Die letzte Sichtung

Erstellt von MMeXX, 19 November 2012, 13:01:27

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Retro

THUNDER



Als der Navajo-Indianer "Thunder" (Mark Gregory) erfährt, dass in der nähe seiner Heimatstadt in Arizona ein Observatorium gebaut werden soll,
und dafür unter anderem ein Berg, welcher eine alte Indianische Begräbnisstätte enthält zum Teil zerstört wird, versucht er das zu verhindern.
Zunächst auf offiziellem Weg, doch der Vertrag über das Gelände, welchen einst die Regierung mit seinem Großvater abgeschlossen hatte,
bringt ihn weder bei der Bank der Baugesellschaft noch bei der Polizei weiter.
Im Gegenteil, der rassistische Macho-Deputy Barry (Raimund Harmstorf) nimmt ihm das Dokument ab, und verjagt ihn aus der Stadt.
Natürlich kommt Thunder zurück um weiterhin für sein Recht, und das seines Volkes zu kämpfen,
doch jetzt reagiert die Gegenseite in Form von Bauarbeitern als auch der Polizei unter der Führung von Sheriff Cook (Bo Svenson) mit roher Gewalt.
Gewalt erzeugt Gegengewalt- und schon bald fliegen Pfeile durch die Luft, Fahrzeuge explodieren und die kleine Stadt ist quasi im Kriegszustand...

Das ganze klingt natürlich sehr stark nach dem offensichtlichen Vorbild "Rambo", greift aber immerhin auf eine eigene Hintergrundgeschichte,
eben den Problemen der indianischen Bevölkerung in Amerika zurück- und ist zumindest rein optisch mehr als nur anständig inszeniert.
Die tollen Landschaftsaufnahmen machen einiges am Reiz des Filmes aus, der Soundtrack ist leicht Westernlastig angelegt was sehr gut passt,
es gibt genug Action, Verfolgungsjagden und große Explosionen zu sehen- hier hat man offensichtlich durchaus ein höheres Budget reingesteckt.
Trotz all der Action ist "Thunder" eher blutleer inszeniert, was aber nicht negativ auffällt- sondern wieder an das Vorbild "Rambo" denken lässt.
Hauptdarsteller Mark Gregory, im Jahr zuvor als als "Trash", Anführer der "Riffs" im gleichnamigen Film und seiner Fortsetzung bekannt geworden,
kann hier meiner Meinung nach trotz seines niedrigen Alters (zum Zeitpunkt des Drehs gerade 18 Jahre alt) noch mehr überzeugen als zuvor.
Schließlich passt seine eher wortkarge, emotionslose Art gut zur Rolle des stolzen indianischen Einzelkämpfers- auch optisch passt er hier perfekt.
Die Gegenseite wird schön schmierig, fies und rassistisch hauptsächlich von Raimund Harmstorf rübergebracht,
was der Mann hier an rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen ablässt wäre heute absolut undenkbar.
Natürlich gibt es auch negative Punkte, vor allem die deutlich zu sehr in die Länge gezogene Jagd auf Thunder mit dem Lasso in Zeitlupe,
und die Logik muss man schon auch manchmal suchen, so gut hat sie sich versteckt.
Wenn Thunder am Ende mit einer dicken Bazooka im geschlossenen, kleinen Raum! durch Gitterstäbe!! auf ein 3 Meter entferntes Ziel!!! feuert,
und das ganze zwar lustig-leise krachend auch kaputtgeht, fragt man sich dann doch ob das Ding eine Spielzeugwaffe ist.
Das ist aber auch schon das einzige, was mir wirklich (sehr) negativ aufgefallen ist, von ein paar unlogischen Dialogen vielleicht abgesehen.
(Wobei das natürlich auch an der deutschen Synchro liegen kann, werte ich somit mal lieber nicht negativ).
Überhaupt, die Synchro: Gute Sprecher sind durchaus vorhanden, aber irgendwer hat da wohl im Presswerk geschlampt.
Teilweise kommt die Synchro locker eine Sekunde zu spät zum Bild, was durchaus nervig ist- wofür der Film aber nichts kann.
Generell ist die DVD eine Frechheit, nicht nur wie erwähnt beim Ton, auch das nicht anamorphe Bild kommt nicht über VHS-Niveau heraus.
Mir liegt die Schweizer DVD von "Ascot" vor, laut OFDB ist diese geschnitten, was mir aber nicht aufgefallen wäre.
Was allerdings (ab)geschnitten ist, ist das Ende. Der Film bricht einfach abrupt ab, der abspann wurde komplett weggelassen.
Trotzdem wurde ich insgesamt gut unterhalten, Regisseur Fabrizio de Angelis hat hier deutlich ordentlicher abgeliefert, als von ihm gewohnt.

