Us bzw. "Wir" (von Jordan Peele)

Erstellt von StS, 25 Dezember 2018, 17:54:52

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StS

25 Dezember 2018, 17:54:52 Letzte Bearbeitung: 11 April 2019, 13:59:20 von StS


After sending shockwaves across contemporary culture and setting a new standard for provocative, socially-conscious horror films with his directorial debut, Get Out, Academy Award®-winning visionary Jordan Peele returns with another original nightmare that he has written, directed and produced.

Set in present day along the iconic Northern California coastline, Us, from Monkeypaw Productions, stars Oscar® winner Lupita Nyong'o as Adelaide Wilson, a woman returning to her beachside childhood home with her husband, Gabe (Black Panther's Winston Duke), and their two children (Shahadi Wright Joseph, Evan Alex) for an idyllic summer getaway. Haunted by an unexplainable and unresolved trauma from her past and compounded by a string of eerie coincidences, Adelaide feels her paranoia elevate to high-alert as she grows increasingly certain that something bad is going to befall her family.

After spending a tense beach day with their friends, the Tylers (Emmy winner Elisabeth Moss, Tim Heidecker, Cali Sheldon, Noelle Sheldon), Adelaide and her family return to their vacation home. When darkness falls, the Wilsons discover the silhouette of four figures holding hands as they stand in the driveway.

Us pits an endearing American family against a terrifying and uncanny opponent: doppelgängers of themselves.


Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=hNCmb-4oXJA
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Wolfhard-Eitelwolf

Erst dachte ich, wasn das fürn seltsames Ding mitsamt völlig unpassendem Soundtrack? Aber sobald der Trailer düsterer wird... yeah, das sieht doch sehr, sehr vielversprechend aus, was da aus dem altbekannten Home Invasion-Muster gemacht wird / wurde!

StS

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Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Moonshade

Ufftata!
Samstag spontan reingegangen und...ist ganz schön anstrengend.

Endlich mal wieder ein Horrorfilm, den man sich "erarbeiten" muss, weil die Idee dahinter zuerst nebulös erscheint und später dann umfangreich (zu umfangreich?) nacherklärt wird.

Peele bringt auch wieder unterschwellige Kommentare zum modernen "Amerika" unter, teilweise sogar ganz witzig, teilweise bestürzend bitter. Einige Ideen sind echt schräg, aber man darf wirklich nicht zu viel verraten (eine Zeitungskritik hat schon eigentlich zu viel preisgegeben, die ich vorab las).
Die erste Hälfte ist eigentlich komplett Situationsbeschreibung + Chekhovs Gun, alles Angeführte kommt dann in Hälfte 2 wieder zurück oder zum Einsatz, wenn die Familie um ihr Leben kämpft.
Dabei erweitert sich der Rahmen dessen, was wirklich geschieht, beständig weiter und nimmt größere Ausmaße an, während man nebenbei eigentlich einer bizarren Home-Invasion-Variante folgt.

Ein gewisser Schwachpunkt ist die Notwendigkeit, das Setting komplett erklären zu müssen, das führt zu Verschleppungen mittendrin und vor allem am Ende.
Der größte Schwachpunkt ist - und das ist sicher diskutabel - der Schluss samt Pointe, die unserer Ansicht nach nicht nachvollziehbar ist. Mit der Pointenidee spielt man eigentlich permanent, verwirft sie dann aus logischen Gründen und kriegt sie dann doch irgendwie serviert und muss sie sich dann logisch zurecht hämmern.

