Kategorie Tierfilm??

Begonnen von harrycanyon, 29 April 2014, 05:01:40

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harrycanyon

29 April 2014, 05:01:40 Letzte Bearbeitung: 29 April 2014, 05:04:34 von harrycanyon
Also Tierfilme sind wohl Dokumentationen wie "Reise der Pinguine",
es sind aber auch z.B. alte Disneyfilme wie "Unglaubliche Reise" als
Tierfilm bezeichnet was nicht eindeutig ist.

de.wikipedia.org/wiki/Tierfilm


PierrotLeFou

29 April 2014, 05:37:30 #1 Letzte Bearbeitung: 29 April 2014, 07:12:27 von PierrotLeFou
"Tierfilm" ist in der Tat ein Begriff, der als Genre nicht sonderlich populär ist und uneinheitlich definiert wird... aber ich sehe da angesichts seiner Verwendung auf der OFDb keinerlei Probleme.

Der Wikipedia-Artikel (den ich jetzt nicht schlechtreden will) hat so seine Defizite... wie so oft ist der Umgang mit Quellenangaben sehr konfus und ich kann nicht wirklich erkennen, wer nun wann den Tierfilm wie definiert hat. (Meist wird ja sehr einseitig aus ein, zwei Veröffentlichungen abgeschrieben, während Gegenpositionen völlig unter den Tisch fallen... und dass Quellen nur sehr unverbindlich angegeben werden, macht es mitunter schwierig, sich als Wikipedia-Nutzer zu orientieren.) Das größere Problem liegt aber darin, dass Wikipedia in sich selbst widersprüchlich ist, wenn es um den Tierfilm geht:

1.)
ZitatAls Tierfilm bezeichnet man dokumentarische Filme über Tiere. [...] Der Tierfilm ist eine Untergattung des Dokumentarfilms und somit vom Tierspielfilm zu unterscheiden
http://de.wikipedia.org/wiki/Tierfilm

2.)
ZitatKategorie:Tierfilm
[...]
Unterkategorien
[...]
    ► Hundefilm‎ (81 S)
    ► Pferdefilm‎ (45 S)
    ► Zoo-Doku-Soap‎ (18 S)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Tierfilm

3.)
ZitatKategorie:Hundefilm

Diese Kategorie enthält Filme, in denen Hunde eine wesentliche Rolle spielen. [...]

101 Dalmatiner (1961) [...]
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Hundefilm

Diese drei Punkte ergeben in ihrer Kombination keinen Sinn. "101 Dalmatiner" sei ein Hundefilm. Der Hundefilm sei eine Unterkategorie des Tierfilms. Der Tierfilm sei aber ein Dokumentarfilm-Genre, welches nicht mit dem Tierspielfilm zu verwechseln sei... Bitte was? :zwangsjacke:

Davon abgesehen impliziert diese Definition, dass "Film" sich auf den Dokumentarfilm beziehe, während sich "Spielfilm" auf den Spielfilm beziehe; sinnvoller wäre es, Film als Oberbegriff für beides (und anderes) zu begreifen und den Dokumentarfilm und den Spielfilm mit Dokumentar- & Spielfilm zu bezeichnen...


In Rainer Rothers Sachlexikon wird der Tierfilm nicht erwähnt (was schonmal zeigt, welchen zweitrangigen Stellenwert der einnimmt), im Sachlexikon Thomas Koebners gibt es eine Definition Hans J. Wulffs, die sich mit dem Gebrauch des Begriffs auf der OFDb deckt: Filme mit Tieren als Protagonisten bei gleichzeitigen anthropomorphisierenden Tendenzen...
Der Begriff wird dort dann noch weiter gefasst und auf Animationsfilme, Tierhorror und die Fabelwesen und Tiermenschen des phantastischen Films ausgedehnt, was auf der OFDb aber wohl zu weit führen würde... auch das dokumentarische Genre des Tierfilms wird erwähnt...



