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Die letzte Sichtung: Serien & Dokus

Begonnen von StS, 21 Juli 2022, 10:11:06

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StS

Zitat von: Private Joker am 22 August 2025, 00:42:48Butterfly (Amazon)

Daniel Dae Kim will seine Tochter vor einer bösen Geheimorganisation retten, Piper Perabo genau das verhindern (und ihren Sohn beschützen) und Ralf Schumacher möchte mein Auto kaufen - in wechselnder Reihenfolge. Vor allem in Folge 4 und 5 war der Ralf auf einmal weg, vielleicht hat den die Piper gekillt?

Mal ehrlich - so ganz verstehe ich Amazonsens neues Werbekonzept nicht: Gerade in den ersten Folgen, bei der die Leute "eingefangen" werden müssen, ballern die einen mit nervigen Verbrauchertips zu wie RTL sein Dschungelcamp zu "besten" Zeiten. Und später dann, wenn etliche entnervt aufgegeben haben und nur noch die Fans/am Ende Interessierten dabei sind, gibt es (bei mir jedenfalls) auch mal zwei Folgen ganz ohne..

Aber zur Serie selbst: Als Koproduktion USA-SK klingt das auf dem Papier ganz reizvoll - koreanische Actionkompetenz plus die insgesamt etwas besser ausgearbeiteten (böswillig: nicht ganz so nervigen) US-Charaktere, dazu als Drehbuch halt das, was in 5 Folgen gerade so reinpasst: Geheimorganisationen, (Ex-)Agents, Verräter (oder auch nicht), Verfolgungen, und ein oder zwei Überkiller/Assasinen. Wobei: die Betonung liegt auf "5 Folgen" und "reinpasst" - so wahnsinnig ausgefeilt ist das schon aus Zeitmangel alles nicht. Was Frau Perabo abseits ihrer Anfangsübeltat so treibt und womit sie - offenbar reichlich - Geld verdient, wird etwa nie wirklich aufgelöst, ebenso wenig warum die beiden sich dermaßen zerstritten haben. Statt dessen gibt es viel Dialoge, Drehs und Dynamiken zwischen der Kim-Figur und seiner Patchwork-Family.

Bleibt die Action - die ist aber auch insgesamt nur halbwegs solider Standard. Der finale Showdown geht schon irgendwo klar, ansonsten sind die Prügeleien nicht wirklich umhauend (Kim ist halt nicht unbedingt Uwais oder Jaa), die Autoverfolgungen nicht allzu dynamisch (überwiegend eher "hintereinander herfahren") und die Ballereien reine Routine. Immerhin werden die ganz sauber über die Mini-Staffel verteilt, so dass massive Langeweile auch ausbleibt. Daher gibt es von mir eine Standardnote für eine Standardserie mit Standardrehbuch und Standardaction: 5/10. Ach ja: Der Cliffhanger ist schon arg massiv auf eine Staffel (oder "ein Staffelchen") 2 angelegt - wehe die kommt dann nicht.

Dak kann ich mich einreihen:

Bei ,,Butterfly" (2025) handelt es sich um eine aus 6 Folgen bestehende amerikanische, sich aber komplett in Südkorea entfaltende Action-Thriller-Serie aus dem Hause ,,Amazon Prime", die wiederum auf einer gleichnamigen Graphic Novel Arash Amels basiert. Inhaltlich geht es um David (Daniel Dae Kim), der früher mal bei einer von ihm mitgegründeten privaten ,,Dark-Ops-Spionagefirma" gearbeitet hat, bevor er vor neun Jahren im Rahmen einer Mission verraten wurde und seinen Tod vortäuschen musste, um so das Leben seiner Tochter zu bewahren. Nun ist es für ihn allerdings an der Zeit, Rebecca (Reina Hardesty) zu sich zu holen – welche nicht weiß, dass er noch lebt, sowie seither von seiner ehemaligen Geschäftspartnerin Juno (Piper Perabo) zu ihrer besten Attentäterin innerhalb der Organisation ausgebildet worden ist...

Joa... wenn man nicht übermäßig viel erwartet, kann man sich diese Serie durchaus mal ansehen – welche familiäre Beziehungen (sowohl auf Seiten des Vater-Tochter-Lead-Gespanns als auch ,,ihnen Gegenüber" in Form von Juno und ihrem Sohn Oliver, gespielt von Louis Landau) mit Katz-und-Maus-Thriller-Kost sowie einzelnen routiniert-solide in Szene gesetzten Action-Sequenzen kombiniert. Die Comic-Ursprünge sind kaum bemerkbar – am ehesten in der Gestaltung der Figur eines Killers namens Gun (Ji-hoon Kim) – während die besten Momente so einige mit David und Rebecca sind (emotional-zwischenmenschliche sowie mit ihnen ,,in Action") – ergänzt um welche, in denen sich die beiden Parteien zu manipulieren versuchen. Die Besetzung ruft keinen Grund zur Klage hervor – Hardesty wäre auf jeden Fall eine schicke Karriere zu gönnen – doch obgleich das Tempo einigermaßen flott daherkommt, hätte ich mir alles in allem in erster Linie mehr Spannung und Originalität gewünscht. Schade zudem, dass David derart einseitig als ,,Good Guy" dargestellt wird und man nicht ,,mehr" aus Rebecca´s ,,soziopathischen Ader" gemacht hat...

