Gemini Man (2019 - Will Smith, Ang Lee, Jerry Bruckheimer)

Erstellt von StS, 24 April 2019, 16:47:13

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast schauen sich dieses Thema an.

StS



Director: Ang Lee
Cast: Will Smith, Clive Owen, Mary Elizabeth Winstead, Benedict Wong, ...

An over-the-hill hitman faces off against a younger clone of himself...


Ang Lee dreht für Bruckheimer nen Sci-Fi-Action-Thriller mit Will Smith.
Nunja... der Trailer haut mich nicht gerade um.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Newendyke

Das Thema hatten wir im Grunde schon in Looper, ist aber interessant. Jedoch musste ich mir den trailer zwei Mal ansehen, um dann endlich verstanden zu haben, welcher Smith jetzt über den jeweils anderen Smith redet.  Technisch scheint er ja sehr fein umgesetzt zu sein, der Klon sieht wie zu Bel Air-Zeiten aus, TOP!

Aber ja, STS, geht mir irgendwie ähnlich, was wohl leider an Smith liegen mag... der Mann zieht bei mir gar nicht mehr. Habe in den letzten Jahren fast keinen seiner Filme gesehen... und diesem hier scheint wohl das selbe Schicksal zu treffen.


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)


StS

"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Glod

Trailer über 4:30...mal wieder die Reader's Digest-Version vom ganzen Film? Passe. Erster Trailer sah aber sehr ordentlich aus.
"Er wird mir eine Kugel verpassen und dann Selbstmord begehen." -Nina Meyers-

"Wir passen schon auf, dass er keinen Selbstmord begeht." -Jack Bauer-

Hitfield

Laut erster Reaktionen seitens der Fachpresse auf der SDCC sollen die Effekte und der technische Fortschritt eine Revolution sein (wie einst z. B. bei "T2" oder "Avatar") - und Produzent Michael Bay spricht sogar davon, der Film markiere einen Meilenstein wie der Übergang vom s/w- auf den Farbfilm.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

ironfox1

Die können damit eigentlich nur den jungen Will Smith gemeint haben, denn die Green Screen Aufnahmen sind eher durchschnittlich. Mir ist auch gestern bei der ersten Folge von The Boys wieder aufgefallen, dass CGI Szenen bzw. Green Screen Aufnahmen bei Serien ein homogeneres Bild ergeben und nicht so stark hervorstechen, wie bei Hollywood Filmen. Ich frage mich allerdings weshalb, wo doch bei Filmen vielmehr Budget zur Verfügung steht?       


Private Joker

Vielleicht geht es bei dem "technischen Fortschritt" auch wieder um das 120 FPS/3D, wobei das bei Lees letztem (Billy Lynn) ja auch schon zum Einsatz kam. Nur dass das bei einem Eventmovie natürlich besser aufgehoben ist.

Wie dem auch sei, die ersten Kritiken sind mal wieder hart an der Grenze zu "vernichtend" (22 % RT im Vorfeld, und tendenziell geht es da meist noch etwas runter). So langsam muss man sich tatsächlich Sorgen machen beim Thema "Hollywood und Originalstoffe", so wie das aktuell läuft, bekommen wir bald nur noch Franchisefilme und ein paar billige Grusler zu sehen. Wobei sich das Feld der funktionierenden Franchises auch schon massiv verdünnt hat in Richtung Marvel und (teilweise) Star Wars, dazu endlose Reboots von Stoffen, bei denen das Publikum eigentlich klar gemacht hat, dass es die nicht mehr sehen will (Terminator, MiB). Und wenn es denn mal was Neues gibt, bleiben die Zuschauer auch weg (Ad Astra) oder es kommen - wahrscheinliche - Gurken raus wie der hier.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Newendyke

Ja, Private, und wohl einer der vielen Gründe, warum streaming seit Jahren durch die Decke geht. Wobei man hier auch leider sagen muss, Smith hat schon lange seinen Zenith als Zuschauermagnet überschritten.
Und wer weiß, wie lange dieser Trend noch anhalten wird... vielleicht 5 weitere Jahre... dann ist die Frage, wie sich Streaming und Kino weiter verändern werden. Entweder wird dann das Zeitalter des Kinosterbens eingeläutet werden oder es kommt sowas wie eine New Hollywood-Phase, die alles dagewesene in den Schatten stellen wird.
Ich gehe mittlerweile auch eher selten ins Kino, die Zeiten, in denen ich ein paar Mal im Monat ins Lichtspielhaus gegangen bin, sind schon länger pasé.