7/10

THUNDER 2



Thunder taucht mitsamt schwangerer Freundin wieder in seiner Heimatstadt auf und wird in der örtlichen Polizeistation,
trotz der Vorkommnisse im ersten Teil, zum Deputy ernannt.
Natürlich passt das dem immer noch schmierigen und korrupten Deputy "Rusty" (eigentlich Barry) nicht,
also hängt er Thunder mal eben einen Mord und Drogendeal an- worauf dieser im Gefängnis landet.
Dort wird er erstmal gezielt schikaniert bis er sich wehrt, und daraufhin vom sadistischen Direktor zwei Wochen lang
in eine kleine Metallbox im Hof gesteckt, welche den ganzen Tag ohne Schatten in der Sonne steht um ihn zu brechen.
Kurz nachdem man ihn dort wieder rausgeholt hat kann er sich allerdings befreien und aus dem Gefängnis flüchten.
"Rusty" ist natürlich klar, dass Thunder nun hinter ihm her ein wird- also jagt er nun nicht nur Thunder,
sondern auch seinen einzigen Freund Thomas, welcher sich bei der Polizei für ihn eingesetzt hat- und seine schwangere Freundin.
Als die beiden sich in der Wüste in Thunder's Versteck mit ihm treffen werden sie auf dem Rückweg von "Rusty",
welcher in einem Hubschrauber auf der Suche nach Thunder ist, entdeckt und beschossen.
Dabei verunglückt der Jeep, Thomas wird eingeklemmt, Thunder herausgeschleudert- und seine Freundin verliert ihr ungeborenes Kind.
Nun wird Thunder richtig sauer. Er besorgt sich Waffen und geht auf die Jagd nach "Rusty"...

Dass Thunder 2 eine direkte Fortsetzung sein soll und ebenfalls von Regisseur Fabrizio De Angelis stammt klingt schon mal gut,
auch dass die drei Hauptdarsteller wieder dabei sind ist positiv- aber warum hat man deren Namen im Film geändert?
Aus Barry (Raimund Harmstorf) wird hier "Rusty", und aus Bill (Bo Svenson) wird "Roger".
Da ist man ja froh, dass Mark Gregory als Thunder seinen Namen auch in der Fortsetzung behalten durfte.
Nach Anspruch oder auch nur Logik (das ganz besonders nicht) sollte man generell besser nicht fragen bei dieser Fortsetzung,
und auch so mancher eigentlich nett anzusehende Stunt wird versaut, wenn man den Stuntfahrer mit Helm überdeutlich erkennt.
War der Vorgänger größtenteils einfach eine Rambo-Kopie, aber vor allem inszenatorisch trotzdem ganz ordentlich,
kriegt man hier auffällig viele Auto-Verfolgungsjagden und entsprechende Blechschäden zu sehen.
Das sieht auch wie im Vorgänger meistens ganz nett aus, ist unterhaltsam und ohne Leerlauf inszeniert,
wirkt aber doch optisch etwas billiger als der erste Teil. Was die letzte Szene im Film sollte versteht am Ende aber wohl niemand...
Ansonsten unterhaltsamer, typischer 80'er Jahre Italo-Action-Trash.

6/10

"Thunder 2" gibt es vom Billig-Label "CTI" auch als DVD, ist aber schon lange nicht mehr erhältlich und wird teuer gehandelt.

THUNDER 3



Ein paar Prolls welche gerne Soldat spielen jagen zum Spaß Wildpferde und schießen diese ab.
Da die Prolls natürlich auch noch ganz böse Rassisten sind, zünden sie am nächsten Tag zum Spaß ein Indianerdorf an.
Das gefällt dem Navajo-Indianer Thunder aber gar nicht, also wird zurückgeschlagen.

Auch Thunder III wurde wieder von Fabrizio De Angelis gedreht, und ist wieder mit Mark Gregory als Thunder in der Hauptrolle- aber sonst?
Als Deputy Sheriff muss hier John Phillip Law herhalten, der diese Rolle bei weitem nicht so ausfüllt wie seine Vorgänger.
Abgesehen von zwei erschossenen Pferden gibt es hier keine Toten oder sonstige gezeigte Gewalt, es wird mit Platzpatronen in die Luft geballert,
wenn mal was explodiert und brennt sind es deutlich erkennbare Miniaturen, wobei man nicht mal auf zusammenpassende Maßstäbe geachtet hat.
Man langweilt sich hier einfach nur 90 Minuten lang und kann kaum glauben, dass diese bisher eigentlich unterhaltsame B-Action-Trash-Filmreihe
mit dem dritten Film so dermaßen in den Sand gesetzt wurde, dass echt alles zu spät ist.

