the Gray Man (Netflix-Spy-Thriller der Russos mit Gosling, Evans & Ana de Armas)

Begonnen von StS, 24 Mai 2022, 16:55:01

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StS


Ryan Gosling is THE GRAY MAN and Chris Evans is his psychopathic adversary in the Netflix/AGBO spy thriller directed by Anthony and Joe Russo - available globally July 22 on Netflix.

Also starring Ana de Armas, with Regé-Jean Page, Billy Bob Thornton, Jessica Henwick, Dhanush, Wagner Moura and Alfre Woodard. Based on the novel The Gray Man by Mark Greaney, the screenplay is by Joe Russo, Christopher Markus and Stephen McFeely.

THE GRAY MAN is CIA operative Court Gentry (Ryan Gosling), aka, Sierra Six. Plucked from a federal penitentiary and recruited by his handler, Donald Fitzroy (Billy Bob Thornton), Gentry was once a highly-skilled, Agency-sanctioned merchant of death. But now the tables have turned and Six is the target, hunted across the globe by Lloyd Hansen (Chris Evans), a former cohort at the CIA, who will stop at nothing to take him out. Agent Dani Miranda (Ana de Armas) has his back. He'll need it.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

DisposableMiffy

letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

DisposableMiffy

Gestern im Kino gesichtet.

Solide Popcorn-Action ohne einen Hauch von Originalität und Innovation. Mehr oder weniger Bourne ohne den Amnesie-Faktor.

Gosling macht seine Sache ordentlich, wird aber vom Drehbuch im Stich gelassen. Chris Evans trumpft dafür als Bösewicht auf. Schon in Knives Out gehörte er zu den Highlights und mit Lloyd Hansen untermauert er die These, dass er quasi geboren wurde, um arrrogante Wichser zu spielen.

Die Russo-Brüder inszenieren solide, stellen aber leider auch außerhalb des Marvel-Universums unter Beweis, dass sie von Szenenbeleuchtung weniger verstehen als ein Maulwurf.

Wie es leider inzwischen auch in den teuersten Produktionen gang und gäbe ist, wartet The Gray Man mit einigen peinlich billig wirkenden VFX auf, die den Gesamteindruck trüben.

Da der Film nur selten den Fuß vom Gas nimmt fällt es leicht über die dünne Story hinwegzusehen, denn die nächste Actionszene lässt nie lange auf sich warten. Prag war mein Favorit.

Den Mehrwert, den Film auf der großen Leinwand zu gucken, halte ich für sehr überschaubar aufgrund der gräulichen Optik. Dat graue Männeken darf nicht mal da essen, wo Bond und Bourne hinkacken.

Dafür ballert der Score ganz anständig.

Alles in allem unterhaltsam, aber hier wurde viel Potential leichtfertig verschenkt.

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Glod

Also im direkten Vergleich mit der Red Notice-Gurke ist das hier eine Verbesserung um mehrere Klassen. Klar, auch hiermit gewinnt man keine Innovationspreise, aber der graue Typ lässt es ordentlich krachen und ehe man sich's versieht, sind die 2 Stunden auch schon rum. Der Plot ist dünn, keine Figur sonderlich memorabel (aber immerhin umschifft Thornton das für diese Rolle fast schon obligatorische Klischee) und die Action - alldieweil äußerst zugkräftig inszeniert - lässt einen auch nicht gerade mit offenem Mund zurück. Auch hier stellt sich die Frage nach dem Verbleib der 200 Mio, wenngleich das Ganze sichtbar aufwändiger gemacht ist als Red Notice. Ich meine, was hat Maverick gerade gekostet?
Getragen wird der Streifen eindeutig vom Trio der Hauptdarsteller, die hier wirklich ihren Spaß haben. Evans liebt es geradezu, seinen Mr Goody Two Shoes Cap abzustreifen und überdreht dabei manches Mal ein wenig. Gosling führt seine eigene Variante des stillen und stoischen, nichtsdestotrotz aber durchaus charmanten und schlagfertigen Superkillers ein und legt damit imo eine Punktlandung hin. Und Armas darf auch austeilen und neben den beiden Schlägertypen bestehen.

