Joker (Joaquin Phoenix)

Erstellt von Mr. Blonde, 23 August 2017, 02:53:14

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Mr. Blonde



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"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
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Mr. Blonde

Interessant ist etwas untertrieben. Das sieht genau so aus, wie ich mir das gewünscht habe: Joker meets Arthouse mit einer Darstellung, die originell, aber nicht zu fremd wirkt. Weg vom Zuhälter und hin zum Psychopathen. Wenn das Ding wirklich Psychogramm wird, dann kann das ein richtig, richtig starker Film werden.


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Zitat von: Mr. Blonde nach  3 April 2019, 19:18:11Interessant ist etwas untertrieben. Das sieht genau so aus, wie ich mir das gewünscht habe: Joker meets Arthouse mit einer Darstellung, die originell, aber nicht zu fremd wirkt. Weg vom Zuhälter und hin zum Psychopathen. Wenn das Ding wirklich Psychogramm wird, dann kann das ein richtig, richtig starker Film werden.

Sehe ich eigentlich auch so. Bei dem Regisseur muss man aber mal das Endprodukt abwarten, denke ich.
Interessiert mich jedenfalls schonmal deutlich mehr als die ganzen massentauglichen Comic-Adaptionen...
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Eric

Ich bin ÄUSSERST neugierig darauf, was der Film am Ende bieten wird!!
Liebe Ursula,
wünsch dir frohe Ostern, nen tollen Namenstag und nen guten Rutsch ins Jahr 1978!
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Mr. Blonde

4 April 2019, 01:17:10 #36 Letzte Bearbeitung: 4 April 2019, 01:22:31 von Mr. Blonde
Die einzige Sache, die mir Sorgen bereitet, ist die Änderung des Titels von "The Joker" zu "Joker". Der Umstand, dass der Trailer eindeutig verrät, dass er hunderte Menschen inspiriert und da Bruce Wayne noch in den Kinderschuhen steckt, ist verräterisch. Ist das doch nur ein Joker unter vielen? Ist er innerhalb dieses eigenen Universums doch nur Inspiration für den Joker, der dann Wayne später das Leben zur Hölle machen wird? Damit wäre ich nicht so zufrieden. Es ist natürlich noch sehr früh, um Vermutungen anzustellen. Ein wenig Verunsicherung ist aber da. Vielleicht soll der Titel auch nur darauf aufmerksam machen, dass es den ultimativen Joker nicht gibt, sondern immer nur neue Interpretationen. Würde es sogar erfrischend neu und konsequent finden, wenn dieser Joker einfach mal Bruce Wayne im Kindesalter killt. Das würde einiges auf den Kopf stellen und dem sehr unbequemen Eindruck, den der Trailer macht, sehr zuträglich sein.

Der Trailer schlägt auf jeden Fall ordentlich ein. Bereits mehr als 5 Mio. Aufrufe in wenigen Stunden und das Echo ist universell positiv. Bei einem Budget von schlanken 50 Mio. Dollar dürfte das ein ziemlicher Erfolg werden. Eigentlich ein cleverer Schachzug auf Seiten von DC und beim Joker bietet sich eine intime, aber nicht zu bombastische Verfilmung auch an.


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Mr. Blonde

Der Film ignoriert die Comics gänzlich.

ZitatWir haben uns überhaupt nicht an den Comics orientiert, darüber werden sich manche Leute tierisch aufregen. Wir haben unsere ganz eigene Interpretation geschrieben, eine Geschichte darüber, woher der Joker stammen könnte. Keinen Film über den Joker, sondern über einen Mann, der zum Joker wird. Es geht um diesen Mann.

https://cinemediatech.wordpress.com/2019/07/10/joker-film-regisseur-verraet-dass-comicfans-den-film-hassen-werden/


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Roughale

10 Juli 2019, 10:26:58 #38 Letzte Bearbeitung: 10 Juli 2019, 10:28:34 von Roughale
Dann steigt die Hoffnung bei mir noch mehr, dass der richtig gut wird! ;)

Edit: Wo sind eigentlich die Smilies abgeblieben? Passt doch hier besonders gut! Im Edit Mode sind sie da - hoppala!  :lol:

esta es la mejor mota
When there is no more room for talent OK will make another UFC

Newendyke

Sehe ich ähnlich und bin mir sicher, dass das ein guter Streifen werden wird. Einzig frage ich mich, ob sie diese Inkarnation ins DCEU einführen werden oder ob es ein stand alone bleiben wird. Aber nachdem nun auch ein neuer Batman produziert wird, ist es eh interessant zu beobachten in welche Richtung WB / DC gehen werden... bleibt alles spannend!


