Die letzte Sichtung

Erstellt von MMeXX, 19 November 2012, 13:01:27

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Retro

DIE LETZTEN TAGE VON FRANK UND JESSE JAMES



Tennessee. 1877: Die Brüder Frank und Jesse James sind untergetaucht, und versuchen ein Leben als Farmer und Pferdezüchter aufzubauen.
Doch besonders Jesse fehlt das aufregende Leben- er überredet Frank, wieder ein paar Überfälle zu begehen.
Schon bald ist ein Rekordverdächtiges Kopfgeld von 20.000 Dollar auf die beiden ausgesetzt- und sie setzen sich ab nach Missouri.
Hier lernen sie die Ford-Brüder kennen, kleine Gauner, die groß aufsteigen- und sich den beiden anschließen wollen.
Diese haben allerdings nur das hohe Kopfgeld im Sinn...

Hier geht es um das Leben der beiden Brüder nach der gewaltsamen Auflösung der berüchtigten James-Younger Bande.
Angeblich hält man sich hierbei weitgehend an bekannte historische Fakten, und für eine TV-Produktion sieht der gesamte Film sehr ordentlich aus.
Die Besetzung ist zumindest musikalisch hochkarätig, neben Johnny Cash und Kris Kristofferson als die James-Brüder
sind auch Willie Nelson, David Allan Coe und June Carter Cash in kleineren Rollen zu sehen. Der Titelsong stammt von Johnny Cash.
Erfreulicherweise ist die DVD qualitativ durchaus gelungen, so dass man die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte empfehlen kann.

7/10

Retro

STAGECOACH - HÖLLENFAHRT NACH ARIZONA



Verschiedene Leute sind aus jeweils eigenen Gründen mit einer Kutsche unterwegs nach Lordsburg.
Marshal Wilcox begleitet den Kutscher, da er in Lordsburg eine gesuchte Person vermutet.
Die Kutsche wird zunächst von Soldaten eskortiert, denn der große Häuptling Geronimo befindet sich auf dem Kriegspfad.
Allerdings sind die Soldaten nur für einen bestimmten Bereich zuständig, und drehen auf halbem Weg um.
Unterwegs trifft man auf den gesuchten Ringo Kid, welcher sich allerdings als sympathischer Mann herausstellt,
der alle Vorwürfe gegen ihn abstreitet- aber natürlich trotzdem entwaffnet wird.
Als nach ewig langen sinnlosen Dialogen endlich Indianer angreifen, muss sich Wilcox überlegen ob er Ringo Kid trauen kann-
denn jeder gute Schütze wird jetzt gebraucht...

Das durchgehend unscharfe, nachziehendes Bild dieser DVD ist besonders auf großen Fernsehern unerträglich.
Auch die Synchro ist äusserst mittelmäßig, irgendwie wirkt der gesamt Film trotz großer Namen einfach nur billig.
Die Besetzung ist natürlich sehr interessant,
neben Johnny Cash tummeln sich hier mit Willie Nelson, Kris Kristofferson und Waylon Jennings gleich vier bekannte Countrysänger in den Hauptrollen.
Auch ein paar Nebenrollen sind mit bekannten Namen aus dem Country-Bereich besetzt, hier finden sich noch David Allan Coe und June Carter Cash.
Das hilft aber nur wenig, wenn alles andere nicht passt.
Es passiert einfach viel zu wenig, die Dialoge sind größtenteils einfach nur langweilig und uninteressant,
und die immer gleich aussehenden Reiseszenen mit der Kutsche bieten nur wenig für's Auge.
Erst gegen Ende, als endlich doch mal Indianer angreifen, wird es kurz ein wenig Actionlastiger, allerdings auf einem jugendfreien Level.
Kein Wunder, hierbei handelt es sich schließlich um eine TV-Produktion...
Von der im Titel versprochenen "Höllenfahrt" ist jedenfalls nicht zu sehen... höchstens höllische Langeweile.
Alternativtitel: "Höllenfahrt nach Lordsburg", "Doc Holliday und der Häuptling Geronimo"

3/10

Private Joker

Hotel Mumbai

Nach Marwen noch ein Film, der jedenfalls mal einen eigenen Thread und einen "echten" Kinostart verdient hätte. Die blutigen Terroranschläge von 2008 in der titelgebenden indischen Metropole sind ein schwieriges Thema, das kann schnell in eine falsche Richtung gehen - zu viel "Stirb Langsam" im Terrorhotel oder bleischweres Bewältigungskino. Die Gratwanderung ist jedenfalls gelungen, zumindest als Spannungskino macht der Film wenig falsch. Die Gewalt ist harsch, zum Teil schockierend, aber nie selbstzweckhaft, die Grundsituation beklemmend, Optik und Atmosphäre sind durchweg beeindruckend.

Was mir nicht so gefiel: Die Charakterzeichnung der Figuren. Gerade die "westlichen" Geiseln geraten da relativ unsympathisch - der amerikanische Kulturbanause, die britische Rassistin, der russische Oberarsch (Jason Isaacs, den ich eigentlich sehr gerne sehe, hier mal komplett fehlbesetzt). Mit dieser Tendenz und einigen Bildern von Luxus und Dekadenz in dem Hotel gerät der Film in die gefährliche Nähe der These, dass "wir" im Westen an Terror und Mord zumindest teilweise selbst schuld sind. Was man am Soziologenstammtisch heutiger Unis sicher mal gerne andiskutiert, ist für mich im Kino fehl am Platz und auch gegenüber den realen Opfern unangemessen. Das Loblied auf die einheimischen Kräfte im Hotel geriet im Gegenzug ein bisschen arg plakativ.

In der Summe 7/10. Wer den politischen Aspekt weniger eng sieht, könnte auch höher werten.

Hell Fest

Und noch etwas Kontrastprogramm zu Halloween. Die Grundidee ist jetzt nicht ganz neu, aber zumindest frisch genug, dass es auch dieses Jahr zum Kürbistag eine Version ins Kino geschafft hat ("Halloween Haunt"). Das mag jetzt alles sehr subjektiv sein, aber das war für mich genau der richtige Film zu diesem Datum - eine schöne Geisterbahnfahrt, die die Möglichkeiten des Schauplatzes voll ausnutzt. Dass die Charaktere die üblichen jungendlichen Teil- und Vollspacken sind, ist da fast geschenkt, allzuviele überleben das eh nicht.

Termingenaue 8/10, zu jeder anderen Jahreszeit "natürlich" weniger.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Wolfhard-Eitelwolf

Mandy

Schön, dass Nicolas Cage auch noch in guten Rollen zu sehen ist! Trotz abturnendem Filmtitel + Cover ist Mandy ein wunderbar schräger Sektentripp mit brutaler Gewalt und teils rauschartiger Optik. Leider ist der Film locker 20, eher 30 Minuten zu lang geraten in der ersten Hälfte. Absehen davon cooles Teil, dass mit einigen Bier intus sicher nochmal ne Schippe drauflegt. knapp 8 / 10!

Lancaster Skies

"Kriegsfilm" über britische Bomberpiloten in der Heima... äh auf Nachteinsatz über Nazi-Deutschland. Zu Beginn und zum Ende gibt es tatsächlich nächtliche Einsatzszenen, die aus offenbar äußerst beschränkten Mittel immerhin noch recht atmosphärische Momente im kleinen Stil hinbekommt. Panoramen, echte Effektszenen etc. darf man freilich nicht erwarten, eher die webserientypischen Closeups (aus dem Rechner).
Aber hier sprechen wir über vielleicht 10 bis 15 Minuten der Laufzeit. Der Rest vom Film auf britischem Boden ist so unfassbar langweilig, dass man es in Worten kaum beschreiben kann. Offenbar wusste das Drehbuch - so es existent war - selbst nicht, wie es die Zeit vollbekommt, also schaut man tatsächlich jedem Besatzungsmitglied einzeln zu, wie es gemächlich das Flugzeug besteigt - oder eifach nichtstuend und auch in Gegenwart anderer nichtssagend (!!!) rumsitzt. Bisweilen unfassbar, aber wohl erst gemeint... ich meine es auch ernst mit gutwilligen 3 / 10