Insgesamt aber ein interessantes und kompetentes Stück Horror, mit wenigen Klischees und seltsamer Stimmung, wobei man den Gore jetzt nicht in den Fokus zieht, aber auch nicht auf ihn verzichtet. Super Darstellerleistungen durch die Bank bis auf den doofen Ehemann. Würde noch knapp 8/10 geben.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

EvilErnie

WIR fand ICH iwi dann doch anders als erwartet. Das soll nicht heißen ich fand ihn kacke, er war auf jeden Fall sehenswert, aber ab Mitte und zum Ende hin nicht mehr so mein Ding. Das Ende scheint ja sowieso kritisch gesehen zu werden, für mich zu belanglos, zu dürftig erklärt. Musik und Ästhetik auf hohem Niveau, die Darsteller allesamt gut, vor allem die Mutter & Tochter sind extra klasse (in beiden Rollen). Dennoch toller zweiter Film von JP. Ich würde mir einen Directors Cut wünschen, der evtl mehr in die Tiefe geht und dadurch vlt noch spannender wird.... 7/10 Punkte gibts trotzdem
,,Der Director's Cut erweist sich nicht nur als die filmisch bessere Version, sondern auch als die einzig logische." (Blade Runner)

Behandel´ne Königin wie `ne Hure und `ne Hure wie `ne Königin, dann kann nichts schiefgehen! (Alien 3 SE)

Ich hab ne Sprengkapsel im Kopf! Du musst mich töten sonst sterb ich! (Ethan Hunt)

Moonshade

Witzigerweise erklären sie zwei- dreimal endlos, was vor sich geht, aber irgendwie bleibt das dürftig für den Zuschauer, vor allem die mäßige Begründung, woher die ganzen Spiegelmenschen kommen und wer die Räume gebaut hat
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EvilErnie

Mir war das am Ende alles zu hanebüchen und zu simpel erklärt. Die Info am Anfang des Films, die gschriebenen Zeilen und dann der Vorspann mit den Hasen ließen mich auf ne ganz andre Idee kommen... aber so sehr geirrt hatte ich mich da nicht. Wie gesagt, ich würde mir einen DC wünschen und freue mich dennoch auf die Zweitsichtung im eigen Heimkino.
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Private Joker

Die Frage, wie die Unterweltler im Detail entstanden sind, was die genau wollen (zB was soll diese "Menschen"kette) und so einiges mehr wird in der Tat kaum oder wenig plausibel erklärt. Aber das muss man wohl zu dem Teil des Filmes rechnen, den die wohlwollenden Kritiker als Teil des Anspruchs als Sozialsatire sehen. Das sind halt die "Unterdrückten" - wie die im Detail zu dem wurden, was sie sind, erklärt einem ja im realen Leben auch keiner. Zu der Sicht passt mMn allerdings nicht, dass die realen Gegenstücke (die gezeigten jedenfalls) keine superreichen Unterdrücker, sondern maximal leicht übergewichtge Mittelschichtler sind.

Schön allerdings, dass der Film auch als straightes, gut fotografiertes Terrorkino prima funktioniert. Unter dem Aspekt auch gute 7 / 10 von mir, über den Rest muss ich noch mal nachdenken.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Moonshade

Okay, da aber jetzt offenbar einige noch den Film gesehen haben:


Kommt das logisch, wenn die Schlusspointe ja besagt, dass das eigentliche Oben-Kind in Wirklichkeit die Anführerin der Unterweltler, während die kämpferische Mama offenbar das patente Unterkind war, welches sich selbst eingetauscht hat (übrigens ein Gag, an den ich von Minute 1 an gedacht habe). Oben kann das Unterkind dann irgendwann sprechen (okay, das sie das lernt, geht noch irgendwie klar), aber dass sie dann irgendwann nicht mehr weiß, dass es die "Räume" gibt/gab und dass sie von da kommt, geht bei mir nicht glatt rein, so klar und bösartig, wie sie die Tauschnummer durchgezogen hat.

Darüber hinaus hätte ja das unten eingeschlossene Oberkind jederzeit von dort wieder abhauen können, es wird ja nicht bis zur Volljährigkeit an die Handschelle geschlossen geblieben sein (bzw. ist sie ja offenbar nicht).

