Die letzte Sichtung

Erstellt von MMeXX, 19 November 2012, 13:01:27

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PierrotLeFou

Zitat von: MMeXX nach 18 November 2016, 17:55:50
Zitat von: Yogi nach 17 November 2016, 13:35:57
Zitat von: MMeXX nach 17 November 2016, 13:02:24
Zitat von: Yogi nach 17 November 2016, 12:00:02
Ich verstehe schon was du sagen willst.
Warte ab bis ich was deutsches gesehen habe, die bewerte ich leider immer härter wie andere weil sie mir allgemein immer missfallen wegen TV Optik ect.

Och nö, nicht dieses langweilig-öde "Deutsche Filme sind doof und sehen nach TV aus"-Vorurteil. :icon_sad: :andy: Es gibt mehr als genug tolle Filme, die in Deutschland gemacht worden sind.

Klar gibt es gute aber mMn nicht viele. Manche Kopieren nur billig Hollywood nach was albern wirkt, andere haben immer wieder das selbe Thema(ernstes Thema in einer Komödie verpackt oder mein Hassthema 3te Reich aufarbeiten) was einfach langweilig ist oder sind nur grenzdebil werden aber abgefeiert ohne ende(Fuck you Göthe und der andere Mist der in die selbe Schublade paßt). Und ich weiß auch das man Deutsche Filme nicht mit Amerikanische vergleichen darf aber ich bin halt sehverwöhnt.  ;)

Aus Hollywood kommt auch nicht viel Gutes, das Argument zählt nicht. :icon_mrgreen:

Fack Ju Göhte finde ich durchaus gelungen - im Rahmen der Fördergremiengeschichten. Und sonst muss man eben ein bisschen mehr schauen, um was zu finden. Mit DER SAMURAI, DER NACHTMAHR, DER BUNKER, HOMESICK, WILD, GLEISSENDES GLÜCK, DIE GELIEBTEN SCHWESTERN, WIR WAREN KÖNIGE, SCHAU MICH NICHT SO AN, WIR SIND DIE FLUT gibt es auf jeden Fall Filme, die aus deiner Beschreibung rausfallen.


Naja, der deutsche Film stand schon nicht ohne Grund in Verruf... seit Anfang/Mitte der 80er kam da lange, lange Zeit kaum noch etwas wirklich beachtliches... Fassbinders Tod ist eigentlich bloß eine eher zufällige Erscheinung; im Grunde hat CSU-Chaot Zimmermann das Deutsche Kino mit seiner - die Grenzen der Zensur streifenden - Einmischung in die Filmförderung das Deutsche Kino im Alleingang für viele Jahre beschädigt. Und dann verschwindet ein Kluge ins Fernsehen, ein Herzog wendet sich zunächst vornehmlich dem Dokumentarfilm zu und geht dann irgendwann ins Ausland... Kleine Namen wie Roger Fritz und Roland Klick ziehen sich recht jung alsbald zurück; und von Thome, Schaaf, Sanders-Brahms, Verhoeven, Geissendörfer und Schlöndorff (der ohnehin eher internationale Filme und weniger deutsche Filme drehte) kam dann einfach zuwenig gutes und eigentlich nichts, was man "sehr gut" nennen würde...
Ein Eichinger - in den 70ern noch sehr vielversprechend - betätigt sich ab Mitte der 80er zunehmend als Produzent für internationale Produktionen und bringt in den 90ern nur noch Scheiße heraus... Das ist dann das Erbe von Zimmermanns Politik: Detlev Buck, Til Schweiger, Sönke Wortmann, Oskar Roehler... dennoch gibt es auch in den 90ern noch deutsche Filme, die wirklich empfehlenswert sind: Huettners "Babylon - Im Bett mit dem Teufel" (1991), Tykwers "Winterschläfer" (1997) und einiges von Romuald Karmarker ("Der Totmacher" (1995), "Die Nacht singt ihre Lieder (2004))...
Karmarker scheint mir dann auch einer von denen zu sein, die allmählich wieder Qualität ins deutsche Kino brachten. Und ich denke, dass das aktuelle deutsche Kino der 10er Jahre - nach eher semi-guten Filmen von Hans-Christian Schmid, Henckel von Donnersmarck oder Fatih Akin - wieder so gut ist, wie lange nicht mehr: gerade mit Christian Petzolds Filmen (insbesondere "Barbara") und mit Filmen wie "Oh, Boy", "Wir sind jung. Wir sind stark.", "Victoria", "Toni Erdmann"... und das scheint auch für Schanelec zu gelten... und mal schauen, was vom Wnendt so kommt...

Ich denke, dass es mit dem deutschen Kino durchaus seit ein paar Jahren steil bergauf geht...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Yogi

Was für eine Lawine ich losgetreten habe... ich wollte das gar nicht.  :icon_lol:

Was ich zur Zeit gucke ist zwar kein Film aber paßt trotzdem

Harper's Island

Die Hälfte der Serie habe ich geschafft aber so richtig packen tut sie mich nicht.
Erinnert mich an Denver Clan nur eben das da noch ein Mörder rumhuscht und pro Folge 2 killt .
Die Charakter tendieren von ok bis nervig(Madision das Mädchen ist einfach nur  :wallbash:) und mich kotzt auch dieses "jeder hat ein Geheimniss" ziemlich an. Können die nicht einfach offen sagen was sie denken usw? Klar die Serie wäre dann kürzer und es gäbe nicht dieses "Jeder könnte es sein" Gefühl aber ich wünsche mir einfach mal realistische Typen die nicht immer Dreck am stecken haben, sagen was sie denken und sich nicht benehmen als wären sie Göttlich. Ich hoffe die Serie beendet es einigermassen "vernünftig" sonst ärger ich mich tierisch.
Ich habe Geld und bin gebildet,wenn ich jetzt noch gut aussehen würde wäre ich ein arrogantes Arschloch.
Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers.

