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Die letzte Sichtung: Filme

Begonnen von MMeXX, 19 November 2012, 13:01:27

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cyborg_2029

Stephen King's The Stand
Bin nicht gerade einer großer Fan von King, habe mir aber trotzdem mal die 6 Stunden Endzeit angetan. Sehr durchwachsen das Ganze, die Figuren gehen von sympatisch bis langweilig, auch die Leistung der Darsteller schwankt. Für die Geschichte sollte man wohl King-Fan sein, ich fand sie ziemlich blöd. Die Sache mit dem Virus und das Massensterben funktionieren da noch am Besten, doch der ganze religiöse Kram nervt und ist auch kein bisschen logisch in die Handlung integriert. Das Ende funktioniert dann auch nur in diesem Zusammenhang und ist eher enttäuschend. Dafür sind die leeren Städte für eine TV-Produktion erstaunlich gut in Szene gesetzt, auch die verwesenden Leichen überzeugen. Alles in Allem aber doch ziemlich viele Dinge welche nicht durchdacht sind, dazu kommen, durch die lange Laufzeit, noch einige Längen. Ich fands eher mittelmäßig.
5/10
Lebensweisheiten 101: "Wenn Du einmal damit anfängst, dann kniest Du nur noch."

Mr. Blonde

Bei mir war neulich 80er Actionnacht angesagt:

"Rambo II - Der Auftrag"

Irgendwie ein Klassiker, den ich oft gesehen habe, aber bei den letzten Sichtungen immer nach ein paar Minuten abgeschaltet habe, weil ich doch nicht in der richtigen Stimmung war. Jedenfalls hab ich es diesmal wieder durchgezogen und der rockt natürlich immer noch. Kultige Musik, markige Sprüche und eben Action en Masse. Natürlich ist es schade, dass von der Gesellschafts- und Sozialkritik des Originals nichts mehr übrig geblieben ist und das es im Grunde wirklich nur hirnloses Bumm Bumm ist, aber, das muss manchmal ja auch sein.

7/10

"Beverly Hills Cop"

Danach also noch ein 80er-Klassiker, der für mich kein Bisschen von seinem Charme verloren hat. Als ich den das erste mal bewusst gesehen habe (Mitte oder Ende der 90er), wirkte die Mode und das Produktionsdesign schon etwas altbacken und überholt, von daher habe ich damit Heute erst Recht kein Problem. So habe ich "Beverly Hills Cop" kennengelernt.

Die Musik, Eddie Murphys Performance, die Sprüche und natürlich Rosewood und Taggart machen den Film immer wieder zu einer absoluten Stimmungsbombe. Ich bin trotzdem jedes Mal entsetzt, wie dunkel der Film zu Beginn ist, als
Spoiler: zeige
Foleys Freund so eiskalt und fast schon grausam unstilisiert im Hausflur hingerichtet wird. Die heitere Stimmung davor, die Sympathien zwischen den Figuren und dann dieses miese Attentat...
Sofort hat man einen Grund, Foley bei seiner Suche nach den Schuldigen zu begleiten. Victor Maitland ist dazu noch einer der ganz großen 80er Badguys neben Clarence Boddicker/Dick Jones, Hans Gruber und Biff Tannen. Ansonsten kann ich nur sagen: ich habe den schon so oft gesehen, dass ich den zeitweise selbst synchronisiere, während ich den schaue.  :icon_mrgreen:

9/10 sind immer noch locker drin.


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Hedning

Zitat von: ratz am 11 Juni 2014, 12:44:23
Un coeur en hiver

Ich gebe zu: eigentlich wollte ich den Film nur sehen, um Emmanuelle Béarts Porzellanpuppengesicht zu bewundern, bevor sie sich in den späten 90ern den Entenschnabel hat aufspritzen lassen. Ansonsten ein Film, der von vorn bis hinten "typisch französisch!" schreit: Elegante Menschen aus dem oberen Drittel der Gesellschaft (Bourdieu würde sagen, sie platzen beinahe vor kulturellem, sozialem und sonstigem Kapital) reden geistreich und essen und trinken gut dabei. Manchmal regnet es sogar, weil sich diese schönen Menschen gegenseitig in ihren zarten Gefühlen verletzen.
Natürlich ist der Film nicht schlecht an sich. Findet man sich mit dem Milieu ab, hat man Schauspieler aus der französischen Oberliga, eine gelungene Dramaturgie ohne eine Minute Langeweile und nicht zuletzt die fantastische Musik von Maurice Ravel (das Klaviertrio und die beiden Violinsonaten) - die Béart hat wohl extra Geigespielen gelernt, und das sieht man.
Fazit: Zum melancholischen Seufzen bei einem gepflegten Rotwein genau der richtige Film.

Der Film gewinnt immens durch die wundervolle, zu wenig bekannte Kammermusik von Ravel. Erwähnt man diesen Komponisten, kennt meist jeder nur den Bolero. Schade. Ein sehenswertes Melo-dram.

Mr. Blonde

20 Juni 2014, 03:36:17 #1113 Letzte Bearbeitung: 20 Juni 2014, 03:39:23 von Mr. Blonde
"Blinde Wut" (1989)

Wieder eine kleine Bildungslücke geschlossen. Rutger Hauer als blinder, aber in-Ärsche-tretender Vietnamveteran mit Samuraischwert. Okay, ich hatte mir eigentlich einen ernsteren Ton vorgestellt, stattdessen wird ihm ein kleiner frecher Junge an die Seite gestellt und die Badguys sind die üblichen Dorftrottel, aber trotzdem ein vergnüglicher Film. Dazu noch Eisauge Meg Foster aus "Sie Leben!", bei der ich immer nicht so recht weiß, ob ich die gut finden oder vor ihr Angst haben soll!  :icon_mrgreen:  Das Ende hat mich positiv überrascht, wobei ich trotzdem nicht ganz verstehe, warum
Spoiler: zeige
Parker nicht mit nach San Francisco gegangen ist. Was hat ihn denn dagehalten?


Zeitweise ein Bisschen doof, aber insgesamt nett und für einen Fan des 80er Jahre Actionfilms durchaus empfehlenswert.

