Autoren-Thread: Vince

Erstellt von Vince, 30 November 2006, 23:55:57

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Vince

Zitat von: Mr. Vincent Vega nach 20 April 2008, 22:09:35
ich erinnere mich, dass deine in medizinischer Sprache verfasste - ich glaube, ein wenig auch als Gag gemeinte - Besprechung zu DEAD RINGERS auch dieses Merkmal aufwies.

Das kannste dick unterstreichen. ;)

ZitatWürde ich den Unterhaltungswert des Films bewerten, bekäme er von mir sicher nur 5/10, im Gegensatz zu anderen Cronenberg-Filmen bedeutete dieser für mich Arbeit, aber eine sehr ergebnisreiche. Und die Genialität dieses Films hat sich deshalb 9 Punkte verdient, um das noch einmal kurz anzumerken.

9 plus 5 geteilt durch 2 = 7/10... rein mathematisch sind wir konsensbärig.  :icon_mrgreen:

ZitatDem ersten Satz, der unbedingt richtig und eine m.E. überaus weise Erkenntnis ist, folgt eine unnötig prätentiöse Veranschaulichung, die das eben Gesagte noch einmal dichterisch nachplappert. So etwas beobachte ich öfter bei dir, und das ist nicht schlimm, aber es fällt doch negativ auf, wenn du betont "wissenschaftlich" vorgehst, so wie hier.

Ein hilfreicher Einwand, den ich auch nachvollziehen kann; ganz wohl war mir nicht dabei, die Metapher noch einzubauen. Ich neige zur Paraphrasierung, wenn ich glaube, mich mit dem Vorhergehenden nicht hundertprozentig verständlich ausgedrückt zu haben, gerade weil es vielleicht zu wissenschaftlich ist - dadurch kommt diese Kombination vielleicht auch besonders oft vor.

ZitatRichtig übrigens, dass man den Film im Cronenberg-Kontext sehen muss, was nicht heißt, dass er sich nur dann erschließt, es ist durchaus interessant, ihn isoliert zu betrachten.

Keine Frage!

Zitat[...] Und deine Gedanken (Stichwort: "Körper-Eskapismus") gehen da vielleicht in eine ähnliche Richtung wie meine, während wir in der Beurteilung völlig unterschiedlich vorgehen: Für mich ist das ja keine Flucht, sondern das absolute Gegenteil ("Der in “Crash” dargestellte Drang, sich von der eigenen biologischen Basis in das Mechanische zu flüchten, beschreibt ein Fluchtverhalten [...]").

Ganz genau das hab ich mir bei deinen Ausführungen gerade auch gedacht. Der Unterschied ist, du betrachtest das Ganze eher soziologisch (oder eigentlich eher gesellschaftlich / konventional), ich setze bei geistigen Vorgängen an. Denn die Gruppenbildung in dem Film scheint mir gar kein Massenphänomen im klassischen Sinne zu sein, vielmehr sehe ich da viele Individuen, die eher rein zufällig die gleichen sexuellen Vorlieben teilen. Einfach deswegen, weil sie ja gar nicht effektiv miteinander agieren. Dieses Fakt hielt mich von der gesellschaftlich-konventionalen Lesart fern und deine Interpretation, dass Cronenberg ein Pamphlet pro Sexualität abliefert, ist interessant und finde ich sehr aufschlußreich, sie wiederlegt meine These aber nicht, ergänzt sie halt nur um eine Option. Diese Option empfinde ich für mich persönlich als nicht schlüssig, weil der Sex und überhaupt alles am Film so steril dargestellt werden - wie kann diese Darstellung als Pamphlet pro Sexualität dienen? Höchstens dadurch, dass man als Rezipient gerade das Kalte der Darstellung als die Alternative interpretiert, die Cronenberg der sexuellen "Selbstbeschneidung" des modernen Menschen gegenüberstellt. Vielleicht ist es sogar Sache der sexuellen Vorlieben des Rezipienten, in welche Richtung man tendiert, wer weiß.  :icon_lol:
Oh Mann, ich weiß nicht, ob das überhaupt noch verständlich ist jetzt...

ZitatUnd noch ganz kurz: Ich verehre Cronenberg dafür, dass er so viel weiterdenkt als alle anderen, dass er sich in Bereiche vorwagt, in die andere nicht mal hineinschnuppern würden, wiel sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftig sind. Und das macht ihn für mich zu einem Meister. Wenn alle immer über die Kanon-Filmemacher lamentieren, wird er oft vergessen, weil er kein so großer Handwerker ist. Aber er ist ein Denker, und das kann noch viel wichtiger sein. Nein, ist es. So. :icon_mrgreen:

Ja, da möchte ich mit einstimmen. Amen.

filmimperator

Zitat von: Vince nach 20 April 2008, 21:15:45
Zitat von: filmimperatorDarf ich fragen, woher man diese Infos zu Cronenbergs Schaffen bekommt?

