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Taken (96 hours)

Begonnen von Jayo, 3 Februar 2009, 15:08:55

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vodkamartini

@Bretzel

Ich glaube du hast generell ein massives Problem mit Revenge-Streifen. Ich meine das nicht als Kritik. Das ist ledglich eine Feststellung. Ich meine mich zu erinnern, dass du neben dem aktuellen Taken (alles über 4 punkte wäre eine faustdicke Überraschung gewesen  ;)) auch Punisher, Death Sentence und Rache verrissen hast.
www.vodkasreviews.de

There's a saying in England: Where there's smoke, there's fire. (James Bond, From Russia with love)

Bretzelburger

Stimmt prinzipiell. Aber bei "Taken" ist es nicht nur die Selbstjustiz, sondern auch die weiteren Klischees, die mit Revenge nichts zu tun haben. Neesons Warnung vor Paris ist geradezu lächerlich, die Verheizung der Freundin Amanda als leichtlebiges Girl mit sexuellen Interessen - man hätte den Film schon komplexer machen können, ohne deshalb eine Abhandlung über Selbstjustiz herbei zu führen. Ich habe mit Arnies "Phantom Kommando" keine Probleme, da der aus seiner Vordergründigkeit kein Geheimnis macht. Mir gefällt die Kombination Bürgerlichkeit-Rache nicht wie auch in "Death Sentence", denn hier werden Haltungen transportiert, die Eingang in unser normales Denken finden.

vodkamartini

Taken habe ich noch nicht gesehen, kann dazu also nichts beitragen. Death Sentence sehe ich ebenso wie du. Für mich ein verlogenes Machwerk, das pseudo-pychologisierend und Ernsthaftigkeit suggerierend am Ende lediglich die niederen Racheinstinkte bedient. Da lobe ich mir den zwar bis über die Schmerzgrenze hinaus plakativen, aber in seiner Einfalt grundehrlichen und nichts anderes als Unterhaltung wollenden Phantom Kommando. Auch hier bin ich deiner Meinung.
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Dr. STRG+C+V n0NAMe

Jetzt muss ich das doch mal aufgreifen. Taken kenne ich (noch) nicht, Death Sentence habe ich hingegen gesehen. Mich würde ernsthaft mal interessieren, was da für Haltungen transportiert werden. Wenn ich mich recht erinnere, kann man vom Ende von Death Sentence ja nicht sagen "Selbstjustiz lohnt sich", denn SPOILER Schinken-Kevin verliert doch seine Familie (oder war es nur die Frau?).

Gruß

n0NAMe
Aktueller Rang: Sergeant of the Master Sergeants Most Important Person of Extreme Sergeants to the Max
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Carpenter Brut - Le Perv
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Carpenter Brut - Obituary
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Pertubator - Miami Disco

El_Hadschi

Also Death Sentence vermittelt definitiv, ein negatives Bild von Selbstjustiz. :nono:
"You follow drugs, you get drug addicts and drug dealers. But you start to follow the money, and you don't know where the fuck it's gonna take you."

Lester Freamon

Soonor

22 Februar 2009, 21:12:57 #35 Letzte Bearbeitung: 22 Februar 2009, 21:36:37 von Soonor
Zitat von: n0NAMe am 22 Februar 2009, 20:09:58
Jetzt muss ich das doch mal aufgreifen. Taken kenne ich (noch) nicht, Death Sentence habe ich hingegen gesehen. Mich würde ernsthaft mal interessieren, was da für Haltungen transportiert werden.

Ich vermute, Bretzelburger hegt die Befürchtung, dass Bacons Reaktion (Rache) als gerechtfertigt angesehen wird weil die Opfer nur kriminelle asoziale Jugendliche sind. Latinos und Schwarze sind auch dabei, also könnte man dem Film Bedienung von Vorurteilen vorwerfen. Daraus könnte dann die Haltung entstehen, dass solche Leute nicht nur im Film weniger wert sind und man sie deshalb schlechter behandelt. Wie auch immer, Death Sentence zeigt einen sinnlosen Mord ohne Motiv, nur damit irgend so ein Vogel zu ner Gang gehören kann. Wenn sowas im realen Leben geschehen würde, hätte ich vollstes Verständnis wenn ein Angehöriger des Opfers die ganze Sippe (egal welchen kulturellen Hintergrund die hat) auslöscht. Zwar ist auch das sinnlos weil es am strukturellen Problem des sozialen Milieus, das solche Leute hervorbringt, nichts ändert, aber die Rache ist nachvollziehbar.

