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Autoren-Thread: Mr. Vincent Vega

Begonnen von Mr. Vincent Vega, 6 Oktober 2006, 01:13:08

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Happy Harry mit dem Harten

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 24 Dezember 2008, 02:16:03
Ich kann gar nicht viel zu SPIRIT sagen. Das war so ziemlich das Unerträglichste, Peinlichste, Fremdschämartigste, was ich dieses Jahr im Kino gesehen habe. Wie man aus einem Klassiker, einem Wegweiser, einer heiligen Kuh so ein Road-Runner-Kasperltheater machen kann, fand ich erschreckend, bizarr und sehr verstörend. Das alles wäre vielleicht noch okay, wenn Miller wenigstens mal eine einzige vernünftige Einstellung hinbekäme - aber der Mann kann als Regisseur absolut gar nichts. NICHTS.

Sehr schade. Hatte mich auf einen zumindest soliden Genrebeitrag gefreut obwohl mich die Trailer schon skeptisch gemacht haben. Von der Vorlage (von der ich allerdings nur einen Bruchteil kenne) scheint ja nicht viel übrig zu sein, da Miller dem Stoff ganz und gar seinen eigenen Stempel aufdrückt. Meine Erwartungen sind jetzt entsprechend niedrig, vielleicht gehe ich aber trotzdem noch ins Kino. :icon_neutral:

Zitat von: Mr. Hankey am 23 Dezember 2008, 23:48:54
Mittlerweile 140 1er-Bewertungen sind jedenfalls ziemlich übel! ;)

Naja, bei mir sind momentan 265...   :king:

Zitat von: Mr. Hankey am 23 Dezember 2008, 23:48:54
Das sollte man vielleicht nicht so ernst nehmen!

Da ist aber auch was dran. Jemand der SUPERMAN nicht gut findet (sowohl die Figur als auch den Film von Richard Donner), der hat ja eigentlich schon jegliche Kredibilität verloren was Comicverfilmungen angeht...   ;)

Mr. Vincent Vega

Mal wieder ein Update. Leider bleibt für die ofdb nicht mehr viel über an Review-Material.

BAD BOY BUBBY
WE OWN THE NIGHT (Helden der Nacht)
REVOLUTIONARY ROAD (Zeiten des Aufruhrs)
TWILIGHT (Biss zum Morgengrauen)
CHANGELING (Der fremde Sohn)


Außerdem mal wieder ein paar Kurz-Kommentare zu jüngst gesehenen Filmen:


Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber

Dürfte die schlimmste intellektuelle Prätentionsbombe gewesen sein, die ich jemals ertragen musste. Bereits die Vorkenntnisse, die der Film vorauszusetzen scheint, nämlich das Wissen um Gemälde X und Kunstzeichnung Y, um die Kadrage zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können, habe ich als widerlich, abstoßend und natürlich zutiefst sperrig empfunden. Ein eitles, zur Kunst um der Kunst willen hochstilisiertes Theaterstück voll manierierten Spiels, das Genretradierungen missbraucht, um darin offensichtlich was ganz neues überlegtes Tolles zu installieren, und ekelhafte, für den Film anschaffen gehende Musik mit einer widerwärtigen, abstoßenden Geisteshaltung vereint, deren Pseudoprovokation nur ermüdend wirkt. Was wohl gern "Salò" oder "Das große Fressen" wäre, ist nur beklagenswert verkopfter Bildungsbürgermurks.

1/10

(Greenaways "The Pillow Book" habe ich ähnlich empfunden)


Der Tag, an dem die Erde still stand (2008)

Die hauseigenen Remakes bei der Fox gehen mit "The Day the Earth Stood Still" in die nächste Runde. Qualitativ bleibt es weiterhin ganz gruselig. Aus der pazifistischen Meditation über den Kalten Krieg im Original von Robert Wise entwickelt Scott Derrickson nun eine theologisch angehauchte Öko-Parabel, in der Keanu Reeves als Alien-Gentlemen auf der Erde landet, um Jennifer Connelly und ihrem Filmsohn – der in Wirklichkeit zum verzogenen Nachwuchs von Will Smith gehört – die Botschaft zu verkünden, dass die Menschen die Erde zerstören. Connellys "We can change"-Plattitüden haben allerdings Erfolg und geben Reeves mal wieder die Gelegenheit, den noblen Messias zu geben. Der Film ist dümmlich, von der ersten bis zur letzten Minuten uninteressant und in seiner akribischen Nachstellung des bahnbrechenden Originals peinlich unbeholfen. Der vermeintliche Respekt, den das Remake dem Original mit seinem gesetzten Erzähltempo offenbar entgegenzubringen sucht, generiert dabei nur Langeweile. Richtig ärgerlich ist insbesondere die Musik von Tyler Bates, der hier das Erbe von Bernard Herrmann antritt: Dessen Score zum 1951er-Original ist natürlich unerreichbar, aber Bates' primitives Hans Zimmel-Gedudel kann nur noch als Respektlosigkeit vor der Filmgeschichte verstanden werden.

2/10


Jugend ohne Jugend

Francis Ford Coppolas Bebilderung der als unverfilmbar geltenden intellektuellen Gedankenspiele Mircea Eliades erweist sich als streng assoziatives Sinnieren über Vergänglichkeit und die irrationalen Effekte der Zeit. Der Film ist mit einer Aufrichtigkeit, Inbrunst und ambitionierten Geisteshaltung inszeniert, als stünde Coppola gerade erst am Beginn seiner Karriere. Und nur so wird "Youth Without Youth" rezipiert werden können: Als unbefangene, paradoxerweise jugendlich erscheinende souveräne Arbeit eines Auteurs, der nie einer sein konnte. Es ist zu 100% ein Coppola-Film, vollständig von ihm finanziert. Deshalb sollte die konfuse, zusammenhanglose und streng intuitive Geschichte weniger als verkopfte Zumutung verstanden werden, sondern als Gelegenheit, der Meditation eines großen Regisseurs beiwohnen zu können. Trotz des enormen Eso-Camps, der wie wirre Beschwörungsrelikte an eine vergangene Filmepoche erinnernden Gestaltungsmittel und einer unfassbar trashigen Alexandra Maria Lara in der weiblichen Hauptrolle.