Irgendwie ist da vieles wacklig - auch die Tanzmetapher, wieso die alle Scheren haben (und woher) und der Einfluss, den das Handeln der Oberen auf die Seelenlosen von Unten haben und wie man die aus dem Nachmach-Stupor lösen konnte. Und wie offenbar eine einzige junge Frau es geschafft hat, nicht nur die Säle unter dem Ferienort zu beeinflussen, sondern offenbar in ganz Amerika!  Muss man für die Prämisse alles einfach schlucken.
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EvilErnie

Ganz genau, man muss hier ne enorme Pille schlucken und die dann halt vertragen. Das mindert das Sehvergnügen aber nur etwas.
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Private Joker

Zitat von: Moonshade nach 27 März 2019, 10:30:42Okay, da aber jetzt offenbar einige noch den Film gesehen haben:


Kommt das logisch, wenn die Schlusspointe ja besagt, dass das eigentliche Oben-Kind in Wirklichkeit die Anführerin der Unterweltler, während die kämpferische Mama offenbar das patente Unterkind war, welches sich selbst eingetauscht hat (übrigens ein Gag, an den ich von Minute 1 an gedacht habe). Oben kann das Unterkind dann irgendwann sprechen (okay, das sie das lernt, geht noch irgendwie klar), aber dass sie dann irgendwann nicht mehr weiß, dass es die "Räume" gibt/gab und dass sie von da kommt, geht bei mir nicht glatt rein, so klar und bösartig, wie sie die Tauschnummer durchgezogen hat.

Darüber hinaus hätte ja das unten eingeschlossene Oberkind jederzeit von dort wieder abhauen können, es wird ja nicht bis zur Volljährigkeit an die Handschelle geschlossen geblieben sein (bzw. ist sie ja offenbar nicht).

Irgendwie ist da vieles wacklig - auch die Tanzmetapher, wieso die alle Scheren haben (und woher) und der Einfluss, den das Handeln der Oberen auf die Seelenlosen von Unten haben und wie man die aus dem Nachmach-Stupor lösen konnte. Und wie offenbar eine einzige junge Frau es geschafft hat, nicht nur die Säle unter dem Ferienort zu beeinflussen, sondern offenbar in ganz Amerika!  Muss man für die Prämisse alles einfach schlucken.


Auf die Sache mit den Scheren kam meine Begleitung auch sofort, dazu noch "Und warum müssen die Kaninchen roh essen, haben die kein Feuer ?". Das wären allerdings so Punkte, die bei mir im Genre "fantastischer Film" noch unter künstlicher Freiheit durchgingen. Gravierender schon diese komische Verpaarung, wie weit geht die und wie soll die konkret funktionieren bei alltäglichen Beschäftigungen wie Liebe machen oder in den Krieg ziehen ? Die angesprochene Fragen, die sich aus dem Schlusstwist (den ich erst in der Mitte geahnt habe) ergeben, sind dann tatsächlich so gravierend, dass ihr Offenbleiben den Anspruch oder von mir aus künstlerischen Wert des Filmes schon etwas mindert. Den Unterhaltungswert allerdings eher nicht.

Mal was ganz anderes, da StS den Boxofficethread im Augenblick ja wohl ruhen lässt - ein großer finanzieller Erfolg ist der Film aktuell nur in den US(a). Aus dem Rest der Welt kommen da in der ersten Woche nur 16 Mio im Vergleich zu über 70 aus Trumpland - solche Relationen kennt man sonst nur von religiösen Propagandafilmchen oder Tyler-Perry-Travestien. Irgendwie sehen die (schwarzen ?) US-Amerikaner den aktuell wohl als Pflichtprogramm, während die Thematik dem Ausland schwer zu vermitteln ist. Oder gibt es andere Erklärungen ?
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Moonshade

Ich denke mal, er ist nicht konkret politisch genug, um weltweit als mehr als ein engagierter Horrorfilm wahrgenommen zu werden.
Dazu gibt es wirklich weltweit hier und da noch Zögern, wenn der Cast komplett afroamerikanisch ist - das zieht meistens wirklich viel mehr im Mutterland.