Und natürlich vermittelt DS keine Glorifizierung von Lynchjustiz, weil Bacon dadurch seine Frau verliert und in den Knast muss (die Cops haben ihn nach dem finalen Amoklauf bereits zuhause erwartet). Genau deshalb finde ich den Film gut, weil Bacon so oder so der Verlierer ist (die abhängige Variable ist nur die Höhe des Verlusts) und man zum Nachdenken angeregt wird, wie man selbst in einer solchen Situation handeln würde.

Ich würde sogar sagen dass der Film Selbstjustiz verurteilt weil dadurch alles nur schlimmer wird (Gewaltspirale). Das Problem liegt viel eher in der laschen Justiz, die es durch milde Strafen begünstigt, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. Hätte man den Mörder von Bacons Sohn für viele Jahre weggesperrt wie es sich gehört, wäre Bacon auch nicht durchgedreht.

Bretzelburger

Ich könnte es mir einfach machen, indem ich auf mein Review zu "Death Sentence" hinweise, in dem ich sehr genau (und zeitnah nach dem Ansehen) den Film analysiert habe. Dort kann man auch nachlesen, dass der Film nicht wegen der "Selbstjustiz" und Vorurteilen gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen bei mir schlecht weg kam, sondern weil er sehr fehlerhaft inszeniert ist. Und damit sind wir wieder beim eigentlichen Thema "Taken", denn diese Fehler haben nur einen wirklichen Hintergrund - den Seher manipulativ zu bearbeiten.

Zitat von: Soonor am 22 Februar 2009, 21:12:57
Das Problem liegt viel eher in der laschen Justiz, die es durch milde Strafen begünstigt, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. Hätte man den Mörder von Bacons Sohn für viele Jahre weggesperrt wie es sich gehört, wäre Bacon auch nicht durchgedreht.
Ich könnte dir jetzt ohne Probleme, 10 Filme aufzählen, die davon handeln, wie Jemand wegen eines Bagatelldeliktes gleich zu mindestens 10 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Beides hat mit der Realität nichts zu tun, täuscht aber Authentizität vor, denn gefühlsmässig glaubt fast Jeder, dass Gerichte ungerecht sind. Denn diese speziellen Fälle landen in der Presse, während Millionen normaler Urteile Niemanden interessieren.
Die Konstruktion, die uns mal wieder eine lasche Gerichtssprechung vorgaukeln will, bedient genau dieses Vorurteil und rechtfertigt damit Bacons Reaktion. Als Einzelfall gibt es das bestimmt mal, aber Filme wie dieser sind grundsätzlich generalistisch angelegt und reden niemals von einem besonders seltenen Einzelfall. Deine Reaktion beweist auch, dass du der Meinung bist, Straftäter werden grundsätzlich zu schwach bestraft. Es gibt auch in unserem Rechtssystem (und ich rede nur von den gesetzlich vorgesehenen Strafen, nicht von unfähigen Richtern im Einzelfall) Ungerechtigkeiten, die teilweise noch auf das wilhelminische System zurückzuführen sind. Diebstahl wurde deshalb lange Zeit wesentlich härter bestraft als Körperverletzung. Letztlich kümmert sich Niemand um eine allumfassende Gerechtigkeit, sondern lässt nur sein persönliches Empfinden walten. Und genau das wird in diesen Filmen angesprochen, weshalb es so schwer ist, sich davon zu distanzieren.




Soonor

23 Februar 2009, 03:05:20 #37 Letzte Bearbeitung: 23 Februar 2009, 03:22:49 von Soonor
Zitat von: Bretzelburger am 23 Februar 2009, 02:19:22
Ich könnte es mir einfach machen, indem ich auf mein Review zu "Death Sentence" hinweise, in dem ich sehr genau (und zeitnah nach dem Ansehen) den Film analysiert habe. Dort kann man auch nachlesen, dass der Film nicht wegen der "Selbstjustiz" und Vorurteilen gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen bei mir schlecht weg kam, sondern weil er sehr fehlerhaft inszeniert ist. Und damit sind wir wieder beim eigentlichen Thema "Taken", denn diese Fehler haben nur einen wirklichen Hintergrund - den Seher manipulativ zu bearbeiten.