0/10

Retro

RUSH 2 - FINAL GAME



Atomkrieg. Giftgaswolken. Wenige Überlebende. Böse Bubis. Ein Held.

Endzeit in der italienischen Kiesgrube, Verfilmung Nummer 2735 (geschätzt).
Hauptsache die Frisuren sitzen, eine hübsch anzusehende Frau ohne wichtige Rolle oder gar Dialoge ist dabei-
und die (eher spärlich vorhandenen) Muckis der Hauptfiguren glänzen immer perfekt geölt in der Sonne.
Dazu kommt dass sich der Film wie so oft bei diesen Kiesgruben-Schundwerken generell viel zu ernst nimmt,
und dadurch noch peinlicher rüberkommt als es sein müsste.
Da werden schon auch mal mit einem locker herunterhängenden "Giftgasumhang" durch angeblich mit
"in 2 Sekunden tödlichen Gaswolken" verseuchten Gebieten durchfahren, bei den Prügeleien im Bud Spencer-Stil gibt es lustige Italo-Musik,
und von MG-Salven in die Brust durchlöcherte Opfer fallen natürlich grundsätzlich trotzdem nach vorne um.
Mit dem ersten "Rush" hat diese Gurke auch nichts zu tun, der Originaltitel lautet "Rabbia".
Die Darsteller kann man sowieso alle vergessen, die Dialoge ebenso. was bleibt? Actiongülle für einen Trash-Abend mit Kumpels.
Aber selbst da sollte man nicht zu viel erwarten- selbst im Kiesgruben-Genre gibt es sehr viel besseres.

2/10

Wer sich das wirklich antun will besorgt sich besser eine der teuren Hartboxen oder die CMV Trash Collection-Auflage,
welche aber alle nicht mehr zu halbwegs akzeptablen Preisen neu erhältlich sind.
Dort sind dann wenigstens die Actionszenen ungekürzt, aber es fehlen weiterhin mehrere Minuten an Handlung.
In der oben gezeigten FSK 18 VHS-Version gibt es dazu noch diverse, teils deutlich bemerkbare Gewaltschnitte.

Wolfhard-Eitelwolf

10 August 2020, 14:11:07 #1862 Letzte Bearbeitung: 10 August 2020, 14:17:30 von Wolfhard-Eitelwolf
Ghost Cabin

Low Budget-Waldhäuschenspuk um einen Drogenabhängigen, der dort zwischen Rausch und Realität schwadroniert. An für sich funktioniert der überraschungsarme Plot ganz gut und tatsächlich werden punktuell gelungene Effekte/Masken präsentiert (am Ende sogar etwas übertrieben wirkender Gore). Leider krankt der gesamte Film an seiner mäßigen Kameraarbeit (wohl zum ersten Mal habe ich mir die sonst verhassten Farbfilter herbeigewünscht), den bestenfalls mittelmäßigen Darstellern und vor allem der Tiberius-typischen Schrottsynchro. Insgesamt ist der Film für einen Horrorstreifen auch viel zu hell geraten - ob die Kamera schlicht nicht mehr hergegeben hat?!

Gute Ansätze, ansonsten eher verkackt. Knappe 5 / 10

Motherless Brooklyn

Hübsch (aber im trendigen "Netflix-Nahaufnahmen"-Style nicht zu aufwendig) inszeniertes, dialoglastiges Detektivspiel mit Jazz/Noire-Flaire. Insgesamt war mir Edward Nortons Tourette-Charakter dann aber trotz guten Spiels doch zu anstregend, die mindestens 20 Minuten zu lange Story nicht mitreißend genug und die Action viel zu spärlich. Und Bruce Wills ist mittlerweile schon per se ein Minuspunkt.
6 / 10 Fire & Forget

Retro

12 August 2020, 10:49:10 #1863 Letzte Bearbeitung: 12 August 2020, 10:50:46 von Retro
Review steht auch in meinem VHS-Thread,
aber nachdem mir inzwischen die DVD in die Sammlung kam gibt es hier jetzt eine Warnung (unterster Abschnitt):