Moonshade

Och, ein bisl Lawine darf ruhig sein.
Wenn sie sich in D mal wieder was fürs Kino trauen, dann wecke ich auch meine Vorbehalte gern mal ein.
Und im TV laufen ja auch recht solide Sachen - der TV-Film zum Wochenende "Wer aufgibt ist tot" mit Bjarne Maedel als dt. Variante von "Täglich grüßt das Murmeltier" war durchaus gut und emotional inszeniert.
Gut, tatsächlich haben sie es geschafft, den Film mit den letzten 10 Sekunden an die Wand zu fahren, aber die übrigen 89,8 Min. waren sehr gut.

Zu Harpers Island: das wird wohl auch nichts werden, da hat man die Opfer-der-Woche-Prämisse zu sehr ausgereiz damals, über Soap-Durchschnitt kamen die nicht hinaus.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

Wolfhard-Eitelwolf

In den letzten Tagen mal - passend zum Thema - Deutschland '83 in Doppelfolgen durchgezogen. Interessante Produktion mit unverbrauchtem Sujet und überzeugenden Darstellern. Zum Ende hin dann leider ein bisschen zu überladen und überkonstruiert, womit die erste Hälfte der 8 Folgen eindeutig die gelungenere ist - aber alles in allem bestens unterhalten worden. Soll ja demnächst meine ich sogar weitergehen mit Deutschland '86.

Moonshade

Mal wieder im Free-TV bei Tele5 gewildert, die mir teilweise fast unbemerkt Nischenware präsentieren, die ich ohne TV-Zeitschrift schon gar nicht mehr finden würde.
Typisch unterhaltsames Abenttriple: Patrick, das Remake des 78-Oz-Kultfilms ist sicher kein Meisterwerks, drückt seine Laufzeit aber mit Schrecksekunden und jeder Menge Jumpscares durch und hat ein griffiges Setting zu bieten.
Solide 7/10!
Recreator: Billigware mit interessanter Idee ,aber zu wenig Potential, um sie anlasswürdig zuende zu denken und auszuführen. Dennoch origineller als die Standardschippenware: 4/10
Turbo Kid: Endzeit und Barbarenfilme treffen die Splattercomedy der 80er-Nostalgie-Barbaren. Einfach nur lustig und viel zu entdecken. Die Gore-FX sind zwar etwas grob getrickst und geschnitten, aber immerhin meistens handmade und echt grotesk.
Alle mit enorm viel Spaß bei der Sache - nur zu empfehlen! 7,5/10
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

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Dale Cooper

Guten Abend,
ich bin neu hier im Forum, und habe mich im entsprechenden Thread kurz und bündig vorgestellt.
Dies ist mein erster richtiger Beitrag, ich freue mich!
Gestern habe ich mich auch, und das kommt selten vor, im Free TV aufgehalten, denn mit Begeisterung habe ich festgestellt, dass "Rosemary's Baby" ausgestrahlt wurde.
Seit einiger Zeit hatte ich den Film nicht mehr gesehen und war in Stimmung.
Es handelt sich aus meiner Sicht um einen atmosphärisch sehr dichten Film, der insbesondere durch herausragende Darsteller (Gordon) und passend ausgewählte Drehorte (Dakota Haus) glänzt. Der stimmige Soundtrack rundet das Ganze ab. Die stringent erzählte Handlung hat einen sehr schönen Spannungsbogen, sodass man sich als Zuschauer intensiv in die Personen hineinversetzen kann, vor allem dem Ende zugehend, wo sich das Geschehen schließlich zuspitzt.
Neben "Chinatown" mein Lieblings-Polanski, einer der besten Gruselfilme und überhaupt ein starker Film der 60er Jahre.
9/10

LG
Fabian

StS

Hey, Dein Avatar passt zu meiner Sig.  ;)
Willkommen.
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Hedning

2 Dezember 2016, 03:31:41 #1507 Letzte Bearbeitung: 2 Dezember 2016, 03:33:13 von Hedning
Hallo Dale Cooper, sehr gute Filmwahl zur Selbstvorstellung. Und Twin Peaks ist ja auch nicht zu verachten.

---

Ohne jede Spur (2010)
Leider im ganzen reichlich unspektakulärer Thriller, der mir meist wie ein TV-Film vorgekommen ist. Die in einem Krankenhaus angesiedelte, sich um das Verschwinden eines Patienten drehende Handlung konzentriert sich auf Hauptfigur Mary, die von der sympathischen Brittany Murphy dargestellt wird, die leider kurz nach den Dreharbeiten starb, wozu später auch Mordvorwürfe in den Raum gestellt wurden. Vor dem Hintergrund entfaltet die letzte Einstellung des Films auch eine gewisse Symbolwirkung, so dass die Tragik rund um das Schicksal der Darstellerin letztlich den ganzen, recht durchschnittlichen Film sehr überschattet. In Punkten ausgedrückt 6/10

Dale Cooper

Herzlichen Dank für die freundliche Aufnahme hier im Forum.

