Autoren-Thread: vodkamartini

Begonnen von vodkamartini, 1 Januar 2008, 16:16:57

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vodkamartini

Jetzt habe ich mich nach längerem Zögern doch dazu entschlossen, auch einen Autoren-Thread zu eröffnen. Das hat weniger narzisstische als vielmehr praktische Gründe, da ich wiederholt Mails zu diversen Reviews bekommen habe und ich Diskussionen hier einfach für besser aufgehoben halte. Da ich mich auch schon bei einigen anderen Autoren - wenn auch spärlich - zu Wort gemeldet habe, ist es nur fair sich selbst auch positiven wie kritischen Anregungen zu stellen und damit auch der allgemeinen Diskussion auszusetzen. Wer kritisiert, sollte auch kritisierbar sein. Ich schreibe zwar relativ regelmäßig, aber nicht allzu häufig. Knapp 50 Reviews sind aber immerhin ein Grundstock, der einen Thread einigermaßen rechtfertigt.  ;) Der Beginn eines neuen Jahres scheint mir dafür ein geeigneter Zeitpunkt.
Ich werde hier nicht jedes neue Review meinerseits posten und bin auch nicht traurig, verärgert oder empört, wenn zu einigen Texten nichts geschrieben wird. Es ist jeder herzlich eingeladen, wer nichts schreibt, dem bin ich aber auch nicht böse. In diesem Sinne: auf einen anregenden Gedankenaustausch.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

floair

Könntest du vielleicht einen Link zu deinen Reviews schalten ?  :respekt:
Cop: Ich glaube Die haben etwas miteinander.
Harry: Wenn ihr alle nur halb so gut schießen könntet wie diese Typen, dann könnte von mir aus die ganze Abteilung schwul sein.

Anwohner: Was ist das ?
Harry: Eine Plastikbombe ! Und wenn sie mich noch mehr abgelenkt hätten, würden wir jetzt alle an der Decke kleben.

Bretzelburger

Ich muss dir ja sicherlich nicht erzählen, dass du es hier recht schnell - gemessen an deiner Anzahl an Reviews - zu einem bekannten Autor gebracht hast, der schon oft (zu recht) auf der Startseite erschienen ist (ohne das dafür ein Moonshadescher Gnadenakt notwendig gewesen wäre ;)). Dir deshalb etwas von Gliederung, Aufbau der Kritik oder Schlüssigkeit zu erzählen wäre vermessen, denn da liegst du absolut richtig. Wie gerade erst an deiner "AvP2"-Review ersichtlich, kann man deine Meinung gut nachvollziehen, so dass deine 5 Punkten aus deiner Sicht für mich verständlich werden. Das erwarte ich von einer guten Kritik, egal wie ich selbst den Film finde. Einziger negativer Rausreisser in diesem Zusammenhang ist für mich der Willis/Halle Berry-Film "Verführung einer Fremden", dessen 8 Punkte mir auch beim wiederholten Lesen deiner Kritik nicht verständlich sind - das sehe ich aber eher als die berühmte Ausnahme von der Regel.

Nach dieser Einleitung komme ich zu meiner Kritik, die, wie ich betonen möchte, auf meinem Empfinden basiert und keinerlei Anspruch auf Verallgemeinerung hat. Sie ist auch nur in dem Zusammenhang zu verstehen, dass ich dich für einen begabten Kritiker halte, bei dem ich schlicht höhere Maßstäbe ansetze. Zuerst fällt mir dabei deine Filmauswahl auf, die zwischen aktuellem Mainstream und originellen Klassikern wechselt. Ich wäre einfach mal neugierig, wie du einen etwas sperrigeren aktuellen deutschen Filme wie "Yella", "Import/Export" oder auch aktuelle französische Filme besprechen würdest. Oder Klassiker, die weniger dem Abenteurer-Genre oder der James-Bond-Thematik angehören, sondern mehr das intellektuelle Kino vertreten. Nicht das ich deine Auswahl schlecht finde (wir haben eine Vielzahl von Filmen beide besprochen) und vielleicht ist es deinem geringeren Output anzulasten, aber mir persönlich ist deine Auswahl sowohl alter als auch neuer Filme insgesamt zu wenig vielfältig.

Damit komme ich zum Ausdruck eines Gefühls (Kritik wäre zu viel gesagt), nämlich des Gefühls, das mich beim Lesen deiner Reviews immer von hinten beschleicht. Ich lese deine Reviews gerne und auch recht regelmässig, aber sie bleiben zu wenig an mir hängen. Sie sind gefällig oder wie zuletzt bei "American Gangster" sogar wirklich originell, aber sie bewirken bei mir wenig, bringen mich nicht zum Nachdenken oder vielleicht sogar Umdenken. Nicht das du deshalb krampfhaft irgendetwas Spektakuläres schreiben solltest oder jede Review provokativ aufbauschen solltest - ich rede ja nur von einem Gefühl, dass ich mir nur manchmal von Jemandem, der so gut schreiben kann wie du, wünsche. 

vodkamartini

Zitat von: floair am  1 Januar 2008, 20:05:03
Könntest du vielleicht einen Link zu deinen Reviews schalten ?  :respekt:

Tut mir leid, das habe ich übersehen. Wird damit nachgereicht:

http://www.ofdb.de/view.php?page=poster&Name=45039&Kat=Review

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vodkamartini

2 Januar 2008, 14:24:48 #4 Letzte Bearbeitung: 2 Januar 2008, 14:39:42 von vodkamartini
@Bretzelburger

Zunächst einmal vielen Dank für deine recht ausführlichen lobenden und auch kritischen Worte.

Zur Filmauswahl:
Ich gehe sehr häufig ins Kino (30-40 Mal pro Jahr), da ein Film hier meiner Ansicht nach erst seine volle Wirkung entfalten und mit uneingeschränkter Aufmerksamkeit genossen werden kann. Häufiger kommen dabei aktuelle Produktionen bei mir auch etwas besser weg, wenn ich mich gut unterhalten gefühlt habe (u.a. Ocean´s 13, Stirb langsam 4.0 oder Rocky Balboa). Da ich aus zeitlichen Gründen kaum mehr als 1 Review pro Woche schaffe, ist der Anteil aktueller Kinoproduktionen innerhalb meiner Besprechungen relativ groß.
Darüber hinaus bin ich ein großer Liebhaber des klassischen Abenteuerfilms, der James Bond-Filme und vor allem auch dem Western-Genre sehr zugetan. Ich schreibe generell mehr über Filme, die mich bewegen und worüber ich ein umfangreiches Hintergrundwissen besitze. Während die Bondfilme (es sind ja auch erst 4 Reviews) eher eine Art Herzensangelegenheit und Fleißaufgabe darstellen (daher rührt auch die teilweise recht ordentliche Länge), da mir die vorhandenen Reviews zu wenig Detailwissen beinhalten (man kann natürlich über die Notwendigkeit in der ofdb streiten), versuche ich bei den Abenteuerfilmen vorhandene Lücken zu schließen (Des Königs Admiral, Scaramouche etc.).
Während meines Studiums habe ich mich zudem eingehender mit dem Film Noir und vor allem dem historischen Spielfilm beschäftigt. Ein Schwerpunkt waren dabei beispielsweise die bundesdeutschen Kriegsfilme der 50er Jahre (da wird sicher noch die ein oder andere Besprechung kommen). Und damit kommen wir zum deutschen Film. Mit aktuellen Produktionen tue ich mich relativ schwer, denn entweder sind sie im Bereich des plattesten Humors angesiedelt oder schwermütig-grüblerische Beziehungsdramen mit denen ich eher weniger anfangen kann. Intelligentes Unterhaltungskino wird hierzulande leider nur selten zustande gebracht (Das Leben der Anderen oder Sophie Scholl würde ich ausnehmen, das sind aber wieder historische Stoffe). Unsere französischen Nachbarn sind da weitaus erfolgreicher. Allerdings habe ich den modernen französischen Film in den vergangen Jahren zugegebenermaßen etwas vernachlässigt.