Aus der Hüfte: 6/10


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Retro

DER GOTT DES GEMETZELS

Zwei Kinder streiten sich auf einem Spielplatz, der eine schlägt dem anderen zwei Zähne aus.
Deren Eltern treffen sich, um den vorfall unter Erwachsenen zu bereden.
Es entstehen streitereien, zickereien, desinteresse, alkoholkonsum, blöde Sprüche...

...und knappe 80 Minuten langeweile.
Selten habe ich mich so bei einem Film gelangweilt wie hier, trotz unbestritten guter Darsteller.

4/10 (Für jeden der Darsteller einen Punkt- und das ist eigentlich schon zuviel)

Vince

Dann guck dir besser nicht "Venus im Pelz" an - halbe Darstellerzahl, wird dann auf ne 2/10 hinauslaufen. ;)

Nerf

Zitat von: Mr. Blonde am 20 Juni 2014, 03:36:17
"Blinde Wut" (1989)

Wieder eine kleine Bildungslücke geschlossen.

Aber was für eine! Ich mag den Film ungemein, was aber daran liegt, dass er mich seit VHS-Zeiten begleitet - als Erstsichtung fallen einem sicherlich die Schwächen eher ins Auge. Aber allein die überdrehten Baddies (Tex Cobb, Nick Cassavetes, Rick Overton, Sho Kosugi, Tiger Chung Lee...) reißen die Sache wieder raus, zusätzlich gibt es den relaxtesten Rutger Hauer ever - passt. :love:

Zitat von: Mr. Blonde am 20 Juni 2014, 03:36:17Das Ende hat mich positiv überrascht, wobei ich trotzdem nicht ganz verstehe, warum
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Parker nicht mit nach San Francisco gegangen ist. Was hat ihn denn dagehalten?


Ganz einfach:
Spoiler: zeige
Seine Mission war erfülltTM
.
You've been chosen as an extra in the movie adaptation
Of the sequel to your life.

RoboLuster

Zitat von: Nerf am 20 Juni 2014, 12:09:00
allein die überdrehten Baddies (Tex Cobb, Nick Cassavetes, Rick Overton, Sho Kosugi, Tiger Chung Lee...) reißen die Sache wieder raus,

"Shit!" "Fuck!" "Shitfuck!!" :icon_mrgreen: :respekt:

Toller Film. :icon_cool:
https://youtu.be/RPQOMyyg9b8                          
"Shoot first, think never!" - Ash

Mr. Blonde

21 Juni 2014, 04:46:08 #1118 Letzte Bearbeitung: 21 Juni 2014, 04:54:48 von Mr. Blonde
Zitat von: RoboLuster am 20 Juni 2014, 12:35:47
Zitat von: Nerf am 20 Juni 2014, 12:09:00
allein die überdrehten Baddies (Tex Cobb, Nick Cassavetes, Rick Overton, Sho Kosugi, Tiger Chung Lee...) reißen die Sache wieder raus,

"Shit!" "Fuck!" "Shitfuck!!" :icon_mrgreen: :respekt:

Da habe ich auch herzlich gelacht und tatsächlich wurde das auch nicht übersetzt. :D

Zitat von: trikerider am 20 Juni 2014, 10:30:45
DER GOTT DES GEMETZELS

Zwei Kinder streiten sich auf einem Spielplatz, der eine schlägt dem anderen zwei Zähne aus.
Deren Eltern treffen sich, um den vorfall unter Erwachsenen zu bereden.
Es entstehen streitereien, zickereien, desinteresse, alkoholkonsum, blöde Sprüche...

...und knappe 80 Minuten langeweile.
Selten habe ich mich so bei einem Film gelangweilt wie hier, trotz unbestritten guter Darsteller.

4/10 (Für jeden der Darsteller einen Punkt- und das ist eigentlich schon zuviel)

Kannst du das präzisieren, wenn du magst? Laut deinen Äußerungen bist du ja jemand, der mit Phrasen nichts anfangen kann. Ich kann mit "ich war gelangweilt" nicht viel anfangen. Nichts gegen dich, aber für mich bleibt das immer ein Problem des Zuschauers, der sich nicht auf das Gesehene einlassen konnte und keine Eigenschaft des Films. Was hast du denn genau erwartet bei einem Film, der wie ein Kammerspiel inszeniert ist? Oder hast du dich vorher nicht informiert, was du schaust?

Der ganze Sinn des Films besteht darin, dass der Anlass "völlig nichtig" ist und das sich die vornehmlich Erwachsenen wie Kinder aufführen, sich "blöde Sprüche" an den Kopf schmeißen und die Kommunkation durch das Desinteresse nicht möglich ist. Die Erwachsenen versuchen dazu noch zivilisiert und erwachsen zu handeln, bewirken aber genau das Gegenteil. Das ist Komik und Kritik. Solche Situationen zeichnet das Leben und das wurde wunderbar aufgezeigt. Wenn ich mich erinnere, wie meine Mutter sinnlos abgegangen ist, wenn wieder ein Anruf von den Lehrern in der Grundschule kam, weil ich mich daneben benommen hatte, dann trifft der Film einfach einen Nerv, den man nicht abstreiten kann.

Für mich liest sich das so wie: "Rambo II ist scheiße, weil da geschossen wird."

Der Film  ist bei weitem kein Meisterwerk, aber 4/10 ist in meinen Augen ein Witz.


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Retro

Zitat von: Mr. Blonde am 21 Juni 2014, 04:46:08Kannst du das präzisieren, wenn du magst?

Natürlich ist der Grund völlig nichtig- und man darf danach eine Stunde lang sinnlose Streitereien anhören, wie manche Leute sich das in jeder zweiten Nachmittags-Talkshow geben, oder den Nachbarn beim streiten zuhören.
Solche Szenen mit Gebrüll und Alk hatte ich in der Nachbarschaft alle paar Tage als ich noch in München wohnte...
Der Film war für mich eher eine TV-Talkshow, oder eben "Live aus der Nachbarschaft" als alles andere.
Ich konnte da eben weder etwas "komisches" noch "kritisches" sehen- nur alltägliches, was man auch Privat schon zu Gehör bekommen hat.
Wenn ich sowas sehen will, würde ich Nachmittags den Fernseher einschalten- was ich aber schon seit vielen Jahren nicht mehr getan habe.
Wie gesagt: An den Schauspielern liegt's nicht, auch dass es eher ein Kammerspiel ist war mir klar.
Worum es sich genau dreht wusste ich allerdings nicht vorher, sonst hätte ich mir den Film vermutlich wirklich einfach gespart.

