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the Odyssey (by Homer bzw. Christopher Nolan)

Begonnen von StS, 22 Dezember 2025, 16:38:54

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StS


Christopher Nolan's next film, The Odyssey, is a mythic action epic shot across the world using brand new IMAX® film technology. The film brings Homer's foundational saga to IMAX® film screens for the first time and opens in theaters everywhere on July 17, 2026.

The Odyssey stars Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson and Lupita Nyong'o, with Zendaya and Charlize Theron.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

StS

"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

StS

"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

StS

"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Terry Noonan

16 Juli 2026, 03:17:35 #4 Letzte Bearbeitung: 16 Juli 2026, 03:27:53 von Terry Noonan
Vorab, eigentlich sind ALLE Nolanfilme Meisterwerke und wir können uns glücklich schätzen, dass er sich jetzt dieses epischen Stoffes angenommen und uns dieses Epos geschenkt hat!
Es ist ein absolutes Epos, weil alles handgemacht ist und in-Camera!
Und in IMAX, und von Nolan!
Und die Schauspieler, jeder für sich spielt seine Rolle unfassbar gut, wahrscheinlich die besten Performances ihrer Karrieren.
Nolan ist ein Meister darin, das Beste aus ihnen rauszuholen!

10/10, da werden wir noch unseren Enkeln von erzählen!

Eine wahnsinns Ausstattung, echte Schiffe, Massenszenen mit einer visuellen Wucht, wie sie nur ein Nolan kreieren kann.


So waren die meisten "Reviews" aufgebaut und fast wortgleich formuliert, die ich mir jetzt angeschaut hab; ich frage mich, ob es da irgendeinen Einleitungsfilm, eine Broschüre oder sonstwas in der Art gab.


In den Kommentaren zu den tatsächlich ideologiefreien Kritikpunkten, die der gemeine Pöbel natürlich nur aus den Trailern beurteilen kann, hier mal das Häufigste:

- Billigste Plastikrüstungen?

Paperlapap, weiß doch keiner, wie die damals ausgesehen haben, und außerdem: eh Fiktion!


- Ein kleines Wikingerschiffchen, das aussieht, als hätte es die Sommerferien-AG zurechtgezimmert

HALLO? Es schwimmt!
Nicht son billiger Rotz wie bei der "Meuterei auf der Bounty" oder nur "Die Bounty". Oder "1492"!
Die waren schließlich alle nicht von Nolan, also können die weder episch, noch echt sein!
Oder so.


- Massenszenen ohne Massen

HALLO HALLO? Du hast den Film garantiert nur nicht in 70 mm IMAX gesehen du arme Wurst!
Wir in der Elitepressevorführung zwar auch nicht, aber da sind nämlich garantiert über und unter den 40 Komparsen nochmal doppelt so viele, ist ja schließlich Nolan.
N. O. L. A. N!


Ein einziges kleines, halbwegs differenziertes Review hab ich gefunden, der Rezensent hat sich vielleicht gerade noch von der roten Liste der Verleiher-Stasi gerettet, indem er ihm trotzdem noch eine 7/10 gegeben hat:






Er, sowie in einem englischen review, kam einfach das für mich entscheidende Statement, was ich von all den Hochjublern als Minimum erwartet hätte, um sie noch als zwar akut verblendet, aber zumindest nicht als 100%-Promotionpuppe einordnen zu können:
Elementare Dinge, die einem im Trailer nicht gefallen, werden auch im Film nicht anders oder besser sein.
Stattdessen: alle Kritik an Trailern, vergesst es, sind nur Hater, ihr müsst einfach reingehen!

Also ernsthaft, wie da manche "Reviewer" fast einen mentalen Meltdown mit persönlichkeitserweiternder Durchschlagskraft haben, wo schon fast die Tränen aus der ersten Selbsterfahrungssitzung beim Psychater aus dem Bildschirm spritzen, Wahnsinn (Robert Hofmann war bisher der Höhepunkt).
Life is what happens while you are busy making other plans.

Terry Noonan

Ein anderer hat noch erwähnt, dass es nach seiner Pressevorführung hinterher noch eine Gesprächsrunde gab ... vielleicht auch ein Grund, dass so viele rein zufällig so frappierend ähnlich aufgebaut und argumentierte "Reviews" verfasst haben.
Life is what happens while you are busy making other plans.