Ich habe Dein Review gelesen, und finde dass Du da zuviel reininterpetierst. Klischees findet man - wenn man will - in jedem Film, und eine offensichtliche Einteilung in "Gut und Böse" wird in jedem 2. Actionfilm vorgenommen. Ist doch in den von Dir angeführten "Die Hard"-Filmen nicht anders. Und im Endeffekt sind die genauso realistisch wie irgendwelche konstruierten Revenge-Streifen, d.h. beide kommen in dieser Form so gut wie nicht vor. Und wenn Du die Gang in "Death Sentence" mit "Nazi-Optik" in Verbindung bringst, präsentierst Du hier selbst ein Vorurteil: Glatze/Skinhead = Nazi. Hey, hätte doch auch sein können dass die ne Chemotherapie machen und deshalb aggressiv drauf sind, zumal sie durch das US-amerikanische Gesundheitssystem massiv verschuldet wären und das Geld für ihre Rechnungen mittels Raubüberfällen zusammenkratzen müssen. Siehst Du, so eine (sinnfreie) Erklärung kommt dabei raus wenn man versucht, OHNE Vorurteile und Klischees an eine Sache ranzugehen. Soll heißen, wir alle sind diesen psychologischen Mechanismen unterworfen, ob wir nun wollen oder nicht. Teilweise ist das sogar evolutionär bedingt: man isst was Bitteres, davon wird einem übel. Folge: man isst dasselbe nicht nochmal und meidet auch andere bittere Speisen. Ich hoffe, dieses einfache Beispiel kann jeder hier auf das menschliche Zusammenleben übertragen. Wenn nicht, werd ich auch heute "User des Tages". :rofl:

Zitat von: Soonor am 22 Februar 2009, 21:12:57
Ich könnte dir jetzt ohne Probleme, 10 Filme aufzählen, die davon handeln, wie Jemand wegen eines Bagatelldeliktes gleich zu mindestens 10 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Beides hat mit der Realität nichts zu tun, täuscht aber Authentizität vor, denn gefühlsmässig glaubt fast Jeder, dass Gerichte ungerecht sind. Denn diese speziellen Fälle landen in der Presse, während Millionen normaler Urteile Niemanden interessieren.
Die Konstruktion, die uns mal wieder eine lasche Gerichtssprechung vorgaukeln will, bedient genau dieses Vorurteil und rechtfertigt damit Bacons Reaktion. Als Einzelfall gibt es das bestimmt mal, aber Filme wie dieser sind grundsätzlich generalistisch angelegt und reden niemals von einem besonders seltenen Einzelfall. Deine Reaktion beweist auch, dass du der Meinung bist, Straftäter werden grundsätzlich zu schwach bestraft. Es gibt auch in unserem Rechtssystem (und ich rede nur von den gesetzlich vorgesehenen Strafen, nicht von unfähigen Richtern im Einzelfall) Ungerechtigkeiten, die teilweise noch auf das wilhelminische System zurückzuführen sind. Diebstahl wurde deshalb lange Zeit wesentlich härter bestraft als Körperverletzung. Letztlich kümmert sich Niemand um eine allumfassende Gerechtigkeit, sondern lässt nur sein persönliches Empfinden walten. Und genau das wird in diesen Filmen angesprochen, weshalb es so schwer ist, sich davon zu distanzieren.

Nur zwei kurze Anmerkungen, denn am Horizont seh ich schon die Offtopic-Sheriffs, die mir mal wieder vorwerfen, ich würde den Thread in eine andere Richtung lenken, und das obwohl ich gar nicht mit "Death Sentence" angefangen habe:

1. Von Einzelfällen kann man immer reden. Für mich ist das leeres Geschwätz. Sieh Dir nur das Thema Jugendkriminalität an. Auch in Deutschland hätte die DS-Gang gute Chancen, ein paar Verwarnungen, Sozialstunden und Bewährungen abzustauben bevor es zum ersten Mal in den Knast geht. Ist schon seltsam dass sich immer und immer wieder irgendwelche jugendlichen Gewaltverbrecher, wenn sie dann endlich mal geschnappt werden, als polizeibekannte Intensivtäter entpuppen. Aber klar, das sind alles Einzelfälle. :respekt:

2. Ich habe mir vorhin "The Green Mile" angesehen. Schöner Film, aber genauso manipulativ, nur andersrum. Man lernt ein paar Kriminelle kennen, die eigentlich ganz nett sind (Typ mit der Maus), sadistische Wärter (Percy) und die übernatürliche Unschuld in Person (John). Das ultimative Böse darf in Form von Billy auch nicht fehlen, was ebenso klischeehaft ist, denn ein wirklich differenzierender Mensch müsste anerkennen, dass jeder Mensch irgendetwas Gutes in sich hat. Jedenfalls wird der Film so konstruiert, dass spätestens am Ende jeder Zuschauer Zweifel an der Todesstrafe hat, denn hier gibt es richtige Einzelfälle. ;)

Bretzelburger

Zitat von: Soonor am 23 Februar 2009, 03:05:20
Ich habe Dein Review gelesen, und finde dass Du da zuviel reininterpetierst.
Das hätte ich gerne etwas detaillierter ausgeführt, denn das ist das übliche pauschale Urteil, ohne das sich Jemand die Mühe gibt, es auch zu begründen. Wenn ich mich nochmals in die Review einlese, erkenne ich auch gar keine Interpretationen, sondern Nachweise an Hand von filmischen Details. Die "Nazi"-Optik hat bestimmt auch nichts mit Interpretation zu tun und schon gar nicht, dass ich das jeder Glatze unterstelle - das ist ganz bewusst so im Film umgesetzt und an vielen Elementen erkennbar.

Mir fällt immer wieder auf, dass du dich ganz bewusst darum bemühst, Kontra zu geben, anstatt in eine konstruktive Diskussion einzusteigen. Unflätige Bemerkungen anderer User scheinen die im Prinzip entgegenzukommen, weil du auch auf meine Beiträge nicht anders reagierst. Allerdings glaube ich inzwischen, dass unsere gesellschaftliche Anschauung einfach zu stark differiert. Wenn ich über Rechtssprechung rede oder erwähne ,dass in der Presse ausschliesslich extreme Fälle auftauchen (eine Ansicht, zu der es normalerweise einen weltweiten Konsens gibt), hörst du nur die Sache vom "Einzeltäter" heraus, die für dich so etwas wie ein rotes Tuch sein muss. Nichts für ungut, aber gerade deine Argumente bestärken mich in der Ansicht, Filme wie "Death Sentence" abzulehnen.


Soonor

23 Februar 2009, 03:39:09 #39 Letzte Bearbeitung: 23 Februar 2009, 03:42:28 von Soonor
Zitat von: Bretzelburger am 23 Februar 2009, 03:18:31
Die "Nazi"-Optik hat bestimmt auch nichts mit Interpretation zu tun und schon gar nicht, dass ich das jeder Glatze unterstelle - das ist ganz bewusst so im Film umgesetzt und an vielen Elementen erkennbar.

Zum Beispiel an ihrem scharzen Kumpel. :LOL:
Ebenso typisch ist es für weiße US-Nazis, sich mit Latinos abzugeben. :rofl:

ZitatMir fällt immer wieder auf, dass du dich ganz bewusst darum bemühst, Kontra zu geben, anstatt in eine konstruktive Diskussion einzusteigen. Unflätige Bemerkungen anderer User scheinen die im Prinzip entgegenzukommen, weil du auch auf meine Beiträge nicht anders reagierst. Allerdings glaube ich inzwischen, dass unsere gesellschaftliche Anschauung einfach zu stark differiert. Wenn ich über Rechtssprechung rede oder erwähne ,dass in der Presse ausschliesslich extreme Fälle auftauchen (eine Ansicht, zu der es normalerweise einen weltweiten Konsens gibt), hörst du nur die Sache vom "Einzeltäter" heraus, die für dich so etwas wie ein rotes Tuch sein muss. Nichts für ungut, aber gerade deine Argumente bestärken mich in der Ansicht, Filme wie "Death Sentence" abzulehnen.

Dann ist ja alles geklärt und jede weitere längere Antwort meinerseits überflüssig. Zurück zu 96 Hours.