Man kann das auch gut am Vorgänger "Get Out" ablesen, der tatsächlich auch genau zwei Drittel daheim in den Staaten und nur ein Drittel im Rest der Welt einspielte, während es inzwischen sonst eher andersherum ist.
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Private Joker

Ich hätte da eigentlich gedacht, mit dem auch weltweiten Erfolg des Black Panther (selbst wenn die Avengers international immer noch und gegen den US-Trend deutlich vorne liegen) wäre die eingebaute Boxoffice-Bremse für All-Black-Casts zumindest mal in Genre- und Unterhaltungsfilmen einigermaßen gelöst.

Und Get-Out: Wenn der mit seiner klaren "schwarzen" Thematik immerhin auf eine 2:1 Relation kommt und US derzeit bei irgendwas um 4:1 steht (vielleicht kommen noch ein paar Länder dazu), dann hat die internationale Vorabwerbung für den aber klar versagt. Immerhin geht es da nach Kritikerlesart eher um soziale Fragen, es geht (ein wenig) gegen Trump, beides geht eigentlich doch immer in Europa. Und ein paar Weiße in nicht nur negativen Rollen kommen da ja auch vor.
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vodkamartini

Black Panther hat ebenfalls in den USA mehr eingespielt (52%) wie im Rest der Welt. Das gab es bei keinem anderen Marvel-Film. So gesehen ist Moonshades Analyse absolut treffend. Man sieht das beispielsweise auch an den Filmen Denzel Washingtons (in den USA fast immer 100+ Mio.) und da geht es "nur" um einen afroamerikanischen Hauptdarsteller.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Private Joker

28 März 2019, 23:47:06 #14 Letzte Bearbeitung: 28 März 2019, 23:49:23 von Private Joker
Beim Panther und seinem internationalen Abschneiden reden wir da aber über eine kommerzielle Dimension, bei der "Jammern auf hohem Niveau" noch untertrieben werden. Zudem ist ja Generalkonsens hier im Forum und darüber hinaus, dass der Film selbst nur gepflegtes Mittelmaß ist; da ist die ganz leichte weltweite Zurückhaltung ja vielleicht auch ein Stück weit Ausdruck von unverstelltem Blick oder von mir aus von gutem Geschmack.

Dass Denzel weltweit nicht das Standing hat, das er wahrscheinlich verdient, wundert mich auch etwas; andererseits: ein Film wie "Roman J.Israel" wäre auch mit einem weißen Darsteller todsicher kein Riesenhit. Equalizer 2 dagegen liegt in Deutschland besuchertechnisch etwas über den letzten Werken vergleichbarer Thematik zB mit Neeson. Wenn es Darsteller aus der afro-amerikanischen Szene gibt, die mich vom Kinobesuch abhalten würden, wären es am ehesten diese arg großmäuligen "Komiker" Marke Kevin Hart, und da bin ich bestimmt nicht der einzige.

US/Wir, um darauf zurückzukommen, ist in Deutschland übrigens mit 130.000 Zuschauern auch eher schwach und mit der Hälfte der Zuschauer von Cap Marvel in deren dritten Woche gestartet. Trotz solider Kritiken und vermutlich auch vernünftigem Feedback von denen, die drin waren.
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Moonshade

Ich würde mal tippen, dass der politisch-gesellschaftliche Unterton bei Horrorfilmen zwar gern gesehen, bei den Kinogängern aber eigentlich relativ egal ist - außer an akuter Stelle, wie in den USA.
Ansonsten ist das eher hinderlich, weil Horror=Spass immer noch der Haupt-Kreisch-Faktor für einen Besuch ist.

Dazu kommt, dass "US" kein Sensationselement beinhaltet, kein Must-See, wie Extremterror, Mode-Ideen wie Found Footage, wie Gore.
Es ist - wer sich tatsächlich an den Inhalt macht - ein mysteriöser Home-Invasion-Film, das ist "eigentlich" nichts Neues.

