Die Filme Darren Aronofskys (Ex-Film der Woche)

Begonnen von ratz, 28 September 2011, 11:05:41

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ratz

28 September 2011, 11:05:41 Letzte Bearbeitung: 28 September 2011, 11:26:56 von MMeXX
Auf Aronofsky (ab jetzt: A.) bin ich erst spät aufmerksam geworden: Als ich vor 3 Jahren in einer Videothek jobbte, schaute ich endlich mal „Requiem for a Dream“, der mir schon lange empfohlen worden war, und war begeistert. „Pi“ gab es zum Glück auch, und auch den hab ich verschlungen. „The Fountain“ fand ich dann nicht so dolle, „The Wrestler“ in Ordnung, aber nicht weltbewegend, und dann – erstmals einen A.-Film im Kino – „Black Swan“, da war ich hin und weg. Zu den einzelnen Filmen unten etwas mehr.
Keine Sorge, ich halte A. nicht für ein Genie und habe mir neulich als ersten seiner Filme Requiem ins Regal gestellt, aber er ist mir absolut sympathisch, nicht unbedingt als Person (wenn das aus der Distanz überhaupt geht), sondern vor allem durch das was er macht und wie er es macht.

Was A. (ggf. für eine bestimmte Altersgruppe?) so populär werden läßt, ist meines Erachtens das Geschick, zwischen Mainstream, Indie und Arthouse zu balancieren. Zum einen ist er ein Auteur, wie man ihn sich vorzustellen hat: schreibt, produziert und macht seine Filme selbst, läßt auf jeden Fall Persönliches/Autobiographisches einfließen, versucht einen eigenen visuellen Stil zu entwickeln, versucht inhaltlich anspruchsvoll und formal extrem zu sein. Das mag heute leichter als vor 30 Jahren sein, da es inzwischen doch etliche Möglichkeiten gibt, Geld und Aufmerksamkeit für kleine, unabhängige Projekte aufzutreiben. Trotzdem muß man das erstmal hinkriegen, ganz einfach scheint es nicht zu sein, wie die zeitlichen Abstände zwischen A.s Filmen andeuten.
Auf der anderen Seite vermeidet A. das Abdriften ins total Verkopfte durch das Anwenden oder Zitieren von Genreformeln (Verschwörung, Fantasy, Sportlerfilm, Thriller). Dadurch kann er auch dem Zuschauer etwas bieten, der nicht dauernd nach filmhistorischen Anspielungen suchen, sondern einfach nur unterhalten werden will. Da gibt’s dann eben bekannte Stars und es wird auch mal etwas mehr Geld für CGI  ausgegeben.
Ob dieser Balanceakt nun immer 100% gelingt, finde ich beinahe nebensächlich, allein der Versuch, diese quasi ur-amerikanische Kunst der anspruchsvollen Unterhaltung (und nicht des unterhaltenden Anspruchs, das scheint mir eher europäisch, wenn mal so klassifizieren darf) zu pflegen, verdient Respekt. Damit steht er durchaus in der Tradition von berühmten Filmemacher-Kollegen, die ihre inhaltlich gar nicht sooo revolutionären Genrefilme durch innovative Ästhetik und formale Experimente auch für die Nachwelt interessant gehalten haben. Auch wenn die letzten beiden Filme, Wrestler und Swan, rein filmisch etwas zahmer oder sagen wir konzentrierter geworden sind, haben sie doch immer noch eine extrem selbst-bewußte Kamera und Bildsprache, die sie zumindest unter den amerikanischen Produktionen zu etwas Besonderem machen.

Ich gehe jetzt die einzelnen Filme mal durch und schreibe, was mir dazu (noch) einfällt. Wer will, kann sich ja dann irgendeinen herauspicken und da noch beliebig vertiefen.

Pi (1998): Habe ich damals nur einmal gesehen, würde es aber jederzeit wieder tun. In Erinnerung ist mir mein Erstaunen darüber, mit welchem unbedingten Kunstwillen A. zu Werke geht, wie er alle möglichen Kameratricks ausprobiert und mit dem tintigen Schwarzweiß ganz schamlos signalisiert: Achtung, hier kommt was Dolles, haltet Euch fest. Außerdem zeigt er eine Welt, die für Nicht-Juden schon schwer genug zu verstehen sein dürfte und in der Stilisierung an Fremdheit, aber auch an Faszination noch gewinnt. Alles ohne Rücksicht auf das Publikum (bzw. nur mit Rücksicht auf die New Yorker jüdische Intelligenz), wie gesagt, ein Erstlings-No Budget-Spielfilm wie ein Paukenschlag und dadurch eine schwere Vorlage für A. selbst.

Requiem for a Dream (2000): Habe ich unlängst gesehen und auch dem Audiokommentar zugehört. Inhaltlich vielleicht nichts Neues (Drogen sind ziemlich schlecht!), aber aufgewertet um die schöne Milieuzeichnung der Jewish Lower Middle Class, und natürlich ein beeindruckender Parforceritt von Ellen Burstyn. Technisch nimmt A. den Faden von Pi wieder auf und flicht ein dichtes Gewebe aus Montagen, Schnitten und Effekten (er selbst nennt das ganze HipHop-Stil, keine Ahnung, ob das theoretisch fundiert ist oder nur eine Biedeckel-Idee). Das Ganze wirkt aber immer noch frisch und mitreißend und bietet die vielleicht beste Split-Screen-Szene, die in den letzten 20 Jahren gemacht wurde (das Paar im Bett). Das hatte ich auch so in Erinnerung, und Requiem muß damals unheimlich eingeschlagen sein und hat A. ggf. einen Wunderkind-Bonus verpaßt, den zu erfüllen dann The Fountain um so schwieriger gemacht hat.

The Fountain (2006): Den hab ich auch nur einmal gesehen und das meiste davon vergessen. Kam mir wie ein ziemlich verschwurbelter Kitschbatzen vor, für den sich A. vielleicht einfach zu viel vorgenommen hatte. Zu seinen Gunsten muß man natürlich sagen, daß die Finanzierung des Films mitten in den Dreharbeiten zusammenbrach und Vieles nicht wie geplant umgesetzt werden konnte. Es sind auch ein paar schöne Aufnahmen und Bilder gelungen, aber schöne Bilder ohne etwas dahinter sind eben einfach nur Kitsch. Vielleicht wollte A. eine spirituelle Ebene öffnen und/oder visualisieren, der einfach das Fundament fehlte … aber ich spekuliere und müßte den Film wirklich noch mal sehen. Später irgendwann.

The Wrestler (2008): Für den gab es wiederum viele Lorbeeren von allen Seiten, und mit der konsequent eingesetzten Handkamera hat A. eine Nische der amerikanischen Gesellschaft beleuchtet, die auch den meisten Arthouse-Gehern fremd sein dürfte (insofern waren quasi viele Anthropologen-Lorbeeren dabei). A. oszilliert geschickt zwischen Sportlerdrama und Charakterportrait, wobei er den ganzen abgefuckten Gestalten ihre Würde zugesteht, anstatt sie von oben herab oder voyeuristisch abzuurteilen. Ein überaus gelungener und guter Film, für mich persönlich aber nicht allzu relevant, was aber ein rein persönliches Geschmacksurteil ist.

Black Swan (2010): Hier bin ich mal bequem und verweise auf meinen eigenen Post im entsprechenden Film-Thread. Bin bisher nicht zu einer Zweitsichtung gekommen, freue mich aber darauf und bin gespannt, ob ich meinen Enthusiasmus dann einschränke.