Na ich würd mal sagen: durch fleißig Cronenberg gucken. ;) Ich weiß jetzt nicht, ob es grad ein Filmlexikon mit Cronenbergs Bild gibt und diese Information schwarz auf weiß danebensteht... das zieht man sich halt folgerichtig durch die Rezeption seiner Filme.


Ok, trotzdem Danke  ;). Dieser Deformierungsaspekt war mir eben schon früher untergekommen, aber ich habe mich auch noch nie wirklich intensiv damit befasst (obwohl es zweifellos sehr interessant wäre). Ich werde bei Gelegenheit mal Ausschau halten.


Zitat von: Vince nach 20 April 2008, 21:15:45
Der Begriff "Solipsismus" entstammt tatsächlich meinem Studium (Kommunikationswissenschaften, nicht Philosophie ;) ). Hab ich vor einiger Zeit mal irgendwo aufgegriffen und es crashte mir mit 120 Sachen in den Schädel, als der Spader die Unger von hinten nahm...


Schon komisch: Ich studiere auch Kommunikationswissenschaft (ein Teil von Medienwissenschaft), aber dieser Begriff ist mir noch nie untergekommen. Liegt wohl daran, dass ich mich dann doch eher für Filmwissenschaft (der andere Teil) entschieden habe  :icon_mrgreen:. BTW: In meiner Kritik zu "Mars" habe ich in Ansätzen die "Kultivierungshypothese" von Schenk aus der Medienwirkungsforschung verwurstet, wenn dir das was sagt  :icon_cool:...


Zitat von: Vince nach 20 April 2008, 21:15:45
ZitatIch habe den Film zwar neben dem Deformierungsaspekt eher als Metapher auf den durch Statussymbole pervertierten, amerikanischen Way of Life verstanden (Autos werden zur Obsession, der exzessive Konsum kann tödlichen Ausgang haben), dies sind jedoch nur meine bescheidenen Überlegungen, die auf keinerlei Literatur beruhen.

Das schreit doch nach weiterer Ausführung in einem "Crash"-Review. Das "There will be Blood"-Review hat McKenzie ja schon gefordert. Das würd ich dann aber erst lesen, wenn ich den mal irgendwann selbst gesehen habe. ;)


Zu "Crash" hast du eigentlich alles (wenn auch manchmal auf zu akademischen und bildhaften Wege) gesagt, ich könnte kaum etwas hinzufügen. Und würde ich eine Kritik zu "There Will Be Blood" schreiben, würde ich aufgrund des Cronenberg-Vergleichs zu sehr abdriften, als dass dies als "Review" durchgehen könnte. Und je länger die Rezeption des Films her ist (bei "TWBB" schon 3 Wochen), desto schwerer fällt es. Also ich denke (vorerst) nicht, sorry.


Zitat von: McKenzie nach 20 April 2008, 20:16:23
Ja, nachvollziehbar, interessant. Ich bleibe persönlich dabei, dass man den Charakter Daniel Plainview aber nicht verurteilen darf, sonst bleibt einem der richtige Zugang zum Film verschlossen (ach ja, das ist schon wieder richtigs schön elitär).


Zu ersterem Satz: Danke - auch ich mach mir manchmal ein paar Gedanken, ohne zu schreiben.
Zu letzterem Satz: Dem ist es, Herr Lehrer  :icon_mrgreen:


Zitat von: Mr. Vincent Vega nach 20 April 2008, 22:09:35
Ich finde die Kritik tatsächlich auch ziemlich prätentiös. Vielleicht neigst du dazu, wenn es es darum geht, sich komplexen Stoffen zu nähern
(...)
Insgesamt gefällt mir die Besprechung natürlich, deinen Duktus habe ich oft gelobt, und ich würde mich nur wiederholen. Störender als sonst jedoch erscheint mir deine Vorliebe für blumige Metaphern, die das Beschriebene vielleicht veranschaulichen mögen (und sicher auch sollen),


Hätte nicht gedacht, dass das jemals passieren kann, aber: Ich kann nur zustimmen. Meine Kritikpunkte zu Vince' trotz allem großartiger "Crash"-Kritik hab ich ja schon in meinem ersten Post dargelegt.
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

Vince

Zitat von: filmimperator nach 21 April 2008, 10:57:19
BTW: In meiner Kritik zu "Mars" habe ich in Ansätzen die "Kultivierungshypothese" von Schenk aus der Medienwirkungsforschung verwurstet, wenn dir das was sagt  :icon_cool:...

Neee...glaub nicht. Wird wohl daran liegen, dass ich mich um den Unterbereich Medienwissenschaften immer erfolgreich herumgedrückt habe. ;)

ZitatZu "Crash" hast du eigentlich alles (wenn auch manchmal auf zu akademischen und bildhaften Wege) gesagt, ich könnte kaum etwas hinzufügen.