Retro

Amando de Ossorio Trash-Wochenende...
Eingedeckt mit guter Laune, einer Menge Knabberkram und Pizza haben wir die Nacht von Samstag auf Sonntag qualitativ hochwertige Filme angesehen:

DIE LEGENDE DER REITENDEN LEICHEN



Die vierteilige Reihe von Amando de Ossorio um die skelettierten Templer auf ihren Pferden
(und einmal, warum auch immer, auf einem Schiff) genießt einen gewissen Kultstaus.
Warum das so ist, ist schwer zu sagen- denn in meinen Augen haben höchstens die ersten beiden noch einen gewissen Unterhaltungswert.
Und selbst diese haben mit gehörigen Längen und vielen Füllszenen zu kämpfen-
dazu noch die eigentlich sehr passende, aber übertrieben oft eingesetzte Zeitlupe wenn die Templer unterwegs sind.
So schön es ist, dass die "Klassiker" hier ungekürzt zu sehen sind, so öde ist es auch- denn es handelt sich fast nur um Dialogszenen die vorher fehlten.
Davon haben aber alle vier Filme selbst in den Handlungsgekürzten ursprünglichen Versionen schon zu viele.
Was ausserdem noch negativ auffällt ist, dass die Auferstehungs-Szenen aus dem ersten Film nicht nur dort mehrfach zu sehen sind,
sondern auch in den Nachfolgern an Land immer wieder 1:1 übernommen wurden. So kann man Geld sparen, bzw einen Film künstlich strecken...

Seltsam sind auch die teils komplett verschiedenen Angaben in den Filmen was den Zeitraum betrifft.
Mal sind die Templer vor 700 Jahren getötet worden, mal vor 500- und letztendlich ist von 400 Jahren die Rede.
Das mag eventuell an einer falschen Übersetzung liegen, kann ich aber mangels Fremdsprachenkenntinissen und teils auch fehlendem O-Ton nicht sagen.
Vielleicht ist das aber auch wirklich ein grundsätzlicher Fehler in den Drehbüchern der Filme-
denn auch die Art und Weise was die Templer mit den Menschen anstellen variiert von Film zu Film.
Mal wird Vampirmäßig Blut gesaugt, mal Zombiemäßig gefressen- oder einfach abgestochen ohne die Opfer irgendwie anzuknabbern.

DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN

Virginia verbringt mit ihrem freund Roger den Urlaub in Portugal, wo sie zufällig auf Bella treffen, eine alte Bekannte von Virginia.
Gemeinsam reist man mit dem Zug weiter, wo sich Roger und Bella nach Meinung von Virginia ein wenig zu gut verstehen.
Beleidigt verlässt sie während langsamer Fahrt den Zug, ganz in der Nähe der Ruinen von Berzano.
Was keiner ahnt: Dort war im Mittelalter der Orden der Templer aktiv- eine Sekte welche Satan anbetete und das Blut von Frauen trank.
Diese wurden zwar damals von aufgebrachten Menschen geblendet und dann getötet, doch sie schworen eines Tages wiederzukommen.
Als Virginia am nächsten Tag nirgends aufzufinden ist, machen sich Roger und Bella auf die Suche und reiten in Richtung Berzano...

Die hier enthaltene DVD ist ein Repack der ungekürzten DVD von Laser Paradise, und glänzt mit wirklich guter Bildqualität.
Hier hat man sogar ehemals fehlende (oder akustisch schlecht erhaltene) Szenen neu synchronisiert.
Das klingt ja erstmal ganz nett, bei der VÖ hat man sich also sichtlich Mühe gegeben.
Leider sind die neu eingesprochenen Stellen deutlich zu bemerken, die Sprecher haben keine stimmliche Ähnlichkeit mit den alten,
und generell ist der Klang ein komplett anderer. Mancher mag sich darüber freuen, ich empfand diese Szenen eher als störend.
Nicht nur weil es eben auffällt dass andere Sprecher am Werk sind- sondern auch, weil der eh schon viel zu lange Film
somit noch um einiges länger wird- denn große Teile des Films sind mit überflüssigen Dialogen oder Lesbenszenen gestreckt.
Hier wäre mir eine (Handlungs)gekürzte Fassung sogar lieber- mit vielleicht 70 Minuten statt der hier zu sehenden 97 Minuten
wäre der Film jedenfalls deutlich erträglicher und weniger langweilig.
Logiklöcher gibt es natürlich ebenfalls- woher kommen denn z.B. die Pferde der Templer? Diese sind ja offensichtlich lebendig und nicht skelettiert...
Auch der Soundtrack ist teils eher unpassend und nervig- in allen Szenen, in welchen die Templer nicht unterwegs sind.
Das klingt jetzt alles eher negativ, und ja, der Film hat auch wirklich nicht viele positive Aspekte zu bieten.
Was er aber eindeutig hat, ist eine sehr schöne düstere Atmosphäre sobald die Templer unterwegs sind.
Trotz ihrer langsamen Bewegungen wirken diese unheimlicher und auch bedrohlicher als so mancher Zombie aus den südlichen Ländern.
Auch der Soundtrack mit seinen düsteren Chorälen und der schleppenden Musik ist in diesen Szenen sehr passend-
die leicht verzerrten, hallenden Geräusche der Pferdehufe usw tun ihr übriges dazu.
Alles in allem bietet der Film netten, größtenteils unblutigen Trash-Horror mit einfachen, aber akzeptablen Tricks und düsterer Atmosphäre.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger, lediglich einmal gibt es eine kleine Splatterszene zu sehen.
Mit viel Wohlwollen und einem kleinen Kult-Bonus reicht das für immerhin noch

5/10

DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN

In einem Bergdorf nahe der Gräber der Templer wird der Jahrestag der Hinrichtung eben dieser gefeiert.
Das gefällt den untoten Tempelrittern natürlich gar nicht- also erheben sie sich wieder aus ihren Gräbern und reiten in das Dorf...

Im (fürchterlich billigen) DVD-Menü hat der Film den Titel "Return of the Evil Dead" abgekriegt- warum auch immer.
Der Film selbst ist aber immerhin in durchaus akzeptabler Qualität vorhanden, lediglich bei den nachträglich wieder eingefügten Szenen,
welche jeweils in der rechten oberen Ecke als "Restored Cut-Scenes" gekennzeichnet sind, fällt die Qualität ab.
Leider ist auch im zweiten Film der Soundtrack aus einer 70'er Jahre Bontempi-Orgel unglaublich penetrant und nervig.
Insgesamt muss man trotzdem sagen dass der zweite Film den Horror & Splatter-Freunden vermutlich noch am ehesten zusagen dürfte,
obwohl (oder weil) die Handlung komplett überraschungsfrei daherkommt und man nur darauf wartete dass die Templer zuschlagen.
Die Atmosphäre ist wie im ersten Film schön düster gehalten, Bild-und Ton-Effekte unterstreichen das ganze,
die "Rückkehr" kommt ohne viele Füllszenen daher, zudem wird hier deutlich brutaler und blutiger gestorben und gefoltert als im Vorgänger.
Leider hat man dafür hier meiner Meinung nach das Ende ziemlich versaut,
zum einen ist am Ende die den Film sonst durchziehende düstere Atmosphäre komplett verschwunden, zum anderen auch die Logik...
Hätte man dem Film ein besseres Ende spendiert wären hier durchaus ein oder zwei Punkte mehr drin-
so bleibt das ganze aber zumindest immer noch anschaubar und im gesamten auf dem Niveau des Vorgängers.

5/10

DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN

Ein Bootskonstrukteur ist davon überzeugt ein Hochseetaugliches, unsinkbares kleines Motorboot entworfen zu haben.
Um das Ding zu bewerben hat er die Idee, zwei Models darin mitten auf dem Meer auf einer viel befahrenen Route auszusetzen-
damit bei deren erwarteter Rettung durch ein Linienschiff alle erstaunt sind, wie weit das kleine Boot auf das Meer kam.
Dummerweise kreuzt als erstes ein scheinbar verlassenes sehr altes Segelschiff das Boot mit den Dumpfbacken und beschädigt dieses,
so dass die beiden Mädels gezwungen sind, auf das Geisterschiff zu steigen um nicht abzusaufen.
Auf dem Geisterschiff sind Särge- und ratet mal, was da drinnen liegt und bald an Deck herumschleicht...