5/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

12 Oktober 2025, 00:02:01 #151 Letzte Bearbeitung: 12 Oktober 2025, 13:05:24 von Private Joker
Nero, the Assassin (Netflix)

Spätmittelalterlicher Profi-Killer vs. religiöse Fanatiker, eine mediviale Klimakatastrophe, eine böse (?) Hexe  und eigentlich sein komplettes Umfeld. Das wirkt nicht nur thematisch reichlich modern (modernistisch?), dem passt sich nahtlos auch das Sprachniveau an: "Killer" (Selbsteinschätzung der Hauptfigur), "Fick Dich", "Verarschen", "bescheuert" - klingt wahnsinnig authentisch nach frühem 16. Jahrhundert, gelle? Und wenn wir schon mal hier sind, in der Realismus-Meckerecke (endet gleich, versprochen): Die Kostüme sind mächtig modern-modisch, die Städte sehen (teilweise) aus wie Minas Tirith, und wenn Maestro Nero zur Haarscheere greift, um etwas Form in die (als solche deutlich erkennbare) Perücke von Frau Isaaz bringen, hat die nachher mit einem supermodischen Kurzhaarschnitt allerbeste Aussichten auf mindestens 5 Punkte vom Glööckler...

Ist ja vielleicht der falsche Ansatz, eine ernstzunehmende Historienserie will das wahrscheinlich gar nicht sein. Was bekommen wir statt dessen ? Zumindest mal eine ansehnliche Wüsten- und Trockenoptik im Breitbildformat, die das angestrebte apokalyptische Feeling durchaus rüberbringt. Dazu durchgehend relativ blutige Kampfaction, schnell geschnitten und stilistisch "natürlich" eher im modernen Stil; und vielleicht nicht ganz so viel wie nach dem Trailer erwartbar, aber das ist ja meistens so. Trotzdem ganz ansehnlich in dem Department.

Und das Kernstück, wenn man das so sagen will, die Handlung? So ganz viel Sinn unter der Sonne Spaniens habe ich da jedenfalls nicht gefunden. Zwei Teile Historie, ein Teil Fantasy und ein Teil ausgeborgte Gegenwartselemente ergeben schon eine wilde Mischung. Religiöse Fanatiker sehen menschliche Sünden als Ursache für die Dürre, aber in Wirklichkeit liegt es daran, dass man
Spoiler: zeige
 alle Hex*Innen ausgerottet hat? Abhilfe: Die Bösen wollen die Junior-Hexe opfern, die Guten wollen, dass die sich selbst opfert.
Ja nee is klar. Wenn man es positiv sehen will - Gut und Böse sind jedenfalls mal nicht auf den ersten Blick erkennbar; und selbst die Hauptfigur mit ihrem mächtig flexiblen moralischen Kompass ist ganz sicher kein strahlender Held.

Und wenn wir schon beim "positiv Sehen" sind - das ist ja kein Bildungsfernsehen; wer älteren Herrschaften beim "Reden über Historie" zusehen will, wird bei "Wolf Hall" oder ähnlichem glücklicher. Weil ordentlich Bewegung auf dem Schirm ist und man man Ende der jeweiligen Episode schon irgendwie gespannt ist auf die nächste, wäre ich doch im gedämpft positiven Bereich, sagen wir mal knapp 6/10.

Und noch ein bisschen was von der Resterampe: Marvel Zombies nimmt ein paar Ideen aus der What-If-Animationsserie auf, walzt das auf 4 Episoden aus und macht mit seiner nicht enden wollenden Parade aus Figuren und Anspielungen aus/auf die Realfilme eingefleischte M-Fans vermutlich glücklicher als mich. Ich konstatiere eher mittelmäßige Animationen (aber immerhin über Japan-Niveau), ein sehr vages Ende und viel handlungsseitiges Chaos. Irgendwo schimmert da eine ganz gute Idee durch (Superhelden, die angesichts von Millionen Zombies fast hilflos sind - niemand mehr zu retten, alle böse), aber ich wurde da nicht warm mit. Irgendwas um 4-5/10.

Und Walker:Independence (krasser Stilwechsel, I know) hat mit der alten Chuck/Walker-Serie (den Neuaufguss mit Padalecki habe ich bislang nicht gesehen) wenig zu tun. Das ist ein altmodisch-banaler Western mit jederzeit erkennbarer Gut-Böse Verteilung, vielen makellos schönen Menschen (The CW halt, einer der letzten Exemplare dieser Machart, btw, die haben das wohl weitgehend drangegeben) und reichlich Sozialromantik (jede US-Minderheit prominent vertreten & bestens integriert; vor allem der Native-American mit den perfekten Sprachkenntnissen ist eine so krass idealisierte Figur, das die glatt aus den Büchern vom May stammen könnte). Ändert natürlich nichts daran, dass die ganze Walker-Reihe "im Prinzip" ihr Herz auf dem rechten Fleck hat(te), und das meine ich nicht mal ironisch (rechts und so). Aber ich schweife ab - die Serie selbst ist aber auch wirklich nichts Besonderes: Ordentliche Kulissen, ein klein bisschen Action pro Folge, eher dürftig angepappter Storyarc, viele Klischees - glatt 5/10. Ach ja: Heftigst werbedurchseucht, bei Amazon Standard-Prime, mit Interrupts gefühlt alle 5 Minuten.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

20 Oktober 2025, 23:55:24 #152 Letzte Bearbeitung: 23 Oktober 2025, 11:15:37 von Private Joker
Hysteria (ZDFneo/Mediathek)

Nostalgie-Grusel (hier: 1980iger) + passende Musik + etwas Comedy ist eigentlich eine ganz vielversprechende Mischung - "Video Nasty" neulich ging ja auch in die Richtung. Zusätzliche Benefits hier: Bruce Campbell in einer gar nicht so kleinen Rolle und die Tatsache, mit der "Satanic Panic" sogar ein realer - wie soll man das sagen - "Trend" dieser Zeit aufgegriffen wird. Letzteres kann aber auch schnell zum Problem werden, ich komme da noch zu.