Moonshade

Ok, das war wohl nur fair: nach der wildgewordenen Troll- und Bot-Kampagne gegen alles Woke, falsche Hautfarben, zu viel oder zu wenig CGI, schlechte Darsteller, Transdarsteller, kommt jetzt halt der Backlash mit den Jubelarien.

Und?

Kann ich eh nicht ändern.
Ich guck mir den Film an.
Morgen.
Weils ein Nolan ist.
Und ich den Trailer attraktiv fand.
Alles Andere findet sich.
"Du hältst durch und ich halte durch und nächstes Jahr gehen wir einen saufen!

"Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

"Gebt dem Mann ein verdammtes Puppers!"

Terry Noonan

17 Juli 2026, 20:01:49 #7 Letzte Bearbeitung: 17 Juli 2026, 20:03:23 von Terry Noonan
Zitat von: Moonshade am 17 Juli 2026, 17:11:40Ok, das war wohl nur fair: nach der wildgewordenen Troll- und Bot-Kampagne gegen alles Woke, falsche Hautfarben, zu viel oder zu wenig CGI, schlechte Darsteller, Transdarsteller, [...]

Wieso stehen die kursiven Aspekte auch in der abwertenden Rubrik "Troll- und Bot-Kampagne"?

Was ist an so einem von Backlash "Fair"?
Ist diese Art von Backlash nicht genau das infantile Reflexverhalten, was man gerade NICHT von differenziert denkenden Menschen erwarten sollte, für die viele Reviewer gehalten werden und/oder gehalten werden wollen?
Bekommt jetzt jeder "Kritiker" einen Paragrafen, irrationalen Kram zu schreiben und zu sagen, nur um "dagegen zu halten"?

Es wäre also nur verständlich ("fair"), hätten diese Reviewer gänzlich gegensätzliche Meinungen, wenn der Troll-Pöbel seinerseits eine umgekehrte Meinung verbreitet hätte?
Life is what happens while you are busy making other plans.

StS

17 Juli 2026, 20:50:51 #8 Letzte Bearbeitung: 17 Juli 2026, 20:54:41 von StS
Quasi ein out-of-the-Cinema-Kurzkommentar von mir:

Starkes, beeindruckend aufwändiges Epos. Tolle Besetzung (bis in viele kleine Nebenrollen hinein), grandiose Inszenierung und wunderbar "haptisch", da so weit wie möglich auf CGIs verzichtet wurde. Schade, dass ich das Werk nicht in einem der leider nur 41 Kinos weltweit genießen konnte, die den Film überhaupt so aufzuführen in der Lage sind, wie er von Nolan "vom Optimum her" konzipiert wurde... aber zumindest auf der großen Leindwand und im O-Ton.  8,5/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

mali


Moonshade

Sehr kraftvolles und bildgewaltiges Kino-Epos, welches mal alles Selbstzweckhafte beiseite lässt und nicht in Bauten und Landschaften schwelgt, sondern seinen visuellen Einfallsreichtum einfach gut in eine komplexe Handlung integriert.

Bis auf die Monstren erfreulich wenig erkennbares CGI (entsprechend fremdartig fühlte sich dann die sonst gut animierte Skylla an), dafür gute Handarbeit, auch wenn mir die unruhige Kamera in manchen Szenen ein wenig den Spaß genommen hat.

Durchgängig gut besetzt und sehr gut gespielt, kommt Nolans Version auch gut mit der beigefügten Zivilisationskritik (oder Untergangsstimmung), den modernen Bezügen (wenn man denn so interpretieren will) und der Soldat/Krieg-Thematik zurecht.

Eine Empfehlung fürs Kino stell ich aus, dafür macht der Film einfach zu sehr Eindruck, ohne überwältigen zu wollen, allerdings muss ich auch eingestehen, dass ich da zwar sehr schönes Kunsthandwerk sehe, der aber mein Herz nicht eben entflammt, das wird kein Nolan, der mich emotional abholt, zumindest nicht so sehr, um ihn jetzt mehrfach im Kino zu schauen.