Zur "Wirkung":
Die entscheidende Frage ist, was will man mit einem Review erreichen. Will man unterhalten, erstaunen, informieren oder gar belehren, beeindrucken? Ich versuche zunächst einen sprachlich ansprechenden Text zu verfassen, der trotzdem angenehm und flüssig zu lesen ist. Natürlich könnte ich meine Reviews mit erheblich mehr Fremdwörtern spicken und den Satzbau erheblich verschachtelter anlegen. Wissenschaftliche Abhandlungen v.a. deutscher Herkunft offenbaren häufig diesen "Fehler", der sie nur vordergründig intellektueller erscheinen lässt. Ich lese pro Woche zahlreiche Filmbesprechungen in diversen Tageszeitungen (u.a. SZ) und der ofdb. Pro Monat sind das sicherlich an die 100 Reviews. Davon sind höchstens 1 oder 2 dabei, die länger "haften" bleiben oder mich gar mehrere Tage beschäftigen. Auch bei den Verfassern die ich gerne und häufig lese gelingt dies nur sehr selten. Das heißt aber keineswegs, dass ich die gelesen Texte allesamt belanglos und uninteressant gefunden hätte. Ich denke, dass Reviews häufig gar nicht den Anspruch erheben, nachhaltig zu beeinflussen bzw, längerfristig zu wirken. Wenn es denn einmal gelingt, ist das sicherlich spannend. Aber langer Rede kurzer Sinn: Ich würde lügen, behauptete ich, deine Anmerkungen hätten meinen Ehrgeiz nicht zumindest ein bisschen "gekitzelt".  ;) Für den American Gangster Text habe ich sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, aber es gab auch Kritik bezüglich der "gewagten" Verknüpfung von Songtext und Filmbesprechung. Weicht man vom "klassischen" Pfad ab, wird die Luft sehr schnell sehr dünn. Aber das ist dann wiederum auch das Spannende an der Sache.
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Bretzelburger

Das mit der Wirkung ist immer ein zweischneidiges Schwert, da gebe ich dir recht. Ein bisschen kritisiere ich dabei deine "Effektivität", denn es ist auffällig, dass es bei dir keine Review gibt, die unter zweihundertmal gelesen wurde. Das ist einerseits verdientermaßen deinem guten Schreibstil zu verdanken, andererseits aber auch der Tatsache geschuldet, dass du eben hauptsächlich "populäre" Filme besprichst.

In einer solchen Position wie der deinen kann man das auch gut für die Aufmerksamkeit auf Nischenprodukte nützen, wie ich das gerade mit meinen "Kottan"-Besprechungen erfahre. Keine unbedingten "Erfolgsbomben" beim Leser, aber sicherlich erreiche ich über die Mischung aus populär und unbekannt eine grössere Anzahl an Leser, die sich sonst nicht dafür interessieren.

Aber gerade, weil du die "SZ" erwähnst. Diese hat sich sehr gut mit Interviews und Besprechungen um deutsche Filme wie "Yella", "Import/Export" oder "Auf der anderen Seite" bemüht, die keineswegs in die von dir gewählten Rubriken passen. Selbstverständlich kann man nicht über seinen Schatten springen und sollte sich nicht krampfhaft um Themen bemühen, die einem nicht zusagen. ich harre also deiner "weiteren Entwicklung". Um Missverständnisse zu vermeiden - an deinem Schreibstil habe ich nichts auszusetzen.

vodkamartini

Zitat von: Bretzelburger am  2 Januar 2008, 14:47:45
Das mit der Wirkung ist immer ein zweischneidiges Schwert, da gebe ich dir recht. Ein bisschen kritisiere ich dabei deine "Effektivität", denn es ist auffällig, dass es bei dir keine Review gibt, die unter zweihundertmal gelesen wurde. Das ist einerseits verdientermaßen deinem guten Schreibstil zu verdanken, andererseits aber auch der Tatsache geschuldet, dass du eben hauptsächlich "populäre" Filme besprichst.
Das ist größtenteils sicherlich richtig, wobei ich schon das Gefühl habe, dass hier das Interesse für den "klassischen" Abenteuerfilm oder einen eher unbekannten "Kriegsfilm" wie der 20. Juli normalerweiße nicht als sonderlich hoch einzustufen ist.

Zitat von: Bretzelburger am  2 Januar 2008, 14:47:45
In einer solchen Position wie der deinen kann man das auch gut für die Aufmerksamkeit auf Nischenprodukte nützen, wie ich das gerade mit meinen "Kottan"-Besprechungen erfahre. Keine unbedingten "Erfolgsbomben" beim Leser, aber sicherlich erreiche ich über die Mischung aus populär und unbekannt eine grössere Anzahl an Leser, die sich sonst nicht dafür interessieren.
Absolute Zustimmung. Da besteht sicherlich Nachholbedarf meinerseits bzw. da gibt es noch Herausforderungen.

Zitat von: Bretzelburger am  2 Januar 2008, 14:47:45
Um Missverständnisse zu vermeiden - an deinem Schreibstil habe ich nichts auszusetzen.
Habe ich auch nicht so aufgefasst.  ;) Zumal ich die in meinem obigen Posting beschriebenen "Qualitäten" vor allem auch an deinen Texten sehr schätze und sie nicht zuletzt deswegen sehr gern anklicke und auch lese.
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filmimperator

Nun möchte auch ich mich einmal zu Wort melden und dich, vodkamartini, hier erst einmal herzlich begrüßen  :icon_cool:!

Und da hab ich doch gleich ein Zitat von dir gefunden, wo ich meinen Senf dazu geben möchte:

Zitat von: vodkamartini am  2 Januar 2008, 14:24:48
Zur Filmauswahl:
Ich gehe sehr häufig ins Kino (30-40 Mal pro Jahr), da ein Film hier meiner Ansicht nach erst seine volle Wirkung entfalten und mit uneingeschränkter Aufmerksamkeit genossen werden kann.

Wenn 30 bis 40 Mal Kinobesuche im Jahr viel sind, dann sind etwa 100 Mal im Jahr (meine Statistik) sehr viel  :icon_mrgreen:... Aber mal etwas Gehaltvolles: Auch ich bin der Meinung, dass Filme nur im Kino ihre volle Wirkung entfalten, weswegen ich eben so oft ins Kino gehe. Allerdings fallen mir besonders bei "größeren Filmen", also Mainstream-Filmen Hollywoods, in letzter Zeit öfters Idioten im Kino auf, die einem dauernd in den Rücken treten durch den Sitz hindurch oder sich lautstark unterhalten müssen, wenn ihnen der Film (während der Sneak) nicht passt. Aber ich schweife ab...

Insgesamt muss ich dasselbe konstatieren wie Bretzelburger: Du bist durch deine vielen Reviews in deinem Stil schon ziemlich ausgereift, weswegen man dir da eigentlich kaum Verbesserungsvorschläge geben kann. Deine Argumentationen sind schlüssig... naja, weißt du ja alles schon  ;).

Deine letzten 6 Reviews sind ja allesamt Kinofilme und ich möchte mal Stellung nehmen zu deiner Kritik zu "AvP2": Ich finde deine eingängliche These, dass der Horror mit der Sichtbarkeit der Kreaturen "verschwindet" sehr strittig. Wenn du nämlich unten herausstellst, dass "Aliens" die beste Fortsetzung sei, dann widerspricht sich das schon, weil dort der Fokus eben auf der Action und nicht dem Horror lag. Zudem würde ich sagen, dass z.B. "Saw" als Horrorfilm zu werten ist, obwohl man den Täter sieht. Oder wie würdest du da Unterscheidungen treffen?   
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

vodkamartini

Vielen Dank für die Grußworte.  ;)

Schon amüsant, dass sich beide Postings auf mein AvP 2-Review beziehen, das ich relativ schnell verfasst habe und zudem einen Film behandelt, der nicht meinen favorisierten Genres angehört.    :icon_smile:

Zur Sache. Ich bin kein Freund "vordergründigen" Horrors, der hauptsächlich mit einem hohen Blut- und Gewaltfaktor arbeitet. Mit Filmen wie Saw oder Hostel kann ich nur sehr wenig anfangen. Das wahre Grauen spielt sich in der Fantasie des Betrachters ab. Angst kann man m.E. viel besser mit dem "nicht" Sichtbaren erzeugen. Auch Hitchcock war ein Anhänger dieser Theorie und hat sie in seinen Filmen perfektioniert. Alien und auch Predator arbeiten nach demselben Schema. Das Grauen bleibt lange unsichtbar und damit besonders beängstigend. Das verstehe ich unter gutem (weil Angst einflößendem) Horror.
Aliens ist für mich deshalb die beste Fortsetzung, weil Cameron richtig erkannt hatte, dass der "Horror" nicht mehr steigerbar war. Er hat Alien mit Kriegs- und Actionfilmen gekreuzt und damit etwas Eigenständiges geschaffen. Man kann ihm jedenfalls nicht vorwerfen, einen zweiten Aufguss nachgeschoben zu haben.
Bei Predator 2 hat dies m.E. erheblich schlechter funktioniert. Das liegt v.a. daran, dass das Original bereits ein Genremix mit großen Actionanteilen war. Stephen Hopkins ist zudem eine andere Preisklasse als James Cameron, was v.a. beider nachfolgender Werdegang bestätigen sollte.
So gesehen sehe ich da keinen Widerspruch. Aliens ist für mich nach dem Original der beste Film der Reihe, gerade weil er sich etwas vom Horrorgenre entfernt. Die Science Fiction- und Actionelemente stehen klar im Vordergrund.
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filmimperator

14 Januar 2008, 11:33:36 #9 Letzte Bearbeitung: 14 Januar 2008, 11:35:36 von filmimperator
Du hast schon Recht, dass der "wahre" Horror erst im Kopf entsteht und somit immer durch Assoziationen, die eben nur dann entstehen, wenn man nicht gleich "alles sieht" oder nicht weiß, wer der Täter ist. Doch ebenso wie Suspense (und da bringst du richtig Hitchcock an), kann auch Gewalt verstören, auch wenn das sicherlich der plattere Weg ist. Deswegen die Unterscheidung im Horror-Genre zwischen Thriller, Action und Splatter, wobei nicht der Blutgehalt ausschlaggebend ist, sondern ob man den Täter sieht. Würdest du da mitgehen?