Das einzige Problem, dass sich meiner Meinung nach an diesem "Fall" zeigt, wäre der Umgang mit Genres innerhalb verschiedener Gattungen... Die OFDb führt Dokumentarfilme, Experimentalfilme und Essayfilme als Genres, während der Spielfilm gar nicht mehr explizit erwähnt wird... es ist aber auch verbreitet, von Gattungen zu sprechen, denen dann jeweils Genres zugeordnet werden können (was in meinen Augen mehr Sinn ergeben würde). Daraus resultiert dann halt die Unsicherheit, ob Biographie, Historienfilm, Tierfilm (und andere Genres) Spielfilm-Genres sind, oder ob sie auch auf den Dokumentarfilm bezogen werden sollten oder nicht... (Ich denke, angesichts der nicht getrennten Gattungs- und Genrebegriffe ist es am einfachsten, die meisten Genres sowohl auf den Spiel- als auch auf den Dokumentarfilm anzuwenden... Gerade der Tierfilm eignet sich für diese Anwendung auf Spiel- & Dokumentarfilm hervorragend. Daran sollte man mMn nichts ändern...)



edit: Dass die alten King Kong Filme aus den 30er und 40er Jahren als Tierfilme geführt werden, während der 70er Jahre "King Kong" und der Jackson-"King Kong" nicht als Tierfilme geführt werden, wirkt sehr uneinheitlich... ich denke, dass man das vereinheitlichen sollte, indem man "Tierfilm" bei den "King Kong"-Streifen entfernt... Fabelwesen und die monströs überzeichneten Tiere des phantastischen Films sollte man auf der OFDb vielleicht nicht unter die Tierfilme fallen lassen...

http://www.ofdb.de/film/850,Die-Fabel-von-King-Kong---Ein-amerikanischer-Trick--und-Sensationsfilm
http://www.ofdb.de/film/29589,King-Kongs-Sohn
http://www.ofdb.de/film/10778,Panik-um-King-Kong
http://www.ofdb.de/film/2128,Mein-gro%C3%9Fer-Freund-Joe (?)
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

harrycanyon

"Tierfilm" lässt sich halt nicht genau zuordnen
deshalb wäre die Unterscheidung in
- Tierfilm oder Tierdoku
- Tierspielfilm
besser.

Trooper Death

Zitat von: PierrotLeFou am 29 April 2014, 05:37:30

Die OFDb führt Dokumentarfilme, Experimentalfilme und Essayfilme als Genres, während der Spielfilm gar nicht mehr explizit erwähnt wird...


... obendrein gibt es keine Möglichkeit, eine Dokumentation mit Spielhandlung als solche zu kennzeichnen. (Außer, man verfasst in jedem einzelnen Fall eine Inhaltsangabe, was ungemein zeitaufwendig wäre.) 

Das filmportal macht es vor --->
Genre: Dokumentarfilm
Genre: Dokumentarfilm mit Spielhandlung

Und auch wenn es nicht zum Thema gehört: ich vermisse seit Jahren das Genre "Tragikomödie" ... momentan muss man für  tragikomische Filme umständlich und teilweise missverständlich die Gattungen Drama + Komödie wählen, um wenigstens anzudeuten, wohin die Reise geht... der Film http://www.ofdb.de/film/904,Forrest-Gump ist beispielsweise als reines "Drama" eingetragen, was schlichtweg falsch ist.


T.D.

PierrotLeFou

Zitat von: harrycanyon am 29 April 2014, 09:55:13
"Tierfilm" lässt sich halt nicht genau zuordnen
deshalb wäre die Unterscheidung in
- Tierfilm oder Tierdoku
- Tierspielfilm
besser.

Die Angabe

Dokumentation
Tierfilm

würde mMn ausreichen, um dokumentarische Tierfilme zu kennzeichnen...

Trooper Death hat jedoch recht damit, dass durch das Fehlen von Spielfilm (welcher ja die Kombination "Dokumentation/Spielfilm" ermöglichen würde, für die man nicht zwangsweise einen einzigen Begriff benötigen würde) nicht ganz klar wird, ob sich eine Dokumentation bloß als reine Dokumentation einer historischen Begebenheit, der Tierwelt, einer berühmten Person, einer Sportart etc. widmet, oder ob sie zwischen den entsprechenden Spielfilmgenres und und einem dokumentarischen Ansatz schwankt...