Noch ein paar abschließende Worte: A. ist mit Sicherheit einer der interessantesten Akteure in der aktuellen US-Filmlandschaft, der, wie verschieden Plattformen im Internet zeigen, sein Publikum aus ganz verschiedenen Sphären zusammenzuführen versteht. Sein Credo scheint zu sein, daß kein Film wie der andere sein soll, und zwar in jeder Hinsicht. Das ist ihm auch meist gelungen, die engste Verwandtschaft würde ich zwischen Pi und Requiem sehen.
Trotzdem gibt es Themen und Motive, die sich durch die Filme ziehen: Die Beschäftigung mit Künstlern oder Kunst, die filmisch umgesetzte Introspektion in die Charaktere, ein oft sehr vordergründiges soziales Interesse, ohne dabei in plakatives Schaut-wie-schlecht-es-denen-geht zu verfallen. Und das Verspannen dieser Themen in einem Genre-Rahmen, der das Ganze breitenwirksam kommensurabel macht.

Mich würde jetzt interessieren, wie Ihr manche der Filme seht, ob und warum manche davon schlecht oder nicht gelungen sind, oder was Euch noch am Aronofsky-Stil aufgefallen ist oder interessiert.

cu, r.


pm.diebelshausen

28 September 2011, 20:42:22 #1 Letzte Bearbeitung: 28 September 2011, 20:44:17 von pm.diebelshausen
Danke für die Einführung. Habe ich sehr gern gelesen. Über einen ganzen Regisseur zu schreiben, finde ich immer schwieriger als über einen einzelnen Film etwas zu sagen. Stil, Themen, Konstanten...

Vorweg: "Black Swan" habe ich noch nicht gesehen (muss ich mir hier Sorgen um Spoiler machen?) - dabei bin ich Aronofsky-Freund seit "Pi" und habe bisher keinen Grund, einem neuen Film seinerseits irgendwie skeptisch gegenüber zu stehen.

"Pi" als Paukenschlag zu bezeichnen, finde ich treffend. Ein ungewöhnlich selbstsicheres Debüt und zugleich keine Vorwegnahme dessen, was dann noch kam/kommt. Und dabei auch noch sehr intelligent mit weitgehendem Verständnis philosophischer, mathematischer Bedeutungsebenen - das geht vielen anderen Verschwörungstheorie-Geschichten leider ab, die in Kulissenschieberei steckenbleiben.

"Requiem for a Dream" fand ich seinerzeit unerträglich, weil ich trotz der Überzeichnung emotional nah bei den Figuren war - entsprechend groß wurde der Schrecken gegen Ende. Später wirkte er dann auf mich mehr auf der Groteske-Ebene und weniger als die offensichtlichen Junkies wurde die Tablettensüchtige Mutter zu meiner Hauptfigur im Film. Zugleich bedeutete das dann weniger Emotionalität und größere Distanz.

"The Fountain" sah ich kürzlich (als "Vorbereitung" auf den Film der Woche) zum zweiten Mal und auf Englisch nach der dt. Premiere damals. Auf Deutsch funktionierte der Plot tatsächlich wesentlich kleischeehafter und oberflächlicher als nun auf Englisch. Visuell und Atmosphärisch ist der Film grandios. Und ein erzählerisches Wagnis - mehr als die Vorgänger. Er erzählt eine nicht neue emotional aufgeladene Krankheitsgeschichte in drei Perspektiven: der Verarbeitungsphantasie der Erkrankten, der Verarbeitungsphantasie ihres Partners (der, ja, sehr konstruiert, zufällig mögliche Heilmittel erforscht) und die sog, Realität. Ich erlebte ihn aber nicht als Kitsch, sondern als neuen künstlerisch gestalteten Zugang zu einer Liebeskonstellation, die vielleicht kitschig, aber nichtsdestotrotz auch wahr ist. Liebe und Tod sind immer große Worte und doch zugleich Themen des Menschen, die man nicht einfach so abtun oder als Schnulzenkitsch bagatellisieren sollte. Wer knutscht denn nicht gern im Sonnenuntergang? Großartig ist die Filmmusik des Kronos-Quartetts, die auch "Requiem for a Dream" schon bereichert hatten. Der Film ist was er ist, funktioniert für sich, ist keineswegs gescheitert.

"The Wrestler" ist ein hervorragend nüchternes Portrait. Verglichen mit den optischen Extravaganzen der vorigen Filme ist er geradezu minimalistisch und verlässt sich völlig auf Rourke. Zumindest scheint es so, denn eigentlich ist die Kamera mindestens ebenso präsent und lebendig wie die Hauptfigur des Films - da würde ich schon von einer filmerzählerischen Meisterleistung sprechen. Obwohl ich lange vor Veröffentlichung noch dachte: Aronofsky macht einen Wrestler-Film - und was gucke ich solange bis er seinen übernächsten Film macht? Wurde aber kein Sportlerfilm, das Genre wurde bloß Vehikel für eine vielschichtige Charakterdarstellung eines alternden Entertainers, der als Mensch wesentlich mehr drauf hat als seine Oberfläche zunächst vermuten lässt. Deshalb für mich ein beeindruckender Film.

Was auch ratz als Autorenfilmerschaft Aronofskys anspricht: hier ist ein Regisseur, der sich als stilsicherer, aber zugleich flexibler und wandlungsfähiger Erzähler treu bleibt. Und dabei mit "Black Swan" auch noch in der ganz großen amerikanische Liga lichtspielt. Das ist ungewöhnlich und bis auf weiteres sehenswert.
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

ratz

Zitat von: pm.diebelshausen am 28 September 2011, 20:42:22

"Requiem for a Dream" fand ich seinerzeit unerträglich, ... Später ... bedeutete das dann weniger Emotionalität und größere Distanz.


An meine Gefühle bei der Erstsichtung kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es ist gut möglich, daß schon damals emotional gar nicht so sehr berührt war (was, wenn man den Reviews glauben darf, oft der Fall zu sein scheint), evtl. gerade wegen der grotesken Überzeichnung des Elends usw. Mit ein bißchen Böswilligkeit könnte man A. direkt Zynismus unterstellen, ein so ernstes Thema so überzogen darzustellen ... aber dafür ist ja einfach zu nett. Mir hat es immer das größte Vergnügen bereitet (und das tut es immer noch), die ausgestellte Virtuosität der filmischen Techniken zu goutieren, und im Falle Burstyn auch deren schauspielerische Leistung, aber eben ganz distanziert. Und stimmt, die Musik hat ja noch mal eine quasi eigene Karriere gehabt und ist zum Klassiker geworden.

Zitat von: pm.diebelshausen am 28 September 2011, 20:42:22

"The Fountain" ... ist keineswegs gescheitert.