Zunächst mal startet die Serie prima - die maximal halbcoole Metal-Band um Dylan/Jordy (trotz minimal zu hohem "echtem" Alter gut gecastet: Emjay Anthony und Chiara Aurelia) findet einen schicken Dreh für etwas mehr Publikum - warum nicht einfach auf Satanskult machen. Blöd nur, das just in dieser Zeit der Quaterback vermisst und kurz danach tot aufgefunden wird. Wie gesagt, der Auftakt macht Laune, mit ein, zwei hübschen Filmanspielungen und dem angenehm knurrigen Campbell.

Das füllt allerdings keine 8 Folgen, und auf der Suche nach einer sinnvollen Mixtur für die verbleibenden 7 Episoden gibt es eine leider wenig homogene Mischung aus ein paar Prisen Grusel mit dem Gehörnten im XXL-Format, einen maßvoll gut ausgearbeiteten Krimiplot und viel Drama um religiöse Engstirnigkeit, die titelgebende "Hysterie", Konversiontherapien. Ob die Macher dabei gemerkt haben, dass sich die Elemente nicht so ganz vertragen? Wenn ich mich schon über religiösen Fanatismus und Engstirnigkeit lustig mache, andererseits aber ständig der Leibhaftige um die Ecke schaut, dann passt das irgendwie nicht zusammen. Auch Chefhexenjägerin Tracy (Anna Camp, mit einer selbst für die Zeit schauderhaften Perücke) ist so gesehen eine eher unfreiwillig ambivalente Figur - die wird mit viel negativem Buzz aufgeladen und am Ende sogar als Oberbös*In deklariert, aber ganz objektiv
Spoiler: zeige
 ist das Beauftragen einer Konversionstherapie, bei der es dank Inkompetenz der Durchführenden zu einem Todesfall kommt, in keiner mir bekannten Rechtsordnung ein (Schwer-)Verbrechen; und ihr Exorzismus am Ende ist, so wie er dargestellt wird, sogar nötig/erfolgreich

Abseits der inhaltlichen Kritik: Als Period-Grusel-Light funktioniert das immer noch ganz ordentlich. Die Handlung tritt nicht auf der Stelle, immer wenn ein Hänger droht, gibt es einen kleinen Twist, einen passenden Song, einen netten Effekt oder einfach nur Campbell, dem man einfach gerne bei der Arbeit zusieht. Macht das am Ende so viel Sinn oder ist so anspruchsvoll, wie die Macher das vielleicht geglaubt haben ? Eher nicht. Wenn einem reicht, dass der Weg vielleicht nicht mal das Ziel, aber zumindest recht vergnüglich ist, wird man vernünftig unterhalten. 6,5/10.

Task (Wow)

Tip zur Vermeidung einer Herbstdepression: Den nicht oder zumindest nicht zeitgleich mit dem ähnlichen "gritty"-Drama "Black Rabbid" ansehen. Optisch trüb, alles andere als uptempo und mit viel Schwermut in Figuren und Handlung - leichte Unterhaltung geht echt anders.

Hier dann eher als Cop- als Gangsterdrama, obwohl die Schmalspurganoven rund um Robby (Tom Pelphrey - so eine Art Jared Leto, den man bei Temu bestellt hat) auch viel Screentime bekommen. Im Mittelpunkt steht aber eindeutig Ex-Priester(!)-Jetzt-Cop Brandis (wie meistens solide: Mark Ruffalo), der sich mit nicht immer ganz kompetenten/loyalen Kollegen und einer auch nicht gerade problemfreien Patchwork- Familie herumschlagen muss.

Wie gesagt, eher schwääre Kost, mit sparsamen Highlights und wenig zielstrebiger Handlung. Ein Drogen-später-Geldkoffer mäandert zwischen diversen Figuren und Gangs, ein Kind wird entführt, ein oder zwei Frauen aus dem Dunstkreis der Gangster mischen eher unfreiwillig mit. Alles halbwegs solide Kost für Liebhaber derartig bleischwerer Krimis Marke "Mare of Easttown" oder generell der Machart "HBO" (minus der früher üblichen harschen Gewalt-/Sexszenen). Zu den erwähnten sparsamen Highlights gehören immerhin zwei ganz ordentlich inszenierte Showdowns zwischen Cops und Gangstern in den Folgen 5 (iirc) und 7, aber in der dazwischen liegenden Folge 6 etwa passiert buchstäblich so grad gar nichts (oder nichts handlungsrelevantes).

Ähnlich wie bei Black Rabbid kann ich jetzt nicht behaupten, dass da viel falsch gemacht wird - ist beides halt gerade nicht so mein Ding (um es mal platt zu sagen: In der Breite ist da ja jeder Coben-Krimi spannender). Aber weniger als 5/10 kann man da objektiv auch nicht vergeben.

"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

31 Oktober 2025, 20:44:56 #153 Letzte Bearbeitung: 31 Oktober 2025, 20:58:03 von Private Joker
Before (Apple TV+)

Schon eine Weile am Markt, von mir aber entweder übersehen oder ich hatte gerade nicht das passende Abo am Start. Allein wegen Billy Crystal hätte ich da eigentlich sofort zugeschlagen, den hat man längere Zeit nicht gesehen, und zum Ausgleich gibt es ihn sowohl zeitgerecht gereift als auch - Computer sei dank - im charakteristischen Harry und Sally-Charmbolzenlook. Damit enden die guten Nachrichten aber leider sehr abrupt, man hätte ihm ein (deutlich) besseres Comeback gewünscht.

