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Autoren-Thread: Vince

Begonnen von Vince, 30 November 2006, 23:55:57

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Vince

Danke, irgendwie hört sich das fast wie ein Lob an.  :icon_mrgreen:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 14 November 2007, 02:39:25
Aber dass seinen Filmen eine wirkliche Komplexität fehlt, wird man doch zugeben, oder?

(die Rede ist vom Post-"Elephant Man"-Lynch)
Wenn man es so sieht: ja, würde ich unterschreiben, definitiv. Aber darin besteht ja eigentlich gar nicht der Reiz seiner Werke (die nicht "Elephant Man" oder "Straight Story" heißen).

Zitat
2.PS: Wir beide auf der Startseite, lass uns kuscheln. ;)
:pidu:

Bretzelburger

Zitat von: Vince am 14 November 2007, 02:39:15
Das mag ja sein, ist letztendlich alles Geschmackssache. Bisher habe ich zu der Kritik (auch woanders) eigentlich überdurchschnittlich viel Lob bekommen, d.h. wesentlich mehr als gewöhnlich, allerdings habe ich weiter oben ja schon gemutmaßt, dass es gerade bei Kritiken, wo man sich quasi von den "guten Sitten" entfernt, auch Gegenwind geben wird. Das ist immer so und es hätte mich gewundert, wenn das diesmal nicht der Fall gewesen wäre. Aber damit muss man als Rezensent natürlich leben können und das kann ich auch ganz gut. ;)
Dir sollte aber schon klar sein, dass meine Kritik nichts damit zu tun hat, dass ich mit von der normalen Linie abweichenden Texten Probleme hätte - die Originalität erkenne ich wohl, aber man sollte sich nicht darauf ausruhen.

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 14 November 2007, 02:41:15
Wenn Zitate Sinn ergebend eingesetzt werden, sehe ich da kein Problem.
Genau den Sinn habe ich ja auch in Frage gestellt.

Vince

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 14 November 2007, 02:41:15
Wenn Zitate Sinn ergebend eingesetzt werden, sehe ich da kein Problem.

Ich hoffe übrigens, dass ich das im vorliegenden Fall gemacht habe. Ich hab mir auf jeden Fall was dabei gedacht, das war jetzt kein reines Brainstorming...

Sarge

Warum auch keine Zitate verwenden? Faktisch sind sie das essentiellste Mittel für die "Beweisführung" und Argumentation einer Rezension.


Zitat von: Mr. Vincent Vega am 14 November 2007, 02:39:25
Aus intuitiver Logik werden rätselhafte Komplexe gesponnen, aus simpelsten Handlungssträngen verworrene Gebilde gemacht. Dass die Filme keinen Sinn besitzen, der über Momentaufnahmen und klar strukturierter Intuition hinausgeht, empfinde ich eigentlich als ebenso offensichtlich wie banal. Dass der Mann einen gewissen Reiz hat, sehe ich ja ein, wieso sich damit aber alle so wunderbar identifizieren können, verstehe ich nicht. Vielleicht weil Lynch so schwammig und ungenau ist, dass er damit erst recht verlockend wirkt. Aber dass seinen Filmen eine wirkliche Komplexität fehlt, wird man doch zugeben, oder?(die Rede ist vom Post-"Elephant Man"-Lynch)

Ach ich vergaß dieses Reibungsthema ja auch noch zwischen uns... Wenn du vom Post-"Elefantenmenschen"-Lynch sprichst, kannst du aber nicht verkennen, dass Lynch auch "Dune", "Blue Velvet", Wild at heart" und die "Straight Story" gedreht hat; die Rätselfilme (bisher) also etwa nur die Hälfte seines Outputs darstellen. Und zumindest mal "Mulholland Drive" einen Sinn abzusprechen, halte ich auch für ein Bewegen auf dünnem Eis. Ich kenne kaum einen Film, der dem Hollywood-Geschäft mit solcher Psychologie zuleibe rückt und der, indem er den Traum als inhaltliches Stilmittel benutzt, den Traum Hollywwods demontiert. Abgesehen davon besteht für mich auch der Reiz darin, dass Lynch den Traum zu fassen versucht, allein audiovisuell sind seine Mystery-Filme schon Erlebnisse. Natürlich aber bietet sich da viel Angriffsfläche, denn vom Traum wissen wir nur, dass die Gesetze der Realität nicht anwendbar sind und man es sich leicht machen kann, Lynchs Sachen als gehaltlose cineastische Spastiken abzutun.

Mr. Vincent Vega

@Vince:

Ja, hast du. Ich kann Bretzel da auch nicht ganz folgen, was die allgemeine Kritik an Zitaten ausmacht.

@Sarge:

"cineastische Spastiken" ist nun ziemlich hart, aber... gar nicht mal so weit hergeholt. :icon_mrgreen:

Ich muss meine Einschätzung wohl noch enger fassen. "Blue Velvet" kann ich ja trotz seiner Frauenfeindlichkeit schwierigen Darstellung von Geschlechterrollen (:hacki:) noch etwas abgewinnen, "Dune" halte ich für totalen Mumpitz und "Wild at Heart" hat die kürzliche Sichtung nicht überlebt, was für ein Megaschrott dieser Film. Tatsächlich beziehen sich meine Worte im Konkreten auf TWIN PEAKS, LOST HIGHWAY und INLAND EMPIRE. Faktisch treffen sie auch auf MULHOLLAND DRIVE zu, aber den fand ich relativ großartig, gerade wegen der von dir völlig richtig ausgemachten "Psychologie" des "Hollywood-Geschäfts", die in einer Demontage dessen kulminiert.

Vince

Zitat von: Sarge am 14 November 2007, 14:33:31
Natürlich aber bietet sich da viel Angriffsfläche, denn vom Traum wissen wir nur, dass die Gesetze der Realität nicht anwendbar sind und man es sich leicht machen kann, Lynchs Sachen als gehaltlose cineastische Spastiken abzutun.