APEX - DIGITAL MAN - ZUM TÖTEN PROGRAMMIERT



Im Jahr 2073 ist man technisch dazu endlich in der Lage, eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen.
Beim ersten Versuch genau 100 Jahre in der Zeit zurück ins Jahr 1973 zu reisen passiert allerdings ein folgenschwerer Fehler-
und die durch die Zeit geschickte Sonde verändert dadurch den Lauf der Geschichte.
Nun bleibt dem obersten Wissenschaftler Nicholas Sinclair nur noch eine Möglichkeit:
Selbst in die Vergangenheit reisen und versuchen, den Fehler wieder rückgängig zu machen.
Allerdings gerät er so in ein anderes Zeitfenster- welches ihn wieder in seiner Gegenwart ausspuckt- aber in einer völlig zerstörten Welt.
Durch einen beim ersten Versuch eingeschleppten Virus sind fast alle Menschen umgekommen,
und gnadenlose Tötungsroboter, sogenannte "APEX-Einheiten" sind unterwegs um auch die restlichen Menschen zu töten.
Sinclair schließt sich einer Rebellengruppe an, in welcher man ihn zu kennen scheint- und in der einige ihm Bekannte Gesichter sind.
Da er aber in einer Art Parallelwelt steckt erkennt ihn natürlich niemand als den Wissenschaftler, nur als Widerstandskämpfer.
Jetzt hat Sinclair einiges zu tun: Das vertrauen der Rebellen gewinnen, den Widerstand anführen
den Zeitfehler möglichst zu beheben- und natürlich einen Weg zurück in seine eigentliche Zeit zu finden...

Eine Zeitreise-Geschichte mitsamt Parallelwelten. Klingt verwirrend und wie geschaffen für Logiklöcher. Und die gibt es auch durchaus.
Das kennt man aus diversen Filmen mit dem Thema Zeitreise mal mehr, mal weniger- und ich sehe mal großzügig darüber hinweg.
Man muss dem Film auch sein Entstehungsjahr zugute halten, die immer weider mal vorkommenden CGI-Effekte
sind eben auf dem Stand von 1994 und das merkt man überdeutlich. Auch, weil offensichtlich allgemein wenig Budget zur Verfügung war.
Dafür allerdings sieht der Film gut aus, man hat sich wirklich Mühe gegeben das zu Kaschieren und bietet immerhin echte Explosionen.
Auch die APEX-Roboter sehen erstaunlich gut aus, vor allem wenn man bedenkt dass es sich doch nur um Menschen im Plastik-Kostüm handelt.
Generell hat man sich hier auch optisch bei den Locations, sowie inhaltlich ein wenig mehr als in solchen B-Filmen gewohnt um Abwechslung bemüht-
wenn auch manche Idee wie die kurz auftauchenden Menschenfresser eindeutig zu kurz kam.
Die Schauspieler bemühen sich allesamt das ganze professionell rüberzubringen, was meistens auch ganz akzeptabel gelingt.
Allerdings hätte man sich den Kniff mit dem reichlich monoton klingenden Erzähler sparen sollen-
oder einen besseren Sprecher nehmen müssen, was aber natürlich auch an der generell eher mittelmäßigen bis schwachen Synchro liegen dürfte.
APEX ist trotz seiner teils etwas Dialoglastigen Erzählweise kurzweilig, naiv, voller Logikfehler- aber durchaus sympathisch und gut gemeint.
So ganz nebenbei taucht hier auch noch der geniale "Landmaster" aus "Straße der Verdammnis" ein paar mal auf- dafür gibt's einen Bonuspunkt!

7/10

Den Film gíbt es auch auf DVD. Zum einen als Teil der "Trash Collection" in limitierter, und daher teurer und nicht mehr erhältlicher Hartbox von CMV,
zum anderen als oben zu sehende Billigversion "Science Fiction Sensation Vol. 3". Zumindest letztere ist nicht empfehlenswert.
Laut Cover-Angabe ist das enthaltene Bildformat der DVD 1,33:1, was leider nicht stimmt.
Der Film ist in 1,78:1 drauf, was oft und auffällig z.B. abgeschnitten Köpfe zur Folge hat, zumal seitlich nicht mehr zu sehen ist als auf der VHS.
Auch generell ist das bild zwar besser als das der VHS, aber für eine DVD ziemlich schwach.