Woran hapert es ? An drei Dingen vor allem, einem guten Drehbuch, einem ordentlichen Drehbuch und einem halbwegs gescheiten Drehbuch. Wir sehen Billy als Psychiater, bei dem man sich ständig fragt, wie der die Approbation er-/behalten konnte, einen mehr als seltsamen Jungen und viel sinnfreien Hokus Pokus. Irgendwie passt da so gar nichts zusammen, und ständig fragt man sich: Wer zum Geier ist nun die Inkarnation von wem? Wer spukt bei wem im Kopf rum ? In Frage kommen ein oder zwei mysteriöse Mädchen, Crystals tote Frau, deren ebenfalls toter Ex - aber ausgearbeitet oder gar geklärt wird das nie wirklich. Vor allem das Finale geht leider in die Geschichte der sinnfreiesten Serienenden aller Zeiten ein, und wenn real existierende Psycho-Docs oder ähnliche Berufsträger das zu sehen bekommen, dürften die in höchste Infarktgefahr vor Wut geraten. Und wie bitte soll das dem Jungen helfen, den mal eben um Haaresbreite fast zu ertränken??

Überdies mal wieder viel zu kleinteilig ge-/zerschnitten, in 10 x 30 Minuten - da kommt kein erzählerischer Fluss auf. Ein, zwei effektvolle Szenen lungern ehrlicherweise schon am zu langen Wegesrand herum, aber das ist insgesamt ein bisserl wenig. Neben Crystal sind noch ein paar solide Nebendarsteller (Perez, Hope) zu bewundern; zur Darstellung des Jungen (Jacobi Jupe) sage ich mal nur so viel: Das ist eine schwierige Figur, die mit der Realität eines zur Zeit der Dreharbeiten ca. 10jährigen eher wenig zu tun hat - insofern o.k. Aber so richtig klar, ob seine Rolle gerade "normal", "besessen", "aggressiv" oder "katatonisch" ist, macht der mit seinem Spiel auch nicht. In der Summe maximal "gut gemeint", eigentlich nur für Crystal und den Rest vom Cast 4/10.

Lazarus
(Amazon)

Wie zuletzt die neue "Parker"-Verfilmung durch das Bezos-Haus ist auch dies keine direkte Coben-Romanverwurstung, der Meister höchstselbst hat hier ein Original-Drehbuch spendiert (DAS wäre bei ,,Stark"/Westlake etwas schwierig gewesen, der hätte schon als Geist in der Praxis der Hauptfigur hier erscheinen müssen). Vielleicht eine Chance, die Brand ,,Coben" ein wenig aus der Grauzone von Mainstream und Nische zu liften, in die vor allem Netflix die Marke geführt hat, zumal der Cast um Clafin und Nighy schon ganz gediegen ist. Was bekommen Fans oder Neuzugänge im Cobenverse? Schauplatz London check, ein paar schicke Penthouses und Autos check, Rätsel aus der Vergangenheit check, reichlich mal mehr oder weniger sinnträchtige Twists check, mordendes Killerpärchen ch..., ach nein, das fehlt diesmal. Statt dessen gibt es ein recht ausgeprägtes Mystery-Element mit (vielleicht-)Geistererscheinungen, und ich muss sagen: Das passt eigentlich ganz gut in das Szenario – auch wenn Kritikaster auf die Idee kommen könnten, dass damit ein paar Leerstellen bei der Fallaufklärung überbrückt werden sollen.

Damit nähern wir uns langsam dem Zentralpunkt, dem Krimiplot – da scheinen den selbsternannten Fachleuten zufolge (RT Wert aktuell nur 48%) einige Defizite zu bestehen. Meine im Krimibereich sicher nicht endmaßgebliche Meinung: Ja, aber, doch... Also versuchen wir es mal aufzudröseln: Die Teilstory um den außenseitig-,,offensichtlichen Verdächtigen",
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der es nach allen gängigen Krimigesetzen nicht sein darf, hier aber – partiell- doch ,,ist",
fand ich eigentlich prima. Dafür ist der in der letzten Folge formatfüllend aufgedröselte Kernplot schon mal wieder heftig komplex bis leicht hergeholt – ich habe da auf Anhieb zwar keinen ganz großen Fehler gefunden, aber frage mich schon, warum
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Papa L. da bei seiner Killingstreak nicht mal beim potentiellen Mörder seiner geliebten Tochter angefangen hat.

Trotzdem – mit ein paar solide gesetzten Spannungshighlights, Figuren, die man im Großen und Ganze mögen kann (meine Favs: Die überlebende Schwester und der ausnahmsweise nicht in Verdacht gerückte Cop-Kumpel) und einer doch relativ fiesen Schlusspointe ist das ein durchweg mehr als solider ,,Coben" Wer die Machart wie ich im Kern mag, wird nicht enttäuscht: 7/10 - der ganz große Durchbruch wird es aber vermutlich auch nicht.

Und noch zwei kurze ,,First Looks":

The Iris Affair (Wow) versucht uns - nach Prime Finder - schon wieder eine(n) Mathematiker*In und allerlei Zahlenspielchen als McGuffin eines ansonsten eher trägen Thrillers unterzujubeln. Und erneut wird da alles, was mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, mehr behauptet also begründet – irgendwo steht ein Quanten-PC herum, der fast alles können soll, was aber nie gezeigt wird. Schlimmer noch: Die Verfolgungsszenen mit der Titelfigur sind restlos unspannend, ihr Entkommen verdankt die ausschließlich dem Drehbuch und diversen Zufällen. Lame, bislang... Ganz anders als Remnick (OT: ,,The Last Frontier" = Alaska) (Apple-TV), der in fast schon atemberaubenden Tempo loslegt. Das aber natürlich nicht halten kann – und die darauf aufsetzende Mischung aus Prozedural mit einem relativ ausgeprägten, aber folgenweise sehr uneinheitlich vorangetriebenen Serial-Arc passt nicht so ganz zusammen. Dafür ist ,,Cop" Clarke mitsamt einiger guter Oneliner ("das ist Alaska, hier haben wir keine Umgebung") angemessen cool, seine Partnerin (H. Bennet) sogar ohne Oneliner und der Schauplatz Alaska erst recht (also wörtlich, aber auch übertragen). Da kann man sicher dranbleiben.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

26 Dezember 2025, 02:13:09 #154 Letzte Bearbeitung: 3 Januar 2026, 12:49:53 von Private Joker
Pluribus (Apple TV)

Die Kritikerfavoriten und ich...