Er nimmt auch noch auf nichts Bezug, kein Sequel, keine Franchise zum Drauf Aufbauen - alles was er hat zum Vermarkten ist Peele Vorgänger und dessen Erfolg. Dazu geht es noch um Familie, das ist nicht zwingend ein unterhaltsames Thema.

Und für fünf Cents ist vielleicht auch noch der Titel ein Hindernis.

Vielleicht tut noch die Mundpropaganda was Positives, allerdings könnten auch da die vielen offenen Fragen/Ende eher hinderlich sein auf dem Weg zum Mega-Erfolg.
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Private Joker

Mundpropaganda: Ja, in Deutschland soll der am 2. Wochenende wohl genauso viele Besucher schreiben wie am ersten. Nicht auf Überniveau, aber immerhin. In den USA sollten gegen den fliegenden Elefanten auch vernünftige Zahlen drin sein, wobei die vor Start prophezeiten finalen 200+x Mio wohl auch nicht oder nur knapp passieren werden. Das allerletzte Quäntchen Begeisterung hat der da vielleicht doch nicht geweckt (Glatt "B", glaube ich bei diesen Audience Polls).

Und Thema Ende: Was wir noch gar nicht diskutiert haben - das ist ein Blumhouse-Produkt, und der gute Jason, geschäftstüchtig bis zur Hutkrempe, hatte doch zu jeder Produktionsphase garantiert schon ein Sequel vor Augen, der Erfolg war ja eigentlich schon eingepreist. Vielleicht hat man sich auch deshalb für ein eher offenes, zumindest reichlich Ansatzpunkte für eine Fortsetzung bietendes Ende entschieden,

So was kann aber bisweilen auch nach hinten losgehen - das Sequel zu diesem Murmeltier-Horror ist zuletzt auch eher glanzlos gelaufen.
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Moonshade

Einspruch!  :mr.green:
"Us" ist kein Blumhouse-Film.
"Get Out" war einer, aber ich hatte mich schon gewundert, dass nicht dieses wunderbare Blumhouse-Intro kam, stattdessen das noch genialere "Monkeypaw"-Intro mit der abgerissenen Hand im fahrenden Zug.
Finde bei imdb keinen Hinweis auf Blumhouse, vielleicht hatte das Peele jetzt nicht mehr nötig.
Aber momentan macht er ja wohl sowieso erst mal Moderation plus ggf. Regie bei "Twilight Zone".

Darüber hinaus halte ich es für riskant, für einen Horrorfilm (kein Sequel!) vor dem Start 200 Mio zu prognostizieren. 100 sind da immer noch jeweils ein Riesenerfolg in den meisten Fällen. Wenn die bei den Prognosen da einfach nur auf das Ergebnis vom Vorgänger gucken, der aber nix damit zu tun hat, dann kann ich deren Job auch...
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PierrotLeFou

Habe ihn nun auch gesehen und mochte ihn eine ganze Ecke lieber als "Get Out"; wirkte weit effektiver auf mich und war weniger direkt in seinem Anliegen.

Zitat von: Moonshade nach 27 März 2019, 10:30:42Okay, da aber jetzt offenbar einige noch den Film gesehen haben:


Kommt das logisch, wenn die Schlusspointe ja besagt, dass das eigentliche Oben-Kind in Wirklichkeit die Anführerin der Unterweltler, während die kämpferische Mama offenbar das patente Unterkind war, welches sich selbst eingetauscht hat (übrigens ein Gag, an den ich von Minute 1 an gedacht habe). Oben kann das Unterkind dann irgendwann sprechen (okay, das sie das lernt, geht noch irgendwie klar), aber dass sie dann irgendwann nicht mehr weiß, dass es die "Räume" gibt/gab und dass sie von da kommt, geht bei mir nicht glatt rein, so klar und bösartig, wie sie die Tauschnummer durchgezogen hat.

