Cherry (mit Tom Holland von den Russo Brothers)

Begonnen von StS, 15 Januar 2021, 09:20:09

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StS

Nachdem sich das Internet bereits über das vermurkste Poster lustig gemacht hat ("Cherk"?), mit dem man eigentlich auf "Preis-Chancen" des Werks aufmerksam machen wollte, ist nun der (imo gute) Trailer erschienen...



An Army medic suffering from post-traumatic stress disorder becomes a serial bank robber after an addiction to drugs puts him in debt.

"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

Der wird hier in Deutschland über Apple TV+ vermarktet, und da das Apfelhaus immer noch recht großzügig Freimonate verteilt, habe ich mal hereingeschaut.

Erster Eindruck: Mir war der zu lang. Dabei zerfällt der in insgesamt drei oder vier recht unterschiedliche Episoden, was  man - für cineastische Langsammerker - auch optisch sehr schön ankündigt. Der Auftakt ist eine recht banale, wenn auch ganz hübsche Collegeromanze; der relativ unvermittelt angetackerte Kriegsteil ist optisch das Schaustückchen und soweit natürlich das Trailerfutter. Dabei wird in den Ausbildungszenen ziemlich ungeniert Full Metall Jacket zitiert, wenn auch ein wenig ins Groteske übersteigert (wobei ich mich schon frage, ob eine Berufsarmee in einer Fast-Kriegszeit ihre Rekruten dermaßen schikanieren kann, schließlich kann da jeder anders als im Original sofort die Kündigung einreichen). Die eigentlichen Kampfhandlungen werden die Grundbedürfnisse von Actionfans eher nicht decken, aber das war vielleicht auch gar nicht gewollt. Trotzdem der insgesamt stärkste Teil.

Im letzten Drittel gibt dann es eine Mixtur aus PTBS und Drogen, die bei mir dann einfach nicht mehr gezündet hat, ich fand das ganz ehrlich gesagt schon ziemlich grenzlangweilig. Da diese ganzen Banküberfälle auch eher merkwürdig rüberkommen, wie so eine Art Preisverhandlung beim Gebrauchtwagenhändler, kommt phasenweise die Vermutung auf, dass hier so eine Art milde Satire beabsichtigt war, aber zumindest mir waren Film und Figuren zu dem Zeitpunkt schon ziemlich egal. Dazu passt dann auch das relativ banale Happy-End, was zum Film kaum passt; insgesamt wirkt das ganze Teil so ein bisschen aus der Zeit gefallen, wie ein Vietnam- und Drogendrama der späten 1970er.

Ein Wort noch zu Holland, der - wie schon Garfield vor ihm, komischer Zufall - nach den Spidey-Rollen mit Macht ins SEHR ernsthafte Schauspielfach drängt. Und ja, er macht das nicht schlecht, aber so ein bisschen gewollt (nach dem Motto "schaut her, ich kann nicht nur am CGI-Faden hängen") wirkt das trotzdem.

Bin ja vielleicht nicht Kernzielgruppe für den Film, der für mich doch etwas arg viel Drogendrama ist, aber von mir bekäme der nur so was um 5,5 von 10. Es sind aber Teile drin, die für sich mehr verdienen, keine Frage.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

StS

Bei dem liest man ja nahezu allerorts, dass die Russos die (an sich nicht sonderlich aufregend-originelle*) Materie mit zig unnötigen inszenatorischen Mätzchen so ziemlich kaputt-inszeniert haben... vermutlich um genau das * zu kaschieren.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

Diese Lesart - oder neudeutsch "Narrativ", dass der überladen sei und mit zu vielen Mätzchen um die Ecke kommt, hört und liest man in der Tat öfters, beim Gätjen etwa oder den vergammelten Tomaten.

Irgendwie war das beim Ansehen bei mir nicht der Hauptkritikpunkt. Klar kann man sich fragen, warum man die Ausbildungszenen mit dem Drillsergeant noch mit diesen Comic-Sprechblasen aufplustern muss. Aber wäre der Film insgesamt gelungen und etwas spannender, hätte man das vielleicht als innovativ und "fast wie beim Quentin" abgefeiert.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

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