Hm, zugegeben bin ich mit dem Kitsch-Urteil vielleicht etwas kategorisch (siehe auch Malicks Tree of Life), aber das liegt eben an meiner Schulung durch und Vorliebe für den Realismus. Wenn schon poetisch/nicht-linear/experimentell, verlange ich einfach ein definiertes ästhetisches Konzept (müssen ja nicht gleich was titanisches wie Bergman oder Tarkowskij sein). Und das war mir bei The Fountain einfach nicht klar genug, oder ich habe es damals nicht erkennen können. Ich müßte dem Film eine neue Chance geben, aber Geld will ich dafür vorerst nicht bezahlen  :icon_mrgreen:

cu, r. (der sich freut, auf der Startseite aufzutauchen :-) )

barryconvex

30 September 2011, 01:26:52 #3 Letzte Bearbeitung: 1 Oktober 2011, 00:41:49 von barryconvex
Zynismus würde ich ihm bestimmt nicht unterstellen, denn er scheint für meinen Geschmack sehr an seinen Figuren zu hängen. Wobei es immer recht ähnliche Konstellationen von gescheiterten Träumern und Liebe zum Exzeß gibt. Kitsch kann ich bei The Fountain aber sehr gut nachvollziehen, weil sich das ebengesagte vielleicht auch auf seine Art des Filmemachens anwenden läßt: Mehr Bälle in die Luft werfen, als man auffangen kann. Die Auflösung in Pi, der sich den ganz großen Themen stellt (was doch sehr selten ist bei aktuellen Filmemachern), bleibt aus und in The Fountain fehlt für mich die dritte Dimension (der Zukunft) zu sehr. Wenn er vielleicht auch kein Mystiker ist, die Gefühle wie Sehnsucht und Verzweiflung sehe ich bei ihm genauso einmalig umgesetzt wie physischen Schmerz.
Ich könnte nachvollziehen, in ihm nur einen Kunsthandwerker zu sehen, weil er einfach einen irrsinnigen Aufwand in jedes Bild investiert.
Ich habe mir ehrlich gesagt nicht träumen lassen, als ich Pi das erste Mal sah, daß er innerhalb kürzester Zeit zu Oscarehren kommt.

pm.diebelshausen

Guten Morgen. Zu The Fountain: die Zukunft hat darin meines Erachtens nichts zu suchen, weil es auch nicht um die Vergangenheit und die Gegenwart geht. Der Ansicht, es gehe (auch) um Zeit, wie bei "Tree of Life" oder "2001" waren viele und vor dem Film und auch in Inhaltsangaben danach wurde das zwar verbeitet, ist aber nicht zutreffend. Es geht stattdessen um zwei Welten innerer Vorstellung von der dritten, nämlich der sozusagen faktischen. Die beiden Fantasie-Welten sind deshalb reizvoll, weil sie die meist anders dem Männlichen und dem Weiblichen zugeordnete Eigenschaften (ganz grob gesagt: männlich = handeln = erobern; weiblich = fühlen = Emotionalität) umkehrt. So ganz astrein ist meine Analogie in den Klammern zwar nicht, aber ich würde die Lateinamerika-Geschichte männlich und die Meditationsblasen-Geschichte weiblich nennen. Dabei ist es dann aber nicht der Mann, der die starke, handlungsbetonte Geschichte erzählt, sondern deie sterbende Frau. Der Mann verharrt eher hilflos in einer verständlichen Hoffnung, so unrealistisch sie auch sein mag. Deshalb ist er die Hauptfigur des Films. Jedenfalls geht es um innere Vorstellungswelten von und Haltungen gegenüber der Tatsache, dass der Mensch sterblich ist und zwar jetzt.
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

Dionysos

Na wenn schonmal über einen meiner Lieblingsregisseure gesprochen wird  ;)

Ich bin auf Aronofsky zum ersten mal aufmerksam geworden, als ich vor ca. 10 Jahren einmal "Pi" auf einem der Dritten gesehen habe - nicht zufällig, denn die Thematik um komplexe Mathematik, Verschwörungsfantasien und ins wahnhafte abdriftende Paranoia hat mich schon damals sehr interessiert - und tatsächlich haben sich der Film wie auch sein Macher auf Anhieb in mein Gedächtnis gebohrt (hö, hö).
Trotzdem dürfte es knapp 2 Jahre gedauert haben, bis ich mir dann auch "Requiem For A Dream" aus der Videothek geholt habe. Ohne jegliches inhaltliches Vorwissen. Was soll ich sagen, diese Sichtung ist mir bis heute als eines meiner emotionalsten Erlebnisse in Sachen Film in Erinnerung geblieben und hat mich ganz nebenbei zu meinem allersten Kurzkommentar in der OFDB verleitet.
Sehr schade, dass das nächste Werk dank seiner abenteuerlichen Produktionsgeschichte insgesamt gut sechs Jahre auf sich warten ließ. Als ich dann Anfang 2007 im Kino saß (einmalige Sondervorstellung im Rahmen einer Filmkunstreihe), war ich natürlicher voller Erwartungen, die auch von den vernichtenden Kritiken aus Cannes nicht getrübt werden konnten. Auch diesmal war ich von A.' kompromissloser Machart und dem spürbaren Herzblut, das in dem Projekt steckte, sehr fasziniert, auch wenn sich das Ergebnis, wie hier bereits angesprochen wurde, ein wenig in seinen vielen Denkansätzen verzettelt und einigen unterhaltungswilligen Mitmenschen im Publikum unfreiwillig ein paar humoristische Höhepunkte schenkte (don' t ask).
Mit "The Wrestler" hat A. dann, zumindest stilistisch, erstmal eine Kehrtwende vollzogen: Vom kunstvollen Bilderrausch zum beinahe naturalistischen Dokustil, der dank seines einzigartigen Spürsinns für die Innenwelt seiner Protagonisten wieder das intime Porträt einer körperlich wie mental geschundenen Persönlichkeit ist.
Mit einer ähnlichen Blaupause ging es dann ins Ballettmilieu, in dem statt eines muskulösen Ringkämpfers nun eine zierliche Tänzerin an die Grenze ihrer physischen und psychischen Belastung geht. Auch hier versteht sich der Filmemacher wie kein anderer auf die Darstellung eines seelischen Verfalls, der zunächst zunächst relativ harmlos beginnt und sich langsam in Wahn und Realitätsverlust steigert. Wenn man so will, bildet "Black Swan" auf diese Weise die thematische Quervernetzung zwischen "Pi", "Requiem" und "The Wrestler" und ist damit rückwirkend betrachtet ein ziemlich logischer Teil von A.'s Gesamtwerk.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mich bislang ausnahmslos jede von Aronofskys Arbeiten in seinen Bann ziehen konnte - auf unterschiedliche Weise, versteht sich. Seine beiden Erstlinge faszinierten mit konsequent fatalistischer Grundhaltung und einer regelrechten initiatorischen Sogwirkung, die den Zuschauer den Niedergang der Figuren intensiv spüren lässt, "The Fountain" mit seiner berauschenden Bildersprache, "The Wrestler" und "Black Swan" vor allem durch starke Hauptdarsteller, aus denen der Regisseur das letzte herauszuholen verstand. All das macht ihn - zumindest für mich -  zu einem der spannendsten Filmschaffenden der Gegenwart.

Zitat von: ratz am 29 September 2011, 18:05:53
Zitat von: pm.diebelshausen am 28 September 2011, 20:42:22
"Requiem for a Dream" fand ich seinerzeit unerträglich, ... Später ... bedeutete das dann weniger Emotionalität und größere Distanz.
An meine Gefühle bei der Erstsichtung kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es ist gut möglich, daß schon damals emotional gar nicht so sehr berührt war (was, wenn man den Reviews glauben darf, oft der Fall zu sein scheint), evtl. gerade wegen der grotesken Überzeichnung des Elends usw. Mit ein bißchen Böswilligkeit könnte man A. direkt Zynismus unterstellen, ein so ernstes Thema so überzogen darzustellen ... aber dafür ist ja einfach zu nett. Mir hat es immer das größte Vergnügen bereitet (und das tut es immer noch), die ausgestellte Virtuosität der filmischen Techniken zu goutieren, und im Falle Burstyn auch deren schauspielerische Leistung, aber eben ganz distanziert. Und stimmt, die Musik hat ja noch mal eine quasi eigene Karriere gehabt und ist zum Klassiker geworden.