Soso, ein "unsinkbares" Boot, welches bei der kleinsten Kollision schon ein Leck hat- und schon zuvor in Seenot geraten ist.
DAS soll also dann also einen Werbeeffekt bringen? Na sicher doch. Hat da mal jemand an Logik gedacht?
Die Darsteller sind allesamt ziemlich unbegabt, der Soundtrack oft nervig,
bis hier überhaupt mal etwas passiert dauert es ziemlich lange- und nicht mal die Atmosphäre kommt gruselig rüber.
Generell sind die Tricks hier einfach nur schlecht, gerade im Gegensatz zum wenigstens in diesem Punkt interessanteren Vorgängerfilm
wird hier auch stark an blutigen Szenen gespart- und wenn, sehen diese übelst billig aus.
Trotzdem hat die Bundesprüfstelle diesen harmlosen und blutleeren Langweiler damals als einzigen Film der Reihe beschlagnahmt.
Punkten kann der Film generell nur gegen Ende- und das auch nur unfreiwillig.
Denn diese unglaublich schlechten Tricks rund um das Geisterschiff muss man selbst gesehen haben, um es zu glauben.
Qualitativ ist die DVD eher mäßig, aber was soll's- die passt sich eben dem Film an.

1/10

DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN

Ein Arzt zieht mit seiner Frau in ein abgelegenes spanisches Fischerdorf, um die dortige Praxis eines Kollegen zu übernehmen.
Die Einwohner des Dorfes sind allerdings allesamt ziemlich reserviert bis unfreundlich,
und auch der bisherige Arzt warnt die beiden vor einer nicht näher genannten Gefahr.
Schon in der ersten Nacht ist neben anderen seltsamen Geräuschen ein unheimliches Glockenläuten zu hören,
welches scheinbar von der nahe gelegenen Bucht kommt.
Was die beiden noch nicht ahnen: Die untote Sekte der Tempelritter fordert hier regelmäßig junge Frauen als Opfer,
welche die Dorfbewohner auch bringen, um weiterhin hier leben zu dürfen...

In manchen Punkten scheint das "Blutgericht" fast schon so etwas wie ein Remake des ersten Films zu sein.
Es beginnt im Mittelalter, die Templer und ihr dämonisches Götzenbild werden eingeführt, der Film wirkt generell sehr eigenständig-
und wenn man so will kann man auch das Ende als kompletten Abschluss der Geschichte (oder eben der ganzen Reihe) sehen.
Wenigstens kriegen hier die Splatterfreunde ein bisschen mehr zu sehen als im blutleeren, aber trotzdem beschlagnahmten Vorgängerfilm:
Gleich am Anfang wird einer Frau das Herz herausgeschnitten und einem dämonischen Götzenbild geopfert.
Generell wirkt das "Blutgericht" etwas besser und aufwändiger produziert als alle drei Vorgänger,
was aber nichts hilft wenn wie hier kaum Spannung aufgebaut werden kann und teils die Langeweile vorherrscht.
Dass der ganze Film scheinbar am Tag gedreht, und nachträglich abgedunkelt wurde (zumindest wirkt das ganze so)
ist allerdings nicht gerade gut für die Atmosphäre- und was man absolut nicht erwarten darf, ist auch nur die geringste Logik.
Würden die Bewohner des Dorfes einfach wegziehen, hätten die knochigen Templer ein Problem...
Die Bildqualität ist hier auf dem Tiefpunkt angelangt, der komplette Film ist übelst unscharf.

3/10


HYDRA



Eine durch einen technischen Fehler abgeworfene Atombombe aus einem Flugzeug explodiert im Meer.
Dummerweise mutiert dadurch eine Seeschlange zu einem riesigen Monster, welches Schiffe angreift.

Der letzte Film von Trash-Regisseur Amando De Ossorio kann leider in keinem Punkt überzeugen.
Da ist es wohl kein Wunder, dass diese Gurke nur unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde.
Konnten seine "Reitenden Leichen" wenigstens teilweise noch mit einer schön düsteren Grusel-Atmosphäre punkten,
ist das einzig düstere hier generell das Bild- vermutlich um die unglaublich miesen Tricks nicht noch besser zu erkennen.
Die Explosion der Bombe ist das einzig überzeugende im Film- weil diese wohl aus einer alten Doku oder ähnlichem einkopiert wurde.
Dafür ist die "Hydra" in den meisten Szenen eine eindeutig als solche erkennbare Handpuppe mit Glubschaugen,
in den Großaufnahmen, wenn Menschen weggeknuspert werden, ein großer, vollkommen starrer Plastikkopf mit Klappmaul.
Moment... EIN Plastikkopf? Ja, denn die angebliche "Hydra" ist ja nur eine größere Seeschlange.
Der spanische Originaltitel lautet ja auch "Serpiente de Mar", bzw "The Sea Serpent"- also nix mit einer angeblichen "Hydra".
Nun gut, für den (wie so oft damals) dämlichen deutschen Titel kann der Film ja nichts,
man erwartet aber unter einem solchen Titel natürlich trotzdem etwas anderes.
Generell sind auch alle anderen Tricks höcshtens auf dem Niveau alter Godzilla-Filme, Spielzeughubschrauber, Modelleisenbahn usw.
Immerhin sind hier Timothy Bottoms und Ray Milland zu sehen, welche aber nicht gerade motiviert wirken-
alle anderen Darsteller sind dagegen mit "vollkommen unbegabt" schon fast zu wohlwollend beschrieben.
Die meisten Personen tapsen vollkommen gelangweilt durch den Film,
die Synchronsprecher bemühen sich scheinbar noch zusätzlich ebenso gelangweilt zu wirken. Oder noch gelangweilter.
Das ist so ein typischer Film, der in einer Runde mit Trashfreunden durchaus für Heiterkeit sorgen kann,
alleine angesehen oder gar als ernsthafter Film ist "Hydra" aber ein absoluter Totalausfall.

0/10

Retro

MACH'S NOCH EINMAL, SAM



Der Filmkritiker Allan (Woody Allen) ist neurotisch, tollpatschig- und generell fürchterlich nervig.
Wen wundert es da, dass ihn seine Frau verlässt?
Trotzdem versucht das mit ihm befreundete Ehepaar Dick und Linda (Diane Keaton) ihm andere Frauen vorzustellen,
allerdings mit sehr mäßigem Erfolg, da Allan wirklich jede Chance mit seinem Verhalten zunichte macht.
Gelegentlich erscheint ihm auch Humphrey Bogart in Tagträumen, welcher ihm Tips zum Umgang mit Frauen gibt.
Dummerweise bemerkt Allan schon bald, dass er seine theoretische Traumfrau schon lange kennt- nämlich Linda...

Als großer Fan von Casablanca (mein wohl meistgesehener Lieblingsfilm) musste ich "Mach's noch einmal Sam" unbedingt ansehen.
Der Film beginnt mit dem Ende von Casablanca, (welches hier mit einer mir bisher unbekannten Synchro daherkommt),
und steuert schon bald auf ein sehr ähnliches Ende zu...
Ich bin aber wohl nicht der Typ für Allen's Filme, denn schon von der ersten Minuten an nerven mich seine Selbstgespräche im Film,
und seine generelle (mir) extrem unsympathische Erscheinung machen es nicht besser.
Der Humor ist meiner Meinung nach einfach nur platter, alberner Klamauk,
dass Allan z.B. nicht seinem Föhn klar kommt fand ich jedenfalls nicht als lustig, sondern einfach nur als peinlich-blödes Overacting.
Die Dialoge sind nicht besser:
"Auf der Hochzeitsreise bin ich 14 Tage nicht aus dem Bett gekommen, ich hatte Durchfall".
Hahaha, wie lustig. Und solche Klopse ziehen sich durch den ganzen Film. "Wie hieß denn der Film?" - "Gangbang".
So Interessant ich die Grundidee des Films generell auch finde, so unpassend finde ich die Umsetzung.
Für das Auftauchen des eingebildeten Bogarts, die generellen kleinen Casablanca-Referenzen
und dem wirklich nett arrangierten Ende gebe ich gerade noch

4/10

Wolfhard-Eitelwolf

Wolf's Call - Entscheidung in der Tiefe

Ja, es gibt ihn noch: Den hochqualitativen, spannenden U-Boot-Film. Wolf's Call wandelt auf den Spuren von Crimson Tide und besticht durch einige absolut packende Spannungspassagen, eine rundum gelungene Inszenierung (CGIs gehobenes B-Niveau, punktuell auch A) und ordentliche Darstellerleistungen. Ein echtes Zugpferd fehlt jedoch, bleibt doch gerade die Hauptfigur etwas blass. Aber letztlich geht's um die atemlose Spannung unter dem Meer - und da funktioniert der Film, auch wenn er im Mittelteil selbstverständlich auch etwas 08/15-Liebelei-Handlung am Festland braucht, um auf seine Laufzeit zu kommen.