Mr. Blonde

22 Juni 2014, 03:46:12 #1120 Letzte Bearbeitung: 22 Juni 2014, 03:57:34 von Mr. Blonde
@ trike:

Danke für die Erklärung. Ich weiß was du meinst, lebe selbst in einem Problemviertel, wo Gebrülle und Stress an der Tagesordnung ist. Allerdings finde ich wie es im Film dargestellt wurde, doch deutlich leichter bekömmlich und spaßiger. Es ist halt eine eher nette, als dokumentarische Auseindandersetzung mit so einer Situation. Liegt aber auch vielleicht darin, dass sich im Film zwei unterschiedliche Pole der Mittelschicht bekriegen, während in meiner Gegend diese eher nicht präsent ist. Für mich entsteht der Humor einfach durch die Tatsache, dass hier verkrampft versucht wird, zivilisiert miteinander umzugehen, statt dies wirklich zu tun. Es geht nicht so sehr um die Problemlösung, sondern alsbald nur noch darum, dem jeweils anderen Pärchen zu zeigen, wie überlegen man doch ist.

Dass du nichts kritisches sehen konntest, kann ich aber irgendwie nicht nachvollziehen. Gerade das Ende zeigt doch ziemlich platt, dass die ganze Aufregung und das Gestreite nichts als heiße Luft war, weil die beiden Kinder ihr Problem eben wie Kinder einfach gelöst haben, ohne das urkomische "Erwachsenengehabe". Da wird einfach wieder zusammengespielt und gut ist.

Interessantes Detail, das mir jetzt erst aufgefallen ist: Der Film spielt wie viele Polanski-Filme wieder nahezu ausschließlich in einem Appartement bzw. Wohnhaus. Liegt wohl hier aber daran, dass Polanski Brooklyn vorgaukelt, aber aufgrund seiner damaligen Umstände in Paris gedreht werden musste. Hilft dem Film aber das ganze intimer einzufangen.

---

"The Mangler Reborn"

Einem ursprünglich doofen Plot die humoristische Basis zu nehmen, indem er todernst inszeniert wird, bricht dieser Fortsetzung das Rückgrat. Einfach nur monoton, mit den immer wieder gleichen Handlungsbläufen (
Spoiler: zeige
Person wird ins Haus gezerrt, die Treppe hoch und durch die Mangel, die mehr ein Häcksler ist, gedreht. Mehr passiert nicht. Nebenbei versuchen ein paar Menschen, aus dem Haus zu fliehen, scheitern aber an ihrer eigenen Dummheit...
) und ohne Highlights runtergekurbelt. Der Soundtrack ist ein ebenso monotoner Witz, der Abspann hat dann gleich gar keine Musik. Dazu beginnt der Film mit der einfallsreichen Montage aus "gruseligen", in Sepiatönen getauchte Zeitungsausschnitten. Eben alles schon ein dutzend Mal gesehen, nur halt auch produktionstechnisch besser.

Nicht spannend und leider nicht so schlecht, dasss er wieder gut ist. Einfach nur schlecht.

Daumen runter.


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lastboyscout

Swerve (2011)
Ganz netter Thriller mit
Spoiler: zeige
einem netten Ende
.
Ohne das waere der Film nur der uebliche unterm Durchschnitt-Wer-betruegt-wen-Thriller, aber so hat er es dann doch noch auf ne 6/10 geschafft.
Schauspielerisch mit Jason Clarke, David Lyons und der wirklich suessen Emma Booth ziemlich gut besetzt.
Ganz ordentlich.

No Holds Barred (1989)
Hulk Hogan und Tommy "Tiny" Lister in einem Actionfilm bei dem man sich ja einfach nur an den Kopf fassen kann.
Ich hatte ja irgendwie gehofft das war als Parodie gedacht, aber es hat den Anschein das war wirklich als Werbefilm fuer die WWF gedacht.
Irgendwie hab ich mich dann ja doch unterhalten gefuehlt, wenn auch irgendwo auf nem Loaded Weapon 1-Level.
Denn wenn Zeus mit nem Lazy Eye in die Kamera schielt und ihn zum Duell auffordert, da bleibt kein Auge trocken.
Einmalsichtung reicht aber vollkommen, der muss nicht nochmal sein.
4/10 Punkten

Nightmares In Red, White And Blue: The Evolution Of The American Horror Film (2009)
Wirklich beeindruckende Dokumentation die von 1910 bis 2009 wirklich ziemlich ordentliche Sache macht die ganzen Epochen durchzuarbeiten.
Was wirklich Spass machte war die ganzen namhaften Regisseure da zu Wort kommen zu lassen, als da waeren John Carpenter, George A. Romero, Tom McLoughlin, Larry Cohen, Joe Dante, Darren Lynn Bousman, Mick Garris, Brian Yuzna und sogar Roger Corman.
Definitiv Empfehlung fuer alle Horrorfreunde.
8/10 Punkten

Doc Of The Dead (2014)
Nein, kein weiterer Zombie-Film, stattdessen eine Dokumentation ueber die Anfaenge der Zombies in Film und wie sie sich weiterentwickelt haben, natuerlich darf George A. Romero hier nicht fehlen.
Wirklich sehenswert.
7/10 Punkten



I`m a tragic hero in this game called life,
my chances go to zero, but I always will survive.
( Funker Vogt - Tragic Hero )

What is your pleasure, sir? This is mine:
http://www.dvdprofiler.com/mycollection.asp?alias=lastboyscout

Retro

Zitat von: Mr. Blonde am 22 Juni 2014, 03:46:12Dass du nichts kritisches sehen konntest, kann ich aber irgendwie nicht nachvollziehen. Gerade das Ende zeigt doch ziemlich platt, dass die ganze Aufregung und das Gestreite nichts als heiße Luft war, weil die beiden Kinder ihr Problem eben wie Kinder einfach gelöst haben, ohne das urkomische "Erwachsenengehabe". Da wird einfach wieder zusammengespielt und gut ist.

