Knives Out (Whodunit-Murder-Mystery von Rian Johnson)

Erstellt von StS, 3 Juli 2019, 11:53:59

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Moonshade

Nööö, ehrlich gesagt hab ich die Frau mitgenommen - und die hat sich auch gut amüsiert.

Ich für meinen Teil hab schon seit Tagen mit den Hufen gescharrt, aber spätestens nach drei Minuten Interview der Familie war mir klar: das funktioniert so nicht.
Es wurde dann zwischendurch immer mal wieder ein wenig besser, aber meistens hat das ganze Laber-Rhabarber den Spaß für mich abgetötet. Mit Fokus auf die Auflösung gings dann auch halbwegs bis ins Ziel.
Das Publikum war aber ganz zufrieden, glaub ich.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

Eric

Zitat von: Moonshade nach 21 Januar 2020, 14:19:43Nööö, ehrlich gesagt hab ich die Frau mitgenommen - und die hat sich auch gut amüsiert.

Ich für meinen Teil hab schon seit Tagen mit den Hufen gescharrt, aber spätestens nach drei Minuten Interview der Familie war mir klar: das funktioniert so nicht.
Es wurde dann zwischendurch immer mal wieder ein wenig besser, aber meistens hat das ganze Laber-Rhabarber den Spaß für mich abgetötet. Mit Fokus auf die Auflösung gings dann auch halbwegs bis ins Ziel.
Das Publikum war aber ganz zufrieden, glaub ich.

Eigentlich gebe ich dir sogar recht.
Wenn ich da jetzt an die ganzen wirklich guten Miss Marple, oder Hercule Poirot Verfilmungen mit Peter Ustinov denke, oder auch an Filme wie EINE LEICHE ZUM DESSERT oder ALLE MÖRDER SIND SCHON DA, dann sind das schon andere Kaliber als KNIVES OUT.

Aber, und das halte ich KNIVES OUT zu Gute, es ist endlich mal wieder ein netter WHODUNIT Film.
Liebe Ursula,
wünsch dir frohe Ostern, nen tollen Namenstag und nen guten Rutsch ins Jahr 1978!
Grüsse aus der Alzheimergruppe, deine Tante Günther!

Ich hasse Menschen, Tiere + Pflanzen. Steine sind ok.

Stefan M

Zitat von: Moonshade nach 21 Januar 2020, 14:19:43Ich für meinen Teil hab schon seit Tagen mit den Hufen gescharrt, aber spätestens nach drei Minuten Interview der Familie war mir klar: das funktioniert so nicht.
Wie ich schrieb, fand ich den Einstieg auch etwas sperrig, so daß ich mir sagte: "Hoffentlich geht das so nicht weiter." Aber mit dem ersten Verhör mit Marta hatte der Film meine vollste Aufmerksamkeit. Ab dem Zeitpunkt war das für mich ein buntes Rätselspiel, dem ich sehr gern gefolgt bin.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

Moonshade

Vielleicht hasse ich es auch nur so zu sehen, wenn so eine große Chance (ist ja eigentlich ein im Kino ausgestorbenes Untergenre) nicht so unterhaltsam umgesetzt wird, wie sie es könnte - denn das Potential war da (ist ja auch kein Flop, nur so miesepetrig mittelmäßig), weswegen ich auch niemanden abraten würde, den Film zu sehen.
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Mr. Blonde

Ist im Filmtitel eigentlich ein Gag versteckt? Am Ende waren die Messer ja aus und nur Theatermesser vorrätig.  :schock:


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vodkamartini

21 Januar 2020, 18:18:17 #35 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2020, 18:22:46 von vodkamartini
Immer erfrischend, wenn jemand gegen den Strom empfindet. Stört mich nicht im Geringsten. Sehe ich zwar nicht so, denn Tempo hatte der Film für mich schon und die Figuren waren in sehr vielen alten Poirots auch keinen Deut interessanter. Da schwingt viel Nostalgie mit. Klar, Tod auf dem Nil is der Leuchtturm, aber viele Ustinovs plätschern recht höhepunktlos vpr sich hin und leben vom verschmitzten Charme des Hauptdarstellers. Das böse unter der Sonne ist noch recht flott und angemessen fies, aber dann wird es schon deutlich dünner. Den Orientexpress mit glaube ich Finney mochte ich nie sonderlich und der Marple Mord im Spiegel ist sowohl charakterlich wie auch vom Storytelling her schwach.

