Die Filme von Quentin Dupieux

Begonnen von Retro, 24 April 2017, 09:09:52

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Retro

24 April 2017, 09:09:52 Letzte Bearbeitung: 28 Dezember 2020, 01:40:29 von Retro
Quentin Dupieux hat wohl schon 2001, alleine mit dem Titel seines ersten Lebenszeichens auf dem Filmmarkt, seinen Hang zum skurrilen bewiesen.
Sein Debüt, ein knapp über 40 Minuten langer Film, hört auf den Originaltitel "Nonfilm",
und wurde in französischem Originalton in Deutschland bisher lediglich einmal auf dem TV-Sender "arte" ausgestrahlt-
unter dem folgerichtig übersetzten Titel "Nichtfilm".
Dieser ist mir leider nicht bekannt, und es gibt scheinbar auch keine Bezugsquelle, um irgendwie an diesen Film heranzukommen...

Ähnliches gilt auch für seinen ersten Spielfilm, "Steak" von 2007,
welcher aber immerhin als Import DVD in französischer Sprache mit englischen Untertiteln erhältlich ist.
Leider ist mir das dann aber doch zu anstrengend, so dass ich auch diesen nicht kenne-
und meine Reviews mit seinem ersten, auch in Deutschland veröffentlichtem Film beginnen.
Soviel sei allerdings schon gesagt:
Wer in Filmen immer nach Logik sucht, und unbedingt eine nachvollziehbare Handlung braucht um gut unterhalten zu werden,
sollte sich die Filme von Dupieux sparen.
Ein Faible für skurrile Geschichten und schrägen Humor sollte man hier schon haben- denn eines haben seine Filme gemeinsam:
Egal wie absurd das gezeigte auch ist- es wird alles vollkommen ernsthaft dargestellt, als wären die Situationen das normalste auf der Welt.


RUBBER (2010)



Eine Wüste. Einige neugierige Menschen mit Ferngläsern. Und irgendwo mitten im Wüstensand ein Autoreifen.
Dieser beginnt sich zu bewegen, sich aufzurichten, und rollt etwas wacklig durch die Gegend.
Das überrollen von Gegenständen und kleinen Tieren scheint ihm Spaß zu machen, als er jedoch an einer Glasflasche scheitert,
beginnt er zu vibrieren- und setzt damit telekinetische Kräfte frei, welche die Flasche zerspringen lassen.
Was bei einer Flasche funktioniert, muss natürlich auch an größeren, lebenden Objekten getestet werden-
so dass zuerst ein paar etwas größere Tiere, und später auch einige Menschenköpfe platzen...

Wie soll man so einen Film fair beurteilen?
Es handelt sich jedenfalls nicht um einen Splatterfilm, auch wenn trotz 16er Freigabe einiges zu sehen ist.
Eine Komödie ist es auch nicht, wenngleich der Film sich offensichtlich nicht sonderlich ernst nimmt.
Ein Kunstwerk, welches zum nachdenken anregt, falsche Fährten setzt,
und trotz trashiger Ausgangsposition optisch alles andere als billig daherkommt?
Ja, das kommt hin.
Bereits der Anfang des Filmes ist eher ungewöhnlich, wenn Lieutenant Chad scheinbar zu uns Zuschauern spricht- oder eben auch nicht.
In diesem Film sind wir allerdings die Zuschauer, welche den Zuschauern beim zuschauen zuschauen. Klingt verwirrend? Ist aber so...
Erst, als der letzte Zuschauer im Film stirbt, endet auch die Handlung dieses Films- allerdings anders als gedacht.
Die letzten Bilder deuten an, dass der ganze Film einfach eine Abrechnung mit Hollywood darstellen könnte,
den "typischen" Hollywoodfilmen etwas frisches entgegensetzen will.
Das einzige was ich persönlich störend fand, war der teils doch arg nervige Electro-Soundtrack- aber das mag Geschmackssache sein.

Aus reiner Willkür gebe ich hier jetzt mal 8 von 10 Punkten.