Auch das ist in meinen Augen aber nicht "kritisch", sondern ganz normal, bzw alltäglich...
Hattest du solche Situationen in der Kindheit nicht auch selbst mal? Oder wenigstens sowas bei kindern beobachtet? ;)
Für mich ist der Film eben wirklich eher ein "ganz normaler Tag" in irgendeiner Stadt.
Dafür muss man nicht ins Kino oder sich ne DVD kaufen.  :icon_lol:

endoskelett

Ich fand GOTT DES GEMETZELS damals schon sehr unterhaltsam. Ein Kammerspiel, das aufgrund der grandiosen Darstellerleistungen (Waltz telefoniert ständig nebenbei und bringt die Leute schon damit zur Weißglut; Foster dem Wahnsinn nahe; die Winslet bricht ja völlig aus; und Reilly säuft schon einen nebenher) fesselt und gerade aufgrund der banalen Hintergrundgeschichte so absurd-komisch ist. Auch mit Gesellschaftskritik wird nicht gespart (z.B. das ominöse Pharmaprodukt um das es da geht). Sehr souverän von Polanski in Szene gesetzt. Hatte den so zwischen 7-8 Pkt..
R: Do you like our owl?
D: It's artificial?
R: Of course it is.
D: Must be expensive.
R: Very.
R: I'm Rachael.
D: Deckard.

pm.diebelshausen

The Master

Ähm, ich bin gerade noch etwas benommen, aber: was für ein Film. Nicht, dass ich gänzlich verstanden hätte. Es geht um Kriegstraumatisierung, Kommunikation und Manipulation. Das Starke ist aber für mich zunächst einmal die enorme Sogwirkung, die von diesem Film insgesamt und von manchen Szenen im besonderen ausgeht.

Mit welcher Ruhe und dahinter lauernden Gewalt hier hier erzählt wird, spiegelt die Strategien der Hauptfiguren und die Funktion der Gehirnwäsche-mäßigen Beeinflussung. Phoenix scheint mir nicht anzweifelbar in seiner Darstellung - als hätte er nie eine andere Körperhaltung gehabt. Und was seine Figur ausstrahlt geht noch weit über die tatsächlich stattfindenden Eruptionen hinaus. Hoffman wirkt ebenso gefährlich, das aber im Gegensatz zu seinem Pendant mit einer undurchsichtigen Liebenswürdigkeit und argumentativen Willkür, die mir ermöglichte, dem Sog des Films ein wenig zu entgehen - diese Distanz tat gut.

Und wie der Duktus der Dialoge und Bilder von der bemerkenswerten Musik getragen wird, scheint mir außergwöhnlich. Ich bin beeindruckt, wüsste aber nicht, wann, wo und wem ich diesen Film empfehlen könnte, ohne mich unbeliebt zu machen. Starkes Kino.
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

ratz

Zitat von: pm.diebelshausen am 22 Juni 2014, 19:39:15
wüsste aber nicht, wann, wo und wem ich diesen Film empfehlen könnte, ohne mich unbeliebt zu machen. Starkes Kino.

Guckst Du hier, da gibts mindestens einen Fan!


Bei mir gabs letztens im Zuge der 4K-Neuabtastung

Fargo


Den habe ich vor vielen Jahren mal auf deutsch gesehen und konnte mit ihm nicht wirklich was anfangen. Zu seltsam und ungewohnt war mir damals die Coen-typische Schwarzhumorigkeit, die ich erst mit den Jahren zu schätzen gelernt habe. Um so erfreulich war nun die Zweitsichtung im O-Ton, wobei mir rückblickend klarwird, daß ja mit Verlust dieses ulkigen Minnesota-Dialekts durch die Synchro mindestens die Hälfte des Vergnügens und Lokalkolorits flötengeht  :exclaim:
Aber auch sonst gibt es herrliche Situations- und Dialogperlen, über die ich beim Hören des Audiokommentars von Deakins (zum Glück sagt er nicht viel) noch viel mehr gekichert habe. Also: Der Film wird mit jedem Sehen besser, was ja nicht jeder von sich behaupten kann.

lastboyscout

23 Juni 2014, 04:24:30 #1126 Letzte Bearbeitung: 23 Juni 2014, 04:38:28 von lastboyscout
Asylum aka Asylum - Irrgarten des Schreckens (1972)
Klassiker den jeder Horrorfilm-Freund gesehen haben sollte.
Und kann mir jemand sagen warum ich bei gewissen musikalischen Momenten so sehr an The Shining denken musste?
Es erinnert an die Musik die am Anfang bei dem Helikopterflug auf das Overlook gespielt wird (so ungefaehr jedenfalls).
Jemand ne Ahnung?
8/10 fuer diesen Klassiker

The Wild and Wonderful Whites of West Virginia (2009)
Dokumentation ueber eine Outlaw-Familie in West Virginia.
Ob man das eine Dokumentation nennen kann ist eher fraglich. Produziert wurde das Ganze von MTV mit Johnny Knoxville und Jeff Tremaine, das Ganze wurde mit schmissiger Blues und Rockmusik unterlegt, so ganz ernst kann ich das dann doch nicht nehmen.
White Trash "Dokumentation", erinnert mehr an eine Komoedien-Variante von irgendwelchen Serien ueber Drogen wie Drugs Inc..
Seltsam das Ganze, trotzdem irgendwie auf seltsame Weise unterhaltsam.
6/10 Punkten

Contracted (2013)
Ich haette schwoeren koennen wir haben einen eigenen Thread fuer den, kann den aber nicht finden oder es gab ihn nie.  :icon_mrgreen:
Was langsam anfaengt wandelt sich ziemlich schnell in einen fast schon ungemuetlichen Horrorfilm um, der jeder/jedem, der
Spoiler: zeige
schon mal nen One Night Stand ohne Kondom hatte
ziemlich schwer im Magen liegen duerfte.
Ich fand ihn gut, die Darstellerin macht ihre Sache ganz gut, das Make Up Department leistet auch ganze Arbeit, wirklich Hut ab.
6.5/10 Punkten
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( Funker Vogt - Tragic Hero )

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RoboLuster

Zitat von: lastboyscout am 23 Juni 2014, 04:24:30
Contracted (2013)
Ich haette schwoeren koennen wir haben einen eigenen Thread fuer den, kann den aber nicht finden oder es gab ihn nie.  :icon_mrgreen:
Was langsam anfaengt wandelt sich ziemlich schnell in einen fast schon ungemuetlichen Horrorfilm um, der jeder/jedem, der
Spoiler: zeige
schon mal nen One Night Stand ohne Kondom hatte
ziemlich schwer im Magen liegen duerfte.
Ich fand ihn gut, die Darstellerin macht ihre Sache ganz gut, das Make Up Department leistet auch ganze Arbeit, wirklich Hut ab.
6.5/10 Punkten

Ooh ja, der ist gut! Gefällt mir besser als "Thanatomorphose", der exact die gleiche Handlung hat und im selben Jahr rauskam.