Darüber hinaus hätte ja das unten eingeschlossene Oberkind jederzeit von dort wieder abhauen können, es wird ja nicht bis zur Volljährigkeit an die Handschelle geschlossen geblieben sein (bzw. ist sie ja offenbar nicht).

Irgendwie ist da vieles wacklig - auch die Tanzmetapher, wieso die alle Scheren haben (und woher) und der Einfluss, den das Handeln der Oberen auf die Seelenlosen von Unten haben und wie man die aus dem Nachmach-Stupor lösen konnte. Und wie offenbar eine einzige junge Frau es geschafft hat, nicht nur die Säle unter dem Ferienort zu beeinflussen, sondern offenbar in ganz Amerika!  Muss man für die Prämisse alles einfach schlucken.


So einige Ungereimtheiten sind mir da auch übel aufgestoßen, wobei ich mich damit arrangieren konnte, indem ich dieser konkreten Handlung weniger Aufmerksamkeit widme als dem Subtext... ist natürlich dennoch ärgerlich...
Aber an Fragen wie "Woher kommen die Scheren" stoße ich mich nicht. Die Schere ist ein Symbol für das Trennen (Entketten) und Symbol für eine Kluft, eine Spanne... insofern passt es. Beim "Höhlengleichnis" fragt man sich ja beim Lesen auch nicht nach dem "Warum" und dem "Woher"...


Schwerer wiegt in meinen Augen die Unklarheit, was nach dem Tausch passiert. Von Berechnung der Kopie würde ich nicht unbedingt sprechen. Ein richtiges Bewusstsein kommt ja erst durch die Begegnung mit dem Original an der Grenze zustande. Den Gesichtsausdruck würde ich einmal dieser nichtmenschlichen Entstehung/Existenz zuschreiben, einmal über den Rückblinden-(Erinnerungsbild-)Charakter erklären (und letztlich durchaus als kleinen Schnitzer verbuchen, der wegen des Effekts in Kauf genommen worden ist).
Entscheidender ist für mich die Zeit direkt nach dem Tausch: es ist nicht verständlich, wieso die Verhaltensweisen zwischen beiden Figuren einander auch nach dem Tausch offenbar weiterhin ähnlich sind (dasselbe Tanzen, dieselben Kinder (was auf eine Vergewaltigung hinauslaufen müsste)), zugleich aber eben auch diese Abweichung, die ja erst die Revolte erzeugt...
Mit derselben Verhaltensweise könnte man die nicht stattfindende Flucht erklären - aber diese findet ja letztlich nach langen Jahren doch statt...

Mit der Erinnerung beim Twist habe ich auch so meine Probleme gehabt. Allerdings, da müsste ich bei einer Zweitsichtung noch einmal drauf achten, muss es ja keine Erinnerung sein, sondern womöglich bloß eine Vorstellung, dass es ja u.U. damals so abgelaufen sein könnte... (Was dann aber wieder nicht erklären würde, weshalb die eine Kopie nun als einzige sprechen kann...)

Ich habe diese Punkte dann auch einfach ausgeblendet und mich damit begnügt, dass am Ende noch einmal das Gemeinsame zwischen den Originalen und den Kopien betont wird, die durch die äußeren Umstände entsprechend umgeformt werden können...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Stefan M

Ursprünglich war ein Kinobesuch mit meiner Schwester geplant, aber Ohrenschmerzen hielten sie fern, so daß ich letztlich allein drin war.