WRONG (2012)



Um 7 Uhr 60 klingelt Dolph's Wecker- und er muss feststellen, dass sein geliebter Hund Paul über Nacht verschwunden ist.
Er macht sich zwar sorgen, und fragt seinen Nachbarn, welcher gerade im Begriff ist für immer die Stadt zu verlassen nach Paul,
aber aus seiner täglichen Routine kann Dolph einfach nicht ausbrechen.
Sein Gärtner erklärt ihm noch, dass über Nacht seine Palme im Garten zu einer Tanne geworden ist,
danach fährt Dolph ins Büro, in dem es immer regnet.
Dort wurde er zwar schon vor Monaten entlassen, aber das stört ihn nicht.
Er setzt sich an seinen alten Platz, während seine Ex-Kollegen ihn zum letzten mal warnen, nicht mehr wiederzukommen.
Als alle auf dem Parkplatz Mittagspause machen, weil es dort trocken ist, fährt Dolph nach Hause- und begibt sich auf die Suche nach Paul.
Seltsamerweise scheint auf einmal jeder etwas über Paul's verschwinden zu wissen,
und Dolph wird mehrmals, auch von Fremden Personen aufgefordert, sich mit dem geheimnisvollen Master Chang zu treffen.
Dieser eröffnet ihm dann beim treffen, dass er Chef einer Organisation ist, welche Haustiere entführen lässt,
um den Menschen zu zeigen wie sehr sie an ihren Tieren hängen- oder eben auch nicht.
Im Fall von Paul ist allerdings etwas schiefgegangen- der Van des Entführers hatte einen Unfall- und ist komplett ausgebrannt.
Von Paul gab es allerdings keine Spur im Wrack.
Ein Privatdetektiv, welcher mittels Anschluss von Paul's letztem Kot an einen Computer genaueres herausfinden will, soll helfen...

Der Titel sagt schon alles. Schräg, absurd, seltsam, abgefahren, surreal und komplett unlogisch.
Das sind wohl die Worte, welche diesen Filmspaß am ehesten beschreiben. Unvorhersehbar übrigens auch.
Man muss schon, wie bei oben genanntem "Rubber", einen Sinn für sehr abgedrehten Humor haben-
auch wenn es hier um Menschen, und nicht um einen mordenden Autoreifen geht.
Auch hier ist der Soundtrack wieder Electrolastig, aber beinahe immer dezent im Hintergrund.
Optisch hervorragend, schauspielerisch exzellent, und, wie schon "Rubber", langsam und ruhig erzählt-
ohne jedoch langweilig zu werden. Definitiv kein Film für den Massenmarkt.
Sinn macht das ganze am Ende nicht wirklich- aber man wird hervorragend unterhalten.
Man könnte auch sagen Quentin Dupieux ist David Lynch in lustig.

9/10

WRONG COPS (2013)



Erzählt wird hier die Geschichte einiger gelangweilter Cops, welche allesamt eher skurrile Charaktere darstellen-
und sich dementsprechend auch im Dienst benehmen.
Da werden Drogen in toten Ratten verkauft, Rockmusik-Fans mit Electromusik gequält, junge Frauen zu sexuellen Handlungen genötigt,
homosexuelle Neigungen offen ausgelebt- und ein versehentlich angeschossener halbtoter Zivilist als Musikexperte zu rate gezogen-
während dieser langsam vor sich hin verblutet...

Als erstes muss ich sagen: Selten einen dermaßen penetrant-nervigen Electro-Soundtrack gehört. Fürchterlich.
Und leider hört man das gepiepse andauernd im Film.
Die Musik ist quasi in die Grundhandlung eingebaut- sofern man hier überhaupt von einer "richtigen" Handlung reden kann.
Das drückt meine Wertung von Start weg leider etwas nach unten, auch wenn der Rest gewohnt schräg daherkommt.
Nur diesmal eine ganze Ecke böser.
Das liegt wohl auch daran, dass hier im Gegensatz zu den vorherigen Filmen, alle Hauptfiguren komplette unsympathen sind.
In Nebenrollen gibt es diesmal ein paar bekanntere Namen wie Eric Roberts, Ray Wise- und sogar Marilyn Manson zu sehen.
Besonders die etwas größere Nebenrolle Manson's passt hervorragend in den Film und kommt herrlich schräg rüber.

7/10

REALITY (2014)



Die siebenjährige Reality sieht ihrem Vater zu, wie dieser ein erlegtes Wildschwein ausnimmt.
Neben den Innereien kommt dabei auch eine Videokassette zum Vorschein.
Sie sagt dazu zwar zunächst nichts, versucht dann aber herauszufinden was es damit auf sich hat.
Dummerweise streitet ihr Vater ab, ein Video aus dem Magen des Wildscheins geholt zu haben.
Zur gleichen Zeit träumt der Kochshow-Kameramann Jason von einem eigenen Horrorfilmprojekt,
ein Produzent erklärt sich zur Finanzierung bereit, sofern Jason innerhalb von 2 Tagen den perfekten Schmerzschrei aufnimmt.
Dennis, der Moderator der Kochsendung, leidet an unsichtbaren Ekzemen, und kratzt sich den ganzen Tag-
was natürlich schlecht für eine Kochshow ist.
Irgendwie vermischen sich diese Geschichten in der Realität und den Träumen der Figuren-
und schon bald kann niemand mehr sagen, was Real ist, und was nicht.