Zitat von: vodkamartini am 13 Januar 2008, 23:46:05
Aliens ist für mich deshalb die beste Fortsetzung, weil Cameron richtig erkannt hatte, dass der "Horror" nicht mehr steigerbar war. Er hat Alien mit Kriegs- und Actionfilmen gekreuzt und damit etwas Eigenständiges geschaffen.
[...]
So gesehen sehe ich da keinen Widerspruch. Aliens ist für mich nach dem Original der beste Film der Reihe, gerade weil er sich etwas vom Horrorgenre entfernt. Die Science Fiction- und Actionelemente stehen klar im Vordergrund.

Ich finde deine Argumentation plausibel und würde es ähnlich sehen. Nur kehrt meiner Meinung nach David Fincher mit "Alien 3" zu den Horror-Wurzeln zurück (Jeunets "Alien - Die Wiedergeburt" ist eine andere Geschichte). Insofern kann man schon sagen, dass "Aliens" weniger im Sinne des Originals steht als "Alien 3", einfach deswegen weil Teil 2 eben zum Actionmarathon verkommt. Das tut der Klasse des Films keinen Abbruch, nur hat es mit der Intention des Originals, mit subtilen und beklemmenden Mitteln Spannung und Unwohlsein zu erzeugen, nichts mehr gemein.
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

vodkamartini

Das Horrorgenre hat diverse Ausformungen erfahren, da stimme ich dir zu. Natürlich sind Filme wie Saw ebenfalls darunter einzuordnen, allerdings spricht mich persönlich der durch (körperliche) Gewalt und Grausamkeit erzeugte Horror nicht an. Zu Filmen dieser Art finde ich kaum einen Zugang.

Zur Alien-Reihe. Finchers Alien3 ist tatsächlich erheblich näher am Original als Camerons Aliens und das ist genau sein Problem. Er muss sich einen Vergleich mit dem meisterlichen Original gefallen lassen, den er aus meiner Sicht recht deutlich verliert. Zwar dreht er keinen müden Abklatsch, aber kann auch kaum neue Akzente setzen. Cameron war da cleverer (vielleicht auch ängstlicher, wer weiß das schon)und fokussierte sich auf die Action. Auf diesem Gebiet ist er ein Ausnahmeregisseur und dementsprechend überzeugend fiel dann auch seine Alien-Variante aus.
"Back to the roots" ist nicht bei jeder Filmreihe der Schlüssel zum kommerziellen oder künstlerischen Erfolg. ;)
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vodkamartini

15 Januar 2008, 23:08:39 #11 Letzte Bearbeitung: 16 Januar 2008, 18:17:01 von vodkamartini
Im Zuge des Hypes um den Will Smith-Blockbuster I am Legend bin ich auf die bis dato bekannteste Verfilmung des Stoffes aufmerksam geworden. Der Omega Mann hat sicherlich einige Schwächen, ist aber im Lichte seiner Entstehungszeit betrachtet eine recht interessante Zukunftsvision.

http://www.ofdb.de/view.php?page=review&fid=1982&rid=276639
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vodkamartini

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Fastmachine

Obwohl Bretzelburger schon sehr ausführlich dein Wirken kommentiert hat, möchte ich doch noch einige Worte verlieren.

Aufgefallen  bist du mir erstmals mit deinem Review zu ,,Des Königs Admiral", einem klassischen Abenteuerfilm, den ich ebenso wie du sehr schätze. Der stand weit oben auf meiner Liste für mögliche eigene Reviews, was sich aber soweit erledigt hat, da du eine umfassende Einordnung bietest. Was mir sehr gefällt an deinen Texten zu den Abenteuerklassikern, ist die Verbindung von filmhistorischer Kenntnis, spürbarem persönlichem Anliegen und ausgreifender Berücksichtigung verschiedener Aspekte eines Films.

Wenn ich es recht überblicke, dann hast du dich auch noch immer weiter steigern können, denn deine Abhandlungen zu ,,Scaramouche" oder ,,El Dorado" haben eine noch weitaus größere Tiefe, als das Review zu ,,Des Königs Admiral".

Deine Überlegungen zur Eigenständigkeit von ,,El Dorado" gegenüber ,,Rio Bravo" geben Dingen eine Form, die ich unbewusst auch spürte, aber für die mir bisher die rechten Begriffe fehlten.

Sehr treffend die Charakterisierung des Auftretens von Stewart Granger. Eine längst verdiente Erinnerung an die Qualitäten eines Schauspielers, der heute hauptsächlich als Karl-May-Held Old Surehand etwas einseitige Restpopularität in Deutschland hat.

Sachlich tadellos und für mich auch lehrreich sind deine filmhistorischen Ausführungen zum Abenteuerfilm, die du an den Anfang deiner Reviews stellst. Manchmal etwas sehr weit ausholend, aber stets lesbar. Wie viele schöne Klassiker, die man längst halb vergessen hat oder die einem gar ganz unbekannt sind, werden einem in Erinnerung gerufen. Ich bitte darum, dieses Herbeizitieren auch mit Reviews einzulösen. Um jetzt mal in Chilischen Schubladismus zu verfallen: Du bist meine Hauptanlaufstelle für Abenteuerklassiker.

Wenn ich auch hier eine Wunsch äußern dürfte: Wie wäre es mit einer Besprechung zu ,,Ivanhoe"? Die ist längst überfällig und du bist genau der Richtige dafür.

Da mich das Thema bundesdeutsche Kriegsfilme ebenfalls interessiert, hat mir deine Besprechung zu ,,Der 20. Juli" imponiert. Du hast sein sehr feines Gespür für die Tonlagen der filmischen Vergangenheitspolitik, dafür, was gesagt und vor allem, was nicht gesagt wird.
Bitte auch hier: mehr davon.

Weniger gegenwärtig sind mir deine Reviews zu aktuellen Filmen. Vielleicht, weil ich selbst nur wenig auf diesem Sektor tätig bin. Beim stichprobenartigen Querlesen fand ich aber auch diese Reviews fast alle gut geschrieben und begründet. Wie ich feststelle, haben wir in diesem Bereich öfters unterschiedliche Meinungen, etwa im Falle von ,,300".
Nur in einem Fall war mir dein Review etwas zu wenig, bei ,,Lucky#Slevin". Da reichte es kaum über einen eher allgemeinen Kurzkommentar hinaus. Aber einzelne weniger prägnante Reviews hat jeder Autor in seinem Keller liegen, das hat den Gesamteindruck nicht getrübt. 

In der Regel schreibst du umfassend und vielschichtig mit einem sehr ruhigen und argumentativen Stil. Ähnliches hat auch Bretzelburger ja festgestellt. Es kann sein, dass Autoren mit provokativen Thesen, Lust an Kontroversen und deutlicher Polemik, wie Bretzelburger oder Mr. Vincent Vega, in ihrer Meinungsfreude hier einfach wahrnehmbarer sind. 
Grundsätzlich habe ich absolut nichts gegen deinen sachlichen Stil einzuwenden, der auch keineswegs trocken ist, sondern sehr flüssig lesbar.