Das ist der Punkt. Ich glaube, es war McKenzie, der diesen Sachverhalt in seiner "Inland Empire"-Kritik ähnlich zusammengefasst hat. Im Sinne einer logischen Betrachtung müssen die "Drei Fragezeichen" Lynchs (Lost Highway, Mulholland Drive, Inland Empire) ja an Komplexität scheitern, nur ist das eben überhaupt nicht der Punkt. Von den Filmen geht mehr aus als nur eine Faszination für das Ungeordnete. Ist leicht daran zu erkennen, dass sich schon viele an Lynchs Stil zu schaffen gemacht haben, bislang aber noch niemand dazu in der Lage war, die Ausnahmeposition des Regisseurs ernsthaft anzugreifen, indem die Faszination hätte reproduziert werden können.

@Mr. VV: Was "Twin Peaks" betrifft, sollte man übrigens imo den Einfluss von Mark Frost nicht unterschätzen.
Ansonsten kann ich grundsätzlich nachvollziehen, was du meinst (insbesondere, da du "Mulholland Drive" hier eine Sonderposition einräumst), nur eben nicht unbedingt teilen.

psychopaul

Ich tue mir schwer mit solch ausgefeilten Analysen  ;) aber ich finde ja, dass sich Inland Empire nochmal deutlich von den ja klar strukturierten anderen Rätselfilmen unterscheidet, die mit ihrer "Schleifen-" und "Traumlogik" ganz sicher mehr als bloßes Aneinanderreihen von Einfällen sind und ja trotz Lynchs eigenem Understatement sehr ausgefeilt sind.

Beim letzten Output hat man mehr als je zuvor aber das Gefühl, Lynch hätte jeglichen übergeordneten Sinn und Zusammenhang aus seinem Schaffen gestrichen. Also jetzt im Gesamten betrachtet, der Film selbst ist sicherlich genauso reich an Aussagen, gezielt plazierten Szenen usw.. aber es bleibt eher fragmentarisch, finde ich.

Es werden auch soviele Ebenen über-, unter- und nebeneinandergeschichtet, dass das nicht mehr bloß diesen surrealen Traumcharakter hat, wie z.b. schon bei Eraserhead, sondern das ist viel assoziierenderes und "freieres" Filmemachen als alles zuvor (und vermutlich ist das nicht nur auf Lynchs Universum selbst, sondern auch auf das gesamte Kino bezogen, auch wenn ich jetzt grad nicht die ganze Geschichte des Experimental- und Avantgardefilms auf Abruf habe  ;)).

Das polarisiert selbstverständlich, denn damit können halt dann auch 80% der Masse nix mehr anfangen, aber für diejenigen, die auf neue Wege und Experimente oder einfach tripähnliche Filmerlebnisse stehen, ist das schon was Feines.
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Three little devils jumped over the wall...

McKenzie

14 November 2007, 15:59:10 #247 Letzte Bearbeitung: 14 November 2007, 16:02:55 von McKenzie
Zitat von: Bettwurst am 14 November 2007, 15:51:56
Das polarisiert selbstverständlich, denn damit können halt dann auch 80% der Masse nix mehr anfangen, aber für diejenigen, die auf neue Wege und Experimente oder einfach tripähnliche Filmerlebnisse stehen, ist das schon was Feines.

:respekt: :dodo: :pidu:  :dodo: :king:  :love:

@ Vince:

Schön gesagt. Gelegentlich spielt sich der Mensch mit seinem bisweilen biestigen Vorhaben, ALLES ergründen zu müssen, selbst ein Schnippchen. Gerade wenn etwas aus dem Ruder läuft, das Unterbewusstsein mit hineinspielt und die Entdeckerfreude eines Regisseurs zum Zuge kommt, wird Kino doch erst wirklich interessant. Und man muss schon eine gewisse Fertigkeit besitzen, um damit ein Publikum fesseln zu können - und das ist ja gerade das Geheimnis von Lynchs "Rätselfilmen": Trotz ihres fragmentarischen Charakters sind sie unglaublich dramaturgisch, jede der einzelnen Szenen wirkt so, als würde sie aus einem tatsächlich existierenden Film stammen, daher entfaltet auch jede dieser Szenen ein filmisches, homogenes und dramatisches Gefühl zumal ja immer noch ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Szenen vorhanden ist. Daher kann ich immer noch nicht ganz nachvollziehen, wie man sich von Lynch als Zuschauer entmündigt fühlen kann.

@ Mr. Vincent Vega:

Natürlich ist Lynch der totale Chauvinist, deswegen sind bei ihm auch nur fast immer die Frauen die Überlegenen im Spiel (und wenn sie es einmal nicht sind, hat das schon seinen Grund, siehe "Blue Velvet")
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

Mr. Vincent Vega

Zitat von: McKenzie am 14 November 2007, 15:59:10
@ Mr. Vincent Vega:

Natürlich ist Lynch der totale Chauvinist, deswegen sind bei ihm auch nur fast immer die Frauen die Überlegenen im Spiel (und wenn sie es einmal nicht sind, hat das schon seinen Grund, siehe "Blue Velvet")

Auch wenn du das natürlich ironisch meinst, so ist gerade der letzte Teilsatz bezeichnend. Ich würde aber Lynch nicht als Chauvinisten bezeichnen, nur eben einige seiner Filme (vor allem "Wild at Heart"). Ich glaube der Mann versteht Frauen nicht und will ihnen deshalb irgendwie auf die Spur kommen. Gerade aber "die Frau" als rätselhaftes Mysterium, als blonde Femme Fatale in "Lost Highway" finde ich unfassbar ermüdend, weil mich das überhaupt nichts angeht.