Wollte eigentlich einen Thread dazu aufmachen, habs aber immer aufgeschoben.
https://youtu.be/RPQOMyyg9b8                          
"Shoot first, think never!" - Ash

Stefan M

Als absoluten Spaßfilm empfehle ich übrigens "Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill", den ich gestern gesehen habe, nachdem ich in den vergangenen Monaten bereits so viel von ihm gehört hatte. Das Besondere an dem Film ist die deutsche Synchronisation, die sich gar nicht erst bemüht, die Handlung des Originals wortgetreu wiederzugeben. Stattdessen waren sich die Leute der offensichtlichen Schlechtigkeit des Films immer bewußt und lassen das ohne Rücksicht auf Verluste in die Synchronisation einfließen. Gnadenlos wird der letzte Funken Ernsthaftigkeit, die die Ursprungsfassung mal beinhaltet haben mag, ausgetrieben und torpediert, wo es nur geht. Dazu paßt, daß man eine zusätzliche Nebenhandlung nachdrehte, die sich um das Pärchen Bumsi und Bumso dreht, das eigentlich nur irgendwo in der Prärie vögeln möchte. Hat nichts mit dem eigentlichen Film zu tun, aber egal.

Auch bei der musikalischen Untermalung ging man ganz neue Wege, nahm offensichtlich den ursprünglichen Soundtrack heraus und ersetzte ihn durch einen neuen, der es dann tatsächlich fertig bringt, eine Lesbenszene mit einem Akkordeonschlager namens "Ein Seemann namens Lehmann" zu untermalen und bei der ungefähr dritten Wiederholung hochzuspeeden.

Die Synchronisation selbst ist für so eine Juxversion erstaunlich professionell gemacht, und wenn doch mal was nicht paßte, dann weist der Sprecher auch mal darauf hin, daß das gerade nicht lippensynchron war. Mehrfach meldet sich das Voice-over des "Helden" Django zu Wort und unterbricht dabei laufende Dialoge, um festzustellen, daß das, was da gerade gequatscht wird, eh keinen interessiert. Manchmal werden ordinäre Worte einfach überpiept, Anachronismen noch und nöcher eingestreut (Django selbst ist sowas wie ein Schauspielagent, der noch Leute für seinen Film sucht - wohlgemerkt im Wilden Westen) und wo es nur geht, der pure Nonsens ausgelebt, worauf auch ein Rainer Brandt stolz sein würde.

Im Original jedenfalls ein minderwertiger Sex-Western, abenteuerlich gefilmt wie ein Jess-Franco-Film, der mit seiner Synchronisation allerdings so manch müde Party gehörig auf Trab bringen wird.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

pm.diebelshausen

25 Juni 2014, 02:15:23 #1129 Letzte Bearbeitung: 25 Juni 2014, 02:17:42 von pm.diebelshausen
Insidious

Gönnte ich mir, weil mich "The Conjuring" neugierig auf James Wan gemacht hat. War aber leider für mich nur heiße Luft - oder abgesehen von einer Handvoll sehr heißer Lüfte ziemlich pupslau. Am Ende dachte ich mir "blöd". Vielleicht eine gute Aufwärmübung für das, was Wan in "Conjuring" dann wesentlich stringenter und effektiver umgesetzt hat. Geringes Budget, ok, aber hier wäre noch weniger mehr gewesen.  ;) Die Präsenz der Bedrohungen ist von Beginn an so plastisch-explizit, dass bei mir wenig Gruselhorror aufkam (wie gesagt, von den wenigen, dann aber starken Ausnahmeszenen abgesehen). Höchstens 6/10.

Die Nähe zu "Poltergeist" wird ja oft benannt - kennt jemand "Paperhouse" von Bernard Rose? (Zumindest ja Moonie.) Mir scheint es da einige (auch stilistische) Parallelen zu geben, aber es ist zu lange her, dass ich letzteren gesehen habe, als dass ich mit dem Finger drauf zeigen könnte.
Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.

PierrotLeFou

25 Juni 2014, 03:31:23 #1130 Letzte Bearbeitung: 25 Juni 2014, 03:35:25 von PierrotLeFou
Zitat von: pm.diebelshausen am 25 Juni 2014, 02:15:23
Insidious

Gönnte ich mir, weil mich "The Conjuring" neugierig auf James Wan gemacht hat. War aber leider für mich nur heiße Luft - oder abgesehen von einer Handvoll sehr heißer Lüfte ziemlich pupslau. Am Ende dachte ich mir "blöd". Vielleicht eine gute Aufwärmübung für das, was Wan in "Conjuring" dann wesentlich stringenter und effektiver umgesetzt hat. Geringes Budget, ok, aber hier wäre noch weniger mehr gewesen.  ;) Die Präsenz der Bedrohungen ist von Beginn an so plastisch-explizit, dass bei mir wenig Gruselhorror aufkam (wie gesagt, von den wenigen, dann aber starken Ausnahmeszenen abgesehen). Höchstens 6/10.
Schade, mir hat der - obwohl ich James Wan nicht übermäßig schätze ("Saw" war in meinen Augen eine eher dümmliche Story in undurchdachter Inszenierung, die allerdings ganz kurzweilig ist, "Dead Silence" kitschiger Unfug) - ausgesprochen gut gefallen... ich mag den auch lieber als "The Conjuring", gerade weil er so (vergleichsweise) stark auf die bedrohliche Atmosphäre setzt. Das mag etwas plump sein, aber effektiv... (Die Fortsetzung kann man sich dann allerdings sparen...)

Zitat
Die Nähe zu "Poltergeist" wird ja oft benannt - kennt jemand "Paperhouse" von Bernard Rose? (Zumindest ja Moonie.) Mir scheint es da einige (auch stilistische) Parallelen zu geben, aber es ist zu lange her, dass ich letzteren gesehen habe, als dass ich mit dem Finger drauf zeigen könnte.