Retro

HIGHWAY ZUR HÖLLE



Charlie und Rachel sind ohne Wissen der Eltern auf dem Weg nach Las Vegas, um dort zu heiraten.
Als ein Polizist auf einem Motorrad hinter ihnen auftaucht wird Charlie nervös, und biegt auf eine entlegene Landstraße ab.
Dort werden sie dann allerdings wirklich angehalten- von einem sehr seltsam aussehenden Cop, welcher Rachel entführt.
Charlie fährt zurück zur letzten Tankstelle, und erfährt dort, dass die abgelegene Straße direkt in die Hölle führt-
und die beiden vom Höllencop aufgehalten wurden, welcher hübsche Mädchen für den Teufel persönlich sammelt.
Er bekommt vom Tankwart ein Auto und eine spezielle Waffe- und macht sich auf den Weg in die Hölle.
Diese entpuppt sich als ziemlich heisse Wüste mit extrem seltsamen Bewohnern...

"Highway zur Hölle" ist ein absolutes Highlight, ein Fantasy-Comedy-Horror-Action-Roadmovie mit vielen abgedrehten Ideen,
tollen Darstellern, netten Effekten und gewollt bekloppten Dialogen.
Der Film nimmt sich in keiner Sekunde ernst, bietet F/X von Steve Johnson, und macht einfach immer wieder Spaß.
In Nebenrollen tauchen Ben Stiller nebst Schwester Amy und Vater Jerry Stiller, sowie Lita Ford auf.
Man sollte hier auch auf Kleinigkeiten achten, die "Hand"schellen des Höllencops sind Kult-
und wer generell alles in der Hölle unterwegs ist, sorgt ebenfalls für so einige Überraschungen und Lacher.
Beste Unterhaltung für alle, die etwas mit schrägem Humor anfangen können!

10 von 10 Stinkbieren!

Die BD ist im Gegensatz zur 4:3 VHS in 16:9, was in diesem Fall allerdings nur weniger Bild oben und unten bedeutet.
Seitlich gibt's nicht mehr zu sehen, aber zumindest fällt kaum auf dass Bildinformation fehlt.
Wer die Vollbild-Version nicht nahezu auswendig kennt wie ich, wird es wohl überhaupt nicht bemerken.
Bild und Ton sind sehr gut, wer sich das Mediabook leisten will wird nicht enttäuscht sein.

Private Joker

The Closet (SK/2020).

Entwarnung mal gleich vorweg: Der spielt nicht auf oder in einer Toilette, titelgebend ist ein "Schrank". Vielleicht hätte man den hierzulande besser eingedeutscht oder einen sinnträchtigen Titel erfunden ("Das Böse aus dem Wandschrank").

Eigentlich kann man dem asiatischen Horrorkino - anders als bei manchen Industrieprodukten - nicht vorwerfen, einfach die Erzeugnisse des Westens zu kopieren, eher im Gegenteil (The Ring). Hier wird allerdings überdeutlich das aus dem Wanverse bekannte Geisterfilmschema (es spukt, jemand verschwindet, ein/mehrere Profigeisterjäger schalten sich ein, es gibt eine Rettungsmission in die andere Dimension) übernommen. Und da der Teil mit dem Geisterjäger - ohnehin häufig der schwächere - auch noch sehr früh beginnt und überdies das entsprechende Figürchen (gewollt ?) eine ziemliche Lachnummer ist, bleibt das ein recht durchschnittlicher Geister/HH-Horror ohne wirkliche Höhepunkte. Und die großartige menschliche Tiefe, die die südkoreanische Kritik lt. Wiki entdeckt haben will, konnte ich ich auch nicht erkennen.

4,5/10

Watchmen "Ultimate Cut"


Den gab es die Tage mal für 1,99 bei einige Streamern, das fand ich schon angesichts der Lauflänge (3h 35min - netto etwas weniger) mal ein faires Angebot. Und vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf Snyders "Justice League Directors Cut", der ja auch bald kommen soll.

Mir hat die Kinoversion damals gut gefallen, wenn sich auch längst nicht alles komplett im Gedächtnis eingebrannt hat - eher einzelne Szenen wie der Gefängnisausbruch und Dr. M. auf dem Mars -, so dass ich die Unterschiede nicht sofort und ohne Hilfe von SB.com benennen könnte. Außer dem augenfälligsten natürlich, dem hinzugefügten Trickfilm "Tales of the Black Freighter". Für sich genommen ein ganz interessantes Feature, das auch szenisch ganz clever angedockt ist, das objektiv gesehen aber trotzdem wenig mit dem Inhalt oder der Stimmung des Restfilms zu tun hat. Und so verstärkt der U.C. nur den Eindruck, den man ansatzweise auch von der Kinoversion haben konnte: Dass das vielleicht schon etwas viel ist für nur einen Film, eher ein Konglomerat mehrer für sich genommen guter Teil- oder Kurzfilme (allein der Vorspann, ohne Frage einer der besten aller Zeiten, ist schon ein kleiner Kinofilm für sich).