Dass du ganz grundsätzlich für Chauvinismus empfänglich bist, liegt ja nun auch in der Natur der Sache. ;)

psychopaul

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 14 November 2007, 16:11:14
Gerade aber "die Frau" als rätselhaftes Mysterium, als blonde Femme Fatale in "Lost Highway" finde ich unfassbar ermüdend, weil mich das überhaupt nichts angeht.

Hm, ich finde das bei dir irgendwie schade, dass du dich anscheinend für Dinge, die dich nicht persönlich "angehen", nicht trotzdem interessieren kannst.  :icon_neutral:  ;)

Ist denn das Mysterium Frau nur für jemanden interessant, der sie poppen möchte?  :icon_mrgreen:
Außerdem magst du doch auch Vertigo/Hitchcock?? also das finde ich jetzt echt eigenartig.  :00000109:

Bzw. hat der Film ja auch genügend andere Qualitäten (Rammstein  :king:), an denen man sich erfreuen könnte..
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Mr. Vincent Vega

Zitat von: Bettwurst am 14 November 2007, 16:16:51
Hm, ich finde das bei dir irgendwie schade, dass du dich anscheinend für Dinge, die dich nicht persönlich "angehen", nicht trotzdem interessieren kannst.  :icon_neutral:  ;)

Die nötige Prise Unernst sollte man bei meinen Postings schon immer noch subtrahieren. ;)

Zitat von: Bettwurst am 14 November 2007, 16:16:51
Ist denn das Mysterium Frau nur für jemanden interessant, der sie poppen möchte?  :icon_mrgreen:

Woher soll ich das wissen? ;)

Zitat von: Bettwurst am 14 November 2007, 16:16:51
Außerdem magst du doch auch Vertigo/Hitchcock?? also das finde ich jetzt echt eigenartig.  :00000109:

Mögen ist arg untertrieben. VERTIGO ist ja zweifellos auch ein Schlüsselfilm für Lynch, genau wie LAURA. Doch mal abgesehen davon, dass ich die viel erwähnte Misogynie bei Hitchcock immer völlig falsch beurteilt sehe, setzt sich dieser Film ja in einer Weise mit dem Konstrukt der Liebe, der Geschlechtlichkeit und einer Tiefenpsychologie, die alle Lynchs bei weitem übersteigt, auseinander, wie sie eben jener wohl auch gar nicht anstrebt. VERTIGO ist ja auch ein Film, der die Grenzen des Kinos so weit übersteigt, der seine formalen Mittel in Dimensionen bringt, die seitdem niemals mehr berührt wurden (neulich saß ich mit einem Freund im Restaurant und wir haben über zwei Stunden allein die Restaurantszene analysiert, was die Dreieickskamera da macht, was die Mise-en-scene für eine Komplexität aufweist etc.pp.). Lynch ist da für mich gar nicht so filmisch, deshalb würde ich den Vergleich wie gesagt nur sehr bedingt gelten lassen. Um also deine Frage zu beantworten: VERTIGO gibt mir (auch hinsichtlich seiner Kim Novak-Figur) noch so viel mehr als lediglich eine "Frau in Schwierigkeiten"

Alles weitere in meinem Thread, will ja Vince nicht nerven.

Vince

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 14 November 2007, 16:25:53
Alles weitere in meinem Thread, will ja Vince nicht nerven.

Was, ihr wollt mich in meinem Thread alleine lassen?


;)

Red Shadow

Ich bin wirklich kein Lynch-Fan. Insofern schätze ich deine Kritik zu "Inland Empire" mehr als alle bisherigen Werke des kryptischen Träumers :icon_lol:. Wie auch immer, Respekt für die inhaltliche und sprachliche Extravaganz :respekt:. Grundsätzlich stimme ich aber Mr. Vega zu, hier kann ich dem werten Sarge, der ansonsten gerade musiktechnisch oftmals mit einem guten Geschmack aufwartet, absolut nicht zustimmen ;) :icon_mrgreen:.
Why so serious?

WEAR RED, GET LOUD! GO 49ers!

Who's got it better than us? Nooobody!!!

Chili Palmer


Jahrelang stand Wells' "Insel des Dr. Moreau" auf meiner noch-zu-lesen-Liste, und nun, wo das erledigt ist (fabelhaftes Buch, das mal am Rande), erscheint mir Frankenheimers Adaption noch dürftiger.
Beim Spicken in der OFDb verwunderte mich die magere Anzahl von zwei Reviews zu diesem Heuler dann auch gar nicht mehr, aber, aha, das eine stammt wenigstens vom geschätzten Kollegen Vince.
Und enttäuscht mich gleich zu Beginn ein wenig, als du ausschließlich von einem erneuten Remake der Verfilmung aus den Dreißigern sprichst, ohne dabei Wells' Roman zu erwähnen. Denn dass dessen zeitlose Prämisse vom Tier im Menschen in Zeiten der Gentechnik Grund genug für eine erneute Verfilmung ist, wäre schon eine Erwähnung wert.

Die eigentliche Filmbesprechung ist dann aber wieder gewohnt gelungen. Brandos seltsame Eigeninszenierung, Kilmers überzogenes Spiel, Thewlis' wechselhafte Performance - das Chaos bei den Dreharbeiten spiegelt sich perfekt in den Darstellerleistungen und wird von dir mit den passenden Worten bedacht. Auch das Lob von Stan Winstons Arbeit ist gerechtfertigt.

ZitatAber um zumindest locker unterhalten zu können, sind die Ziele des Films einfach zu hoch gesteckt. Hintergrund ist nämlich einmal mehr die allseits beliebte Sozialkritik, diesmal in Form vom "Tier im Manne", dem animalischen Urinstinkt des Menschen, dem Besinnen auf die Wurzeln. Das wird gerade zu Beginn deutlich, als die wenigen Überlebenden sich gegenseitig umbringen, um ihr eigenes Leben zu erhalten, und bei der Moral am Ende, bei der zur visuellen Unterstreichung Dokumentarbilder von Massenkämpfen aus dem Geschichtsarchiv gekramt wurden. Es wird also die Frage aufgeworfen, ob wir uns bei all dem technologischen Fortschritt, all der Rationalität wirklich so sehr weiterentwickelt haben, oder das Dunkle immer noch in uns brodelt.