Ich kann hier wirklich nicht meckern. Keinesfalls ein neuer Maßstab, aber definitiv für einen launigen Abend gut. Gute Mischung aus harter Action, zynischem Humor und toll ausgesuchten Locations - hervorragend abgeliefert von 3 bestens aufgelegten Hauptdarstellern, die hier im Gegensatz zum Trio Johnson/Reynolds/Gadot nicht auf Autopilot laufen.  :respect:
"Er wird mir eine Kugel verpassen und dann Selbstmord begehen." -Nina Meyers-

"Wir passen schon auf, dass er keinen Selbstmord begeht." -Jack Bauer-

mali

Zitat von: Glod am 23 Juli 2022, 01:23:36Auch hier stellt sich die Frage nach dem Verbleib der 200 Mio,

Reisekosten. Definitiv Reisekosten.

Glod

Da müsste aber selbst das Equipment in der ersten Klasse geflogen sein.  :lol:
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"Wir passen schon auf, dass er keinen Selbstmord begeht." -Jack Bauer-

StS

,,the Gray Man" (2022) ist quasi ein ,,Sommer-Blockbuster" aus dem Hause ,,Netflix": Ein mit einem mächtigen Budget von Anthony und Joe Russo in Szene gesetzter Action-Thriller, der eine mit dünn gezeichneten Charakteren bevölkerte banale, klischeereiche 08/15-Story mit stattlichem Aufwand erzählt, bei dem u.a. die Locations und der Look überzeugen (vor allem der stylishe Feuerwerks-Schauplatz am Anfang sowie das schöne Schloss in Kroatien). Zumindest verleiht die gute Besetzung den schlichten Figuren ein solides Maß an ,,Leben": Es war nett, Gosling und die Kleine aus ,,Once upon a Time in Hollywood" wiederzusehen, Evans war offenkundig mit ordentlicher ,,Spielfreude" (Comic-haft) bei der Sache,  Ana de Armas wird eh immer gern erblickt (sollte aber in Sachen ,,Type-Casting" aufpassen) und alle anderen (Thornton, Henwick, Woodard etc.) haben zumindest vermutlich 'nen netten Paycheck bekommen. Okay, Nachtrag: Dhanush war noch ,,mit vollem Einsatz" aktiv...

Die Action entfaltet sich aufwändig, abwechslungsreich und gut choreographiert – bietet aber weder was Innovatives noch etwas, das wahrhaft im Gedächtnis verbleibt (selbst die nicht wirklich nötigen Spielereien mit Drohnen kennt man bereits von Herrn Bay). Einige CGIs ,,schwächeln" derweil ein wenig – aber irgendwie ist man das ja leider schon gewohnt, obgleich es bei Produktionen dieser Größenordnung eigentlich nicht der Fall sein sollte. Klasse fand ich übrigens die hier zuvor gelesene Antwort auf die Frage, wohin das Budget wohl so geflossen sei, da das Gebotene nicht unbedingt nach $200 Millionen ausschaut: Reisekosten. LOL Nunja, Logiklöcher gibt es (fast erwartungsgemäß) ebenfalls zu verzeichnen – und wie sich so mancher Protagonist von einem Ort in Europa zum anderen ,,teleportiert", ließ mich an zwei Stellen fast schon lachend mit dem Kopf schütteln...

Alles in allem wurde ich von ,,the Gray Man" aber dennoch (auf oberflächliche Weise) ordentlich unterhalten – vor allem dank der Schauwerte, Darsteller, dem flotten Tempo und der hohen Action-Dichte...

6/10
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StS

ZitatThe Gray Man sequel and spinoff are in development at Netflix

Following the tremendous success of The Gray Man this weekend, where it debuted as the #1 movie in 92 countries, Netflix is going forward with The Gray Man sequel and spinoff projects. The Gray Man sequel is already in development, with Ryan Gosling and directors Joe and Anthony Russo returning. The Russos and AGBO's Mike Larocca will produce alongside Joe Roth and Jeffrey Kirschenbaum for Roth Kirschenbaum. Stephen McFeely will write the script.