6/10


Black Narcissus

Man will gar nicht glauben, dass "Black Narcissus" bereits 1947 produziert wurde. Andererseits ließe sich so einfach auch gar kein zeitlicher Bezug ausmachen: Das Gefühl für Orientierungslosigkeit ist Michael Powells und Emeric Pressburgers Film in beinahe jeder Einstellung eingeschrieben – und die Verortung wird noch zusätzlich mittels extremer Stilisierung erschwert: So ist der Film nahezu komplett in den Pinewood-Studios gedreht, verwirrt und begeistert jedoch ununterbrochen mit spektakulären Außenaufnahmen Indiens, die keine sind. Jack Cardiffs Kameraarbeit ist schlicht sensationell, atemberaubend und übermächtig, die Matte Paintings und Farbgestaltung bis heute unübertroffen (und der ungeheure Einfluss auf Regisseure wie Dario Argento nicht zu übersehen). Ein Technicolor-Rausch von einem Film, wahrlich. Powell und Pressburger erweisen sich im Umgang mit ästhetischen Prinzipien dabei überraschend verspielt, sie nutzen changierende Farb- und Lichtsetzung mal zugunsten einer fiebrigen Atmosphäre, die die an und für sich konfuse Handlung begleitet, dann wieder für melodramatische Effekte oder Orientmärchen-Pomp. Dass "Black Narcissus" dabei als sorgfältiges, filmisch interpretiertes Stimmungsbild ebenso wie als Film über Wahnsinn und Hysterie erscheint, liegt nicht zuletzt am enervierenden Spiel insbesondere Deborah Kerrs, deren Rolle zu einem Karriere-Archetypen werden sollte – eine Variation der ,repressiven Nonne' gab sie später noch einmal meisterhaft in Jack Claytons "The Innocents".

7/10


Mother of Tears

Im dritten Mutter-Film von Dario Argento ersetzt ein völlig lächerlicher Krimi-Plot nun die zuvor einer intuitiven Logik folgenden Auseinandersetzungen über Urängste, Alpträume und Unterbewusstsein. Komplexe Bildsprache und wirkungsvolle Horrorästhetik sind dem einstigen Meister dabei nunmehr völlig abhanden gekommen: In billigster TV-Optik spult Argento einen höchst albernen, peinlichen und unfreiwillig trashigen Esoterik-Grusel herunter, der sich mit effekthascherischen und billigen Splattereinlagen als jene Exploitation verrät, für die Argento eigentlich nie einstehen wollte. Richtig grotesk wird's dann, wenn der ehemalige Genrevisionär dem Altherrenwahnsinn verfällt und im Finale eine Hölle aus sodomitischen Sexspielchen und nackten Lesben entwirft – die dann richtig schön phallisch zerlegt werden dürfen.

1/10


Les Chansons d'amour - Chanson der Liebe

Was zunächst wie eine leicht verrückte Hommage an Jacques Demys "Les Parapluies de Cherbourg" erscheint (immerhin spielt Catherine Deneuves Tochter auch noch eine tragende Rolle), ist nicht weniger als das entzückend schönste Filmmusical des Jahres. Verspielt, leichtfüßig und oft auch sehr frech erzählt Christophe Honoré hier eine ganz wunderbar beiläufig queere Geschichte über Liebe und Tod in regnerischen Bildern. Die Songs sind absolut großartig, die Schauspieler umwerfend. Und das ganz besonders Tolle an diesem Film ist seine Bezugnahme auf die Nouvelle Vague und die ewig gleichen Mann-Frau-Beziehungsgeschichten eines Jean Luc Godard – nur um deren heterosexuelle Klischees zu überwinden. Es ist außerdem der einzige Film, der mir in diesem Kinojahr Freudentränen entlocken konnte.

9/10

Hedning

20 Januar 2009, 01:38:00 #1322 Letzte Bearbeitung: 20 Januar 2009, 01:40:42 von Hedning
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 01:13:43
Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber

Dürfte die schlimmste intellektuelle Prätentionsbombe gewesen sein, die ich jemals ertragen musste. Bereits die Vorkenntnisse, die der Film vorauszusetzen scheint, nämlich das Wissen um Gemälde X und Kunstzeichnung Y, um die Kadrage zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können, habe ich als widerlich, abstoßend und natürlich zutiefst sperrig empfunden. Ein eitles, zur Kunst um der Kunst willen hochstilisiertes Theaterstück voll manierierten Spiels, das Genretradierungen missbraucht, um darin offensichtlich was ganz neues überlegtes Tolles zu installieren, und ekelhafte, für den Film anschaffen gehende Musik mit einer widerwärtigen, abstoßenden Geisteshaltung vereint, deren Pseudoprovokation nur ermüdend wirkt. Was wohl gern "Salò" oder "Das große Fressen" wäre, ist nur beklagenswert verkopfter Bildungsbürgermurks.

1/10

Mother of Tears

Im dritten Mutter-Film von Dario Argento ersetzt ein völlig lächerlicher Krimi-Plot nun die zuvor einer intuitiven Logik folgenden Auseinandersetzungen über Urängste, Alpträume und Unterbewusstsein. Komplexe Bildsprache und wirkungsvolle Horrorästhetik sind dem einstigen Meister dabei nunmehr völlig abhanden gekommen: In billigster TV-Optik spult Argento einen höchst albernen, peinlichen und unfreiwillig trashigen Esoterik-Grusel herunter, der sich mit effekthascherischen und billigen Splattereinlagen als jene Exploitation verrät, für die Argento eigentlich nie einstehen wollte. Richtig grotesk wird's dann, wenn der ehemalige Genrevisionär dem Altherrenwahnsinn verfällt und im Finale eine Hölle aus sodomitischen Sexspielchen und nackten Lesben entwirft – die dann richtig schön phallisch zerlegt werden dürfen.

1/10

Harte Worte, denen man kaum etwas entgegenhalten kann. Greenaways Werk ist wirklich von einer abstoßenden Obszönität und die Spielerei mit verschiedenfarbigen Kleidern und Räumen, die Bilder verfaulten Fleischs und nackter Menschen zwischen meterhohen Bücherwänden ergeben einen Dschungel p........... Eitelkeit. Pfui. Gerade angesichts der hochklassigen Schauspieler, die da verheizt werden. Dann doch viel lieber Argento - ich hoffe insgeheim, dass eines Tages irgendjemand eine Erleuchtung haben wird, was dieser Film eigentlich soll. Mich würde interessieren, was für eine (Sprach-)Fassung du gesehen hast?


Mr. Vincent Vega

Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 01:38:00
Harte Worte, denen man kaum etwas entgegenhalten kann. Greenaways Werk ist wirklich von einer abstoßenden Obszönität und die Spielerei mit verschiedenfarbigen Kleidern und Räumen, die Bilder verfaulten Fleischs und nackter Menschen zwischen meterhohen Bücherwänden ergeben einen Dschungel p........... Eitelkeit. Pfui. Gerade angesichts der hochklassigen Schauspieler, die da verheizt werden.

Ich muss mir jetzt noch einmal A ZED AND TWO NOUGHTS anschauen. Den fand ich seinerzeit ganz interessant, so als Quasi-Ergänzung zu Cronenbergs DEAD RINGERS (der später entstand), aber nunmehr könnte mich der Film vermutlich genauso abtörnen wie die zwei genannten.

Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 01:38:00
Dann doch viel lieber Argento - ich hoffe insgeheim, dass eines Tages irgendjemand eine Erleuchtung haben wird, was dieser Film eigentlich soll. Mich würde interessieren, was für eine (Sprach-)Fassung du gesehen hast?

Die englische. Die jetzt auch nicht allzu peinlich wirkte. Warum?

McKenzie

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:03:02
Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 01:38:00
Harte Worte, denen man kaum etwas entgegenhalten kann. Greenaways Werk ist wirklich von einer abstoßenden Obszönität und die Spielerei mit verschiedenfarbigen Kleidern und Räumen, die Bilder verfaulten Fleischs und nackter Menschen zwischen meterhohen Bücherwänden ergeben einen Dschungel p........... Eitelkeit. Pfui. Gerade angesichts der hochklassigen Schauspieler, die da verheizt werden.

Ich muss mir jetzt noch einmal A ZED AND TWO NOUGHTS anschauen. Den fand ich seinerzeit ganz interessant, so als Quasi-Ergänzung zu Cronenbergs DEAD RINGERS (der später entstand), aber nunmehr könnte mich der Film vermutlich genauso abtörnen wie die zwei genannten.

Na, also THE PILLOW BOOK ist ja nun wohl wirklich nicht soo schlimm wie der KOCH UND SEIN LIEBHABER.  :icon_eek:
Na ja, ist wohl wieder mal deine übertriebene Abwehrhaltung und Prätentophobie.

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:03:02
Die englische. Die jetzt auch nicht allzu peinlich wirkte. Warum?

:LOL:

Nicht schlecht, ich wundere mich.
Auf deutsch ist der Film wahrscheinlich gar nicht mehr so trashig wie im Original, jetzt kann ich mich auf die Synchro gar nicht mehr freuen, wo sie doch angeblich so gut sein soll.  :bawling:

@ Hedning:

Ich habe den Film zwar von 3 auf 5 hochgestuft, trotzdem würde mich aber doch brennend interessieren, zu welcher Erleuchtung man da gelangen kann? Aus deinem Review geht das nicht so ganz hervor, für mich.  :icon_mrgreen: Bei Diskussionsbedarf dann weiter in deinem Thread. Übrigens frage ich mich schon manchmal, was für dich alles moralisch verwerflich, obszön, schmutzig, vulgär usw. ist. Immerhin wählst du wahrscheinlich noch nicht die CDU, schonmal ein Trost.  ;)
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

Mr. Vincent Vega

Zitat von: McKenzie am 20 Januar 2009, 02:25:32
Na, also THE PILLOW BOOK ist ja nun wohl wirklich nicht soo schlimm wie der KOCH UND SEIN LIEBHABER.  :icon_eek:

Nein, er ist ein klein wenig erträglicher. Immerhin sieht man Ewan McGregors Schwanz. Irgendwann danach habe ich aber auch abgeschaltet.

Zitat von: McKenzie am 20 Januar 2009, 02:25:32
Na ja, ist wohl wieder mal deine übertriebene Abwehrhaltung und Prätentophobie.

Möglich, ja. Im Gegensatz zu dir Profiprätendent habe ich nämlich tatsächlich eine Abneigung vor p. Filmen.

Zitat von: McKenzie am 20 Januar 2009, 02:25:32
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:03:02
Die englische. Die jetzt auch nicht allzu peinlich wirkte. Warum?

:LOL:

Nicht schlecht, ich wundere mich.

Versteh' ich nicht.

McKenzie

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:31:29
Zitat von: McKenzie am 20 Januar 2009, 02:25:32
Na, also THE PILLOW BOOK ist ja nun wohl wirklich nicht soo schlimm wie der KOCH UND SEIN LIEBHABER.  :icon_eek:

Nein, er ist ein klein wenig erträglicher. Immerhin sieht man Ewan McGregors Schwanz. Irgendwann danach habe ich aber auch abgeschaltet.

Ah ja, nicht mal ganz gesehen aber trotzdem lästern.  :icon_confused: McGregors kleiner Mann wird in dem Film aber wirklich erfreulich in Szene gesetzt, das bedarf schon einer zusätzlichen Erwähnung.  :icon_mrgreen:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:31:29
Möglich, ja. Im Gegensatz zu dir Profiprätendent habe ich nämlich tatsächlich eine Abneigung vor p. Filmen.

Wer's glaubt. Wie war das mit den Farocki-Filmen und GERRY und sovielem anderen? Na ja, wenn es dich glücklich macht: Neeeeein Rajko, du bist üüüüberhaupt nicht p.!  :D

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:31:29
Versteh' ich nicht.

Nicht besonders peinlich?! LOL.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

Hedning

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:03:02

Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 01:38:00
Dann doch viel lieber Argento - ich hoffe insgeheim, dass eines Tages irgendjemand eine Erleuchtung haben wird, was dieser Film eigentlich soll. Mich würde interessieren, was für eine (Sprach-)Fassung du gesehen hast?

Die englische. Die jetzt auch nicht allzu peinlich wirkte. Warum?

Nur weil ich bis jetzt nur die englische kenne und vermute, dass er in der italienischen und der deutschen Fassung etwas professioneller wirken würde.

Zitat von: McKenzie am 20 Januar 2009, 02:25:32@ Hedning:
Ich habe den Film zwar von 3 auf 5 hochgestuft, trotzdem würde mich aber doch brennend interessieren, zu welcher Erleuchtung man da gelangen kann? Aus deinem Review geht das nicht so ganz hervor, für mich.  :icon_mrgreen: Bei Diskussionsbedarf dann weiter in deinem Thread. Übrigens frage ich mich schon manchmal, was für dich alles moralisch verwerflich, obszön, schmutzig, vulgär usw. ist. Immerhin wählst du wahrscheinlich noch nicht die CDU, schonmal ein Trost.  ;)

Es ist ja nur eine kleine Hoffnung, dass hinter Argentos derzeitigem "Stil" mehr steckt als lediglich der angesprochene Altherrenwahnsinn. Irgendeine verborgene Intention. Was das sein könnte, weiß ich aber auch nicht.

Ich glaube nicht, dass für mich mehr obszön usw. ist als für andere. Bei Greenaway wirkt das unerfreuliche Verhalten des "Diebs" angesichts der ansonsten vorherrschenden Kunstlehrer-Attitüde eher als aufgesetzte Provokation, die einer bildungsbürgerlichen Zielgruppe den Eindruck vermitteln soll, was grenzüberschreitendes (aber gleichzeitig "künstlerisch wertvolles") gesehen zu haben.

McKenzie

20 Januar 2009, 09:54:22 #1328 Letzte Bearbeitung: 20 Januar 2009, 09:58:07 von McKenzie
Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 07:59:47
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 20 Januar 2009, 02:03:02

Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 01:38:00
Dann doch viel lieber Argento - ich hoffe insgeheim, dass eines Tages irgendjemand eine Erleuchtung haben wird, was dieser Film eigentlich soll. Mich würde interessieren, was für eine (Sprach-)Fassung du gesehen hast?