Hier steckt sich natürlich kein B-Movie zu hohe Ziele, hier versucht ein A-Movie (gone B) die Tiefe des Romans zu reflektieren. Dass dies über die unbeholfene Inszenierung (gerade diese plumpen Dokumentarmontagen sind doch deutlich unter Frankenheimers Niveau) schiefläuft, ist schade, denn eigentlich sollten die Ereignisse auf des Doktors Insel genügend Aussagen in dieser Richtung getroffen haben. Erinnerungen an Steven Seagals "Brennende-Eis-Schlusspredigt" werden wach...  :icon_mrgreen:

ZitatHätte sich der Film etwas weniger ernst genommen, wäre wohl ein sauberer, anspruchsloser Inselhorror dabei herausgekommen.

Das möchte ich im Hinblick auf Frankenheimers Version unterstreichen, der hätte ein Augenzwinkern gut gestanden, da sie ihren Anspruch sowieso nicht zu transportieren imstande war. Das großartige Buch im Hinterkopf behaltend, würde ich mir allerdings sogar eine vierte Verfilmung wünschen, da liegt gewaltiges Potential zu tiefgründigem Abenteuerkino brach.
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

Oh weh, erst gräbt der Apollon mein altes, übles Shyamalanreview aus, und jetzt der Chili mein Uralt-DNA-Gekritzel, das ja noch aus Dreamcatcher-Tagen stammt!  :icon_mrgreen:

Insofern Zustimmung zu allen Mängelbeschreibungen (aber dabei mir zuliebe bitte immer aufs Entstehungsdatum der Kritik schauen) und Verwunderung hierfür:

ZitatDie eigentliche Filmbesprechung ist dann aber wieder gewohnt gelungen.

Seh ich jetzt nicht unbedingt so, aber das hast du dir sicher schon gedacht. ;)

Aber wie schon bei "The Village" gilt: Zu der Note stehe ich immer noch! Den so oft postulierten Totalausfall hab ich da nie gesehen, dafür hatte ich schlicht und ergreifend zu viel Spaß mit den Viechern. Und natürlich mit dem rot angelaufenen Wichtelzwerg.  ;)

Chili Palmer

Zitat von: Vince am 19 November 2007, 22:28:41
Oh weh, erst gräbt der Apollon mein altes, übles Shyamalanreview aus, und jetzt der Chili mein Uralt-DNA-Gekritzel, das ja noch aus Dreamcatcher-Tagen stammt!  :icon_mrgreen:

Wir sollten vielleicht die Archäologiewoche ausrufen, um sämtliche Reviewmumien ans Licht zu zerren.  :icon_lol:

Sieh' es als Bestätigung deines stetig steigenden Anspruchs an dich selbst, wenn dich alte Kritiken nicht mehr überzeugen. Der konstante Wunsch, sich zu verbessern und permanente Unzufriedenheit zeichnen die besten Schreiberlinge aus. Wer sich für nicht mehr steigerungsfähig hält, hat doch schon verloren. 

Und dass ich der Gurke "DNA" ebenfalls noch eine Menge abgewinnen kann, wirst du mir, dem heimlichen Vorsitzenden des "Dreamcatcher"-Fanclubs, unbesehen abkaufen, oder?  :icon_mrgreen:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

Zitat von: Chili Palmer am 19 November 2007, 22:39:13
Und dass ich der Gurke "DNA" ebenfalls noch eine Menge abgewinnen kann, wirst du mir, dem heimlichen Vorsitzenden des "Dreamcatcher"-Fanclubs, unbesehen abkaufen, oder?  :icon_mrgreen:

Bist du nicht auch schon Vorsitzender des Elektra-Fanclubs? Bist ja ein ganz schön schwer beschäftigter (B-)Mann. ;)

Chili Palmer

Ja, es sind Knochenjobs, aber irgendwer muss ja. Hankey kennt diese Problematik auch.  :icon_mrgreen:

Offizieller Vorsitzender des "Elektra"-Fanclubs, heimlicher Vorsitzender des "Dreamcatcher"-Clubs.
Dessen offizieller Chef und Aushängeschild bist ja immer noch du.  ;)
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Vince

Zitat von: Chili Palmer am 19 November 2007, 22:55:03
Dessen offizieller Chef und Aushängeschild bist ja immer noch du.  ;)

Auf jeden Fall! Die Alien-Torpedierungsszene schlägt jede Massensequenz aus Star Wars und Lord of the Rings mühelos.  :icon_lol:

Mr. Vincent Vega

So richtig weiß ich ja nicht, was ich von deinem WIZARD OF OZ-Text halten soll. Vesuche ich mich mal in die Position von jemandem zu begeben, der den Film nicht für einen der subversivsten Klassiker aller Zeiten, einen natürlich explizit schwulen Klassiker (Judy Garland, das ist bekannt, ist unser aller Mutter :icon_mrgreen:) und einen Film hält, in dem so unendlich viele "gesellschaftliche Allegorien" zu finden und nicht nur zu suchen sind, dann mag ich deinen Text. Zum einen, weil er mehr eine filmgeschichtliche Einordnung bedeutet, weniger eine Analyse (Musicalaspekte sprichst du gar nicht an, von Technicolor ist die Rede, nicht aber von der irre ökonomischen Studioarbeit, also der Frage, wie man solche Bilder in einem Studio hinbekommt etc.). Immerhin, oder besser: zu Recht, betonst du, wie sehr der Film die Jahrzehnte mitsamt und gerade seiner Bilder wegen überlebt hat. Das 'warum' scheint mir zwar nicht teilenswert (ich halte den Film offenbar für weitaus weniger naiv und unschuldig als du), aber grundsätzlich stimme ich dir in allem zu, sehr straight geschrieben und prägnant festgehalten. Eine wirklich brauchbare Besprechung hinsichtlich der enormen Qualitäten des Films stellt der Text für mich aber irgendwie nicht dar. Größter Widerspruch: "Und in Anbetracht der Überlebensgröße von Evergreens wie "Over the Rainbow" stellt sich die Frage: Wie kann etwas derart Un- um nicht zu sagen Schwachsinniges so lange überleben?". Dieser Song ist sowas von ganz und gar nicht "schwachsinnig".