A spinoff of The Gray Man written by Paul Wernick (Deadpool, Spiderhead) and Rhett Reese (Zombieland, Deadpool 2) is developing, which explores a different element of The Gray Man universe. Plot details are being kept under wraps.

(Joblo.com)
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mali

Womit zu rechnen war, also dem Sequel. Spinoff? Hmmm...

Mich hat der Film jedenfalls auch gut unterhalten. Klar, etwas steriler Look und die üblichen Versatzstücke aus dem Regal für solche Filme. Aber hey: Das richtige Verhältnis der Zutaten und die Mischung Derselben macht halt den Cocktail aus. Hat geschmeckt.



Moonshade

Netflix sucht vermutlich händeringend nach neuem Franchise-Material.
Hast du halbwegs einen Hit, hängen sie sich dran.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

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DisposableMiffy

Lange an der Spitze der Netflix-eigenen Charts hat er sich nicht halten können ...

ZitatAfter eight days, it's over. That's how long the Russo Bros.' "The Gray Man" topped Netflix's domestic chart for most-watched movies — only to be replaced by the new release of another Netflix Original, "Purple Hearts," a low-budget military-immigrant romance starring singer-actress Sofia Carson ("Descendants") and Nicholas Galitzine ("Cinderella"). "The Gray Man" didn't disappear — it dropped to #2 — but that can't have been the Netflix expectation for a $200 million action film from the directors of "Avengers: Endgame," the biggest theatrical release in the last six years, starring Ryan Gosling, Chris Evans, and Ana de Armas.

Den Vergleich mit Red Notice finde ich interessant. An der Qualität kanns nicht liegen, da haben die zugkräftigeren Namen wohl eher den Unterschied gemacht.
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Moonshade

Nun war auch "Red Notice" nicht nur stargespickter, er war auch leichte Kost und appellierte vermutlich auch an breitere Zuschauerschichten (auch stärker weiblich). Und genau die hat diese Romanze abgegriffen.

Ein Actionthriller muss schon etwas kreativ Spezielles bieten, um länger der absolute Hit bleiben zu können.
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Wolfhard-Eitelwolf

Und genau das hat Gray Man eben nicht. Tolle Technik und Locations, ohne Frage ja! - und insbesondere Prag sei noch als Top-Kulisse erwähnt! Ansonsten dürfte Gray Man aber wie so viele andere Nachwuchsagenten vor ihm schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Weder ist der Protagonist identifikationsstiftend oder (auch als Darsteller) sympathisch/einzigartig genug, noch können Sprüche oder das (hochwertige, aber banale) Standard-CGI-Actionrepertoire mehr als nur ein müdes Lächeln hervorrufen. Ein Franchise wird das nie im Leben! (Ganz interessant in der Hinsicht: Wenn man wenige Tage nach Sichtung die Inhaltsangabe nochmals lesen muss, sagt das eigentlich schon alles über den Film bzw. dessen Beliebigkeit)

Hitfield

Zitat von: DisposableMiffy am 15 Juli 2022, 14:30:39Die Russo-Brüder inszenieren solide, stellen aber leider auch außerhalb des Marvel-Universums unter Beweis, dass sie von Szenenbeleuchtung weniger verstehen als ein Maulwurf.

Kurzer allgemeiner Einwurf zu den ganzen "Blockbuster"-Produktionen, die nur via Streaming veröffentlicht werden: Die Russo-Brüder sind nach ihren "Avengers"-Rekorden natürlich große Namen, aber ich finde es bei den inflationären Streaming-Blockbustern der letzten Jahre sehr schade, dass hier nicht ein einziges Mal die Gelegenheit genutzt wurde, einige alte Genre-Experten nochmal ans Ruder einer >100 Mio. US$-Produktion zu lassen, wie z. B. Renny Harlin, Peter Hyams, Jan de Bont und vor allem John McTiernan. :sad:
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Wolfhard-Eitelwolf

Mittlerweile scheint Gray Man erwartungsgemäß als Flop zu gelten. Es ist zu lesen, dass er netflixintern schon nach einer Woche Platz 1 verloren hat gegen die Low Budget Romanze Purple Hearts. Aber da die Filmindustrie komplett lernunfähig ist, wird es sicher nur wenige Monate bis zum nächsten Agenten-CGI-Murks dauern...