Gestern habe ich zufälligerweise einen weiteren Polanski-Film gesichtet, dieses Mal bei Netflix, und es war "Der Ghostwriter" - dieser stand schon länger auf meiner To-Do-Liste, doch der politische Anstrich hatte mich immer ein wenig abgeschreckt, denn dieses Genre rund um Politik und Verschwörungstheorien gehört nicht zu meinen bevorzugten.
Nun gut, ich habe mir also einen spannenden Film erhofft, der nicht allzu politiklastig sein würde. Das habe ich bekommen!
Der Aufbau des Films ist gewohnt homogen und schlüssig, eine wirklich spannende Handlung mit einer gesunden Portion Gesellschaftskritik und Anprangern von Eliten, Macht und Medien. Die besondere Würze erhält der Film aber erst durch den stark aufspielenden Ewan McGregor, welcher mit seiner höchst authentischen und sympathischen Vorstellung den gesamten Film trägt. So hat der Film durch die persönliche Krise des Autors auch einen ganz persönlichen, roten Faden.
Die Drehorte sind wieder einmal toll ausgewählt und bieten viel Abwechslung von den normalen Sehgewohnheiten, ein typischer Polanski (ich erinnere an "Die neun Pforten").
Leichte Abzüge gibt es dennoch für den inhaltlich überladenen Schluss, der zwar eine Art Auflösung bietet, aber gleichzeitig neue und ungeklärte Fragen aufwirft. An einer guten Note ändert das jedoch nichts-
8/10

LG
Fabian

Max Blank

4 Dezember 2016, 13:26:29 #1509 Letzte Bearbeitung: 13 Dezember 2016, 11:18:56 von Max Blank
Zitat von: Hedning nach  2 Dezember 2016, 03:31:41
Ohne jede Spur (2010)
Leider im ganzen reichlich unspektakulärer Thriller, der mir meist wie ein TV-Film vorgekommen ist. Die in einem Krankenhaus angesiedelte, sich um das Verschwinden eines Patienten drehende Handlung konzentriert sich auf Hauptfigur Mary, die von der sympathischen Brittany Murphy dargestellt wird, die leider kurz nach den Dreharbeiten starb, wozu später auch Mordvorwürfe in den Raum gestellt wurden. Vor dem Hintergrund entfaltet die letzte Einstellung des Films auch eine gewisse Symbolwirkung, so dass die Tragik rund um das Schicksal der Darstellerin letztlich den ganzen, recht durchschnittlichen Film sehr überschattet. In Punkten ausgedrückt 6/10

Für ne Billigproduktion nicht schlecht - originelle Story.
(die deutsche Synchro ist furchtbar - bitte im O-Ton schauen).

Cheyenne - This must be the Place 9/10
Sean Penn spielt einen alternden Gothicrocker der für seinen verstorbenen Vater eine
Rechnung mit einem Altnazi begleichen muß. Da "Cheyenne" die ganze Zeit in einem einschläfernden
Singsang spricht war ich erstmal skeptisch (im Original klingt die Stimme fast genauso) aber der Film
rockt. Ein leicht schräger Roadmovie bei dem der Humor nicht zu kurz kommt.
Wieder mal ein echtes Highlight. :respekt:

Hedning

The Burrowers (USA 2008)
Horror-Western über eine unbekannte Bedrohung in Form seltsamer Wesen, die sich im umkämpften Gebiet zwischen Siedlern und Ureinwohnern breitmachen. Sinnvollerweise werden die Kreaturen lange nicht deutlich gezeigt, die später zum Einsatz kommenden Effekte erweisen einen erfreulich hohen physischen Anteil, nachdem ich schon ein Feuerwerk schlechter CGI befürchtet hatte. Zuvor sorgen schon zahlreiche oberflächlich im Boden verscharrt rumliegende Fast-Leichen für gruselige Einstellungen, ebenso wie der offengelegte Rassismus, nach dem den Indianern alles in die Schuhe geschoben wird und Soldatentrupps die Ureinwohner selbst dann verfolgen, wenn sie von deren Wissen profitieren könnten. So können die "Burrowers" (Gräber/Wühler) nahezu als Verkörperung der niederen Instinkte gelten, die sich zwischen den Bevölkerungsgruppen manifestieren. Ich habe mir die BD besorgt, auf der noch "Todesritt nach Jericho" enthalten ist, was sich vielleicht negativ auf die Kompression niedergeschlagen hat, jedenfalls ist das Bild nicht optimal. Für den Film gute 7/10

Dale Cooper

"Der Richter" (2014)

Intensiv gespieltes und vielschichtiges Gerichts-/Familiendrama mit toller Besetzung in Hochglanzoptik.
Robert Downey jr. und Robert Duvall liefern sich ein packendes Vater-Sohn-Duell, der Kern des Ganzen ist das große Thema "Vergangenheitsbewältigung" und das Erörtern und Verarbeiten von verschleppten Problemen und Konflikten.
Hier wird einem hochwertige und sehr emotionale Unterhaltung geboten.
Einziger Kritikpunkt ist meines Erachtens die Länge des Films, hier und da hätte man etwas kürzen können - so kommt der Film etwas langatmig daher.
7/10

Max Blank

Sing Street (2016) 8/10
Der Film beginnt mit Motörheads "Stay Clean",  die
Band im Film spielt eher 80er Jahre Gitarrenpop.
Nichtsdestotrotz guter Film (bis auf die Musik die
nicht so mein Fall ist).

