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Autoren-Thread: McKenzie

Begonnen von McKenzie, 17 Februar 2007, 17:27:29

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McKenzie

Soso, kann man das so einfach? Ich dachte, das geht nicht mehr. Schwach, echt schwach. Du hättest ja wenigstens ein Foto von Brad Patton oder John Holmes auftreiben können.  :icon_twisted: So, und jetzt lösch oder zensiere das da oben bitte mal, das geht so nicht, das will ich unter meinen jungfräulichen Augen hier nicht haben.  :nono:

EDIT:

@ Hedning:
Lass dich nicht irritieren!  :icon_mrgreen:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Hedning

21 Oktober 2008, 19:28:33 #781 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2008, 20:20:00 von Hedning
Zitat von: McKenzie (Peter Maffay) am 21 Oktober 2008, 18:42:45Nein, das ist es natürlich nicht. Aber noch mehr als der Farbfilm eignet sich Schwarzweiß-Fotographie noch besser, um mit stilistischer Meisterschaft Leere im Material zu übertünchen. Soll heißen, dass ich Bava zwar sehr schätze, er im Gegensatz zu seinem Nachfolger Argento (diese oft aufgebrachte Linienzeichnung halte ich für durchaus legitim, solange man sie nicht allzu streng und kompromisslos verfolgt) sich seine Projekte aber nicht immer aussuchen konnte und einfach ein kommerziellerer Filmemacher war, der hier mal persönliche Leidenschaft einfließen ließ (bzw. einfließen lassen konnte) und dort eben nur routiniert (was bei ihm eben immer noch herausragend bedeutet) abdrehte, was auf dem Papier steht und dann als Filmemacher zwar on-screen, als Mensch und Künstler jedoch off-screen bleibt. Er hat stets nach bestem Gewissen versucht, auch aus uninteressanten und / oder konventionellen Drehbüchern, die anderen Regisseuren Zahnschmerzen bereitet haben, visuell Extravagantes, Faszinierendes zu zaubern - das geht aber nur dann wirklich auf, wenn der nötige Gegenwert sich hinter der Fassade finden lässt. Filme wie PLANET DER VAMPIRE, BLUTIGE SEIDE oder eben auch THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH gehören für mich deswegen zu den schwächeren Bava-Arbeiten, weil sie trotz ihres unbestreitbaren formästhetischen Werts doch irgendwo jenseits ihrer sinnlichen Faszination keinen Halt bieten. BLUTIGE SEIDE ist für mich z. B. ein reiner "Kunstfilm", dem der ewige Argento-Vorwurf, außer den Bildern habe der Film nichts zu bieten, wesentlich besser steht als SUSPIRIA. Denn da ist kein Leben, kein Blut, keine Energie. Für mich könnte BLUTIGE SEIDE auch ein Film von Max Ophüls (sicherlich ein wichtiges Vorbild für Bava) sein, den ich aus eben jenen Gründen verabscheue: Seine Filme sind von einer geradezu unmenschlichen Mechanik, Kälte, Dürre, sie sind tot - man meint geradezu, die Maden von der Leinwand kullern zu sehen, so tot ist das. Und ausgesprochen ekelhaft in seiner faschistoiden inszenatorischen Hierarchie. Bei Bava stehen die Dinge anders, seine Filme sind meist ihrer Manieriertheit und Künstlichkeit ausgesprochen lebendig und für mich ist LA FRUSTA E IL CORPO der Film, der nach dem großartigen LA MASCHERA DEL DEMONIO dringend notwendig war, um Bava seine Souveränität zu retten: Der Film pulsiert, er kocht vor zwischenemenschlicher und sexueller Spannung, vor existenzialistischen Verzweiflungsschreien und moralischer Niedertracht und Gratwanderungen. BLUTIGE SEIDE ist dagegen nur ein virtuos in fleischig-cremigen Pastell- und Acrylfarben dekoriertes Schaufenster, bzw. eine Grand Guignol-Bühne, auf der statt Darstellern organische Accessoires und statt Charakteren Gebrauchsanweisungen auf zwei Beinen agieren. Die Herren Brecht, Bresson und Haneke hätte dafür eigentlich etwas übrig haben müssen. THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH unterscheidet sich von PLANET DER VAMPIRE und BLUTIGE SEIDE (meine Meinung zu letzterem lässt sich mit Modifikationen weitgehend auf ersteren, den ich allerdings immerhin amüsanter finde, übertragen) insofern, als er die liebenswerte Naivität und sympathische Unkompliziertheit klassischer Hollywood-Filme, nominell Krimi- und Screwball-Komödien besitzt; dieser Film lebt, nur findet mein scharf suchendes Auge zwischen den ganzen äußerst stimmungsvollen und stilsicher "noirish" eingefangenen s/w-Bildern nur eine kleine Handvoll ernstlich großer Einfälle und Ansätze, der Rest ist halbfertig, halbseiden, bzw. gemessen an seinen Ambitionen wirklich hübsch und enorm unterhaltsam, im Endeffekt ist und bleibt es eine Fingerübung mit der Bava die Brücke vom Gothic-Horror britisch/amerikanischen Vorbilds zum eigenständigen Subgenre des Giallo geschlagen hat. Der Film ist also imho nur ein "Mittel zum Zweck" gewesen, und dieser Zweck war m. E. eben LA FRUSTA E IL CORPO.
EDIT: Darüber hinaus ließe sich eben diskutieren, inwiefern Bava sich formal in THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH nicht einfach bei Welles, Walsh, Huston und anderen, die vor ihm da waren, bedient hat.  ;) Wenn ich jedem s/w-Film, dessen Bilder ich stark fand, gut bewerten würde... puh... da käme etwas bei rum...  :eek:

Sehr gut geschrieben - ich muss sagen, dass das, was du z. B. über Blutige Seide schreibst, sicher zutrifft, aber in meinen Augen gar nicht gegen den Film spricht. Eben diese "Leere" und die Dominanz des Visuellen würde ich dem Film gar nicht vorwerfen, für mich ist die ganz legitim und ich wünsche sie mir oft auch (Brecht und Haneke als Vertretern des Lehrtheaters hätte bzw. würde das aber sicher nicht gefallen).

Um es noch etwas zuzuspitzen: Ich glaube, dass ich weit weniger in Filmen "Menschliches" suche als du.

Vinyard Vaughn

Da ich mir gerade mal wieder einen italienischen Abend mache...wollte ich bei euch (McK und Hednig) anfragen wie es mit einem ordentlichen, langen und tiefgehenden Review von Argentos "Inferno" aussieht? Habe ja die wunderbare ital. DVD und ihn bereits vor einiger Zeit gesehen gesehen, aber vollständig hat er sich mir noch nicht erschlossen und vor der nächsten Sichtung hätte ich gern ein paar Denkanstöße ;) in der OFDb ist da nur Dummgeschwafel zufinden. Also wie siehts aus Männer?

(Grüße von der "anderen" Seite ^^)
Zitat von: ForenregelnMaximalgröße für Bildsignaturen: 400x133 Pixel, 50 kb – nicht animiert!

When I see her on the street
You know she makes my life complete

Crumby Crumb & the Cunty Bunch

21 Oktober 2008, 21:40:05 #783 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2008, 21:42:10 von Der Crumb (awesome)
Eine göttliche Sache muß noch: :LOL:
"Wie gewünscht, keine Phallusbilder mehr"



Der Künstler will lieber unerkannt bleiben :icon_twisted:
'Are you talkin' to me? You talkin' to me?' - Raging Bull, Pacino. Love that movie!

deBene

21 Oktober 2008, 21:47:38 #784 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2008, 21:59:52 von deBene(John Stamos)
OMG, seit wann ist Viney Kanadier?  :LOL:

EDIT, eben vergessen abzuschicken:
Zitat von: Der Crumb (awesome) am 21 Oktober 2008, 18:49:39
Opfer der Zensur:



So macht man das, Imageshack-Verlinkungen sind was für b00ns. Netter Wifebeater BTW^^

Hedning

Zitat von: Vinyard Vaughn (Tentakel-Rap0r) am 21 Oktober 2008, 21:31:38
Da ich mir gerade mal wieder einen italienischen Abend mache...wollte ich bei euch (McK und Hednig) anfragen wie es mit einem ordentlichen, langen und tiefgehenden Review von Argentos "Inferno" aussieht? Habe ja die wunderbare ital. DVD und ihn bereits vor einiger Zeit gesehen gesehen, aber vollständig hat er sich mir noch nicht erschlossen und vor der nächsten Sichtung hätte ich gern ein paar Denkanstöße ;) in der OFDb ist da nur Dummgeschwafel zufinden.