Den Film gibt's bei amazon für lau, leider dafür erwartungsgemäß mit den deutlich sichtbaren Kompressionsartefakten vor allem unter Wasser. Irgendwann muss das amazon doch peinlich werden?!

knapp 8/10

DisposableMiffy

The Wolf's Call fand ich, bis auf den schwächelnden Mittelteil, ebenfalls sehr gelungen. Starkes Ende auch.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

Retro

WOLF WARRIOR



Der Scharfschütze Leng Feng (Wu Jing) missachtet einen direkten Befehl und rettet dadurch einen Einsatz-
wird aber trotzdem wegen Befehlsverweigerung aus seiner Einheit entlassen und ins Gefängnis gesteckt.
Allerdings nicht lange, denn kaum dort angekommen steht auch schon die Anführerin der "Wolf Warriors",
einer Spezialtruppe in welcher nur die besten der besten agieren, in seiner Zelle um ihn zu rekrutieren.
Viel Zeit zum überlegen bleibt ihm nicht- denn ein extrem gefährlicher Einsatz steht an:
Unter der Leitung des Söldners und ebenfalls Scharfschützen "Tomcat" (Scott Adkins)
versucht eine gefährliche Gruppe Terroristen eine biologische Waffe gegen China einzusetzen...

Wieder so ein Film, bei dem einem die Wertung wirklich schwer fällt.
Von Hubschraubern bis Panzern fährt diese chinesische Produktion wirklich alles auf, was Kriegsgerät so hergibt-
nur dumm, dass diese zwar alle echt und in Bewegung zu sehen sind, aber nie im Kampfeinsatz.
Mit den Hauptdarstellern Wu Jing und Scott Adkins als seinem Gegner hat man zwei hochkarätige Martial Arts-Kämpfer dabei-
warum lässt man diese aber nur in einem extrem kurzen Endkampf gegeneinander antreten?
Es wird viel Action geboten und kracht und explodiert an allen Ecken- aber auf Kriegspropaganda und Patriotismus-Niveau.
Und das schlimmste: Warum hat man bei der ansonsten wirklich sehr hochwertigen Optik des Films
dermaßen schlechte CGI-Wolfsangriffe in die Mitte des Films gesetzt? Bringt der Story nichts, sieht aber Scheisse aus.
"Wolf Warrior" wird nie langweilig und bietet viel Action, bleibt aber aufgrund seiner schwächen im Mittelmaß stecken.

5/10

Private Joker

Das Ende der Wahrheit

Prokino präsentiert eine Produktion von Arte + "ZDF-Das kleine Fernsehspiel", klingt nicht unbedingt nach ganz großem Kino...

... und isses auch nicht (ja, ich weiß, den Introsatz hatte ich schon mal verwendet). Kurz nach dem Film hatte ich eines der hier verlinkten externen Reviews gelesen (T. Wolters), wo sich der "Kritiker" darüber auskotzt, dass das deutsche Kinopublikum mal wieder einen Thriller links liegen gelassen hat (30.000 Zuschauer, was ich persönlich eher viel finde). Aber ganz ehrlich: Wenn ich ein TV-Budget (2 Mio) spendiere, TV-Nasen engagiere und das ganze in TV-Optik abfilme, warum zum Schimi sollten sich das die Leute dann im Kino und nicht im Fernsehen ansehen ? Eben.

Wer das als gehobenen Tatort sieht, fährt allerdings gar nicht sooo schlecht. Der Plot ist im Kern interessant, die Grundidee, die leider nie so deutlich ausgesprochen wird (Wirtschaft + Politik bestellen sich Terroranschläge, um jeweilige Interessen durchzusetzen) bekommt von mir eine solide 8/10 auf der Verschwörungstheorieskala und ist nicht mal völlig unrealistisch. Das Highlightchen, der Überfall auf den Konvoi, ist ganz sauber gefilmt und ein Gegenentwurf zur Moorhuhnballerei bei Strike Back, wo die Guten nie Kratzer abbekommen. Mit dem Cast bin ich nicht so warm geworden, Zehrfeld ist zwar ziemlich präsent, aber wenig ausdrucksstark, und der von Fehling ganz gut gespielte Rookie ist mir zu sehr Bauer auf dem Schachbrett. Auf der Minusseite des Films stehen eine relativ schnörkligen Erzählweise, die insgesamt sehr verhaltene Spannung (die Hauptfigur ist bis auf die besagte Szene eigentlich nie in Gefahr) und vor allem das Ende, das genauso glatt wie platt ist. Merke: Politthriller mit DER Message sollten eigentlich zwingend und deutlich zynischer enden.

Die Ofdb-Durchschnittsnote (5,6) trifft es eigentlich ganz gut, ich runde mal auf 6/10 auf.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

PierrotLeFou

Hustlers (2019)

Manch eine(r) stört sich womöglich daran, dass weibliche Hauptfiguren größtenteils unsympathisch und/oder lächerliche männliche Randfiguren ausnehmen, manch eine(r) daran, dass diese Frauen aber keine Feministinnen oder auch bloß emanzipiert sind, manch eine(r) kann womöglich die Lopez nicht leiden... Schade, denn "Hustlers" ist ein recht guter Film.
Manchmal etwas bemüht, fair zu wirken: so wird zum Ende hin ein sympathisches männliches Opfer eingebracht. Das hätte es gar nicht gebraucht, denn dass die Frauen wie ihre früheren Kunden aufgrund wenig rechtschaffenen Schaffens im Luxus schwelgen und arrogant nach "unten" treten (etwa auf Angestellte beim Shoppen) wird eh deutlich und gegen Ende auch ausdrücklich erwähnt.

Letztlich läuft er mMn eher schon Gefahr, zu ausgewogen zu sein, anstatt anti-feministisch, sexistisch oder was auch immer zu sein... Ist ein bisschen so, als hätte man "Molly's Game", "Wolf of Wall Street", "Widows" und "Bling Ring" verquirlt.
Dass er mit der zunehmend positiver rüberkommenden Journalistin auch eine wesentlich positivere Frauenfigur im Angebot hat, ist ein Umstand, den man gerne vergisst, wenn man sich über dieses vermeintlich eskapistische Suhlen in Luxus und Abenteuer herzieht.
Dass er es bei all seinen Nackt- und Halbnacktheiten, gespreizten Beinen und wackelnden Ärschen schafft, nicht in die Sparte des erotischen Films zu rutschen, sondern einen nüchternen, nicht-geilen Blick auf das Geschäft mit Körpern zu werfen, ist auch recht löblich...

Ist eigentlich alles drin: Erniedrigung, Aufbegehren, Triumphieren, Genießen, schuldig werden, Reue, Niedergang und die Einsicht, dass man anderen nur zu gerne das antut, was einem selbst angetan wird... Nicht umwerfend originell die Einsicht, aber zusammen mit dem Gedanken, dass bei Finanzkrisen die Scheiße vor allem nach unten fällt, und den etwas klischeehaft geratenen Einblicken in die Bürde alleinerziehender Mütter doch recht sympathisch. Und solange Gesellschaften es nicht verinnerlichen können, dass man nicht nach unten tritt, kann man so eine prinzipiell ausgelutschte Message auch immer wieder einmal neu aufbereiten...

Hat aber vielleicht tatsächlich ein bisschen das Problem, dass Teile des Publikums einfach bloß den Koks-/Titten-/Ärsche-/Geld-/Konsum-/Humor-Anteil genießen wollen und können... aber anbiedernd erschien er mir dennoch nicht.