Wieso, zum American Way of Life hab ich kein Wort verloren. Erst ne Alternative anbieten und sich dann drücken... so geht's ja nu nich, Herr imperator!

Sarge

Zum "Crash"-Tes/xt, den ich mir einmal kurz nach Erscheinen und eben nochmal durchgelesen habe. Nach dem ersten Durchgang fühlte ich ein wenig das, was McKenzie stimmungsmäßig wiedergab: Es gab noch so ein paar Schleier vor meinem Gesicht. Die zweite Lesung brachte dann Klarheit. Und ganz interessanterweise beschreibt das auch das bei Cronis Filmen oft auftretende Schema meiner persönlichen Rezeptionsstadien. In dieser Hinsicht steckt in deinem Cronenberg-Review, ganz unwillentlich nehme ich an, auch das Cronenbergeske ;). Und das sehe ich grundsätzlich positiv, wenn sich etwas nicht immer auf den ersten Blick unbedingt erschließt, aber auch nicht zu verkopft ist, um die Motivation zur weiteren Erschließung zu ersticken. Ein wirklich echter "prätentiöser" Text (ich hasse diesen Begriff übrigens) würde das wohl nicht können, diese Spannung, das Verlangen nach mehr, nach mehr Beschäftigung mit dem Stoff aufrechtzuerhalten. Deshalb ist der Text für mich auch nicht prätentiös, was gewisse kritische Bemerkungen zur ein oder anderen verspielten Metaphorik aber nicht ausschließt. Das sehe ich allerdings weniger kritisch, solange die Sinnhaftigkeit des gewählten Bildes gewahrt bleibt. Übrigens rechne ich dir einen solchen Text zu einem solchen Film eh noch viel höher an; "Crash" gehört sicher zu den rezensionstechnischen am schwersten zu erfassenden Brocken...

ZitatSelbstlos deswegen, weil "Crash" für sich gesehen ein wenig sagender Film ist und nur eingebettet in den Gesamtorganismus funktioniert


Würde ich auch nicht ganz mitgehen. Ich finde, er gibt auf beiden Ebenen (Mikro / Makro) viel her. Was ganz bestimmt zutrifft, dass er umso verständlicher und nachvollziehbarer wird, je mehr das Oeuvre erschlossen wird.

Übrigens, obwohl darin ja klar motivische röte Fäden existieren, da sind wir uns ja alleine einig, überwältigt mich Cronenberg dann doch immer wieder in seiner Vielfältigkeit und seinen immer wieder neuen Perspektiven. So gut wie alle Cronenbergs haben ja mit Körperlichkeit zu tun und doch hat er sich ja noch nie wiederholt, mehr noch, er hat ihr schon so viele Facetten abgewonnen, auf die ich überhaupt gar nicht gekommen wäre. Dieses Unerwartete im Erwarteten quasi, dieser wiederum innovative "Körperaspekt" lässt auch "Crash" irgendwo alleine nur für sich genommen sehr gut existieren. Er ist wiederum trotz des körperlichen Leitmotives so "anders", dass seine Rezeption nicht unbedingt auf der Werkkenntnis aufbauen muss.

ZitatWenn man so will, handelt "Crash" von "Körper-Eskapismus" - es geht darum, sich aus den Fesseln der Privatheit zu befreien. Privatheit bedeutet im philosophischen Sinne Unveräußerlichkeit: kein anderer kann meine privaten Empfindungen oder Schmerzen haben; höchstens ähnliche. Und keiner kann wissen, dass ich Schmerzen habe, weil keiner außer mir sie empfindet; Außenstehende können es nur vermuten. Der hierin verborgene Solipsismus - ich kann nie sicher sein, ob es außer mir noch andere Subjekte gibt, die Empfindungen haben, ich vermute es lediglich durch äußeres Vergleichen - führt bei Bewusstwerdung in ein Körpergefängnis. Ich bin mit meinen Empfindungen in mir selbst gefangen.


Den Absatz empfinde ich besonders anregend.

ZitatDoch die vermeintlichen Höhepunkte sind keine, denn anstatt die Mauern des Gefängnisses zu durchstoßen, ziehen selbige bloß Narben davon. Die Ironie ist die am Ende des Tunnels wartende Sterblichkeit: erst durch sie können die Mauern eingerissen werden, doch dann ist das, was in ihnen lebte, bereits tot.


Ebenso.

Weil der sexuelle Aspekt hier der omnipräsente ist, steckt in dieser mit Zwinkersmiliey versehenen Äußerung

Zitat...ist es sogar Sache der sexuellen Vorlieben des Rezipienten, in welche Richtung man tendiert, wer weiß.


übrigens auch viel Wahrheit. :icon_cool:

"Crash" ist einfach ein Fetischfilm und am Ende des Fetisches steht als Ziel der ultimative Orgasmus.