Hier haben wir jetzt nicht mehr "nur" eine schräge Handlung,
der Film wird mit zunehmender Laufzeit noch dazu immer komplizierter und undurchsichtiger.
Es vermischen sich Realität, Träume und Film im Film solange, bis aus allem eines wird.
Dann hat man zwar jeglichen überblick verloren, fühlt sich aber immer noch gut unterhalten.
Der diesmal Orgellastig klingende Soundtrack quält zwar auch hier recht penetrant die Ohren,
erinnert aber entfernt an manchen Giallo-Soundtrack der Richtung Goblin, bzw Simonetti.
Der Humor der vorherigen Filme wird hier nicht erreicht, "Reality" kommt teils deutlich verstörender rüber,
was auch an manch blutiger Szene und dem hypnotischen Soundtrack liegt.
Die im "Wrong" Bericht erwähnte Bezeichnung "Lynch in lustig" wird hier mit einer riesigen Prise Cronenberg gewürzt.
Im Kino welches im Film vorkommt, läuft übrigens unter anderem "Rubber 2". Ob das ein Hinweis auf den nächsten Film von Dupieux ist?

8/10

DIE WACHE (2018)



Louis Fugain hat vor dem Hochhaus in dem er wohnt eine Leiche gefunden, und daraufhin die Polizei gerufen.
Soweit alles klar und völlig normal.
Allerdings sagt eine Zeugin aus, dass Fugain an dem Abend ganze sieben mal aus seiner Wohnung ging, noch dazu mit einem Bügeleisen.
Klingt verdächtig, deshalb wird Fugain mitgenommen und von Kommissar Buron in seinem Büro vernommen.
Fugain ist müde, hungrig und genervt- schließlich hat er seiner Meinung nach alles richtig gemacht.
Buron dagegen will diesen Fall in Rekordzeit zu Ende bringen und noch diese Nacht abschließen.
Als Buron kurz das Büro verlässt und seinen etwas einfältigen, einäugigen Kollegen Philippe beauftragt auf Fugain aufzupassen,
hat der tollpatschige Philippe einen tödlichen Unfall im Büro.
Fugain versteckt die Leiche im Schrank, weil er hier endlich raus will- und hofft dass es Beweis seiner Unschuld sei,
dass er alleine und ohne Bewachung nicht geflüchtet ist.
Doch dann taucht Phillippe's Frau auf- und langsam wird es schwierig mit Erklärungen...

Für einen Film von Quentin Dupieux ist der Kammerspiel-artige "Die Wache" fast schon "normal" zu nennen,
er dürfte jedenfalls sein zugänglichster Film bisher sein.
Natürlich ist auch "Die Wache" nicht frei von unlogisch erscheinenden und surrealen Momenten, aber im Gegensatz zu seinen bisherigen Filmen
lebt dieser eher von seinen beiden schrägen Hauptfiguren, welche sich mit absurden Dialogen und trockenem Humor in einem Zimmer beackern.
Das Ende ist dann allerdings fast schon wieder typisch für Dupieux: Einfach schräg.
Wie auch schon der Anfang, der aber nichts mit der weiteren Handlung zu tun hat- sondern nur eine kurze Geschichte zur Titelmelodie zeigt.

7/10

MONSIEUR KILLERSTYLE (2019)