Das stimmt ja nicht so ganz, z. B. finde ich sehr gut, was Adam Kesher geschrieben hat:
ZitatDie jeder Erzählkonvention zuwider laufende Passivität der Protagonisten, die dazu verdammt sind, hilflos nach doppelten Böden, geheimen Passagen und verborgenen Kammern zu suchen, ohne dass die rätselhaften Entdeckungen, die sie machen, je eine ernstzunehmende Initiative ermöglichen würden, lässt den Menschen in unvergleichlicher Weise als Spielball böser Mächte erscheinen, als ahnungslose Beute unerforschter und unerforschbarer Mechanismen, die bestenfalls als unbestimmte Ahnung, als vager Verdacht zum Ausdruck gebracht werden können.

Vielleicht ein etwas langer Satz, der aber ein sehr gutes Sinnangebot für den Film liefert und den vor allem die Leute inhalieren sollten, die bei Argento immer nur "Logiklücken" zu finden glauben.

Ich will da auf jeden Fall früher oder später was schreiben, aber der Film ist natürlich nichts, was man einfach abhandeln könnte.

Wäre schön, wenn das Foto von dem Ekeltypen, der sich da seine Eier abklemmt, nicht auch noch zitiert würde.

McKenzie

Ihr habt alle einen Dachschaden.  :LOL: :LOL: :LOL:
G0rte Nacht!
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Hedning

Ich denke, es hat hier mal lobende Erwähnung verdient, dass McKenzie mit diesem Zitat

ZitatEin außergewöhnlich modernes, packendes und raffiniertes Kleinod von seltsamer Schönheit

zu Duccio Tessaris "Una farfalla con le ali insanguinate" in den Kreis der auserwählten Glücklichen aufgestiegen ist, die auf einem Cover des verdienstvollen DVD-Herstellers "Eyecatcher Movies" zitiert werden. Ehre, wem Ehre gebührt  :icon_mrgreen:

psychopaul

nicht schlecht.  :respekt: Kurbelt den Verkauf hoffentlich an, diese liebevolle Beschreibung.

Steht denn der bürgerliche Name dahinter? ;) Oder "ofdb"  :icon_mrgreen:
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Crumby Crumb & the Cunty Bunch

:respekt:

Laut meinem Holzauge steht da ofdb.de als Quelle.
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Hedning

Ja, leider nur "ofdb.de". Dieselbe Ehre wurde übrigens auch schon mal MPAA zuteil (bei "Hongkong Cop - Ultra Force" wird er zitiert mit "Dieser Film aus HK ist recht unterhaltsam und für Actionfans sehr zu empfehlen"  :icon_mrgreen:)

Crumby Crumb & the Cunty Bunch

17 Dezember 2008, 17:00:38 #791 Letzte Bearbeitung: 18 Dezember 2008, 00:03:20 von Der Crumb (awesome)
Schöner Tag heute.
'Are you talkin' to me? You talkin' to me?' - Raging Bull, Pacino. Love that movie!

psychopaul

17 Dezember 2008, 17:38:55 #792 Letzte Bearbeitung: 17 Dezember 2008, 17:41:17 von psychopaul
Sprichst du da gerade mit der ofdb  :icon_mrgreen: oder was soll das jetzt bedeuten?

Hoffentlich kommt von dir was auf die Keinohrhasen DVD drauf.  :king:
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Crumby Crumb & the Cunty Bunch

17 Dezember 2008, 17:49:30 #793 Letzte Bearbeitung: 18 Dezember 2008, 00:03:31 von Der Crumb (awesome)
Wie meinen?
'Are you talkin' to me? You talkin' to me?' - Raging Bull, Pacino. Love that movie!