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

vodkamartini

Streaming geht nur durch die Decke, weil die Masse schlicht zu faul ist, sich von der heimischen Couch ins Kino zu bewegen. Mit mangelnder Qualität des Kinos, oder gar toller der Streaming-Dienste hat das imo nur sehr wenig bis gar nichts zu tun. Gerade Netflix hat in seinen eigenproduzierten Spielfilmen bisher so gar nichts Erinnernswertes zustande gebracht. Der Smith-Film "Bright" ist bestimmt keinen Deut besser wie Gemini Man und der lasche 1000ste Tarantino-Clon mit Mikkelsen (ich glaub der heißt Polar) ist auch eine üble Gurke. Das ist null Konkurrenz zum Kino in Sachen Qualität or Originalität.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Private Joker

Der Punkt ist aber der - das Kino (grob gerechnet 14 Euro plus Anreise, Parken, Verzehr für einen Film (in der Schweiz noch mehr, wie ich vom Kollegen Eric gerade gelesen habe) müsste tatsächlich deutlich besser sein als Netflix (12 Euro für den ganzen Monat + ein Bierchen aus dem Kühlschrank). Reiner Gleichstand auf welchem Niveau auch immer reicht da nicht, zumal Netflix ja auch deutlich aufrüstet, siehe Irishman.
 
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

vodkamartini

Ich sehe da ehrlich gesagt auch keinen Gleichstand. Habe noch keinen überdurchschnittlichen Spielflm von Netflix gesehen. Für mich als jemand, der sein Leben nicht mit 1000 Serien verbringen will, ist Netflix praktisch irrelevant.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Hitfield

Kann mich den letzten beiden Beiträgen von vodkamartini nur anschließen.

Gehöre aber auch zu der Minderheit, die bislang nur sehr wenig herausragende Produktionen bei anderen Streaming-Diensten wie Amazon Prime entdecken konnte. Was ich bislang gesehen habe, sah letztendlich recht kostengünstig aus, was die Effekte oder Kulissen angeht (wie bei "The Terror" oder "The Man in the High Castle"); und die Drehbücher waren furchtbar auf ökonomische Dreharbeiten fokussiert (viele belanglose Dialoge; viele halbnahe Einstellungen, um möglichst wenig Umgebung/Kulissen zeigen zu müssen usw.).

Mein Punkt ist daher ebenfalls: bislang sehe ich da keine echte Konkurrenz zu Spielfilmen, egal ob fürs Kino oder sogar nur für DVD/BR-Premieren produziert.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

DisposableMiffy

3 Oktober 2019, 12:31:50 #13 Letzte Bearbeitung: 3 Oktober 2019, 13:35:00 von DisposableMiffy
Wer hier durch Ang Lees Beteiligung auf etwas Tiefgang hofft, den die Prämisse ohne Weiteres hergegeben hätte, wird wohl enttäuscht werden, denn Gemini Man ist klar als Jerry Bruckheimer-Produktion zu erkennen. Zum einen merkt man, dass die Ursprünge des Projekts schon zwanzig Jahre zurück liegen, zum anderen bekommt die Action stets den Vortritt vor den Figuren und deren Entwicklung.

Die HFR sorgt einerseits für ein brillantes 3D und produziert fantastische Aufnahmen in dunklen Szenen, resultiert bei Helligkeit aber auch in ein paar sehr unnatürlich wirkenden Kamerabewegungen. Das größere Problem für mich ist allerdings, dass meine suspension of disbelief mit Anlauf in den Allerwertesten geknattert wird, weil ich oft das Gefühl hatte,  direkt am Set zu stehen und das Geschehen live zu beobachten. Das ist aber nicht, was ich von einem Film möchte.

Was dafür umso besser funktioniert hat ist der junge Smith. Ich finde es fast schon erschreckend, wie echt ein am Computer kreierter Mensch inzwischen wirkt. Zu 99.5% war das für mich absolut überzeugend. Die fehlenden 0.5% sind zwei drei Momenten geschuldet, in den die Mundbewegungen ein bisschen merkwürdig wirkten.

Als Technikdemo interessant, als Film weniger.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

vodkamartini

Nur, wer will eine Technik-Demo im Kino sehen? Kann sich doch jeder auf seiner heimischen PS4 damit vergnügen, denn so soll der Film ja weitestgehend aussehen. Hab ihn allerdings selbts nocht nicht gesehen.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

DisposableMiffy

Wie bei Jacksons Hobbit-Filmen dürfte der Effekt in den normalen 24fps-Vorstellungen kaum wahrzunehmen sein.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

McClane

Zitat von: Private Joker nach  1 Oktober 2019, 16:55:13Der Punkt ist aber der - das Kino (grob gerechnet 14 Euro plus Anreise, Parken, Verzehr für einen Film (in der Schweiz noch mehr, wie ich vom Kollegen Eric gerade gelesen habe) müsste tatsächlich deutlich besser sein als Netflix (12 Euro für den ganzen Monat + ein Bierchen aus dem Kühlschrank).

Was ich bei diesen Rechnungen nie verstehe: Ist menschenwürdiges Filmeschauen im Kino eigentlich nur möglich, wenn man dabei die 8 Liter Popcorn mit 3 Liter Cola zum Schnäppchenpreis von 29,99 € herunterspült? Mal ganz abgesehen davon, dass viele Kinos erfreulicherweise wieder auf Taschenkontrollen verzichten (selbst der früher überstrenge Cinedom im Köln), also kann man was zum Verzehr auch von Zuhause mit ins Kino nehmen.