Georges (Jean Dujardin) hat sich von seiner Frau getrennt und will sein Leben komplett ändern.
Als er beim betanken des Autos sein Spiegelbild sieht, reift sein Beschluss komplett. Weg mit den Spießerklamotten, ein "Killerstyle" muss her!
Seine alte Cordjacke wird symbolisch in der Toilette der Tankstelle ertränkt, und über eine Zeitungsanzeige eine neue, besondere Jacke gekauft.
Diese ist aus 100% Hirschleder, hat fürchterlich unmoderne Fransen und ist ihm etwas zu klein- dafür aber teuer.
7500€, sein komplettes Geld legt er dafür hin. Als Bonus schenkt ihm der Verkäufer noch einen kleinen Camcorder dazu.
Seine Frau hat inzwischen das Konto gesperrt, so dass Georges ein finanzielles Problem kriegt.
Er mietet sich in einer billigen Absteige in einem kleinen Dorf ein, und gibt seinen Ehering als Zahlungsmittel für die Miete her.
In der kleinen Kneipe im Ort lernt er Barkeeperin Denise kennen, um ihr zu imponieren behauptet Georges er wäre Filmemacher-
schließlich besitzt er neben einer tollen Jacke auch eine Kamera.
Zufällig ist Denise eine Hobby-Filmcutterin, und die beiden tun sich zusammen.
Alleine im Hotelzimmer macht sich das erste mal bemerkbar, was Georges ganzes Leben verändern wird:
Die Jacke spricht zu ihm- sie will die einzige Jacke auf der Welt sein, und Georges soll alle anderen Jacken vernichten.
Nun hat Georges eine Mission- und die Idee für seinen Film: Er filmt sich selbst bei seinem Versuch, alle Jacken einzusammeln.
Mit allen Mitteln, Auch mit Gewalt. Und Denise soll daraus dann einen schlüssigen Film zusammenschneiden...

Ein wenig skurril ist auch dieser Film wieder geworden, wenn auch ganz anders als alle vorherigen Filme von Dupieux.
Der schleichende Wahnsinn betrifft diesmal nicht den kompletten Film, sondern größtenteils nur Jean Dujardin als Georges,
welcher diese Rolle geradezu meisterhaft hinkriegt. Und selbst wenn auch der Rest noch ein wenig schräg daherkommt:
Was ist schon eine sprechende Hirschlederjacke gegen mordende Autoreifen oder ein Büro in dem es dauernd regnet? Eben.
Der Dupieux-typische absurde schwarze Humor ist jederzeit vorhanden, ebenso wie schrullige Figuren und ein paar Gewaltspitzen.
Eventuell versucht Dupieux langsam in den Mainstream zu kommen, schließlich war schon sein vorheriger Film "normaler" als alle zuvor.
Wenn das der Fall sein sollte, kann man ihn nur beglückwünschen:
Monsieur Killerstyle ist deutlich leichter konsumierbar als alle vorherigen Filme, auch verhältnismäßig realistisch- aber immer noch typisch Dupieux.

8/10



Inzwischen ist mir auch die CD in die Hände gefallen,
mit der Dupieux unter dem Namen "Mr. Oizo" das erste mal großen Erfolg hatte, "Flat Beat".
Musikalisch ist das gar nicht meine Welt, für mich klingt das elektronische Gepiepse wie ein alter Computer,
der in irgendeinem Takt akustische Fehlermeldungen ausgibt.
Man könnte es auch "Elektronische Geräusche in Stereo" nennen, das da das ganze ohne Gesang daherkommt:



Den Sinn für eher schrägen Humor kann man aber wohl auch hier schon erkennen,
jedenfalls habe ich noch nie zuvor einen solchen Hinweis auf einer CD entdeckt:


mr. pink

Ich mag den Filmemacher Quentin Dupieux ebenfalls sehr gern - ganz im Gegensatz zu seinem musikalischen Alter Ego Mr. Oizo.

Habe bisher RUBBER, WRONG und WRONG COPS gesehen und konnte mit allen etwas anfangen. Vor allem sein Epos über die Suche nach einem verschwundenen Hund in WRONG hat mir in seiner unaufgeregten Skurrilität gefallen.
Dupieux findet immer wieder eindrückliche Bilder, die seine Filme im Gedächtnis verankern, obwohl die Storys meist nur metaphorisches Beiwerk bleiben.

Reality steht noch aus.

I expect that you think that I should be haunted
But it never really bothers me

Retro


RoboLuster

Hm, interessant. Kenne bisher nur Rubber, und den fand ich wirklich gut.

Werde mir wohl mal Wrong anschauen, dann Reality und Wrong Cops. Danke.
https://youtu.be/RPQOMyyg9b8                          
"Shoot first, think never!" - Ash

