Die letzte Sichtung: Filme

Begonnen von MMeXX, 19 November 2012, 13:01:27

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

0 Mitglieder und 6 Gäste betrachten dieses Thema.

PostalDude

Bei Sky on Demand gestern Abend/Nacht gesehen:

Der Vorname



Wie kann man sein Kind Adolf nennen !?

Eine absolut berechtige Frage !

Top geschauspielert, Christoph Maria Herbst als Professor, der aber von allen nicht richtig ernst genommen wird, seine Frau, eine Lehrerin, Elisabeth, gespielt von Caroline Peters + ihrem besten Freund Rene (Justus von Dohnányi) .
Florian David Fitz als der Vater Thomas, der herrlich schmierig ist, seinen Erfolg ohne Ausbildung geschafft hat & deshalb beneidet wird. Dazu seine logischerweise schwangere Frau Anna (Janina Uhse) , die etwas später auftaucht & direkt raucht und trinkt !

Sehr, sehr gut, wie hier diskutiert wird! 😂👌🏻
Es fängt mit der Diskussion um den Vornamen an & steigert sich im Finale + einer kleinen Pointe, herrlich.. 😁🤣

Unter Einfluss von Wein, gutem Essen + dieser anfänglichen Frage entsteht eine lustige Runde, die mehr & mehr eskaliert & es tun sich Abgründe auf...

4,5/5

StS

23 September 2022, 20:31:57 #2281 Letzte Bearbeitung: 24 September 2022, 10:19:32 von StS


,,Do Revenge" (2022) ist eine Komödie von Regisseurin und Co-Autorin Jennifer Kaytin Robinson aus dem Hause ,,Netflix", welche die klassische Hitchcock-,,Strangers on a Train"-Prämisse in ein High-School-Setting überträgt – mit der besagten Titel-gebenden Rache u.a. für ein geleaktes Nude-Vid – sowie eben jene genüsslich mit Elementen aus Genre-Hits á la ,,Jawbreaker", ,,Clueless", ,,Mean Girls" und ,,Cruel Intentions" vermengt (in einer Nebenrolle ist sogar Sarah Michelle Gellar mit von der Partie)...

Die komplette Angelegenheit kommt sonnig, bunt, ein evidentes Stück weit übertrieben sowie bewusst ,,mit Klischees spielend" daher – wobei am Rande aber auch ernste, mitunter satirisch angegangene Themen klar zu registrieren sind. Die Darsteller mögen zum Teil (mal wieder) zu alt für ihre Parts sein – doch waren alle mit unverkennbarem Elan bei der Sache und war auf Camila Mendes und Maya Hawke (jeweils erwartungsgemäß) voll und ganz Verlass. Letztere sieht ihrer Mutter übrigens immer ähnlicher...

Darüber hinaus ist Talia Ryder in einer kleineren Rolle super sympathisch – während Sophie Turner nach ihrem (unvergessenen) ,,Dark Phoenix"-Debakel hier ebenfalls etwas Screen-Time vorweisen kann – und sind auf dem Soundtrack neben aktuellen Songs einige echt nette ,,Retro-Tracks" (bspw. von Hole und Kim Wilde) zu hören. Handwerklich geht der Film vollumfänglich in Ordnung – bloß hätte ich ihn mir ,,bissiger" gewünscht... und nicht unbedingt 120 Minuten lang (obgleich er sich nie ,,zieht").

Insgesamt reicht ,,Do Revenge" nicht an seine ,,großen Vorbilder" heran. Man kennt diese Art von Storys halt – was unweigerlich eine gewisse Vorhersehbarkeit mit sich bringt. Schade, dass er so ,,formelhaft" daherkommt – und die ,,Balance" zwischen ,,campy Fun" und Ernst nicht ganz optimal meistert. Wirklich herausragende Gags und Szenen habe ich ebenfalls vermisst – wurde alles in allem aber solide unterhalten (dienlich dabei: dass einem die beiden Leads die ,,Rache-Girls" auch nicht zu unsympathisch werden lassen).

5/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

PostalDude

Gestern Abend/Nacht gesehen:

Departed - Unter Feinden: Premium Collection



Ein Film über Ratten.

Nur überragende Schauspieler dabei, bis in die kleinste Rolle. Tolle Musik, von Electro über Punk bis Rap, alles dabei...

Über 2 Stunden, aber niemals langweilig. Die Schauspieler & die Jagd nach der Ratte fesselt einen bis zum Ende.

Scorsese is the Man. 😎

5/5

Private Joker

24 September 2022, 13:44:48 #2283 Letzte Bearbeitung: 24 September 2022, 15:23:22 von Private Joker
Ein paar Teile für Leute, die die Welt immer noch für zu einfach halten...

Parallels (BD)

O.K., das ist jetzt mal eine echte Schmalspurvariante des Parallelweltthemas. Ein paar Jungspacken (sorry), die mit dem Fenster in eine andere Welt nix besseres zu tun haben, als erst ein kriselndes Startup auf die Beine zu bringen, sich dann heftig an den besagten Welten zu bereichern und zum Schluss kriminell zu werden.

Selbst wer das immer schon mal sehen wollte, Achtung: In DER Inszenierung ist das weitgehend öde, und verstolpert sich nach passablen ersten 30 Minuten völlig an seiner Prämisse. Während zunächst scheinbar immer die gleiche Welt aufgesucht wird, eröffnet das Tor später offenbar beliebig viele Parallelwelten, aus denen sich einer der beiden weißen Typen (die sich übrigens verflixt ähnlich sehen) dann erst mal alle möglichen Goodies zusamensucht. Der ganze Zeitaspekt ist hirnrissig - wenn die Zeit woanders viel schneller vergeht, müssten die bei ihren ganzen Trips spürbar altern. Und überhaupt: Wenn die Zeitverläufe unterschiedlich sind, wieso gelangt man dann bei einem Zeitpunk X="Jetzt" in die andere Welt zum de facto gleichen Zeitpunkt, mit der - fast - gleichen Technik und dem gleichen Personal im gleichen Lebensalter.

Anders als bei "Flashback", zu dem ich als nächstes was sage, ist das auch kein Fall von "ich bin zu doof für diesen Film", eher "und was macht der Drehbuchautor so beruflich?" Auf der reinen Unterhaltsschiene gibt es auch wenig Erbauliches, weder Effekte und echten Horror noch Action oder Spannung, einzig ein singulärer massiver Splattereffekt mag entsprechende Genrefans minimal "erfreuen". Auch die nicht besonders geistreiche, aber zumindest konsequente Schlusspointe (so wie ich sie verstanden habe: In anderen Welten gibt es solche Fenster auch) gibt einen Mini-Pluspunkt. Trotzdem in der Summe nur 4/10.

Flashback (BD)

Willst Du vermeiden, dass der geneigte Seher zu viele dumme Fragen stellt wie ich gerade zu "Parallels", dann verwirre ihn so gründlich, dass er erst mal ziemlich K.O. im TV-Sessel liegt und über das Gesehene nicht vernünftig nachdenken kann. So oder ähnlich mag der offenbar nur alle 10 Jahre auftauchende Regisseur Macbride sich das jedenfalls vorgestellt haben.

Konkret sehen wir eine ziemlich wilde Mischung aus einem persönlichen Drama über einen Mann, der gerade Vater wird, seine Mutter verliert und generell nicht so recht erwachsen werden mag. Überdies kann man da eine Drogengeschichte mit sich ständig wiederholenden zT gruseligen Visionen erkennen, die mit einer Prise SF angereichert ist oder sein könnte (leben wir alieninduziert in einem Zeitgefängnis, dass uns zwingt, die Zeit linear zu empfinden, und können wir da ggf. sogar ausbrechen, mit ein paar weißen Pillen ??). Und natürlich geht es in einer Art "verspätetem" Coming-of-Age um wichtige persönliche Entscheidungen, vor allem an den Wegkreuzungen des Lebens und was, wenn wir da unsere Abbiegerichtung noch mal ändern könnten ?

Das ist schon ein sehr intenisver Grübler (oder neudeutsch "Mindfuck"), irgendwo ganz interessant oder je nach Stimmung sogar mitreißend, gut gespielt, vor allem von O'Brian, manchmal auch emotional packend. Es ist durch viele Wiederholungen und die ganzen Lichtspielchen (die Ep-Warnung sollte man ernst nehmen) aber auch durchaus anstrengend und in seiner Halb-/Fast-/Nichtauflösung dann am Ende relativ verstörend. Ich bin da - wie die RT-Kritiker - mit einer Endnote etwas unschlüssig, zumal die späte Stunde nach dem Fußball gestern nicht ganz ideal für diese Art von Film ist. Abhängig von der persönlichen Empfänglichkeit für derartige gehobene Eso-Kost sind aber durchaus 6-7 Punkte drin.

Deliver us from Evil (Tele 5)

Etwas leichtere Kost aus der Actionwundertüte Korea. An sich eine relativ typische und eher simple Killerkiste, bei der wir einmal mehr Sympathie für einen Berufsverbrecher haben sollen, der auf der Zielgerade seines beruflichen oder vielleicht auch ganzen Lebens ein paar gute Seiten an sich entdeckt. Konkret geht es um eine Verflossene, seine vielleicht-Tochter und jede Menge Baddies, die den "Guten" im Wortsinne an die Nieren gehen (wollen).