StS

Zitat von: Wolfhard-Eitelwolf am  5 August 2022, 13:28:35Mittlerweile scheint Gray Man erwartungsgemäß als Flop zu gelten. Es ist zu lesen, dass er netflixintern schon nach einer Woche Platz 1 verloren hat gegen die Low Budget Romanze Purple Hearts. Aber da die Filmindustrie komplett lernunfähig ist, wird es sicher nur wenige Monate bis zum nächsten Agenten-CGI-Murks dauern...

Ist so nicht richtig... bzw. in einzelnen Ländern vielleicht - aber nicht global:



(https://top10.netflix.com/)
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Terry Noonan

Ist ja einerseits cool, dass die geschauten Stunden gezählt werden und nicht die Erstaufrufe, bei denen dann ein enttäuschtes Wegzappen nicht erkannt würde.
Allerdings hat so ein Film mit längerer Laufzeit potentiell bessere Chancen, weit oben zu stehen.
Wäre vielleicht sinnvoller, sowas wie "Anzahl bis Beginn Endcredits geschaut" als Basis zu nehmen.

Moonshade

Zitat von: Hitfield am  4 August 2022, 18:03:12....sehr schade, dass hier nicht ein einziges Mal die Gelegenheit genutzt wurde, einige alte Genre-Experten nochmal ans Ruder einer >100 Mio. US$-Produktion zu lassen, wie z. B. Renny Harlin, Peter Hyams, Jan de Bont und vor allem John McTiernan. :sad:

Öhm, Harlin dreht seit über ner Dekade nur noch irgendwo zwischen B und C-Movies, Hyams ist über 80, De Bont (auch schon 78 Jahre) hat seit 15 Jahren keine richtige Filmproduktion mehr in den Händen gehabt und McTiernan hat sich seine Reputation selbst zerschossen, dem traut man nach seinen Exzessen vermutlich nur noch Minibudgets an.
In der Richtung sind die 80er/90er nun wirklich mal vorbei.
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Mills

Moonie, alles ist aufwärmbar. Und manchmal haben die alten Säcke noch Bock. Denk an dich selbst!  :mr.green:
A: Welchen Bond-Film magst du am liebsten?
B: Den mit Daniel Crack, also genauer gesagt Casino Neural.


Meine Sammlung

Moonshade

NNein, das ist leider nicht möglich - oder wie du sagt, es ist ein Aufwärmen oder ein Replika, als würde jemand jetzt wieder "Dolomiti" oder "Treets" rausbringen - es ist nicht die gleiche Rezeptur, es hat nur vergleichbare Zutaten und die Zeit, in der es sich richtig anfühlte, ist vorbei,  auch wenn man das nicht wahrhaben will. Das ging nur damals als man 10 oder 12 war und als sie noch den Farbstoff verwendeten, der Krebs verursachen konnte.

Das ist genauso wie mit all den FB-Gruppen rund um die 80er-Actionhelden - wo sich die Leute in einem endlosen Durchlauf erzählen, wie sie "heute mal wieder "Over the Top" und morgen dann "City Cobra" "in den Player legen", obwohl sie das dieses Jahr - traurig genug - schon fünf mal getan und gepostet haben. Gleichzeitig hoffen sie alle vier Monate aufs Neue, dass Scott Adkins sich doch noch zum neuen Arnold entwickelt und nicht zum C-Film-Verwerter stagniert.
Das ist Pfeifen im finsteren Wald - das gegenseitige Versichern, dass dieses quasireligiöse Ritual noch mediale Relevanz hat. (Spoiler: hat sie nicht.)
Genauso wird im Formatradio das Kapitel "Musik der 80er" zum Fixpunkt der Moderne erhoben, seit nunmehr 40 Jahren, was die Krönung des Absurden ist.