Bretzelburger

Zitat von: Soonor am 23 Februar 2009, 03:39:09
Zum Beispiel an ihrem scharzen Kumpel. :LOL:
Ebenso typisch ist es für weiße US-Nazis, sich mit Latinos abzugeben. :rofl:
Ich sprach von Nazi-Optik.

Zitat von: Soonor am 23 Februar 2009, 03:39:09
Dann ist ja alles geklärt und jede weitere längere Antwort meinerseits überflüssig. Zurück zu 96 Hours.
Auch diese Antwort war schon zu lang und völlig überflüssig.

Soonor

Zitat von: Bretzelburger am 23 Februar 2009, 03:49:36
Ich sprach von Nazi-Optik.

Was meinst Du konkret? Ich dachte, Du beziehst Dich auf das Äußere der Bande, die somit dem Zuschauer als "böse" und "gerechtes Opfer" verkauft werden soll.

Bretzelburger

Das meinte ich auch so - reine Optik, die Gewalt und Gefahr vermitteln soll. Zu behaupten, sie wären auch im politischen Sinne Rechtsradikale, wollte ich damit nicht. So konkret wird der Film ja bewusst nicht. Das wäre alles viel zu komplex für die einfache Botschaft.

Soonor

23 Februar 2009, 13:06:34 #43 Letzte Bearbeitung: 23 Februar 2009, 13:11:43 von Soonor
Zitat von: Bretzelburger am 23 Februar 2009, 11:16:06
Das meinte ich auch so - reine Optik, die Gewalt und Gefahr vermitteln soll. Zu behaupten, sie wären auch im politischen Sinne Rechtsradikale, wollte ich damit nicht.

Das implizierst Du aber wenn Du diese Optik mit Nazis in Verbindung bringst.
Rein äußerlich könnten es auch unpolitische Hooligans sein.
Und linke Krawallmacher auf Gegendemonstrationen von NPD-Aufmärschen vermitteln mir von ihrer Erscheinung her auch Gewalt und Gefahr.
Ich weiß wirklich nicht, wie man die Death Sentence Gang mit Nazis in Verbindung bringen kann.
Der einzige Anhaltspunkt wären die Glatzen bei verschiedenen Mitgliedern (Vorurteil), was aber durch die ethnisch heterogene Gruppe ausgeschlossen werden kann.

Sicher ist der Film unrealistisch, übertrieben und in Bezug auf die Charaktere schwarz-weiß konstruiert, aber das sind auch "Die Hard" und Co.
Die Polizei hegte zwar den Verdacht, dass der Vater was mit dem Tod des Tankstellen-Mörders zu tun hat, konnte ihm aber nichts nachweisen.
Er hat zwar garantiert paar Spuren an der Leiche hinterlassen, aber das hier ist erstens kein Gerichtsfilm und zweitens dürfte es paar Tage dauern, das zu analysieren.
Bis dahin wär die gezeigte Handlung ohnehin abgeschlossen gewesen. Und zu Deinen entdeckten Fehlern (Geländer, Parkplatz) kann ich nur belustigt den Kopf schütteln.
Warum dieser Film für mich keine Befürwortung von Selbstjustiz ist, hab ich oben erklärt. Bacons Verlust ist am Ende noch größer als wenn er sich nicht gerächt hätte.

Bretzelburger

Okay, das mit den Nazis war ein wenig polemisch, zugegeben, aber deine Erwähnung nur des Parkplatz-Fehlers ist auch sehr reduziert. Wesentlicher fand ich die Tatsache, dass die Polizei Bacon nach dessen Ausbruch aus dem Krankenhaus, stundenlang Zeit gelassen hatte, sich zu rächen und noch nicht einmal bei ihm zu Hause war, damit er sich noch in Ruhe alte Filmchen ansehen durfte und persönliche Trauer demonstrieren konnte. Oder das ausgerechnet er mit einer (schnell heilenden) Schusswunde davon kam, während alle Anderen konsequent getötet wurden (mit finalem Kopfschuss). Das ist mir schlicht zu blöd...auch wenns natürlich doll gewummst hat, klaro!