Trotz der generell einfachen Handlung: So ganz habe ich die Motivation vor allem von Überbösewicht Ray nicht verstanden, ein beeindruckend fieses Kerlchen ist der aber schon. Generell fällt mir mal wieder auf, dass das SK-Kino immer noch gerne Bösewichtrollen und Horte des Bösen an andere Nationen verteilt, gerade Bangkok ist hier ein finsteres Shithole, in dem Organräuberbanden kleine Mädchen entführen und ausweiden, natürlich unter dem Schutz der korrupten Polizei. Und noch etwas fällt negativ auf, dafür können die Macher aber nichts: die sprachliche Vielfalt des Schauplatzes, an dem Thailändisch, Koreanisch und Englisch gesprochen wird, überbügelt die deutsche Synchro mal wieder gnadenlos und lässt manche Szenen zu absurdem Theater werden, wenn da im Original Koreanisch-Thai übersetzt wird und hierzulande von Deutsch nach Deutsch.

Das alles mal beiseite, ist das aber ein durchaus ansehnlicher Actionfilm der alten Schule, mit wenig CGI und Gefangenen, die nicht gemacht werden, durchaus knackigen Fights und viel Blut. Und die Überlebensdauer von Leuten, die massive Verwundungen abbekommen, erinnert schon fast ein bisschen an den die seligen Zeiten, als John Woo auf dem Höhepunkt seines Schaffens war.

Diese Klasse wird aber natürich nicht erreicht. Daher meine "Korea-Standardnote" 6/10 mit leicher Aufwärtstendenz, vor allem wenn man sich den im O-Ton besorgt.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

PostalDude

Vorgestern Abend/Nacht mit meiner Freundin gesehen:

Die Simpsons - der Film



Homer ist einfach Homer und kleine Details im Hintergrund machen Spaß!

Homer veursacht mal wieder Chaos in Springfield und dieses Mal müssen die Simpsons Springfield verlassen !

Im Prinzip tauchen ALLE Charaktere aus der Serie auf, kurz, aber das reicht oft, viele Gags zünden, Homer bekommt mit Spiderschwein einen neuen Freund, die Anspielungen, Gags sind spitze und IMO witzig, z.b. Arnie als Päsident der USA! (Trump konnten selbst die Simpsons sich damals nicht vorstellen...)

Ich find den Film einfach nur genial! :D

5/5

Gerade gesehen:

The Crow - Die Krähe



Natürlich kann man den Film nicht schauen, ohne an die tragische, wahre Geschichte von Brandon Lee zu denken...

Aber auch so funktioniert der Film ganz gut...

Es ist eine düstere Liebesgeschichte, die eigentlich schon zu Ende ist... Aber dann erwacht Eric Draven (Brandon Lee) wieder zum Leben, erweckt durch eine Krähe, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgt und durch die er sehen kann bzw. unsterblich ist!

Er rächt nach und nach vor/an Halloween den Tod von ihm und den seiner Freundin, alles wunderbar düster umgesetzt, vielleicht manchmal was kitschig, aber immer ernst!

Brandon Lee spielt wie aus der Hölle gut, aber ich finde Michael Wincott als Bösewicht noch einen Tick böser bzw. besser, i don´t know why... ;)

Leider das Vermächtnis von Brandon Lee, aber ein sehr gutes....

R.I.P. ! :(

4,5/5

PostalDude

Gestern Abend/Nacht bei Amazon Video ausgeliehen & mit meiner Freundin gesehen:

Perfect Skin - Ihr Körper ist seine Leinwand



Ich habe hier etwas anderes erwartet.. 🤔
Die Atmosphäre ist wunderbar düster, dreckig & eines Horrorfilms würdig. Aber es ist kein richtiger Horrorfilm, dafür langt es nun wirklich nicht.
Ab 18 würde ich den auch nicht unbedingt freigeben, 16er würde reichen, dennoch bleiben 1,2 eklige Szenen!
Die Beweggründe, warum der Tätoowierer sie entführt sind IMO auch nicht ersichtlich, auch wenn ich sagen muss, sie ist auch nicht unbedingt sympatisch, durch ihre Aktionen!
Der Industrialsoundtrack passt zum Film, die oben erwähnte Atmosphäre ist cool, aber die Charaktere bzw. das Opfer verhält sich unlogisch oder ist es das "Stockholm/London"-Syndrom !? 🙈

Das Kunstwerk zum Schluß ist auch gut, aber nicht so atemberaubend wie erwartet, "Ganzkörper" ist es aber nicht, da fehlt noch einiges... ;)

3/5

PostalDude

Vier für ein Ave Maria (Comedyfassung)



Der 2. Teil der "Ace High"-Trilogie, der Film setzt direkt am Ende vom "Gott vergibt - Django nie!" an.

Es geht mal wieder um's verdammte Geld & um Vertrauen bzw. Beschiss..

Auch in der Comedyfassung ist es guter Western, mit einigen Schießereien, Prügeleien, Action in der Wüste & ein spannendes Finale im Casino!
Einige typische Elemente der späteren Filme tauchen auch schon auf, alles in allem gefällt der Film!

4/5

StS



,,the Dark Stranger" ist ein kleiner kanadischer ,,Indie" aus dem Jahr 2015: Ein sein Potential alles in allem leider nicht voll ausschöpfen könnendes Horror-Drama von Spielfilm-Debütant Chris Trebilcock, in dem es um die traumatisiert-verschlossene Teenagerin Leah (Katie Findlay) geht, die nach dem Selbstmord ihrer Mutter das Haus nicht mehr verlassen hat – eines Tages aber plötzlich (nachdem sie sich eine blutende Verletzung zuzieht) mit dem Zeichnen eines düsteren Comics beginnt, in welchem sie fortan u.a. diverse Belastungen/Dinge in einem Fantasy-Kontext eingebettet verarbeitet. Schon bald aber scheint eine finster-bedrohliche Gestalt aus ihrer Geschichte zum Leben zu erwachen...

Der Streifen entfaltet sich ausschließlich in dem Haus von Leah´s Familie und behandelt das Thema ,,Trauer-Verarbeitung" auf annehmbare Weise. Zudem werden die Auswirkungen der Situation auf ihre Familie thematisiert und gibt es eine konkret übernatürliche Komponente in Form des (menschliche Form aufweisenden) Wesens, das es offenbar auf Leah und einige Personen in ihrem Umfeld (wie z.B. auf ihre Therapeutin) abgesehen hat. Die Family-Drama-Elemente sind dabei relativ ,,simpel" geraten – ebenso wie die Horror-Anteile. Prima gefallen haben mir indes die ,,Dark-Fairy-Tale"-esken 2D-Animations-Sequenzen, im Rahmen derer Leah´s Comic-Story erzählt bzw. aufgezeigt wird...

Darstellerisch schwankt die Qualität der Performance Findlays leider je nach Szene/Situation. Dass Enrico Colantoni einen sympathisch-zugeneigten Vater gut zu spielen vermag, hat er bereits in ,,Veronica Mars" ausgiebig bewiesen – und in einer Doppelrolle ist der durchaus gern gesehene Stephen McHattie mit von der Partie (wobei eine davon ,,natürlich" der ,,creepy Baddie" ist). Der Film ist keineswegs ununterhaltsam – aber weder sonderlich spannend, gruselig noch originell. Obendrein sieht man ihm sein geringes Budget gerade im letzten Drittel unverkennbar an – doch hat Trebilcock bei der Umsetzung in einigen Bereichen zumindest ein positiv registrierbares Maß an Kreativität bewiesen...

4/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Newendyke

Everything Everywhere All at Once

Was war denn das bitte?
Ein richtig feiner Action-Coming-of-Age-Familiendrama-Sci-Fi Low Budget-Streifen, der das Thema Multiversum zwar nicht neu erfindet, aber unzählige witzige Verweise (Wong Kar-Wais In the Mood for Love), geniale Einfälle (der IRS butt plug äh Award) und obendrauf noch einen topaufgelegten Cast bietet!
Teilweise hab ich mich bisserl zu sehr im Visuellen verloren, was zur Folge hatte, dass ich in manch einer Szene mit meinen Gedanken hinterher war. Kann ich dem Film aber nicht anlasten.
Quans Rückkehr auf die Leinwand bzw. mit dieser Rolle passt wie die Yeoh Faust aufs Auge! Curtis war einfach ein Hammer, verschroben, brandgefährlich und liebenswert!

Wenn man bedenkt, dass hier lediglich eine handvoll Leute für die CGI verantwortlich waren und sehr, sehr viel mit old school Kameratricks / -geschwindigkeiten gearbeitet wurde, fragt man sich natürlich, warum die teuren blockbuster teils eine so miese Qualität abliefern (wobei die Antwort mit JCs Avatar ja schon gegeben ist, der Faktor Zeit wird gerne von uns Filmfans unterschätzt, da geht's gar nimma so sehr ums Budget).