Die englische. Die jetzt auch nicht allzu peinlich wirkte. Warum?

Nur weil ich bis jetzt nur die englische kenne und vermute, dass er in der italienischen und der deutschen Fassung etwas professioneller wirken würde.

Aufs erste Hören wirkt die Italienische schon "besser", weil unsereins eben nix (bzw. kaum etwas - inzwischen würde ich behaupten, ein gewisses Einfühlungsvermögen für die Sprache zu haben und relativ viele einzelne Wörter rauszuhören und zu verstehen) versteht und daher auch die Unzulänglichkeiten nicht sofort raushört, im direkten Vergleich merkt man aber schnell, dass die italienische Fassung über weite Strecken eigentlich noch pornöser ist und total künstlich klingt, weitaus steriler und leidenschaftsloser (den grundsätzlich "leidenschaftlicheren" Klang, den mediterrane Sprachen auf uns meist haben, subtrahiert). Du kannst dich ja selbst überzeugen, auf YouTube hat es ein User geschafft, den kompletten Film hochzuladen:

http://www.youtube.com/watch?v=CJEPw4RaBkY&feature=PlayList&p=5014A81A9A08D53D&playnext=1&index=51
http://www.youtube.com/watch?v=cl3EJG3apx0&feature=related (Teil 2 wurde allerdings schon entfernt, wie es scheint)
http://www.youtube.com/watch?v=wn_JCpdAfEA&feature=related ...

Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 07:59:47
Es ist ja nur eine kleine Hoffnung, dass hinter Argentos derzeitigem "Stil" mehr steckt als lediglich der angesprochene Altherrenwahnsinn. Irgendeine verborgene Intention. Was das sein könnte, weiß ich aber auch nicht.

Lieber nicht. Dann würde dahinter noch Bewusstsein stecken und diese Ungeheuerlichkeit wäre noch unverantwortlicher. Ich ziehe da dann doch die Demenz als Ausrede vor, um der Fremdschäm-Falle zu entgehen (man muss sich als Argento-Fan für diesen Film ja direkt verteidigen).

Wobei ich mir nicht helfen kann, angesichts zahlreicher einzelner Momente und vor allem der Schlusssequenz, bleibt die "Selbst-Parodie"-Deutungsvariante nach wie vor reizvoll, nur kann ich persönlich ihr nicht zustimmen.

Es ist irgendwie ja auch schon beinahe positiv zu werten, dass angesichts des tödlichen Bewusstseins um "Trash", gerade unter Genre-Regisseuren heute, "echter" Trash, also unfreiwilliger, so selten geworden ist und LA TERZA MADRE angesichts eines nach wie vor sich selbst bierernst nehmenden (bzw. hat es zumindest den Anschein) Argento und seiner billig-schäbigen Produktion somit vermutlich einer der wenigen wahren Trash-Horrorfilme der letzten Jahre sein dürfte. Und bei der Zweitsichtung auf dem FFF hat mir der Film wirklich unbeschreibliches Vergnügen bereitet, als pures Delirium des vollendeten Schwachsinns.

Zitat von: Hedning am 20 Januar 2009, 07:59:47
Bei Greenaway wirkt das unerfreuliche Verhalten des "Diebs" angesichts der ansonsten vorherrschenden Kunstlehrer-Attitüde eher als aufgesetzte Provokation, die einer bildungsbürgerlichen Zielgruppe den Eindruck vermitteln soll, was grenzüberschreitendes (aber gleichzeitig "künstlerisch wertvolles") gesehen zu haben.

Ach so. Insofern stimme ich dir natürlich 100%ig zu, nur einer von vielen schleimigen Aspekten, aufgrund derer dieser Film bei mir einen fauligen Nachgeschmack und echten Hass zurück gelassen hat.

ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

psychopaul

ZitatBereits die Vorkenntnisse, die der Film vorauszusetzen scheint, nämlich das Wissen um Gemälde X und Kunstzeichnung Y, um die Kadrage zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können, habe ich als widerlich, abstoßend und natürlich zutiefst sperrig empfunden.

Tja, da muß man sich eben vorher ein bisschen einlesen.  :king:
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Three little devils jumped over the wall...

McKenzie

Zitat von: psychopaul am 20 Januar 2009, 12:17:30
ZitatBereits die Vorkenntnisse, die der Film vorauszusetzen scheint, nämlich das Wissen um Gemälde X und Kunstzeichnung Y, um die Kadrage zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können, habe ich als widerlich, abstoßend und natürlich zutiefst sperrig empfunden.

Tja, da muß man sich eben vorher ein bisschen einlesen.  :king:

Hilfe! Das Godard-Alien ist da, um uns zu infiltrieren!  :eek:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

psychopaul

Irgendwer muß die faule Jugend ja mal wachrütteln.  :LOL:
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McKenzie

20 Januar 2009, 12:53:06 #1332 Letzte Bearbeitung: 20 Januar 2009, 12:55:42 von McKenzie
Zitat von: psychopaul am 20 Januar 2009, 12:47:20
Irgendwer muß die faule Jugend ja mal wachrütteln.  :LOL:

Ja Paul, und NOTRE MUSIQUE war ja auch ein ganz normaler, guter Film, gell?  :icon_twisted:





?!?

:icon_rolleyes:

Denen steht beiden schon so richtig schön ins Gesicht geschrieben, was für Schmierofatze sie sind. Der "Schaufensterdekorateur" (Godard on Greenaway) und der "vertrocknete Kopffüßler" (sinngemäß nach einem Freund von mir, ergebenem Grünweitweg-Fan, zitiert).

Für die beiden lohnt es sich nicht, sich zu bilden.  :king: Ich wollt' ich wär ein Huhn... (Comedian Harmonists)
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

psychopaul

Oh Volk der Denker und Dichter, aus gehen bald deine Lichter!  :icon_twisted:


(Winke, Winke, JL  :icon_mrgreen: )
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Three little devils jumped over the wall...

McKenzie

20 Januar 2009, 13:54:51 #1334 Letzte Bearbeitung: 20 Januar 2009, 13:58:11 von McKenzie
Oh Paul,

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·

Vergiss auch diese lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.


- Stefan George...


... der einmal gesagt hat:

ZitatJeden wahren Künstler hat einmal die Sehnsucht befallen, in einer Sprache sich auszudrücken, deren die unheilige Menge sich nie bedienen würde, oder die Worte so zu stellen, dass nur der Eingeweihte ihre hehre Bestimmung erkenne.

...