PierrotLeFou

14 Dezember 2016, 02:17:30 #1513 Letzte Bearbeitung: 14 Dezember 2016, 04:31:58 von PierrotLeFou
Ein spontaner, langer Kino-Nachmittag/Abend liegt hinter mir... (Ich hätte vorher etwas essen sollen...)


1.) I, Daniel Blake - Recht typisches Ken Loach-Sozialdrama über einen verwitwerten Tischler, der nach einem Herzinfarkt von seinen Ärzten für arbeitsunfähig erklärt wird; das Amt sieht die Situation jedoch anders, er erhält keine Unterstützung mehr und muss Arbeitslosengeld beantragen und sich dann auch wieder um Bewerbungen kümmern, gleichwohl er Jobangebote dann ohnehin wieder aus gesundheitlichen Gründen ablehnen muss. Scheinbar hat er auch noch nie an einem Computer gesessen, wird dennoch dazu genötigt, im Internet Formular auszufüllen und abzuschicken. Hilfestellung erhält er nicht und überhaupt legt ihn die Bürokratie scheinbar absichtlicher mehrere Stolpersteine in den Weg. Dann lernt er noch eine alleinerziehende Mutter kennen, welche böse formuliert vom Arbeitsamt in die Prostitution genötigt wird... Sehr viel Erniedrigung, Würde- & Trostlosigkeit, aber immer wieder auch ein feiner Humor. Gleichwohl sich Loach durchaus bemüht zeigt, die Hauptfigur nicht völlig zu verklären (teilweise stellt sie sich schon erstaunlich blöd und uneinsichtig an) und die Mitarbeiter des Arbeitsamts nicht bloß negativ zu zeichnen, sind die Sympathien schon deutlich verteilt. Dass Daniel Blake in der schwächsten Szene des Films dann noch seinen Namen auf die Außenfassade des Amts sprüht und von Passanten dafür bejubelt und teilweise als kleiner Held gefeiert wird, zeigt dann am besten, weshalb manche Kritiker und Regie-Kollegen Loach für einen in den 60er Jahren steckengebliebenen Regisseur halten.
So unglaubwürdig & klischeehaft vieles in dieser geballten Form auch daherkommen mag, so war es allerdings schon bei anderen Loachs so, dass er dennoch reale Probleme sehr zutreffend angeprangert hat. Loach besteht ja auch darauf, dass etwa die Haltung von Ämtern, welche die Antragsteller zum Aufgeben ihrer Bemühungen bewegen wollen, oder auch die langen Schlangen vor Essensausgaben der Realität entsprechen. (Ich muss gestehen, dass ich keinerlei Ahnung habe, wie lang die durchschnittlichen Schlangen vor Essensausgaben in Großbritannien derzeit so sind...)
Der Film hat definitiv seine ergreifenden, sehr unangenehmen und auch seine sympathisch-vertraulichen Szenen, wirkt aber gelegentlich klischeehaft; und wirklich fiese Momente stehen neben Momenten kitschiger Rührseligkeit. Die freie, Loach-typische Inszenierung ist aber nochmals ein dicker Pluspunkt. 7-8/10


2.) Café Society - (Ein hübscher Kontrast zwischen dem Armenbegräbnis am Ende des Loachs und der Hollywood-Party am Beginn des Allens.) Einen Jesse Eisenberg im Woody-Allen-Modus verschlägt es aus New York ins Hollywood der goldenen Ära. Dort gibt es dann seine unglücklich endende erste große Liebe, zurück in New York gibt es dann die glücklichere zweite Liebe - und dann kommt es zur Wiederbegegnung mit der ersten Liebe. Aber Allen, der schon die ganz Zeit sehr episodisch mäandernd erzählt hat, macht sich diese nicht weiter dramaturgisch zunutze, sondern peilt einen melancholischen, gelassenen Blick (und die Erkenntnis, dass man mit der Zeit anders wird) an, um ausgesprochen unvermittelt zu enden... Dennoch dramaturgisch stimmiger und mit etwas mehr Unterhaltungswert daherkommend als "To Rome with Love", "Magic in the Moonlight" oder "Irrational Man", aber auch keiner der wirklich rundum guten Allens aus den letzten Jahren... (Und auch seine besten Filme wirken seit Mitte der 90er nicht mehr wirklich herausragend...) Schwache 7/10


