Mosul (Kriegs-Action-Thriller-Drama / Netflix)

Begonnen von StS, 9 November 2020, 21:54:23

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StS


Director: Matthew Michael Carnahan
Stars: Waleed Elgadi, Hayat Kamille, Thaer Al-Shayei, ...

When ISIS took their homes, families and city, one group of men fought to take it all back. Based on true events, this is the story of the Nineveh SWAT team, a renegade police unit who waged a guerrilla operation against ISIS in a desperate struggle to save their home city of Mosul...

Wurde übrigens von Joe und Anthony Russo produziert.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Wolfhard-Eitelwolf

Das sieht doch sehr gut aus! Handwerklich absolut in Ordnung reizt vor allem das unverbrauchte, weiterhin topaktuelle Szenario sowie der Verzicht auf Stars. Scheint zum Glück auch keine propagandistische Beweihräucherung zu werden. Als Fan von Filmen wie Black Hawk Down, 13 Stunden und Operation Kingdom bin ich gerne dabei!

Private Joker

6 Dezember 2020, 11:42:35 #2 Letzte Bearbeitung: 6 Dezember 2020, 11:44:23 von Private Joker
Also mal vorweg: Ich habe keinerlei Problem damit, in einem Kriegsfilm mal die "andere" Seite zu sehen, finde das im Gegenteil sogar überaus wichtig. Und obwohl das eine US-Produktion mit einem US-Regisseur ist, gibt es diesbezüglich keinerlei Kompromisse, keine Alibi-Amerikaner, die im richtigen Moment hilfreich eingreifen, das ist ganz klar und unzweideutig die irakische Sicht.

Warum dieser Prolog ? Weil der Film es dem unvorbereiteten oder von mir aus auf einen realistischen Action-Kriegsfilm Marke Black Hawk Down hoffenden Zuschauer doch sehr schwer macht. Oder kurz: Das ist schon ein sehr sperriges Stück Kino.

Das beginnt mit den Hauptfiguren, die wenig zimperlich rüberkommen und in ihren Methoden dem Gegner schon sehr ähnlich sind; dass der Film die Sache mit den Kehlenschnitten an den Gefangenen zwar andeutet, aber nicht wirklich zeigt, ist in dem Kontext dann allerdings eindeutig filmische Feigheit. Im krassen Gegensatz dazu stehen dann Szenen wie die mit den Kindern, die wohl nahelegen soll, wie "gut" die Helden dann doch sind, in der Form beim westlichen Zuschauern aber eher Kopfschütteln auslösen. Auch die eigenen Verluste kommen sehr unspektakulär und unvermittelt; dass der Film am Ende noch eine Würdigung der realen Ninive-Einheit und ihrer Toten nachschiebt, lässt mich entgegen vielen Vorbildern aus westlichen Kriegsfilmen dann auch eher kalt. Man baut keine Verbindung zu den Figuren auf und empfindet wenig Sympathie, da wecken auch die Namen keine Emotionen.

Wer den Streifen wie in der Einleitung angedeutet unter dem Aspekt Action ansieht, wird in jedem Fall enttäuscht, der Trailer lügt insofern ziemlich schamlos (zumindest in dem Punkt orientiert man sich klar an hiesigen Vorbildern). Geschossen wird eher selten; die zwei kurzen Sequenzen aus der Abteilung wirken zwar durchaus solide und realistisch, vor weil diese eingebaute militärische Überlegenheit, die sich die US-Soldaten filmisch oder real immer gerne auf den Helm schreiben, hier keine Rolle spielt. Trotzdem: Etwas enttäuschend ist das schon, vor allem weil das erwartete Finale schlicht und einfach ausfällt, irgendwann ist der Film halt einfach zu Ende.

Auf der objektiven Kritikseite steht letztlich noch das eher unvermittelte Sprachmischmasch Deutsch-Arabisch (im Original Englisch-Arabisch ?), dem Netflixens mal wieder überforderte Untertitelabteilung auch in kaum einer Sekunde gewachsen ist. Statt dessen wird gefühlt hundert mal die Beschriftung eines Humvee übersetzt und eingeblendet ("P7 Irak").

Eine Punktewertung nach ofdb-Schmema verkneife ich mir hier ausnahmesweise. Dass mir der Film im eigentlichen Sinne nicht wirklich gefallen hat, habe ich hoffentlich deutlich gemacht. Trotzdem sollte sich jeder selbst ein Bild machen, Kriegsfilme der "üblichen" Art gibt es schließlich genug.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Wolfhard-Eitelwolf

Sehr positiv überrascht worden und dank der Einschätzung hier und anderswo auch mit der richtigen Einstellung an den Film gegangen. In der Tat lässt sich der absolut hochwertig inszenierte, auf CGI-Müll verzichtende und überdies klasse gespielte Mosul nicht wirklich in gängige Muster pressen, da er bewusst sehr ausschnitthaft bleibt, keine Fragen beantwortet und mehr oder weniger unkritisch im Sinne einer Doku das SWAT-Team auf seinem verlustreichen und brutalen Streifzug im wunderbar unverbrauchten Sujet begleitet. Wer eine komplexe Story oder eine sensible Beleuchtung des Konflikts oder Entwicklung der Charaktere erwartet, ist komplett falsch aufgehoben. für mich hat das Ganze bestens funktioniert und ich zücke 9/10. Wewr auf letztgenannte Punkte wert legt, kommt wohl über 5/10 nicht hinaus. Definitiv ein Film, der nur mit der richtigen Erwartungshaltung funktionieren kann.

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