Sicher nicht der Beste Film des Jahres, aller Zeiten, aber ein sehr guter, der das Ansehen und Diskutieren lohnt.
7,5/10, meine Begleiter waren sogar noch etwas positiver gestimmt.
Besondere Erwähnung für die Circe-Sequenz (tricktechnisch) und für den Ausflug in den Hades.
"Du hältst durch und ich halte durch und nächstes Jahr gehen wir einen saufen!

"Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

"Gebt dem Mann ein verdammtes Puppers!"

StS

Auch den Zyklopen einfach mal per Animatronic-Puppe statt CGI zu realisieren empfand ich als interessante Entscheidung. Die Hades-Szenen gefielen mir ebenfalls sehr - ebenso wie die Sache mit dem trojanischen Pferd "aus dem Innern" heraus zu präsentieren. Ach, und alles rund um die gewichtige Erkenntnis, wer die gefürchteten "Sea People" eigentlich sind...
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Newendyke

Auf der größtmöglichen Leinwand in M in der OV gewesen (aber halt kein IMAX... für die 1:1-Version müsst ich nach London oder Brüssel fahren) und hatte ein breites, zufriedenes Grinsen im Gesicht. Muss mir den Film aber nochmal in dt. anschauen, da einige Passagen durch den sehr basslastigen sound untergegangen sind. Apropos sound, leck mich am Ärmel war das ein audiovisuelles Schmankerl; mich hats ein oder zwei Mal ganz schön gerissen, da nach einer ruhigen Szene plötzlich ein ohrenbetäubendes Spektakel folgte.
Zur Geschichte lässt sich nicht viel Neues sagen, ist ja ohnehin gut bekannt. Der Fokus auf Tat und Konsequenz im Krieg bzw. PTBS fand ich eine gute Interpretation dieser Saga. Jedoch, wie leider bei allen Nolans, ist mir der Film in den großen, emotionalen Szenen zu distanziert und kühl... ich kann nicht wirklich festmachen, woran es da liegt, aber 100%-ig mitgefiebert habe ich leider nie.

8/10

Beste Sequenz: Das große Fressen bei Kirke  :dodo:



"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

StS

Nach der Höhlen-Szene und der Body-Horror-Sequenz in der Hütte hoffe ich, dass Nolan nun mal einen waschechten Horror-Film angeht. Dass er daran Interesse hätte, hat er ja bereits bekundet.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
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(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Newendyke

Zitat von: StS am 23 Juli 2026, 14:25:13Nach der Höhlen-Szene und der Body-Horror-Sequenz in der Hütte hoffe ich, dass Nolan nun mal einen waschechten Horror-Film angeht. Dass er daran Interesse hätte, hat er ja bereits bekundet.

DAS, ja, und wenn in x-Jahren mal der neue Bond feststeht, vielleicht auch ein Nolan-007.

Wird nun schon gemunkelt, dass evtl. durch den box office-Erfolg von Odyssee eine Ilias-Verflimung von Nolan folgen könnte... ist aber auch nur web-Wunschdenken.


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

Mr.Ego

31 Juli 2026, 21:02:22 #15 Letzte Bearbeitung: 4 August 2026, 20:39:43 von Mr.Ego
Ich bin ja nun das, was man wohl einen Best Ager nennt (67 Jahre) - oder meinetwegen Boomer..

Als ich den Nolan-Film im Kino sah, viel mir zum Vergleich tatsächlich der  italienische Monumentalschinken "Die Fahrten des Odysseus/Ulisse" (1954)ein. Hier wurde der längst dahingegangene Hollywood-Haudegen Kirk Douglas (1916 - 2020) als listenreicher Antikheld  präsentiert.  Die eher gradlinig naive  Abenteuergeschichte aus den legendären, römischen Cinecitta-Studios lief ca. 1972  sonntags um 14 Uhr bei uns in den "Auricher Lichtspielen".  Heute ist  leicht ersichtlich, dass Douglas im charmant gealterten Klassiker von Mario Camerini (1895 - 1985) eigentlich wie ein typisch amerikanischer Hero der 50er-Kinoära  rüberkommt - ganz anders,  als der von seinen Abenteuern gezeichnete,  arg gebeutelte Matt Damon   in Christopher Nolans aktueller Version.