Schlechter oder langweiliger machen die neuen Szenen den Film aber auch auf keinen Fall. So von mir unveränderte 8/10 und die Hoffnung, dass bei der Justice League eine deutlichere Verbesserung zu sehen sein wird - der hat das allerdings auch sehr viel nötiger.

P.S. Warum der jetzt ab 18 statt ab 16 ist, kann ich auch nicht so recht nachvollziehen - der Trickfilm soll's Schuld sein, aber im Vergleich zu den nach wie vor sehr harten Szenen des Realteils ist das eher lachhaft, mMn.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

The Wind (2018)

Der wird als "Horror-Western" angekündigt, aber ehrlich gesagt: Irgendeine sinnvolle Synthese aus echten Western- und Horrorelementen gelingt hier nicht, ist vielleicht auch gar nicht gewollt. An dem Westernschauplatz hat die Regisseuse offenbar nur die hier problemlos genierbaren Gefühle von Einsamkeit und Verlassenheit gereizt, wobei nebenbei auch das Budget sagen wir mal nicht überstrapaziert wird. Und da sind wir wieder am entscheidenden Punkt, denn das ist erneut eine eher arthouslastige Grusel-Fingerübung wie "The Lodge" - Zufall, dass vor allem Frauen sich so etwas ausdenken bzw. es realisieren ?

Aber wie The Lodge ist das auch als Genrefilm durchaus konsumierbar, mit ein oder zwei Momenten, die mich wirklich erschreckt haben, und das ist zuletzt eher wenigen Filmen gelungen. Auch der Dreh, die Existenz des Übernatürlichem offen zu lassen und wahlweise in die Abteilung "Wahnsinn der Hauptfigur" zu verorten, ist durchaus akzeptabel, auch wenn die Schlussszene eine gewisse Trost- und Ratlosigkeit beinhaltet. In der Hauptrolle durchweg sehr gut gespielt, wobei die wie der ganze Filme eine bessere Synchro verdient hätte. Überdies hätte ich die ständigen und zT mühsam erkennbaren Zeitsprünge nicht unbedingt gebraucht. Trotzdem solide

7,5/10

Why don't you just die!

Nach "Come to Daddy" noch so ein Festivalkultfilm, dessen Kultigkeit sich allein und im Heimkino kaum erschließt. Die Grundidee, vermutlich mal wieder aus Budgetmangel geboren, ist leidlich originell, sozusagen eine blutige Boulevard-Komödie mit beschränktem Schauplatz. Aber der Schwung der ersten Szenen (Stichwort Hammer) erlahmt schnell; auch zwischendrin mit Momenten, blutigen und anderen, aber trotzdem: Der zieht sich ganz schön, und das Ende ist auch nicht so toll

5/10

Diener der Dunkelheit (2019)

Na das ist mal ein echt schwacher deutscher Titel - das Orginal ("L'uomo del labirinto") ist da viel treffender. Ich bin mit dem Vorgänger ("Nebelmann") vom Carisi, der hier erneut als gestalterischer Alleinunterhalter auftritt, nicht so recht warm geworden. Auch der hier ist gewöhnungsbedürftig bis leicht strange; unverkennbar ist das Bemühen, den Zuschauer ständig auf falsche Fährten zu locken, oder von mir aus in das originaltitelgebende Labyrinth. Aber er ist durchaus fesselnd, die Kulissen sind einfallsreich, und die zwei alten weißen Männer in den Hauptrollen zeigen der schauspielernden Jugend immer noch locker, wo in dem Beruf der Hammer hängt.
Gegen Ende wird es dann ein bisschen viel mit den Drehs, wobei vor allem die letzte Szene noch mal nachhaltig Rätsel aufgibt.

Für die Erstsichtung knapp 7/10, ob das bei einer Zweitsichtung so bliebe, ist fraglich. Ich fürchte, dass da ein oder zwei Purzelbäume zu viel für die Logik geschlagen wurden und einem das dann auch schnell auffällt.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Retro

Damit dieser nette kleine Film nicht untergeht...
Vor kurzem erst leicht gekürzt auf VHS gesehen und im VHS-Thread vorgestellt, fand ich den definitiv gut genug
um mir die seit kurzem erhältliche ungekürzte DVD ins Regal zu stellen und die VHS aus der Sammlung zu nehmen:

CLINT HARRIS - MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND



Der CIA-Agent Clint Harris war im Dienst ein paar mal zu oft übereifrig, was ihm die Versetzung in ein kleines Kaff in Honduras einbrachte.
Dort langweilt er sich hauptsächlich, und verbringt seine Zeit mit Alkohol und Nutten.
Als er die Nachricht erhält dass seine Mutter und sein Bruder getötet wurden, reaktiviert er alte Kontakte zum CIA und einem Kumpel aus Vietnam-
und startet mit dessen Hilfe einen privaten Rachefeldzug im Glücksspiel und Drogenmilieu...