Eine letzte Bemerkung zu deinem Stil: ab und an verwendest du Literaturhinweise und zuweilen gar Fußnoten. Es spricht für deine Integrität, dass du auf deine Quellen hinweist. Derartiges hat, glaube ich, seinen Sinn in filmwissenschaftlichen Abhandlungen. In einem OFDb-Review ist es eigentlich nicht nötig. Vor allem, wenn nur allgemeine Genre- oder Begriffsdefinitionen gebracht werden, die so auch anderswo zu lesen sind. Diese Erkenntnisse darf man dann auch hier in eigenen Worten wiedergeben. Und bei einem Review zu ,,300" mit einem Band ,,Griechischer Geschichte" aufzufahren: je nun, dass sind die berühmten Kanonen, die auf Spatzen gerichtet werden.

Insgesamt hast du dich aber durch deine schönen Reviews, besonders auch zu bisher unbeackerten Klassikern, als große Bereicherung auf meiner Leseliste erwiesen. :respekt:
Ich mag keine Filme; die verblöden nur. (Alfons d. Ä.)

Vince

Wie der Zufall so spielt, wollte ich mich gerade auch endlich mal zu Wort melden, aber vieles haben eben schon Bretzelburger und jetzt auch Fastmachine erwähnt. Ich habe als Leser ein merkwürdiges Problem mit deinen Texten: sie machen mich nicht süchtig. So oft ich deine Kritiken schon gelesen habe, ich denke, ich habe noch nie auf eine deiner Kritiken geklickt nur des Autors wegen - um halt zu sehen, was der besondere Autor zu diesem und jenem Film meint. Sondern immer nur des Films wegen.

Das ist seltsam, denn während ich deine Kritiken lese, entwickle ich dieses "Suchtverhalten" durchaus und denke mir immer wieder aufs Neue: verdammt Vince, wieso merkst du dir diesen Autoren nicht endlich mal und fügst ihn deinen bevorzugten Autoren hinzu? Denn die Texte sind stets ausgesprochen solide, angenehm ausführlich, oft mit guten Denkansätzen versehen und vor allem beinhalten sie Qualitäten, um die ich dich beneide: sie bewahren immer Contenance, als wenn dich nichts aus der Ruhe bringen könnte. Daran rütteln nicht mal die von dir gerne gebrauchten stilistischen Abhebungen - Fettdruck, Kursivdruck, riesige Überschriften - etwas.

Zu Fastmachines Punkt mit den Quellenangaben: sehe ich eigentlich ähnlich, obwohl es ja nicht unverbreitet ist. Der weit verbreitete Ulrich Behrens macht das ja zB. ständig und unser Mr. VV hat das auch schon bei der ein oder anderen Kritik gemacht (u.a. bei der "Fliege"-Kritik, die übrigens imo eine ziemliche Granate ist, aber das gehört nicht hierher ;) ).

vodkamartini

21 Januar 2008, 17:01:19 #15 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2008, 17:55:32 von vodkamartini
Zitat von: Vince am 21 Januar 2008, 14:44:28
Denn die Texte sind stets ausgesprochen solide, angenehm ausführlich, oft mit guten Denkansätzen versehen und vor allem beinhalten sie Qualitäten, um die ich dich beneide: sie bewahren immer Contenance, als wenn dich nichts aus der Ruhe bringen könnte. Daran rütteln nicht mal die von dir gerne gebrauchten stilistischen Abhebungen - Fettdruck, Kursivdruck, riesige Überschriften - etwas.

Das mit der "Contenance" ist mir so gar nicht bewusst gewesen. Eine interessante Beobachtung. Tatsächlich versuche ich vornehmlich nüchtern und sachlich zu analysieren. Polemik - obgleich ich diese bei manch anderen Reviewschreibern äußerst unterhaltsam finde - findet sich kaum in meinen Texten. Lediglich bei Smokin´ Aces ist sie in Ansätzen vorhanden. Ohnehin sind Totalverrisse bei mir relativ selten. Vielleicht widme ich mich noch Death Proof (das würde mit Sicherheit ein Verriss werden).
Die Überschriften - obgleich unüblich in der ofdb - sind eine Marotte von mir, die mir einfach Spaß macht. Kursivdrucke verwende ich hauptsächlich bei Filmtiteln, da ich Anführungszeichen für andere Hervorhebungen benutze. Es beruhigt mich, dass es den Lesefluss offenbar nicht beeinträchtigt.
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vodkamartini

21 Januar 2008, 17:52:16 #16 Letzte Bearbeitung: 21 Januar 2008, 18:08:56 von vodkamartini
@Fastmachine
Vielen Dank für deine sehr ausführlichen Anmerkungen. Damit konnte ich eine Menge anfangen. :respekt:

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Aufgefallen  bist du mir erstmals mit deinem Review zu ,,Des Königs Admiral", einem klassischen Abenteuerfilm, den ich ebenso wie du sehr schätze. Was mir sehr gefällt an deinen Texten zu den Abenteuerklassikern, ist die Verbindung von filmhistorischer Kenntnis, spürbarem persönlichem Anliegen und ausgreifender Berücksichtigung verschiedener Aspekte eines Films.

Reviews zu Abenteuerklassikern sind tatsächlich eine Herzensangelegenheit für mich, zumal die OFDB hier weitestgehend Ödland darstellt. Manchmal geraten sie zugegebnermaßen etwas lang, der filmhistorische Kontext ist m.E. aber insbesondere bei älteren Filmen ein wesentlicher Aspekt der Analyse.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Wenn ich es recht überblicke, dann hast du  dich auch noch immer weiter steigern können, denn deine Abhandlungen zu ,,Scaramouche" oder ,,El Dorado" haben eine noch weitaus größere Tiefe, als das Review zu ,,Des Königs Admiral".
Deine Überlegungen zur Eigenständigkeit von ,,El Dorado" gegenüber ,,Rio Bravo" geben Dingen eine Form, die ich unbewusst auch spürte, aber für die mir bisher die rechten Begriffe fehlten.

Ich war schon immer der Meinung, dass El Dorado viel zu lapidar als simples Remake von Rio Bravo abgestempelt wurde (und auch noch wird).

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01Sehr treffend die Charakterisierung des Auftretens von Stewart Granger. Eine längst verdiente Erinnerung an die Qualitäten eines Schauspielers, der heute hauptsächlich als Karl-May-Held Old Surehand etwas einseitige Restpopularität in Deutschland hat.

Stewart Granger war in den 1950er Jahren der Abenteuerstar und hat einer Vielzahl hervorragender Genrevertreter seinen Stempel aufgedrückt. Heute ist er - wie du schon erwähntest - leider fast vergessen. In Deutschland stammt sein eher negatives Image aus der Karl May-Ära, als man mit seiner augenzwinkernden Darstellung des Old Surehand nicht zurecht kam (v.a. im Vergleich zum stets ernsten Lex Barker). Sicherlich haben auch die negativen Äußerungen Pierre Brices über seinen Costar so "einiges" bewirkt.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Sachlich tadellos und für mich auch lehrreich sind deine filmhistorischen Ausführungen zum Abenteuerfilm, die du an den Anfang deiner Reviews stellst. Wie viele schöne Klassiker, die man längst halb vergessen hat oder die einem gar ganz unbekannt sind, werden einem in Erinnerung gerufen. Ich bitte darum, dieses Herbeizitieren auch mit Reviews einzulösen. Um jetzt mal in Chilischen Schubladismus zu verfallen: Du bist meine Hauptanlaufstelle für Abenteuerklassiker.

Das ist ein schönes Kompliment. Ich habe tatsächlich noch einige Klassiker auf meiner Reviewliste. Bespricht man allerdings zu viele Filme eines Genres, so besteht die Gefahr sich zu wiederholen.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Wenn ich auch hier eine Wunsch äußern dürfte: Wie wäre es mit einer Besprechung zu ,,Ivanhoe"? Die ist längst überfällig und du bist genau der Richtige dafür.

Ivanhoe war in meiner Kindheit  einer meiner Lieblingsfilme und wird mit 100%-tiger Sicherheit ein Review bekommen. Versprochen.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Da mich das Thema bundesdeutsche Kriegsfilme ebenfalls interessiert, hat mir deine Besprechung zu ,,Der 20. Juli" imponiert. Du hast sein sehr feines Gespür für die Tonlagen der filmischen Vergangenheitspolitik, dafür, was gesagt und vor allem, was nicht gesagt wird.
Bitte auch hier: mehr davon.