Betrunkenes und bald geschlachtetes Huhn

In der Fassung, die ich gesehen habe, stirbt Bacon an dieser (schnell heilenden ;)) Schusswunde vor dem Fernseher - das nimmt dem Film aber nur wenig seiner Verlogenheit.
Know that chicken is a friend of each forum and each man, woman and child who seeks a future of gore and pornography, and that we are ready to drink once more.

MäcFly

Um mal wieder auf "Taken" zurück zu kommen:

Ich kann Bretzelburgers Kritik absolut nachvollziehen, nehme aber für mich in Anspruch, einen simplen Revenge-Reißer "geil" finden zu können und gleichzeitig auch kritisch zu hinterfragen. Natürlich sind moralische Bedenken aufgrund Neesons Rachefeldzug angebracht und man könnte jetzt wieder die alte Grundsatzdiskussion beginnen, die es spätestens seit "Death Wish" bezüglich dieser Thematik gibt.
Wenn man allerdings bedenkt, dass "Taken" wirklich kein höheres Ziel verfolgt, als simple Unterhaltung über 90 Minuten (der härteren Art versteht sich), will ich das gar nicht. "It's only a movie" - nicht mehr und nicht weniger. Manch einer gibt sich eben mit dieser These zufrieden, mancher nicht, wobei ich beide Haltungen nachvollziehen kann.

Was mich persönlich an "Taken" gestört hat, ist vielmehr diese Vorhersehbarkeit. Schön und gut, dass der jetzt überall als unkonventionell, weil kompromisslos und brutal, abgefeiert wird, doch vom Ablauf her ist "Taken" der konventionelle Streifen seit langem:
Schwarz-Weiß-Malerei allenthalben, Happy-End der kitschigeren Sorte (und seltsam lieblos) und natürlich mit altbewährten Horror-/Action-Klischees versehen, z.B. dass sexuelle Lust bei Teenagern einer Todsünde gleichgestellt wird (darauf ging Bretzel in seinem Review ja schon ein). Manche Actionszene war mir fast wieder zu schnell geschnitten, wenn auch Morel glücklicherweise auf die optischen Mätzchen des unsäglichen "Man on Fire" verzichtet.

Unterhalten wurde ich dennoch recht gut (und damit hat der Film sein Ziel schon erreicht). Erstklassig fand ich die Entführung an sich: Die Szene unter dem Bett war schon hochspannend, bei den Worten "was jetzt kommt ist sehr wichtig", stellte sich sofort Gänsehaut ein. Die Folterszene(n) fand ich weniger schlimm, Neeson hat nichts veranstaltet, was Sutherland nicht schon im Kindergarten hinter sich gebracht hätte.  :icon_cool:

Insgesamt solide bis gut, wobei der Streifen schon beim zweiten Sehen wohl gehörig an Qualität einbüßen wird.
"Man muss immer darauf achten, dass man ein gewisses Niveau nicht unterschreitet - sonst ist es schnell aus."

"Wenn man Mubarak heißt oder Kosslick, dann kann man alles machen." (Uwe Boll)

vodkamartini

26 Februar 2009, 13:27:36 #47 Letzte Bearbeitung: 26 Februar 2009, 13:29:42 von vodkamartini
Man kann hier natürlich ganz schnell die Political Correctness-Nase rümpfen. Nichts leichter als das. Allerdings auch nichts öder als das. Ich kann mich noch genau an die 80er Jahre erinnern, als Filme wie Phantom Kommando in der Luft zerissen worden. Heute sind das kultige Actionstreifen aus der "guten alten Zeit". Von Dirty Harry und dessen (offizieller) Rezeption in den 70er Jahren will ich gar nicht erst anfangen. Heute gilt er als Klassiker des Polizeifilms.