8/10


The Matrix Resurrections

Was war denn das bitte?
Boah... was für ein seltsamer Ausflug in die Matrix. Da wird die Meta-Ebene eines reboots mit dem Film-reboot / -fortsetzung verknüpft, was für mich aber so gar nicht funktioniert hat. Und dabei war gar nicht mein Problem, dass man einen Morpheus verjüngt hat, das gehörte noch zu den besseren Ideen, viel mehr versucht man, wie schon Teil 2 & 3, so viel Bekanntes penetrant und lausig aufzublasen, damit das Ding wohl seine Daseinsberechtigung im Canon des noch immer großartigen Teil 1 haben darf. Ich weiß nicht... war halt alles bisserl zu viel, bisserl zu chaotisch und am Ende auch zu gewollt (wobei mir die Idee, dass Trinity nun mehr oder weniger die Auserwählte ist, schon gut gefiel). Speziell den ersten Akt hätte man verkürzen können und den Fokus noch mehr auf die 60 Jahre zwischen Teil 3 & 4 setzen können. Aber die unzähligen Rückblenden und Überblenden auf die Vorgänger haben einfach keinen Fluss reingebracht.

großzügige 5/10


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

PierrotLeFou

Don't Worry Darling (2022)
Erwartungsgemäß Stepford-ähnlich, aber doch auch mit sichtlichen Unterschieden: Zum einen ist das Rollenbild trotz der Stoßrichtung nicht mehr so starr (Harry Styles steht auch mal mit Schürze in der Küche, er penetriert seine Frau keinesfalls rüde, sondern verübt auf dem Esstisch Cunnilingus; eine der Frauen fügt sich sehr bewusst und gezielt ins große Ganze; der Antagonist wird von seiner Partnerin gemeuchelt), zum anderen verfügen die Frauen der Gehirnwäsche zum Trotz durchaus über eigene Persönlichkeit/Subjektivität... Passend dazu gibt es Anleihen bei Polanski – nicht nur seiner Levin-Verfilmung, sondern auch anderen Teilen seiner losen Mieter-Trilogie –, der Plottwist ähnelt dem von "Antebellum" (2020): quasi die #MeToo-Version zum #BlackLivesMatter-Film. (Und auch "Get Out" kommt in den Sinn, der war ja seinerseits eine Art #BlackLivesMatter-Variante des Stepford-Stoffes.) Und hier wie in "Last Night in Soho" oder in "Us" oder anderen Filmen der letzten Zeit taucht eine etwas penetrante Spiegel-Metaphorik auf. Ein paar Unklarheiten (Wer übergibt vertrauensselig seinen Körper einer offundig kriminellen Vereinigung?) trüben den Gesamteindruck, der durch die solide Regie und das Thema der Prägung und Beeinflussung und Manipulation eigentlich recht positiv ausfällt. Ich bin da bei einer guten 7/10.


Smile (2022)
Schwachen Durchschnitt erwartet: "The Ring"-Prämisse mit lächerlichen "Truth or Dare"-Schockeffekten. Besser ist der Film dann doch: inszenatorisch gibt es kleine Highlights, inhaltlich orientiert er sich eher an "Follow Me" und beackert Trauma- und Depressions-Gefilde... zumal mit leicht reiferen Figuren. Aber dann bekommt er das Ganze gegen Ende nicht mehr befriedigend aufgelöst, orientiert sich doch eher wieder an "Ring"-, "Truth or Da"- oder "Final Destination"-Vorbildern und ist dabei sehr vorhersehbar. Zudem ist hier (anders als in "Follow Me") unklar, was es mit der "Ansteckung" bzw. dem "Fluch" auf sich hat, was hier ja damit einhergeht, Zeuge/Zeugin einer Gewalttat geworden zu sein (und nicht etwa damit, Kind eine Depressiven gewesen zu sein, was eher nur ein Nebensaspekt ist)... Der Film verzettelt sich da, so wirkt es nach Erstsichtung auf mich, in seiner doch recht generischen Handlung und kann infolgedessen seinen Subtext nicht so ganz sicher tragen.
Gute 6/10.


Jeepers Creepers: Reborn (2022)
Bekommen, was ich - angesichts des Regisseurs, des Trailers und der IMDb-Note - befürchtet hatte... Hat der dritte Teil die Messlatte schon ziemlich niedrig gehängt, unterbietet dieses Reboot das Niveau nochmals. Es wirkt, als hätte man um "coole" Posen und Storyboard-Bildchen, um nerdige Ideen wie einem Horror-Festival samt Cosplay sowie um alberne Witzchen und "krassere" Splattereffekte einen Film herumstricken wollen, der wie "Star Wreck" (2005) oder "Iron Sky" (2012) daran scheitert, einen Spannungsbogen oder einen klaren Gedanken zu entfalten. Zitate und Selbstzitate hier, Stereotype und Klischees dort: Drumherum ein geringes Budget und inszenatorische wie auch handwerkliche Schwächen. Dass - wie in "The Return of the Living Dead" (1985) oder in Michael Sheas Roman "The Colour out of Time" (1986) und vielen anderen Werken in Literatur und Film - das Vorbild als fiktives Werk nach realen Begebenheiten ausgewiesen wird, die nun tatsächlich erzählt werden sollen, hat einen leicht anmaßenden Aspekt; jetzt ist Salva niemand, für den man in die Bresche springen will, aber der Film - der das Franchise wohl von den Diskussionen um den Regisseur lösen will - plündert die Trilogie recht despektierlich und lässt sie von einer Figur kurz zerreißen, um sich dann als eigentlicher Tiefpunkt der Reihe zu entpuppen... Hier gibt es auf allen Ebenen Unzulänglichkeiten zuhauf...
4/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

StS

Zitat von: PierrotLeFou am 12 Oktober 2022, 04:36:53Smile (2022)
Schwachen Durchschnitt erwartet: "The Ring"-Prämisse mit lächerlichen "Truth or Dare"-Schockeffekten. Besser ist der Film dann doch: inszenatorisch gibt es kleine Highlights, inhaltlich orientiert er sich eher an "Follow Me" und beackert Trauma- und Depressions-Gefilde... zumal mit leicht reiferen Figuren. Aber dann bekommt er das Ganze gegen Ende nicht mehr befriedigend aufgelöst, orientiert sich doch eher wieder an "Ring"-, "Truth or Da"- oder "Final Destination"-Vorbildern und ist dabei sehr vorhersehbar. Zudem ist hier (anders als in "Follow Me") unklar, was es mit der "Ansteckung" bzw. dem "Fluch" auf sich hat, was hier ja damit einhergeht, Zeuge/Zeugin einer Gewalttat geworden zu sein (und nicht etwa damit, Kind eine Depressiven gewesen zu sein, was eher nur ein Nebensaspekt ist)... Der Film verzettelt sich da, so wirkt es nach Erstsichtung auf mich, in seiner doch recht generischen Handlung und kann infolgedessen seinen Subtext nicht so ganz sicher tragen.
Gute 6/10.

Du meinst "It Follows", oder?  :happy3:
Ich gebe "Smile" eine 7/10. Ja, das Schema ist an sich bekannt - aber die Inszenierung hat mich (ebenso wie Kevin Bacon´s Tochter in der Hauptrolle) überzeugen können und die Mehrzahl der Jump Scares saß recht ordentlich (jene waren auch nicht so "cheap" wie in diversen ähnlichen Streifen - was wiederum Parker Finn´s Regie zu verdanken ist).
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

PierrotLeFou

Zitat von: StS am 12 Oktober 2022, 08:49:54
Zitat von: PierrotLeFou am 12 Oktober 2022, 04:36:53Smile (2022)
Schwachen Durchschnitt erwartet: "The Ring"-Prämisse mit lächerlichen "Truth or Dare"-Schockeffekten. Besser ist der Film dann doch: inszenatorisch gibt es kleine Highlights, inhaltlich orientiert er sich eher an "Follow Me" und beackert Trauma- und Depressions-Gefilde... zumal mit leicht reiferen Figuren. Aber dann bekommt er das Ganze gegen Ende nicht mehr befriedigend aufgelöst, orientiert sich doch eher wieder an "Ring"-, "Truth or Da"- oder "Final Destination"-Vorbildern und ist dabei sehr vorhersehbar. Zudem ist hier (anders als in "Follow Me") unklar, was es mit der "Ansteckung" bzw. dem "Fluch" auf sich hat, was hier ja damit einhergeht, Zeuge/Zeugin einer Gewalttat geworden zu sein (und nicht etwa damit, Kind eine Depressiven gewesen zu sein, was eher nur ein Nebensaspekt ist)... Der Film verzettelt sich da, so wirkt es nach Erstsichtung auf mich, in seiner doch recht generischen Handlung und kann infolgedessen seinen Subtext nicht so ganz sicher tragen.
Gute 6/10.

Du meinst "It Follows", oder?  :happy3:
Upps,ja genau! :happy2:
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

StS

12 Oktober 2022, 11:36:01 #2292 Letzte Bearbeitung: 12 Oktober 2022, 11:38:45 von StS


,,Code Name Banshee" (2022) ist ein von Regisseur Jon Keeyes in Szene gesetzter B-Movie-Action-Thriller mit Jaime King, Antonio Banderas und Tommy Flanagan in den Hauptrollen: Eine uninspiriert-belanglos-lahme Angelegenheit – u.a. mit unschönen ,,CGI-Zusätzen" wie Regen, Einschusslöcher, Mündungsfeuer und Blutspritzer (zu allem Überfluss mitunter gar ,,direkt auf die Linse")...

knappe 3/10

Wer an meiner ausführlichen Meinung interessiert ist:
https://www.actionfreunde.de/code-name-banshee/




Das 2017er Drama ,,the Mad Whale" ist auf ungewöhnliche Weise entstanden – und zwar war es eine Gemeinschaftsproduktion der ,,Elysium Bandini"-Schmiede James Francos (welcher auch in einer Nebenrolle zu sehen ist) und der ,,USC School of Cinematic Arts": Im Grunde ein Studenten-Projekt, das von insgesamt 9 Personen mitverfasst sowie von 10 weiteren in Szene gesetzt wurde – und das rundum professionell sowie einige nicht unbekannte Darsteller aufweisend...