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

McClane

Zitat von: Newendyke nach 10 Juli 2019, 13:30:13Sehe ich ähnlich und bin mir sicher, dass das ein guter Streifen werden wird. Einzig frage ich mich, ob sie diese Inkarnation ins DCEU einführen werden oder ob es ein stand alone bleiben wird. Aber nachdem nun auch ein neuer Batman produziert wird, ist es eh interessant zu beobachten in welche Richtung WB / DC gehen werden... bleibt alles spannend!

Wollte DC seine Filme nicht sowieso mehr Stand-Alone machen? "Shazam!" ist ja wohl auch Teil vom DCEU (es soll ja angeblich wirklich Henry Cavill beim gesichtslosen Superman-Cameo sein) und passt mit seinem Tonfall eigentlich fast gar nicht zum Rest, vor allem den düster gehaltenen Snyder-Filmen.
"Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und ein paar Zigaretten rauchen." [Last Boy Scout]

"testosteronservile Actionfans mit einfachen Plotbedürfnissen, aber benzingeschwängerten Riesenklöten"
(Moonshade über yours truly)

Karm

Zitat von: McClane nach 10 Juli 2019, 18:56:16(es soll ja angeblich wirklich Henry Cavill beim gesichtslosen Superman-Cameo sein)

Laut Castliste in der imdb
Zitat von: undefinedRyan Handley ... Superman (uncredited)

StS

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JasonXtreme

Prinzipiell finde ich den Trailer und die Idee interessant - allerdings komme ich vom Kopf her NULL damit klar, dass man die Comics VÖLLIG außer Acht lässt. Immerhin heißt der Film Joker, der Typ sieht wie der aus Batman bekannte Joker aus - dann zu sagen er hat damit nix zu tun, es ist ein Typ und irgendein Joker... das finde ich irgendwie total unsinnig!?
"Hör mal, du kannst mein Ding nicht Prinzessin Sofia nennen. Wenn du meinem Ding schon einen Namen geben willst, dann muss es schon was supermaskulines sein. Sowas wie Spike oder Butch oder Krull, The Warrior King, aber NICHT Prinzessin Sofia."

Eric

ZitatPrinzipiell finde ich den Trailer und die Idee interessant - allerdings komme ich vom Kopf her NULL damit klar, dass man die Comics VÖLLIG außer Acht lässt. Immerhin heißt der Film Joker, der Typ sieht wie der aus Batman bekannte Joker aus - dann zu sagen er hat damit nix zu tun, es ist ein Typ und irgendein Joker... das finde ich irgendwie total unsinnig!?

Sofern man BATMAN mal aussen vor lässt, was der Joken in Filmen und Comics auch immer ein unterschiedlicher Joker mit unterschiedlichen Namen und Backgroundstorys. (In der aktuellen GEEK ist da n Bericht zu drin)

So genau habe ich mich über den NEUEN Joker abseits der Trailer und Teaser jetzt noch gar nicht informiert, aber spielt der denn in einem ganz anderen "Universum" in dem es die anderen Superhelden (allen voran natürlich Batman) gar nicht gibt??
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JasonXtreme

Das ist klar, aber wenn sie nun auch die abseitigen Comics ausblenden und die Figur komplett neu erfinden... puh.
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Mr. Blonde

Zitat von: Eric nach 30 August 2019, 12:10:33So genau habe ich mich über den NEUEN Joker abseits der Trailer und Teaser jetzt noch gar nicht informiert, aber spielt der denn in einem ganz anderen "Universum" in dem es die anderen Superhelden (allen voran natürlich Batman) gar nicht gibt??