Ebenfalls versprochen. Mit dieser Thematik habe ich mich während des Geschichtsstudiums ausführlich beschäftigt, ebenfalls eine Herzensangelegenheit. Canaris, Des Teufels General sowie Hunde, wollt ihr ewig leben sind fest geplant. Es ist in erster Linie ein Zeitproblem. Ich bewundere Bretzelburger für seinen Ausstoß. Bei all diesen Filmen ist es zudem unerläßlich, die Entstehungszeit mit einzubeziehen. Damit sind hier ausführlichere Besprechungen nötig.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Weniger gegenwärtig sind mir deine Reviews zu aktuellen Filmen. Vielleicht, weil ich selbst nur wenig auf diesem Sektor tätig bin. Beim stichprobenartigen Querlesen fand ich aber auch diese Reviews fast alle gut geschrieben und begründet. Nur in einem Fall war mir dein Review etwas zu wenig, bei ,,Lucky#Slevin". Da reichte es kaum über einen eher allgemeinen Kurzkommentar hinaus. Aber einzelne weniger prägnante Reviews hat jeder Autor in seinem Keller liegen, das hat den Gesamteindruck nicht getrübt. 

Hier habe ich bewusst einen kürzeren Ansatz gewählt, da der Film von seiner wendungsreichen Story lebt und daher mit möglichst wenig Vorkenntnissen genossen werden sollte.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
In der Regel schreibst du umfassend und vielschichtig mit einem sehr ruhigen und argumentativen Stil. Ähnliches hat auch Bretzelburger ja festgestellt. Es kann sein, dass Autoren mit provokativen Thesen, Lust an Kontroversen und deutlicher Polemik, wie Bretzelburger oder Mr. Vincent Vega, in ihrer Meinungsfreude hier einfach wahrnehmbarer sind. 
Grundsätzlich habe ich absolut nichts gegen deinen sachlichen Stil einzuwenden, der auch keineswegs trocken ist, sondern sehr flüssig lesbar.

Das ist genau meine Intention und ich bin froh, dass es offenbar auch so wahrgenommen wird. Ich möchte sachlich schreiben und trotzdem unterhalten. Ich versuche zudem auf mehrzeilige Satzkonstruktionen und all zu viele Fremdwörter zu verzichter, um die Texte "flüssig" zu halten.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Eine letzte Bemerkung zu deinem Stil: ab und an verwendest du Literaturhinweise und zuweilen gar Fußnoten. Es spricht für deine Integrität, dass du auf deine Quellen hinweist. Derartiges hat, glaube ich, seinen Sinn in filmwissenschaftlichen Abhandlungen. Und bei einem Review zu ,,300" mit einem Band ,,Griechischer Geschichte" aufzufahren: je nun, dass sind die berühmten Kanonen, die auf Spatzen gerichtet werden.

Bei 300 hst du sicherlich recht. Das wäre nicht nötig gewesen. Insgesamt ist dies ein Überbleibsel meines Geschichtsstudiums. Korrektes Zitieren wurde da schon beinahe einer Religion gleich zelebriert und eingefordert.

Zitat von: Fastmachine am 21 Januar 2008, 02:02:01
Insgesamt hast du dich aber durch deine schönen Reviews, besonders auch zu bisher unbeackerten Klassikern, als große Bereicherung auf meiner Leseliste erwiesen. :respekt:

Das freut mich sehr, nicht zuletzt da ich diese Kompliment uneingeschränkt zurückgeben kann. Ich bin übrigens durch deine unglaublich unterhaltsame Phantom Kommando-Besprechung auf dich aufmerksam geworden. Obgleich nicht dein üblicher Stil und wohl auch nicht dein favorisiertes Genre ist der Text in seiner bissigen Pointiertheit köstlich zu lesen.
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There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Chili Palmer

Zitat von: vodkamartini am 21 Januar 2008, 17:01:19
Vielleicht widme ich mich noch Death Proof (das würde mit Sicherheit ein Verriss werden).
Nee, lass' mal.  :LOL:

Kleiner Scherz. Konträre Meinungen zu geliebten Filmen interessieren mich immer sehr, besonders, wenn sie aus fundiert argumentierender Quelle stammen.
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

vodkamartini

Na, da bin ich ja erleichtert.  :icon_mrgreen: Death Proof hat bei mir eigentlich keine Priorität, allerdings ist er mir insgesamt viel zu euphorisch bewertet. Es würde sich also eventuell noch lohnen. Könnte aber noch etwas dauern.
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vodkamartini

4 Februar 2008, 15:39:57 #20 Letzte Bearbeitung: 4 Februar 2008, 16:05:27 von vodkamartini
J.J. Abrams ist ohne Frage ein cleverer Kreativkopf. Er versteht es besonders virtuos mit Erwartungen, Ängsten und Vorstellungen seines Publikums zu spielen. Im Legen von falschen Fährten hat er es zur Meisterschaft gebracht. Von Cloverfield konnte man also schon etwas erwarten. Dass das Ergebnis schließlich ordentlich ernüchtert, liegt vor allem am Primat des visuellen Stils. Am Ende ist es doch nur ein weiterer unlogischer und in vielen Dingen typischer Monsterfilm geworden. Von Innovation weit und breit keine Spur. Nach dem mittelmäßigen I am Legend kann auch der zweite groß angekündigte Genrebeitrag nicht überzeugen. Schade. Wenigstens - aus Sicht Abrams - hat der im Vorfeld kräftig geschürte Hype funktioniert.

http://www.ofdb.de/view.php?page=review&fid=141118&rid=279434
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Happy Harry mit dem Harten

Die Marketingstrategie lobst du zu Recht mehrfach, denn da macht Abrams wohl keiner mehr was vor. Mutig ist sein Schritt allerdings schonn, wenn auch nicht in finanzieller Hinsicht. Dennoch dürfte ein Großteil des Publikums ernüchtert aus dem Kino kommen und es sich zweimal überlegen, ob man sich dem nächsten Projekt wieder so vertrauens- bzw. erwartungsvoll entgegen stellt.

Mal zu deiner Kritik:

- Die ,,Storyidee" ist gleich der erste Dämpfer. Wieder einmal wird New York - natürlich Manhattan - angegriffen. Ja, das hatten wir gerade in den letzten Jahren schon öfters. Ob Meteoriten (Armageddon), Flutwellen (The day after tomorrow), Terroranschläge (Ausnahmezustand) oder saurierähnliche Riesenechsen (Godzilla), Hollywood hat so ziemlich alles Vorstellbare und auch Unvorstellbare auf den Big Apple losgelassen. Cloverfield wählt aus den diversen Vorbildern die Emmerich-Variante. Es geht also wieder einmal um Monster. Ideenreichtum sieht anders aus. -

Für mich kein überzeugender Kritikpunkt, den du hier anbringst. Nur weil Manhattan angegriffen wird und es sich um ein Monster handelt ist die Handlung unoriginell? Ein Monsterfilm ohne Monster würde doch wohl kaum funktionieren...

- Aber es kommt noch schlimmer. Der angeblich so innovative Streifen bietet die altbekannten Versatzstücke des Horrorkinos. Eine Gruppe junger Leute wird mit einem plötzlich über sie hereinbrechenden Grauen konfrontiert. Im Fall von Cloverfield ist das einleitende Setting eine Yuppi-Abschiedsparty für den beruflich nach Japan wechselnden Rob. Sämtliche Charaktere sind genretypisch klischeehaft gezeichnet und letztlich völlig uninteressant. Folglich sind uns deren Schicksale ebenfalls egal. Mangels jeglicher Empathieangebote weidet sich der Zuschauer ausschließlich am  dargebotenen Schreckensszenario. Ein mehr als vertrautes Problem der allermeisten Genreproduktionen. -

Angeblich so innovativ? Da bist du dem Marketing, aber ganz schön auf den Leim gegangen. Diesen Anspruch stellt Abrams doch gar nicht an seinen Film und überhaupt ist es doch seine Stärke, altbekannte Versatzstücke intelligent neu zu verpacken. Das gilt jedenfalls auch für LOST und ALIAS. Die mangelnden Empathieangebote gehören aber dagegen voll zum Stil des Films. Ebenso wie auf die unbeteiligte Kamera müssen wir auch auf eine geschliffene Charakterisierung verzichten. Und am dargebotenen Schreckensszenario kann man sich ja nicht wirklich weiden, dafür sind die spektakulären Bilder doch zu sparsam gestreut.