Diesem Credo nach zu urteilen müssten Godard und Grünweitweg diesen großen Poeten eigentlich beide hemmungslos anbeten.  :LOL: :LOL:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

psychopaul

20 Januar 2009, 14:04:55 #1335 Letzte Bearbeitung: 20 Januar 2009, 14:06:39 von psychopaul
Danke für das Gedicht.  :respekt:
(der Antwort harrte man gespannt und finster' vorerst abgewandt!)

ZitatJeden wahren Künstler hat einmal die Sehnsucht befallen, in einer Sprache sich auszudrücken, deren die unheilige Menge sich nie bedienen würde, oder die Worte so zu stellen, dass nur der Eingeweihte ihre hehre Bestimmung erkenne.

wow, ja ja ja, verdammt noch ma  :LOL: das ist es!  :D
Eine wunderbare Aussage.  :love:
Diese Sehnsucht hat mich in manchen meiner Postings auch hin und wieder befallen.  ;)


Godard vergöttert ihn sicher.  :icon_mrgreen: Grünweitweg  :icon_lol: keine Ahnung, auf was der so abfährt, vermutlich eher auf Vulgärlyrik.  :rofl:
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McKenzie

ZitatDanke für das Gedicht.  Respekt!

Das musste dir natürlich gefallen, homo-affin wie du eben doch bist.  :icon_mrgreen:
Ich empfehle dir dringend Fassbinders unfassbaren SATANSBRATEN, wo sehr freizügig die Kunstfigur Stefan George vertrasht wird.  :respekt:

Zitat von: psychopaul am 20 Januar 2009, 14:04:55
wow, ja ja ja, verdammt noch ma  :LOL: das ist es!  :D
Eine wunderbare Aussage.  :love:

Das findet JLG, wie gesagt, bestimmt auch.

Zitat von: psychopaul am 20 Januar 2009, 14:04:55
Diese Sehnsucht hat mich in manchen meiner Postings auch hin und wieder befallen.  ;)

Endlich ist es raus.  :icon_lol:

Zitat von: psychopaul am 20 Januar 2009, 14:04:55
Grünweitweg  :icon_lol: keine Ahnung, auf was der so abfährt, vermutlich eher auf Vulgärlyrik.  :rofl:

Nee, Eisenstein. Den hält er für den einzigen großen Erfinder des Kinos und sich selbst offenbar für seinen Nachfolger, der auch eine ganz neue, einzigartige Ästhetik zu kreieren trachtet.  :icon_twisted:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

vodkamartini

Schlechte "Walküre" Review die so gut wie gar nichts aussagt.
Was aber schlimmer ist: wenn man von den geschichtlichen Hintergründen und Fakten offenbar so wenig Ahnung hat wie du, dann sollte man solche Filme nicht rezensieren. Stauffenberg war vieles, aber bestimmt kein Nazi, wie du in deinem Text behauptest. Dafür gibt es nicht den geringsten Beleg. Er hat den Aufstieg des Regimes - wie viele Soldaten und Zeitgenossen - begrüßt, ja. Dem Nationasozialismus stand er allerdings immer reserviert gegenüber. Von Weltanschauungen hielt er generell nichts. Ich würde in Zukunft zuerst einmal recherchieren und nicht immer irgendwelche Legenden aufgreifen, die durch die oft wenig gebildete und informierte Allgemeinheit geistern.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Mr. Vincent Vega

21 Januar 2009, 14:09:05 #1338 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2009, 14:54:01 von Mr. Vincent Vega
Der Film ist mit seinem Lehrauftrag gescheitert, wenn ungebildete Menschen dann ungebildete Reviews nach Sichtung verfassen, ist die Schuld eindeutig nicht beim Subjekt zu suchen. :pidu:

Und die Guido-Knopp-Geschichtsstudent-Koketterie von dir ist selten so unpassend wie hier, da ich bis auf eine einzige Formulierung keinerlei Angriffsfläche biete, weil ich sie auch gar nicht bieten will (mich interessieren Reviews, in denen historische Filme ständig an historischen Fakten abgeglichen werden, nämlich nicht).

Insofern bleibt nur der Nazi-Begriff - und das ist wohl Auslegungssache. Stauffenberg war an der militärischen SA-Ausbildung beteiligt, war überzeugter Reichswehr-Anhänger, offizielles NSDAP-Mitglied und zutiefst antidemokratisch. Das allein genügt, um ihn als Nazi zu interpretieren.

vodkamartini

Gescheitert? Peter Hoffmann - einer der anerkanntesten Experten zum Thema militärischer Widerstand - fand den Film gut. Die Fehler die Knopp "entdeckt" hat sind vernachlässigbar und verfälschen die Historie nicht.

In einem hast du recht, du wirst nur einmal explizit, wenn es um historische Authentizität geht. Allerdings an entscheidender Stelle. Es ist in der geschichtlichen Forschung inzwischen anerkannt, dass man Stauffenberg keinesfalls als "überzeugten Nazi" bezeichnen kann. Das ist schlichtweg falsch. Und garantiert auch nicht Auslegungssache. Die von dir angeführten "Belege" greifen nicht. Stauffenberg war garantiert Patriot durch und durch (das war aber zu dieser Zeit keineswegs verpönt). Er war überzeugter Soldat. Den Beruf hielt er für ehrenhaft. Das können sich heute viele nicht mehr vorstellen, aber um die Jahrhundertwende hatte das Militär in Deutschland einen ganz anderen Stellenwert als heute. Das ist in der heutigen USA eher sogar geringer anzusetzten. Mit Nationalsozialismus hat das überhaupt nichts zu tun. Du begehst hier den klassischen Laienfehler hinsichtlich geschichtlicher Analysen. Du argumentierst und analysierst mit dem Wissen des Nachgeborenen. So wird man geschichtliche Zusammenhänge und Begebenheiten nie verstehen können. Man muss - insoweit das geht - immer aus der behandelten Zeit heraus argumentieren. Was die SA betrifft:Stauffenberg weigerte sich 1934 für ein SA Denkmal seines Freundes deren Uniform anzuziehen. Wenn schon, kann man ihm aus dem Gegenteil enen Vorwurf machen: die brutale Ausschaltung der SA-Führung bei der sogenannten "Röhm-Affäre" billigte er ebenso wie das Gros der Reichswehr.
Und nun zum letzten typischen Anti-Stauffenberg Argument: Er war kein Demokrat.
Natürlich war er das nicht, das hat er auch nie behauptet. Es wäre auch sehr überraschend gewesen, wenn ein Spross einer Adelsfamilie der zudem das Militär überaus hoch schätze ein Demokrat gewesen wäre. Die Demokratie hat aus der Sicht sehr vieler Zeitgenossen alles andere als funktioniert. In der Weimarer Republik herrschte zeitweise das blanke Chaos. Wieder argumentierst du als Nachgeborerner mit unserer positiven Demokratieerfahrung, die Stauffenbrg und seine Zeitgenossen aber nicht hatten. Macht ihn das zum Nazi? Natürlich nicht.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Hedning

Interessant, dass Stefan George oben in einem völlig anderen (und überhaupt nicht nachvollziehbaren) Zusammenhang auftaucht und es wenige Beiträge später um den von ihm inspirierten Herrn Stauffenberg geht... Die von vodkamartini angebrachte Warnung davor, Geschichte mit dem Wissen (bzw. Weltbild könnte man auch sagen) des Nachgeborenen zu interpretieren, kann wohl gar nicht genug unterstrichen werden, wobei ich Herrn VVs Rezension aber unter diesem Aspekt nicht allzu schlimm finde.