Zudem ist er handwerklich äußerst sorgfältig ausgefallen, was man ihm zu Beginn aber noch nicht unbedingt ansieht...
Ich würde bei einer satten 7/10 landen...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Wolfhard-Eitelwolf

Message Man

Eine zwiespältige Angelegenheit: Einersets bietet das Punisher-ähnliche Vehikel exotisch-erfrischende Locations, durchaus sympathische Charaktere und jede Menge Bodycountpotenzial - andererseits habe ich selten eine so schlechte Actionregie gesehen: Unübersichtlich, viel zu schnell geschnitten (um die miesen CGI nicht zu deutlich zu zeigen) und keinerlei Gespür für stimmungsvolle Perspektiven oder gar Zeitlupenchoreos. Schade um die vertane Gelegenheit - ein typisches Opfer des heutigen Films, bei dem es nicht mehr auf künstlicherisches Schaffen oder gar Talent ankommt, sondern nur noch auf schnelles Runterkurbel und Auffüllen mit CGI-Müll. Was wünsche ich mir doch die Hard Boiled-Zeit zurück... *träum*      dennoch noch 6,5 / 10

Private Joker

Danger Close (2019)

Australischer Kriegsfilm über das Gefecht von Long Tan.

Long Wat ? werden da einige fragen, und das umreißt natürlich ein gewisses Problem für den Film zumindest außerhalb seines Produktionslandes. Das untertitelgebende Scharmützel im Rahmen des Vietnamkriegs hat für die Australier, die damals 18 Soldaten verloren, natürlich seine Bedeutung, dürfte aber für den Rest der Welt eher eine Randnotiz in einem eher unrühmlichen Konflikt darstellen. Zumal der Film auch keine Ambitionen über die Würdigung - wer es drastischer mag: Heldenverklärung - der damaligen Soldaten hinaus hat.

Das mal außen vor und von der reinen Filmqualität her betracht, fällt das Urteil deutlich positiv aus. Der ist solide und nüchtern inszeniert; herausragend ist vor allem der Grad an Realismus, von dem sich manche US-Produktion eine große Scheibe abschneiden könnte. Vielleicht auch dank der Beratung durch den überlebenden Zugführer stimmt da jedes Gewehr, die beteiligten Hubschrauber und Panzer sind authentisch bis zum Exzess (einer der gezeigten UH-1D war damals wirklich im Einsatz); und selbst die kurz gezeigten F-4 Phantom der Amis sind keine billigen CGI (ich vermute mal unrecherchiert, dass man die aus Stock Footage ausgeschnitten und neu einkopiert hat).
Auch in Sachen Gewaltgrad liegt man imo durchaus richtig; da wird nichts beschönigt, aber auf Bilder von herumfliegenden Körperteilen, mit denen das US-Kriegskino zuletzt häufig um die Ecke kam, wird durchweg verzichtet, und ich vermisse das auch nicht.

So gesehen 8/10. Wer von Kriegsfilmen zeitgeistigerweise mehr erwartet als "das waren töfte Typen, die zu früh sterben mussten", wird zwangsläufig niedriger werten.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

1 Februar 2020, 11:38:19 #1813 Letzte Bearbeitung: 1 Februar 2020, 18:08:16 von Private Joker
Ein bisschen SF und Horror zum Ausklang der dunklen Jahreszeit

Freaks (2018) (BD)

Die Welt ist ungerecht- die Schlaftablette Brightburn bekommt einen Kinostart und der hier nicht. Und er zeigt, dass die früheren X-Men Themen wie der Konflikt "Normalos - Begabte" noch längst nicht auserzählt sind, im Gegenteil. Beginnt langsam, steigert sich aber massiv und bietet vor allem in der letzten halben Stunde das, was die großen Marvel/DCU-Blockbuster in ihren generischen CGI-Finalschlachten nicht mal mehr ansatzweise generieren: Spannung. Extrapluspunkt für die zur Drehzeit wohl wirklich erst 7jährige Lexy Kolker, die die meisten Kinderdarsteller dieses und anderer Lebensalter ganz nun ja "alt" aussehen lässt.

Geheimtip. 8/10

Wounds (Netflix)

Ziemlich gegen den Strich gebürsteter Tech-Softgrusler mit einer zur Abwechslung mal angenehm unsympathischen Hauptfigur. Heftig verrätselt, mit mehr Andeutungen und Mysterien als einer wirklich stringenten Handlung, aber auch ein paar solide Gruseleffekte.

Für alle, die mit reichlich offenen Fragen beim Abspann leben können, ganz nett. 6/10

La Influencia (Netflix)

Nochmal mediumblutiger Softgrusel auf Netflix. Eine ziemlich altbekannte Geschichte mit wenig Überraschungen und auch optisch nicht allzu attraktiv. Aber einige Schocks und Scares sitzen.

5/10


Childhood's End (2015) RTL 2

Der passt hier nicht so ganz rein, aber einen eigenen Thread im TV-Forum wollte ich für die 3 Teile auch nicht eröffnen, zumal die deutsche TV-Premiere beim sonst eher niveaugedeckelten Privatsender ja auch schon ein paar Tage her ist. Wer den als Fan "klassischer" SF noch irgendwo auftreiben kann, sollte aber in jedem Fall mal einen Blick riskieren, denn diese Art nachdenklicher TV-Unterhaltung ist relativ selten geworden. A.C. Clarks wohl bekanntester Roman nach 2001 wirkt immer noch überraschend zeitgemäß (auch wenn sich der Autor von einigen seiner eigenen Aussagen leicht distanziert hat), die ziemlich werkgetreue Verfilmung ist optisch solide/unspektakulär (aber keinesfalls "veraltet", wie ein TV Blatt schrieb), aber darauf kommt es auch gar nicht an. Thinking Man's SF im besten Wortsinne.

8/10
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

PierrotLeFou

Little Women (2019)
Viel erwartet, in den ersten Minuten etwas skeptisch gewesen, aber im Verlauf des Films immer mehr beruhigt und letztlich überzeugt worden. Gerwigs pointierte Betonung moderner Themen samt kleiner Statements macht aus dem Ausstattungsfilm im historischen Setting ein Werk, das ganz up-to-date ist, ohne sich dabei verbiegen zu müssen oder sonderlich aufgesetzt zu wirken, wobei sich der Film etwas von der Vorlage ab- und der Person der Verfasserin zuwendet und insgesamt vor allem versöhnlich, nicht polarisierend daherkommen will.
Fein besetzt, beachtlich ausgestattet und gerade in seinen sanft melodramatischen, leicht melancholischen Tönen besonders stark. Der Tod der Schwester kam recht effektiv daher; musste mich schon ein wenig zusammenreißen, was mir glücklicherweise dadurch erleichtert worden ist, dass direkt neben und hinter mir zwei Personen in Tränen ausgebrochen sind... (weil es doch sehr positiv stimmt, sich unter empfindsamen Gemütern zu wissen; das überwog dann die durch den Filmtod hervorgerufene "Trauer".) Das Herauswachsen aus der Kinderrolle wird hier insgesamt sehr sensibel thematisiert, wobei auch Auszug und Tod angemessen behandelt werden, um sich als ZuschauerIn mit Vergänglichkeit insgesamt arrangieren zu können...
Satte 8/10.


Sorry We Missed You (2019)
Neigt wie viele späte Loachs ein wenig zum Holzhammer und bietet eher einen Extremfall und weniger den Regelfall (was durch unnötige Details wie den dreibeinigen Hund beinahe schon an einer absurden Übersteigerung entlangschrammt), aber ganz unglaubwürdig ist dieses wohl in enger Zusammenarbeit mit interviewten ZustellerInnen entstandene Sozialdrama keinesfalls. Vieles mutet aber wie eine Beschreibung bekannter Umstände an: Dass die Eltern es trotz Arbeit zu nicht allzu viel bringen, bringt einen resignierenden, revoltierenden Sohn hervor, dessen schwieriges Verhalten die prekäre Situation der Eltern hingegen wieder erschwert. Hinzu kommen die üblichen Paketdienst- und Pflege-Unsitten, die hierzulande ähnlich aussehen... Große Stärke ist aber die emotionale Wucht, die der Film mit sich bringt. Einer Familie dabei zuzusehen, wie sie auseinanderzureißen droht und aus misslicher finanzieller Lage nicht herauskommt, sondern bloß immer weiter abrutscht, ist schon recht unangenehm... und die ganzen Verzweiflungsausbrüche, in denen Hilflosigkeit, Stress, Angst, Trauer und Scham in gewaltsame Übergriffe, zornige Anklagen und fließende Tränen übergehen, setzen schon arg zu. Das kann Loach einfach...
Schwache 8/10.