3.) Paterson - Ich war mir zunächst nicht ganz sicher, ob Jarmusch sich über die Träume einfacher Leute mit kreativen Ambitionen lustig machen wollte, aber am Ende liegt auf der Hand, dass das definitiv nicht der Fall war. Ist auch schwierig, den Film in Worte zu fassen, weil er am Ende doch sehr auf der Unübersetzbarkeit gewählter Formen beharrt, sodass diese lakonisch humorvolle Schilderung eines Alltags mit zahllosen Wiederholungen und kleinen Variationen eine Erfahrung von Alltagswirklichkeit vermittelt, die zwischendurch in ihrer Monotonie und mit vielen kleinen Rüskschlägen ganz furchtbar rüberkommt, um dann allmählich in ein ausgesprochen versöhnliches Ende zu müden. Mit dem Thema einer nicht genau bestimmbaren Sehnsucht, der Begrenztheit des Geistes und der Lust an der Kultur hat er sehr viel mit "Only Lovers Left Alive" gemeinsam, ist aber etwas minimalistischer & ruhiger und dürfte wohl zu Jarmuschs sperrigeren Arbeiten zählen; ist dabei aber sehr sympathisch & menschlich und besitzt einen überwiegend angenehm leisen, zurückhaltenden Witz. (Und neben "Arrival" ist es die zweite große "Abbott & Costello"-Hommage des Jahres... und einen schönen "Island of Lost Souls"-Kinobesuch gibt es ebenfalls.) 8/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Butzemann

Zitat von: Dale Cooper nach  3 Dezember 2016, 16:43:54

Leichte Abzüge gibt es dennoch für den inhaltlich überladenen Schluss, der zwar eine Art Auflösung bietet, aber gleichzeitig neue und ungeklärte Fragen aufwirft. An einer guten Note ändert das jedoch nichts-
8/10

LG
Fabian


Welche neue und ungeklärte Fragen meinst du? Finde das Ende war ein Ende. Für mich ergaben sich da eigentl. gar keine Fragen mehr.
Version 2.0 [ http://blog-plus.de ]

Heimkino [ http://www.bluray-disc.de/blulife/heimkino/butzemann ]


"Von all den Dingen die mir sind verloren gegangen, hab ich am meisten an meinen Verstand gehangen"

Hedning

Hit and Run (USA 2009)
Wenn die junge Mary reichlich angeheitert von einer Party aufbricht und mit dem fetten Truck durch den Wald brettert, kann man sich schon vorstellen, dass sie da jemanden oder etwas auf dem Kühler mitbefördern wird, was dann eine Reihe von Horrorereignissen auslöst - dafür muss man kein Genrefachmann sein. Dank der sympathischen Laura Breckenridge, die die Hauptfigur für den Zuschauer auch in ihren Fehlentscheidungen gut nachfühlbar verkörpert, schlägt sich der vermeintliche Horror von der Stange, "direct to Video" veröffentlicht, letztlich doch sehr anständig. Auf Antagonist Timothy (Kevin Corrigan) wird etwas wenig Wert gelegt, man erfährt kaum etwas über die Figur. Außerdem scheinen die Autoren (Diane Doniol-Valcroze, Arthur Flam) bzw. Regisseur Enda McCallion mitunter nicht so recht zu wissen, ob das Geschehen einen übernatürlichen Hintergrund hat oder nicht. Zumindest in einer Szene wird das Phantastische auf ziemlich verwirrende Weise angedeutet, was dann zusammenhanglos für sich steht und den Eindruck erweckt, dass man einfach hier und da im Horrorgenre bestimmte Bilder zusammengeklaubt hat. Im Ganzen aber, nicht zuletzt dank einer durch die Schlusspointe gut abgerundeten Geschichte, doch 7/10.

StS

Spike Lee´s ,,Summer of Sam" (1999) ist eine ebenso ambitionierte wie atmosphärische Kombination aus einem ,,True Crime"-Kriminalthriller und einer Milieustudie der betreffenden Zeit, in welcher der selbsternannte ,,Son of Sam" David Berkowitz damals (vom 29. Juli 1976 bis zum 10. August 1977) die Bevölkerung New Yorks in Angst und Schrecken versetzte: Bis zu seiner Verhaftung tötete und verwundete er mehrere junge Menschen - vornehmlich Pärchen in ihren Wagen. Mehr noch als auf die konkreten Verbrechen an sich konzentriert sich der Film weitaus stärker auf die (primär italienisch-stämmigen) Anwohner der betreffenden Stadtteile, in denen Berkowitz seine Taten verübte - inklusive verschiedenartiger ,,Spannungen" in jenem Sommer, in welchem die Region obendrein von einer besonders ausgeprägten Hitzewelle heimgesucht wurde, die schließlich gar zu einem Blackout (samt gewalttätigen Plünderungen) führte. U.a. im Angesicht der bedrückenden Temperaturen und der verbreiteten Angst vor dem Killer, welche irgendwann auch darin mündete, dass sich Bürger bewaffneten und selbst ,,Jagd" auf den Unbekannten machten, ist Lee das Einfangen bzw. Transportieren genau dieser (in gleich mehreren Bereichen) aufgeheizten Stimmung herausragend gelungen. Jene hat er überdies mit verschiedenen ,,brodelnden Konflikten" auf persönlicher/zwischenmenschlicher Ebene angereichert, die stark von Sex, Gewalt, Vorurteilen, Unsicherheiten und individuellen ,,Identitätssuchen" geprägt daherkommen - wie z.B. im Falle des Frisörs Vinny (John Leguizano), der seiner Frau (Mira Sorvino) regelmäßig untreu ist, oder des bisexuellen Ritchie (Adrien Brody), der sich in gewissen Rotlicht-Kreisen bewegt und zudem gern ein britischer Punk-Rocker wäre (speziell die Darstellung jener Underground-Szene New Yorks gefiel mir sehr). Die inspiriert zusammengestellte Besetzung liefert durchweg hochklassige Leistungen ab - bloß empfand ich es als etwas ungünstig, dass ausgerechnet die von Leguizano verkörperte Hauptfigur ein arg unsympathischer Zeitgenosse ist. Im Ganzen ist das Werk eher ,,interessant" als ,,packend", mit über zwei Stunden Laufzeit minimal zu lang sowie gelegentlich auch ein wenig ,,uneben" geraten (auf Lee himself als Reporter hätte ich bspw. locker verzichten können). Die Morde wurden brutal umgesetzt und die ins Surreale tendierenden Szenen mit Berkowitz im Mittelpunkt ansprechend gestaltet, die Musikauswahl ist klasse und das komplette Produktions-Design wunderbar stimmig. Wer ruhigere, mehr auf Atmosphäre ausgerichtete Serienkiller-Filme (á la ,,Zodiac") mag und diesen hier noch nicht kennt, der sollte ruhig mal einen Blick riskieren ...  starke 7/10
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(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Dale Cooper