PierrotLeFou

20 August 2020, 06:21:08 #4 Letzte Bearbeitung: 20 August 2020, 06:22:41 von PierrotLeFou
"Le daim" wurde ja coronabedingt um den deutschen Kinostart gebracht (recht verdient, wenn ich mir die Umtitelung von "Deerskin" in "Monsieur Killerstyle" ins Gedächtnis rufe!) und startet nun im September als Stream bzw. DVD/Blu-ray... der wirkte insgesamt schon leicht bemüht auf mich und verheddert sich etwas in einem schwachen Mediensatiren-Strang, wohingegen der Part um die mörderische Besessenheit durch eine Wildlederjacke dank Jean Dujardin in der Hauptrolle gut funktioniert. Mit solchen Machismus-Attitüden spielt Dujardin ja gerne; aber um das auf 77 Minuten zu strecken, benötigte man wohl noch diesen "Amoklauf wird zum Filmprojekt"-Plot, der nur ganz hauchzart darüber, dass die Eitelkeit und die Kamera fraglos Berührungspunkte aufweisen, an der Ausgangssituation hängt... für eine ganz, ganz schwache 7/10 reichte es mir.
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Retro

Nun ist mir auch die CD in die Hände gefallen, mit der Dupieux unter dem Namen "Mr. Oizo" wohl das erste mal großen Erfolg hatte, "Flat Beat".
Musikalisch ist das gar nicht meine Welt, für mich klingt das elektronische Gepiepse wie ein alter Computer,
der in irgendeinem Takt akustische Fehlermeldungen ausgibt.
Man könnte es auch "Elektronische Geräusche in Stereo" nennen, das da das ganze ohne Gesang daherkommt:



Den Sinn für eher schrägen Humor kann man aber wohl auch hier schon erkennen,
jedenfalls habe ich noch nie zuvor einen solchen Hinweis auf einer CD entdeckt:



 :lol:

Retro

Update:

MONSIEUR KILLERSTYLE (2019)



Georges (Jean Dujardin) hat sich von seiner Frau getrennt und will sein Leben komplett ändern.
Als er beim betanken des Autos sein Spiegelbild sieht, reift sein Beschluss komplett. Weg mit den Spießerklamotten, ein "Killerstyle" muss her!
Seine alte Cordjacke wird symbolisch in der Toilette der Tankstelle ertränkt, und über eine Zeitungsanzeige eine neue, besondere Jacke gekauft.
Diese ist aus 100% Hirschleder, hat fürchterlich unmoderne Fransen und ist ihm etwas zu klein- dafür aber teuer.
7500€, sein komplettes Geld legt er dafür hin. Als Bonus schenkt ihm der Verkäufer noch einen kleinen Camcorder dazu.
Seine Frau hat inzwischen das Konto gesperrt, so dass Georges ein finanzielles Problem kriegt.
Er mietet sich in einer billigen Absteige in einem kleinen Dorf ein, und gibt seinen Ehering als Zahlungsmittel für die Miete her.
In der kleinen Kneipe im Ort lernt er Barkeeperin Denise kennen, um ihr zu imponieren behauptet Georges er wäre Filmemacher-
schließlich besitzt er neben einer tollen Jacke auch eine Kamera. Zufällig ist Denise eine Hobby-Filmcutterin, und die beiden tun sich zusammen.
Alleine im Hotelzimmer macht sich das erste mal bemerkbar, was Georges ganzes Leben verändern wird:
Die Jacke spricht zu ihm- sie will die einzige Jacke auf der Welt sein, und Georges soll alle anderen Jacken vernichten.
Nun hat Georges eine Mission- und die Idee für seinen Film: Er filmt sich selbst bei seinem Versuch, alle Jacken einzusammeln.
Mit allen Mitteln, Auch mit Gewalt. Und Denise soll daraus dann einen schlüssigen Film zusammenschneiden...

Ein wenig skurril ist auch dieser Film wieder geworden, wenn auch ganz anders als alle vorherigen Filme von Dupieux.
Der schleichende Wahnsinn betrifft diesmal nicht den kompletten Film, sondern größtenteils nur Jean Dujardin als Georges,
welcher diese Rolle geradezu meisterhaft hinkriegt. Und selbst wenn auch der Rest noch ein wenig schräg daherkommt:
Was ist schon eine sprechende Hirschlederjacke gegen mordende Autoreifen oder ein Büro in dem es dauernd regnet? Eben.
Der Dupieux-typische absurde schwarze Humor ist jederzeit vorhanden, ebenso wie schrullige Figuren und ein paar Gewaltspitzen.
Eventuell versucht Dupieux langsam in den Mainstream zu kommen, schließlich war schon sein vorheriger Film "normaler" als alle zuvor.
Wenn das der Fall sein sollte, kann man ihn nur beglückwünschen:
Monsieur Killerstyle ist deutlich leichter konsumierbar als alle vorherigen Filme, auch verhältnismäßig realistisch- aber immer noch typisch Dupieux.

8/10

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