Batman gibt es noch nicht, aber in den Trailern hat man schon Thomas Wayne und den jungen Bruce gesehen. ;)


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Mr. Blonde

Die ersten Kritiken sind da und allgemein wird der Film sehr gut aufgenommen:

https://www.rottentomatoes.com/m/joker_2019

Der startet regulär ja erst in einem Monat. Jetzt gilt es Spoilern aus dem Weg zu gehen. :O


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Chili Palmer

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"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

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DisposableMiffy

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Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

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Steht international nach wenigen Tagen bereits bei 234 Mio Dollar.  :respect:


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elpadro

13 Oktober 2019, 16:47:16 #52 Letzte Bearbeitung: 13 Oktober 2019, 16:50:59 von elpadro
Zitat von: DisposableMiffyHach, Amerika.  :lol:

Dachte ich zuerst auch, aber das war ein mittlerweile gelöschter Facebookpost eines sehr speziellen Kinokettenbetreibers, der hinsichtlich Publikumszusammensetzung strengere und filmbezogene Vorgaben macht.
Hatten wohl einfach keinen Bock, da möglicherweise die Säle voll zu haben mit Familien, die sich auf kindgerechte Popcornunterhaltung freuen.

Also, ganz ruhig mit dem Amerikabashing  :winken:
"Hey Asshole, I'm talking to you!"
"You're not, you're talking to yourself."
Moon 44

Newendyke

14 Oktober 2019, 09:53:59 #53 Letzte Bearbeitung: 14 Oktober 2019, 11:41:16 von Newendyke
Bin immernoch total aufgedreht von dem Film (am Samstag gesehen). Ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckt, Phoenix unglaubliche Darbietung, die Abkehr der Comic-Genre-Konventionen, das fast schon dystopische, anarchische und hoffnungslose Gesamtbild, aber all das hat Phillips wahrlich meisterhaft zusammengewürfelt. Und DAS hätte ich von ihm überhaupt nicht erwartet.
Einziger Kritikpunkt ist, dass es sich manchmal quälend langsam anfühlt, was aber nicht bedeutet, dass der Film für mich an Zugkraft verliert, sondern weil er immerzu auf dieses Häufchen Elend, Fleck, draufhält und dem Kerl wirklich nichts erspart bleibt.
Der kleine Twist um die Vaterschaft Flecks hat mir auch zu keinem Zeitpunkt übel aufgestoßen, da die Handlung dann noch wieder einen anderen Verlauf nimmt (Gesundheit seiner Mutter, Missbrauch durch ihre Partner, Verwahrlosung und Schutzbefohlenenmissbrauch), was wiederum sehr gut in die Geschichte passt und nicht so aufgesetzt nach dem Motto, der kann ja nur zum Psychopathen werden, bei all dem was er durchmachen musste. Nein, empfande das nie nur Mittel zum Zweck, da auf Fleck ja ständig rumgetreten wird, er bei jeder Gelegenheit ausgenutzt wird und leider von dem gesellschaftlichen Rand, an dem er sich bewegt, auch noch runtergestoßen wird. Verdammt, das macht echt nachdenklich, wie wir uns durch die Welt bewegen und wie wir solchen Menschen begegnen.

Für mich ganz klar der beste Film des Jahres. Und ich glaub, ich muss mir den noch ein, zwei Mal im Kino ansehen.

9/10

Was ich nicht nachvollziehen kann, das Geschrei um die Gewaltdarstellung. Es gibt eine sehr grobe Szene, die aber auch nicht sonderlich grafisch ausgeschlachtet wurde, der Mord an Flecks Kollegen, alles andere bewegt sich im Rahmen eines gewöhnlichen R-Ratings. Das Schicksal seiner Nachbarin und deren Tochter bleibt auch offen, doch denke ich, dass es nicht gut ausgegangen ist und Fleck damit seine Metamorphose zum Joker abgeschlossen hat.
Ich denke auch, dass viele Leute mit der Gewalt in dem Film ein Problem haben, weil alles sehr realistisch dargestellt ist, kein überzeichneter Comic-Film-Filter, kein Effekt-Bombast, keine hunderten von Toten, die mal eben so beiläufig verheizt werden... wahrscheinlich ist eher die Sehgewohnheit der letzten Jahre nicht ganz unschuldig, dass viele diese Art der Darstellung von Gewalt zu krass finden.