Mr. Vincent Vega

21 Januar 2009, 15:43:05 #1341 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2009, 15:50:37 von Mr. Vincent Vega
@vodkamartini:

Wie Historiker den Film einschätzen, interessiert mich wenig. Gerade Experten sind eben nur an staubtrockenen blickverstellenden Abgleichen interessiert, die beim filmischen Übersetzungsprozess gar keine Rolle spielen. Wie ich auch schreibe, der Film gibt gar nichts zum Verfälschen her, denn er thematisiert einfach überhaupt nichts. Stauffenbergs erster Auftritt findet im Afrika-Einsatz statt, wo er Hand und Auge verliert. Er ist sofort der noble Regimegegner, ohne was, wieso, warum. Der Film beschäftigt sich zu keiner Sekunde damit, wer Stauffenberg war. Er stellt nicht einmal eine eigene Interpretation der Figur vor.

Stichwort Interpretation. Hat man euch im Studium nicht beigebracht, dass Geschichtsrezeption nur Geschichtsinterpretation sein kann? Alles andere ergäbe für mich jedenfalls keinen Sinn. Aber deine absoluten Auslegungen behaupten ja das Gegenteil.

Soderle, besonders überzeugend fand ich deine Antwort jetzt nicht - bis auf den berechtigten Einwand, dass Geschichtsbetrachtung nicht dekontextualisiert werden, der Betrachter also nicht aus seiner überhöhten Position bewerten sollte. Ansonsten findet sich bei dir der m.E. ebenso verbreitete wie bedenkliche Ansatz, Geschichte durch diese Methodik nicht nur erklären, sondern auch rechtfertigen zu können. Weil Stauffenberg also antidemokratisch sozialisiert wurde, darf man ihm nicht die Chance einräumen, sich gedanklich davon freizumachen?

Es geht mir darum, die Figur nicht zu verklären. Es scheint mir, als würde immer ausgeblendet, dass Stauffenberg jahrelang aktiver Zuspieler der Nazis war, ein Mörder, Kriegstreiber und Naziideologie-Vertreter, der heute eine für das Tätervolk-Bewusstsein instrumentalisierte Widerstandsfigur sein muss, die eher Feigenblattcharakter hat. Ich finde es korrekt, ihn als Nazi bezeichnen oder interpretieren zu dürfen, allein für seine Einsätze an vorderster Front bei Angriffskriegen, seiner Parteimitgliedschaft und seines Einsatzes für die Dienste des NS, das ist durchaus per se die Definition eines Nazis, wenn auch sicher erst einmal ein wenig undifferenziert.

Es jedoch im Gegenzug als Faktum darzustellen, er sei das belegt nicht gewesen, geht wohl an der Realität vorbei, sonst gäbe es keinen Diskurs darüber, ob Stauffenberg "nur" Militär oder, nun ja, eben auch überzeugter Nationalsozialist war. Und diesen gibt es, wie man derweil so schön beobachten kann (Stichwort Stern).


Lange Rede, kurzer Sinn: In meiner Kritik geht es eigentlich um all das gar nicht, dort behaupte ich einfach nur, dass VALKYRIE ein blöd gemachter Film ist.

Chili Palmer

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 21 Januar 2009, 15:43:05
Lange Rede, kurzer Sinn: In meiner Kritik geht es eigentlich um all das gar nicht, dort behaupte ich einfach nur, dass VALKYRIE ein blöd gemachter Film ist.

Haben sie dich also herausgeschnitten.  ;)
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

McKenzie

21 Januar 2009, 16:08:11 #1343 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2009, 16:12:36 von McKenzie
Hast du schon die FILMDIENST-Kritik gelesen? Klingt für mich sehr glaubwürdig und hat meine Hoffnung auf einen waschechten "Historyploitation"-Trasher zunichte gemacht, dafür hört sich das alles viel zu interessant und vernünftig an.

Im übrigen gehe ich mit deinem Standpunkt vollkommen d'accord, wohin die "staubtrockenen, blickverstellenden Abgleiche" führen, hat sich zuletzt in besonders dümmlicher und unfilmisch-profilloser Form bei DER BAADER MEINHOF KOMPLEX gezeigt, Interpretation ist m. E. bei der Umsetzung historischer Stoffe das A und O - oder man ist eben als Filmemacher begnadet genug, um das Korsett der exakten Nachempfindung unauffällig mit der Interpretation zu verbinden, wie es z. B. Robert Bresson in seinem ebenso nüchternen wie spirituellen PROCÉS DE JEANNE D'ARC getan hat.

Zitat von: Chili Palmer am 21 Januar 2009, 16:07:59
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 21 Januar 2009, 15:43:05
Lange Rede, kurzer Sinn: In meiner Kritik geht es eigentlich um all das gar nicht, dort behaupte ich einfach nur, dass VALKYRIE ein blöd gemachter Film ist.

Haben sie dich also herausgeschnitten.  ;)

:LOL:

Natürlich ungemein schade, ich hatte mich schon sooo darauf gefreut, Rajko als Nazi zu sehen.  :icon_twisted:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

vodkamartini

21 Januar 2009, 16:15:00 #1344 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2009, 16:18:55 von vodkamartini
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 21 Januar 2009, 15:43:05
@vodkamartini:

Wie Historiker den Film einschätzen, interessiert mich wenig. Gerade Experten sind eben nur an staubtrockenen blickverstellenden Abgleichen interessiert, die beim filmischen Übersetzungsprozess gar keine Rolle spielen. Wie ich auch schreibe, der Film gibt gar nichts zum Verfälschen her, denn er thematisiert einfach überhaupt nichts. Stauffenbergs erster Auftritt findet im Afrika-Einsatz statt, wo er Hand und Auge verliert. Er ist sofort der noble Regimegegner, ohne was, wieso, warum. Der Film beschäftigt sich zu keiner Sekunde damit, wer Stauffenberg war. Er stellt nicht einmal eine eigene Interpretation der Figur vor.

Stichwort Interpretation. Hat man euch im Studium nicht beigebracht, dass Geschichtsrezeption nur Geschichtsinterpretation sein kann? Alles andere ergäbe für mich jedenfalls keinen Sinn. Aber deine absoluten Auslegungen behaupten ja das Gegenteil.