Taken ist natürlich simpelst gestrickt, betreibt plakativste Schwarz-Weiß-Malerei und feiert offen Vigilantismus. Nur ist das ernst zu nehmen? Ganz sicher nicht. Das ist so offensichtlich ein reines Unterhaltungsprodukt wie Wall-E ein Animationsfilm. Im Unterschied zum häufig bemühten Death Sentence agiert hier wieder einmal ein ehemaliger Spezialagent (wie übrigens in Phantom Kommando) der schon zuvor recht rabiat zu Werke ging. Das ist mit Bacons Figur (ein ganz normaler, harmoser Familienvater) überhaut nicht zu vergleichen.  Death Sentence versucht die psychologische Seite von Selbstjustiz auszuleuchten und will gleichzeitig ein Actionpublikum unterhalten. Bei diesem Spagat scheitert der Film m.E. Taken dagegen ist da weitaus weniger anspruchsvoll und funktioniert daher IMO auch erheblich besser. Mit der Realität hat das nicht viel zu tun, it´s simply entertainment. Ein Old-School-Actionreißer wie man ihn heute nur noch sehr selten zu sehen bekommt. Der große Erfolg in den USA zeigt, dass es inzwischen wohl doch Entzugserscheinungen gab.  :D
www.vodkasreviews.de

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notrickz

Ich hab mich nicht an der Thematik gestossen. Fand den Film Klasse, da kamen sogar Erinnerungen an frühe 90iger Jahre auf. Schön kompromisslos, hatte auf jeden Fall Style. Ich hätte gern mehr davon 8/10

MMeXX

Ich kann eigentlich nur ein Zitat bringen:
Zitat von: Vinyard Vaughn (OV Fascho) am 30 Dezember 2008, 01:18:17
er bringt sie einfach alle um.  :icon_eek: :icon_twisted: :icon_mrgreen: (Ich muss mir immer noch das Grinsen aus dem Gesicht wischen, einfach nur geil!)

Ein ganz ganz ganz ganz ganz ganzdickes Dito! Zwar erstmal eben nur auf Deutsch gesehen, aber doch sehr lustig! "Kennst du mich nicht mehr? Wir haben vor zwei Tagen miteinander telefoniert! Ich hab' dir doch gesagt, dass ich dich finde!" (:LOL: :LOL: :LOL: :LOL: :LOL: :LOL: :LOL:)³³

Und eins noch:
Zitat von: Lunita am  9 Februar 2009, 23:34:17
Ärgerlich: "Im Ausland lauern nur finstere Verbrechen, korrupte französische Beamte und Ungemach. Denk nicht mal dran, die Polizei einzuschalten, die stört nur." Die Rettung wird vollendet durch einen Shot auf einen Flughafen-Trolley: "Welcome to Los Angeles" - endlich wieder im sicheren Land mit der Homeland Security, und komm nie wieder auf die Idee, die goldene Heimat zu verlassen!

Also echt mal! Böses Frankreich, einfach so französische Beamte einstellen! Schämt euch! Sofort entlassen! Alle! Die merken ja nicht mal mehr den Unterschied zwischen 'ner geladenen und 'ner entleerten Waffe! :icon_mrgreen:
Im Ernst: Es ist doch völlig normal, dass im Film nur Ereignisse gezeigt werden, die Darstellung der Norm (u.a. Shoppen gehen, Museen besuchen) interessiert nicht, ist unnötig und würde den Film in keiner Weise voranbringen.

Snake_Plissken

Ich habe den Film grade gesehen und kann mich der Lobeshymnen nur anschließen und sagen:

Der Film rockt die Scheiße fett!!!

Man möge mir meine Ausdrucksweise verzeihen, wenn ich die Zeit finde, folgt auf jeden Fall noch ein Review, "Taken" hat es auf jeden Fall verdient!

Greetings Snake_
I made a movie in Bulgaria. I'm ready for everything!
-The incomparable Mr. Bruce Campbell-

Jedem Sturm sein Wasserglas
-Nagel-

Riddick

War am Freitag ebenfalls drin und fand ich auch geil. Habe einen laschen Entführungs-Thriller erwartet, aber einen richtig derben Actioner bekommen. Freue mich schon riesig auf die DVD.

8/10
"Schnell rennt das kriminelle Element,wenn es Dieter Krause kennt." - Tom Gerhardt (Hausmeister Krause)

kingtubby

Ebend der Film soll Bock machen und das tut er. Chapeaux wiedermal an Luc Besson.

Eine Sache fand ich mal richtig geil uzw. wie diese ganzen verwöhnten und
vorlauten Weiber im Film mal gezeigt bekommen haben wo der Hammer hängt :D

Egal ob die Shakiratante zu Beginn, die Ehefrau oder die Tochter. Die waren alle plötzlich
ganz lieb und artig, als sie gemerkt haben, dass die kacke angefangen hat zu dampfen
und nur der Mann die Situation retten kann. Wir würden für unsere Frauen unser Leben hergeben
und die schreiben darüber Bestseller-Bücher,dass wir den Müll nicht raustragen  :LOL:
Das ganze Emanzipationsgequatsche ist eben schnell vergessen, wenn's um's Eingemachte geht.