Die Regisseure und Darsteller SIND JETZT ALT oder bereits tot und der Geschmack hat sich gewandelt, nicht bei dir, nicht wirklich bei mir und vielen anderen hier auch nicht. Aber zurück kommt das nicht.
Was kommt, sind junge oder jüngere Regisseure, die etwas "in diesem Stil" oder "als Referenz" oder in dieser Tradition machen, das aber nur an einem vorhandenen Beispiel nachgestalten, weil sie ja meistens auch noch eine jüngere Menschheit an Kunden mit ins Boot holen müssen. Und weil sie gar nicht wirklich dabei waren, maximal als jugendliche Rezipienten.

Das können die Wenigsten und wenn wir ehrlich sind, sogar die "Duffer Brothers" mit "Stranger Things" machen nicht mehr als eine nostalgische Verwertung der vorhandenen Bestände.

Späte Filme berühmter Regisseure lassen aus meiner Sicht meistens langsam aber sicher nach und enden meistens nicht mit einem Hit, sondern mit einem ruhigen oder mittelmäßigen "Auslaufen" - genauso wie kein Produzent ihnen mehr zutraut, moderne Besuchermassen noch mitreißen zu können, haben sie selbst Schwierigkeiten, dieses Hochgeschwindigkeitsexzesskino nachzuvollziehen. Und "ihr eigenes Publikum" von damals auch- selbst ich, der wirklich gern in Action schwelg(t)e, schaue inzwischen desinteressiert während des 45-Minuten-Marvel-Grundausstattungs-Showdowns, was so auf Twitter los ist, weil ich weiß, dass praktisch 95 Prozent davon aus dem Computer kommen.

Bedeutet: in einer nostalgischen Phase will ich das von damals zurück, aber da ich über 50 bin und das "damals" nicht zurück kommen kann, will ich auch keine schlechte Kopie davon oder es mir durch mäßige Altersumsetzung versauen.
Ich bin auch mit dem aktuell Gebotenen nicht zufrieden, was wiederum immer wieder die Nostalgie triggert und so bleibt mir nichts anderes übrig, als aus dem Kreislauf auszusteigen. Und daher bei mir: Stummfilme, 30er, 40er, 50er, 60er, Musicals, Britische Filme, Französische Filme, obskure Filme, Film noir, billige vergessene VHS-Slasher, obskure Jugend-TV-Serien aus UK in den 70ern. Und das ist nur dieses Jahr.

Das Feld ist weit, ich kenn nur wenige Prozent und man hat nur wenige Jahre dafür Zeit - und die Medien, Konzerne und Speicherkapazitäten spielen gegen einen.
Wenn ich eins gelernt habe aus TV-Ausstrahlungen, Videoboom und Downfall und Verknappung der Güter: MACHT ES JETZT. MACHT ES GLEICH. SUCHT ES. SCHAUT ES.
Die Dinge verschwinden, wie Tierarten aussterben.
Trauert nicht McTiernan oder Hyams hinterher oder Cameron, als der noch einen Rest Relevanz hatte, das ist alles nur Zeitverschwendung.

Und um den Bogen zu schlagen: darum schau ich NATÜRLICH auch "The Gray Man" - hoffnungsvoll, aber wie meistens bei aktuellen Filmen komplett erwartungsfrei.
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DisposableMiffy

Sehr guter Beitrag, dem ich gerade in der ersten Hälfte nur zustimmen kann.

Ich finde allerdings nicht, dass es heute weniger gute bzw. interessante Filme gibt als damals (bin Mitte 40). Anders, ja. Was völlig logisch ist, weil Filme nun mal immer ein Produkt ihrer Zeit sind. Deshalb würde es auch nicht zum gewünschten Ziel führen, gäbe man z. B. einem John McTiernan heute noch mal ein Riesenbudget und freie Hand. Vielleicht käme etwas dabei heraus, dass an seine damaligen Glanztaten erinnert, vielleicht sogar ein guter Film, aber sehr sicher nicht ein Film wie damals.