Wie man meinen obigen Worten entnehmen kann, bin ich da eher auf pms Wellenlänge - gerade die berüchtigten letzten 20 Minuten sind mir damals unglaublich auf den Magen geschlagen und den grandiosen Score von Clint Mansell kriegt man ohnehin nie wieder aus dem Ohr (letzterer leistet ohnehin - ähnlich wie die zuletzt grandiosen Schauspieler - einen nicht unerheblichen Beitrag zur Güteklasse der Filme). Klar ist "Requiem" überzeichnet, aber die vielen Stilmittel (der "lebende" Kühlschrank ode die Gameshowsequenzen) sind hier ein perfekt eingesetztes Mittel, dem Zuschauer die Auswirkungen von sich langsam entwickelnder Sucht und den bösartigen Folgen emotional begreiflich zu machen.
God doesn't make the world this way. We do. - Watchmen

Sometimes, I guess there just aren't enough rocks. - Forrest Gump

It doesn't take much to see that the problems of three little people don't amount to a hill of beans in this crazy world. Someday you'll understand that. - Casablanca

ratz

Zitat von: Dionysos am 30 September 2011, 17:21:08

Wenn man so will, bildet "Black Swan" auf diese Weise die thematische Quervernetzung zwischen "Pi", "Requiem" und "The Wrestler" und ist damit rückwirkend betrachtet ein ziemlich logischer Teil von A.'s Gesamtwerk.


Ja, absolut. Ich seh es schon wieder kommen, daß mich der Thread hier zum unkontrollierten Geldausgeben anstiftet ... aber das hab ja bisher auch nicht bereut  :icon_mrgreen:

Vielleicht traut sich ja hier niemand, seiner ggf. vorhandenen A.-Abneigung Luft zu machen, aber ein Ort, wo man so etwas ganz zuverlässig findet, ist dieser Blog. Jaja, alte(r) Bekannte(r). Ich hab ihn vor zwei oder drei Wochen überflogen, als ich Requiem gesehen hatte, hab den Kopf geschüttelt und jetzt keine Lust noch mal reinzuschauen (weil allein der dort gepflegte Jargon geeignet ist, mir selbst um diese Uhrzeit den Morgenkaffee wieder hochzudrücken), aber könnt Ihr die dort vorgebrachten Argumente nachvollziehen oder sogar teilen? D. h. wenn Ihr unter dem Haufen selbstverliebten Formulierungsgespreizes ein Argument hervorkratzen könnt? Werde ich gerade unsachlich oder tendenziös? Die letzte Frage war rhetorisch  :icon_rolleyes:


barryconvex

1 Oktober 2011, 00:45:31 #7 Letzte Bearbeitung: 1 Oktober 2011, 00:48:29 von barryconvex
Bisher hat A. noch niemand mit irgendjemandem verglichen oder ihn als Erben von jemand anderem gesehen, was ich bemerkenswert finde. The Wrestler und Black Swan waren übrigens nach A.s Aussagen, so etwas wie ein Dipytchon, oder zwei komplementäre Teile.

McClane

Ganz interessant finde ich die unter anderem von diesem Text zu "Black Swan" aufgestellte These, dass es in A.'s Filmen immer um das Scheitern seiner Protagonisten geht. Hier mal meine ungeordneten Gedanken, wobei ich nur "Black Swan" kürzlich gesehen habe und "The Fountain" noch gar nicht.

Zu "Pi" will ich lieber auch nichts sagen, den habe ich in sehr jungen Jahren geschaut, war nicht so begeistert davon, aber kann sehr gut sein, dass ich damals altersbedingt nix damit anfangen konnte. Muss unbedingt erneut gesichtet werden.

"Requiem for a Dream" ist ein spannender Fall: Ich halte ihn für einen sehr guten Film und möchte ihn trotzdem kein zweites Mal sehen. Die Gradlinigkeit, mit welcher der Weg der Protagonisten in den Abgrund verläuft, und vor allem natürlich die finale Montage, die gleich vierfaches Scheitern aufs unangenehmste zusammenschneidet, erzeugen ziemlich großes Unwohlsein, von dem auch die Stilisierung meines Erachtens nicht ablenkt - womit er aber vielleicht genau die Wirkung entfaltet, die er entfalten will.

"The Wrestler" sehe ich dann als den großen A.-Film an: Nüchternd, bewegend, toll gespielt und mit so vielen kleinen Gesten, die trotzdem soviel Bedeutung haben, wie z.B. das Videospielen mit dem Kind (Generation X-Box contra Generation NES, oder eher sogar Generation Prä-NES). Sowieso als Teil der Männlichkeit-in-der-Krise-Filme, die ja seit Anfang der 90er immer wieder in die Kinos kommen ein interessantes Puzzleteil. Mal ganz abgesehen davon, dass das Filmende gleichzeitig so simpel und so bewegend wie kaum etwas ist, das in den letzten Jahren über die Leinwände flimmerte, und der Titelsong von Bob Dylan ist ebenfalls schlicht und einfach brillant.

Von "Black Swan" war ich dann weniger angetan. Kein schlechter Film, toll gespielt und stellenweise virtuos inszeniert, aber angesichts des Hypes schon eine kleine Enttäuschung, zumal der Film stellenweise wirklich in die Rubrik "Arthouse for Dummies" kippt, gerade im Bereich Farbsymbolik: Die gute Tänzern trägt immer weiß, die verruchte immer schwarz und dann, wenn die reine Schönheit so langsam das Terrain der verruchten betritt, dann zieht sie natürlich vorher ein schwarzes Kleidungsstück unter, das sie von ihrer Rivalin bekommen hat. Heissa, wie subtil. Ein Polanksifilm für alle, die noch nie Polanksifilm gesehen haben, wäre vielleicht etwas harsch, aber nach "The Wrestler" hatte ich mehr von A. erwartet.
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

pm.diebelshausen

Jetzt besprechen wir schon fünf Filme gleichzeitig und das war's schon wieder an Beiträgen? Gibt es denn Niemanden, der Aronofskys Filme scheiße findet und das begründen mag? Ist ja kein Die-Filmverehrung-der-Woche-Thread - wäre schöner, wenn es mal wieder mehr Diskussionen gäbe. Zefix!
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

ratz


Zitat von: pm.diebelshausen am  7 Oktober 2011, 22:52:14

Gibt es denn Niemanden, der Aronofskys Filme scheiße findet und das begründen mag?


Die trauen sich nicht, weil es nämlich äußerst schwer wäre, das auch solide und glaubhaft zu untermauern. :icon_mrgreen: Ab einem bestimmten Qualitätsniveau, behaupte ich mal, läuft es nur noch auf persönliche Geschmacksurteile oder Präferenzen hinaus. Denn auf handwerklicher oder Story- oder sonst einer Ebene kann man A. für die meisten seiner Filme so leicht keinen Strick drehen.