Mr. Vincent Vega

Ich glaub' dem Crumb ist das Wochenendfieber zu Kopf gestiegen.

Crumby Crumb & the Cunty Bunch

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Chili Palmer


Ich habe jetzt wenigstens einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: Irgendeinen unglaublich tief unter dem Populärradar fliegenden Film zu besprechen, damit sich die Coverdesigner aus schierer Verzweiflung an mein Review halten müssen.

Geht natürlich nicht gegen euch.  :icon_mrgreen:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

Zitat von: Chili Palmer am 17 Dezember 2008, 19:38:41
Ich habe jetzt wenigstens einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: Irgendeinen unglaublich tief unter dem Populärradar fliegenden Film zu besprechen, damit sich die Coverdesigner aus schierer Verzweiflung an mein Review halten müssen.

Ich habs schon getan... schaut euch nur mein Dreamcatcherreview an. ;)

Chili Palmer


Stimmt, ich seh's gerade auf der Hülle: "Da gibt's schon einige Gurken" (BILD)  :icon_lol:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

McKenzie

Oh No!  :eek: Ich hätte das Review löschen lassen sollen - bei meiner großten Entrümpelung vor einem Jahr, bei der ich ca. 40 Reviews löschen ließ, habe ich dieses aus Barmherzigkeit für den (in seinem Metier maßlos unterschätzten) Film stehen lassen und prompt ist mir das jetzt schlecht bekommen. Es ist ja nur ein Satz, aber der ist auch schon desolat und doof. Hätten die mich nur nochmal angeschrieben - dann hätte ich das Ding vorher noch überarbeitet und einen attraktiveren Slogan eingebaut.  :icon_mrgreen:

Der Film ist aber natürlich toll (stimmst's, Hedning?)  :love:, und wenn der ein oder andere durch das Zitat zum Kauf / zur Sichtung verführt werden sollte, steht meine Ehre natürlich hinten an.  :icon_lol:

Zitat von: Chili Palmer am 17 Dezember 2008, 19:38:41
Ich habe jetzt wenigstens einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: Irgendeinen unglaublich tief unter dem Populärradar fliegenden Film zu besprechen, damit sich die Coverdesigner aus schierer Verzweiflung an mein Review halten müssen.

Das schaffst du ja doch nicht, nach maximal drei Filmen hast du keinen Bock mehr und küsst wieder Dr. Jones die Füße.  :icon_twisted:

@ Hedning:

Könntest du mal ein, zwei Screenshots von der Eyecatcher-DVD posten? Würde gerne nachforschen, ob der Bildtransfer der gleiche ist wie bei der italienischen DVD (wird eh so sein, aber rein aus Neugierde)-
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Hedning

19 Dezember 2008, 15:44:58 #800 Letzte Bearbeitung: 19 Dezember 2008, 16:51:56 von Hedning
Da überschlägt sich ja wieder mal jemand in überzogener Selbstkritik ;)

Ich habe tatsächlich gerade ein paar Bilder parat.

Interessiert mich natürlich auch, ob sie der italienischen DVD entsprechen.









Der Film ist wirklich gut, ich will auch bald was darüber schreiben, habe aber das Gefühl, dass ich ihn noch mal sehen muss. Bin mit meinen bis jetzt gemachten Stichwörtern nicht so richtig zufrieden. Schließlich soll es nicht bei platten Ausschlachtungen des vieldeutigen Arrangements "Helmut Berger(!) sackt zu Tschaikowskys(!) 1. KK vor dem Plattenspieler zusammen" bleiben  :algoschaf:

McKenzie

Findest du nicht auch, dass die Sex-Szene von Helmut Berger und Wendy D'Olive und besagtem Klavierkonzert eine der besten überhaupt ist?  :icon_mrgreen: Reicht fast, aber nur FAST an die Sex-Szene in DON'T LOOK NOW heran.
Falls ich eines Tages wieder aus meiner Höhle kommen sollte, werde ich versuchen, ein neues Review zu schreiben, verdient hat es der Film alle mal. Auch wenn ich Tessaris bitteren LA MORTE RISALE A IERI SERA fast noch besser finde, der sticht wirklich so ziemlich alles aus, was mir an "dramatischen Gialli" bekannt ist. Und muss dringend auf DVD erscheinen, kein Zustand, das.

