte Vater, im Film gespielt von Kretschmann, geht heute noch im Auftrag der Kirche auf Vortragsreisen in die USA und nach Europa und hält Konferenzen dazu ab, wie viele Dörfer und Wilde er erfolgreich missioniert hat. Letztendlich ist das leider gefährlicher, manipulativer Kitsch.

Sehr knapp 5 / 10.


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"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."