Kamera o tomeru na! (2017)
Die DVD-Sichtung dieser "besten Zombie-Komödie seit Shaun of the Dead" hat mir eher wenig gegeben. Spielfilm im Film samt anschließem Fake-Making-Of, das aber Spielfilmzüge und keine mockumentary-Züge trägt, haben mich weder mit einem Spannungsbogen noch mit erhellenden Einsichten wirklich abgeholt und nach den Neuen Wellen, der Postmoderne und dem Retro-Kino haben es Meta-Filme immer schwerer, einen Mehrwert mit sich zu bringen. Die ersten 30 Minuten fand ich so ununterhaltsamen und nervig wie das Gros der Low-Budget-Zombiefilme, danach wurde der Film zwar etwas interessanter, aber wirklich amüsant wirkten bloß die letzten 20 Minuten auf mich, weil da recht humorvoll der Stress hinter einem Single-Take-Werk verdeutlicht wird... Sympathischer kleiner Film, einigermaßen originell konzipiert, aber mehr als eine allenfalls solide 6/10 ist er mir nicht wert... (Wobei ich "Shaun of the Dead" übrigens auch nicht übermäßig mochte.)
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Wolfhard-Eitelwolf

Hotel Mumbai

Eine absolut positive Überraschung. Bemerkenswert nüchtern-professionelle, aber zugleich auch packende und sehr gut gespielte Darstellung der Terroranschläge von Mumbai. Immer wieder werden dabei auch echte Nachrichtenschnipsel eingespielt, die die Atmosphäre weiter verstärken. Die schonungslose Action ist gut über den Film verteilt, dabei nie selbstzweckhaft, ärgerlicherweise leider auch mit so manchem CGI-Feuerchen und Blutspritzer versehen. Das kostet etwas Realismus. Auch das Abfeiern des Hotels zum Schluss ist ein Tick too much - aber letztlich nur eine Randnotiz.

7,5 von 10. Ohne CGI wären es 8 bis 8,5

PierrotLeFou

Bombshell (2019)

"Trumbo" mochte ich eigentlich recht gerne, dieses neue Biopic sagte mir hingegen weniger zu, gleichwohl ja ein angesehener Autor mit dabei war. Positiv würde ich zum einen anrechnen, dass Roger Ailes nicht völlig in die Pfanne gehauen wird, sondern dass man ihm eine gewisse Restwürde lässt. Zum anderen den Umstand, dass er ohne Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben zeigt, dass hier auch die Bereitschaft besteht, sich für die perfekte Karriere widerwillig letztlich doch zu verkaufen.
Negativ dagegen: Die rassistischen Statemente mancher der Opfer tauchen hier kaum auf, um die Zuneigungen nicht stärker zu verkomplizieren. Dann geht es um Machtmissbrauch in der Nachrichtenbranche, die sich wie Hollywood selbst anbietet, als schmutziges Milieu zu dienen, das hinter der Fassade ein Sündenpfuhl ist. Hier wird dann auch angekreidet, dass weibliche Körper ausgestellt werden. Gleichzeitig stellt "Bombshell" dann selbst Körper aus; zwar wird keine lesbische Sexszene gezeigt, aber um zu zeigen, dass zwei Frauen etwas miteinander haben, muss man sie nicht in Unterbekleidung gemeinsam im Bett liegen lassen. In einem Film, der am Rande auch die Vermarktung weiblicher Körper anprangert, wirkt das nicht ganz konsequent. Hier erweist sich der Film als oberflächlich, wenn nicht gar heuchlerisch: Die Objektivierung von Körpern und deren entsprechende Vermarktung ist in der Gesellschaft fast ständig und überall gegeben. Film und Fernsehen zeigen bloß ganz symptomatisch, was schief liegt, (und festigen das sicherlich zu einem Teil auch), aber ansetzen müsste man woanders...
Stattdessen personalisiert der Film als Biopic alle Umstände und Probleme und geht schwierigen Fragen und Sachverhalten aus dem Weg. Insofern ist es eigentlich ein adäquater Film zur #MeToo-Debatte.
Gute 6/10



Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn (2020)
Zitat von: PierrotLeFou nach 20 Februar 2020, 01:24:31Habe erwartet, dass er (das nicht unbedingt hohe) "Suicide Squad"-Niveau hält oder auch minimal besser ausfällt; letztlich finde ich ihn deutlich besser und würde ihn bei einer schwachen 7/10 verorten.

Vermixt unerwartet stilsicher Film-noir-Versatzstücke und Comic-Oberflächenreize zu einem etwas grell-laut-bunten Genrecrossover, angereichert mit kleinen Anleihen beim Polizeifilm, beim Western, beim Mafiafilm, beim Musical - das schafft er wesentlich eleganter als Schumachers zweiter Batman-Film, der wirklich nicht gut ist, aber zumindest unterschätzt wird. (Auch der Post-Credit-Gag offenbart eine gewisse Durchtdachtheit, die davor Abstand, alles auch überdeutlich zu erklären: In dieser letzten Pointe gibt sich der Film zwar besonders aufdringlich und meta, unterläuft dann aber durch den abrupten Abbruch die aufgebaute Erwartung.) Bis auf ein, zwei unnötige Dialog-Momente reitet der Film darauf aber sowenig herum wie auf dem Umstand, dass er ganz am Rande neue Geschlechterrollenverständnisse aufgreift und bedient. Am Ende sackt er diesbezüglich einmal ganz kurz ein, fängt sich aber sogleich wieder.
Ewan McGregor gibt einen schillernden, geltungssüchtigen Schurken ab, bei dem latent homoerotische Züge (gar nicht einmal sooo latent, aber auch nicht bemerkenswert unterstrichen) die Degradierung von Frauen zu verfügbaren Objekten begleiten. Margot Robbies Harley Quinn ist bemüht, die Närrin und die Psychologin in der Figur gleichermaßen zu thematisieren: die Figur ist verrückt, insofern sie nicht ganz bei sich ist, einigermaßen schwankend und widersprüchlich agiert und letztlich teils ironisch, teils ernsthaft die präsentierten Bilder/Handlungen auf ziemlich eigensinnige, subjektive Weise wiedergibt. Insofern kann ich nicht verstehen, weshalb man sich über die "Emanzipation" im Titel aufregt. In all ihren direkt ans Publikum gerichteten Voice-Over-Kommentaren wird deutlich herausgestellt, dass diese Worte das Geschehen nicht adäquat wiedergeben. Das sollte auch für den Titelzusatz gelten, der ja auch ihrer kurzsichtigen Selbsteinschätzung entspricht. Verrücktheit im Sinne einer Störung (und nicht etwa im Sinne einer Unangepasstheit) passt ja auch nicht zu einer emanzipierten Figur, der eventuell auch noch Vorbildcharakter zukommen soll.
Aber neben dem offensichtlichen Frauen/Mädchen-gegen-Männer-Finale bietet der Film ja auch noch spannende Parallelisierungen von (sexual)pathologischer Misogynie und struktureller Benachteiligungen (auf welche kleinn Gags einigermaßen subtil anspielen); und eine Lockerheit im Hinblick auf weibliche Verhaltensmuster sehe ich auch gegeben, auch würde ich (ohne Wonder-Woman-Kenntnisse) den selbstverständlich wirkenden Umgang mit unterschiedlichen Abstammungen nicht von der Hand wischen.