- Da der Zuschauer aber stets nah am Horrorszenario sein soll und wohl auch will, mussten die Macher die Story so weit zurechtbiegen, dass die Protagonisten nicht dem menschlichen Urinstinkt bei einer unsichtbaren Bedrohung nachkommen und einfach versuchen, so schnell und so weit wie möglich vom Gefahrenzentrum weg zu kommen. -

Da der Film keine wirkliche Dramaturgie besitzt kann ich diesen Vorwurf nicht verstehen. Bestes Beispiel sind reale (Handy-)Aufnahmen, die deutlich belegen, das viele Menschen auch in eigener Gefahr das Grauen um sie herum dokumentieren. Vielleicht handelt es sich dabei auch um einen Instinkt, keine Ahnung. Aber diverse Videos von Terroranschlägen, Katastrophen, Schießereien etc. zeigen, das es nicht ganz abwegig ist, einen solchen Monsterangriff auf Video fest zu halten. Generell will der Film aber nicht hundertprozentig authentisch sein, nur die gewählte Perspektive ist authentisch, letztlich wollen wir doch in einem Film sitzen. Auf einem gänzlich realistischen Video-Fragment wäre eventuell überhaupt nichts zu sehen und das wäre dann doch wirklich eine Mogelpackung. So sehen wir einfach einen klassischen Monsterfilm in modernem Gewand.

- Die Form geht bei Cloverfield jedenfalls ganz klar über den Inhalt. -

Hier stimme ich voll und ganz zu. Aber ohne Plot ist das doch eigentlich ganz klar.

- Nein, das unmittelbare Schreckenserlebnis wird insbesondere auch dadurch erzeugt, dass der Kinozuschauer nie mehr weiß, als die beteiligten Personen. Zudem ist von den angreifenden Kreaturen nur sehr wenig zu sehen, womit sich das Grauen vor allem in den Köpfen der Beteiligten abspielt. Alfred Hitchcock - nicht umsonst nach wie vor der unangefochtene ,,Master of Suspense" - hatte allerdings beide Genrekniffe bereits vor über 50 Jahren perfektioniert. Also auch hier keine Innovation.
Da ist es dann auch schon egal, dass die Macher bei den Kreaturen wieder einmal eine Spur zu deutlich bei der Alien-Saga klauen (Facehugger, Parasitenthematik etc.).  Aber lassen wir Milde walten und verbuchen es als "Hommage". Die hier zitierten Filme sind wenigstens "Kult". -

Die von dir erwähnten Vorbilder spielen eindeutig allesamt eine Rolle aber die Genrekniffe eines Hitchcock lassen sich nur schwer vergleichen mit CLOVERFIELD. Ein Monsterfilm mit einem gigantomanischen Handlungsort wird uns ohne jegliche Konventionen erzählt. Die Idee einer verwackelten Handkamera ist zwar nicht neu aber einen Monsterfilm aus eben dieser Sicht zu drehen widerspricht allen Vorgaben des Genres, die vorher so noch nicht gebrochen wurden. Schließlich waren beinahe alle Handkamera-Filme 'klein'. Einen Dogmafilm oder BLAIR WITCH zu sehen lässt sich kaum vergleichen mit einem Big Budget Actionkracher, der dem sensationshungrigen Publikum mal eben gar keine Zugeständnisse macht. Vielleicht keine Genre-Revolution (vielleicht aber doch?) aber doch wesentlich origineller als du es dem Film zugestanden hast. An anderer Stelle hattest du aber auch erwähnt, das du mit Wackel-Optik nicht viel anfangen kannst und daher möchte ich es dir doch hoch anrechnen, das du COLVERFIELD nicht verteufelst sondern durchaus auch positive Aspekte abgewinnst.

Du sagst selber, das der Film sehr spannend ist (wenn auch kurz, selbst 70Minüter können arg langweilen) und as obwohl man praktisch keine Beziehung zu den Charakteren aufbauen kann und eine echte Handlung nicht stattfindet. Alleine diese Leitung wäre bei mir schon mehr als 4 Punkte wert. 

vodkamartini

7 Februar 2008, 12:30:46 #22 Letzte Bearbeitung: 7 Februar 2008, 14:32:15 von vodkamartini
Ich dachte mir, dass es zu meiner Cloverfield-Besprechung Gegenwind geben würde. Man muss sich nur einmal die Mehrheitsmeinung in der ofdb anschauen. Ich bleibe dabei, Cloverfield ist für mich ein künstlich aufgeblasenes Nichts, das zwar unterhält, aber ansonsten nur altbekannte Versatzstücke zu bieten hat.

@COPFKILLER
Ich schätze deine Texte und deine Ansichten sehr, aber hier sind wir absolut unterschiedlicher Meinung. Ich habe dein Review gelesen und es ist nicht zu übersehen, dass du offenbar ein großer Bewunderer von Abrams bist. Auch hast du den Film mit 8,5 bewertet. So gesehen überrascht mich deine Haltung nicht.

Ganz objektiv sind wir wohl beide nicht, denn ich kann wiederum mit Abrams nur sehr wenig anfangen. Ich bin einer der "Spielverderber", die LOST für eine ziemlich öde Angelegenheit halten. Eine Situation nach und nach durch immerwährende Rückblenden aufzudröseln, ist für mich keine bahnbrechende Idee. Für mich ist Lost eine recht fade Mystery-Soap. Abrams ist insofern clever, dass er altbekannte Versatzstücke neu zusammnestellt. Ein geschickter Resteverwerter, nicht mehr und nicht weniger. Das haben aber auch schon Lucas (Star Wars), Spielberg (Indiana Jones) oder Tarantino (Pulp Fiction) geschafft. Muss man Abrams für diese "Idee" feiern? Für mich ein klares "nein". Aber gehen wir in medias res:


Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Die Marketingstrategie lobst du zu Recht mehrfach, denn da macht Abrams wohl keiner mehr was vor. Mutig ist sein Schritt allerdings schonn, wenn auch nicht in finanzieller Hinsicht.
Wo liegt denn der Mut, wenn ich finanziell nichts riskiere? Zumal er ohnehin das Gleiche macht wie bei LOST (wo es ja auch schon funktioniert hat). Der Film ist bis auf die Wackelkamera ein Monsterfilm nach Schema F.


Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Für mich kein überzeugender Kritikpunkt, den du hier anbringst. Nur weil Manhattan angegriffen wird und es sich um ein Monster handelt ist die Handlung unoriginell? Ein Monsterfilm ohne Monster würde doch wohl kaum funktionieren...
Ich sehe deinen Punkt hier nicht. Der Film ist unoriginell, weil er ein 08/15 Monsterschocker ist. Nicht weil ein Monster in einem Monsterfilm vorkommt. Und Angriffe auf Manhattan haben wir in letzter Zeit geradezu inflationär gesehen. So viel zum Ideenreichtum Abrams.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Angeblich so innovativ? Da bist du dem Marketing, aber ganz schön auf den Leim gegangen.
Bin ich das? Ich habe von Abrams bestimmt keine Innovationen erwartet, gerade weil ich seine bisherige Arbeit nicht sonderlich aufregend finde. Im Gegenteil, ich war gar nicht überrascht. Allerdings ging es bei weitem nicht jedem so. In meinem Bekanntenkreis und auch unter den Kinobesuchern hat sich doch eine relativ große Ernüchterung breit gemacht angesichts eines solch profanen Resultats. Wenn man im Vorfeld einen solchen Hype kreiert und im Endeffekt dann nur einen weiteren Monsterfilm abliefert, dann muss man sich hinterher schon ein naserümpfendes "Das soll alles gewesen sein?" gefallen lassen.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Diesen Anspruch stellt Abrams doch gar nicht an seinen Film und überhaupt ist es doch seine Stärke, altbekannte Versatzstücke intelligent neu zu verpacken. Das gilt jedenfalls auch für LOST und ALIAS.
So ist es. Seine einzige Stärke aus meiner Sicht. Und wie oben bereits erwähnt, steht er mit dieser "Fähigkeit" nun wirklich nicht alleine da.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Die mangelnden Empathieangebote gehören aber dagegen voll zum Stil des Films. Ebenso wie auf die unbeteiligte Kamera müssen wir auch auf eine geschliffene Charakterisierung verzichten. Und am dargebotenen Schreckensszenario kann man sich ja nicht wirklich weiden, dafür sind die spektakulären Bilder doch zu sparsam gestreut.
Dem kann ich ebenfalls nicht folgen. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade die Wackelästhetik ist ja den sensationsheischenden "Wir waren mitten drin"-Bildern vieler Medien entlehnt. Es erhöht die Einschaltquoten enorm, wenn bei Kriegen oder anderen Katastrophen einfach draufgehalten wird. Die Reporter begeben sich dazu auch manchmal in Lebensgefahr, um die Senastionsgier der Zuschauer zu befriedigen. Hier muss man Cloverfield sogar eine gewisse unterschwellige Ironie zu gute halten. Dem Kinozuschauer wird  gewissermaßen ein Spiegel vorgehalten, weil er sich eben an denm unmittelbarer empfundenen Schrecken "weidet".
Die mangelnden Empathieangebote sind ein typisches Versatzstück des Genres und wurden von mir nur als Beweis herangeführt, dass Cloverfield eben nichts weiter ist, als noch ein Genrebeitrag. Da hast du mich falsch verstanden. Es war kein Kritikpunkt am Film an sich, sondern ein Beleg für seine Konventionalität.


Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Da der Film keine wirkliche Dramaturgie besitzt kann ich diesen Vorwurf nicht verstehen. Bestes Beispiel sind reale (Handy-)Aufnahmen, die deutlich belegen, das viele Menschen auch in eigener Gefahr das Grauen um sie herum dokumentieren. Vielleicht handelt es sich dabei auch um einen Instinkt, keine Ahnung. Aber diverse Videos von Terroranschlägen, Katastrophen, Schießereien etc. zeigen, das es nicht ganz abwegig ist, einen solchen Monsterangriff auf Video fest zu halten.
Das mag in Ansätzen stimmen. Aber mal ehrlich. Wenn du mit einer lebensbedrohlichen Situation einer solchen Größenordnung konfrontiert werden würdest, dann hättest du weit Besseres zu tun, als ständig mit deiner Digicam draufzuhalten. Jeder normale Mensch rennt so schnell er kann weg, oder bleibt aus Schock wie angewurzelt stehen. Die Filmcharaktere werden direkt angegriffen, und zwar von einer außerirdischen Kreatur. Da filmt keiner mehr.
Aber weit schlimmer ist ja die bescheuert konstruierte Handlung. Dass der Kameramann die (ebenfalls unglaubwürdige) Harakiriaktion Robs mitmacht, ist absolut lächerlich. Von den beiden Mädchen mal ganz zu schweigen. Die ganze Rettungsaktion dient nur einem Zweck: den Zuschauer per Wackelkamera ins Zentrum der Bedrohung zu schicken.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Generell will der Film aber nicht hundertprozentig authentisch sein, nur die gewählte Perspektive ist authentisch, letztlich wollen wir doch in einem Film sitzen.
Er will authentisch wirken. Aus meiner Sicht gelingt das nicht, da die Logiklöcher trotz Spannung enorm auffallen und wie oben ausgeführt das permanente Mitfilmen in einem solchen Szenario aus meiner Sicht völlig unglaubwürdig ist. Von der "Militärszene" mal ganz zu schweigen.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
So sehen wir einfach einen klassischen Monsterfilm in modernem Gewand.
Da sind wir erstmals absolut einer Meinung.
Nur das ist mir einfach zu wenig.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
Die von dir erwähnten Vorbilder spielen eindeutig allesamt eine Rolle aber die Genrekniffe eines Hitchcock lassen sich nur schwer vergleichen mit CLOVERFIELD. Ein Monsterfilm mit einem gigantomanischen Handlungsort wird uns ohne jegliche Konventionen erzählt. Die Idee einer verwackelten Handkamera ist zwar nicht neu aber einen Monsterfilm aus eben dieser Sicht zu drehen widerspricht allen Vorgaben des Genres, die vorher so noch nicht gebrochen wurden. Schließlich waren beinahe alle Handkamera-Filme 'klein'. Einen Dogmafilm oder BLAIR WITCH zu sehen lässt sich kaum vergleichen mit einem Big Budget Actionkracher, der dem sensationshungrigen Publikum mal eben gar keine Zugeständnisse macht. Vielleicht keine Genre-Revolution (vielleicht aber doch?) aber doch wesentlich origineller als du es dem Film zugestanden hast.
Das ist eben Ansichtssache. Lediglich die Wackelästhetik auf einen Katastrophenfilm draufzusetzten, finde ich nicht originell genug, um diesen "Einfall" abzufeiern.
Im Übrigen ist Cloverfield kein Big Budget Actionkracher (30 Millionen $ Produktionskosten ist in Hollywood sehr wenig). Und den hat das Publikum auch nicht erwartet, denn es wusste ja so gut wie nichts.

Zitat von: COPFKILLER am  6 Februar 2008, 18:01:51
An anderer Stelle hattest du aber auch erwähnt, das du mit Wackel-Optik nicht viel anfangen kannst und daher möchte ich es dir doch hoch anrechnen, das du COLVERFIELD nicht verteufelst sondern durchaus auch positive Aspekte abgewinnst.
Du sagst selber, das der Film sehr spannend ist (wenn auch kurz, selbst 70Minüter können arg langweilen) und as obwohl man praktisch keine Beziehung zu den Charakteren aufbauen kann und eine echte Handlung nicht stattfindet. Alleine diese Leitung wäre bei mir schon mehr als 4 Punkte wert. 
Ich habe versucht, fair zu bleiben. Der Film ist nicht schlecht, aber eben auch nichts Besonderes. Natürlich habe ich ihn vor dem Hintergrund des erzeugten Hypes und einer (bei vielen) mit Abrams verbundenen Erwartungshaltung strenger unter die Lupe genommen. Und in diesem Zusammnehang ist er eine Enttäuschung. Mein Hauptvorwurf liegt im gnadenlosen Primat der Form über den (vor Ungereimtheiten und Unglaubwürdigkeiten strotzenden) Inhalt. Daher kann ich hier auch nicht mehr als 4 Punkte vergeben.
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There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

vodkamartini

3 Oscarpreisträger und der Regisseur von Die Reifeprüfung sind nicht zwangsläufig Garanten für einen guten Film. In diesem Fall ging die Rechnung allerdings wunderbar auf:

http://www.ofdb.de/review/136147,280833,Der-Krieg-des-Charlie-Wilson
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vodkamartini

Was sich unser (finanziell) erfolgreichster Hollywoodexport an Albernheit, historischer Ignoranz und Langeweile hier leistete, geht auf keine Mammuthaut.

http://www.ofdb.de/review/137619,284251,10000-BC

Für mich Rolands bis dato schwächster Film seit Universal Soldier und zu recht sein - gemessen an Budget und Erwartungshaltung - erster größerer Flop.
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vodkamartini

17 März 2008, 00:29:45 #25 Letzte Bearbeitung: 17 März 2008, 00:32:12 von vodkamartini
Bei weitem nicht so schwach wie das Elizabeth-Sequel aber auch historisch ein wenig zu "frei":

http://www.ofdb.de/review/141478,285881,Die-Schwester-der-Königin

Sir Michael Caine zum 75.  ;). Sein Durchbruch als "Anti-Bond" im heute beinahe in Vergessenheit geratenen Ipcress:

http://www.ofdb.de/review/4685,286125,Ipcress---streng-geheim
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Dennis Gansel schwimmt weiterhin auf der bewährten Erfolgswelle; glatt, gefällig und vor allem Zielgruppenorientiert:

http://www.ofdb.de/review/142909,286724,Die-Welle
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filmimperator

16 April 2008, 15:50:34 #27 Letzte Bearbeitung: 16 April 2008, 15:52:37 von filmimperator
Da ich den Film mittlerweile aus mehr oder minder auf Interesse basierenden Gründen auch gesehen habe, möchte ich mal ein paar Worte zu "Der rote Baron" und deiner Kritik dazu loswerden. Ich fand den Film trotz aller - sagen wir - dramaturgischer Ausschmückungen und des eher freien Umgangs mit der deutschen Geschichte, Pathos etc. durchaus unterhaltend, weswegen er von mir auch 5 Punkte bekam. Allerdings verstehe ich folgenden Zusammenhang nicht:

ZitatTatsache ist, dass über den Menschen hinter dem erfolgreichsten Jagdflieger der deutschen Militärgeschichte nicht allzu viel bekannt ist.
und
ZitatZweifel an seinem Tun oder gar Gewissensbisse ob der zahlreichen Abschüsse gehören hier ganz bestimmt nicht dazu. Hier macht der Film den lächerlichen Versuch, eine in der heutigen deutschen Gesellschaft vorherrschende Haltung über Krieg in einen Soldaten aus der Kaiserzeit hineinzuprojezieren. Das ist nicht nur völlig unglaubwürdig und anachronistisch, sondern historisch schlichtweg falsch.

Ob es unglaubwürdig ist oder nicht, bleibt doch letztendlich eine Mutmaßung, wenn über das Leben von Richthofens doch so wenig bekannt ist. Natürlich ist die ganze Sache mit der Love-Story und der klebrigen Moral, die aus ihr resultiert, fragwürdig, aber nicht unmöglich. Wir bewegen uns im Rahmen des Spekulativen, weswegen deine Argumentation - die abgesehen von historischer Ungenauigkeit auch auf spekulativer Falschheit abhebt - schon etwas dünn ist.