Aber ich stehe gerade unter Einfluß, denn vorhin hab ich Black Swan aus dem Kasten gefischt und mir eben reingezogen. Bin genauso geplättet wie nach dem Kinobesuch, das ist einfach ein unglaublich guter Film (mein verlinktes eigenes Posting oben hat übrigens Spoilertags, pm. ;) – ich kann es beruhigt so stehen lassen), absolut stilsicher, mitreißend, hemmungslos, und in seiner Hybridität als Ballett-Psycho-Thriller-Drama ein wirklich rundes Ding. Wie bitte, lauter Genrezitate, nichts wirklich Neues drin? Genau, aber wurden sie jemals so gekonnt ineinandergewoben? Na also. An der Kameraführung in den Tanzszenen werden sich zukünftige Filme dieses Sujets messen lassen müssen, keine Frage. Anders als in z.B. Requiem kriegt mich A. hier auch emotional, ich gebe es zu. Macht aber Spaß  :respekt:

cu, r.

barryconvex

Zitat von: pm.diebelshausen am  7 Oktober 2011, 22:52:14
Jetzt besprechen wir schon fünf Filme gleichzeitig und das war's schon wieder an Beiträgen? Gibt es denn Niemanden, der Aronofskys Filme scheiße findet und das begründen mag? Ist ja kein Die-Filmverehrung-der-Woche-Thread - wäre schöner, wenn es mal wieder mehr Diskussionen gäbe. Zefix!
OK, No Time http://www.ofdb.de/film/204622,No-Time
ist eher Filmen auf Sparflamme, anscheinend viel improvisiertes Schauspielern, verblüffend banaler Humor (der ihm später komplett abhanden gekommen scheint), dafür ein dominierender Einfluß von Musik, inhaltlich und erzählerisch. Es gibt darin eine Szene, in der jemand beim WG-Charadespiel daran verzweifelt, daß seine Mitbewohner seinen Symbolismus nicht verstehen, mit dem er versucht, Jaws symbolisch darzustellen.

Crumby Crumb & the Cunty Bunch

Zitat von: pm.diebelshausen am  7 Oktober 2011, 22:52:14

Gibt es denn Niemanden, der Aronofskys Filme scheiße findet und das begründen mag?


Die haben keine Lust. Denn Film der Woche ist wie Hausaufgaben; es fällt Liebhabern leichter, sie zu erledigen und alle anderen drücken sich.
'Are you talkin' to me? You talkin' to me?' - Raging Bull, Pacino. Love that movie!

pm.diebelshausen

Oha, dann gibt es im Forum etwa zehn bis zwanzig Filmliebhaber.  :icon_mrgreen: Hehe. Aber der Vergleich mit Hausaufgaben passt schon, verstehe ich. Aber so ein Thread macht trotzdem mehr Spaß, wenn auch Dinge kommen, die man noch nicht vorher wusste.

No Time habe ich nie gesehen - wo gab's den denn mal? Ebenso würde ich Protozoa gerne mal sehen. Da muss man also schon tiefer in die Klamottenkiste greifen, um was gegen Aronofsky ins Feld führen zu können?

@ratz: hast Du eigentlich Pina von Wim Wenders gesehen? Von dem erhoffe ich mir auch kongeniale Kamerarbeit zum Tanz - und Black Swan liegt jetzt auf meinem Demnächst-Stapel. Solange warte ich noch mit irgendwelchem Lesen.
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

ratz

Zitat von: McClane am  1 Oktober 2011, 13:29:25

Von "Black Swan" war ich dann weniger angetan...


Ach, darauf habe ich noch vergessen einzugehen. Hier würde ich auf mein Eingangsstatement von der anspruchsvollen Unterhaltung zurückkommen. Black Swan ist in erster Linie, und das verleugnet er auch nicht, ein Unterhaltungsprodukt, mit ein paar nicht allzu komplexen Symbol-Boni für Leute mit Hintergrundwissen/-interesse. Das finde ich legitim, schon deshalb, weil es in meinen Augen so wunderbar funktioniert. Klar war Pi um einiges vielschichtiger – aber er hat eben auch viel weniger Leute erreicht und ging als Festivalfilm von ganz anderen Prämissen aus. Black Swan ist ein Multiplex-Film mit entsprechenden Zugeständnissen an den Mainstream. Das macht ihn erfolgreich und am Ende auch rentabel.
Wenn ich A. konsumiere, erwarte ich (inzwischen) keinen knallharten Arthouse; den kriege ich woanders und u. U. sogar besser, als A. es je könnte. Vielleicht war das ja sogar das Problem von The Fountain, daß der Balanceakt nicht geklappt hat und A. entweder die Zugeständnisse an den Normalseher nicht machen konnte oder aber gerade die Zugeständnisse die Konstruktion vermasselt haben, wer weiß (immer unter der Annahme, daß The Fountain mißlungen ist  :icon_mrgreen:).

Zitat von: pm.diebelshausen am 10 Oktober 2011, 02:04:02

@ratz: hast Du eigentlich Pina von Wim Wenders gesehen? Von dem erhoffe ich mir auch kongeniale Kamerarbeit zum Tanz -


Ach, der Wenders ist (Achtung, Geschmacksurteil) nicht mein Lieblingsregisseur, und der ganze Hype um die Bausch und dann noch ein reiner Tanzfilm ... Jedenfalls war ich nicht drin, würde ihn mir aber wenn, dann in 3D sogar anschauen.

cu, r.

MäcFly

Zitat von: ratz am 10 Oktober 2011, 12:53:08
Zitat von: McClane am  1 Oktober 2011, 13:29:25

Von "Black Swan" war ich dann weniger angetan...


Ach, darauf habe ich noch vergessen einzugehen. Hier würde ich auf mein Eingangsstatement von der anspruchsvollen Unterhaltung zurückkommen. Black Swan ist in erster Linie, und das verleugnet er auch nicht, ein Unterhaltungsprodukt, mit ein paar nicht allzu komplexen Symbol-Boni für Leute mit Hintergrundwissen/-interesse.

Das ist sicher immer eine Frage der persönlichen Sichtweise, aber für mich wollte Aronofsky mit "Black Swan" mitnichten ein Unterhaltungsprodukt schaffen: Er betont doch in jeder zweiten Einstellung die Doppelbödigkeit und Tiefsinnigkeit seines Werkes (Spiegelungen in Fensterscheiben, die schon angesprochene s/w-Farbsymbolik), ohne damit irgendetwas auszusagen, was der Zuschauer nicht auf den ersten Blick erkennt. Ich würde mit dem Film nicht so hart ins Gericht gehen wie der ein oder andere im entsprechenden Thread zum Film, aber Aronofsky kann mit "Black Swan" letztendlich nicht das einlösen, was er verspricht. Handwerklich fand ich den Film nicht schlecht - was mich nur nervt, ist der Hype, der um einen grundsätzlich unterhaltsamen, aber auch völlig anspruchslosen Thriller gemacht wird (ging mir bei "Inception" ähnlich).

Zitat von: McClane
Mal ganz abgesehen davon, dass das Filmende gleichzeitig so simpel und so bewegend wie kaum etwas ist, das in den letzten Jahren über die Leinwände flimmerte, und der Titelsong von Bob Dylan ist ebenfalls schlicht und einfach brillant.

Hm, ist das nicht vom "Boss"?

"The Wrestler" sehe ich ebenfalls als besten Aronofsky-Film - sehr zurückhaltend und sorgfältig inszeniert, sich völlig der Geschichte unterordnend und mit sehr stillen, bedrückenden Szenen wie der von McClane angesprochenen NES vs. X-Box Sequenz.

Zu den restlichen Aronofskys:
"The Fountain" kenne ich noch nicht, "Requiem for a Dream" hat mich vor 7 bis 8 Jahren total beeindruckt (das wäre heute anders, der würde bei einer erneuten Sichtung sicher deutlich abbauen), "Pi" taugt durchaus als Mindfuck-Rausch, zielt aber an meinem persönlichen Geschmack vorbei.