Zitat von: DisposableMiffy nach  3 Oktober 2019, 12:31:50Wer hier durch Ang Lees Beteiligung auf etwas Tiefgang hofft, den die Prämisse ohne Weiteres hergegeben hätte, wird wohl enttäuscht werden, denn Gemini Man ist klar als Jerry Bruckheimer-Produktion zu erkennen. Zum einen merkt man, dass die Ursprünge des Projekts schon zwanzig Jahre zurück liegen, zum anderen bekommt die Action stets den Vortritt vor den Figuren und deren Entwicklung.

Die HFR sorgt einerseits für ein brillantes 3D und produziert fantastische Aufnahmen in dunklen Szenen, resultiert bei Helligkeit aber auch in ein paar sehr unnatürlich wirkenden Kamerabewegungen. Das größere Problem für mich ist allerdings, dass meine suspension of disbelief mit Anlauf in den Allerwertesten geknattert wird, weil ich oft das Gefühl hatte,  direkt am Set zu stehen und das Geschehen live zu beobachten. Das ist aber nicht, was ich von einem Film möchte.

Was dafür umso besser funktioniert hat ist der junge Smith. Ich finde es fast schon erschreckend, wie echt ein am Computer kreierter Mensch inzwischen wirkt. Zu 99.5% war das für mich absolut überzeugend. Die fehlenden 0.5% sind zwei drei Momenten geschuldet, in den die Mundbewegungen ein bisschen merkwürdig wirkten.

Als Technikdemo interessant, als Film weniger.

Würde mich da teilweise anschließen. Die Projektursprünge merkt man dem Film an, der wäre um die Jahrtausendwende wohl das Konkurrenzprodukt zu "The 6th Day" gewesen und dabei in die Bruckheimer-Hochphase gefallen. Problematisch ist allerdings, dass man da mal wieder einen Bierdeckelplot, den man 90-100 Minuten abfrühstücken könnte, auf zwei Stunden aufgeblasen hat, ähnlich wie bei "Headshot" oder "Run All Night". Und wie bei besagten Filmen sind die 20-30 Minuten, die man problemlos cutten könnte, einem Versuch von Tiefe und Charakterentwicklung geschuldet, die eher behauptet als tatsächlich da sind. Kann aber sein, dass genau das Ang Lee an dem Projekt reizte, wenn der Klon quasi das Jüngere selbst ist, mit den Chancen zum Neustart und zum "Mach das mal besser".

Die Unmittelbarkeit in den Actionszenen fällt auf, es wirkt tatsächlich teilweise eher wie beim Making Of im TV oder DVD-Bonusmaterial, aber es ist - wie Miffy schon sagt - wohl auch eine Frage der Gewöhnung. Es ist auch nicht meine ästhetische Präferenz, aber schlecht sieht es nicht aus und die gebotene Action rockt schon ganz gut. Ich hab das Ganze in 60 FPS gesehen, was wohl in D am nächsten an das 120-FPS-Format rankommt (ich weiß nicht, ob man das inzwischen hierzulande projezieren kann? Bei "Billy Lynn" konnten es wohl selbst in den USA nur ganze drei Kinos).

Das Smith-De-Aging dürfte technisch echt neue Standards setzen, aber als reine Technikdemo würde ich den Film jetzt nicht bezeichnen. Gerade was die Bildkomposition angeht, merkt man halt, dass bei Regie und Kamera Könner am Werke sind (Krypta-Fight, Unterwassersequenzen usw.). Sieht abgesehen von allen technischen Aspekten fantastisch aus, auch wenn das Ganze schreiberisch ein ziemliches Leichtgewicht ist.
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

DisposableMiffy

Zitat von: McClane nach  8 Oktober 2019, 12:29:43Was ich bei diesen Rechnungen nie verstehe: Ist menschenwürdiges Filmeschauen im Kino eigentlich nur möglich, wenn man dabei die 8 Liter Popcorn mit 3 Liter Cola zum Schnäppchenpreis von 29,99 € herunterspült?

Das frage ich mich auch immer...

Zitat von: McClane nach  8 Oktober 2019, 12:29:43Das Smith-De-Aging dürfte technisch echt neue Standards setzen, aber als reine Technikdemo würde ich den Film jetzt nicht bezeichnen. Gerade was die Bildkomposition angeht, merkt man halt, dass bei Regie und Kamera Könner am Werke sind (Krypta-Fight, Unterwassersequenzen usw.). Sieht abgesehen von allen technischen Aspekten fantastisch aus, auch wenn das Ganze schreiberisch ein ziemliches Leichtgewicht ist.

Als reines Technikdemo sehe ich den Film auch nicht, aber der technische Aspekt (da habe ich die Kameraarbeit miteinbezogen) ist für mich interessanter als die Geschichte und die Figuren.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.