(Was die Tragikomödie betrifft: Ihr Fehlen ist zwar irgendwie schade, aber wenn man sie hinzufügt, dann müssten Satire, Parodie, Screewball-Comedy, Slapstick usw. auch hinzugefügt werden... das wäre vielleicht eher etwas für die vor einiger Zeit aufgekommene Stichwort-Überlegung... Denn Andeutungsweise reicht "Drama + Komödie" ja tatsächlich aus... Komödie sollte man bei "Forrest Gump" vielleicht hinzufügen. Eventuell auch Biographie, da dieser Begriff auf der OFDb ja durchaus auch für fiktive Figuren gebraucht wird, sofern bloß deren Lebensgeschichte dargelegt wird...)
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Phantastik

Zitat von: Trooper Death am 29 April 2014, 10:03:46
Zitat von: PierrotLeFou am 29 April 2014, 05:37:30

Die OFDb führt Dokumentarfilme, Experimentalfilme und Essayfilme als Genres, während der Spielfilm gar nicht mehr explizit erwähnt wird...


... obendrein gibt es keine Möglichkeit, eine Dokumentation mit Spielhandlung als solche zu kennzeichnen. (Außer, man verfasst in jedem einzelnen Fall eine Inhaltsangabe, was ungemein zeitaufwendig wäre.) 

Das filmportal macht es vor --->
Genre: Dokumentarfilm
Genre: Dokumentarfilm mit Spielhandlung

[...]

So etwas eintrag... --> http://www.ofdb.de/film/262072,Sternstunde-ihres-Lebens

Wird derzeit mit den Genre "Dokumentation" und "Drama" umschrieben. Kurz: Doku-Drama.

Jedoch, wenn es nicht auf historischen Ereignissen beruht sondern auf erfundenen, dann fällt "Dokumentation" weg. Unter anderem die Schulmädchen-Report-Reihe. Ist zwar in diesem Stil produziert.

Wenn Du willst, füttere den Harddisk-Rekorder mit folgenden Daten:

21.05.2014 · 20:15-21:45 · DasErste

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Phantastik

harrycanyon

30 April 2014, 10:10:43 #6 Letzte Bearbeitung: 30 April 2014, 10:18:47 von harrycanyon
Zitat von: Phantastik am 29 April 2014, 20:34:14
Jedoch, wenn es nicht auf historischen Ereignissen beruht sondern auf erfundenen, dann fällt "Dokumentation" weg. Unter anderem die Schulmädchen-Report-Reihe. Ist zwar in diesem Stil produziert.
Selbst wenn es nur auf realen Ereignissen beruht fällt der Begriff Doku für mich weg,
dann müßten schon reale Aufnahmen mit in die Handlung eingbaut sein.

PierrotLeFou

Zitat von: harrycanyon am 30 April 2014, 10:10:43
Selbst wenn es nur auf realen Ereignissen beruht fällt der Begriff Doku für mich weg,
dann müßten schon reale Aufnahmen mit in die Handlung eingbaut sein.

Das lässt aber die Geschichte des Dokumentarfilms irgendwie unberücksichtigt... Der jüngst verstorbene Glawogger hat mal gesagt, es habe nie Dokumentarfilme gegeben, in denen nicht auch etwas inszeniert worden sei. Und nicht nur er greift auf Inszenierungen in seinen Dokumentarfilmen zurück... und das Nachstellen von Wirklichkeit vor der Kamera beginnt schon von Anfang an in jenen Filmen, die man später als Dokumemntarfilme bezeichnet hat... "Nanook of the North" von Flaherty gilt als einer der großen Klassiker des Dokumentarfilms - nahezu alles ist nachgestellt. Peter Watkins hat zumindest mit "War Game" und "Culloden" berühmt-berüchtigte Doku-Dramen erschaffen, in denen einmal die zu erwartenden Folgen eines möglichen Ernstfalls, einmal die längst vergangenen historischen Ereignisse einer Schlacht inszeniert werden. Der Dokumentarfilm besitzt viele verschiedene Ansätze und Spielarten, und das Nachstellen und Inszenieren gehört nunmal auch dazu, zumal ja auch längst ein Problembewusstsein dafür entstanden ist, dass bereits Schnitt und Kameraposition den Zuschauer manipulieren und eine ganz konkrete Sicht einer naturgemäß viel reichhaltigeren Wirklichkeit wiedergegeben... ganz zu schweigen davon, dass behauptete sinnvolle Zusammenhänge zwischen diversen Ereignissen und Situationen im Dokumentarfilm zunächst bloß Thesen und Theorien sind und nicht automatisch tatsächlich existierende Wahrheiten...