ZitatIm Film selbst wird der "Crash" seiner eigentlichen Natur beraubt, ein Klimax zu sein.


Dem kann ich daher nur bedingt zustimmen, obwohl dann wiederum doch. Denn die Ironie an der ganzen Sache hast du ja vortrefflich herausgestellt. Es gibt den Crash als Klimax, nur ist es eben nur DER EINE. Der, der den Tod bringt. Dieses ganze Unfallnachstellen - ja auch (oder nur?) von Personen, die dabei ums Leben kamen - spiegelt diese sexuelle Todessehnsucht bestens wider. Doch kommt es soweit nicht, alles bis dahin kann nur die Annäherung an jenen ultimativen Orgasmus sein. Und das stimmt schon, das ist alles nicht wahrer Höhepunkt. Dennoch bleibt der Crash als Erlösung und nichtsdestotrotz orgasmusstiftend. Aus der sich freisetzenden Energie ziehen die Fetischisten ja das Leben, was ihnen fehlt und die der menschliche Organismus auf natürlichem Wege zu produzieren nicht imstande ist. Irgendwie vergleichbar mit einer Droge und dem Zusteuern hin zum Goldenen Schuss. Ohne den Crash und das Metall, in dem die Energien schlummern (Metall als Viagra im Grunde ;)), würde gar nichts mehr gehen. Es gibt aus diesem Stadium kein zurück mehr.

Zunächst wirkte der Film auf mich auch sehr befremdlich, doch bei längerer Betrachtung wird eigentlich immer klarer, wie intelligent auch dieser Cronenerbg-Film ist, weil diese Gruppe irgendwo doch gar nicht nur Mikrokosmos ist, sondern wahrscheinlich genau das gleiche Bedürfnis repräsentiert, das auf den Straßen täglich unzählige Leute, vorwiegend männlichen Geschlechts, aufs Gaspedal treten lässt.

Zitatsonst wär ich zB kein Fan von Apollons Kritiken, bei denen ich geschätzte 80 Prozent nicht kapiere und dennoch bin ich immer fasziniert.


Das muss mir trotz des Kompliments zu denken geben.

filmimperator

Zitat von: Vince nach 21 April 2008, 12:09:17
Zitat von: filmimperator nach 21 April 2008, 10:57:19
BTW: In meiner Kritik zu "Mars" habe ich in Ansätzen die "Kultivierungshypothese" von Schenk aus der Medienwirkungsforschung verwurstet, wenn dir das was sagt  :icon_cool:...

Neee...glaub nicht. Wird wohl daran liegen, dass ich mich um den Unterbereich Medienwissenschaften immer erfolgreich herumgedrückt habe. ;)


Na Moment mal: Medienwissenschaft als Unterbereich der Kommunikationswissenschaft? Da bin ich wohl bisher leider versehentlich davon ausgegangen, dass ich am meisten Plan von allem hatte, oder?  ;)


Zitat von: Vince nach 21 April 2008, 12:09:17
ZitatZu "Crash" hast du eigentlich alles (wenn auch manchmal auf zu akademischen und bildhaften Wege) gesagt, ich könnte kaum etwas hinzufügen.

Wieso, zum American Way of Life hab ich kein Wort verloren. Erst ne Alternative anbieten und sich dann drücken... so geht's ja nu nich, Herr imperator!


"Kaum etwas hinzufügen" heißt "nur wenig hinzufügen" heißt "es etwas anders sehen"  :icon_mrgreen:.

Nein mal im Ernst:
Das wäre nur eine weitere Lesart, die mir noch zusätzlich zur gängigeren ("Deformierung") eingefallen wäre. Jedoch fände ich es schwierig, in einer Kritik beide Sichtweisen gegenüber zu stellen. Zumal ich irgendwann aufgrund von Verständnisschwierigkeiten (Metapher über Metapher und Analogien über Analogien) bei der intensiven Durchdringung und Fortführung des Deformierungsaspekts, wie du ihn schlüssig dargelegt hast, hätte kapitulieren müssen. Bis zu einem bestimmten Punkt hätte ich folgen können, aber irgendwann hätte ich nicht mehr durchgeblickt. Also: Großartig, dass dir es gelungen ist, mir/uns hier dies näher zu bringen  :respekt:

Aber vielleicht hab ich mal wieder irgendwann sehr viel Zeit und dann breite ich meine Gedanken zum amerikanischen Way of Life weiter aus.

Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

Vince

Sarge, deine Anmerkungen machen mir alles in allem wieder richtig Mut, den ich ja zwischenzeitlich ein wenig verloren hatte. ;)

Zu dem Punkt, dass der Film meiner Aussage nach nur auf der Makroebene funktioniere: da stimmt ihr drei, Kenzie, Vega und du, ja darin überein, dass man das nicht so stehen lassen kann und ich sehe auch ein, dass ich das ein bisschen zu radikal formuliert habe. Nach wie vor bin ich im Gegensatz zu Kenzie allerdings der Meinung, dass er in erster Linie auf der Makroebene funktioniert, allerdings muss ich das eben ein wenig relativieren. Werd ich dann in Kürze im Text auch mal machen (wenn ich nur nicht immer so faul wäre, hätte ich's auch schon gemacht).