PS: Du gehst leider nicht mehr wirklich auf diesen Absatz

ZitatObwohl das Buch sich noch durch einen realistischen und einfachen Schreibstil von der Landschaft abheben und mit den Farbillustrationen progressive Zeichen setzen wollte, wird uns am Ende der 1939er-Verfilmung mit aller Überzeugung die konservative Formel "Zu Hause ist's doch am schönsten" entgegen geworfen. Nicht der geringste Zweifel besteht an dem Wahrheitsgehalt dieser These, die im Grunde weit mehr ist als das, nämlich ein Gesetz.

ein bzw. fehlt mir darauffolgend der Zusammenhang. Oder ich habe es nicht verstanden. Aber eine Diskussion zu diesem Filmsatz könnte schon allein Inhalt eines ganzen Reviews sein.

Mr. Vincent Vega

Und wieso der Film die selbe Wertung wie der bemühte, gerade mal noch so launige BLACK SHEEP bekommt, lese ich da auch nicht heraus. ;)

2.PS: NINOTSCHKA hast du ja auch besprochen. Und nur 7 Punkte gegeben. Na hier ist was los.

Crumby Crumb & the Cunty Bunch

Auf dem Sci-Fi Channel läuft übrigens grade eine 6-stündige Neuinterpretation, das Zitat in meiner Sig sagt alles über die Qualität aus...
'Are you talkin' to me? You talkin' to me?' - Raging Bull, Pacino. Love that movie!

Vince

8 Dezember 2007, 13:35:33 #262 Letzte Bearbeitung: 8 Dezember 2007, 14:22:00 von Vince
Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Dezember 2007, 01:36:09
Größter Widerspruch: "Und in Anbetracht der Überlebensgröße von Evergreens wie "Over the Rainbow" stellt sich die Frage: Wie kann etwas derart Un- um nicht zu sagen Schwachsinniges so lange überleben?". Dieser Song ist sowas von ganz und gar nicht "schwachsinnig".
Ich hab eigentlich gedacht, dass man da herauslesen kann, dass Aussagen wie diese, oder dass unser Zeitgeist dem damaligen überlegen sei, keineswegs ernst gemeint sind.  Natürlich ist der Song nicht schwachsinnig, aber die Frage ist doch recht eindeutig aus der Perspektive eines ignoranten Zynikers des Jahres 2007 gestellt. Und ein wichtiger Teil meiner Kritik besteht daraus, darauf hinzuweisen, dass eine solche Überlegenheit im Grunde gar nicht existiert, denn immerhin ist dieser alte Film auch heute noch in der Lage, das Publikum anderer Generationen zu verzaubern.

Dass der Film darüber hinaus auch gar nicht mal so naiv ist, sondern dies in Teilen vielleicht nur spielt, habe ich ja durch den Hinweis auf die Professionalität der Umsetzung herauszustellen versucht; in großen Teilen ist der Film komplett durchkomponiert und bis ins letzte Detail geplant; das passt ja nicht wirklich zu der Annahme, alles sei hier total blauäugig von selbst abgelaufen. 

ZitatPS: Du gehst leider nicht mehr wirklich auf diesen Absatz

ZitatObwohl das Buch sich noch durch einen realistischen und einfachen Schreibstil von der Landschaft abheben und mit den Farbillustrationen progressive Zeichen setzen wollte, wird uns am Ende der 1939er-Verfilmung mit aller Überzeugung die konservative Formel "Zu Hause ist's doch am schönsten" entgegen geworfen. Nicht der geringste Zweifel besteht an dem Wahrheitsgehalt dieser These, die im Grunde weit mehr ist als das, nämlich ein Gesetz.

ein bzw. fehlt mir darauffolgend der Zusammenhang. Oder ich habe es nicht verstanden. Aber eine Diskussion zu diesem Filmsatz könnte schon allein Inhalt eines ganzen Reviews sein.
Das ist richtig, aber im Grunde kommst du mir hier mit dem gleichen merkwürdigen Argument wie Bretzelburger damals bei der Inland Empire-Kritik: Etwas bemängeln, das ich NICHT weiterverfolgt habe. Wobei du Recht damit hast, dass ich das dann gar nicht hätte aufwerfen müssen, aber ich ich habe diesen Aspekt eben deswegen noch kurz angerissen, um zu zeigen, dass da ein Ansatz ist, von dem ich mich nun aber entfernen möchte.

Letztlich muss man hier sehen, wer die Kritik geschrieben hat: Ich bin nicht du. Soll heißen: ich mag keine Musicals, ganz grundsätzlich. Auch Eindimensionalität und Schwarz-Weiß-Zeichnung mag ich normalerweise nicht, es sei denn, sie wird eben wie bei Tim Burton reflektiert. Meine Aufgabe war es also nun, zu erklären, warum ich "The Wizard of Oz" entgegen aller Naturgesetze eben doch mochte.

Ich muss noch dazusagen, dass das nicht gerade meine Lieblingskritik werden wird; ich hab das sehr spontan, unkonzeptioniert und relativ spät am Abend zusammengetippt und die letztmalige Sichtung des Films lag auch schon wieder ein paar Wochen zurück (eigentlich bin ich es gewohnt, relaiv zeitnah Filme zu besprechen).