Die letzte Szene... wunderbar!!! Genau DAS ist der Joker! Wie gern würde ich noch mehr von dieser Version des Jokers sehen, aber vielleicht ist es hier auch mal wieder am besten dann aufzuhören, wenn's am schönsten ist.
Einzig bleibt dann noch die Frage offen, was war Wirklichkeit und was spielte sich lediglich in seinem Kopf ab...


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PierrotLeFou

Ich finde den ja auch recht gut, aber allein schon die Einbindung in eine popkulturelle Mythologie verschafft dem eine gewisse Intensität und letztlich mehr Lob & Aufmerksamkeit als verdient. Phoenix mag ich auch sehr gerne, aber ähnlich wie schon bei Ledger ist ein (noch-nicht-so-ganz-)Joker eine Figur, die sich mit ein paar Maniersismen mehr oder weniger von allein spielen dürfte. Krankhaftes Lachen, Hungerkur und eine Clownsmaskerade erzielen schon ihre Wirkung, würden mich jetzt aber auch nicht zu Lobeshymnen hinreißen. Ich will das jetzt nicht als Phoenix-Bashing verstanden wissen, sondern will eher darauf hinaus, dass DarstellerInnen, die langweiligere Alltagspersonen konsequent unauffällig verkörpern, Unrecht geschieht, weil sie schlichtweg keine exaltierten, grellen Typen spielen...
Der Film an sich schielt schon ziemlich auf Scorsese; die Wandlung vom Sozialdrama in comichafte Gefilde gelingt überraschend glaubwürdig, inszenatorisch und inhaltlich kommt das an einen "Taxi Driver" (in dem ich bereits "nur" einen sehr, sehr guten Film (8,5/10), aber kein Meisterwerk sehe) allerdings nicht heran: Die Fantasien über die Nachbarin wurden eher plump umgesetzt, der gehobene Zeigefinger ist etwas aufdringlich. Lobenswert finde ich allerdings auch den Umstand, dass hier keine zerrüttete Kindheit eine psychische Erkrankung erklären soll, sondern fehlende professionelle Unterstützung. Im Zusammenhang mit der als kathartisch vermittelten Gewalt (und dem Tod der unverschämten Börsenyuppies in der U-Bahn wurde ja etwas sehr befreiendes beigefügt) macht es darauf aufmerksam, dass eine Gesellschaft salopp formuliert die Amokläufer bekommt, die sie sich verdient hat. Ist eigentlich ein netter Wink, einmal die Füße still zu halten - und die Sorge, dass der Film selbst ein Auslöser künftiger Amokläufe werden könnte, ist sicher nicht gänzlich unberechtigt, zeigt aber, dass die eigentlichen Probleme schlichtweg ignoriert werden. Aber sehr subtil war das alles nicht... Großen Anteil an der Qualität hat mMn eher das Spiel mit populären Mythen: die Möglichkeit zu eröffnen (und sie trotz der späteren Einwände nicht wieder ganz aus der Welt zu schaffen), dass der Millionärssohn-Superheld und der psychothisch-nihilistische Schwerkriminelle denselben Vater haben, treibt die symiotische Batman/Joker-Beziehung passabel zu (und ist wesentlich überzeugender als z.B. die Blofeld-Wendung im letzten Bond).
7,5/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Wolfhard-Eitelwolf

Ich kann mich den Lobeshymnen anschließen und lande bei sehr guten 8/10 Punkten. Alles Wesentliche ist bereits gesagt. Ein toller nilihilistischer Außenseiter-Tripp, bei dem die Ur-Schlüsselszene des Batmanmythos, dezent genug eingebaut, natürlich auch nicht fehlen darf. Ein zweiter Teil würde des quasi verschossenen Pulvers wegen allerdings nicht funktionieren bzw. würde lediglich ein Pre-Batman-Actionfilm dabei herausspringen können.