Ich mochte Johnsons Ansatz einer Homage mit kleinen Fallstricken. Das war schon sehr launig, genauso wie Craigs Figur, bei der man lange nicht so recht weiß, ist er nun Trottel oder Genie. Klar, die Armas-Figur ist etwas eindimensional und in ihrer Haltung bzw. ihren Aktionen vorhersehbar. Lee Curtis und Johnson dagegen mochte ich sehr, die waren mit Feuereifer dabei.

Alles in allem ein subversiver Spaß und endlich mal erkennbar an Zuschauer über 15 gerichtet.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Stefan M

Da gehen wir anscheinend wieder ins arg Subjektive. Ich habe das Tempo auch zu keiner Zeit als zu tranig empfunden. Tatsächlich halte ich die Figuren in "Tod auf dem Nil" größtenteils für nicht wesentlich ausgefeilter, abgesehen vom lang und breit vorgestellten Mordopfer, seinem Ehemann und dessen Ex-Geliebter, aber der Rest ist doch auch eher Staffage. Und bis da der Mord geschieht, vergeht ja auch eine gute Stunde, ehe Poirot mit seinen Ermittlungen ins Zentrum rückt, die dann den Spaß ausmachen. Im Vergleich zu "Tod auf dem Nil" sehe ich "Knives Out" aber wie gesagt auch nicht als reinen Whodunit, sondern als leichte Variation, weil Johnson ja mehrfach die Fahrtrichtung der Geschichte ändert (etwa mit der bereits angesprochenen Schilderung der (Selbst-)Mordnacht nach nicht einmal der Hälfte, wodurch Marta in den Fokus rückt, die - wie sich letztlich herausstellt - völlig unbeabsichtigt in die Scheiße schlittert, und das nur, weil der Tote sie furchtbar gern hatte).
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Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

mali

Zitat von: Moonshade nach 21 Januar 2020, 16:35:06Vielleicht hasse ich es auch nur so zu sehen, wenn so eine große Chance (ist ja eigentlich ein im Kino ausgestorbenes Untergenre) nicht so unterhaltsam umgesetzt wird, wie sie es könnte

Für Dich nicht so unterhaltsam umgesetzt wurde :-)

Die Punkte die Du kritisiert stellst Du hier als etwas zu "absolut" dar, so als hätten sie unbedingt anders umgesetzt werden müssen damit der Film funktioniert. IMHO wäre dann aber ein komplett anderer Film herausgekommen, als der der er nun ist. Tempo, Witz, Skurrilität und die "Wendungen" und "Vorhersehbarkeit" machen den Film ja gerade erst zu dem der er nun ist. Wäre alles von Dir kritisierte eher so wie Du es gewollt hättest, wäre halt nur eine Neuverfilmung der ollen Kamellen des Genres dabei heraus gekommen. Das war aber sehr klar gar nicht die Intention von Johnson.

Ein wenig liest es sich so, als würde man Baywatch dafür kritisieren das es "zuviel im Wasser und am Strand" spielt und man sich die Handlung mehr auf einem Flughafen und in der Luft wünscht ;-)

Moonshade

Ich hatte aber klar in der längeren Ausführung betont, dass angesichts der Vermarktung als "Whodunit with a modern twist" meine Bewertung anhand MEINER Erwartungen erstellt wurde.

Was "Witz, Skurilität, Wendungen und Vorhersehbarkeit" angeht, so habe ich ja die beiden letzteren als gegeben akzeptiert (er ist ja NICHT vorhersehbar, was damit eine Flopbewertung schon ausschließt).
Bei ersteren beiden IST das für mich der Mangel, denn der Film bietet eigentlich nur Witz, der sich einerseits aus Blancs selbstverliebter Salbaderei ergibt (die nun den typischen Detektiven nur hinzufügt, dass sie ihn "anders" macht, ohne ihm eine individuelle Qualität zuzuweisen) und aus dem Auswurf-Syndrom, das imho so gar nicht recht in Restfilm passen will (den Schwall Kotze am Ende ins Gesicht kann ich sowieso nur noch als grob und platt bewerten). Zu ergänzen wäre noch der kuriose Anwalt, aber die ganzen Nebenfiguren sind eigentlich nur Standards. Den semi-idiotischen Fan-Trooper im Schlepptau empfinde ich da faktisch schon als grob unpassend.