Zustimmung auch zur Vielfalt, die Cronenberg aus einem einzigen Thema bezieht: es gibt einige Regisseure die sich auch in einem Thema heimisch fühlen, bei denen man aber viel schneller auf die Idee kommen würde, dass sich das Thema irgendwann wiederholt. Nehmen wir etwa John Woo und den Komplex von Familien, Traditionen und Freundschaften, so entdeckt er darin doch nie den Facettenreichtum, den Cronenberg in einem auf den ersten Blick viel eingegrenzteren Themengebiet erreicht. Und da gibt's nur sehr wenige andere Regisseure, die diesbezüglich ähnlich mannigfaltig arbeiten. Spontan fiele mir vielleicht noch Ang Lee ein, der auch immer wieder Ähnliches schafft.

Bezüglich des "Crashs" als (Nicht-)Höhepunkt sind wir ja eigentlich auch auf einer Linie: der Film zeigt da irgendwo eine Art Zwischenwelt und tänzelt auf der Schwelle zum Tod, indem er die Tode diverser Statisten mit der Sexualität der stets überlebenden Protagonisten verbindet. Das Resultat ist ein Wechselbad der Gefühle, ein permanentes Schwanken zwischen dem Tod und der Unendlichkeit. Allerdings läuft das für mich eben letztlich auf die Nichterfüllung der sexuellen Obsessionen aus, denn die Figuren dürfen den Tod zwar sehen, ihn aber nicht erfahren. Würden sie ihn erfahren, würde sich die sexuelle Obsession durch den Tod des Körpers auflösen. Und dahinter steckt das Paradoxon, dass der Mensch eben nicht "aus seiner Haut kann", dass er die Grenzen seiner Existenz nicht überschreiten kann.
Daher auch meine Gedanken Richtung Privatheit, Körper-Eskapismus und Solipsismus.

Noch kurz ein Wort zu deinen Kritiken, Sarge (bzw. Apollon in der ofdb): Ich hab mich da vielleicht ein bisschen sehr übertrieben ausgedrückt. ;) Auf der Oberfläche verstehe ich all deine Texte eigentlich immer durchgehend. Ich habe aber auch immer das Gefühl, dass da noch mehrere Schichten darunterliegen, so dass es sich nicht selten lohnt, die Kritiken mehrmals zu lesen. Soll heißen, nicht immer werden einem bei deinen Kritiken beim ersten Mal die wirklichen Kerne deiner Texte deutlich, das kommt oft erst im Nachhinein - aber daran kann ich nichts Schlechtes finden. Gedanken musst du dir also keine machen.

@filmimperator: Medienwissenschaften meinte ich gar nicht, Medienkommunikation... Niklas Luhmann und Konsorten, da hab ich meistens gestreikt und mir andere Schwerpunkte gesucht (vor allem Pragmatik und der ganze Zweig Sprechhandlungstheorien - Wittgenstein, Searle, Austin etc.).

filmimperator

Zitat von: Vince nach 22 April 2008, 23:48:52
@filmimperator: Medienwissenschaften meinte ich gar nicht, Medienkommunikation... Niklas Luhmann und Konsorten, da hab ich meistens gestreikt und mir andere Schwerpunkte gesucht (vor allem Pragmatik und der ganze Zweig Sprechhandlungstheorien - Wittgenstein, Searle, Austin etc.).


Von Luhmanns Systemtheorie habe ich schon mal gehört - aber abgesehen davon: what ("Sprachhandlungstheorien") and who the fuck...???  ;)
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

Vince

Zitat von: filmimperator nach 23 April 2008, 00:29:01
Von Luhmanns Systemtheorie habe ich schon mal gehört - aber abgesehen davon: what ("Sprachhandlungstheorien") and who the fuck...???  ;)

Sag bloß, du hast noch nie von Wittgenstein gehört?!? Der ist doch beinahe schon Popkultur...

Exkurs extra für den filmimperator ;) :
Bei der Sprechakttheorie geht es darum, dass man mit dem Sprechen Handlungen ausführt. Wenn man zum Beispiel sagt "ich taufe dich auf den Namen Hans Maulwurf", dann hat man nicht nur eine konstative Äußerung vollzogen, also "einfach etwas gesagt", sondern zugleich den illokutionären Akt des Taufens vollzogen. ANHAND der Äußerung wurde getauft; die Äußerung war nicht nur Mittel zur Taufe, sie war eigentliche Grundlage der Taufe.
Das gehört aber eher zu Austin und Searle, Wittgenstein kann man unter anderem als Vorreiter der Sprechakttheorie betrachten. Der hantierte noch mit "Sprachspielen" und so weiter, das ist ungleich schwieriger zu veranschaulichen.

vodkamartini

Zitat von: Vince nach 23 April 2008, 13:22:18
Zitat von: filmimperator nach 23 April 2008, 00:29:01
Von Luhmanns Systemtheorie habe ich schon mal gehört - aber abgesehen davon: what ("Sprachhandlungstheorien") and who the fuck...???  ;)

Sag bloß, du hast noch nie von Wittgenstein gehört?!? Der ist doch beinahe schon Popkultur...