"Betty Anne Waters" (2010)

Gut gespieltes Drama, das durchaus eine Sichtung wert ist.
Hilary Swank sehe ich sehr gerne, sie überzeugt immer wieder durch sehr authentische Leistungen.
Sam Rockwell verkörpert eine eher unsympathische Figur.
Die Handlung hat keinen wirklichen Höhepunkt und ist letztlich relativ vorhersehbar.
6/10

Max Blank

Breakout (CH 2007) 10/10

Sensationell guter Jugendbanden-Breakdance-Knastkrimi aus der Schweiz.
Obwohl das Machogehabe der Protagonisten bisschen dick aufgetragen
ist macht der Film einfach Spaß und hält die Spannung bis zum (leicht über-
raschendem) Schluß. Das IMDB-Rating von 4,7 kann ich nicht nachvollziehen.

Moonshade

Mal wieder ein "Merci!" in Richtung ARTE, gestern zum ersten Mal seit Ewigkeiten Assayas' Irma Vep ins Programm zu nehmen, mit Maggie Cheung in einer enganliegenden Rolle...  :icon_mrgreen:

Wie fast immer bei Assayas gab es viel zum Dranrumkauen, insgesamt wirkt der Film wie ein Spagat zwischen Filmsatire, Romantikkomödie, Identitätsdrama und Fetish-Chic als Projektionsfläche für die Figuren, die Cheung durch die Produktion begleiten. Zur Abwechslung mal aber wirklich sympathisch und fast freundlich inszeniert, dazu latent erotisch unterwandert.
Es passiert zwar nicht viel und das Meiste sind halbimprovisierte Ego-Szenen halb ausgearbeiteter Figuren, aber man bleibt meistens sehr dicht dran an den Figuren und vieles ist so flüchtig wie der Film selbst. 7,5/10
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

PierrotLeFou

24 Dezember 2016, 01:04:56 #1520 Letzte Bearbeitung: 24 Dezember 2016, 01:07:15 von PierrotLeFou
Tenemos la carne aka We Are the Flesh von Emiliano Rocha Minter

Auch wenn die IMDb-Wertungen ja recht ernüchternd runtergeklettert sind, mochte ich die Hoffnung nicht ganz aufgeben, wurde dann aber doch ziemlich enttäuscht...

"Unterstützt von Alejandro González Ináritu [sic!] & Alfonso Cuarón" steht auf der Rückseite der DVD. Beide tauchen auf der IMDb bloß mit "the director wish to thank"-Angabe unter "Thanks" auf (wie auch Zulawski, an den Minter zwar ebenfalls nicht wirklich erinnert, der ihm aber in seinen Absonderlichkeiten wesentlich näher kommt).

Entscheidender scheint der Umstand zu sein, dass Mexikos Aushängeschild Carlos Reygadas als co-producer beteiligt war. Der ist aber natürlich nicht so massenwirksam wie die Hinweise auf "The Revenant", Harry Potter" und "Gravity"... Aber dessen "Battle in Heaven" wird mit der Oralverkehr-Szene überdeutlich zitiert.
Die beiden Kurzfilme Minters - übrigens sind beide besser als der Hauptfilm, da sie weniger zerdehnt wirken und nicht so nervig mit einer Sex-&-Gewalt-Attitüde kokettieren - lassen auch schön erkennen, dass Reygadas seinen Einfluss sicher hinterlassen hat bei Minter... aber wie Reygadas' erster Kurzfilm, so wirken auch Minters Filme irgendwie unreif und zugleich wichtigtuerisch. Ist ja nicht weiter schlimm, der Regisseur ist erst 26 und die Kurzfilme liegen auch schon zwei, drei Jahre zurück - aber anders als Reygadas (der hier & da auch etwas dick aufträgt und dann das ganz doll Bedeutungsschwangere neben möglichst unscheinbaren Tabubruchszenen ansiedelt und es dann mit erzählerischem Minimalismus ausschmückt, der aber dennoch weitgehend schöne & intelligente Filme dabei zustande bringt) hat Minter seinen prätentiösen Gestus nicht so recht im Griff; und ich fürchte, er hat auch nicht soviel zu sagen...
"Tenemos la carne" erinnert weit mehr als an alle übrigen genannten Filmkünstler an einen anderen lateinamerikanischen Ausnahmekünstler: an José Mojica Marins und dessen "Zé do Caixão"-Saga. In artifiziellen, satt ausgeleuchteten Höhlen und Gängen wird der Titel zelebriert: etwas nihilistisch, etwas blasphemisch, viel Fleisch, wenig Sitten, wenig Tabus, viele Tabubrüche, exzessive Verausgabung... 5-6/10
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Max Blank