Und selbst wenn dies der Fall wäre, dann hätte es trotzdem nicht den gleichen Effekt, weil wir als Zuschauer eben auch nicht mehr die gleichen Menschen sind wie die, die damals von Predator und Die Hard zutiefst beeindruckt waren.

Eigentlich völlig offensichtlich, aber immer wenn mir trotzige "Buh, es ist nicht mehr wie früher"-Meinungen begegnen, beschleicht mich der Verdacht, dass dem ein oder anderen eventuell doch nicht bewusst sein könnte, dass es nie mehr so sein wird wie damals, weil es schlicht unmöglich ist.
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Hitfield

Ich kann dem allgemeinen Tenor nicht zustimmen. Es geht ja nicht darum, dass Harlin oder McTiernan Filme wie in den 80er- und 90er-Jahren drehen sollen, nur damit Fans dieser Filme, die inzwischen altersmäßig 40+ sind, noch einmal einen Nostalgie-Kick bekommen. Das dürfte ohnehin nicht funktionieren, denn die Zeiten haben sich in allen erdenklichen Bereichen geändert: gesellschaftlich, (film-)technisch, wie Filme vermarktet werden, wie sie geschrieben und inszeniert werden usw. usf. Aus diesem Grund halte ich zum Beispiel eine weitere "Lethal Weapon"-Fortsetzung ein Vierteljahrhundert (!) nach Teil 4 für eine desaströse Idee. Die Art, wie Riggs und Murtaugh miteinander umgehen und wie sie miteinander reden, funktioniert heute überhaupt nicht mehr. Beim "Beverly Hills Cop"-Duo Eddie Murphy & Judge Reinhold dito bzw. noch weniger.

Ich finde nur, dass man für bestimmte Genre-Produktion im Streaming-Bereich auch problemlos Renny Harlin (63), John McTiernan (71) oder Martin Campbell (78) verpflichten könnte. Weil sie es einfach besser drauf haben als der übliche No-Name-Regisseur ohne jeglichen eigenen Stil, den die Streaming-Dienste normalerweise engagieren.

Das Alter muss kein Problem sein. Ridley Scott hat gerade das Napoleon-Biopic "Kitbag" mit Joaquin Phoenix abgedreht - danach soll "Gladiator 2" folgen und ein halbes Dutzend weitere Filme sind in Planung/Vorproduktion. Ridley Scott ist 84.

Renny Harlin arbeitete zuletzt für chinesische Produktionen - sein vorletzter Film "Bodies at Rest" war recht solide, auch was die Action angeht. Wäre interessant zu sehen, wie das erst ausschaut, wenn er mal wieder mit größeren Budgets arbeitet.

Martin Campbells (vor-)letzter Film "The Protégé" war gerade von der Inszenierung und Action her mit das Beste, was ich im Action(thriller)-Bereich in den letzten Jahren gesehen habe.

John McTiernan: Bei dem Skandal ging es, wenn ich mich recht erinnere, darum, dass er seinen Produzenten hat ausspionieren lassen und das FBI unter Eid belogen hat. Who cares? Das hat mit seiner Fähigkeit als Regisseur ja nix zu tun. Problematischer dürfte es da sein, dass seine letzten Filme finanziell nicht so gut gelaufen sind bzw. dass das teure "Rollerball"-Remake gefloppt ist - und dass er seit 20 Jahren nichts mehr gedreht hat, auch wenn ich nicht glaube, dass man so etwas "verlernt".

Ich vermisse bei vielen aktuellen Produktionen, gerade im Streaming-Bereich, einfach einen eigenen Stil.

PS: John Glen (Octopussy, Im Angesicht des Todes, Lizenz zum Töten) ist auch erst 90. :mr.green:
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Mr Creazil

Zitat von: Hitfield am  9 August 2022, 01:32:38Ich finde nur, dass man für bestimmte Genre-Produktion im Streaming-Bereich auch problemlos Renny Harlin (63), John McTiernan (71) oder Martin Campbell (78) verpflichten könnte. Weil sie es einfach besser drauf haben als der übliche No-Name-Regisseur ohne jeglichen eigenen Stil, den die Streaming-Dienste normalerweise engagieren.