Abgesehen von der zwar schön gefilmten, aber leider vollkommen lächerlich deutlich zu schnell ablaufenden Verfolgungsjagd am Anfang
kann ich dem Film nicht viel ankreiden. Warum man damals (durchaus relativ oft) auf die Idee kam dass ein schneller ablaufender Film
vor allem Autorennen rasanter machen soll ist mir ein Rätsel- das wirkt in wirklich jedem mir bekannten Fall einfach nur lächerlich und störend.
Ansonsten bietet "Clint Harris" einen typischen 80'er Jahre Actionfilm, gut besetzt, leicht prollige Dialoge, rasant gefilmt wenn es darauf ankommt-
vor allem natürlich am Anfang und dem Ende, aber auch einem bei solchen Filmen oft erlebten kleinen "Durchhänger" in der Mitte des Films.
Trotzdem muss ich insgesamt sagen, dass man mit dem Charakter Clint Harris gerne eine eigene Filmreihe hätte starten können,
Wings Hauser gefällt mir in dieser Rolle ausserordentlich gut, vor allem auch da er sich selbst zwar nicht ernst nimmt, aber nie ins peinliche abdriftet.
Das schöne Cover, welches ausnahmsweise sogar wirklich komplett zum Film passt, rundet das Gesamtbild positiv ab.

7/10

Private Joker

8 September 2020, 16:56:45 #1868 Letzte Bearbeitung: 8 September 2020, 23:40:38 von Private Joker
The Turning / Die Besessenen (2020)

Ich bin ja eigentlich immer froh, wenn sich für meinen wöchentlichen Horrorabend ein Film einfindet, der sich durch einen Kinostart, eine bekannte Vorlage, eine vernünftige Machart (dazu gehört auch eine Non-Porno-Synchronisation) und andere Merkmale von der reinen Videotheken- (oder heute Streaming-)ware unterscheidet. Der gehört eindeutig dazu: Ein ordentliches Budget und damit zusammenhängend eine ansehnliche Kulisse, einige (wenige) unpeinliche Effekte, gescheite Schauspieler (u.a. Aushilfs-Terminatrix Davis), so weit passt das - gepflegter Grusel eben, nicht wirklich erschröcklich, aber absolut herbstkompatibel ...

... bis zum Ende halt, das dem Film im Alleingang das fürchterliche "F" der US-Audiencepolls eingebracht hat. Bei aller Kritik, die ich gleich auch äußern werde - das ist unfair. Nur weil der Schluss für Klein-Redneck-Ronnie nicht verständlich oder allgemeinkompatibel genug rüberkommt, gleich zur Tiefstnote zu greifen, ist mehr als engstirnig. Was nicht bedeutet, dass ich das Ende rundum gut finde - dazu ist der Bruch zum Rest des Films doch zu groß. Wenn das ganz oder teilweise wirklich nur eine Wahnvorstellung der Hauptfigur sein sollte (so deute ich die Schlusszene mal), sind etliche Szenen der Restlaufzeit sinnlos (zB der mit der Puppe, die sich von selbst dreht), und wirklich vorbereitet wird das auch eher nicht. Man (oder ich) empfindet die Hauptfigur eigentlich die ganze Zeit über als normal oder sogar sympathisch und eher ihr Umfeld als durchgeknallt.

Vielleicht hätte man das Verhältnis von verwendetem Schluss und alternativem Ende umdrehen sollen, zumal eine Schlüsselszene aus der Alternativvariante (Spinne / Mund) ja auch im Trailer war. So nur knapp 6/10, trotzdem einen Blick wert für Softgruselfans.

The Kill Team (Sky)

Sehr nüchterner, faktenbasierter Irakkriegsfilm um dortige US-Kriegsverbrechen, über Täter und Mitläufer. Gut gemeint, aber das ist unter dem Strich nur ein vergiftetes Kompliment, denn der ist echt unaufregend. Und irgendeine Schärfe entwickelt er auch nicht, gerade die Hauptfigur blieb mir bis zum Ende seltsam fremd. Dass der kurz vor Schluss selbst zum Kriegsverbrecher wird, finde ich genauso erstaunlich wie die Leichtigkeit, mit der das alles dann am Ende aufgeklärt wird und vor Gericht landet.