1894 in Boston angesiedelt, wird die Geschichte Isabels (Camilla Belle) erzählt, welche daheim häusliche Gewalt erleiden muss und von ihrem Gatten (Michael Weston) schließlich wegen ihres ,,undevoten Verhaltens" in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird. Dort versucht sich ein aufstrebender Doktor (Dominic Rains) an einer neuartigen Therapieform: Eine sich aus den Insassinnen zusammensetzende (rein weibliche) Aufführung von Herman Melville´s ,,Moby Dick"...

Im Mittelpunkt des Films stehen Isabel, die Theaterproben sowie das Leben in der Einrichtung – wobei regelmäßig aber bereits vorab immer mal wieder Momente aus der finalen öffentlichen Vorstellung gezeigt werden. So wie Isabel, sind nicht alle Eingewiesenen geisteskrank – doch haben sie gegen das von Männern dominierte damalige ,,System" keine rechte Chance, etwas dagegen zu tun. Entsprechend markieren Misogynie und Missbrauch (nicht nur im Bereich ,,Macht") zwei der behandelten Themen...

Fragwürdige ,,medizinische" Methoden (wie Bluttransfusionen und Blutegel) kommen zum Einsatz, Isabel freundet sich mit einer Mitinsassin an (Summer Phoenix – Schwester von River und Joaquin sowie Ex-Frau von Casey Affleck), mit Hilfe eines einflussreichen Bekannten (Franco) wird ein gewagter Plan geschmiedet und der Doktor steigert sich zunehmend in sein Bestreben hinein, das Stück bestmöglich zu realisieren – was bei einigen der Mitwirkenden natürlich schwierig ist...

Dass letztere Intention sozusagen (wie bei Ahab) zu seinem ,,weißen Wal" wird, ist nur einer der durchaus vorhersehbaren Punkte der Handlung. Zudem lassen sich verschiedene Klischees verzeichnen und schwankt die Qualität der Performances gerade bei den Nebendarstellern. Derweil hat es mich gefreut, Camilla Belle (,,the Quiet", ,,Push" etc.) mal wieder zu Gesicht zu bekommen – worüber hinaus sich die zentralen Drehlocations (das ,,Asylum" sowie ein prachtvolles Theater) gut sehen lassen können...

,,the Mad Whale" merkt man nicht wirklich an, dass so viele Personen am Skript und der Regie beteiligt waren. Ja, die Vorlage wurde nicht sonderlich ,,tiefschürfend" ausgestaltet – doch war das nicht gerade hohe Budget ausreichend, geht das Gebotene handwerklich in Ordnung und war dieses Theater-orientierte Drama (von seinem ganzen Stil her) für mich in gewisser Weise geradezu ,,altmodisch-erfrischend" im Vergleich zu der sonst üblichen Art von Veröffentlichungen der vergangenen Jahre...

6/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

PostalDude

Gestern Nacht bei Amazon Video gesehen:

Mortal Kombat (2021)



Story wie immer wurscht, der Anfang war sehr stimmungsvoll, im alten Asien, es hat wundervoll gesplattert, geil! 👌🏻

In der Gegenwart angekommen, wurde es eher eintönig, die Kämpfe sind natürlich geil gemacht, aber IMO wäre da auch ein bisschen mehr Splatter gegangen... 👊🏻😈🩸😁

Es gab zwar immer wieder ein bisschen das alte Theme, aber leider nie im Original... 😕

Sub-Zero & Scorpion tauchen zwar auf, aber ein bisschen selten, finde ich..

Auf jeden Fall besser als der Teil von 1995, was aber auch nicht schwer ist 🤣
Hätte mir lieber ein "richtiges" Turnier erhofft, Kumitelike, blutige Kämpfe mit Fatalitys ohne Ende...

2,5/5

Private Joker

15 Oktober 2022, 12:44:05 #2294 Letzte Bearbeitung: 15 Oktober 2022, 13:13:13 von Private Joker
Athena (Netflix)

Vor allem wegen seiner Anfangssequenz hochgelobtes Netflix-Drama über einen Banlieue-Aufstand. Einen kleineren, ehrlicherweise, das ganze wirkt in seiner Beschränkung auf eine große Unterführung, einen darüberliegenden Platz + ein paar Wohnblöcke schon relativ kompakt.

Ist jetzt nicht der Film, den ich mir in der Form jede Woche ansehen würde. Zumal der leicht altmodische Begriff "Spiel"film da kaum passt, da ist wenig klassiche Handlung, Figurenentwicklung, Mitfiebern bis zum Happy-End oder Bedauern über dessen Ausbleiben. Letztlich ist das eine Semi-Doku, ein Schauplatz, ein paar Explosionen, die - vermutlich gewollt - nicht gerade Hollywood-Goldstandard sind, die Kamera immer in Bewegung und ganz nah an den Figuren. Figuren allerdings, die uns ganz ehrlich gesagt relativ egal sind, das sind im Kern Funktions- und nicht Sympathie/Antipathieträger: der die Situation ausnutzende Drogendealer, dessen um Ausgleich bemühter Bruder, der Sozial-Fighter, der ins kalte Wasser geworfene junge Cop.

Jo, kann man mal so machen. Alles im begrenzten Rahmen handwerklich o.k, die Eingangsequenz ist im aktuell sehr plansequenzigen Umfeld nichts besonderes, aber passt natürlich zur Machart. Ich will mich da gar nicht auf eine Punktenote festlegen, dazu ist der zu weit ab von meinem gewöhnlichen filmischen Beuteschema. Ich würde die 83% RT aber für etwas überbewertet halten, dazu hat der mich trotz überschauberer Laufzeit keine 90 Minuten gefesselt, irgendwann war mir das Gerenne und Geschreie einfach zu viel.


Monstrous
(Amazon 99 Cent)

Dann lieber der hier, der den meisten Amazon-Rezis und den Tomaten offenbar zu ruhig war. Ja, der "lässt sich Zeit für die Bilder", seit Harald Schmidt ja ein Insiderwitz für weitgehenden filmischen Stillstand. Aber hier stimmt es im ursprünglichen Sinn, das "1950iger-Setting" (egal ob Fake oder nicht, ich lass das einfach mal so stehen) war selten strahlender auf der heimischen Leinwand, Ricci passt da prima rein, ein bisschen 50ties-Mucke, die man mögen kann oder auch nicht, die aber einfach dazugehört. Wer auf Zwischentöne achtet, könnte ahnen, worauf das hinausläuft, die Möglichkeiten, horrortwisterfahrende Zuschauer noch komplett zu überraschen, sind halt einfach überschaubar geworden.

Trotzdem ist die Schlusswendung eine der besseren; vor allem, weil sie ihrerseits mindestens zwei Interpretationsmöglichkeiten offenlässt (entweder das war vollständig nur die Fantasie der Frau - was allerdings ehrlicherweise dazu führt, dass wir praktisch einen kompletten Film gesehen haben, der so nie stattgefunden hat, so was gefällt mir eigentlich nicht, - oder in der Familie sind übernatürliche Begabungen so verbreitet, dass die ihren toten Sohn tatsächlich über die Grenzen von Zeit und Tod hier festgehalten hat). Die eigentlichen Horroranteile wie die "Monstereffekte" sind überschaubar, aber solide ausgeführt, gängige Haunted-House-Standards (wackelnde Schränke) spielen nur eine kleine Rolle.

Wer - wie ich - "Night House" und ähnliche mochte, wird auch an dem Gefallen finden; die anderen sollten zumindest an Optik und Sound auch noch einen Restspaß haben. Knapp 7/10.

Old Henry Amazon 99 Cent

Waren wieder überraschend viele "kleine" Western bei den Videopremieren und in 99Cent-Aktionen bei Amazon; für den habe ich mich dann tatsächlich nach einem Überblick über die Kritiken entschieden.

Was man vielleicht nicht tun sollte, denn bezüglich der Frage, was einen guten Western ausmacht, liegen zwischen den vermutlich eher jüngeren Amazon-Schreibern und Genreveteranen wie mir dann doch offenbar Welten. Ich mag meine Western lieber "weit", auf der Open-Range spielend, mit Konflikten, die mehr sind als 3 Gangster gegen eine Farmfamilie. Der hier spielt 1906 und von einem Detail abgesehen könnte das auch 1850 oder 1945 sein, an der sparsamen Ausstattung kann man das nicht erkennen; es spielt letztlich auch keine Rolle, man hätte das als reinen Thriller aufziehen können und das Etikett "Western" eigentlich gar nicht gebraucht. Was natürlich alles hauptamtlich auch eine Budgetfrage ist, genug Geld für ein "echtes" (im Sinne des alten Hollywood) Wildwest-Szenario spendieren allenfalls noch Streamproducer wie Netflix und vor allem dann, wenn Tom Hanks dabei ist.

Wer das mit der Weite/Enge anders sieht, wird hier gar nicht so schlecht bedient - es geht relativ zügig und hart zur Sache, als kompaktes Drama mit etwas Action funktioniert der zumindest passabel. Ein paar Shootouts decken die Grundversorgung des Actionfans ab, wobei vor allem im Finale "einer gegen ~ acht" nicht so ganz klar wird, wie die Titelfigur da immer schön den Kugeln ausweicht, da wird doch einige Male in die Trickkiste "Schnitt" gegriffen.