Zu den Screenshots: Danke, habe die DVD gerade nicht hier, werde aber demnächst mal vergleichen, sieht aber so aus, als wäre es der gleiche Transfer.

Zitat von: Hedning am 19 Dezember 2008, 15:44:58
Da überschlägt sich ja wieder mal jemand in überzogener Selbstkritik ;)

Was heißt überzogen? Ich lese von Zeit zu Zeit alte Texte von mir durch und habe erst kürzlich tatsächlich einige Reviews von mir entdeckt, mit denen ich retrospektiv zufrieden bin. Der kurze, schlecht geschriebene und sagenhaft oberflächliche Text zu UNA FARFALLA CON LE ALI INSANGUINATE wird dem Film und meinem eigenen Anspruch einfach nicht gerecht und aus. Selbiges gilt übrigens auch für den zu LA MORTE... In beiden Fällen stehen die Texte nur noch in der OFDb um potentielle Interessenten anzuziehen und den Filmen zumindest ein kleines Profil in der großen, weiten Prärie der OFDb zu geben.

Übrigens ist die dt. DVD von UNA FARFALLA... möglicherweise nicht lizensiert, man erzählte mir bei einem anderen (glaubwürdigen) Label dass der dt. Lizenzgeber nur eine VÖ mit ausschließlich dt. Ton und dt. Untertiteln ermöglichen könne - weswegen besagtes Label das Interesse verlor. Das die Eyecatcher-Scheibe nun mehrere Tonspuren hat, stimmt mich angesichts dessen nachdenklich. Muss aber nichts heißen, vielleicht hat sich seitdem einiges geändert.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Chili Palmer

Zitat von: McKenzie (Peter Maffay) am 19 Dezember 2008, 14:49:51
Zitat von: Chili Palmer am 17 Dezember 2008, 19:38:41
Ich habe jetzt wenigstens einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: Irgendeinen unglaublich tief unter dem Populärradar fliegenden Film zu besprechen, damit sich die Coverdesigner aus schierer Verzweiflung an mein Review halten müssen.

Das schaffst du ja doch nicht, nach maximal drei Filmen hast du keinen Bock mehr und küsst wieder Dr. Jones die Füße.  :icon_twisted:

Selbstverständlich, aber das genügt ja, um EINEN Film zu besprechen.  :icon_cool:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

McKenzie

Zitat von: Chili Palmer am 19 Dezember 2008, 19:15:20
Selbstverständlich, aber das genügt ja, um EINEN Film zu besprechen.  :icon_cool:

Hat dir schonmal jemand gesagt, dass du hier im Forum total manipulativ agierst, Chili?
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Chili Palmer


Nein, den Orden darfst du dir jetzt anstecken.  :icon_mrgreen:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Intergalactic Ape-Man

Ich habe gerade dein Review zu Thriller - Ein unbarmherziger Film gelesen und fand doch, daß es aus dem Angebot heraus meinem Empfinden gegenüber dem Film am nähesten kommt. Dennoch habe ich mir heimlich in diesem Zusammenhang noch ein paar kleine Erläuterungen gewünscht, die du mir vielleicht beantworten magst: Wie siehst du den Film im Zusammenhang mit der Emanzipationsbewegung? Und wie siehst du den Vergleich im Aufbau zu Peckinpah?
Ich freue mich auf eine gewohnt fachlich kompetente Auskunft.  :icon_smile:

McKenzie

26 Januar 2009, 04:27:27 #806 Letzte Bearbeitung: 26 Januar 2009, 04:30:27 von McKenzie
Zitat von: Senfdazu am 25 Januar 2009, 20:03:29
Ich habe gerade dein Review zu Thriller - Ein unbarmherziger Film gelesen und fand doch, daß es aus dem Angebot heraus meinem Empfinden gegenüber dem Film am nähesten kommt.