Alles in allem: Solider Regisseur, aber ordentlich überschätzt.  ;)
"Man muss immer darauf achten, dass man ein gewisses Niveau nicht unterschreitet - sonst ist es schnell aus."

"Wenn man Mubarak heißt oder Kosslick, dann kann man alles machen." (Uwe Boll)

McClane

Ah, meinte natürlich Bruce Springsteen, den Boss.

Und deine Ausführungen zu "Black Swan" sehe ich ähnlich. Ich würd den auch nicht so niedermachen, wie es oft mit ihm gemacht wurde, aber ähnlich wie du hatte ich das Gefühl, dass sich "Black Swan" stellenweise für etwas smarter hält als er tatsächlich ist.
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

pm.diebelshausen

31 Oktober 2011, 12:54:49 #17 Letzte Bearbeitung: 31 Oktober 2011, 13:04:04 von pm.diebelshausen
Da ich Black Swan jetzt auch gesehen und daraufhin hier und dort nochmal gelesen habe:

Sehr gut gefällt mir ratz' Hinweise zur Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts und ihrer Zutaten. Stimmungsmäßig wirkte der Film auch auf mich, als habe Tschaikowski den "Sandmann" vertont und in einem schummrigen, schauerlich lebendig werdenden Panoptikum zur Aufführung gebracht.

Die Nähe zum Wrestler ist deutlich sichtbar: die Kamera (folgend und umkreisend - und ein handwerkliches Meisterstück, denn die visuelle Aufbereitung dieser tanzenden Menschen in beiden Filmen ist nichts Leichtes) ist aus demselben Guss - erstaunlich, da zwar von Aronofskys Stammkameramann, der hat aber gerade beim Wrestler eben nicht fotografiert!; ein trockener Realismus im Design, der auch bei den Showmomenten (hier: Bühne, dort: Ring) nicht in übersteigerte oder entrückte Bilder übersetzt wird wie es sie in Requiem oder Fountain gibt; ein sehr spezielles, spezialisiertes Milieu, innerhalb dessen sich die Hauptfigur fremd wird. Darüber hinaus als wiederkehrendes Haupthema Aronofskys in all seinen Filmen (neben dem von McClane angesprochenen Scheitern): der versehrte, verletzte Körper, die Selbstzerstörung des Körpers, der geschundene Körper, die Ambivalenz des Ästhetischen im schönen und zugleich hässlichen Körper.

All das finde ich in Black Swan wieder - und deshalb wundert es mich dann doch, warum der Film nun so viel Aufmerksamkeit gefunden hat. Ungleich größere Aufmerksamkeit als die vorigen Aronofskys, obwohl er sich in jeder Hinsicht (!) bruchlos in dessen Filmografie einreiht. Das ist nicht mehr und nicht weniger Arthouse oder Multiplex als die Filme Pi bis Wrestler, finde ich, und z.B. nicht zu vergleichen mit dem völligen Auseinanderdriften der Arthouse- und der Mainstream-Filme eines Gus van Sant. Ich gönne Aronofsky ohne Zaudern die Publicity und freue mich, dass er sich treu bleibt, aber irgendein Missverständnis oder Promotionhype vermute ich schon dahinter. Aber gut: wenn in den großen Kinos jetzt auch Geschichten geguckt werden, die nicht so leicht zu verdauen sind und in denen dem Zuschauer nicht alles im Dialog zugerufen wird, was er wissen muss, wenn also der Zuschauer mit mehr Fragen als Antworten aus dem Multiplex herauskommt, soll es mir sehr Recht sein!

Aufgefallen ist mir, dass Black Swan einen ganz natürlich wirkenden Erzählfluss hat. Wo Requiem auf augenfälligeren, dramatischen Rhythmus setzt und Wrestler bereits einen stillen Flow entwickelt, wirkt Black Swan auf mich ganz selbstverständlich und unausweichlich konsequent und überhaupt nicht vordergündig trotz der zugegeben recht einfachen Polarität einiger Erzählelemente. Das heißt: der Film ist grandios editiert! Was die einfachen Erzählelemente und eine Oberflächlichkeit betrifft: das persönliche Problem der Hauptfigur ist im Wrestler oberflächlicher und sitzt in Black Swan psychologisch katastrophal tiefer - und so einfach würde ich das auch nicht sehen, immerhin erzählt der Film nicht entweder-oder sondern die Gleichzeitigkeit von Schwarz und Weiß: wo die Farbsymbolik optisch mit diesen beiden Farben arbeitet, muss ich den Film in der Gesamtheit doch zugestehen, dass er vom Grau erzählt.

Noch zwei Vergleiche: ein wenig hat mich der Film an von Triers Antichrist erinnert, wohl wegen der souveränen Nutzung von Genrekonventionen für etwas sehr Eigenes, vielleicht auch wegen der mal unterschwelligen, mal grafischen Sexualität und ihrer Bedrohlichkeit, vielleicht auch wegen dem suggestiven Einsatz der Tonspur - insgesamt also wegen der beständigen Bedrohlichkeit, die mir beide Filme nahebrachten. Und in dieser Hinsicht besteht dann Aronofsyks Diptychon aus Wrestler und Black Swan im männlichen und weiblichen Prinzip, das er filmisch in The Fountain vereint hatte.

Und der andere Vergleich: ich muss nochmal Lnychs Inland Empire ansehen!
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

ratz


Da bin ich quasi erleichtert, daß Black Swan noch ein bißchen Unterstützung kriegt  ;) Von einem Hype habe ich irgendwie vorher nichts mitbekommen (vermutlich frequentiere ich die falschen Netzseiten/Freunde/Printmedien), ich wußte nur ziemlich schnell, daß mich dieser Film ins Kino ziehen würde, zumal bei dem Regisseur und dem Sujet.

Was ich noch nicht nachvollziehen kann, ist das mit-verschränkten-Armen-und-grimmig-Kucken in solchen Aussagen:

Zitat von: McClane am  1 Oktober 2011, 13:29:25
"Arthouse for Dummies"


Zitat von: MäcFly am 10 Oktober 2011, 15:03:39
Aronofsky ... betont doch in jeder zweiten Einstellung die Doppelbödigkeit und Tiefsinnigkeit seines Werkes, ohne damit irgendetwas auszusagen, was der Zuschauer nicht auf den ersten Blick erkennt.

Da schwingt irgendwie ein Eingeschnapptsein mit, so in der Art: "Oh, jetzt geht es um hohe Kunst, da dürfen wir Normalos nix verstehen, haben wir aber trotzdem, ätsch!" – Also wer sich nicht amüsieren will, der muß es auch nicht  :icon_mrgreen:

cu, r.

pm.diebelshausen

31 Oktober 2011, 15:35:59 #19 Letzte Bearbeitung: 31 Oktober 2011, 15:38:21 von pm.diebelshausen
Ich fand schon, dass es (mindstens) verglichen mit den vorigen Aronofskys eine Art Hype gab. Wenn ich bedenke, in welchen Kinos die vorigen Filme überhaupt aufgeführt wurden, und dann Black Swan in den großen Filmkonsumtempeln. The Fountain sah ich in der Kölner Filmpalette, ich weiß nicht mehr in welchem der beiden Säle, ist aber egal: der eine hat 70, der andere 45 Plätze! Dazu noch die Präsenz in Printmedien und nicht nur Filmmagazinen (gab es beim Wrestler auch schon, aber jetzt noch verstärkt). Plus natürlich die Nominierungen und Auszeichnungen. Und da frage ich mich, warum erst jetzt. Ja: wenigstens kommt die breite Filmlandschaft nun auch auf den Aronofsky-Trichter, aber: ich fürchte, seinem nächsten Film droht dann das in eben dieser breiten Filmlandschaft so gern zelebrierte Zerfleischen. Und das würde ich ihm nun gar nicht gönnen.
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

Discostu

Dann gebe ich auch mal meinen Senf ab (wenn auch vielleicht etwas zu kurz und unbegründet, wie meine Hausaufgaben früher auch immer ;) ).