Was ich eigentlich damit sagen wollte:  Nolans Inszenierung ist ein ein echtes Faszinosum, hat der Mann seinen imposanten 170-Minuten-Kracher doch konsequent im altgedienten 65mm-Format    abgekurbelt und für ausgewählte Filmtheater auf analogem 70mm Imax-Material projiziert. Das neuzeitlich glattgebügelte Digitalkino empfinde ich einfach nur als öde - was mir fehlt: Zelluloid und das leise Laufgeräusch der Projektoren, wenn der Filmstreifen durchlief. Das vertraute Rattern war einfach die Seele, des guten alten Kintopps.  WeilNolan (genauso übrigens wie Quentin Tarantino)  diesen analogen Stil pflegt, habe ich mir seine "Odyssee" überhaupt angesehen. Da sind 170 Minuten "wie im Flug vergangen". 



"Im Walde zwei Wege boten sich mir dar und ich ging den, der weniger betreten war - und das veränderte mein Leben." Walter 'Walt' Whitman (1819 - 1892)

PierrotLeFou

Hm, nach anfänglicher Skepsis, die sich schon mit/nach der überwiegend sehr positiven Resonanz bei Kritik und Publikum gelegt hatte, war ich nun doch weitgehend überzeugt. Die Dramaturgie orientiert sich am Original und wird dem Epos bzw. Mythos in der Thematisierung des Erzählens selbst sehr gerecht. Die Abenteuer der Irrfahrt halten sich mit Zügen des Spektakels erfreulicherweise ziemlich zurück; waren für mich dennoch mit die am wenigsten überzeugenden Momente (neben dem Gemetzel an den Freiern), wobei die Verwandlung bei Circe erstaunlich gut gelöst wurde; den perfekten Odyssee-Film hätten wohl nur Straub/Huillet drehen können. Visuell war das überaus ordentlich; die arg konservativen Elemente, die mir bei Nolan oft aufstoßen, fallen hier weniger ins Gewicht und werden etwa mit Elliot Page und Lupita Nyong'o ein wenig aufgefangen (was soziopathischen Irren wie Elon Musk dann ja auch übel aufgestoßen ist), wobei auch sie Anlass zur Kritik geben, denn der Trans-Star (Skandal! Androgynie bei den antiken Griechen!) spielt schließlich bloß einen hintergangenen, knabenhaft wehrlosen, verletzlichen/verletzten Sinon (in einem Werk, das bei allem Pochen auf Intelligenz und moralische Integrität doch auch fasziniert von (tat)kräftigen Männern ist) und die Besetzung mit PoC-Stars ließe teils so, teils so auslegen, die Geschlechterrollen würde ich überwiegend eher kritisch sehen, was teils an der Vorlage, teils aber eben auch an Nolan liegt ... Der sich hier einmal mehr als One-Trick-Pony präsentiert und sein 30 Jahre altes Spielen mit Verschachtelungen und Ebenen an die Erzählebenen des mythischen Stoffes anpasst.
Tatsächlich hat er mir von allen Nolans (noch vor "Inception", "Memento" und "Oppenheimer") am besten gefallen; ich bin da bei einer starken 8/10 mit Tendenz nach oben gelandet; was Homers "Odyssee" betrifft, scheinen mir Uberto Pasolinis Variante und die kurzen Augenblicke aus Godards "La mepris" und Angelopoulos' "Vlemma tou odysseya" doch angemessener zu sein als dieses doch alles Fantastische bebildern wollende Werk, das sich ruhig ein bisschen mehr Minimalismus hätte zutrauen dürfen.
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Terry Noonan

Betrifft jetzt nicht PierrotLFou:

Erstmal schön abwarten, bis die eigene Kritik das Boxoffice nicht mehr möglicherweise negativ beeinflussen könnte und man vor vermeintlich großem Publikum in die rechte Ecke gestellt wird, in der man als Kritiker automatisch landet.