Allerdings! Den hat beispielsweise Bestsellerautor Philipp Kerr in einem seiner Thriller ausgiebigts verbraten (Das Wittgensteinprogramm).
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Vince

Und auf "Die Bestie in Menschengestalt" von den Ärzten kommt er meines Wissens auch vor... "Schopenhauer, Schopenhauer, Wittgenstein, Wittgenstein" oder so. ;)

Hedning

Hier kommen auch beide vor:

Immanuel Kant was a real pissant,
Who was very rarely stable.
Heidegger, Heidegger was a boozy beggar
Who could think you under the table.
David Hume could out consume
Schopenhauer and Hegel;
And Wittgenstein was a beery swine,
Who was just as schloshed as Schlegel...

[Monty Python, The Philosophers' Song]

kruchtenkaiser

Zitat von: Vince nach 23 April 2008, 16:44:55
Und auf "Die Bestie in Menschengestalt" von den Ärzten kommt er meines Wissens auch vor... "Schopenhauer, Schopenhauer, Wittgenstein, Wittgenstein" oder so. ;)


endlich kann ich auch mal was zu dieser Diskussion beitragen  :icon_mrgreen:

Zitat von: DBBDW in Ihrem populärkulturellen Liedgut "Schopenhauer"Schopenhauer, Hegel, Kant,
Wittgenstein, Wittgenstein,
Schopenhauer, Hegel, Kant,
Wittgenstein, Wittgenstein

Platon, Popper, Cicero,
Platon, Popper, Cicero,
Jean-Paul Sartre, Jean Paul-Sartre

Schopenhauer gegen Kant,
Wittgenstein, Wittgenstein,
Heidegger, Sokrates,
Nietzsche - buuh,
Nietzsche - buuh,

und Beate Uhse...

filmimperator

Na dann danke für den Exkurs in Philosophie und Sprechakttheorie. Ich habe auch noch etwas beizutragen von Aristoteles zum Thema Werk oder ferner: Film: "Das Ganze ist das, was Anfang, Mitte und Ende hat."  :icon_mrgreen:
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

Chili Palmer


Ihr macht mich alle traurig. Den wichtigsten popkulturellen Exkurs einfach unter den Tisch fallen zu lassen, geht ja gar nicht:

Homer: "The evening began at the Gentleman's Club, where we were dicussing Wittgenstein over a game of Backgammon."
Dana Scully: "Mr. Simpson, it's a felony to lie to the FBI."
Homer: "We were sitting in Barney's car, eating packets of mustard, you're happy?"
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

AAAAH! Wie konnte ich das vergessen? Ausgerechnet aus einer meiner Lieblingsepisoden. Neinnn!

Stefan M

Zitat von: Vince nach 23 April 2008, 13:22:18
Bei der Sprechakttheorie geht es darum, dass man mit dem Sprechen Handlungen ausführt. Wenn man zum Beispiel sagt "ich taufe dich auf den Namen Hans Maulwurf", dann hat man nicht nur eine konstative Äußerung vollzogen, also "einfach etwas gesagt", sondern zugleich den illokutionären Akt des Taufens vollzogen. ANHAND der Äußerung wurde getauft; die Äußerung war nicht nur Mittel zur Taufe, sie war eigentliche Grundlage der Taufe.
Das gehört aber eher zu Austin und Searle, Wittgenstein kann man unter anderem als Vorreiter der Sprechakttheorie betrachten. Der hantierte noch mit "Sprachspielen" und so weiter, das ist ungleich schwieriger zu veranschaulichen.