Generell würde ich wohl immer ins Kino gehen, wenn ein neuer Aronofsky läuft, denn interessant und schön anzusehen waren die Filme von ihm, die ich bisher gesehen habe, eigentlich immer. Dennoch würde ich ihn nicht unbedingt zu meinen Lieblingsregisseuren zählen, denn ich hatte auch fast immer irgendetwas auszusetzen.

In Pi haben mich das letzte Drittel und die Auflösung der Geschichte enttäuscht, The Wrestler fand ich tendenziell ein bisschen zu langweilig, während ich Black Swan zwar ungeheuer spannend, stellenweise aber etwas zu trashig fand (z.B. die Verwandlung mit den brechenden Beinen oder die Nagelfeilen-Attacke). Lediglich Requiem for a Dream war meiner Meinung nach rundum gelungen (mal ein Drogenfilm nach dem man am liebsten nicht mal mehr ne Kopfschmerztablette nehmen möchte), wobei ich den auch nur ein Mal gesehen habe und das vor etlichen Jahren. The Fountain kenne ich noch nicht.

Insgesamt gehört für mich Aronofsky aber dennoch zu den besten aktuellen amerikanischen Mainstream-Regisseuren, die mir so auf Anhieb einfallen. Um mal einen (vielleicht unpassenden) Vergleich zu ziehen, finde ich Christopher Nolans Gesamtwerk insgesamt dennoch überzeugender, weil seinen Filmen zwar die Arthouse-Elemente fehlen, sie dafür aber insgesamt irgendwie runder wirken und immer enorm spannend sind (was für mich ein wichtigerer Faktor für die Bewertung eines Filmes ist, als es vielleicht sein sollte).

MMeXX

Ich habe mir nun endlich mal Requiem for a Dream zu Gemüte geführt. Musik gut, ca. die Hälfte des Schauspielerquartetts mit eindringlichen Leistungen, höchst interessante visuelle Umsetzung (Kühlschrank-Phobie...). Aber ich hadere stark mit dem Ende. Ich kann nachvollziehen, dass alle ihre Träume begraben müssen (außer vielleicht bei Tyrone, der wollte nur reich werden, oder?). Doch die Konsequenzen, mit denen die vier leben müssen, sind für meinen Geschmack zu zahm. Tyrone macht Zwangsarbeit. Für ihn gibt es also knallharten Entzug, aber definitiv damit auch die Chance, vielleicht doch nochmal Halt zu finden. Harry wollte mit seiner Freundin glücklich werden und ein Geschäft aufmachen. Ergebnis: Freundin weg, Traum aus, Arm ab. Auch er hat meiner Meinung nach Chancen - zumindest teilweise - wieder in die Gesellschaft reinzukommen. Marion: was wollte sie denn tatsächlich? Echte Anstrengung, ihren Traum zu verwirklichen, konnte ich nicht ausmachen. Da sind ein paar Zeichnungen malen irgendwie zu wenig. Klar, sie lebt durch die Schönheit ihres Körpers (bzw. gelangt dadurch an den Stoff), die sicher schnell vergehen wird, hat aber trotzdem das Zeichen-Talent. Schwierig, aber nicht aussichtslos. Bleibt noch Sara. Ja, auch sie hat es extrem gebeutelt und gerade mit der erzählten Isolation/Einsamkeit wirkt ihr Suchtverhalten auch nachvollziehbar. Ohnehin fand ich "ihre" Geschichte noch am beeindruckendsten (Arztpraxis, der neue Fernseher ist nie wirklich an, Kühlschrank, Show wird "real"). Dennoch hat sie durch ihre Mitbewohner aus meiner Sicht die Chance, halbwegs soziale Kontakte zu pflegen und ihren Sturz zu überwinden.

Ich habe einfach den Eindruck, dass allen Protagonisten noch Wege offenstehen und sie nicht endgültig am Boden sind. Und das erscheint mir dann doch zu hoffnungsfroh bzw. inkonsequent angesicht der Thematik.

Inspektor Yuen

Gemessen an dem Zeitraum von einem Jahr (ich mag übrigens die Symbolik der einzelnen Jahresabschnitte, vom poppigen Summer zum "Fall") finde ich die Schicksalsschläge schon recht hart. Ein Heroinjunkie stirbt in der Regel nicht innerhalb eines Jahres an seiner Sucht.
Marion scheint sich ihrer neuen Priorität angepasst zu haben, wenn man ihre letzte lächelnde Szene ansieht.
Ob Sara nach dieser Maßnahme und der letzten Sequenz tatsächlich noch in der Lage sein wird soziale Kontakte zu halten, bzw die Omis da nochmal hingehen ist auch fraglich. Harry hat die Liebe seines Lebens verloren- und seinen Arm, lediglich Tyrone hat ganz gute Chancen allerdings schien mir seine Sucht nicht sonderlich ausgeprägt gewesen zu sein. Schließlich war er der einzige der wirklich mit seinem Geld haushalten konnte.


Meine absolut emotionalste Szene ist übrigens das Telefonat zwischen Harry und Marion.. "Wann kommst du wieder? -Bald.. Gehts nicht schon heute? -Ja, ich komme heute"
Da schossen mir regelmäßig die Tränen in die Augen..
"Wenn ich jetzt sterben würde, was würdest du machen?" -"Ich würd dich nicht sterben lassen!"

Mr. Blonde

6 März 2014, 21:34:42 #23 Letzte Bearbeitung: 6 März 2014, 21:42:22 von Mr. Blonde
@ MMeXX

Du siehst das irgendwie zu "nüchtern", finde ich. Natürlich ist bloßes Talent etwas schönes und wenn man es behält, kann man damit auch etwas anfangen. Was hat man aber von den besten Chancen, wenn die Psyche völlig im Eimer ist? Seine Freundin und seinen Arm zu verlieren, können jemanden zerstören. Andere wachsen dadurch vielleicht.

Meine Mutter hatte einen ähnlichen psychischen Leidensweg (dazu kamen unzählige Medikamente, die sie in ihren letzten Jahren nehmen musste. Einzige Beschäftigung: täglicher Fernsehkonsum) hinter sich, wie die alte Dame in dem Film, von daher kann ich Dir nur sagen: Du stellst Dir das vielleicht zu einfach vor. Wenn Körper und Psyche so im Eimer sind, man nicht mal mehr Kontrolle über sich selbst hat, dann sind soziale Kontakte sicherlich nicht schädlich, aber auch kein Garant um aus so einem Loch rauszukommen. Der täglich notwendige Medikamentencocktail tut seinen Rest.

Die Frau war eine Hülle und ein Schatten ihrer selbst, das zeigt der Film beeindruckend. Irreparabel. Um da überhaupt irgendwelche Möglichkeiten zu sehen, muss man schon ein ziemlicher Optimist sein.