Ich weiß nicht so recht, ob ich mich im Kino grundsätzlich immer wesentlich leichter beeindrucken lasse oder ob ich zufälligerweise einfach viel Glück mit den Filmen habe, denn auch "Wir" hat mir sehr gut gefallen: in der ersten halben Stunde ein hübscher Grusler, danach gewöhnt man sich dran, kann sich aber über ein irrsinniges Tempo mit recht beachtlichem Blutanteil freuen. Jedenfalls kommt Peele deutlich schneller zum Punkt als in "Get Out". Dort wurde ja erst kurz vor dem Finale die Katze aus dem Sack gelassen, was ich aber keineswegs als Kritikpunkt verstanden haben will. Da fand ich eigentlich das Mysterium interessanter und empfand die Auflösung eher als notwendiges Übel. Das fand ich hier besser gelöst. Schön auch der wieder regelmäßig eingestreute Humor: Vielfach geht der auf das Konto des Familienvaters (seine Sprüche fand ich auch durchaus lustig), aber nicht ausschließlich. Herrlich etwa die Szene, in der die Mutter einen der Spiegelmenschen erledigt und dabei die gleichen Grunzlaute von sich gibt wie die Widersacher, woraufhin sie einen irritierten Blick ihres Sohnes erntet, der wohl überlegt, ob das auch wirklich seine Mami ist.

Jetzt, da ich die ganzen Spoiler gelesen habe, muß ich zugeben, mich an vielen der hier aufgezählten Logikfragen gar nicht gestoßen zu haben - an so kleinen Details wie der Schere sowieso nicht, aber auch nicht an der Schlußpointe. Das kann ich für den Moment als Gedächtnisverlust abtun: Durch den Austausch gehen entscheidende Erinnerungen verloren, die sie erst wieder erlernen müssen: der Klon oben und das "echte" Mädchen unten. Das Mädchen unten wächst mit all den Verrückten auf und wird darüber hinaus selbst wahnsinnig, der Klon oben muß erst die Sprache erlernen und kapiert erst nach der finalen Konfrontation, was seinerzeit wirklich passiert ist. Gut möglich, daß das eine oder andere Element vielleicht etwas schief eingebaut wurde, woran ich mich bei näherer Überlegung stoßen werde; es hatte mich aber nicht wirklich gestört. Das waren dann doch eher die auch schon angesprochen "Erklärbär"-Momente. Die Idee zweier Parallelwelten, in denen sich exakt das Gleiche, nur in anderer Form abspielt, finde ich allerdings endlos faszinierend - wobei sich mir die Tanz-Metapher ehrlich gesagt auch nicht erschlossen hat.

Insgesamt ein schönes Ding. 8/10.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

StS

Jip, ist tatsächlich nicht von "Blumhouse" - wohl aber von Jason Blum produziert.

Den Film an sich fand ich wirklich gut. Klar gibt es einige etwas unlogische Punkte und diverse bewusst offen gelassene Fragen am Ende - aber mir gefiel die nicht unbedingt konventionell aufgezogene Geschichte, die starke Musikuntermalung (Score plus spezielle Songs) sowie die eine oder andere wirklich stark arrangierte Sequenz. Dazu noch ordentliche bis gute Darsteller, stimmige Bilder, Spannung, Atmosphäre, etwas Humor sowie einzelne Härten: Peele hat mich auch mit seinem zweiten Genre-Werk unterhalten und überzeugen können.

knappe 8/10
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Wolfhard-Eitelwolf

Mit einiger Verspätung jetzt auf Blu Ray nachgeholt - und alles in allem fand ich "Get out" doch noch einen Tick besser und in sich stimmiger. "Wir" ist ohne Frage ein hochwertig inszenierter, temporeicher und gut gespielter HomeInvasion-Thriller mit durchaus unerwartetem (jedoch letztlich schnell erahnbarem) inhaltlichem 180°-Genre-Schwenk in der Folge. Aber er wirkt auch etwas überfrachtet, was sich dann insbesondere im Finale trotz netter Auflösung äußert. Vielleicht hätte man die ganzen Ideen auf zwei Filme aufteilen sollen?
Mir ist jedenfalls eine stringentere Genreausrichtung und ein intensiveres Terrorgefühl a la The Strangers unterm Strich lieber - aber zweifelsohne wird auch der Ansatz von "Us" berechtigterweise seine Fans finden. 7/10 von mir - aber wenig Zeitsichtungspotenzial.