Ergänzend möchte ich hinzufügen, daß es drei Bedeutungsebenen gibt: die Ausdrucksbedeutung (die Bedeutung eines einfachen oder zusammengesetzten Ausdrucks für sich genommen), die Äußerungsbedeutung (die Bedeutung, die ein einfacher oder zusammengesetzter Ausdruck bei der Interpretation in einem gegebenen Äußerungskontext erhält) und den kommunikativen Sinn (die Bedeutung einer Äußerung als kommunikative Handlung in einer gegebenen sozialen Konstellation). Die Sprechakttheorie gehört folglich letzterer Kategorie an. Hähähä, das ist nämlich genau das Thema, mit dem ich mich gestern im Semantik-Kurs explizit auseinandersetzen durfte. Entschuldigung wegen Off-Topic, aber wenn ich schon mal die Gelegenheit dazu habe, möchte ich mir auch mal das Recht herausnehmen, ordentlich klugzuscheißen.  :icon_mrgreen:
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

Vince

[Weiterklugscheißmodus]Diese Unterteilung wird bei Austin mit den Termini "phonetischer Akt", "phatischer Akt" und "rhetischer" Akt umschrieben, wird allerdings in der Tat hinfällig, insofern als dass der lokutionäre Akt (oder: Äußerungsakt) alle drei umfasst und die Sprechakttheorie noch nicht mal sonderlich am lokutionären Akt interessiert ist, sondern vielmehr am illokutionären und perlokutionären Akt. Yeah! [/Klugscheißmodus]

Jared Kimberlain

Das war ja bisher ganz nett, jetzt wird es aber ekelig.  :icon_mrgreen:

Gruß,
J.K.
"Ich bin was ich bin."

Vince

Zitat von: Jared Kimberlain nach 24 April 2008, 15:23:26
Das war ja bisher ganz nett, jetzt wird es aber ekelig.  :icon_mrgreen:


Hab ich mir auch grad gedacht.  :icon_lol:

Aber hier im vertrauten Kreise kann man sowas ja mal machen...

Chili Palmer

Schönes "Fido"-Review, das sehr gut dessen Zeitgeist-Problem aufgreift. Ein Filmphänomen der Siebziger in den Fünfzigern anzusiedeln, ist ja schon abenteuerlich genug, aber die Herangehensweise bringt den Film dann erst richtig in Bedrängnis. Ganz abgesehen davon, dass er viel zu wenig aus dem Thema seiner Kunstwelt macht, in welcher ja zu weiten Teilen immer noch die Zombies herrschen sollten. Hatte mich da auch schon reviewtechnisch dran versucht, aber analog zum Film ebenfalls keinen roten Faden gefunden. Was man bei der Ausgangsidee gar nicht vermuten sollte: Der Film gibt einfach sehr wenig her. Umso bemerkenswerter, was du da noch herausgeholt hast, unter anderem mit den Verweisen auf den doch sehr unzeitgemäßen Humor. 50er-Duck-and-Cover-Lehrfilme und Zombies passen halt doch nicht zusammen, das hat "Fido" nun bewiesen.

Richtig gelacht habe ich eigentlich nur einmal, da dann aber auch ordentlich. Und zwar während der Autowaschszene, als Carrie-Anne Moss zunächst nur ihrem Jungen eine Erfrischung bringen will, sich dann aber anders entscheidet und sich und Fido auch noch eine Limo holt. Wie sie dann in Zeitlupe durch den Garten auf Fido zuläuft, und dieser bis hierhin völlig typische Zombie plötzlich seinen Checker-Blick aufsetzt... ein Bekannter und ich sind fast zusammengeklappt, während alle übrigen Mitseher das nicht mal ansatzweise lustig fanden.

"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

 :LOL:
Ja, du hast recht! Jetzt wo ich das Bild sehe und deine Beschreibung dazu... ich muss sagen, während des Ansehens ist mir das auch höchstens unterbewusst aufgefallen.

Aber ganz generell war Connollys Performance eines der wenige Dinge, die mir an dem Film wirklich hundertprozentig zugesagt haben. Auch dieser quäkende Blick, wenn er wütend war, mit dem weit aufgerissenen Maul und den zugekniffenen Augen... wie so ein unartiges Kind, dem ein Wunsch verwehrt wird.

psychopaul

Das war aber auch mal Zeit, dass Opeth in einem deiner Reviews auftauchen.  :dodo:

Die Damnation ist ja schon recht nett, da werd ich in diesen mir völlig unbekannten Film vielleicht auch mal einen Blick wagen. ;)
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Three little devils jumped over the wall...

Vince

Zitat von: Bettwurst nach 27 Mai 2008, 10:02:57
Das war aber auch mal Zeit, dass Opeth in einem deiner Reviews auftauchen.  :dodo:

Die Damnation ist ja schon recht nett, da werd ich in diesen mir völlig unbekannten Film vielleicht auch mal einen Blick wagen. ;)


:icon_lol:
Ja, an anderer Stelle wurde mir von einem Opeth-Sympathisanten schon gedankt dafür, zugleich aber auch angemerkt, dass Ottonormalverbraucher mit dem Vergleich wohl nicht wirklich viel anfangen kann... egal, das musste sein. ;)

psychopaul

Naja, wie es ja bei dir auch logisch ist, steckt ja auch (anscheinend) mehr dahinter als schlichtes Namedropping.  :icon_smile:
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Three little devils jumped over the wall...