28 Dezember 2016, 04:52:56 #1521 Letzte Bearbeitung: 28 Dezember 2016, 16:32:36 von Max Blank
Last Vegas (USA 2013) 3,5/10
Arschlahmer "Senioren-Hangover", Gags die nicht mal den anspruchlosesten Zuseher
begeistern können und ein enttäuschender Cast mit Ausnahme von De Niro der hier
und da Akzente setzt und für die einzigen Lichtblicke in diesem Film sorgt.
Völlig überflüssiger Streifen.


PierrotLeFou

Heute habe das erste Mal "Contact" (1997) vollständig gesehen und damit etwas geschlossen, was ich bisher für eine Bildungslücke hielt... war sicherlich keine, wenngleich der Film für die Geschichte des Genres und in Zemeckis' Schaffen sicherlich eine beachtliche Rolle einnimmt...

Insgesamt wurde ich doch sehr enttäuscht... Die so gerühmte erste Szene ist (wie der Effekt-Bombast gegen Ende) unheimlich schlecht gealtert und die Tonmischung fand ich doch recht ungeschickt. Schlimmer scheint mir, dass die Verhandlung von Glauben und Wissenschaft nicht über platteste Binsenweisheiten hinauskommt. Dass Glauben auch im Rahmen der Wissenschaften eine ganz entscheidende Rolle spielt, kommt hier eigentlich viel zu kurz und Zemeckis beschränkt sich eigentlich bloß auf einen unwichtigen Sonderfall, in dem eine Person das Erlebte durch nichts beweisen kann...
Das wirkt am Ende auch reichlich unlogisch: Weshalb wird in dem Verfahren nun unterschlagen, dass die Kamera 18 Stunden lang etwas aufgezeichnet hat? Weshalb wird der ruinierte Stuhl aus der Kapsel nicht thematisiert? Und ist es wirklich nicht möglich, mittels einer medizinischen Untersuchung festzustellen, ob jetzt jemand z.B. einen Sekundenbruchteil + X Minuten oder 18 Stunden + X Minuten nichts gegessen und getrunken hat?

Und dann wird dem Publikum mit dem Indiz der 18stündigen Aufzeichnung nahegelegt, dass die Erfahrungen der Hauptfigur der Realität entsprechen - und trotzdem wird da vorher so ein enorm ausgewälzter Kindheitstrauma-Strang bemüht, der für eine Einbildungs-Deutung sprechen sollte?

Und die Reise selbst, die dreist "2001" plagiiert (und als eine Art Bindeglied zwischen Kubricks Klassiker und Nolans "Interstellar" fungiert), ist enorm kitschig... Und WENN Filmemacher sich am Unbeschreiblichen versuchen, dann doch bitte mit Leerstellen und ggf. mit entsprechender Symbolik, aber doch nicht mit schönen Bildern und einer Hauptfigur, die sechsmal betont, wie schön, aber unbeschreiblich das alles sei...

Im Mittelteil - zwischen dem ersten Hakenkreuz und vor der Reise - hat er mir sogar ganz gut gefallen, aber insgesamt war das doch eher ein kitschiges, plumpes Rührstück, holperig erzählt, aufdringlich bedeutungsschwanger, teilweise unfreiwillig komisch... und bei Bill Clinton habe ich nen Lachflash bekommen.
Das war zumindest nicht der 90er Jahre Sci-Fi-Klassiker, den ich erwartet hatte... schwache 7/10 würde ich momentan vergeben.
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Max Blank

3 Januar 2017, 19:30:24 #1523 Letzte Bearbeitung: 3 Januar 2017, 19:47:39 von Max Blank
Zwielicht (USA 1996) 8/10
Bitterböser Gerichtsthriller mit überraschendem Ende obwohl es zu erahnen war daß "Aaron" das Ganze nur spielt.

StS

7 Januar 2017, 19:23:25 #1524 Letzte Bearbeitung: 7 Januar 2017, 19:25:28 von StS
,,Supremacy" (2014) ist ein düster-dramatischer ,,Home Invation"-B-Movie-Geiselnahme-Crime-Thriller (u.a. über Vorurteile, Hass, Angst und Kontrollverlust), der auf einer wahren Begebenheit beruht und von einem Angehörigen der ,,Arischen Bruderschaft" (Joe Anderson) handelt, der nach 15 Jahren im Gefängnis entlassen wird und noch am selben Tag im Rahmen einer Verkehrskontrolle einen farbigen Polizisten erschießt - worauf er und seine drogensüchtige Begleiterin (Dawn Olivieri) auf ihrer Flucht vom Tatort in das Eigenheim einer mehrköpfigen afroamerikanischen Familie eindringen und dort im Laufe der verstreichenden Stunden (zunehmend verzweifelter) einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage zu erkennen bzw. zu finden versuchen...