Da stimme ich Dir zu. Zumindest im Blogbuster-Bereich finden sich kaum noch Regisseure mit einem eigenen Stil, die Verve und Kreativität oder ganz platt: eine Vision beweisen würden. Sie sind meistens die üblichen profillosen Erfüllungsgehilfen für die Studios, Einwegregisseure, die nach Gebrauch weggeworfen und vergessen werden. Leider sind die Filme zumeist ebenso.
Allerdings sehe ich das noch nicht einmal gravierend, muss ich gestehen. Dadurch, dass wir gerade im Bereich Film und Streaming kaum noch über ein passables handwerkliches Mittelmaß hinauskommen (im besten Fall, sofern dieses überhaupt erreicht wird) und man sich darum mit denen in Wahrheit gar nicht erst aufhalten braucht, habe ich in letzter Zeit viel mehr Zeit gehabt, Lücken zu schließen, viele lange aufgeschobene Klassiker nachzuholen oder allgemein ältere Perlen zu entdecken bis wiederzuentdecken. Das ist gerade eine ideale Zeit dafür, denn, sry, aber man verpasst derzeit wirklich gar nichts (naja, zumindest wenig) in der aktuellen Kino- oder Streaming-Landschaft, wenn man das meiste großzügig links liegen lässt. Da werfe ich lieber den Blick in die Zeit zurück... nicht aus nostalgischer Verklärung, sondern aus Entdeckertrieb und der Erkenntnis, dass es dort wirklich viel zu entdecken gibt und das älter mitnichten gleichzusetzen ist mit veraltet. Gleichwohl bedeutet das bestimmt nicht, dass ich mir die gute alte Zeit zurückwünschen würde. "Richtige" Vollblut-Filmemacher hingegen schon.
"Nihilist und Christ: das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition. "

"Who fights with a ladder - well, Jackie Chan does!"

https://letterboxd.com/mrcreazil/

StS

Hach, wie gut dass Michael Bay in Sachen "individueller Stil" seit 1995 eine feste Konstante ist  :happy3:
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mali

Zitat von: StS am  9 August 2022, 12:34:20Hach, wie gut dass Michael Bay in Sachen "individueller Stil" seit 1995 eine feste Konstante ist  :happy3:

Eeeeeekkkkk.....

Der findet in meiner Wahrnehmung gar nicht mehr statt :-) Ich ertrage nicht mal mehr Filme von ihm, die ich früher sogar mochte. "The Rock" z.B. - früher ein atemberaubendes Action-Feuerwerk. Heute schaffe ich davon keine 10 Minuten mehr ohne im Schwall zu erbrechen.


 

Moonshade

Man darf aber auch nicht vergessen, dass die "stillosen Erfüllungsgehilfen" (wie sie mir heute auch manchmal vorkommen) heute state-of-the-Art produzieren, also wirklich glauben, dass die CGI- und Motion-Capture-intensiven, leichthin als Computerprodukt geltenden Großproduktionen mit künstlich erstelltem Blut als normale Gegenwartsmoderne und erstrebenswertes Kreativziel gelten, während nur der harte Kern älterer Filmfans den Handmadecrash noch als wünschenswert anstreben und dessen handwerkliche Werte wirklich als das gutheißen, was sie sind.
Ausreißer gibt es immer, aber viele jüngere Kinogänger denken sich nichts mehr bei dem, was wir alle meistens als künstlich und leblos empfinden, schätzen es sogar.

Selbst viele moderne jüngere Filmemacher verstehen sich dabei als kreativ und individuell, zumindest bis auf weiteres.
Da genügt schon ein hintergründiger politischer Anstrich beim Subtext oder beim Plot und die Sache läuft. Da geht es (leider) wie bei der Aufgabe des Stummfilms oder der Zuwendung zur Farbe als ultimative Grundausstattung.