Soderle, besonders überzeugend fand ich deine Antwort jetzt nicht - bis auf den berechtigten Einwand, dass Geschichtsbetrachtung nicht dekontextualisiert werden, der Betrachter also nicht aus seiner überhöhten Position bewerten sollte. Ansonsten findet sich bei dir der m.E. ebenso verbreitete wie bedenkliche Ansatz, Geschichte durch diese Methodik nicht nur erklären, sondern auch rechtfertigen zu können. Weil Stauffenberg also antidemokratisch sozialisiert wurde, darf man ihm nicht die Chance einräumen, sich gedanklich davon freizumachen?

Es geht mir darum, die Figur nicht zu verklären. Es scheint mir, als würde immer ausgeblendet, dass Stauffenberg jahrelang aktiver Zuspieler der Nazis war, ein Mörder, Kriegstreiber und Naziideologie-Vertreter, der heute eine für das Tätervolk-Bewusstsein instrumentalisierte Widerstandsfigur sein muss, die eher Feigenblattcharakter hat. Ich finde es korrekt, ihn als Nazi bezeichnen oder interpretieren zu dürfen, allein für seine Einsätze an vorderster Front bei Angriffskriegen, seiner Parteimitgliedschaft und seines Einsatzes für die Dienste des NS, das ist durchaus per se die Definition eines Nazis, wenn auch sicher erst einmal ein wenig undifferenziert.

Es jedoch im Gegenzug als Faktum darzustellen, er sei das belegt nicht gewesen, geht wohl an der Realität vorbei, sonst gäbe es keinen Diskurs darüber, ob Stauffenberg "nur" Militär oder, nun ja, eben auch überzeugter Nationalsozialist war. Und diesen gibt es, wie man derweil so schön beobachten kann (Stichwort Stern).


Lange Rede, kurzer Sinn: In meiner Kritik geht es eigentlich um all das gar nicht, dort behaupte ich einfach nur, dass VALKYRIE ein blöd gemachter Film ist.

1. Bei einem Film, der einnen historischen Gegenstnd behandelt zu sagen "Es interessiert mich nicht, was Historiker dazu sagen" kann ich nicht nachvollziehen. Aber jedem seine Meinung.

2. Geschichtsrezeption ist immer auch ein Stück weit Interpretation, das heißt aber keineswegs, dass man die bekannten Fakten hin und her wenden kann wie es einem gerade in den Kram passt. Der militärische Widerstand gegen Hitler bietet eine Fülle an Quellenmaterial und ist inzwischen detailliert erforscht.

3. Es geht hier gar nicht um Rechtfertigung von Geschichte, sondern um eindeutige Fehlinterpretationen. Stauffenberg wollte übrigens keineswegs die Monarchie zurück, die Demokratie hat aber in seinen Augen auch nicht sonderlich gut funktioniert. Das ist, wie gesagt auch nicht sonderlich überraschend. So ging es dem Gros seiner Zeitgenosen.

4. Es ist schon fast peinlich wie du hier mit falschen historischen Fakten um dich wirfst: "Kriegstreiber" ; Kennst du das Stauffenberg Zitat von 1939: "Der Narr macht Krieg"? Ganz offenbar nicht. Kennst du seine Bedenken nach dem Krieg gegen Frankreich - als das ganze Land im Siegestaumel war - dass der Krieg trotzdem ungünstig verlaufen könnte?
"Mörder" ist völlig daneben; in Polen ließ er 1939 einen Offizier vors Kriegsgericht bringen, der zwei Zivilistinnen erschießen ließ, weil diese angeblich Spione gewesen wären. In Russland empörte er sich mnehrfach über die Massenmorde hinter der Front und das Verhungern lassen der Kriegsgefangenen.
"Naziideologievertreter"; in Russland sagte er "mit der braunen Pest" müsste nach dem Krieg aufgeräumt werden. Er kämpfte nie an vorderster Front, da er Stabsoffizier war. Und zu guter letzt: Stauffenberg WAR NIE PARTEIMITGLIED. Das ist blanker Nonsense. Denn erstens lehte er Ideologien und Parteien per se ab. 2. durften Angehörige der Reichswehr weder wählen noch Mitglied einer Partei werden. So viel zu deinen treffenden "Argumenten".
Nochmal zum merken: Stauffenberg war nie überzeugter Nationasozialist. Er war überhaupt kein Nationalsozialist. Glaub mir, ich habe mich eingehend mit der Materie befasst. Am besten du konsultierst erst enmal ein paar Standartwerke, bevor du den Stern zitieren musst. Tatsache ist, dass sich diese Legende hartnäckig gehalten hat. (Es würde hier zu weit führen, darauf einzugehen, wo diese Lesart herkommt.) Das macht sie aber nicht richtiger.
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Mr. Vincent Vega

Zitat von: Chili Palmer am 21 Januar 2009, 16:07:59
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 21 Januar 2009, 15:43:05
Lange Rede, kurzer Sinn: In meiner Kritik geht es eigentlich um all das gar nicht, dort behaupte ich einfach nur, dass VALKYRIE ein blöd gemachter Film ist.

Haben sie dich also herausgeschnitten.  ;)

Das gab quasi noch mal zwei Punkte Abzug.

Zitat von: McKenzie am 21 Januar 2009, 16:08:11
Hast du schon die FILMDIENST-Kritik gelesen? Klingt für mich sehr glaubwürdig und hat meine Hoffnung auf einen waschechten "Historyploitation"-Trasher zunichte gemacht, dafür hört sich das alles viel zu interessant und vernünftig an.

Jupp, habe ich. Die fand ich aber komisch irgendwie. Man kann auch sagen, ich habe sie nicht kapiert. :00000109:


@vodkamartini:

Ich bin entsetzt. :eek:

Ich berufe mich auf garantiert bildungsbürgerliche Quellen, z.B. ZDF-History.... ;)

Na gut, ich könnte schwören, schon mehrfach gelesen/gehört/gesehen zu haben, dass der Clausi bei der NSDAP war. Oder zumindest halb war. Oder irgendwie. Ist vielleicht eine Formulierungssache, ich bin ja ungebildet!? Egal.

Aber was nützt ein Zitat, wenn Taten das Gegenteil zeigen? Und ein Mörder im wörtlichen Sinne war Clausi ja nun ganz gewiss. Wirst du das leugnen wollen? Und noch mal, Braune-Pest-Sprüche hin oder her, der Mann hat mit den Nazis gearbeitet, er hat ihnen zugespielt und zu Erfolgen verholfen, und er hat Hitlers Macht entscheidend gestärkt. Dass er diese dabei irgendwann (ab 1943?) als hinderlich empfunden haben mag, weil ihm etwas noch viel größeres für sein "heiliges Deutschland" vorschwebte, mag ja gut sein, ändert an seiner ideologischen Färbung und der unrechtmäßigen Verklärung als Nationalheld aber auch, oder: erst recht, nichts.

vodkamartini

21 Januar 2009, 17:00:47 #1346 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2009, 17:02:48 von vodkamartini
ZDF-History?  :nono:

Er war nicht bei der NSDAP. Punkt. Auch nicht irgendwie versteckt, oder so ... . Punkt.