Producer Vince Gilligan hat seit Breaking Bad bei denen eh einen Stein im Brett; für mich als BB-Verweigerer steht der eher für ein paar charamant ausgerückt nicht durchweg gelungene Akte-X-Episoden und die Personalquerelen in der Endphase der Serie. Ich erwähne das hier, weil "Pluribus" so von Idee und Vibes genauso wirkt wie ein übrig gebliebener Fall von Scully und Mully: Ein Gruppe von Personen verhält sich merkwürdig gleichförmig, überdies beherrschen die allesamt Sachen, die von denen vorher nur einer konnte. Scully glaubt an eine Massen-Psychose, Mulder findet ein außerirdisches Signal; als er das unterbindet, ist der Spuk vorbei, aber irgendwo spielt ein Kind, das vorher keine Taste traf, am Klavier den Beethoven ..

Soweit, so (potentiell) gut, das würde 45 Minuten ganz prima tragen. Eine satte Null angehängt (9x50) sieht das schon ganz anders aus, und da liegt für mich das große Problem der Serie: Es passiert über weite Strecken so grad gar nix. Vorweggeschickt sei aber trotzdem, dass das Apple-TV-typisch solides Handwerk ist, durchweg kinotaugliche Bilder, eine klasse Performance von Seehorn (natürlich für diverse TV-Preise nominiert). Auch auf der positiven Seite: Die üblichen Alien-Invasionsklischees (tatkräftige Amis vs. fies-böswillige Aliens) werden gekonnt vermieden; die Resttruppe der "Immunen" sind ein eher trauriger Haufen: ein paar Asiaten, die sich mit dem Kollektivismus prima arrangiert haben, ein Franzose, der auf James Bond macht, eine Arschgeige aus Südamerika. Dagegen das "Kollektiv" - fast überbordend "nett", verzeihend, hilfsbereit, der Wahrheit verpflichtet  - natürlich nicht ganz ohne doppelten Boden. Und wer so was sucht - natürlich sind da auch ein paar interessante Denkansätze drin: Lieber die Welt durch (übersteigerten?) Individualismus ruinieren oder als Kollektiv schonend behandeln und damit retten ?

Ändert halt nichts daran, dass da über weite Teile ein schrecklich unspannendes Unterfangen ist. Wir sehen: Seehorn allein, Seehorn beim Essen und Trinken, Seehorn mit der "Betreuerin", Seehorn auf Reisen, Seehorn und Freundin in schicken Ressorts und Suburbs oder im Bett, Seehorn testet die Grenzen der "Anderen", Seehorn macht Unfug. Und so weiter. Das trägt nicht 450 Minuten, nicht 250, das könnte man alles problemlos in sagen wir mal großzügig 90 erzählen.

Ja, ein paar mal habe ich gelacht oder den Kopf geschüttelt, bei der Handgranate oder bei John Cena, beim "Blitz-Cliffhanger" ganz am Ende. Trotzdem definitiv aus der Abteilung für SEHR gepflegte Langeweile - Kompromissnote 5,5/10 dafür.

The Tower (Arte /Mediathek)

Britische Krimiserien nehme ich am ehesten dann auf die Speisekarte, wenn die vom "älterer Provincop ermittelt"-Schema abweichen, Line of Duty vor allem oder auch Vigil. Ein paar LoD-Vibes sind im Ansatz auch hier erkennbar, weil es vor allem in der Mini-Staffel 1 vordergründig um Cops vs. Cops geht.

"Vordergründig", weil die auf Romanen der Autorin und Ex-Polizistin Kate London basierende Serie überwiegend "gesellschaftliche Probleme" aufgreifen wollen, Rassismus und toxische männliche Gewalt. Blöderweise bleiben im Gegenzug klassische Krimitugenden, nachvollziehbare Motive und Handlungen und vor allem glaubwürdiges Personal auf der Strecke. Allein das Ausmaß der Klischees bei den besagten Chefs (sowohl der eigene als auch der "Ermittlungsgegenstand") ist massiv störend, die sind nicht mal im Ansatz so ambivalent gezeichnet wie die Figuren aus LoD. Und hier natürlich alle männlich, btw, die "Guten" bzw. die "Opfer" alle weiblich - die auf den Serie atmet schon schwer den Geist des Spätfeminismus, also "Nur Frauen gut, vorzugsweise lesbisch". Auch die insgesamt drei lose verbundenen Fälle der ersten zwei Staffeln lassen sich sehr problemfrei nach diesem Schema schon im Vorfeld weitgehend lösen - Frauen/Ausländerinnen/misshandelte Ehefrauen=Opfer, rechtsradikale Cops/gewalttätige Partner/gutbürgerliche verkappte Pädos = Täter. Die Krimilogik bleibt da ganz fix auf der Strecke, nur mal exemplarisch die Logiklöcher aus Staffel 1:
Spoiler: zeige
 Wieso nimmt die Tochter der Libyer da das Kind der Nachbarin auf das Dach ? Wieso eskaliert der Streit um eine nicht mal rasend rassistische Beleidigung und einen abgetretenen Spiegel dermaßen ? Wieso gibt sich die Polizei mit der Ansage der Mutter, "mein Sohn sagt dazu nichts" zufrieden ? - in jeder mir bekannten Rechtsordnung würde da ein Richter ein Verhör durch Jugendpsychologen anordnen, dann wäre der Fall fix gelöst. Wieso legt der dicke Cop das inkriminierende Handy in einen Spind, auf den der Vorgesetzte Zugriff hat ? Handyortung, anyone ? Oder mal ermitteln, ob das aufgezeichnete Gespräch des Cops nicht vielleicht in der Cloud liegt??
Fragen über Fragen, die dem Unterfangen "als Krimi" ganz fix den Zahn ziehen würden, wenn das irgendeiner von den Beteiligten mal etwas professionell angehen würde. Und der zweite /dritte Fall sind auch nicht wirklich stringenter. Halbwegs gelungen fand ich die Figur des schwarzen Cops/erster Partner, der am Ende von Fall 1 eine eine ganz eigene, ambivalente Entscheidung trifft, und auch die indische Polizistin, die so gerne ein "guter Cop" wäre, ist eine zumindest ansatzweise eine interessante Figur. Trotzdem in der Summe nur 4,5/10.