Bleibt noch das schon angesprochene "Detail", das den dann doch wieder mit dem Genre "Western" connected, und hier muss ich dann in die Spoilerphase übergehen, das ist natürlich die Sache mit "Billy The Kid". Da habe ich mich echt über mich selbst geärgert, denn natürlich wusste ich, dass der nicht nur den bekannteren Namen "Willian Bonney" getragen hat, sondern eigentlich als "Henry McCarty" geboren wurde, trotzdem bin ich dem Film insofern komplett auf den Leim gegangen. Gibt einen Pluspunkt, ist angesichts einiger Gerüchte auch nicht mal so fernliegend und führt uns dann zur versöhnlichen Gesamtnote von knapp 6/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Hitfield

17 Oktober 2022, 04:26:51 #2295 Letzte Bearbeitung: 17 Oktober 2022, 04:32:20 von Hitfield
Ich habe die 90er-Jahre Freizeit-mäßig quasi in vier Videotheken verbracht und alles ausgeliehen, was nicht bei Drei auf den Bäumen war, aber immer mal wieder finde ich eine (größere) Produktion mit bekannten Schauspielern (bzw. von einem bekannten Regisseur), die damals durchgerutscht ist. Dies ist so ein Fall:

Höllenjagd bis ans Ende der Welt (1983)

Hierbei handelt es sich sowohl um die Verfilmung des Bestsellers "Unternehmen Drachenritt" (im Original: "High Road to China") als auch um einen Abenteuerfilm, der auf der damaligen "Indiana Jones"-Welle mitreiten wollte. Andere bekannte Nachzügler waren z. B. die beiden "Quatermain"-Verfilmungen mit Richard Chamberlain und Sharon Stone, die beiden "Auf der Jagd nach ..."-Filme mit Michael Douglas und Kathleen Turner oder auch "Feuerwalze" mit Chuck Norris.

Hier spielen der raubeinige Tom Sellek und Bess Armstrong die Hauptrollen. Ich habe selten eine attraktivere Schauspielerin gesehen als Armstrong in diesem Film. In keinem ihrer anderen Filme ist sie mir je aufgefallen. Sie arbeitet bis heute mit Auftritten in Dutzenden verschiedenen Fernsehserien, hat aber nie eine große Karriere gemacht. In den 80ern war sie auch an der Seite von Tom Hanks und Dennis Quaid zu sehen, aber eine Karriere als Filmstar hatte sie erstaunlicherweise nicht. Das hier dürfte ihre erste und zugleich letzte große Rolle gewesen sein.

"Höllenjagd bis ans Ende der Welt" ist die letzte Regiearbeit von Brian G. Hutton. Seine beiden bekanntesten Filme waren "Stoßtrupp Gold" mit Clint Eastwood und Telly Savalas sowie "Agenten sterben einsam" mit Richard Burton und Clint Eastwood. In seiner Machart erinnert dieser "Indiana Jones"-Nachzügler sehr an alte Hollywoodfilme, wirkt aber gleichzeitig selbst für sein Entstehungsjahr (immerhin hat der Film fast 40 Jahre auf dem Buckel) schon sehr antiquiert und aus der Zeit gefallen. Auch die Führung der Schauspieler, bei denen alte Haudegen und Charakterdarsteller wie Wilford Brimley dabei sind, wirkt wie aus den 1940er bis 1960er Jahren.

Mit einem Budget von ca. 19 Mio. US$ war der Film genauso teuer oder teurer als zu dieser Zeit z. B. "Jäger des verlorenen Schatzes" (10 Mio. US$), "E.T. - Der Außerirdische" (10,5 Mio. US$), "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" (10 Mio. US$), "Quatermain - Auf der Suche nach dem Schatz der Könige" (12,5 Mio. US$) oder "Zurück in die Zukunft" (19 Mio. US$). Er floppte ziemlich heftig an den Kinokassen und der Autor der Romanvorlage hat die Verfilmung gehasst.

Das Budget sieht man allerdings schon halbwegs auf der Leinwand. Der Film beginnt 1922 in Istanbul, als die schöne Millionärstochter (Bess Armstrong) einen versoffen-tollkühnen Piloten (Tom Selleck) beauftragt, ihren in Asien verschollenen Vater zu finden. Verfolgt werden sie von einem Auftragskiller-Piloten. Dabei geraten die beiden immer wieder in (Bürger-)Kriege in Afghanistan, China usw. Am Ende gibt es eine große Boden-/Luft-Schlacht.

Das ist alles nicht sensationell oder überragend, aber sehr solide und recht unterhaltsam. Ich schwanke zwischen 5 und 6 / 10.


"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

PostalDude

18 Oktober 2022, 16:47:50 #2296 Letzte Bearbeitung: 18 Oktober 2022, 16:53:16 von PostalDude
Gestern Abend mit meiner Freundin gesehen:

Die fabelhafte Welt der Amélie



Einfach ein schöner, ja fabelhafter Film! 😃

Viele skurrile Charaktere, eine simple, aber gut gemachte Story & gute Schauspieler, die sie mit Leben füllen!
Einen der Schauspieler kannte ich sogar aus Alien: Die Wiedergeburt! 😁

2 dieser "skurrilen", Amelie selber & ein junger Mann, der Fotoschnipsel aus Fotoautomaten wieder zusammen setzt, treffen sich & lernen sich lieben.. Aber auch das geschieht nicht auf dem normalen Weg... 🥰♥️

Die Botschaft: Genießt die kleinen Momente... 🥰

4,5/5

StS

19 Oktober 2022, 09:37:48 #2297 Letzte Bearbeitung: 19 Oktober 2022, 10:08:14 von StS


Als in der satirischen Horror-Komödie ,,American Carnage" (2022) im Staate Texas ein radikales Dekret erlassen wird, welches das Ziel hat, möglichst viele Immigranten zu deportieren, erhalten einige junge Erwachsene jedoch die Gelegenheit, ihre Ausweisung abzuwenden, indem sie einen mehrmonatigen ,,Zivildienst" in einem Altenpflegeheim ableisten. Notgedrungen willigen sie ein – müssen schon bald aber feststellen, dass in der betreffenden Senioren-Einrichtung irgendetwas nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint...

Die Besetzung (u.a. Jorge Lendeborg Jr. und Jenna Ortega) macht ihre Sache ordentlich, der ,,Twist" ist nett grotesker Beschaffenheit und über die Produktionsqualität muss man sich bei diesem B-Movie ebenfalls nicht ernsthaft beklagen. Kurzum: Auf realen aktuellen Konflikt-geladenen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten in den USA aufbauend, entpuppt sich der Streifen als eine weder sonderlich ,,filigrane" noch ,,tiefschürfende", nichtsdestotrotz kurzweilig-unterhaltsame Angelegenheit...

6/10

Wer an meiner ausführlichen Meinung interessiert ist:
https://www.actionfreunde.de/american-carnage/




Bei ,,Xuan ya zhi shang" (2021) handelt es sich um einen chinesischen Geheimagenten-Streifen von Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Yimou Zhang, der international als ,,Cliff Walkers" veröffentlicht wurde: Eine nicht wirklich passende Wahl – da wäre der ursprünglich angedachte Titel ,,Impasse" besser gewesen. Jedenfalls geht es um vier in der Sowjetunion ausgebildete chinesische Agenten, die in den 1930ern per Fallschirm über dem japanischen ,,Marionettenstaat" Mandschukuo abspringen – und zwar mit dem Auftrag, einen Mann zu retten bzw. außer Landes zu bringen, der Zeuge japanischer Gräueltaten geworden war und das Kaiserreich somit ,,bloßstellen" könnte...

Beim Vorliegenden Werk hat Yimou Zhang erneut mit Cinematographer Xiaoding Zhao (u.a. ,,House of Flying Daggers" und ,,Shadow") kollaboriert – und die Optik ist dann auch (in Kombination mit der prachtvollen Ausstattung) das Beste an dem Film: Die Kameraarbeit weiß zu gefallen – die verschneiten Wälder und urbanen Locations sind schick anzusehen (selbst der CGI- und Kunstschnee fällt nicht negativ auf). Dazu u.a. noch Züge und Oldtimer: Dem Auge wird eine Menge geboten. Darstellerin Liu Haocun kann man da fast schon hinzuzählen: Sie ist ein echt hübsches, zartes ,,Püppchen" – der man ihren Part leider aber nicht so wirklich abnimmt...

Die Besetzung macht ihre Sache an sich absolut zufrieden stellend – allerdings wird man mit den verschiedenen Protagonisten in den unterschiedlichen Plot-Strängen in keinem umfassenden Maße ,,warm". Man erfährt nicht allzu viel über sie – weshalb ihre Charaktere ,,oberflächlich" wirken und man in keinem ergiebigen Maße mit ihnen mitfiebert. Zudem entpuppen sich einige (auf beiden Seiten der Konfliktparteien) als Verräter – und das nahezu unglaubwürdig häufig. Nichts gegen solche oft zu derartigen Storys traditionell mit dazugehörende Offenbarungen und Wendungen (dem entsprechenden ,,Spiel" mit Unsicherheiten und Verdächtigungen etc.) – aber hier war das schon 'ne Menge...

Hinzu kommt, dass die Handlung beileibe nicht so komplex ist wie sie den Anschein zu erwecken versucht und sie sich im Bereich bestimmter Abläufe auch gern mal wiederholt (sprich: jemand erfährt eine Neuigkeit und reagiert im Folgenden darauf). Derweil wirken einzelne Szenenübergänge überraschend ,,holprig" und köchelt die Spannung meist ,,auf Sparflamme" vor sich hin – allerdings überzeugen vereinzelte Suspense-orientierte und Action-reichere Momente und wird das Ganze über seine zweistündige Laufzeit nie langweilig. Doch wie geschrieben: Leider vermochte mich das Werk (weder von seiner Story und ihrer Entfaltung noch von den Figuren her) insgesamt nicht innig genug zu ,,packen"...