Zitat von: Inspektor Yuen am  6 März 2014, 21:23:01
Gemessen an dem Zeitraum von einem Jahr (ich mag übrigens die Symbolik der einzelnen Jahresabschnitte, vom poppigen Summer zum "Fall") finde ich die Schicksalsschläge schon recht hart. Ein Heroinjunkie stirbt in der Regel nicht innerhalb eines Jahres an seiner Sucht.

Das ist ja das schlimme: ein "Heroinjunkie" muss überhaupt nicht ernsthaft (von der Sucht abgesehen) erkranken, sondern kann sein ganzes Leben damit versauen.


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Stefan M

7 März 2014, 16:37:09 #24 Letzte Bearbeitung: 7 März 2014, 16:40:47 von Stefan M
Die finale Winterepisode von "Requiem for a Dream" ist schier meisterhaft und gleichzeitig so niederschmetternd, wie ich es selten bei einem Film erlebt habe. Wenn ich nur dran denke, zieht sich mir in der Magengegend alles zusammen. Inspektor Yuen hat bereits den herzzerreißendsten Moment geschildert.

Harry weiß genau, daß er Marion verloren hat - und sie weiß es auch und prostituiert sich deshalb, nur um an eine beknackte Tüte mit weißem Pulver zu kommen, die dann wieder für ein paar Tage reicht. Und dann? Ich sehe da wirklich nicht den geringsten Hoffnungsschimmer, daß sie sich aus ihrem Dilemma befreien kann (sie "kuschelt" ja am Ende regelrecht mit der Tüte, Drogen als Freund-Ersatz - bis die nächste Ernüchterung kommt, wenn sie ausgegangen sind). Allerdings muß ich sagen, daß die Szene im Krankenhaus, als Harry nach der Armamputation aus seinem Traum erwacht und von der Krankenschwester zu beruhigen versucht wird, geradezu einer Erlösung gleich kommt. Man wird zwar nach dem Traum auch sofort wieder in die traurige Realität zurückgestoßen, aber wenigstens ist der schnittgewitterige Höllentrip der letzten Viertelstunde endlich vorbei.

Tatsächlich scheint mir Tyrone noch am besten aus der Sache herauskommen zu können, weil seine Sucht nicht so ausgeprägt war. Am Filmende allerdings muß er sich mit der Gewißheit herumplagen, seine Mutter bitterlich enttäuscht zu haben, auch wenn die davon nichts mitkriegt. Seine Schuldgefühle plagen ihn, wie ja die letzte Szene in seiner Zelle andeutet. Für Sara sehe ich überhaupt keine Chancen mehr. Die wird in einem Pflegeheim ihre letzten paar Jahre verleben.

Was man übrigens meines Erachtens kritisieren könnte, ist die allgemeine Inszenierung der gnadenlosen Abwärtsspirale, in der mehrfache Elektroschocks (und bei jedem Elektroschock heult die brilliante Musik neu auf), Selbsterniedrigung vor einer johlenden Männermeute oder Zwangsarbeit, bis die Kotze kommt, als Parallelmontage präsentiert werden, was dann schon den Eindruck vermittelt, der Film würde sich in seinen Schockbildern und dem Schicksal seiner Protagonisten unglaublich gefallen, sich regelrecht darin suhlen.
Andererseits ist das erstens für die Wirkung nötig und fällt zweitens für mich auch überhaupt nicht ins Gewicht, weil die ganze Sequenz einem den Boden unter den Füßen wegzieht und die Kehle zusammenschnürt.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

whitesport

Zitat von: MMeXX am  6 März 2014, 13:31:16
Ich habe einfach den Eindruck, dass allen Protagonisten noch Wege offenstehen und sie nicht endgültig am Boden sind. Und das erscheint mir dann doch zu hoffnungsfroh bzw. inkonsequent angesicht der Thematik.

Nun ja, die Träume der Protagonisten wurden doch recht effektiv zu Grabe getragen, nichts anderes soll der Filmtitel ja implizieren.

MMeXX

Zitat von: whitesport am 11 März 2014, 11:51:04
Zitat von: MMeXX am  6 März 2014, 13:31:16
Ich habe einfach den Eindruck, dass allen Protagonisten noch Wege offenstehen und sie nicht endgültig am Boden sind. Und das erscheint mir dann doch zu hoffnungsfroh bzw. inkonsequent angesicht der Thematik.

Nun ja, die Träume der Protagonisten wurden doch recht effektiv zu Grabe getragen, nichts anderes soll der Filmtitel ja implizieren.
Den Gedanken hatte ich natürlich auch schon. In der Hinsicht wird das natürlich - größtenteils - eingelöst. Dennoch erscheint mir das Ende eher als Zwischenstation, nicht wie ein richtiges Ende. Denn wie oben erläutert sind aus meiner Sicht noch immer Möglichkeiten vorhanden, sogar die gezeigten Träume zu verwirklichen. Ich behaupte nicht, dass es leicht/einfach wäre, aber möglich. Mag sein, dass ich zu optimistisch rangehe, aber ich habe einfach Schlimmeres erwartet.

Mr. Blonde

Zitat von: MMeXX am 21 März 2014, 17:34:32
Zitat von: whitesport am 11 März 2014, 11:51:04
Zitat von: MMeXX am  6 März 2014, 13:31:16
Ich habe einfach den Eindruck, dass allen Protagonisten noch Wege offenstehen und sie nicht endgültig am Boden sind. Und das erscheint mir dann doch zu hoffnungsfroh bzw. inkonsequent angesicht der Thematik.

Nun ja, die Träume der Protagonisten wurden doch recht effektiv zu Grabe getragen, nichts anderes soll der Filmtitel ja implizieren.
Den Gedanken hatte ich natürlich auch schon. In der Hinsicht wird das natürlich - größtenteils - eingelöst. Dennoch erscheint mir das Ende eher als Zwischenstation, nicht wie ein richtiges Ende. Denn wie oben erläutert sind aus meiner Sicht noch immer Möglichkeiten vorhanden, sogar die gezeigten Träume zu verwirklichen. Ich behaupte nicht, dass es leicht/einfach wäre, aber möglich. Mag sein, dass ich zu optimistisch rangehe, aber ich habe einfach Schlimmeres erwartet.

Dann hätten die wohl lieber gleich allen die kompletten Arme und Beine amputieren sollen, zur Sicherheit noch eine Lobotomie dazu. Wobei selbst dann sicherlich noch ein Todeswunsch präsent wäre, der früher oder später erfüllt wird.

Was hattest Du denn genau erwartet? Das einzige Ende wäre da doch nur der Tod. Du bist wirklich der erste Mensch, den ich kenne, der nach dem Film noch meint: joooooooar, da ist noch Potential da.  :LOL:


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MMeXX

Zitat von: Mr. Blonde am 21 März 2014, 17:44:49Das einzige Ende wäre da doch nur der Tod.
Genau (wenn auch nicht unbedingt bei allen).

Mr. Blonde

Zitat von: MMeXX am 21 März 2014, 17:48:55
Zitat von: Mr. Blonde am 21 März 2014, 17:44:49Das einzige Ende wäre da doch nur der Tod.
Genau (wenn auch nicht unbedingt bei allen).

Ich finde es deutlich grauenvoller, mit solchen Erfahrungen weiterleben zu müssen. Du nicht? Der Tod kann doch etwas wunderbares sein, wenn er z. B. von psychischen Leiden erlöst. Endloser Schmerz ist wohl so ziemlich das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Sicherlich hätte sich mindestens eine Figur später das Leben genommen.


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