Und wo kein Publikum mehr groß gefunden wird (und das ist bei den genannten letzten Filmen der Altgedienten so), da gibt es auch keine Lobby. Praktisch jeder Regisseur hat eine gute Phase von maximal 20 Jahren, danach gibt es nur noch einen Ausklang, der meistens von seinem sehr guten Ruf befeuert wird - so wie bei Scorseses vollkommen überproduzierten "Irishman", der all das hatte, was den Mann immer ausgemacht hatte, nur eben weder die Präzision und Ausgewogenheit, die einen guten Film zu einem Klassiker macht.
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mali

"Irishman" war schlimm - nie zu Ende geschafft.

Ich bin als nächstes gespannt, wie und ob denn nun die "Avatar" Kino-Salve unsanft landet.

Moonshade

Das wäre nur zu wünschenswert, auch wenn Cameron gerade dorthin greift, worüber sich viele gerade beschweren: nostalgischer Rückgriff knapp 15 Jahre zurück, als Marvel noch im großen Aufbau war.

Wird wirklich langsam Zeit, dass ich mir den grauen Mann endlich gönnen.
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Mr Creazil

Zitat von: StS am  9 August 2022, 12:34:20Hach, wie gut dass Michael Bay in Sachen "individueller Stil" seit 1995 eine feste Konstante ist  :happy3:

Ist er und man muss nicht jeden Stil gutheißen. :P

Auch durch sowas wie CGI will ich meine Einschätzung eines Films nicht grundlegend festlegen lassen. Es ist eine Frage des Maßes und des Einsatzes, wie der oder die Filmemacher dieses Werkzeug benutzen. Ich weiß, ich bin da ein einsamer Wolf, aber ich finde zum Beispiel, dass George Lucas mit seinem CGI-Overkill der Prequels durchaus sichtbar Freude am Experimentieren hatte, dem entsprechend ein kreatives Füllhorn kreiert und ausgeschüttet hat. Bei der jüngeren Generation (aber nicht ausschließlich) fürchte ich, hat sich, speziell durch das Streaming, eine unangenehmes Bulimie-Gucken eingebürgert. Im Grunde genommen geht es kaum um das, was man sich gerade anschaut, sondern nur darum, irgendwas zu verspeisen, irgendwas Buntes, Lautes, was die Stille ausfüllt, ein beinahe ritualisiertes Alltags-Binge-Watching, es wird konsumiert und prompt wieder ausgeschieden ohne Langzeitwirkung. Da passt der magere Fast Food-Output der diversen Kino- und Streaming-Produktion ideal ins Menu und ist eher Symptom.
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vodkamartini

Ich stehe da irgendwo dazwischen. Witzigerweise bin ich einer derer, die inzwischen immer mal wieder gern so etwas wie "Over the top" oder "Cobra" einschrieben (was hier vermutlich niemand groß verwundert :)), die aber seinerzeit im Kino als ziemlich lau bis enttäuschend befunden habe. Inzwischen gefällt mir daran vor allem, das sie umgemein den damaligen Zeitgeist treffen/wiederspiegeln.

Aber so sehr ich das 80er Kino liebe, und natürlich ganz besonders die Mucki-Fraktion um Arnie und Sly, bin ich keinesfalls der Meinung, dass heute alles lieblos, steril und im Prinzip schlechter ist. Klar kritisiere ich solche Dinge auch bisweilen, und gerade der CGI-Fetischismus kreiert sehr häufig einen sterilen (bei Blut und Gewalt) oder sehr künstlichen (bei Exterieurs und Interieurs) Look der nicht nicht abholt.

Andererseits gibt es auch heute noch genügend großartige Filme, die nicht auf der Retro-Welle surfen, ich habe da gar keinen Probleme und amüsiere mich trotz eines großen Erfahrungsschatzes (also alles schon gesehen Problem und so) dennoch immer wieder prächtig.

Schließlich muss man sagen, dass im Kino immer schon die neueste Technologie verwendet wurde, die gerade zur Verfügung stand auch wenn sie nicht vollständig ausgereift war. CGI spart dazu eine Menge Geld, man denke nur an teure Bauten, hunderte von Statisten etc.
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