Die Rassismus-Thematik nimmt einen zentralen Stellenwert ein, Regisseur Deon Taylor´s Vorerfahrungen im Horror-Genre sind erkennbar und die aufgrund der aufgewühlten Emotionen aller Beteiligten höchst angespannte Situation sorgt dafür, dass der Zuschauer stets ,,bei der Sache gehalten" wird. Ja, so einige der Entwicklungen sind vorhersehbar und gewisse Verhaltensweisen muten nicht wirklich glaubwürdig an - doch weiß einen das Gebotene über weite Strecken seiner straffen Laufzeit hinweg durchaus ordentlich zu ,,packen", überzeugen die beiden Hauptdarsteller Joe Anderson sowie ein alter, gebrechlicher, nichtsdestotrotz ,,standhafter" Danny Glover und gibt es in Nebenparts überdies noch einige weitere ,,vertraute Gesichter" (wie z.B. Derek Luke, Julie Benz, Nick Chinlund, Anson Mount und Mahershala Ali) zu erspähen...

Kurzum:  Obgleich fern von perfekt, vermochte mich ,,Supremacy" sowohl positiv zu überraschen als auch absolut solide zufrieden zu stellen...  gute 6/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Max Blank

7 Januar 2017, 20:52:51 #1525 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2017, 15:11:03 von Max Blank
Sauna - Wash your Sins (FIN 2008) 5/10
Philosophischer Horror der am Ende des russisch-schwedischen Kriegs (1590-1595)
spielt und mit einem unsinnigen, abrupten Ende aufwartet.  :00000109:

Max Blank

10 Januar 2017, 15:10:00 #1526 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2017, 15:11:46 von Max Blank
Odd Thomas (USA 2013) keine Bewertung
Dieses Effektbombardement war nichts für mich deswegen hab ich nach ca. 10 Minuten abgebrochen.




Stefan M

10 Januar 2017, 22:38:01 #1527 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2017, 22:58:16 von Stefan M
"Incendies - Die Frau, die singt"

Nachdem mich Denis Villeneuve ja so mit "Arrival" komplett umgehauen und dieser einen Film geschaffen hat, der mich beschäftigt wie schon lange keiner mehr (das Stück "On the Nature of Daylight" läuft zudem bei mir rauf und runter), wollte ich mir doch auch mal seine früheren Werke zu Gemüte führen und bin nach "Prisoners", "Enemy" (die ich schon vor "Arrival" kannte) und "Sicario" in seiner Vor-Hollywoodphase gelandet. "Polytechnique", ein Film über einen Amoklauf, hat mir mehr gegeben als Gus van Sants ähnlich gelagerter "Elephant", aber erst "Incendies" hat mich wieder so richtig gepackt.

Im ganz groben Ablauf ähnelt er "Arrival": Wo dort die alles entscheidende Frage nach den Absichten der Außerirdischen über allem thront, steht hier ebenfalls eine große zentrale Frage im Mittelpunkt der Geschichte, die den Spannungsbogen bis zum Ende stets oben hält - und ebenso wie dort wird der Film auch nicht chronologisch erzählt: In "Incendies" wird ein Geschwisterpaar von seiner jüngst verschiedenen Mutter laut Testament auf die langwierige Suche nach Vater und Bruder geschickt - ersteren hielten sie für tot, von zweiterer Existenz erfahren sie erst durch das Testament - und fördert manch schmerzhafte Wahrheiten zutage, nämlich die traurige Lebensgeschichte einer Frau, von der ihre Kinder bislang nichts ahnten. Je mehr Erkenntnisse man über die Hintergründe erlangt, desto näher kommen einem die Figuren. So ist dies ein exzellent gespieltes, zutiefst bewegendes und teilweise schockierendes Drama mit einigen eindringlichen Szenen (wenn man nicht gerade Pegida-Anhänger ist) geworden, das durchaus nachhallt und beweist, daß es schon seinen Grund hatte, warum Villeneuve heute Blockbuster drehen darf. 8/10 mit Tendenz nach oben.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

DisposableMiffy

Mit "Incendies" hat Villeneuve ein cineastischen Kinnhaken sondergleichen geschaffen.
letterboxd.com

Dumm geboren, nichts dazu gelernt und die Hälfte davon vergessen.

Hearing only what you wanna hear and knowing only what you've heard.

Max Blank

17 Januar 2017, 12:24:12 #1529 Letzte Bearbeitung: 25 Oktober 2017, 13:43:56 von Max Blank
Der große Trip - Wild (USA 2014) 9/10
Super Performance von Reese Witherspoon, einzig die vielen Rückblenden auf ihr
früheres Leben haben mir nicht gefallen.

Cold Blood (USA 2012) 1/10
Holprig und amateurhaft inszenierter Thriller mit teilweise unglaublich blöden/peinlichen
Dialogen und Szenen. 1 Punkt gibts für die Atmosphäre und das Setting.