elpadro

14 Oktober 2019, 21:51:24 #56 Letzte Bearbeitung: 14 Oktober 2019, 22:19:29 von elpadro
Zitat von: Newendyke nach 14 Oktober 2019, 09:53:59Nein, empfande das nie nur Mittel zum Zweck, da auf Fleck ja ständig rumgetreten wird, er bei jeder Gelegenheit ausgenutzt wird und leider von dem gesellschaftlichen Rand, an dem er sich bewegt, auch noch runtergestoßen wird. Verdammt, das macht echt nachdenklich, wie wir uns durch die Welt bewegen und wie wir solchen Menschen begegnen.

Also, das kann ich (für mich) echt nicht nachvollziehen.
Trittst Du auf hilflosen Benachteiligten rum? (ich mach jetzt übrigens nicht das Fass auf, welche Gesellschaftsgruppe es ist, die sich bei dem wörtlichen "Zusammentreten" besonders hervortut, daher bitte, bitte nicht diesen Seitenverweis als Hauptaussage meinerseits mißverstehen)
Ich kenne jedenfalls auch niemanden persönlich, der auch nur sprachlich auf in welcher Form auch immer Benachteiligten Unschuldigen rumhacken würde.
Daher geht mir dieses in ein kollektives "Wir sind so schrecklich böse"-Reingezogenwerden etwas gegen den Strich.

Im Film waren es doch eigentlich auch nicht die normalen Durchschnittsbürger, die ihn schlecht behandelt hätten, oder habe ich die verpasst?
Die Mutter im Bus war verunsichert und überfordert, als sie die Karte bekommen hatte, schien mir dann aber nicht so boshaft zu sein.
Die Therapeutin war nett. Ok, dass sie in seiner Wahrnehmung immer dieselben Fragen stellt, können wir nicht genau verifizieren.
Die Nachbarin war im Aufzug nett.
Im Kinderkrankenhaus war er ja scheinbar regelmäßig gebucht, also auch nett.
Im Comedyclub durfte er auftreten - auch nett.
Der Archivist in der Klinik war nett.
Die Polizisten waren nett.

Die "Bösen":
Die Schildklauer waren ein paar beschissene Schlägerwichser, solche Typen sind in meinen Augen ein Problem, das wir leider auch zunehmend haben.
Mit denen kann ich mich aber sicher nicht identifizieren und daher können sie mir auch nicht den Spiegel vorhalten.
Die Yuppies - bin keiner, daher auch keine (negativen) Identifikationsfiguren, die mir den Spiegel vorhalten würden.

Also kurzum:
1) Wenn Du ab jetzt ungewöhnlicheren Menschen anders begegnest, dann hat's was gebracht und war anscheinend nötig (auch wenn ich mir das nicht ganz vorstellenkann).
Aber zieh' nicht verallgemeinert jeden zivilisierten anderen (mich z.B.) da mit rein  :happy3:

2) Ich verstehe den Film aus den o.g. Gründen auch garnicht so sehr als Kritik an einer vermeintlich empathielos gewordenen Gesellschaft, sondern allenfalls an einer gefühlskalten Politik (Kürzung des Therapieprogrammes).


Habe aber noch Verständnisfragen:

1) War er nun tatsächlich adoptiert, oder zumindest mal nicht ein Sohn von Wayne?
2) Im 1989er Batman war es ja wohl der echte Joker, der Bruce's Eltern umbringt, hier ist er es nicht.
Wie ist es denn in den Comics, oder gibt es diese Verbindung sowieso nicht?
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Moon 44

Der Maulwurf

14 Oktober 2019, 22:51:20 #57 Letzte Bearbeitung: 14 Oktober 2019, 22:58:03 von Der Maulwurf
Zitat von: elpadro nach 14 Oktober 2019, 21:51:24
Zitat von: Newendyke nach 14 Oktober 2019, 09:53:59Nein, empfande das nie nur Mittel zum Zweck, da auf Fleck ja ständig rumgetreten wird, er bei jeder Gelegenheit ausgenutzt wird und leider von dem gesellschaftlichen Rand, an dem er sich bewegt, auch noch runtergestoßen wird. Verdammt, das macht echt nachdenklich, wie wir uns durch die Welt bewegen und wie wir solchen Menschen begegnen.