Erst jetzt kritisiert genau die Übersetzerin das Nolanwerk, auf die sich Nolan selbst oft berufen hat:

Spiegel - Emily Wilson rechnet furios mit Odyssee ab

Selbstverständlich fanden sich aber sogleich irgendwelche Nichtse, die mit Rechts, MAGA &  Co ankamen
:lol:
Life is what happens while you are busy making other plans.

PierrotLeFou

Ist eine ganz amüsante Kritik mit ein paar süffisanten Spitzen; finde ich durchaus ganz sympathisch, weil mir eben Nolan mit seinem fast immer klotzigen, wummernden, bierernsten Bombast nicht eben sympathisch ist. (Zugleich bewegen sich seine Langfilme bei mir alle irgendwo zwischen 7/10- und 8,5/10-Wertungen, insofern kann ich - ein bisschen wie bei Tarantino (wo meine Wertungsspannweite etwas größer ausfällt) - nur bemängeln, dass der Hype um Nolan völlig überzogen ist, derweil die Filme selbst weder schlecht noch mittelmäßig ausfallen.)

Ich denke aber, dass sie das einiges verfehlt. Ernst nehme ich unter anderem ihren Verweis auf Unstimmigkeiten, was Nolans Umgang mit der Götterwelt und dem Gesetz des Zeus betrifft. Ihre Argumente finde ich dabei aber nicht alle plausibel.
Ich habe hier eher den Eindruck, dass sie (wie so manche, die sich intensiv mit Literaturvorlagen und literarischen Adaptionen auseinandergesetzt haben) sich nicht wirklich für eine Verfilmung öffnen mag (auch wenn sie den Pasolini wohlwollender anspricht).
Ungeschickt ist ihr Bashing sicherlich nicht; das Interesse an ihrer Übertragung dürfte damit ein bisschen ansteigen.

Aber so manche Kritikpunkte wie
Zitat von: https://www.lrb.co.uk/the-paper/v48/n14/emily-wilson/an-uncomplicated-manDefying the gods is noble and brave when Odysseus blinds Polyphemus, son of Poseidon; it's stupid and greedy when Eurylochus eats the Cattle of the Sun. Deception is bad when Odysseus tricks Sinon or the suitors trick Telemachus, but good when Telemachus and Odysseus trick the suitors
wirken auf mich wie Scheinargumente, die sich nach Sichtung des Films selbst eigentlich nicht halten lassen.
Und manches erinnert auch eher an sinnfreie IMDb-goof-Listen: etwa der Verweis auf das Design des Holzpferdes, das mich zwar auch erst überrascht hat, das aber eben auch weniger dem Ziel folgt, realistisch und plausibel zu erscheinen, sondern (wie Agamemnons Rüstung) dem Ziel, ein mythisches Bild zu kreieren.


(Dass Wilson hätte befürchten müssen, in eine rechte Ecke gestellt zu werden, halte ich für abwegig; dass am "race-neutral casting" "nothing progressive" sei, bringt sie ja explizit zum Ausdruck und weist das dümmliche Gejaule rechter Trolle somit als komplett ungerechtfertigt aus.

Joyce Carol Oates' Reaktion auf Wilsons Kritik halte ich (falls du sie zu den "Nichtsen" zählst, was mir gewagt erscheint) zwar auch für reichlich überzogen, allerdings stellt sie (anders als es der SPIEGEL formuliert) die Kritikerin keinesfalls in die MAGA-Ecke, sondern behauptet (nach meinem Kenntnisstand) bloß, dass sie sich derselben Sprache bemächtige, wenn es um abweichende Meinungen geht. Ich würde Wilsons Ausfälle allerdings eher unter den üblichen "Ich schreibe jetzt mal einen deftigen Verriss"-Allüren verbuchen, die ja gerne persönlich und unfair werden. Oates' Empörung kann ich zwar gut nachvollziehen, weil Wilson da in der Tat jemanden basht, von dem sie in der Tat auch bereits profitiert haben dürfte; allerdings kann man Wilson ja auch einfach als emanzipierte Frau lesen, die den intellektuell schwachbrüstigeren, aber prominenteren Nolan in die Schranken weist, der in seinem Werk (und - nicht nur - von Wilson durchaus beanstandet) doch einen sehr männlichen Blick (re)produziert.)
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

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