Man sollte aber gerade beim Hinblick auf das Doku-Drama den Doku-Begriff auf der OFDb nicht überstrapazieren... für "Rom, offene Stadt" - für den er beispielsweise auch manchmal angewendet wird - würde ich ihn eher nicht anwenden wollen, da dass schnell dazu führen könnte, dass bei jedem Historienfilm, jedem Biopic, jedem "basiert auf wahren Begebenheiten"-Drama/Triller plötzlich Dokumentarfilm ergänzt wird... wenn aber die Nachstellung und Inszenierung über einen Kommentatoren verfügt, wenn die Darsteller die Kamera wahrnehmen oder in Interviewsequenzen befragt werden, oder wenn sich andere konventionelle dokumentarfilmtypische Strategien hinzugesellen, dann macht es mMn auch Sinn, "Dokumentarfilm" zu ergänzen.
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

harrycanyon

Zitat von: PierrotLeFou am 30 April 2014, 19:56:40
Das lässt aber die Geschichte des Dokumentarfilms irgendwie unberücksichtigt...usw....
:viney: Wenn er im Stil eines Dokumentarfilmes gedreht dann ist er DAS -
und kein Spielfilm. Es geht um den STIL=FILMSTIL=GATTUNG=GENRE.

PierrotLeFou

Zitat von: harrycanyon am 30 April 2014, 21:54:13
Es geht um den STIL=FILMSTIL=GATTUNG=GENRE.

Worum geht es? :00000109:

Und was ist jetzt dein Problem mit denkbaren "Dokumentarfilm"/"Drama"-Kombinationen?
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Phantastik

Spielfilmhandlung, angereichert mit Kommentaren aus dem Off, dazwischen Interviews mit Experten bzw. Zeitzeugen. Dann noch eventuell historische Filmausschnitte.

Das ist ein DokuDrama. Unter Umständen genügt es, wenn nur eines bzw. zwei hiervon zutreffen.

Es wurden auch Filme in diesem Stile produziert, die auf *erfundenen* Ereignissen beruhen. Die sind dann keine Dokumentationen, auch wenn diese den Anschein geben.

Phantastik

Phantastik

http://www.ofdb.de/film/262072,Sternstunde-ihres-Lebens

Betreffend DokuDrama wohl eine Fehlinformation auf einer Website.
Konnte es woanders nirgends verifizieren. Ich lass es via KF löschen.

Jedenfalls trifft Dokudrama auf die folgenden Filmeinträge zu:

http://www.ofdb.de/film/255451,Helmut-Schmidt---Lebensfragen

http://www.ofdb.de/film/256108,Ein-Blinder-Held---Die-Liebe-des-Otto-Weidt

Phantastik

RoboLuster

2 Mai 2014, 08:50:16 #12 Letzte Bearbeitung: 2 Mai 2014, 08:51:48 von RoboLuster
Und hier

http://www.ofdb.de/film/7352,Private-Parts


Aber diese Definition trifft auch auf Blair Witch Project zu.
https://youtu.be/RPQOMyyg9b8                          
"Shoot first, think never!" - Ash

Palaber-Rhabarber

Zitat von: PierrotLeFou am 30 April 2014, 19:56:40
...wenn aber die Nachstellung und Inszenierung über einen Kommentatoren verfügt, wenn die Darsteller die Kamera wahrnehmen oder in Interviewsequenzen befragt werden, oder wenn sich andere konventionelle dokumentarfilmtypische Strategien hinzugesellen, dann macht es mMn auch Sinn, "Dokumentarfilm" zu ergänzen.

Zitat von: harrycanyon am 30 April 2014, 21:54:13
Wenn er im Stil eines Dokumentarfilmes gedreht dann ist er DAS -
und kein Spielfilm. Es geht um den STIL=FILMSTIL=GATTUNG=GENRE.

Dann müsste man auch Mockumentaries zum Dokumentarfilm-Genre rechnen, sind zwar gefakt, bedienen sich aber zahlreicher Doku-Elemente. Es spielt m.E. eine gewichtige Rolle, ob die auftretenden Personen sie selbst sind oder nur eine reale oder fiktive Figur spielen.

PierrotLeFou

Zitat von: RoboLuster am  2 Mai 2014, 08:50:16
Aber diese Definition trifft auch auf Blair Witch Project zu.