Habe aber noch Verständnisfragen:

1) War er nun tatsächlich adoptiert, oder zumindest mal nicht ein Sohn von Wayne?
2) Im 1989er Batman war es ja wohl der echte Joker, der Bruce's Eltern umbringt, hier ist er es nicht.
Wie ist es denn in den Comics, oder gibt es diese Verbindung sowieso nicht?


Zu 1: ja, adoptiert und nicht sein Sohn.
Zu 2: das war damals nur im Drehbuch und Film so, um die Geschichte mehr hollywoodlike massenkompatibel zu machen.

Vince

Zitat von: elpadro nach 14 Oktober 2019, 21:51:24Im Film waren es doch eigentlich auch nicht die normalen Durchschnittsbürger, die ihn schlecht behandelt hätten, oder habe ich die verpasst?
Die Mutter im Bus war verunsichert und überfordert, als sie die Karte bekommen hatte, schien mir dann aber nicht so boshaft zu sein.
Die Therapeutin war nett. Ok, dass sie in seiner Wahrnehmung immer dieselben Fragen stellt, können wir nicht genau verifizieren.
Die Nachbarin war im Aufzug nett.
Im Kinderkrankenhaus war er ja scheinbar regelmäßig gebucht, also auch nett.
Im Comedyclub durfte er auftreten - auch nett.
Der Archivist in der Klinik war nett.
Die Polizisten waren nett.

Die "Bösen":
Die Schildklauer waren ein paar beschissene Schlägerwichser, solche Typen sind in meinen Augen ein Problem, das wir leider auch zunehmend haben.
Mit denen kann ich mich aber sicher nicht identifizieren und daher können sie mir auch nicht den Spiegel vorhalten.
Die Yuppies - bin keiner, daher auch keine (negativen) Identifikationsfiguren, die mir den Spiegel vorhalten würden.

Ich finde, Kategorisierungen wie "nett" und "böse" sind im Film eher der Wahrnehmung Flecks zuzuschreiben. Wenn der Film sich außerhalb der Wahrnehmung der Hauptfigur aufhält, zeichnet er meines Erachtens ein sehr gefährliches gesellschaftliches Bild der Passivität:

- als ihm das Schild von den Halbstarken geklaut wird, greift niemand ein, obwohl die Straßen prall gefüllt sind.
- die Bekanntschaft aus dem Aufzug ist offensichtlich viel zu sehr mit ihrem eigenen Schicksal beschäftigt, so dass sie allenfalls noch wahrnimmt, dass mit ihm etwas nicht stimmen könnte. Dieser Gedanke verfliegt aber schnell wieder, weil sie von eigenen Problemen eingeholt wird.
- dass Fleck im Krankenhaus und im Comedyclub engagiert wird, ist keine Nettigkeit. Es ist ein Job. Wir sehen die Personen nicht, die für die Einstellung verantwortlich sind und wissen nichts darüber, wie sie privat über den Clown denken. Die Kinder im Krankenhaus scheinen den Clown zu mögen, was durchaus als Aussage für sich steht: Mit dem Blick der Unschuld fehlen sowohl Vorurteile als auch Abstumpfung, die von allen anderen längst Besitz ergriffen haben.
- die Therapeutin geht ebenfalls nur ihrem Job nach.
- die Nettigkeit des Archivars resultiert auch daraus, dass er sich von Fleck latent bedroht fühlt und in seiner kleinen Kammer keine Möglichkeit hat, einer Konfrontation zu entgehen.
- Wenn Medien ein Spiegel der Gesellschaft sind, sagen die im Film gezeigten TV-Ausschnitte sehr viel über die tatsächlich empfundene (und nicht bloß geheuchelte) Empathie.
- die Yuppies und Schlägertypen sind letztlich ein Produkt der Gesellschaft.
- als dann am Ende alles eskaliert, ist das nicht zuletzt ebenfalls Produkt der Gesellschaft, die solche Ausartung von Extremen nicht einfach nur duldet, sondern in gewisser Weise als Nebenprodukt selbst erschaffen hat.