"Paperhouse" wollte ich als Kind immer sehen... habe das dann erst als Jugendlicher geschafft und war ein wenig enttäuscht. Für konkrete Vergleiche liegt er auch bei mir zu lange zurück. Aber ich denke auch, dass der eine Vorbildfunktion besessen haben könnte... Versatzstücke aus "The Entity" und "Jeepers Creepers", Anspielungen auf "Nightmare on Elm Street" und "The Changeling" meine ich ebenfalls wahrgenommen zu haben; das war mir ganz sympathisch, dass man manche Vorbilder herausschmecken konnte... Aber womöglich scheint er mir auch deshalb eine Spur zu konstruiert zu sein: obwohl er mir von Wans Filmen am liebsten ist, ziehe ich einen modernen Oldschool-Geisterhausfilm wie "Woman in Black" (wesentlich geradliniger und einheitlicher!) eindeutig vor... :D
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Mr. Blonde

25 Juni 2014, 06:39:10 #1131 Letzte Bearbeitung: 25 Juni 2014, 06:40:42 von Mr. Blonde
Bin da genauso wie Pierot. "Conjuring" fand ich eher lasch und "Insidious" hatte eine unheimlich packende, weil bedrohliche Atmosphäre. Dazu noch die Soundkulisse, die bei einem ordentlichen Soundsystem richtig reinhaut. Einer der besten Horrorfilme, wenn es um die Nutzung von räumlichen Effekten geht. Liegt aber eben daran, dass der Film, wie von Diebels erwähnt, ziemlich "Druck" macht.

Für mich ist die Frage an Diebels: wie fandest Du die Szene, als die Mutti
Spoiler: zeige
kurz draußen war und im Haus die Musik anging? Schallplattenszenen wirken bei mir immer wieder. Das ist wie diese klassische "Im Dunkeln mit dem Blitzlicht kurz was sehen"-Szene.  :icon_mrgreen:


Allerdings ist der Film bei mir auch erst beim zweiten Mal eingeschlagen. Der ist einfach soooo gut vom Sound- und Polterhorrorniveau, gerade, weil Wan ja auch mit "Dead Silence" schon ähnliches versucht, aber nicht so richtg geschafft hat.

"Paperhouse" hatte ich noch nie auf dem Radar, scheint aber eine Perle zu sein. Mal schauen.


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Stefan M

Ist lange her, daß ich "Paperhouse" gesehen habe, habe den aber als ziemlich gelungen in Erinnerung. Schließe mich bei "Insidious" aber auch PierrotLeFou und Mr. Blonde an: ein herrlich unheimliches Ding. Ich find's gut, daß James Wan nach "Saw" oder zwischendrin auch "Death Sentence" zu dem eher wohligen Grusel übergegangen ist, denn den hat er echt drauf. Während ich bei "Insidious"
Spoiler: zeige
den roten Schurken als eher albern empfunden habe, hauen gegen Ende die grinsenden Fratzen richtig rein - wahrscheinlich mein Gruselmoment 2013. Naja, und die Szene mit dem Schallplattensong "Tip Toe Through the Tulips" hat ja Mr. Blonde schon erwähnt.


"Conjuring" steht bei mir noch auf dem Programm.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

ratz


Tinker Tailor Soldier Spy (TV-Mini-Serie)

Eigentlich erstaunlich, wie ein TV-Mehrteiler aus den 70ern mich doch dazu gebracht hat, sechs der sieben Teile an einem Tag wegzufrühstücken (den ersten hatte ich am Tag davor gesehen). Vor allem wenn man folgendes bedenkt: 1,33:1, 16mm, verwaschene Farben, Mono, keine Spezialeffekte, keine Schauspieler unter 40, keine scharfen Frauen, und meistens spielt alles in halbdunklen Büros, Archiven, Geheimwohnungen... Der Anti-Bond sozusagen  :icon_mrgreen:
Der Plot im Groben: Weil die Leitung des britischen Geheimdienstes MI6 weggestorben ist, gibt es einen gnadenlosen Machtschacher innerhalb der nächstunteren Führungsriege, die aus vier distinguierten Herren mit Schlips besteht. Dann gibt es auch noch eine schiefgelaufene Operation in der Tschechei inkl. Liebesgeschichte (die ist aber ambivalent) und Hinweise auf einen russischen Maulwurf (eigentlich besser übersetzt als Schläfer) im Zentrum – und man sieht sich genötigt, den vor einigen Monaten geschaßten George Smiley (Alec Guiness mit unbewegter Miene) zu bemühen, den Maulwurf zu finden und natürlich auch den Machthickhack zu beenden.
Was ist nun daran so spannend? Wenn man Interesse an politischen Winkelzügen und geschliffenen Dialogen hat, bietet einem die Romanvorlage von John le Carré (nicht gelesen) genau das. Die unglamouröse Geheimdienstwelt wird unheimlich dicht geschildert, in ihrer ganzen Trostlosigkeit und dem Zynismus, den sich viele Agenten angewöhnt haben, die moralischen Ambiguitäten und Widersprüche des Geheimdienstwesens werden geschickt angedeutet. Wie überhaupt vieles nur in Andeutungen zur Sprache kommt, manche Bemerkungen oder Sachverhalte bleiben kryptisch und werden nie er- oder gar aufgeklärt (in den Bonus-Interviews erzählt man, die britische Presse habe damals Quizze veranstaltet, wer wohl etwas aus dem zuletzt gesendeten Teil verstanden habe  :icon_lol:).
Eine realistisch gehaltene Zeitreise in den Kalten Krieg - Appetit auf weitere le Carré-Verfilmungen wurde definitiv geweckt   :respekt:

Hedning

Zwei Filme möchte ich an dieser Stelle sehr empfehlen:

Das Geheimnis der Geisha
Hinter dem etwas nach Billig-Exotik klingenden deutschen Titel verbirgt sich eine elegante und angemessen abgründige Verfilmung von Edogawa Ranpos Erzählung "Inju", gestaltet von "La Vallée"-Regisseur Barbet Schroeder und seinem Langzeit-Mitarbeiter Luciano Tovoli, der unter anderem "Suspiria" ablichtete. Das Zusammenspiel von Benoît Magimel, Lika Minamoto und dem etwa aus "Audition" bekannten Ryô Ishibashi gestaltet sich höchst reizvoll. Die Auflösung ist zwar m. E. zu erahnen, ist aber dennoch wirkungsvoll.