Was freilich "Black Sheep" nun mit dem "Zauberer von Oz" zu tun haben soll, ist mir schleierhaft ;) und bei "Ninotschka" hast du meiner Erinnerung nach doch auch nur einen Punkt mehr gegeben als ich? Was soll ich denn bei deinen ganzen Verrissen sagen, wenn du mal wieder rund 7 Punkte weniger als ich gegeben hast bei einem Film? ;)

Kleines Edit:
ZitatVesuche ich mich mal in die Position von jemandem zu begeben, der den Film nicht für einen der subversivsten Klassiker aller Zeiten, einen natürlich explizit schwulen Klassiker (Judy Garland, das ist bekannt, ist unser aller Mutter  :icon_mrgreen:) und einen Film hält, in dem so unendlich viele "gesellschaftliche Allegorien" zu finden und nicht nur zu suchen sind, dann mag ich deinen Text.
Finde ich allerdings sehr bemerkenswert, dass du da jetzt nicht direkt draufgehauen hast bei mir (was ja aus deiner Position heraus durchaus naheliegend wäre, denn so richtig ernst nehme ich den Film ja nicht), sondern zu differenzieren verstehst. Respekt dafür.

Chili Palmer

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33
Ich hab eigentlich gedacht, dass man da herauslesen kann, dass Aussagen wie diese, oder dass unser Zeitgeist dem damaligen überlegen sei, keineswegs ernst gemeint sind.  Natürlich ist der Song nicht schwachsinnig, aber die Frage ist doch recht eindeutig aus der Perspektive eines ignoranten Zynikers des Jahres 2007 gestellt.

Hatte das Review gestern abend gelesen, ohne hier herein geschaut zu haben.
Und ich muss auch sagen, dass mir nicht ganz klar war, dass du aus der Position des postmodernen Zynikers heraus argumentiert hast. Dachte eher, dass dies die Klammer um die Rezension wäre, die klar stellen sollte, dass du nüchtern und nicht von schmusiger Nostalgie geblendet argumentieren wolltest. Deshalb wunderte ich mich natürlich auch: "Holla, der springt ja böse mit diesem schönen Lied um".  ;)
Aber das zeigt doch mal wieder, dass die Autorenthreads ihren Zweck erfüllen.

Und dein kleines Edit sollten sich Vegas "Gegner" mal durchlesen. Es gibt noch Hoffnung!  :icon_mrgreen:

"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

Okay, wenn das mehrere Leute so sehen, hab ich's vermutlich nicht deutlich genug formuliert. Hab's deswegen jetzt mal abgeändert (Fettdruck = Änderung):

ZitatUnd in Anbetracht der Überlebensgröße von Evergreens wie "Over the Rainbow" stellt sich für den Zyniker die Frage: Wie kann etwas derart Un- um nicht zu sagen Schwachsinniges so lange überleben?

Ich hoffe, jetzt wird's klarer, was ich meinte. Wenn sonst noch Unklarheiten bestehen, immer raus damit!

Mr. Vincent Vega

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33
Ich hab eigentlich gedacht, dass man da herauslesen kann, dass Aussagen wie diese, oder dass unser Zeitgeist dem damaligen überlegen sei, keineswegs ernst gemeint sind.  Natürlich ist der Song nicht schwachsinnig, aber die Frage ist doch recht eindeutig aus der Perspektive eines ignoranten Zynikers des Jahres 2007 gestellt. Und ein wichtiger Teil meiner Kritik besteht daraus, darauf hinzuweisen, dass eine solche Überlegenheit im Grunde gar nicht existiert, denn immerhin ist dieser alte Film auch heute noch in der Lage, das Publikum anderer Generationen zu verzaubern.

Also da ging es mir wie gesagt eher wie Chili, so ganz klar war mir diese Zyniker-Position nicht. Aber die Änderung ist definitiv besser und lässt das ganze in einem akzeptablen, nein, sehr guten Licht stehen. Inhaltlich habe ich also keine Einwände gegen deine Besprechung, die mir ja sowieso schon irgendwie gefiel.

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33Dass der Film darüber hinaus auch gar nicht mal so naiv ist, sondern dies in Teilen vielleicht nur spielt, habe ich ja durch den Hinweis auf die Professionalität der Umsetzung herauszustellen versucht; in großen Teilen ist der Film komplett durchkomponiert und bis ins letzte Detail geplant; das passt ja nicht wirklich zu der Annahme, alles sei hier total blauäugig von selbst abgelaufen.

Richtig. Aber für ein (nach eigenen Worten) so spät verfasstes Review war das dann doch alles sehr subtil eingebaut.

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33
Letztlich muss man hier sehen, wer die Kritik geschrieben hat: Ich bin nicht du.

Puh. :icon_mrgreen:

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33
Soll heißen: ich mag keine Musicals, ganz grundsätzlich. Auch Eindimensionalität und Schwarz-Weiß-Zeichnung mag ich normalerweise nicht, es sei denn, sie wird eben wie bei Tim Burton reflektiert. Meine Aufgabe war es also nun, zu erklären, warum ich "The Wizard of Oz" entgegen aller Naturgesetze eben doch mochte.

Ich finde den ja auch gar nicht eindimensional, aber blicken wir darüber lieber hinweg und reden mal über deine unfassbare Nicht-Liebe für Musicals. :eek: ;)

(ist Hankey da echt der einzige, der mir die Stange hält?)

(oh, das klang ... strange :icon_mrgreen:)

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33
Was freilich "Black Sheep" nun mit dem "Zauberer von Oz" zu tun haben soll, ist mir schleierhaft ;) und bei "Ninotschka" hast du meiner Erinnerung nach doch auch nur einen Punkt mehr gegeben als ich? Was soll ich denn bei deinen ganzen Verrissen sagen, wenn du mal wieder rund 7 Punkte weniger als ich gegeben hast bei einem Film? ;)

Am Besten gar nichts.