Was das "Mörder"Thema betrifft bin ich in der Tat nicht deiner Meinung. Wie definierst du in diesem Fall Mörder? Soldaten, die im Krieg kämpfen - und dabei töten - sind keine Mörder im eigentlichen Sinn. Das es sich hier um einen verbrecherischen Krieg handelte, haben viele nicht erkannt. Auch das Thema Angriffskrieg stellte sich für das Gros der Armee überhaupt nicht.

Stauffenberg ging ja gerade auf Opposition, als er von den Morden erfuhr. Das hing auch mit seiner starken Religiosität zusammen. Bereits 1941 lies er alles sammeln, was die SS belastete. Er äußerste sich mehrfach entsetzt über die Massenmorde an Juden, Kriegsgefangenen und Zivilisten. Er bezeichnete den Krieg als verbrecherisch.
Seine Hauptmotivation für den Widerstand war das Massenmorden und erst in zweiter Linie die in den Untergang führende Kriegspolitik Hitlers.
Ob er ein Held war, hängt von der Definition von Heldentum ab. Tatsache ist: Er riskierte das eigene Leben, die seiner Angehörigen sowie seine militärische Karriere, um Hitler zu stoppen. Tatsache ist: nach dem 20. Juli 1944 gab es mehr Kriegstote und vor allem ermordete Juden als in den vorangegangenen 5 Kriegsjahren. Ist das Heldentum? Das kann jeder für sich beantworten.

Ideologische Färbung ist bei Stauffenberg Unsinn, da er erklärtermaßen mit Ideologien aller Art nichts anfangen konnte. Ich habe nicht den Eindruck, dass Stauffenberg bei uns verklärt wird. Er wurde vielmehr lange Zeit abgelehnt, da sein Einsatz das Heer der Mitläufer eher peinlich berührte.
www.vodkasreviews.de

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Dr. Schnabel

21 Januar 2009, 18:30:27 #1347 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2009, 18:32:00 von Dr. Schnabel
Ich las gerade das erste Review auf der ofdb zu "Walküre". Schade zwar, dass es ein recht Anspruchsloses ist, doch war mir die Sekunde Spannung vor Genuss des Reviews die Sache wert. Ich kenne Singers neuesten Streich zwar noch nicht, befürchte aber, dass die Besprechung ihm eher weniger gerecht wird.

Wie dem auch sei. Wie kann man aber nur, werter vodkamartini, die Geduld an den Tag legen, zu versuchen, Leuten die Welt begreiflich zu machen, die sie geflissentlich nicht begreifen wollen. Vom ersten bis zum letzten Wort des wohl etwas zu schnell geschriebenen Reviews Vincent Vegas springt einem der zunächst nicht näher deutbare, aber luzide Unmut des Autoren auf etwas ins Gesicht, das allerdings nicht auf, sondern zwischen den Zeilen steht. Die Erklärung für den versuchten Verriss findet sich also erst hier im Thread - was übrigens bei einem souveränen Review nicht der Fall sein dürfte.  ;)
Es ist also der Hintergrund der Figur Stauffenbergs, der missfällt und deshalb von vornherein keine positive Resonanz zulässt. Stauffenberg war zwar kein Nazi, wie jeder halbgebildete Interessierte wissen sollte, er nannte sich aber Patriot. Und *Peng* - Das wars dann schon. Er war nicht etwa Kommunist - kein Mensch, der selbst einer totalitären Ideologie nachrannte -, sondern ein Mann, der seinem Volk (und anderen Völkern) zuliebe sein Leben und das seiner Lieben riskierte und nicht für irgendeine Ideologie. Im Falle eines solch degoutanten Anachronismus ist der Rest in manchen Kreisen doch egal...

Ist er aber eben nicht. Zumindest nicht bei seriösen Filmbesprechungen. Aber diesen Anspruch hegt der Reviewautor ja nach eigenem Bekunden auch gar nicht. Wo ist also der Grund zur Diskussion, Herr vodkamartini?
... alias: Der Zerquetscher

Mr. Vincent Vega

Meine ofdb-Reviews sind immer schludrig und hingerotzt.

Aber ich versichere, die tatsächliche Figur Stauffenberg als solche hat nichts damit zu tun, dass VALKYRIE doof ist. Dazu müsste diese im Film ja erst einmal thematisiert werden.

Zitat von: Dr. Schnabel am 21 Januar 2009, 18:30:27
Ich las gerade das erste Review auf der ofdb zu "Walküre". Schade zwar, dass es ein recht Anspruchsloses ist, doch war mir die Sekunde Spannung vor Genuss des Reviews die Sache wert.

Das hat schon Zitat-der-Woche-Qualitäten. :rofl:

Bretzelburger

Da ich den Film noch nicht gesehen habe, kann ich dazu natürlich nichts sagen, allerdings drängt sich mir hier der Verdacht auf, dass gar nicht über den Film, sondern nur über die Figur "Stauffenberg" diskutiert wird. Tatsächlich kann eine Reszension auch negativ ausfallen, wenn man Stauffenberg bewundert und übrigens auch umgekehrt. Da ausser Mr.VV den Film bisher noch Niemand gesehen hat, sollte man vielleicht den eigenen Eindruck abwarten.

Unabhängig davon erinnert mich die gesamte Diskussion an den "Baader-Meinhof-Komplex", zu dem ja besonders Herr Dr. Schnabel auch eine gänzlich andere Meinung vertrat. In diesem Fall spielte der Fakt, dass ich selbst Zeitzeuge bin, überhaupt keine Rolle, da er mir unterstellte, Terror gut zu heissen, weil ich versuchte, das damalige Lebensgefühl komplexer zu beschreiben. Meine negative Kritik galt der Vereinfachung im Film, aber mir wurden Argumente entgegen gebracht, die auf der heutigen Einstellung zur damaligen Zeit beruhten. Im Zusammenhang mit "Walküre" wird wiederum verlangt, sich in die Denkweise der Menschen von 1944 einzufühlen.

Warum nehmen wir den Besitzer der Produktionsfirma und Hauptdarsteller Cruise nicht beim Wort, der in seinem Interview in der "Süddeutschen" betonte, dass er keinen Geschichtsfilm machen wollte, der die Fakten genau nachvollzieht, sondern einen Thriller, der sich Freiheiten herausnimmt ?-  Daran sollte "Walküre" gemessen werden.

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