Fazit:  ,,Cliff Walkers" ist ein vom Setting und Stil her klassischer, ansprechend anzusehender, handwerklich hochwertiger Spionage-/Agenten-Film, der alles in allem aber etwas hinter seinen Möglichkeiten (und meinen Erwartungen) zurückgeblieben ist...

knappe 6/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

PostalDude

Gestern Abend bei Videoload ausgeliehen & mit meiner Freundin gesehen:

Fear - Wenn Liebe Angst macht



Starker Thriller!

Typischer 90sThriller, was aber nicht schlecht ist!
Ein junger Mark Wahlberg und eine junge Reese Witherspoon + Alyssa Milano, ansonsten auch starke Schauspieler!
Die Atmosphäre ist fast von Beginn an bedrohlich, bis zum Ende ist ein "normaler" Thriller, aber gegen Ende wird's zum Home Invasion Thriller! Und wie! Es gibt 2,3 Szenen, die eine "ab 18" rechtfertigen!
Ein cooler Soundtrack (u.a. Bush) runden den Film ab!

4,5/5

Hitfield

21 Oktober 2022, 01:27:39 #2299 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2022, 02:57:55 von Hitfield
Seit dem Kinostart nicht mehr gesichtet:

Interview mit einem Vampir (1994)

Unfassbar schwülstiger Vampir-Erotik-Kitsch mit dem damals gerade zum Superstar aufgestiegenem Brad Pitt in einer frühen Hollywood-Hauptrolle. Sein Make-up, seine Frisur und die Klamotten machen mich fertig und werden nur von der untoten Herrentorte Tom Cruise getoppt. Die Zusammenarbeit der beiden verlief so schlecht, dass sie sich geschworen haben, nie wieder zusammen an einem Film zu arbeiten. Der Aufhänger mit dem Interview ist letztendlich nur ein simpler MacGuffin - zudem mit einem extrem klischeehaften, Horrorfilm-typischen Twist am Ende. Da helfen auch die prächtige Ausstattung, die atmosphärischen Locations und die Kameraführung von Philippe Rousselot ("Constantine", Guy Ritchies "Sherlock Holmes"-Filme, "The Nice Guys", die ersten beiden "Phantastischen Tierwesen") nicht.

Die Prämisse mit den unsterblichen Blutsaugern, die eher unglücklich die Jahrhunderte überdauern und - abgesehen von den regelmäßigen Sex- und Blutorgien - vor sich dahinvegetieren, hat wirklich Potenzial im Vergleich zu den üblichen, übermächtigen Vampir-Geheimbünden und Vampir-Kriegen wie bei "Blade" oder "Underworld". Die Umsetzung mit ihrem überbordenden Kitsch und Schwulst finde ich aber auf mehreren Ebenen misslungen - von der Besetzung über die Dialoge bis zur überschaubaren Geschichte. Ich hätte mir die Zweitsichtung echt sparen sollen. :denk3: Knappe 4 / 10.
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

StS

21 Oktober 2022, 08:52:49 #2300 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2022, 20:32:00 von StS


Bei ,,I came by" (2022) haben wir es mit einem britischen Thriller von Regie-Talent Babak Anvari (,,Under the Shadow" und ,,Wounds") aus dem Hause ,,Netflix" zutun, der eine in seinen Grundzügen recht konventionelle Geschichte um einen Sprayer erzählt, welcher eines Nachts bei einem einflussreichen pensionierten Richter einbricht und dort eine schreckliche Entdeckung macht – also so ähnlich wie man das bereits in Werken wie ,,Don´t breathe" und ,,Bad Samaritan" gesehen hat. Die von Anvari und Co-Autor Namsi Khan mit eingearbeiteten ,,Botschaften" gehen an sich in Ordnung – allerdings sind jene nicht sonderlich inspiriert ausgestaltet worden (u.a. da zu komplex für einen 110-minütigen Film). Zum Glück gibt es vereinzelte nette (die Handlung vorwärts bewegende) Entwicklungen und Überraschungen in Bezug auf bestimmte Figuren zu verzeichnen...

Handwerklich solide umgesetzt und mitunter durchaus spannend, enttäuscht das Ergebnis alles in allem jedoch aufgrund seiner ,,Oberflächlichkeit" und einiger Unglaubwürdigkeiten, die man dem Zuschauer ,,zu verkaufen" versucht. Geradezu beiläufig vollzogene größere Zeitsprünge irritieren mitunter ebenfalls. Das Beste an dem Werk ist seine Besetzung: Von Percelle Ascott (,,the Dare") und George MacKay (,,1917") über die stets gern gesehene Kelly Macdonald (TV´s ,,Boardwalk Empire") bis hin zu Hugh Bonneville (TV´s ,,Downton Abbey") können die Performances überzeugen. Letzterer verkörpert den Antagonisten des Streifens herausragend (widerwärtig-böse) stark. Am Ende hatte ich folgenden Eindruck: Für einen straffen Genre-Thriller etwas zu lang – während für die angerissenen ,,Social Commentary"-Themen dagegen eine Mini-Serie wohl passender gewesen wäre...

4,5/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Mills

Zitat von: Hitfield am 21 Oktober 2022, 01:27:39Seit dem Kinostart nicht mehr gesichtet:

Interview mit einem Vampir (1994)

Unfassbar schwülstiger Vampir-Erotik-Kitsch... Knappe 4 / 10.

Wirklich soo schlimm? Habe ihn auch ein paar Jahre nicht gesehen, aber bei 9 stehen. Was hattest du denn vorher?  :frech3:
A: Welchen Bond-Film magst du am liebsten?
B: Den mit Daniel Crack, also genauer gesagt Casino Neural.


Meine Sammlung

Private Joker

21 Oktober 2022, 19:25:19 #2302 Letzte Bearbeitung: 21 Oktober 2022, 22:33:17 von Private Joker
Zitat von: StS am 21 Oktober 2022, 08:52:49Bei ,,I came by" (2002) haben wir es mit einem britischen Thriller von Regie-Talent Babak Anvari (,,Under the Shadow" und ,,Wounds") aus dem Hause ,,Netflix" zutun, ...

Der ist doch brandneu, dh aus 2022, oder ?

Und wenn ich schon mal hier bin...

Smile
(2022)

Zu dem wurde hier ja schon einiges gesagt, daher kann ich mich zum Film relativ kurz fassen - ich würde mich dem bisherigen Tenor zwischen 6 und 7 anschließen, näher bei 7/10. Das ist ein relativ straighter Horror-Thriller, der ruhige Passagen und solide Schocks in ein gutes Verhältnis bei ordentlichem Tempo über eine vernünftige Laufzeit bringt. Bezüglich der Grundidee bin ich bei Horrorfilmen relativ tolerant, die war schon o.k, wenn auch natürlich deutlich ausgeborgt. Schön ist halt nur, wenn das einigermaßen stringent durchgehalten und konsequent zu Ende geführt wird. Gerade an letzterem hapert es hier ein wenig, vor allem die Sache mit den "Visionen" oder nicht stattgefundenen Szenen wird zum Schluss arg überstrapaziert. Zumal das wie ein paar andere Sachen (die tote Katze, der Dämon, der da in die Frau kriecht)  mit der Idee des Fluchs, so wie man sie gemeinhin verstehen würde, schwer zu vereinbaren ist. Aber alles noch im Rahmen, oder anders gesagt: Die Konkurrenz ist auch nicht konsequenter oder "realistischer".

Ich kann da aber nicht umhin, mich noch mal ein wenig auszukotzen, zumal ich gelesen habe, dass es nicht nur mir so ging, nämlich über die Sache mit der "Smile-Unruhe" im Kino. Auch bei mir war der gar nicht so volle Saal ein Hort ständiger Störung, leuchtender Handys, giggelnder und an völlig unpassenden Stellen laut loslachender Teenie-Girls. Gute Güte, warum geben die 10 Euro für die Kinokarte aus, nur um Party im Kinosaal zu machen, statt irgendwas vom Film mitzubekommen ? Und dann auch noch den wenigen Restzuschauern, die das anders vorhatten, den Abend zu verderben.

Hat mir mein Kinocomeback nach Corona kräftig vermiest, und schreit doch sehr danach, sich solche Filme eher im Heimkino anzusehen.

Ich.Bin.So.Glücklich. (Netflix - warum der zugegeben doofe Filmtitel hier partiell zum "Link" wird, weiß ich jetzt auch nicht...)

Der kurzzeitige Film-Abrufbeste bei Netflix, da war ich schon neugierig, obwohl das natürlich im Kern ein Werk von Frauen für Frauen ist.

Die Geschichte der gleich doppelt traumatisierten Journalistin, in deren perfekte Welt mit bevorstehender High-Society Hochzeit immer wieder Erinnerungen an eine Vergewaltigung und ein damit zusammenhängendes Schulmassaker drängen, muss sich aber nach guter Väter Sitte auch einer Bewertung durch alle Zuschauer und Schichten stellen. Das sehen die Jungs von den Tomaten ähnlich, und ganz ehrlich, wenn ein eigentlich perfekt in den Zeitgeist passender Film sich da nur 43% abholt, muss schon gehörig was schiefgegangen sein.

Ich versuch's mal stückweise: Die ganzen eingeschnittenen Highschoolszenen sind die besseren, bleiben aber über weite Strecken Stückwerk, weil wir wenig über die Hauptfigur erfahren. Die Rückblende auf das Massaker ist kurz, aber durchaus intensiv, trotzdem wird es vermutlich härtere, konsequentere Auseinandersetzungen mit dem Thema geben, zumal die Figur und das Motiv des Amokschützen ehrlich gesagt ganz schön an den Haaren herbeigezogen sind. Zu der partiell gezeigten Vergewaltigung und deren Inszenierung habe ich eine klare Meinung, die ich hier aber nicht äußern werde. Insgesamt von mir die Vermutung, dass der Film etwas besser weggekommen wäre, wenn der auch farblich leicht gedämpfte, etwas realitätsbezogenere Stil für das gesamte Werk durchgehalten worden wäre.