Down Cemetry Road (Apple TV)

Die Slow Horses sind beim Apfelhaus ein Dauergarant für gute Abrufzahlen, erstklassige Bewertungen und sogar ein paar Emmy/GG-Nomierungen. Kein Wunder, das man das Œuvre des Autors der Vorlage (Mick Herron) mal auf ein paar noch zu erschließende Schätzchen abgeklopft hat. Dass auch der nicht nur Meisterwerke im Programm hat, wird angesichts dieser Version aber doch recht deutlich - da liegen (schon wieder) ein paar kleine Welten zwischen. Immerhin: Leidlich unterhaltsam war es trotzdem.

Relativ offensichtlich ist die gemeinsame Urheberschaft bei den Figuren -  "Zoë" (Emma Thomson) ist sehr deutlich eine feminine Version von Lamb, etwas weniger ungewaschen und nicht gar so viele Zoten auf den Lippen, aber ebenso unterschätzt und letztlich clever. Und statt der sich doch immer bewährenden Losertruppe gibt es hier nur eine einzige weitere Figur (Ruth Wilson), die auch mehr "drauf" hat als man zunächst denkt. Vielleicht ein bisschen viel - wie die beiden Frauen sich einer deutlichen Übermacht von Fieslingen stellen und diese letztlich in den Griff bekommen, strapaziert massiv die Glaubhaftigkeit des ganzen. Zumal "Amos" (F. Balogun) tatsächlich einer der fiesesten und bedrohlichsten Bösewichter seit langem ist - mühsam zu glauben, dass DAS Casting so einfach durchgewunken wurde.

Die Grundkonstellation bringt es auch mit sich, dass der Krimiplot an sich wenig raffiniert und letztlich überraschungsfrei ist, die Karten liegen relativ früh auf dem Tisch. Die letzten zwei, drei Folgen sind dann auch "nur" ein langer Showdown zwischen den Parteien, und auch hier müssen wir einige Kröten in Sachen Glaubhaftigkeit schlucken - die zwei Ladies überleben da so einiges. In einem Fall ist das schon dermaßen "over the top" (Stichwort Minen), dass die Episode das schlicht weder wirklich zeigt noch auflöst, wie die da "raus" gekommen ist. Eine solide Spannungsdramaturgie und eine ordentliche Dynamik kann man dem langen Finale aber trotzdem nicht absprechen.

Der Herron-Humor, der zumindest am Anfang noch durchschimmert, kommt demgegenüber leider etwas kurz. An die langsamen Pferde kommt das wie schon erwähnt nie heran, aber für 6,5/10 ist die Serie allemal gut. Und vielleicht ist für eine sicher geplante Staffel 2 ja auch eine Steigerung drin, wenn man die Figuren nicht erst uns und untereinander mühsam bekannt machen muss.

Und noch ein paar zu schließende Klammern und Kurzrückblicke. Iris Affair ist wie erwähnt schwach gestartet, gehört aber tatsächlich zu den wenigen neuen Serien, die am Ende besser sind als am Anfang. Da kommt so grob ab Folge 4 tatsächlich Tempo rein, etwas Action. Überdies wird der so ziemlich platteste McGuffin seit langem (dieses merkwürdige Tagebuch) mehr oder weniger fix zu den Akten gelegt; statt dessen gibt es eine ja mal  so richtig wilde Kiste um "Voids" (kosmische Leeren), ebensolche (also kosmische) Botschaften, die der Quanten-PC (vielleicht) entschlüsseln kann, also mehr oder weniger das Ende der Welt. Kling spinnert, ist es auch, aber eben auch mal "was anderes". Auch von der Figurenkonstellation irgendwo o.k, insbesondere Hollander macht einen prima Job. Dafür dann am Ende vielleicht etwas großzügige 6/10.

Und die schon erwähnten Slow Horses gehen mittlerweile auch schon in Staffel 5, die gewohnt solide Thrillerkost, viel Humor, (etwas zu) viel Zoten und "ich wasche mich nicht"-Witze von Lamb und eine durchaus aktuelle Verschwörung bietet. 8,5/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

Robin Hood (MGM+)

Neben den Musketieren und dem Grafen feiert auch der englische Umverteiler mit dem Hut ein kleines Comeback - neben ein oder zwei hier völlig unter dem Radar laufenden Billigserien und dem im Filmforum schon erwähnten A24-Altersrobin haben wir hier in Form dieser MGM-Serie einen (weitgehend) seriösen Versuch den "klassichen" Robin mit ein, zwei neuen Akzenten wiederaufleben zu lassen.