Dazu kommt auch noch, dass sich Marta nie entwickeln kann - sie agiert nicht, sie muss ständig nur aus der Defensive reagieren. Es entwickelt sich auch keine Chemie zwischen Blanc und Marta, beide existieren nur nebeneinander. Und auch die Aufklärung entwickelt sich nicht organisch - Blanc zaubert sie am Ende mit dem Blutbild plötzlich aus der Tasche.
Mit diesem Verlauf fällt der Film eigentlich nur in die gängigen Muster zurück, die ein klassischer Whodunit bietet, was auch mein (für meinen Geschmack) der zentrale Kritikpunkt ist: der Film ist nur eine - zwar hochklassig kompliziert angelegte - leicht aufgelüftete Modernisierung des Genres, zugänglich gemacht für mehr als die gängigen Krimi-Zuschauer (weswegen er auch gut Zuschauer anzieht), ich sehe da aber viel ungenutztes Potential.

Darum von mir jetzt nicht Extraapplaus.
Das das Subgenre jetzt aber dadurch wieder von Interesse ist, bewerte ich aber dennoch positiv.
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Dr. Schnabel

Zitat von: vodkamartini nach 21 Januar 2020, 18:18:17Immer erfrischend, wenn jemand gegen den Strom empfindet. Stört mich nicht im Geringsten. Sehe ich zwar nicht so, denn Tempo hatte der Film für mich schon und die Figuren waren in sehr vielen alten Poirots auch keinen Deut interessanter. Da schwingt viel Nostalgie mit. Klar, Tod auf dem Nil is der Leuchtturm, aber viele Ustinovs plätschern recht höhepunktlos vpr sich hin und leben vom verschmitzten Charme des Hauptdarstellers. Das böse unter der Sonne ist noch recht flott und angemessen fies, aber dann wird es schon deutlich dünner. Den Orientexpress mit glaube ich Finney mochte ich nie sonderlich und der Marple Mord im Spiegel ist sowohl charakterlich wie auch vom Storytelling her schwach.

Ich mochte Johnsons Ansatz einer Homage mit kleinen Fallstricken. Das war schon sehr launig, genauso wie Craigs Figur, bei der man lange nicht so recht weiß, ist er nun Trottel oder Genie. Klar, die Armas-Figur ist etwas eindimensional und in ihrer Haltung bzw. ihren Aktionen vorhersehbar. Lee Curtis und Johnson dagegen mochte ich sehr, die waren mit Feuereifer dabei.

Alles in allem ein subversiver Spaß und endlich mal erkennbar an Zuschauer über 15 gerichtet.

Exakt das! :-)
... alias: Der Zerquetscher

mali

Zitat von: Moonshade nach 22 Januar 2020, 12:20:35der zentrale Kritikpunkt ist: der Film ist nur eine - zwar hochklassig kompliziert angelegte - leicht aufgelüftete Modernisierung des Genres,

Und mehr will er IMHO auch gar nicht sein. Das macht er genau richtig dosiert und gut.

Wolfhard-Eitelwolf

Mit reichlich Verspätung bei prime nachgeholt und bestens unterhalten worden. Knives Out hebt sich als klassisch und zugleich hochwertig inszeniertes Detektivpuzzle wohltuend vom sonstigen Einerlei der aktuellen Kinolandschaft ab. Wer zum Ende der Party hin aufpasst, hat schnell einen guten Verdacht in Sachen Auflösung - etwas schade! Die Darsteller sind mit Freude am Werk, wenngleich ich mir von manchen noch mehr Screentime und dunkle Geheimnisse, Überraschungen und Finten erhofft hätte (Lee Curtis z. B.). Im gleichen Zuge hätte man aber sicher mindestens 10 Minuten Füllszenen streichen können, so etwa bezüglich der Affaire oder der Dokumentkopie. Der Film ist schlicht etwas zu lang geraten. Dennoch tolles Kino und somit 8/10, wobei der Wiedersehwert freilich gering ist!