Damit sehe ich die Probleme eher im Gegenwartsbereich, in den Szenen mit Kunis. Die eher an eine klassische Rom-Com erinnernde Bonbon-Optik, das Personal, die Inszenierung, Kunis selbst vor allem, das alles passt nicht zum übrigen Teil. Und es schwebt einfach in fast jeder Szene das Wort "Luxusproblem" über dem Film. Ich glaube das fast selbst nicht, wenn ich das jetzt sage, der Filmteil ist - im Gegensatz zu seinem sonstigen Anspruch - völlig aus der Zeit gefallen: Nöte und Sorgen weißer Multmilliönare, die sich von Party zu Party hangeln und über zu erdigen Riesling diskutieren.

Sollte da Kritik an diesem Lebensstil intendiert gewesenn sein, muss mir das jedenfalls entgangen sein, zumal der Schluss mit der "Emanzipation" der Hauptfigur letztlich nur einer der schnellen Klamottenwechsel der Upper Class ist, oder so rüberkommt.

So dann auch von mir nur 5/10. Gut gemeint (inkl. des freundlichen Hinweises in den Credits, bei solchen Vorfällen bitte Hilfe zu suchen) ist nicht immer gut gemacht.

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse Amazon 99 Cent

O.K, wenn Amazon da 4K-Filme für kleines Geld raushaut, schaue ich auch schon mal in Sachen rein, die ich mir ansonsten nicht angetan hätte, zumal ich von den originalen HP-Filmen so gut wie keinen gesehen habe. Als Zaungast der neuen Reihe fand ich die in den Details eigentlich immer ganz drollig, da ist fast keine Szene drin, in der nicht irgendwas durch CGI animiert oder verändert wird oder sonstwie aus der Realität fällt. Das ist imo durchgehend interessanter als die eigentliche Handlung, die ich zumindest in den Details eh nicht verstehe, letztlich aber halt auch nur Gut gegen Böse im Zauberermilieu.

Optisch schön, mit einigen Actionhighlights, die durchaus aus Marvel-Filmen stammen könnten, ohne die komplette Destruktivität dort zu erreichen; die titelgebenden Tierwesen sind allerdings über weite Strecken Beiwerk. Irgendwie ganz nett, auch schauspielerisch durchaus ansprechend besetzt; ohne deshalb zum HP-Fan zu werden: 6/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

StS

Zitat von: Private Joker am 21 Oktober 2022, 19:25:19
Zitat von: StS am 21 Oktober 2022, 08:52:49Bei ,,I came by" (2002) haben wir es mit einem britischen Thriller von Regie-Talent Babak Anvari (,,Under the Shadow" und ,,Wounds") aus dem Hause ,,Netflix" zutun, ...

Der ist doch brandneu, dh aus 2022, oder ?

Oh, ja... klar. Hatte mich da vertippt.  :happy3:
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Hitfield

Zitat von: Mills am 21 Oktober 2022, 10:22:26Wirklich soo schlimm? Habe ihn auch ein paar Jahre nicht gesehen, aber bei 9 stehen. Was hattest du denn vorher?  :frech3:

Ich habe mal nachgeschaut - letzte Sichtung war vor 27 :schock: Jahren. Damals habe ich eine 6/10 gegeben, also auch nicht so hoch, aber quasi "noch gut". Ich weiche bei diesem Film jedenfalls stark von quasi allen OFDb-Reviews ab, die ja fast durchweg top sind. Und auch Anne Rice fand die Adaption fantastisch (was bei Autor:innen ja eher selten vorkommt).
"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Hitfield

Die letzte Sichtung liegt exakt auf den Monat 27 Jahre  :schock: zurück. Leider auch nicht gut gealtert:

Zombie: Dawn of the Dead (1978)
Uncut Argento-Fassung / 4K Remastered

DER Klassiker von Romero. Für einen Low-Budget-Film dieses Alters ist die 4K-Abtastung sehr gelungen - nie sah der nur etwa 650.000 US$ günstige Film besser aus. Wenn ich da an die unzähligen VHS-Fassungen denke, die Anfang bis Mitte der 90er kursierten...

Wie auch immer. Der Auftakt im Fernsehstudio und in dem Wohnkomplex mit den vornehmlich schwarzen Bewohnern ist völlig konfus und unübersichtlich inszeniert und geschrieben - reicht gerade aus, um die ersten Zombies zu zeigen und wie sich die beiden Protagonisten Scott H. Reiniger (der Blonde) und Ken Foree (der Schwarze) kennenlernen. Dann geht es mit dem Hubschrauber zu der riesigen Shopping Mall und es wird kurzzeitig interessanter. Sollte diese Umgebung einen sozial-gesellschaftlichen und konsumkritischen Kommentar darstellen, ist das nicht sonderlich gelungen. Was Endzeit-Settings angeht, gefällt mir das z. B. bei "The Quiet Earth" viel besser.

Die anderthalb Stunden im Kaufhaus gestalten sich redundant und repetitiv. Mich nervt vor allem, dass sich die Dramatik vor allem aus dem dämlichen Verhalten einiger Protagonisten ergibt. Minutenlang wird da herumgekaspert und getrödelt, ohne sich nach Zombies umzusehen, obwohl die fast in Zeitlupe herumlaufen.

Die Effekte und Zombies haben mich damals geschockt und geekelt, heute finde ich das Make-Up und die meisten Fressszenen einfach nur noch albern, auch wenn dieser Film wahrscheinlich einen Kopfschussrekord aufstellt.

Von einst 8 / 10 auf 5,5 / 10.


"All those moments will be lost in time, like tears in the rain."

Private Joker

25 Oktober 2022, 20:19:27 #2306 Letzte Bearbeitung: 26 Oktober 2022, 20:29:16 von Private Joker
Pixie (Amazon 99 Cent)

Coole Gangstertochter manövriert fiesen Stiefbruder, katholische Gangsterpriester und andere missliebige Zeitgenossen aus.

Sagen wir mal so: Das Subgenre "blutig-schwarzhumoriger Gangsterfilm" - gerne mit dem Gütsiegel "Tarantino" - wiederbeleben wird auch der nicht. Ist vielleicht auch nie beabsichtigt gewesen - das Budget ist maßvoll, die irische Filmförderung zahlt die Zeche, ein paar Stars der Liga 1,5 kassieren den Paycheck und den Rest regelt der DtV Markt.

Klingt jetzt vielleicht als Einleitung etwas negativer als beabsichtigt. Oder so herum: Wer kann einem Film wirklich böse sein, in dem in etwa dieser Reihenfolge die grandiose irische Landschaft, Olivia Cook ("Alicent Hightower" Version 2), Colm Meaney und eine Gang schwerbewaffneter katholischer Geistlicher wichtige Rollen spielen. Bei der Art von Folklore-Gangsterfilm kann man auch leicht darüber hinwegsehen, dass die Story so viel Substanz und Überraschungspotential hat wie eine Weihnachtsansprache vom Steinmeier - man weiß eigentlich immer ständig genau, was gleich passieren wird, inklusive der leicht schalen Schlusspointe. An Action notieren wir nicht viel mehr als ein oder zwei kurze Schusswechsel sowie die drollig-blutige Schlussballerei, aber wirklich vermisst wird insoweit auch nichts, denn auch die meisten Szenen davor und danach sind durchaus launig, ebenso die Charaktere.

Entspannte 6,5 /10 - mir hat der ehrlicherweise besser gefallen, als die letzten Produkte vom selbsternannten Genrepapst Ritchie.

Clean (Amazon 99 Cent)

Das Filmthema "zurückgezogen lebender Veteran wird provoziert und schlägt dann heftig zurück" ist gefühlt jetzt in letzter Zeit ein bisschen überrepräsentiert, der hier, Lou, Samaritan, gerne mit renommierten Schauspielern in der vorsichtig ausgedrückt zweiten Halbzeit ihrer Karriere. Und so richtig begeistert war ich auch hier nicht, das läuft halt alles nach Schema F Unterversion 3 (wobei: tun das nicht die meisten Actionfilme ?). Aber wer gerne Schauspielern der ehemaligen oder nach derem Selbstverständnis immer noch ersten Liga bei meist schweigenden Verrichten von Alltagstätigkeiten, Entdecken ihrer weichen Seite dank Kindern, hilfsbedürftiger Witwen oder von mir aus Bambie, dem Rehkitz höchstselbst sowie abschließendem großformatigen Abmurksen diverser Bösewichte zusieht, liegt hier grundlegend richtig.

Anders als Lou kommt der erst relativ spät "zur Sache", dann aber umso heftiger. Im J.Phoenix-Gedächtnismodus hämmert und später auch schießt sich Brody durch Reihen von eher gesichtslosen Baddies, bei denen man gar nicht so hundertprozentig weiß, was die so so Übles getan oder vor haben, um den blutigen Tod zu verdienen. Solide inszeniert und optisch mit seinen vielen Nachtszenen hinreichend düster, aber über die gesamte Laufzeit kam der irgendwie und gefühlt für mich nicht auf Touren. In der Summe weder besser noch schlechter als Lou, also  irgendwo um solide 5,5/10.