Das Haus der Sünde
Auch dieser Film hat leider auf Deutsch einen Klischeetitel bekommen. Im Mittelpunkt steht die Prostituierte "La Juive", die von einem gewalttätigen Freier entstellt, unter dem Spitznamen "Die lachende Frau" in einem Pariser Bordell ihr Dasein fristet. Bertrand Bonello ist hier ein Hochmaß an "Fin de siècle"-Stimmung gelungen, ein Kaleidoskop an Schicksalen, die weder moralisierend noch verkitscht abgebildet werden.

Mr. Blonde

Leon (1990)

Noch so eine Actionbildungslücke... Sentimental angehaucht, aber genau deswegen ungewöhnlich für einen Actionfilm der frühen 90er. Klar, im Grunde nur Alibi, aber ein Alleinstellungsmerkmal. Insgesamt eine sympathische Geschichte mit kultigen Kämpfen und einer guten Dosis unterhaltsamer Klischees. Außerdem gibt es noch die typischen Montage-Szenen, die sich glücklicherweise noch in die frühen 90er retten konnten.

Die Seagal-Synchronstimme für Van Damme ging allerdings schon in "Geballte Ladung" nicht. Ziemlich unpassend. Es existiert ja wohl eine TV-Fassung mit Charles Rettinghaus, also dem bekannten Van Damme-Sprecher. Im Grunde egal. Dank der unheimlich vielen Schnitte in der FSK:16-Fassung lief die Uncut bei mir zu 50 Prozent im Oton ab. Schon traurig, wenn aus einem Prügelactioner komplette Kämpfe rausgeschnitten werden.  :viney:

Witzig ist noch Brian Thompsons Nebenrolle als dauergrinsender Anzugheini, bevor er er später in Akte X (der außerirdische Killer im "Kolonie"-Handlunsstrang) seine Mimik auf Eiszeit stellen durfte. Außerdem noch ein weiterer Bekannter in Form von Voyo Goric, der ja schon als Folterknecht in Rambo II zu sehen war. Erinnert sehr an Vinnie Jones.  :icon_smile: Harrison Page als Leons (oder Lyon!) Straßenkumpel war ein guter Sidekick.

Die Handlung erinnert ein wenig an "Harte Ziele", wo sich ja auch die Schwerreichen mit allerlei Brutalitäten bei Laune halten. Van Damme setzt sich in seinen Filmen ja immer wieder für die Schwachen und Armen ein.  :icon_lol:

Schön, den mal nachgeholt zu haben. 7/10


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Retro

DANIEL DER ZAUBERER

Drei mehr schlecht als recht auf Grufti geschminkte Gestalten wollen den Küblböck töten.
Dazu wird er von einem seiner Konzerte entführt (warum nicht an Ort und Stelle abknallen?), und in ein Haus in der Nähe gebracht.
Anstatt aus dem immer wieder mal unbewachten Zimmer im Erdgeschoss aus den Fenstern zu fliehen, wartet er lieber auf seine Entführer- und macht diese mit seiner "positiven Energie" und peinlichem Gelaber zu seinen Fans.
Daniel darf gehen, beendet sein Konzert, Happy End.
Zwischendrin erscheint Daniel sein toter Opa und gibt ihm Ratschläge, macht er den Vater eines jungen Mädchens zum totalen Daniel-Fan, und soll für einen Hollywood-Film Probeaufnahmen machen.

WAS SOLL DAS?
Nicht nur, dass es hier genau genommen nicht mal eine richtige Handlung gibt, nein, auch die "Schauspieler" (Familie Küblböck, Regisseur Ulli Lommel und andere unbegabte Gestalten) sind einfach unsagbar schlecht.
Die Klamotten von Daniel sind unglaublich hässlich- und mehr als nur einmal läuft er offensichtlich in Frauenklamotten herum.
Sich diesen Film komplett anzutun, ist wirklich hart- ausser man steht auf Daniels Micky Maus-Stimme, denn der Großteil des Filmes sind Auftritte von ihm, welche von der sogenannten "Handlung" unterbrochen werden.
Überhaupt: Was zur Hölle hat so ein dilettantisches Machwerk im Kino zu suchen???
Kaum eine Szene ist nicht verwackelt, denn der ganze Film scheint mit einer Amateur-Handkamera gedreht worden zu sein.
Die Beleuchtung ist unglaublich schlecht- da wird die Nacht schon mal zum Tag- zumindest im näheren Umkreis der spielenden Figuren.
So ziemlich jeder Amateurfilm aus Deutschland ist technisch gesehen besser als dieser Mist, allenfalls Jochen Taubert bietet in seinen Filmen ein ähnlich schlechtes Niveau- aber die liefen auch nicht im Kino.
Und auch die Dialoge... Immerhin habe ich eines gelernt: "Positive Energie ist besser als negative Energie".
Ach nee. Dummerweise kann man bei diesem Machwerk definitiv nur negative Energie entwickeln.

Sorry Leute- der Film ist nicht so schlecht wie er oft gemacht wird- er ist schlechter!
Tut es euch selbst an, wenn ihr es nicht glaubt.

0/10

cyborg_2029

Mission: Rohr Frei
Seichte U-Boot-Komödie ohne wirkliche Brüller. Etwas Action und Spannung gibt es auch, aber sonst nix besonderes.
5/10

Motel Room 13
Noch ein Cusack-Motel-Film. Versucht auf Kult zu machen, scheitert aber vollkommen. Stellenweise eher dumm, vor allem die Frau nervt. DeNiro spult seinen Standarttyp ab, schade dass er sich für sowas hergeben muss. Hat doch bestimmt genug Kohle auf der hohen Kante.
4/10

The Faculty
"The Thing" an der High-School. Die Effekte bestehen aus schlechte CGIs und die Schüler sind ziemliche Klischeefiguren. Robert Patrick war aber cool.
5/10
Lebensweisheiten 101: "Wenn Du einmal damit anfängst, dann kniest Du nur noch."

ratz

2 Juli 2014, 00:25:22 #1138 Letzte Bearbeitung: 2 Juli 2014, 08:55:50 von ratz
Zitat von: PierrotLeFou am 10 Juni 2014, 19:33:43
Zitat von: ratz am 26 Mai 2014, 01:35:01
(In der alten Übersetzung Das Sanatorium zur Todesanzeige)

Alter Vadder, schon lange keinen Sprung mehr in derartig kaltes Wasser gemacht. Das ist ein einziges sprachliches Hyperventilieren merkwürdigster und unerwarteter Sinnkapriolen in einer fremden (und inzwischen nicht mehr existenten) Welt, das höchste Konzentration erfordert. Nach 60 Seiten weiß ich zwar noch nicht genau, worum es geht, schon gar nicht, wie man daraus einen Film machen kann, aber ich werde berichten!