Vince

Das hoffe ich zumindest.
Ich hatte da auch ein paar Screenshots angefertigt, von denen einige die Parallelen vielleicht ganz gut einfangen:





Mr. Vincent Vega

Ich verstehe kein Wort. Um was geht es hier?

psychopaul

Zitat von: Mr. Vincent Vega nach 27 Mai 2008, 13:46:33
Ich verstehe kein Wort.


Für den Spruch werd ich jetzt langsam mal eine Strichliste anlegen.  :icon_razz:
(das wiederum müssen jetzt auch nicht alle verstehen)
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Three little devils jumped over the wall...

Vince

Zitat von: Mr. Vincent Vega nach 27 Mai 2008, 13:46:33
Ich verstehe kein Wort. Um was geht es hier?


Um die Scissor Sisters gehts auf jeden Fall nicht.  :icon_mrgreen:

Bretzelburger

ZitatBeethovens 14. Klaviersonate, Opus 27 Nr. 2, hierzulande besser bekannt als "Mondscheinsonate", erfuhr mit der Zeit durch ihren Gebrauch in Kunst und Popkultur zunehmend Assoziationen zu der Vorstellung von Gefangenschaft, Traurigkeit und dem daraus resultierenden Streben nach Befreiung. Beethovens eigene Bezeichnung "Sonata quasi una Fantasia" schon stellt die emotionale Verknüpfung deutlich als ursprünglich heraus, was sie zu einem der Vorläufer der musikalischen Epoche der Romantik machte.


Leider kenne ich den Film nicht, aber mir erschliesst sich aus deiner Review nicht die Verbindung zwischen dem Geschehen und Beethovens Sonate, abgesehen davon das diese schon seit Ewigkeiten für unterschiedliche Interpretationen missbraucht wird. Auch deine Erläuterung zur "Mondschein-Sonate" verfügt über die bekannten "Missverständnisse". Die Bezeichnung "Quasi una Fantasia" wurde von Beethoven verwendet, weil er hier das strenge Sonaten-Schema Schneller Satz-Langsamer Satz-Schneller Satz nicht einhielt. Eine "Fantasie" war ein Gattungsstück, dessen Struktur freier gewählt werden konnte. Dieser Beisatz deutet also nicht auf Emotionalität hin, sondern ist einfach eine genauere Bezeichnung.

Auch der häufig verwendete Hinweis, dass es sich um einen Vorläufer der Romantik handelt, ist eher Legendenbildung als Wahrheit. Dem melancholisch-aufwühlenden Charakter hat das Stück den Zusatznahmen "Mondschein" zu verdanken, der erst nach Beethovens Tod entstand. Tatsächlich ist dieser Charakter kein Anzeichen für Romantik, sondern wurde selbstverständlich schon in früheren Stilen ausgedrückt. Man muss sich nur den Mittelsatz von Mozarts-A-Moll-Sonate oder Bachs "Chromatische Fantasie" anhören (um bei Klavierwerken zu bleiben).

Das Besondere an dieser 14.Sonate ist ihr improvisatorischer Charakter. Betrachtet man die Begleitung der linken Hand, die fast ausschließlich gebrochene Akkorde in einem gleichmässigen Rhythmus spielt, dann könnte man den Eindruck gewinnen, Beethoven hat das Stück in einer Nacht ersonnen. Sich hingesetzt und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen - erst fast resigniert, dann sich leicht aufbäumend, um dann seiner ganzen Wut freien Lauf zu lassen. Nichts wirkt hier wirklich durchkomponiert, auch daran zu erkennen, dass das Stück nur wenige Motive hat, die mehrfach wiederholt werden. Er selbst wunderte sich über die allgemeine Begeisterung, da er viele seiner Kompositionen für besser hielt. Das mag korrekt sein, aber die Unmittelbarkeit, mit der er hier seine Gefühle herauslässt (und das innerhalb des klassischen Rahmens), ist schon beeindruckend. Aber deshalb noch lange keine Romantik.

Für mich wäre es interessant, ob von dieser Struktur im Film etwas zu erkennen ist, oder ob nur wieder die üblichen Assoziationen verwendet wurden.

Hedning

Ich habe mir die Sonate gerade noch mal angehört und finde das Vorgehen mit den gebrochenen Akkorden in dieser unablässig fließenden Bewegung eigentlich geradezu barock, man vergleiche Bachs bekanntes C-Dur-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier Bd. 1. Einen Bezug zur Romantik sehe ich da kaum, insofern gebe ich dir recht. Dass das auf eine spontane, quasi improvisierte Kompositionsweise hindeuten soll und dass daher nichts "wirklich durchkomponiert" sein soll, finde ich aber nicht so überzeugend und dass Beethoven sehr vieles aus einem eingeschränkten Vorrat an Motiven gemacht hat, war ja ein Markenzeichen von ihm. Die Annahme, dass Beethoven mit diesem Stück in einer Nacht unmittelbar seine Gefühle herausgelassen hat, ist im übrigen SEHR romantisch ;)