Ich habe mich überraschend gut amüsiert, die Inszenierung halte ich für mehr als bloß routiniert (wobei das Grelle und campy Züge dazugehören - eine Szene scheint mir direkt auf John Waters (Female Trouble) zu verweisen), die progressive, aber anders als in "Black Christmas" oder gerade in "Bombshell" nicht explizit breit ausformulierte Haltung finde ich löblich... (Wobei ich freilich nicht denke, dass der Film irgendwen direkt beeinflussen wird; aber er ist Teil einer Filmwelt, die - sofern es keine Rückläufigkeiten gibt - in 20, 30 Jahren sicher recht deutlich gewirkt haben wird.) Das ist mehr als das, was mir mancher Blockbuster so bietet... Freilich auch keine großartige Filmkunst, aber die Schmähungen, die er bisweilen erntet, kann ich nicht ernst nehmen. Da sitzt manch einem aus ideologischen Gründen scheinbar einfach irgendwie ein Furz quer.

"Bombshell", den ich gestern gesehen habe, sagte mir da als Zeitgeist-Film ein bisschen weniger zu...
Schwache 7/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Wolfhard-Eitelwolf

Arctic

Absolut sehenswerter Survivalfilm a la CastAway, der einen ohne typischen Einstieg mitten ins frostige Geschehen rund um ein kleines Flugzeugwrack in der Arktis wirft, dann der Prämisse folgend natürlich sehr wortkarg voranschreitet und dabei stets sehr atmosphärische Bilder (kaum CGI) wie überzeugende Darstellerleistungen (beinahe One-Man-Show) in klirrender Kälte liefert.

knapp 8 / 10

Retro

ENDZEIT



Vor zwei Jahren war die große Zombie-Apokalypse, bei der auch alle deutschen Städte von Zombies überrannt wurden.
Alle? Nein! Ein paar unbesiegbare Gal... ähhh... Stop. Anders:
Lediglich Weimar und Jena sind noch in den Händen der lebenden, und bieten Schutz für eventuell noch andere überlebende Menschen.
Zwei junge Frauen wollen aus verschiedenen Gründen raus aus Weimar, ihr Leben neu beginnen- und ihr Glück in Jena versuchen.
Unterwegs treffen sie nicht nur auf aggressive Untote und müssen mit ihrer eigenen Vergangenheit klar kommen,
sondern sind auch erstaunt über die Natur, welche sich langsam alles zurückerobert.
Hat die Zombie-Apokalypse vielleicht sogar positive Seiten? Gibt es eine Chance auf eine komplett neues Leben für die Menschheit?

Viel (und vor allem nur) schlechtes habe ich über diesen Film gehört: Emanzen-Zombiefilm, unverständlich genuschelte Dialoge, schlecht gespielt...
Zunächst muss ich dann wohl erwähnen, dass ich "Virus Undead" durchaus unterhaltsam fand, und "Rammbock" für mich ein kleines Highlight ist.
Sonst kenne ich nur deutsche Amateur-Zombiefilme wie die "Mutation"-Reihe, "Zombie 90",
die "Urban Scumbags" und ähnlich billigen Mist, die ich allesamt unerträglich schlecht fand- und daher oft nicht mal beendet habe.
Schauen wir mal wie sich "Endzeit" schlägt...

Wer wegen der Zombie-Thematik einen Splatterfilm erwartet liegt schon mal falsch.
Es gibt zwar durchaus auch ein paar brutalere Szenen (ohne CGI), aber für diese Art von Film wird sich deutlich zurückgehalten.
Dass Männer hier nur Nebendarsteller sind, und die "starken" Figuren wirklich ausschließlich weiblich besetzt sind stimmt zwar,
wäre mir aber ehrlich gesagt vermutlich nicht mal aufgefallen, wenn ich nicht zuvor den "Emanzen-Zombie"-Spruch gelesen hätte.
Das stört jedenfalls zu keiner Sekunde, ebenso konnte ich die Dialoge gut verstehen- vom angeblichen "nuscheln" habe ich jedenfalls nicht viel bemerkt.
Schauspielerisch... Gut, da ist eher Mittelmaß angesagt- aber auch hier konnte ich jetzt keinen Totalausfall entdecken.
Negativer fand ich eher die gesamte Stimmung des Films, welcher oft knallig bunte Farben zeigt- und somit wenig Endzeit-Stimmung rüberbringt.
Das wird zwar schlüssig erklärt (Natur erobert sich ihren Platz zurück), kommt aber natürlich optisch eher seltsam für einen Zombiefilm daher.
Wenn man will kann man natürlich auch generell über den gesamten Öko-Aspekt des Filmes herziehen,
im Vordergrund stehen jedenfalls nicht unbedingt die angreifenden Zombies- eher die Menschen und eine mögliche Rückbesinnung zur Natur.
Ob man dafür jetzt unbedingt Figuren wie die "Gärtnerin" gebraucht hätte sei dahingestellt- manchen Zombie-Fan mag das durchaus verstören.
Ich persönlich fand das ganze allerdings durchaus erfrischend anders, die Macher hatten hier offensichtlich einen Horrorfilm mit Aussage im Sinn.
Kein Highlight, aber weit entfernt von billigem Trash, sehr eigenständig erzählt- und meines Erachtens schon deshalb durchaus sehenswert.

7/10

Private Joker

16 März 2020, 13:28:57 #1819 Letzte Bearbeitung: 16 März 2020, 14:21:15 von Private Joker
Weil hier gerade die Einschläge näherkommen und die üblichen 14 Tage Kampfpause (mindestens) drohen, hat man leider - zu - viel Zeit für Filme im Heimkino

Verachtung (2018)

Vierter und vermutlich letzter Film nach Adler-Olsen-Romanen - in dieser Besetzung, zumindest. Schade eigentlich, die Typen - vor allem Fares Fares - waren immer ein klarer Pluspunkt dieser kleinen Reihe, die aber auch inhaltlich durchweg mindestens solide daherkam. Der hier greift noch mal in den großen Topf der Verschwörungen, so ein bisschen Grangé-Territorium. Aus den realen, hier durchaus beklemmend inszenierten Sterilisierungsexperimenten, die lt. Abspann bis in die späten 1960iger in Dänemark stattfanden, wird hier ein großer fiktiver Bogen in die Gegenwart gespannt. Das alles bekommt jetzt nicht unbedingt das Glaubhaftigkeitssiegel "approved by reality", zumal - wie in vielen Grangé-Szenarien - auch die behandelten Zeiträume eigentlich alle Protagonisten der früheren Verbrechensebene längst überholt haben müssten. Und die Szene, in der Mørck eine Verdächtige verhört und sich dabei wissentlich zudröhnt, ist mal ein echter Dummfug. Aber umgekehrt gibt das Szenario auch durchaus Raum für ein paar solide Spannungseffekte und "letzte Minute-Rettungen".

Daher 6,5/10, als Abschiedsvorstellung des Teams vielleicht auch noch ein Extranostalgiepunkt.

Scary Stories to tell in Dark

Den hatte ich eigentlich anders erwartet, eher in Richtung Anthologie, aber die titelgebenden Stories spielen keine große Rolle und werden komplett in den Dienst der Haupthandlung gestellt - kann man so machen, denke ich. Und übermäßig juvenil geriet der trotz der jugendlichen Protagonisten auch nicht, die FSK 16 ist soweit sie für Softhorror überhaupt sinnvoll ist (ab 14 oder 15 täte es sicher auch), hier durchaus angemessen. Dank des für Horrorverhältnisse ordentlichen Budgets, ein paar nett düsterer Bilder und der nicht komplett verbrauchten Grundidee ist das durchaus ein solider Genrebeitrag. Das Ende könnte ein bisschen ausgefeilter und weniger fortsetzungsträchtig sein.