Weitere Beute aus den zuletzt recht zahlreichen 99-Cent-Aktionen des Marktführers, aber eher nebenher konsumiert: Die Gangster-Gang. Oceans Eleven als völlig überdrehter Trickfilm; dass das für eigentlich etwas gepflegtere CGI-Kost stehende Haus Dreamworks dahinter steckt, habe ich erst nachher recherchiert und wundert mich schon etwas. In der Strategie des Witzes dem figurenseitig ähnlichen "Zoomania" weit unterlegen, der ganze Plot mit den für minimal ältere Zuschauer restlos unüberraschenden Überraschungen, den sehr simplen Figuren und den ständigen Tech-Gimmicks ist schon sehr heftig juvenil, die hyperaktive Daueraction ganz schön anstrengend. Strictly for the Kids, möglichst ohne ADHS und etwas älter als 4 oder 5, aber die sollten halbwegs Spaß haben.

Genaues Gegenteil: Wyrmwood Apocalypse - Dauerblutbad knapp über Amateuerlevel, was Acting, Drehbuch, Stunts angeht, eigentlich alles außer den Bluteffekten, die ziemlich professionell wirken. Aber das können die deutschen Amateuer-Blutbader auch, dafür muss man nicht unbedingt Filme aus Australien importieren. Als "Gesamtkunstwerk" maximal 3/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

StS

25 Oktober 2022, 20:32:21 #2307 Letzte Bearbeitung: 25 Oktober 2022, 20:34:43 von StS
"Clean" interessiert mich ebenfalls*... und in Sachen "Wyrmwood" hatte ich meinen Spaß an Teil 1 - also wird der zweite auch geschaut.  :happy3:

*Den ersten gemeinsamen Film von Solet/Brody "Bullet Head" fand ich ganz ordentlich (ist etwas unschätzt, der Film imo).
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

30 Oktober 2022, 12:28:02 #2308 Letzte Bearbeitung: 31 Oktober 2022, 00:44:37 von Private Joker
The Twin (BD)

Da muss ich echt mal mit dem Schluss anfangen: Soll ich den Film dafür hassen, dass der am Ende genau auf den Finaltwist zurückgreift, den man von Anfang an befürchtet hat und der seit einigen Jahren der "heiße Scheiß" in der der Hitliste der Horrorfilm-Endwendungen ist (eine Figur, die man 95 Minuten lang gesehen hat, exisitiert eigentlich gar nicht). Oder soll man ihn dafür bewundern, mit welcher Energie der falsche Fährten legt, insbesondere in Richtung Midsommar, Rosemaries Baby, Wicker Man und anderen Filmen über sinistre Sekten ?? Auf die Gefahr hin, dass wir letztlich nur 10 oder 20 Minuten Film zu sehen bekommen, die wirklich so passiert sind ?

Ich komme da im Kontext der Endnote noch mal drauf zurück. Bis dahin kann man festhalten, dass das eigentlich relativ solide Horrorkost ist, mit Palmer attraktiv besetzt, der finnische Schauplatz ist nicht verkehrt, einige Scares sitzen. Auch die Schlusszene hat was, unter Zurückstellung meiner Bedenken gegen die Finalwendung. Trotzdem: Irgendwo bin ich es eigentlich leid, diese unüberraschenden Überraschungen, mit denen sich die Filme in letzter Konsequenz selbst negieren. Das ganze kalkuierte Störfeuer und die Ablenkungsversuche drum herum machen es für mich "eigentlich" nicht besser, trotz einer gewissen Bewunderung für die Chuzpe der Macher.

Ich bin ja mal echt gespannt, wenn der erste von einer KI erdachte Gruselfilm auf den Markt kommt - wenn der dannn eine gewisse Ähnlichkeit mit "The Twin" hat, fühle ich mich irgendwie bestätigt. Bis dahin von mir nur sehr knapp 5/10 für diese Art von Filmen nach Zahlen.

Die Täuschung / Operation Mincemeat (Amazon 99 Cent)

Die Briten, genauer gesagt einige geniale Briten,  gewinnen den Krieg. Schon wieder - der Kriegsfilm der letzten Jahre hat so ein bisschen was von Murmeltiertag: Die Amis schicken Spezialkommandos gegen wichtige Ziele, die Engländer feiern Codebreaker und Geheimagenten. Das alles hat nach Lesart der Macher den Krieg immer um Jahre verkürzt, irgenwie müsste der eigentlich schon ein paar Tage nach Kriegsausbruch wieder vorbei gewesen sein.

Klingt jetzt ehrlicherweise ein bisschen nach beleidigter Leberwurst, weil wir Deutschen da meist als ziemliche Volltrottel rüberkommen - kriegswichtige Entscheidungen aufgrund einer stark verwesten Leiche, echt jetzt ? Todeszeitbestimmung damals noch nicht möglich ? Aber, die Story ist soweit wahr, also ist Kritik an dieser Stelle müßig.

Dafür an anderer Stelle umso gravierender, denn der ist (oder vielleicht: ich empfand den) als so langweilig, dass Brot beim Backen zusehen ein echter Hitchcock dagegen ist. Selbst mal außen vor gelassen, dass man das Ende in zwei Mausklicks herausgefunden hat, dass es am Gelingen auch eigentlich nie irgendwelche Zweifel gibt; und auch ohne die tranige Lovestory, die ich vorgespult habe - es will zum V.. einfach nichts auf dem Schirm passieren, was Interesse und Spannung weckt. Wir sehen diverse Charaktere, deren Funktion sich mir nicht erschlossen hat (incl des überflüssigen Erzählers, der ja wohl niemand anderes sein soll als Mr. 007 Ian Fleming höchstselbst), die Handlung bewegt sich nur in Dialogen vorwärts, in denen die Planung besprochen wird, visualisiert wird so gut wie gar nichts. Dazu passt ein Schluss, der aus der Verlesung einiger Nachrichten ("Invasion geglückt") besteht und in ein paar Texttafeln die Bedeutung des ganzen abfeiert. Ganz toll, dafür werden Filme gemacht.

Das mag (oder wurde von der Kritik -84% RT- so abgefeiert) "altmodisches Kino" sein, mit soliden Schauspielern und bewusstem Verzicht auf so Reizpunkte wie "Action", "Gewalt" und "CGI". Beim Publikum war der aber weltweit gesehen ein donnernder Flop, kein Kinostart in den USA, in GB selbst nur maßvoll erfolgreich, im Rest der Welt weithin unter dem Radar. Und ganz ehrlich, aus meiner Sicht auch zu Recht, da hat Netflix dutzendfach spannendere Sachen im Angebot. Unter Berücksichtigung der Vorspulungen eine Endnote mit kleinem Vorbehalt, aber ich glaube im Leben nicht, dass der mir bei Echtzeitsichtung mehr als 3 oder 4/10 entlockt hätte.

Und noch zwei Filme, die die mittlerweile leider sehr häufige Frage aufkommen ließen "was könnte ich nebenher noch so machen". "Spine of Night" ist ein Fantasy-Trickfilm, von dem ich mir eigentlich durchaus was versprochen hätte, ein bisschen Heavy Metal F.A.K.K., eine durchweg nackte Heldin (hust), ein paar trotz sehr konventioneller Gestaltung ansehnliche Hintergründe. Allein, die Geschichte, die da erzählt werden soll, habe ich ganz schlicht und einfach nicht verstanden, die besagte Nackthexe ist nur Erzählerin, dann erleben wir diverse Vignetten von verschiedenen Orten, deren Zusammenhang sich mir nicht erschlossen hat, und etwas schlecht animierten Hokus-Pokus. Wer warum gegen wen und wer da Gut und Böse ist - nicht die geringste Ahnung. Extra-Minuspunkt für die schwache Synchro der "Hauptfigur" - wenn die im Original von Lucy gesprochen wird, hätte man doch auch bitte ihre Xena-Stimme holen sollen. 3/10.

Und "Under your Bed" ist ein kalkuliertes Skandalthrillerchen aus Korea, letztlich im Kern aber nur ein müder Stalker-Film mit ein paar halbgaren Provokationen und einer sehr diffusen Mischung aus Softsex und me-too. Einzig die titelbildende Situation ist für ein paar Spannungsmomente gut, aber die sind schnell vorbei 4/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

StS



Mein Halloweenabend-Film 2022:

Basierend auf der klassischen Erzählung Washington Irvings, welche 1820 ihre Erstveröffentlichung erfuhr, hat Regisseur Tim Burton mit ,,Sleepy Hollow" (1999) einen von mir alle Jahre immer mal wieder sehr gern gesehenen Gothic-Horror-Supernatural-Mystery-Slasher geschaffen, der aufgrund seiner Materie und Machart geradezu ,,zeitlos" daherkommt (u.a. durch die erzählte Geschichte sowie Verwendung vergleichsweise weniger Computer-generierter Effekte). Blutig, humorvoll, atmosphärisch, kreativ und düster, überzeugt der Film dank der gewohnten ,,Handschrift" Burtons (nunja, bis er seine ,,ausufernde Liebe" zu CGIs entdeckte), den tollen Sets und Kulissen, Emmanuel Lubezki´s Kamera-Arbeit, dem klangvollen Score Danny Elfmans sowie dem durchweg gut aufgelegten Cast-Ensemble. Mit rund 100 Minuten von der Laufzeit her genau richtig bemessen, weiß der Streifen einfach prima zu unterhalten – auch wenn der Inhalt hier nicht denselben ,,Wert" besitzt wie die wunderbare Optik...

knappe 9/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

TinyPortal 2.0.0 © 2005-2020