Mal abgesehen davon und der Tatsache, dass mir deine Kritik einen Hauch zu lang schien, störte mich auch etwas die überzogene Polemik des Ganzen, auch wenn dies zweifelsohne bei einem mässigen (deiner Meinung nach ja schlechten) Film zum Teil angebracht ist. Allerdings nicht in dem Maße. Mit "Rosamunde Pilcher goes Top Gun" hast du meiner Meinung nach den Bogen etwas überspannt. Aber nichts für ungut, ich wollte nur mal wieder meinen Senf loswerden  :icon_mrgreen:.
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

vodkamartini

16 April 2008, 18:32:10 #28 Letzte Bearbeitung: 16 April 2008, 18:35:47 von vodkamartini
Zitat von: filmimperator am 16 April 2008, 15:50:34
Ich fand den Film trotz aller - sagen wir - dramaturgischer Ausschmückungen und des eher freien Umgangs mit der deutschen Geschichte, Pathos etc. durchaus unterhaltend, weswegen er von mir auch 5 Punkte bekam.
Genau dieser sehr "freie" Umgang ist für mich äußerst ärgerlich, denn da kann ich ja gleich eine fiktive Figur nehmen. Das reicht bei mir definitiv nicht mehr für Durchschnitt, aber da schlägt wohl besonderes stark der Historiker in mir durch.
Unterhaltsam ist der Film auch nicht sonderlich, da er nur reißbrettartig Episoden aus Richthofens Leben aufzählt und ansonsten in einer faden Liebesgeschichte versumpft.

Zitat von: filmimperator am 16 April 2008, 15:50:34
Allerdings verstehe ich folgenden Zusammenhang nicht:

ZitatTatsache ist, dass über den Menschen hinter dem erfolgreichsten Jagdflieger der deutschen Militärgeschichte nicht allzu viel bekannt ist.
und
ZitatZweifel an seinem Tun oder gar Gewissensbisse ob der zahlreichen Abschüsse gehören hier ganz bestimmt nicht dazu. Hier macht der Film den lächerlichen Versuch, eine in der heutigen deutschen Gesellschaft vorherrschende Haltung über Krieg in einen Soldaten aus der Kaiserzeit hineinzuprojezieren. Das ist nicht nur völlig unglaubwürdig und anachronistisch, sondern historisch schlichtweg falsch.
Das ist nicht schwer zu verstehen. Zwar ist über Richthofen nicht viel bekannt, aber doch eben genug, um die im Film angedeuteten Tendenzen klar ausschließen zu können. Lies dazu einfach einmal die neueste (deutschsprachige) Biographie, die gestützt auf zahlreiche Originalquellen und -zitate der Dekonstruktion des Mythos "Richthofen" ein gutes Stück näher kommt. (Castan, Joachim, Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Stuttgart 2007)

Zitat von: filmimperator am 16 April 2008, 15:50:34
Ob es unglaubwürdig ist oder nicht, bleibt doch letztendlich eine Mutmaßung, wenn über das Leben von Richthofens doch so wenig bekannt ist. Natürlich ist die ganze Sache mit der Love-Story und der klebrigen Moral, die aus ihr resultiert, fragwürdig, aber nicht unmöglich. Wir bewegen uns im Rahmen des Spekulativen, weswegen deine Argumentation - die abgesehen von historischer Ungenauigkeit auch auf spekulativer Falschheit abhebt - schon etwas dünn ist.
Da bist du falsch bzw. unzureichend informiert. Wir bewegen uns eben nicht im Bereich der Spekulation, sondern der belegbaren Fakten.
1. Richthofen schoß im Tiefflug mehrere MG-Salven auf marschierende Soldaten (1916 an der Ostfront und 1918 an der Westfront). Im Film spricht er nur von "Sport" und "fairem Kampf" und entwickelt zudem plötzlich pazifistische Gedanken.
2. Belegt ist, dass er nach seiner Verwundung noch draufgängerischer und energischer im Luftkampf war. Von Kriegsmüdigkeit keine Spur.
3. Die Affäre mit Käte Osterdorf ist frei erfunden. Tatsache ist: Es gab sie. Sie pflegte von Richthofen im Lazarett. Es existiert ein Photo, auf dem beide in gebührenden Abstand in die Kamera blicken. In Richthofens Leben gab es keine Frau (außer seiner Schwester und seiner Mutter).
4. Am Ende des Krieges entwickelte Richthofen grausame und sadistische Züge, die sich in seinen Luftkämpen zeigten. Der Film behauptet das Gegenteil.

Zitat von: filmimperator am 16 April 2008, 15:50:34
Mal abgesehen davon und der Tatsache, dass mir deine Kritik einen Hauch zu lang schien,
Sie könnte sicherlich etwas kürzer sein, aber bei historischen Spielfilmen ghe ich gern mal etwas in die Tiefe.

Zitat von: filmimperator am 16 April 2008, 15:50:34
störte mich auch etwas die überzogene Polemik des Ganzen, auch wenn dies zweifelsohne bei einem mässigen (deiner Meinung nach ja schlechten) Film zum Teil angebracht ist. Allerdings nicht in dem Maße. Mit "Rosamunde Pilcher goes Top Gun" hast du meiner Meinung nach den Bogen etwas überspannt. Aber nichts für ungut, ich wollte nur mal wieder meinen Senf loswerden  :icon_mrgreen:.
Die Polemik ist für meine Begriffe voll gerechtfertigt und dürfte ob der diesem Film innewohnenden Verlogenheit und Geschichtsklitterung eher sogar noch deftiger ausfallen.
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filmimperator

Sorry für das relativ späte Feedback. Ich machs kurz, weil ich auch mal irgendwann schlafen gehen will  ;)

Zitat von: vodkamartini am 16 April 2008, 18:32:10
Unterhaltsam ist der Film auch nicht sonderlich, da er nur reißbrettartig Episoden aus Richthofens Leben aufzählt und ansonsten in einer faden Liebesgeschichte versumpft.

Jetzt wo du es sagst, kommt mir dies auch wieder ins Gedächtnis. Komisch, was Verdrängung so alles bewirken kann  ;). Also das "Der rote Baron" als Liebesgeschichte deklariert und als Frauen-Film angepriesen wird, ist ziemlich vermessen, bedenkt man den Anteil, welchen dieser Erzählstrang effektiv ausmacht. Und dann kocht da nun wirklich nicht gerade die Leidenschaft.


Zitat von: vodkamartini am 16 April 2008, 18:32:10
Zwar ist über Richthofen nicht viel bekannt, aber doch eben genug, um die im Film angedeuteten Tendenzen klar ausschließen zu können. Lies dazu einfach einmal die neueste (deutschsprachige) Biographie, die gestützt auf zahlreiche Originalquellen und -zitate der Dekonstruktion des Mythos "Richthofen" ein gutes Stück näher kommt. (Castan, Joachim, Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Stuttgart 2007)
(...)
Da bist du falsch bzw. unzureichend informiert. Wir bewegen uns eben nicht im Bereich der Spekulation, sondern der belegbaren Fakten.
1. Richthofen schoß im Tiefflug mehrere MG-Salven auf marschierende Soldaten (1916 an der Ostfront und 1918 an der Westfront). Im Film spricht er nur von "Sport" und "fairem Kampf" und entwickelt zudem plötzlich pazifistische Gedanken.
2. Belegt ist, dass er nach seiner Verwundung noch draufgängerischer und energischer im Luftkampf war. Von Kriegsmüdigkeit keine Spur.
3. Die Affäre mit Käte Osterdorf ist frei erfunden. Tatsache ist: Es gab sie. Sie pflegte von Richthofen im Lazarett. Es existiert ein Photo, auf dem beide in gebührenden Abstand in die Kamera blicken. In Richthofens Leben gab es keine Frau (außer seiner Schwester und seiner Mutter).
4. Am Ende des Krieges entwickelte Richthofen grausame und sadistische Züge, die sich in seinen Luftkämpen zeigten. Der Film behauptet das Gegenteil.

Danke für die Aufklärung  :respekt:

Allerdings kommen diese Aspekte eben in deiner Kritik nicht so wirklich heraus, wie ich finde. Du schreibst, dass der Film historisch falsch wäre, erwähnst aber in der Rezension kein so konkretes Beispiel, wie du es hier getan hast. Das wäre für mich als völlig ahnungsloser Leser von Vorteil gewesen.

Naja soviel dazu.
Unterschiedliche Meinungen? Chuck Norris interessieren nicht mal die Fakten!

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