Nein:
Zitat von: Phantastik am 30 April 2014, 22:41:38Es wurden auch Filme in diesem Stile produziert, die auf *erfundenen* Ereignissen beruhen. Die sind dann keine Dokumentationen, auch wenn diese den Anschein geben.
Phantastik


Zitat von: Palaber-Rhabarber am  2 Mai 2014, 18:20:50
Zitat von: PierrotLeFou am 30 April 2014, 19:56:40
...wenn aber die Nachstellung und Inszenierung über einen Kommentatoren verfügt, wenn die Darsteller die Kamera wahrnehmen oder in Interviewsequenzen befragt werden, oder wenn sich andere konventionelle dokumentarfilmtypische Strategien hinzugesellen, dann macht es mMn auch Sinn, "Dokumentarfilm" zu ergänzen.

Dann müsste man auch Mockumentaries zum Dokumentarfilm-Genre rechnen, sind zwar gefakt, bedienen sich aber zahlreicher Doku-Elemente. Es spielt m.E. eine gewichtige Rolle, ob die auftretenden Personen sie selbst sind oder nur eine reale oder fiktive Figur spielen.

Das bezog sich allerdings auch auf Filme, die wahre Tatsachen behandeln und auf diese Inszenierungsweisen zurückgreifen...

Veiels "Kick" wurde ja damals recht kontrovers aufgenommen, letztlich hat sich dann allerdings durchgesetzt, den ganz selbstverständlich noch als Extremfall des Dokumentarfilmbereichs anzusehen. Und da hat man bloß zwei Schauspieler, die alle Figuren des behandelten Gerichtsfalls darstellen...
Ich denke, man muss sich heutzutage ein bisschen von dieser Annahme lösen, dass Dokumentarfilme nicht inszenieren würden. Die materielle Wirklichkeit ist ja längst zweitrangig im Dokumentarfilm geworden (einfach weil sich der Spielfilm in den 60ern bewusst geworden ist, dass er ja genau dasselbe macht); und ob man nun als Dokumentarfilmer Ereignisse direkt festhalten kann (weil man rechtzeitig am richtigen Ort ist), ob man sie von Betroffenen nachstellen lässt oder ob man sie von Darstellern (unter Vermeidung von Spannungsdramaturgien und Identifikationstaktiken des Spielfilms) nach der Vorgabe zuverlässiger Quellen nachstellen lässt, ist letztlich (trotz der Unterschiede) egal, wenn es darum gehen soll, ob ein Film noch ein Dokumentarfilm ist... (Wenn das Darstellen durch Darsteller zwischendurch doch mal Spielfilmzüge gewinnt, dann wäre "Doku-Drama" oder ähnliche Dokumentarfilm/Spielfilm-Mischungen sinnvoll, wenn das Darstellen auf eine Distanzierung und Entfremdung abzielt, dann dürfte "Dokumentarfilm" auch vollkommen ausreichen, weil der Film ja dann an keiner Stelle darüber hinwegtäuscht, dass er bloß etwas zur Veranschaulichung nachstellen lässt.)
Je mehr das ganze noch die eigenen Verfahren reflektiert, desto stärker geht es in den Essayfilm über: "L'Ambassade: Le Vrai et le Faux" (1974) thematisiert beispielsweise die Bedeutung von echten Personen und nachstellenden Darstellern für den Film.
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

harrycanyon

Zitat von: Palaber-Rhabarber am  2 Mai 2014, 18:20:50
Dann müsste man auch Mockumentaries zum Dokumentarfilm-Genre rechnen, sind zwar gefakt, bedienen sich aber zahlreicher Doku-Elemente. Es spielt m.E. eine gewichtige Rolle, ob die auftretenden Personen sie selbst sind oder nur eine reale oder fiktive Figur spielen.
So was wie "This is Spinal Tap"??
Sollte auch noch ergänzt werden...


Außerdem fehlt noch die Kategorie "Gay" .

Palaber-Rhabarber

Zitat von: PierrotLeFou am  2 Mai 2014, 20:36:32
...oder ob man sie von Darstellern (unter Vermeidung von Spannungsdramaturgien und Identifikationstaktiken des Spielfilms) nach der Vorgabe zuverlässiger Quellen nachstellen lässt...
Gut, dass du das erwähnst, sonst wäre meine nächste Frage gewesen, ob du alles, was heutzutage im Kino anläuft, für einen Dokumentarfilm hälst.  :icon_smile:
Das Inszenieren zähle ich fest zur Gattung Film dazu, das bestreite ich ganz sicher nicht.

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