Das hört man gern. :icon_smile: (Und das, obwohl ein Review von "Der Mann mit dem Plan" vorhanden ist?) Finde das Review zwar wie fast alles von mir und insbesondere den älteren Sachen, unmöglich, aber das tut ja nichts zur Sache. :icon_lol: Ich finde den Film nach wie vor unterschätzt, weil er in meinen Augen eben deutlich mehr als Exploitation ist, mich wirklich bewegt hat und in seiner inneren Konstruktion bemerkenswert ist. Ein Kino-Kollege von mir schrieb mal (was naheliegend ist, da Vibenius ja Regieassistent bei Bergman war) dass THRILLER so aussähe, als hätte "Bergman einen Rape'n'Revenge-Film gedreht". Wenn man sich DIE JUNGFRAUENQUELLE ansieht, quasi Bergmans eigenen Rape and Revenge-Film (und bekanntermaßen Steilvorlage für LAST HOUSE ON THE LEFT), merkt man schnell, dass sich das so nicht sagen lässt, allerdings hat THRILLER mit Bergman einen wesentlichen Aspekt gemein: THRILLER ist auch eine Art Erlösungsgeschichte, durchaus auch im religiös-spirituellen Sinn. (Jaja, jetzt geht das schon wieder los  :icon_mrgreen:).

Zitat von: Senfdazu am 25 Januar 2009, 20:03:29
Wie siehst du den Film im Zusammenhang mit der Emanzipationsbewegung?

Nun ja, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt habe ich mir im Zusammenhang mit dem Film bisher darüber noch keine großen Gedanken gemacht, weil ich die Figur von Christina Lindberg eigentlich, abgesehen von dem Umstand, dass sie eben nur als junge Frau in so eine prekäre Lage gelangen konnte, als eher ungeschlechtlich, bzw. aufgrund ihres deutlich betonten kindlichen Charakters eher asexuell gesehen habe (was bei Kenntnis des Films und seiner Drastik vielleicht paradox klingen mag)  und nicht primär als "Stellvertreterin ihres Geschlechts" (was sie aber natürlich dennoch ist, der Film spielt schließlich ganz dezent auch mit Klischees, schon zu Beginn des Films, als Heinz Hopf die Lindberg quasi noch "sanft" entführt, ins Auto lockt). Ich sehe da eigentlich eher einen sehr radikalen existenzialistischen Charakter - Frigga (oder Madeleine, ich bin da immer noch verwirrt) kann schließlich ihren Rache-Feldzug nur mit dieser Konsequenz und diesem kühlen Perfektionismus ausführen, weil sie nichts zu verlieren hat - zu ihrer Familie kann sie nach eigenem Empfinden nicht mehr zurückkehren und eine Zukunftsperspektive sieht sie auch nicht, deswegen kann ihr Rachedurst überhaupt erst dieses Ausmaß annehmen, dass ich in solcher Konzentration und in dieser gleichzeitig völlig lakonischen Inszenierung so nirgends mit gleicher Intensität gesehen habe. Es ist ja z. B. auch interessant, dass die zweite Hälfte des Films ausschließlich in der Abenddämmerung zu spielen scheint, über allem liegt also schon etwas finales, endgültiges und - wenn ich mich recht entsinne, peinlich - obwohl Frigga nicht im Film stirbt (?) ist einem klar, dass sie wahrscheinlich sehr bald Suizid begehen wird, weil sie "fertig" ist.
Natürlich bietet der Film auch eine Plattform als extrem überzeichnete, dezent romantisierte weibliche Emanzipations-Phantasie, gerade weil die Motivation von Frigga ihre "Dauervergewaltigung" ist und ihre Peiniger wohl auch dem Alptraum-Bild jeder in dieser Hinsicht ängstlichen Frau entsprechen dürften, nur habe ich den Film unter diesem Gesichtspunkt noch nicht betrachtet. Überhaupt habe ich ihn leider erst einmal gesehen...  :icon_sad:

Zitat von: Senfdazu am 25 Januar 2009, 20:03:29
Und wie siehst du den Vergleich im Aufbau zu Peckinpah?