Meine Meinung zu den versammelten Wiedergängern der Buch- und Filmhistorie dürfte bekannt sein - gebraucht hat es davon grad gar keinen, im Kern ist da eigentlich "alles gesagt". Aber, Abteilung "Geschwätz von gestern", so ein paar Sympathiepunkte hat der hier schon bei mir gesammelt. Weil es ein relativ straightes Retelling ohne allzu viele Mätzchen ist. Und vor allem weil Hauptdarsteller Jack Patten "passt" - der erinnert mich an Richard Greene aus der 1960iger-Serie, immer noch "mein" Robin; ich brauche für die Rolle halt keine degenschwingenden tasmanischen Grinsekater und US-Cowboydarsteller (jo, Patten ist Australier, habe ich auch gelesen, passt trotzdem). Der gibt den Robin nicht als flamboyanten Sonnyboy, der das "for fun" macht,  sondern als harten Rächer, eher unfreiwillig in die Rolle gerutscht, aber dann mit Konsequenz und Härte. Da ist wenig Diebesromantik, es geht um (Über-)Leben und Tod.

So weit so gut. Wenn ich am Anfang von "wenig" Mätzchen" sprach, muss man doch auf ein paar weniger gelungene Ideen eingehen. Vor allem die erste Folge haut mal so richtig auf den Putz: der "Hood-"Konflikt als Religionskiste (naturreligiöse Sachsen vs. christliche Normannen, das ist Anno 1150 purer Quatsch), eine nackte WaldgeistIn (what??), ein, zwei motivationslos eingeschnittene Brutalitäten, etliche für das Sujet relativ drastische Sex- und Nacktszenen. Erstaunlicherweise wird das meiste für die späteren Folgen nicht mehr aufgenommen, fast als hätte man das Projekt nach dem Piloten noch mal komplett neu ausgerichtet. Die Kampfszenen sind ab Folge 2 eher bodenständige Pfeil-/Prügel-/Schwertaction, die Sexszenen werden auf mittelprüden US-Standard eingedampft, und der Nacktgeist ist auch kaum noch zu sehen. Dafür gibt es ein paar politische Intrigen um Königin Eleonore von Aquitanien, ihren Sohn (den aus der Sage bekannten John Lackland) und reichlich Finstermänner (Guy, Sheriff, Huntington, Bischoff, Baron - fast ein bisschen viele). So sticht dann auf der Bösenseite außer dem absoluten Finsterling Gisbourne (eher kurz) vor allem Sean Bean als Sheriff von Nottingham heraus, der relativ differenziert rüberkommt.

Dass dabei so ein paar Robin-Standards (das Wettschießen) über Bord gehen, stört mich nun gerad gar nicht. Bis zum Ende stimmt das Pacing, immer wenn es zu schmalzig wird (Robin zwischen zwei Frauen - eher unnötiger Sideplot) kommt relativ schnell die nächste Auseinandersetzung mit den Bad Guys und es fliegen wieder reichlich Pfeile. Generell macht das Finale durchaus Laune und Lust auf eine Staffel 2, die dann auch den Auftritt von zwei weiteren "BigNames" verspricht (Henry und Richard). 6/10, kann gerne weitergehen.

Und noch ein paar erste Eindrücke / Kurzsichtungen

Spartacus: House of Ashur
(Amazon)

Den alten Spartacus-Thread habe ich über die weitgehend vergurkte Suchfunktion nicht mehr gefunden, daher hier ein paar Worte. Das ist schon ein SEHR spätes Sequel mit einer SEHR fragwürdigen Prämisse und einer "eigentlich" längst zu den Akten gelegten Figur, die vermutlich keiner als Hauptperson gebraucht hätte. Und die wundersam auf Squashcourtformat geschrumpfte Arena von Capua symbolisiert auch schon optisch, dass das alles ein bis zwei Nummern kleiner ausfällt - der "große" Atem der bekannten Namen und des historischen Aufstandes fehlt einfach an allen Ecken und Ende.

Aber trotzdem: Leute, die (wie ich) die Machart mit den überbordenden Blutbädern, den innerrömischen Intrigen, den (gegen den Trend) außergewöhnlich reichlichen Nackt- und Sexszenen mochten, sind auch hier wieder fast sofort "zuhause". Das ist immer noch ein im Kern spannendes Szenario, diese moralfreie Zeit (aus Sicht der Macher), und "wirklich" verraten wird die Schulbuchhistorie auch nicht. Etwa in dem Sinne: Caesar/Crassus/Pompeius und ihren Clash gab es wirklich, ob Caesar ein dermaßen widerliches Arschloch mit Ultrabitch als Frau war, wissen wir nicht. Oder, wohl unvermeidlich, die Nordafrikanerin als Gladiatrix - gab es wohl, wenn auch (wahrscheinlich) nicht so, im Kampf gegen Männer und (sorry) fiese Kampfzwerge (ja, auch die gab es vermutlich, konnte das aber nicht abschließend ergoogeln).

Ja, macht immer noch in gewissen Grenzen Laune, an den drei Ursprungsstaffeln ist man aber nicht mal auf Langschwertlänge dran. Trotzdem noch um die 6/10.

The Copenhagen Test
(Wow)

Agent wird "im Kopf" gehackt und will trotzdem seine Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber beweisen. Ziemlich ungewöhnliche Prämisse (immerhin originell) - wobei die Ansiedlung in einer nahen Zukunft eher behauptet als visualisiert wird. So richtig turbomäßig beginnt das nicht, aber gerade als man sanft wegzudösen droht, gibt es eine relativ knackige Actionszene in einer Buchhandlung. Kann man sicher mal dranbleiben, auch wenn mir noch eher unklar ist, in welche Richtung das gehen soll.

Tatort: Ein guter Tag / Schwarzer Schnee (ARD)

Soll keiner sagen, ich würde hier immer nur die gleichen Kisten ansprechen. Aber "Doppelfolge", "topaktuelles Thema" abseits des "wo waren Sie um 20 Uhr"-Alltags und der interessante Cast ließen mich doch mal reinschauen.