Oh, schön... das sehe ich ja jetzt erst. Hast du Film schon gesehen? Bin sehr gespannt auf deine Einschätzung...

Ich war damals recht verwirrt, weil für einen Film über Sterben und Erinnern zuviele Episoden aus anderen Schulz-Geschichten "abgelenkt" haben... einen durchgängigen roten Faden habe ich nicht ausmachen können, aber gerade dieser seltsame Schwebezustand - hier und da bedeutsames, dort nebensächliches - war doch sehr faszinierend und passte dann auch wieder zur - den Hauptbezugspunkt bildenden - Titelerzählung... zumal diese Episoden stimmungsmäßig sehr schön ineinander aufgehen. Aber das Gefühl, irgendetwas nicht zu begreifen, war stets präsent... :icon_mrgreen:

So, Buch durchgelesen, Film zweimal gesehen (war natürlich besser beim zweiten Mal), und festzuhalten bleibt: Es war wirklich gut, erst das Buch gelesen zu haben!


Sanatorium pod klepsydra

Natürlich macht Has dann etwas anderes draus, das aber immer noch viel mit der Vorlage zu tun hat, und in gewisser Weise finde ich den Film sogar kommensurabler als die Episodensammlung: Während im Buch die einzelnen Kapitel nur sehr lose zusammenhängen, manchmal auch gar nicht, ist im Film die Reise von Jozef in die eigene Vergangenheit, in seine präpubertären Liebes- und Abenteuerfantasien und wieder zurück ins Sanatorium sehr gut nachvollziehbar (wie gesagt, nach dem 2. Sehen  ;)). Dabei liegt im Film entschieden mehr Gewicht auf dem ostjüdischen Schtetl als auf der eher angedeuteten k.u.k.-Melancholie, aber das ist in Ordnung, denn damit kann der Film auch aus der politisch-soziologischen Perspektive gesehen werden, nämlich als Grabgesang auf eben jenes verlorengegangene Ostjudentum (siehe letzte Einstellung, als die Kamera im Friedhof versinkt). Auch in Polen herrscht(e) ja kein ganz unproblematisches Verhältnis der Polen zu den Juden.
Aber neben dieser politischen Dimension (die trotz ihres phantasmagorischen Charakters um Einiges wahrhaftiger ist als die Hollywood-Zuckergußversion des Fiddlers on the Roof) ist es eben auch die fantastisch unvorhersehbare Reise in die Erinnerungswelt von Jozef, und in der Illustration dieser Innenwelt beeindruckt der Film ja ungemein: Was hier an kunstvollem, detaillierten Produktionsdesign aufgefahren wird, wie elegant die Kamerafahrten penibelst organisierte Plansequenzen durchqueren, immer schön aus der Untersicht mit dem Weitwinkelobjektiv, wie alles mit überbordenden visuellen Ideen vollgestopft ist – da streicht sich der Gilliam-, Greenaway- und Jeunet-Verehrer in mir zufrieden über den Bauch :icon_smile:
Meinst Du mit "Episoden aus anderen Schulz-Geschichten" die weiteren Kapitel aus der Sanduhr-Bereich oder noch ganz andere Geschichten? Das Vogel-Motiv im Dachboden des Vaters konnte ich z.B. nicht aus dem Buch erinnern, oder ist es gar Has' Zutat? Auch die kurze Szene im Bordell gegen Ende, in der der Vater den Kellner vernaschen will, paßt irgendwie überhaupt nicht ins übrige Konzept...

Große Klasse, und natürlich ist die Hoffnung geweckt, daß es neben dem Saragossa-Manuskript (das ich neulich auch zum ersten Mal gesehen & genossen habe, Zweitsichtung ist vorgemerkt) noch mehr von Has zu entdecken gibt. Und jetzt werde ich Dein Review lesen, was ich bislang aufgeschoben habe, um hier unvoreingenommen berichten zu können  :D

Edit: Mal ein paar Hasen korrigiert, ich alter Ignorant  :icon_rolleyes:

PierrotLeFou

Zitat von: ratz am  2 Juli 2014, 00:25:22Was hier an kunstvollem, detaillierten Produktionsdesign aufgefahren wird, wie elegant die Kamerafahrten penibelst organisierte Plansequenzen durchqueren, immer schön aus der Untersicht mit dem Weitwinkelobjektiv, wie alles mit überbordenden visuellen Ideen vollgestopft ist – da streicht sich der Gilliam-, Greenaway- und Jeunet-Verehrer in mir zufrieden über den Bauch :icon_smile:

An Gilliam musste ich auch denken... witzigerweise ist er ja ein großer Fan einer anderen Schulz-Verfilmung: Street of Crocodiles der Quay Brothers... :D


ZitatMeinst Du mit "Episoden aus anderen Schulz-Geschichten" die weiteren Kapitel aus der Sanduhr-Bereich oder noch ganz andere Geschichten? Das Vogel-Motiv im Dachboden des Vaters konnte ich z.B. nicht aus dem Buch erinnern, oder ist es gar Haas' Zutat?
Film und Buch liegen eine Weile zurück. In erster Linie zieht sich mMn der Sanatorium-zur-Todesanzeige-Band durch den Film, aber einiges kam mir damals auch aus "Die Zimtläden" vertraut vor... Ich meine, die Vögel kamen in beiden Bänden vor, aber da trügt mich jetzt meine Erinnerung womöglich... :00000109: (Wenn du die "Todesenzeige" sicher ausschließen kannst, dann zumindest in den "Zimtläden"... ;)) Allerdings scheint sich Has da ohnehin auch einige Freiheiten herausgenommen zu haben, wenn es zB. um die Todessymbolik geht, die der Film ja doch sehr stark in den Vordergrund rückt.


Danke übrigens für den Hinweis auf den dtv-Band... die haben ja noch einiges von Schulz im Programm, das bislang völlig an mir vorbeigegangen ist. :love:
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

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