Natürlich sind die Bezugnahmen auf Peckinpah nicht von der Hand zu weisen und gehen über den exzessiven Einsatz der Zeitlupen hinaus (wobei die Zeitlupen bei Peckinpah ja stets [wie er auch selbst sagte] den Moment des Todes nur verlängern während Vibenius genau in diesen Momenten die Zeit praktisch stehen lässt), allerdings muss ich hier passen, da ich, nachdem ich erst diesen Sommer 13 von Peckinpahs 14 Kinofilmen gesehen habe (im Kino  :love:), persönlich keinen "typischen Aufbau" ausmachen kann - natürlich lassen sich strukturelle / erzählerische Ähnlichkeiten zwischen THE WILD BUNCH, GETAWAY, BRING ME THE HEAD OF ALFREDO GARCIA und PAT GARRET AND BILLY THE KID (letzterer ist ja leider nicht so toll geraten, allerdings hat er dafür eben diese ungeheuer komplexe und geniale Erzählkurve) ausmachen (darauf willst du wahrscheinlich auch hinaus?), insgesamt würde ich aber wohl antworten, dass bei Peckinpah am Ende der Hauptkonflikt der Handlung meist in einer plötzlichen, unerwartet heftigen und unerwartet kurzen Entladung kulminiert, die sozusagen alle Zeiger wieder auf Null dreht - am Ende eines Peckinpah-Films stehen die Figuren oft genau da, wo sie am Anfang waren - was imho nicht zwangsläufig ausschließt, dass sie tot sind, falls das irgendwie nachvollziehbar klingt  :icon_lol: Insofern sehe ich THRILLER aber auch ganz anders, weil Frigga in THRILLER eigentlich nach ihrer ersten Vergewaltigung schon "tot" ist und wie eine leblose, rein berechnende Maschine agiert - je mehr sie sich in ihren Rache-Gedanken verbeißt, desto weiter entfernt sie sich von der menschlichen Reaktion, die dahinter steckt - und ähnelt somit in gewissem Sinne natürlich schon der Figur von Warren Oates aus ALFREDO GARCIA (übrigens mein liebster Peckinpah).  :icon_mrgreen:

Ich hoffe, das alles war nicht zu p.  ;)

PS: Stimmungsmäßig hat THRILLER übrigens für mich auch viel gemein mit dem ebenfalls sehr melancholischen JUNIOR BONNER, der mein zweitliebster Peckinpah ist.  :icon_mrgreen:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Hedning

Zitat von: McKenzie am 26 Januar 2009, 04:27:27Insofern sehe ich THRILLER aber auch ganz anders, weil Frigga in THRILLER eigentlich nach ihrer ersten Vergewaltigung schon "tot" ist und wie eine leblose, rein berechnende Maschine agiert

Dieser Gedanke steht übrigens auch hinter Fritz Langs "Kriemhilds Rache", wo er in einem der letzten Sätze des Films explizit ausgedrückt wird.

McKenzie

Zitat von: Hedning am 26 Januar 2009, 15:37:50
Dieser Gedanke steht übrigens auch hinter Fritz Langs "Kriemhilds Rache", wo er in einem der letzten Sätze des Films explizit ausgedrückt wird.

Wo ich im obigen Posting ja schon das von mir eigentlich sehr ungeliebte Wort "Steilvorlage" verwendet habe: "Die Nibelungen" sind natürlich ohnehin eine potentielle Steilvorlage für die Inszenierung von Rape and Revenge-Geschichten - in Aufbau und Anlage / Verlauf und der Entwicklung der Charaktere - Bergmans JUNGFRAUENQUELLE hat sehr viel davon und LAST HOUSE ON THE LEFT nicht minder, auch wenn ich es etwas einseitig finde, Cravens Film - wie das gerne vielerorts getan wird - auf diesen vermeintlichen "Remake"-Aspekt zu reduzieren.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Intergalactic Ape-Man