Und ja, das kann man durchgehen lassen. Da wird zwar nicht durchweg "Tacheles" geredet, aber auch nicht um den Kern des Pudels herumgeschwurbelt. Ein bisschen deutsche TV-Action, eine (lobenswert) weitgehend authentische Sprachvielfalt, solide Spannung und ein paar interessante Gesichter (Moschitto als "etwas anderer" Techie, Gaite Jansen als holländische Polizistin). Am Ende auch nicht wirklich befriedigend, aber das wohnt dem Thema ja inne. Durchaus solide: 6,5/10.

"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Stefan M

Covert Affairs (Prime)

Piper Perabo als CIA-Nachwuchsagentin, die für ihr Land praktisch alles tut, zur Not auch mit dem Feind ins Bett steigen. Ihr zur Seite steht als Analyst der bei einem Einsatz erblindete Auggie (Christopher Gorham), zu dem sie schon bald eine tiefe Freundschaft entwickelt. Beide widersetzen sich dabei mehrfach ihrer Vorgesetzten Joan (Kari Matchett) und deren Mann Arthur (Peter Gallagher) als CIA Director...

Zunächst recht konventionell startende Spionageserie, konzipiert nach dem beliebten Fall-der-Woche-Prinzip und vor teilweise haarsträubend offensichtlichen Green Screens, die allerdings etwa ab Staffel 3 deutlich an Qualität gewinnt, als sich die Macher darauf besinnten, an Originalschauplätzen zu drehen und auch mehrere Folgen, mitunter gar ganze Staffeln umfassende Plots einzuführen. Ich merke immer wieder, daß ich mit solchen Serienstrukturen inzwischen deutlich besser zurechtkomme. Auch profitiert die Serie über weite Strecken enorm von Oberarschloch Gregory Itzin, den man wirklich zu hassen lieben lernen kann. Ferner ein großes Plus: die gute Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern.

Kurzum: Nach zwei Staffeln Mittelmaß folgen noch drei gute bis sehr gute. Und auch wenn Fäden offenbleiben, weil zum Zeitpunkt der fünften Staffel noch nicht klar war, ob fortgesetzt wird, findet "Covert Affairs" einen doch recht runden Abschluß.

Insgesamt 7/10 (nach Staffeln: 6, 6, 8, 8, 7).
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

Moonshade

Agatha Christie's Seven Dials (Netflix)

Der Dreiteiler schließt beim großen N gut ab in der Hitliste, aber imho ist der Gamble nicht aufgegangen, ausgerechnet eins der meistkritisiertesten Bücher der Autorin hier mal wieder zu verfilmen. Kein typisches Murder Mystery, sondern mehr ein Spionagemystery, aber mit wenig wirklichem Spannungsbogen. Auch die mysteriöse Seven-Dials-Loge gibt der Miniserie keine Substanz und ist nur für einen finalen Gag gut, davor herrscht britische Bright-Young-Things-Idylle mit ein paar humorvollen Einlagen, für die ausgerechnet Martin Freeman (Sherlock) zuständig ist, der hier eine Parodie auf Yard-Ermittler gibt und der erstaunlich wenig wirklich analysiert. Das Ende hat man dann auch noch etwas umgeschrieben, ja, das stört nicht beim Bügeln, ist aber auch keiner großen Ehren wert. 5/10

"The Queen of Fucking Everything" (ZDF)

Wer Breaking Bad mochte, der könnte auch an dieser finnischen Miniserie etwas finden, was einen flotte sechs Folgen schmunzeln lässt. Eine von ihrem Mann verlassene und von ihm mit brachialen Schulden belastete Immo-Maklerin tut alles (und das heißt wirklich ALLES), um sich ihren Status bzw. das was die übrige Welt davon wahrnehmen kann, zu erhalten. Also Kosmetik im Büro klauen, die Laptops versetzen, Penner das Flaschenpfand abprügeln und notfalls beim örtlichen Drogenbaron einen Stick klauen und den Deal selbst machen. Halb absurdes Theater, halb ein rabiates Krimidrama macht die überzrogene Chose vor nichts halt. Schön bitter. 7,5/10

Younger (Netflix)

Edged zwar stark an "Sex in the City" und "Der Teufel trägt Prada" entlang, hat aber weniger Falten und mehr Witz. Eine Buchverlagsangestellte kommt mit 40 Jahren nicht mehr in ihren alten Job, seit Scheidung und Kind zurück und macht sich so notgedrungen 26jährig - und kommt damit durch. Zumindest anfangs. Manchmal wirds suppig, manchmal sprühen die Funken, aber als Zivilisations- und Social-Media-Satire hat die Serie die Lacher auf ihrer Seite.

Das Hauptproblem ist halt, dass man sich zwischen all den schrillen Figuren leider beim Lover für die Hauptrolle einen (genau!) 26jährigen Tätowierer gesucht hat, der anfangs den Kontrast ganz gut betont (ist ja auch sympathisch der Gute); aber später mangels Intellekt eigentlich nur noch den Plot aufhält, während in der Chefetage ein viel passenderer Galan auf sie wartet.
Amüsant aber meistens trotzdem. 7/10

HIP-Ermittlerin mit Mords-IQ (ARD)

Während in Amerika "High Potential" die Quotenränge plündert, ist die Mutterserie aus Frankreich das eigentliche Original: eine Putze mit IQ 160, ADHS und ordentlich anderen sozialen Dellen erweist sich für die örtliche Polizei als Columbo vom Dienst (wenn auch mit drei Kindern und Ex-Mann) als die einzige Rettung. Erst Beraterin, ist die Gute aber weder zu kontrollieren noch zu stoppen, wenn sie die äußerst verzwickten Fälle anhand der ungewöhnlichsten Beweisketten auflöst. Alle fünf Staffeln lagern in der Mediathek, wer es etwas schriller mag, hat hier ein paar extrem schöne Abende vor sich. 8/10
"Du hältst durch und ich halte durch und nächstes Jahr gehen wir einen saufen!

"Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

"Gebt dem Mann ein verdammtes Puppers!"

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