Die einzige wirklich positiv konnotierte Figur, die ich im Film ausmachen konnte, war Flecks Arbeitskollege Gary - bezeichnenderweise selbst ein Opfer. Viele der anderen Figuren sind zwar keine schlechten Menschen, haben aber auf ihre Weise zu dem in der Stadt herrschenden Klima beigetragen. Das ist für mich auch gerade das, was "Joker" von vielen anderen Film-Psychogrammen abhebt, die in der Regeln nach einfacheren Erklärungen suchen - auch weil es für den Zuschauer einfacher zu akzeptieren ist. Man sieht ja an der allgemeinen Empörung über die "Gewalt" des Filmes, wie schwer einige daran zu schlucken haben, was in "Joker" gezeigt wird (und damit ist natürlich nicht die grafische Gewalt gemeint).

Newendyke

@ el padro: Nein, das war kein kollektives Gemeckere an allem und jedem, sondern eher meine Sicht auf unsere Gesellschaft. Ich bekomme sehr häufig mit, wie hilfsbedürftige Menschen durch unser soziales Netz fallen, wie Suchtkranke unbehandelt bleiben, weil sie ja in ihrer Sucht im Gewissen Maß funktionieren (bis der große Kollaps kommt), oder wie wir einen großen Bogen um Leute machen, die augenscheinlich aus dem Rahmen gefallen sind. Ist eine Beobachtung, leider zeigt der Film uns da einen Spiegel. Ob man sich nun ganz persönlich davon angesprochen fühlt, selbst solche harten Zeiten hinter sich hat (ohne jegliche ernstgemeinte Unterstützung erhalten zu haben) oder sogar zu Teilen zu den "Tätern" gehört, ist mir hier ehrlich gesagt wurscht. Der Film hat dahingehend bei mir einfach einen Punkt getroffen, den ich mit dem Gang ausm Kinosaal nicht so locker abhaken konnte. Und dafür liebe ich Kino / Filme! Mal endlich wieder ein Streifen, der mich berührt hat und zum weiteren Nachdenken "zwingt".

Vince spricht es am Rande ganz gut an, wir neigen alle dazu dem Strom der Gesellschaft zu folgen. Werden "betriebsblind" und kümmern uns natürlich in erster Linie um uns selbst, unsere Familien und dann war's das erstmal. Es sind die Kleinigkeiten, die mir im Alltag vermehrt auffallen (und nein, dazu habe ich nun nicht "Joker" gebraucht), wie wir in der Öffentlichkeit miteinander umgehen. Wer sich nun angesprochen fühlt, ist nicht mein Bier... aber ich bin hier in München zu 95% mit den Öffis unterwegs, fuck Mann, da erlebt man schon teils echt wilden Scheiß.


Zurück zum Film:
1. Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher. Gut, in Zusammenhang mit dem Zustand seiner Mutter macht das alles natürlich Sinn, die vermeintlich gefakte Nachricht auf der Rückseite des Fotos, Adoptionsurkunde, seine Kindheit.... Andererseits ist Wayne ein, wenn nicht so gar DER mächtigste Mann in Gotham und es wäre ein Kinderspiel für ihn, die Urkunde und weitere Beweise gefälscht zu haben.
2. Da gibt es keinen Kanon mehr. Es kommt auf die Comic-Epoche an, jede hat ihre eigene Geschichte zum Tod seiner Eltern. Aber ja, zum Großteil ist es ein recht unwichtiger Ganove gewesen, wie auch in Batman Begins. Was ja wiederum ganz gut erklärt, warum Batman dann Jagd auf alle Verbrecher macht, und sich nicht spezifisch eine Gruppe oder Person vornimmt, was wiederum ja dann seine Mission schnell zum Ende bringen würde.


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