So, das musste mal gesagt werden  :dodo: :icon_lol: :icon_lol: :icon_lol:


Übrigens total genial das der Besson das erkannt hat und dem Mann sein Würde wieder gibt.
Auch n guter Trick  :D


Chili Palmer


Zu Hülf', mein Browser spinnt wieder herum!


Zeigt er bei euch noch 'nen Löwen an?
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Duke Skywalker

Da muss bei der FSK wohl eine feuchtfröhliche Party gestiegen sein, als sie den Film durchgewunken haben.  ;)
Solche Filme bekommt man heute fast nur noch billig produziert auf DVD zu sehen. Mit einem dicken Mann als Hauptdarsteller.  :icon_smile:
Schindlers Rache, äh 96 Hours ist ganz nach meinem Geschmack.  :king:

Wer steuerte am Schluss eigentlich das Boot.   :pidu:
Bro Code #24: When wearing a baseball cap, a Bro may position the brim at either 12 or 6 o'clock.
All other angles are reserved for rappers and the handicapped.

cyborg_2029

Einfach nur schweinegeil der Streifen! Dachte auch nach dem trailer, dass es wohl nur ein normaler Thriller wird. Aber dasses so abgeht hätte ich nicht erwartet. Ziemlich hoher Bodycount, kein Blabla abseits des Rachefeldzuges und Sprüche ohne Ende. Habe mich sehr gut amüsiert.
Lebensweisheiten 101: "Wenn Du einmal damit anfängst, dann kniest Du nur noch."

Mills

Verdammt geiler Film! Kurz, spannend und HART!!!

9/10
A: Welchen Bond-Film magst du am liebsten?
B: Den mit Daniel Crack, also genauer gesagt Casino Neural.


Meine Sammlung

EvilErnie

Zitat von: Mills am 11 März 2009, 18:55:23
Verdammt geiler Film! Kurz, spannend und HART!!!

9/10

Ich hab ihn jetzt 3x gesehen und krieg nicht genug  :dodo:

Bekommt ebenfalls 9/10 von mir!

Dickste Empfehlung...
,,Der Director's Cut erweist sich nicht nur als die filmisch bessere Version, sondern auch als die einzig logische." (Blade Runner)

Behandel´ne Königin wie `ne Hure und `ne Hure wie `ne Königin, dann kann nichts schiefgehen! (Alien 3 SE)

Ich hab ne Sprengkapsel im Kopf! Du musst mich töten sonst sterb ich! (Ethan Hunt)

Mr.Logan

Zitat"Endlich mal wieder ein richtig geiler Film. Nicht so ein Sissi-Scheiß wie er heutzutage normal ist. Realistisch, brutal wie das Leben und straight. [...] Ich finde es sehr gut, dass der film nicht in Hollywood-Pipifax-Klischees verfällt und ihn (weil das ja moralisch ach so verwerflich ist) irgend o ein mieses Schwein verschonen lässt. Genial. Ich finde es supermutig und passend, die Rolle mit Liam Neeson besetzt zu haben. Er passt einfach perfekt in die rolle. So stelle ich mir einen Typen vor, der so viel Mist durchgemacht hat und nicht wie irgend so einen alternden Hollywood Schönling. Mit diesem Film kommen wir endlich wieder an die Realität ran.

Zitat von rudi3 (oder so). Review in der Datenbank.
Das triffts!  :rofl:

Oder wie sagt mein Kollege im Kino: Datt is ma wieder ein Film... da darfste als Kerl keine zu engen Hosen im Kino anhaben!  :LOL:


Benny88

Einer der abgedroschensten und langweiligsten "Thriller", die ich seit geraumer Zeit gesehen habe. Ein paar härtere/kompromisslosere Szenen können auch nicht über diesen dutzendfach dagewesenen, vorhersehbaren und spannungsfreien Plot hinwegtäuschen. Neesons Performance war ja jetzt auch nicht so der Bringa.

4/10

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