7/10
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Wolfhard-Eitelwolf

Danger Close

Um Authentizität bemühter australischer Kriegsfilm über eine wahre Episode des Vietnamkrieges. Man merkt, dass mit viel Hingabe gearbeitet wurde udn Elemente u. a. aus Apokalypse Now und Wir waren Helden lassen sich durchaus wiederfinden. Die erste Hälfte wird vorwiegend mit Dialog und recht detailliertem Lagerleben gefüllt, in der zweiten Filmhälfte knallt es dann aber durchgehend in einer Mischungb aus Teeplantage und Wald, wobei final auch Schützenpanzer und Hubschrauber eingesetzt werden. Die auf Feuergefechte fokussierte Action gestaltet sich oft handgemacht und bietet einige eindrucksvolle Momente wie etwa den Zeitlupenabschuss von Artillerie und auch so manche Härte. Dem Ganzen fehlen ein wenig die herausragenden Charaktere und Sympathieträger, auch ermüded die Action irgendwann auch etwas. Alles in allem kein Blockbuster, aber ein wirklich feiner Beitrag zum Genre, der mit echtem Archivmaterial beschlossen wird. 7/10

Retro

GEISTERJÄGER JOHN SINCLAIR



DIE DÄMONENHOCHZEIT (1997)

Köln im Jahre 1197: Eine Hexe und ein Dämon wollen die Stadt unterwerfen, sind aber zu doof dazu.
Köln im Jahre 1998: Ein paar Freundinnen besuchen den Ort an dem sich das ganze der Legende nach abgespielt hat und beschwören Dämonen.
Bald darauf stirbt eine nach der anderen an Herzversagen- doch das Blut der Leichen will nicht gerinnen.
Die zuständigen Behörden sind natürlich überfordert und übergeben den Fall dem berühmten Londoner Geisterjäger John Sinclair.
Gute Idee, denn inzwischen sind die Mädels als Untote unterwegs, um im Kölner Dom eine Dämonenhochzeit zu feiern...

Florian Fitz als John Sinclair ist rein schon optisch eine komplette Fehlbesetzung (Schwarze Haare und Schwiegermutter's Liebling-Optik),
wobei das eigentlich egal ist- denn ausser den Namen Sinclair und Conolly erinnert hier eh kaum etwas an die Romane oder Hörspiele.
Suko und andere wichtige Figuren fehlen komplett, der "Schwarze Tod" ist zwar dabei, aber hier nur eine billige CGI-Rauchwolke.
Schauspielerisch dürfte wohl so manche deutsche TV-Serie aus diesem Zeitraum sogar locker unterboten werden- und Tricktechnisch sowieso.
Die Dialoge sind selten dämlich, die Story kommt komplett Überraschungs-und Spannungsfrei daher, die Musik unterstützt nicht sondern nervt.
"Die Dämonenhochzeit" wirkt wie gewollter, ewig in die Länge gezogener Trash- und das funktioniert nun mal nicht.
Das haben wohl alle Zuschauer dieser TV-Film-Gurke, welche eigentlich als Pilotfilm einer John Sinclair-Serie gedacht war, ähnlich gesehen-
so dass die Pläne zu einer Serie erstmal verworfen wurden, und das ganze einfach im nachhinein als John Sinclair-Film vermarktet wurde.
Ja, der Film ist gruselig. Gruselig schlecht, gruselig langweilig, gruselig gespielt...

0/10

ICH TÖTE JEDEN SINCLAIR (2000, Pilotfilm der Serie)

Der berühmte Geisterjäger John Sinclair wird zu einem Mordfall gerufen.
Das pikante daran: Das Opfer hat den gleichen Nachnamen- eben Sinclair.
Vor Ort erfährt John auch noch, dass das Grab seiner Eltern geschändet wurde- da hat wohl jemand etwas gegen alle Sinclairs...

Nachdem der erste Versuch gründlich in die Hose ging, hat man es im Jahr 2000 mit komplett geänderter Besetzung noch einmal probiert.
Der Pilotfilm beginnt sogar wirklich recht vielversprechend, zumindest für einen TV-Film.
Rein optisch hat man hier deutlich mehr aufgefahren, scheinbar war das Budget diesmal auch etwas höher als beim ersten Versuch.
Die Probleme sind ansonsten aber auch hier wieder ähnlich wie schon zuvor:
Katastrophale, optisch unpassende und komplett unbegabte Schauspieler, allen voran Urs Remond als John Sinclair.
Der Mann hat absolut kein Talent, schläft beim reden ein, und seine schwarzhaarige Pudelfrisur macht ihn auch nicht sympathischer.
Immerhin ist Bill Conolly hier deutlich besser getroffen als zuvor, leider ist er damit der einzige der halbwegs überzeugt.
Auch hier fehlen wieder viele bekannte Namen aus dem Sinclair-Universum, die Dialoge sind unterirdisch (und auch dazu passend vorgetragen),
es passiert einfach generell viel zu wenig, der glatzköpfige Böswutz kommt einfach nur lächerlich rüber-
und die peinlich billigen CGI-Effekte am Ende zerstören dann auch noch das bis dahin immerhin optisch annehmbare Gesamtbild.

2/10

JOHN SINCLAIR - DIE TV-SERIE

- Das Horrorkabinett
In einem Dorf ermordet ein kleines Mädchen seinen Vater. Sie scheint unter dem Einfluss einer fremden Macht zu stehen- und tatsächlich:
In einer alten Kirchenruine in der nähe hat sich ein Dämon eingenistet, welcher nach und nach die Kinder des Ortes manipuliert.
Die Story hat zwar nix mit dem Titel zu tun, aber was soll's. Dafür nerven die unbegabten Kinder- die sind wohl aus einem Horrorkabinett....

- Der Hexenclub
Eine schlecht geschminkte Hexe in einem Gothic-Club manipuliert männliche Besucher, diese sollen ihre Gegner töten...
Fans der "Sisters of Mercy" können hier zumindest ein grinsen im Gesicht kriegen, in der Disco läuft "More" und die Hexe nennt sich Lucretia.
Und sonst? Sinclair versucht mit Assistentin Glenda zu flirten. Das macht er noch schlechter als alles andere.

- Anruf aus dem Jenseits
Der "Schwarze Täufer" hat es auf neugeborene Kinder abgesehen, die betroffenen Eltern kriegen zuvor seltsame Anrufe.
Auch Bill Clnolly's Frau Sheila steht kurz vor der Geburt des gemeinsamen Kindes- und wurde schon angerufen...
Ansonsten schneit es deutlich sichtbar Styroporkugeln und es wird immer schwerer nicht einzuschlafen bei den öde inszenierten Geschichten...

- Der Sensenmann als Hochzeitsgast
Bei der Hochzeitsparty einer bekannten von John Sinclair taucht der schwarze Tod auf.
Ich habe gehofft dass er all die unglaublich schlechten Schauspieler vernichtet- aber leider gewinnt John Sinclair mal wieder.

- Engelsgrab
Ein Engel mit Glitzerstaub im Gesicht und ein Dämon mit Gummiperücke kämpfen um die Seele eines leichtsinnigen Jungen.
Die Serie wird immer blöder und billiger...

- Todeskarussell
Auf einem ehemaligen Jahrmarkt (eher Schrottplatz) treibt ein Vampir beim Karussell sein Unwesen.
Mit Schauspielern und erträglichen Tricks oder wenigstens durchgehender Schminke des Vampirs wäre zumindest der Anfang dieser Folge ganz nett.
Aber ich habe jegliche Hoffnung aufgegeben. Alleine die Dialoge: "Wo ist die Leiche?" - "Weggelaufen!" - "Da ist doch irgendwas faul."

- Die Rattenkönigin
Eine obdachlose Frau hat wohl zu oft "Willard" geguckt und setzt Ratten gegen andere Leute ein-
unter anderem gegen einen Zirkusbesitzer, der Ratten nicht von Zecken oder Hunden unterscheiden kann.
Die Folge pendelt zwischen unglaublich langweilig und unglaublich blöd...

- Der Gerechte
In einem Gefängnis geht ein übernatürlicher Mörder durch die Wände und tötet Häftlinge.
Ralf Richter hat eine Gastrolle als Glatzköpfiger Knasti- warum hat der sich für so einen Mist hergegeben?

Wirklich übel was einem hier geboten wird. Schauspielerisch, optisch und inhaltlich. Vor allem Urs Remond spielt unerträglich schlecht.
Wenn man keinerlei Budget hat sollte man solche Serien nicht angehen, sonst kommen eben solche Klopse raus
wie Sinclairs geweihtes Kreuz in billigster Plastik-Optik oder "Dämonenvertreibung durch singen mit Kindern".
Es ist schon traurig, wenn der schlechte Pilotfilm noch das Highlight dieser durchgehend einfach nur hingerotzten Grütze ist...
Einfach nur schade, dass man aus so einer doch sehr beliebten Roman und Hörspiel-Reihe nichts halbwegs vernünftiges gemacht hat.

0/10