Vielen Dank für deine ausführliche Stellungnahme. Daß Der Mann mit dem Plan etwas geschrieben hat, heißt für mich prinzipiell erst mal nichts. Ich lasse mich von Namen eigentlich selten leiten. Zudem liefert er zwar doch einige Hintergrundinformationen, reißt aber einige Punkte nur halbherzig und für mein Empfinden auch nicht immer richtig an, wo du eher in meine Richtung tendiertest, oder diese - man beachte die gestellten Fragen - gar nicht angetastet hast. Ich bin in der Entstehungsgeschichte zu Thriller nun nicht ganz so firm, wie es DMMDP zu sein scheint und mir fehlt ehrlich gesagt auch noch der Background zu Bergmann, um diese Richtung wirklich abtasten zu können, jedoch wirkt Thriller prinzipiell auf mich nicht wie bei DMMDP beschrieben als die Suche letzten Heils in der Exploitation. Eher mag ich doch eine gewisse Zynik verspüren, die bewußt mit Exploitationelementen spielt, um letztlich subtil zu zeigen, was einen guten Film ausmacht. Nicht ohne Grund verspürten wir ja eine Andersartigkeit in Thriller, eine höhere Qualität, die eben - ohne die Einzelheiten an dieser Stelle zu sezieren - über das plakative aneinander reihen von Blut, Gewalt, Brüsten und Sperma hinaus geht. Die Erlösungsgeschichte nehme ich dir dabei übrigens gar nicht übel, besteht der Filmgenuß, wenn nicht aus dem neu erleben eigener Traumbilder, meist aus Sinnsuche allgemein oder gegenteilig absoluter Zerstreuung.

Daß du dir über die Emanzipation kaum Gedanken gemacht hast, finde ich sehr schade, da ich immer noch herumgrübele, wie man die verschiedenen Bilder zusammenfügen könnte. Bisher favorisiere ich einen Gedanken, der gleichzeitig die Adoleszenz einbezieht. Madeleine (so im Schwedischen, wenn ich nicht über die Untertitel den Ton ignoriert haben sollte) ist ja für den männlichen Unterdrücker der Traum schlechthin. Kindchenschema, redet nicht, bei Bedarf betäubt man(n) eben den Geist und scheut sich nicht, die Sicht zu trüben. Holla, wenn das nicht deutlich ist. Offensichtlich genügt die/der elterliche Erziehung/Schutz aber auch nicht, um mit der grausamen Welt fertig zu werden. Oder man bezieht das Elternhaus gleich in das eigentliche Problem der Weltordnung ein, die es ermöglicht, ihren ersten Vergewaltiger freizusprechen.
In ihrer symbolisch ausweglosen Situation sehe ich Madeleine so gar nicht mal in erster Linie als quasi tot an. Im Gegenteil, sie steht für eine kämpferische, neue Generation junger Frauen, die "sprachlos" dieser Welt gegenüberstehen und in eigener Initiative - quasi im Prozess des Heranreifens - völlig neue Fertigkeiten erlernen, um aus der Bestimmung als schwaches, unterdrücktes Geschlecht standhaft sein zu können. Diese Deutung verfolgend stellt Thriller dann vielleicht sogar militantes Frauenrechtlertum (immerhin ist sie später nicht mehr das Kindchen, nicht die verblendete Abhängige, sondern der dunkle Racheengel) in Frage, indem der blutige Befreiungsschlag eben nicht zu einem Happy End führt. Ja, Madeleine hat sich freigestrampelt, doch was hat es ihr gebracht? Du selbst sagst ja, sie sei fertig, würde bald suizid begehen. Die Frage nach der Endgültigkeit aber läßt sich vielleicht als wesentlich globalere Reflexion stellen. Ich hoffe den Gedankengang einigermaßen verdeutlicht zu haben, der in Thriller eben deutlich mehr als eine Emanzipation durch bloße Rachereaktion auf eine Vergewaltigung feststellt, es ist nämlich schon spät.  :icon_lol:

Die Frage zu Peckinpah läßt sich im Gegesatz viel einfacher kommunizieren. Ich wußte nämlich einfach, daß du schon tiefer in die Materie eingetaucht bist, als ich (und zwar sogar noch im Kino  :anime: ). Von meinem beschämend bescheidenen Kenntnisstand aus erschloß sich mir einfach die Folgerung, Thriller müsse von der Arbeit Peckinpahs profitiert haben, was deine hilfreiche Erläuterung zum Teil ja auch bestätigt.

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