Kennste das hier: KLICK

:icon_mrgreen:

Zitat von: Vince am  8 Dezember 2007, 13:35:33
Finde ich allerdings sehr bemerkenswert, dass du da jetzt nicht direkt draufgehauen hast bei mir (was ja aus deiner Position heraus durchaus naheliegend wäre, denn so richtig ernst nehme ich den Film ja nicht), sondern zu differenzieren verstehst. Respekt dafür.

Das finde ich wirklich selbstverständlich, man kann nicht immer gleich mit der Tür ins Haus fallen und außerdem schätze ich euch alle viel zu sehr, um "direkt draufzuhauen". *Weihnachtsstimmung verbreit* :icon_razz:

Vince

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 11 Dezember 2007, 00:50:31Also da ging es mir wie gesagt eher wie Chili, so ganz klar war mir diese Zyniker-Position nicht. Aber die Änderung ist definitiv besser und lässt das ganze in einem akzeptablen, nein, sehr guten Licht stehen. Inhaltlich habe ich also keine Einwände gegen deine Besprechung, die mir ja sowieso schon irgendwie gefiel.
Wow... nochmal: danke, Ennis und Jack!   :D

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 11 Dezember 2007, 00:50:31
Richtig. Aber für ein (nach eigenen Worten) so spät verfasstes Review war das dann doch alles sehr subtil eingebaut.

Okay, seh ich ein, war in Teilen vielleicht wirklich nicht genau genug herausgearbeitet. Wobei ich nochmals betonen will - ist bisher noch nicht zur Sprache gekommen - dass ich das auch über die "Sohn des Teufels"-Metapher herausstellen wollte. Der gibt sich ja nach außen hin auch gerne unschuldig, ist aber in Wirklichkeit ein ganz hinterlistiges Miststück. Er lässt den Menschen im Glauben, er folge nur seiner Natur und könne ja gar nix dafür, wer er ist, schmiedet aber in Wirklichkeit hinterrücks teuflische Pläne. So ungefähr sehe ich den Film, der mit allen Wassern gewaschen ist, dabei aber so eine authentische Unschuldsmiene zur Schau trägt, dass man diese Professionalität irgendwo bewundern muss.


Zitat(ist Hankey da echt der einzige, der mir die Stange hält?)

(oh, das klang ... strange :icon_mrgreen:)
Tja, da muss er durch, der Mr. Hankey... er sucht ja immer wieder deine Nähe. Letztens im TV hörte ich ihn noch sagen "Ich hab mich selbst dir in den Mund geschoben und ein Foto gemacht, während du schliefst" - ich weiß aber nicht, ob das dir galt.  :icon_mrgreen:
(P.S. wer's nicht kennt - mehr South Park gucken!)

ZitatKennste das hier: KLICK
Ich schäme mich es zuzugeben, aber... ja, ich kenne es. Aber nur aus Kalkofe, nicht aus der Primärquelle, versteht sich.  ;)

ZitatDas finde ich wirklich selbstverständlich, man kann nicht immer gleich mit der Tür ins Haus fallen und außerdem schätze ich euch alle viel zu sehr, um "direkt draufzuhauen". *Weihnachtsstimmung verbreit* :icon_razz:

Ich möchte dich gerne buchen; du sollst an Heiligabend als Humpa Lumpa verkleidet zu "I don't feel like dancing" unter meinem Weihnachtsbaum tanzen. Was würde das kosten?  ;)

Fastmachine

Gestern Nacht sah ich den uralten Bogart-Streifen "Die schwarze Natter" aka "Das unbekannte Gesicht", der mir aus dem Stand ziemlich gut gefiel. Gerade war ich dabei, mir ein Herz zu fassen und ein Review zu konzipieren, da schaute ich kurz in die OFDb und siehe da - Vince war schon da. Hätte ich nicht gedacht. Langsam füllen sich ja wirklich die von Bretzelburger beklagten "unverdienten Lücken" im Reviewbestand. 

Und das beste : Schön kurz und trotzdem präzise, wiewohl mit etwas gewagt metaphorischem Einstieg. Hier neigst Du manchmal zu einer barocken Bildfülle, ja wenn es ganz strange wird, zu grenzwertigen Satzkonstuktionen.
ZitatEin Film wie Blätterkrokant, wie eine umgekehrte Mumifizierung oder das Schälen einer Zwiebel - Schicht für Schicht wird abgetragen, bis das Verborgene langsam Form annimmt.
Ich nehme das ja inzwischen als Herausforderung gerne an. ;)

An deiner Analyse habe ich nichts auszusetzen, die wichtigen Punkte, wie der eigenwillige, aber gelungene Umgang mit der subjektiven Kameraperspektive, sind angemessen eingebaut.

Besonders hat mir dein Hinweis auf Hitchcock gefallen - genau das ist mir nämlich auch ins Auge gestochen. Eine Kleinigkeit sehe ich anders: Nämlich den Bezug zu "Vertigo", den ich nicht für "entfernt" halte wie Du, sondern für sehr deutlich. Allein das Duell unter der Golden Gate Bridge nimmt die faszinierenden Kameraperspektiven aus "Vertigo" vorweg.

Kurz: Ich bin rundrum zufrieden mit deinem Review. Hm. Ich habe auch 7/10 vergeben, wegen einiger leicht schematischer Film-Noir-Elemente. Aber andererseits: Ich bin versucht, 8/10 zu geben, weil der Gesamteindruck sehr zufriedenstellend war.

Für deine Verhältnisse war es auch ein sehr kurzes Review, aber trotzdem habe ich nichts vermisst. Vielleicht sollte man tatsächlich nicht so ausufern. (Ich fasse mich gerne auch an die eigene Nase).


Ich mag keine Filme; die verblöden nur. (Alfons d. Ä.)

Vince

Danke für die Rückmeldung! Ich bin recht erstaunt, dass das jetzt sogar schon das zweite Feedback zu diesem Review ist und Mr. VV ebenfalls anmerkte, er habe wegen meiner Kritik auf eine eigene verzichtet und sich eines anderen Bogarts angenommen. Vor allem, weil ich auf dem Gebiet bisher noch unbewandert bin und einfach mal ins Blaue geschossen habe, weil ich denke, dass auch Kritiken von Genre- Schauspieler- oder Filmstilistik-Unerfahrenen gewinnbringend sein können. Von McKenzie habe ich letztens auch so eine Kritik gefunden, die ich unheimlich interessant fand, da er anscheinend ohne Bergman-Vorkenntnisse "Die Stunde des Wolfs" - meines Ermessens sehr ergiebig - besprochen hat. Natürlich habe ich mich bei "die schwarze Natter" rundum über die Zusammenhänge informiert, aber "praktische Erfahrung" mit vielen Filmen aus dem Bereich habe ich eigentlich noch nicht gemacht.

Warum aber nicht auch mal ein zweites oder drittes Review zu so einem alten Klassiker? Ist doch schön, wenn die auch mal nur ansatzweise erahnen dürfen, wie es ist, zur Garde der viel Besprochenen zu gehören, die sonst den neuen Filmen vorbehalten ist. ;)

Deine Skepsis gegenüber mancher Metapher oder sonstiger Formulierung kann ich nachvollziehen, aber abstellen kann ich's irgendwie nicht - ich hab in meinem Kopf für Satzbau und Satzbedeutung sozusagen eine ganz eigene "Decodierungsmaschinerie", die anscheinend nicht immer mit derjenigen des Lesers kompatibel ist. Aber was soll's, gehört halt dazu. ;)

Was die Länge betrifft, das ist in diesem Thread auch schon festgestellt worden: Ja, ich bin langsam von dem Zwang ab, zu jedem Film meine 2 Seiten voll kriegen zu müssen. Das liegt daran, dass ich nicht mehr länger versuche, dem Film alle Facetten abzugewinnen, die ich finde, sondern mich mit einer Argumentationsrichtung begnüge, diese zu Ende bringe und dann mein Fazit ziehe.

McKenzie

12 Dezember 2007, 01:55:44 #269 Letzte Bearbeitung: 12 Dezember 2007, 01:57:58 von McKenzie
Zitat von: Vince am 11 Dezember 2007, 23:38:14
Danke für die Rückmeldung! Ich bin recht erstaunt, dass das jetzt sogar schon das zweite Feedback zu diesem Review ist und Mr. VV ebenfalls anmerkte, er habe wegen meiner Kritik auf eine eigene verzichtet und sich eines anderen Bogarts angenommen. Vor allem, weil ich auf dem Gebiet bisher noch unbewandert bin und einfach mal ins Blaue geschossen habe, weil ich denke, dass auch Kritiken von Genre- Schauspieler- oder Filmstilistik-Unerfahrenen gewinnbringend sein können.

Ja, das sind oft die besten Kritiken - und gerade die sind rar, weil sich viele nicht wagen, ohne "Erfahrung" etwas zu einem bestimmten Sujet zu schreiben - das ging mir z. B. beinahe automatisch so in der Übergangsphase, als ich aufhörte, Kino ausschließlich als Unterhaltungs-Medium anzusehen, den "Anspruch" für mich entdeckte - aus dieser Zeit stammen einige meiner eigenen Kritiken, die mir vom Tonfall und der Perspektive her die liebsten sind, auch wenn sie nicht mehr an meinen jetzigen Standard heranreichen.

Zitat von: Vince am 11 Dezember 2007, 23:38:14
Von McKenzie habe ich letztens auch so eine Kritik gefunden, die ich unheimlich interessant fand, da er anscheinend ohne Bergman-Vorkenntnisse "Die Stunde des Wolfs" - meines Ermessens sehr ergiebig - besprochen hat.

Die gehört zwar auch dazu, allerdings kann ich gar nicht glauben, das du sie wirklich als ergiebig bezeichnest!  :eek: Da du den Film ja vermutlich schon gesehen hast, dürftest du doch gemerkt haben, wie oberflächlich und zaghaft ich ihn angehe. Du hast übrigens recht - der Text ist ein direktes Produkt meiner allerersten Bergman-Begegnung  :icon_redface: (hat mich aber trotzdem sogleich zum Fan gemacht - du bist ja auch ganz ordentlich bei der Sache, Vince - soviel Bergmänner auf einen Schlag zu besprechen - das verdient schon Respekt  :icon_eek:).

Zitat von: Vince am 11 Dezember 2007, 23:38:14
Deine Skepsis gegenüber mancher Metapher oder sonstiger Formulierung kann ich nachvollziehen, aber abstellen kann ich's irgendwie nicht - ich hab in meinem Kopf für Satzbau und Satzbedeutung sozusagen eine ganz eigene "Decodierungsmaschinerie", die anscheinend nicht immer mit derjenigen des Lesers kompatibel ist. Aber was soll's, gehört halt dazu. ;)

Nun ja, du kennst meine Einstellung dazu - ich mag solche Wortspielereien und Sinnbilder auch furchtbar gerne, benutze sie in meinen Kritiken aber nur selten weil ich eben nicht den Verdächt der Prätentiösität, des Selbstzwecks und der "Effekthascherei" erwecken will (sonst kommen wir noch in Hollywood-Verhältnisse) - hin und wieder, hier und da und im Bewusstsein der möglichen (bestenfalls auch assoziativen) Wirkung angewandt, entfalten sich solche Dinge noch viel besser.
Dafür tobe ich mich damit in Gesprächen aus wie sonst noch was, einige Freunde von mir haben sogar schon geraten, ich solle meine "blumige und bildhafte Sprache" etwas zurückschrauben.  :icon_mrgreen:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde
ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor

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