Aber wer bin ich denn, die Realität zu kritisieren. Nur ist die eine oder andere Reportage aus der Ecke wirklich spannender. 5/10.

Aniara (Amazon)

Noch so ein Film, der sich eigentlich schon von der Prämisse her jeder Kritik von Banausen wie mir entzieht: Basierend auf einem "SF-Versepos" eines leibhaftigen Literaturnobelpreisträgers, was kann da schon schiefgehen ?

Wobei der Kunstanspruch, und das erlaube ich mir dann doch anzumerken, auf der Leinwand nicht so recht ankommen will. Weil das Raumschiff zwar von außen leidlich gut, im Inneren aber wie ein Einkaufszentrum aussieht. Und weil die Charaktere auch relativ banal rüberkommen, was aber sicher schon irgendwie gewollt ist. Wenn man das, was da in meiner Einleitung steht, nicht wüßte, könnte man auch auf so ketzerische Gedanken kommen wie "das ist ja Avenue 5 ohne die ganzen schlechten Witze."

Aber irgendwie fand ich den mit der soliden Weltraumstimmung, den Zeitsprüngen, den freizügigen Sexszenen und dem nachdenklichen Ende jetzt auch nicht wirklich schlecht. Wenn ich das in Punkte kleiden sollte, wären das sicher auch so um die 6/10, aber ich gebe zu, das ist extrem subjektiv. Der entzieht sich einfach ein wenig einer durchgehenden Bewertung.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Butzemann

Zitat von: Private Joker nach  8 September 2020, 16:56:45The Turning / Die Besessenen (2020)

Ich bin ja eigentlich immer froh, wenn sich für meinen wöchentlichen Horrorabend ein Film einfindet, der sich durch einen Kinostart, eine bekannte Vorlage, eine vernünftige Machart (dazu gehört auch eine Non-Porno-Synchronisation) und andere Merkmale von der reinen Videotheken- (oder heute Streaming-)ware unterscheidet. Der gehört eindeutig dazu: Ein ordentliches Budget und damit zusammenhängend eine ansehnliche Kulisse, einige (wenige) unpeinliche Effekte, gescheite Schauspieler (u.a. Aushilfs-Terminatrix Davis), so weit passt das - gepflegter Grusel eben, nicht wirklich erschröcklich, aber absolut herbstkompatibel ...

... bis zum Ende halt, das dem Film im Alleingang das fürchertliche "F" der US-Audiencepolls eingebracht hat. Bei aller Kritik, die ich gleich auch äußern werde - das ist unfair. Nur weil der Schluss für Klein-Redneck-Ronnie nicht verständlich oder allgemeinkompatibel genug rüberkommt, gleich zur Tiefstnote zu greifen, ist mehr als engstirnig. Was nicht bedeutet, dass ich das Ende rundum gut finde - dazu ist der Bruch zum Rest des Films doch zu groß. Wenn das ganz oder teilweise wirklich nur eine Wahnvorstellung der Hauptfigur sein sollte (so deute ich die Schlusszene mal), sind etliche Szenen der Restlaufzeit sinnlos (zB der mit der Puppe, die sich von selbst dreht), und wirklich vorbereitet wird das auch eher nicht. Man (oder ich) empfindet die Hauptfigur eigentlich die ganze Zeit über als normal oder sogar sympathisch und eher ihr Umfeld als durchgeknallt.

Vielleicht hätte man das Verhältnis von verwendetem Schluss und alternativem Ende umdrehen sollen, zumal eine Schlüsselszene aus der Alternativvariante (Spinne / Mund) ja auch im Trailer war. So nur knapp 6/10, trotzdem einen Blick wert für Softgruselfans.

Danke für die Kritik; den wollte ich schon beinahe links liegen lassen, obwohl ich seit Halt and Catch Fire und der Black Mirror Folge San Junipero die Davis echt gern sehe und sie und die 6/10 auch den Aussschlag geben mir den jetzt doch noch anzusehen  :backen:
Version 2.0 [ http://blog-plus.de ]

Heimkino [ http://www.bluray-disc.de/blulife/heimkino/butzemann ]


"Von all den Dingen die mir sind verloren gegangen, hab ich am meisten an meinen Verstand gehangen"

Retro

9 September 2020, 00:37:48 #1870 Letzte Bearbeitung: 9 September 2020, 00:44:58 von Retro
DEATH GAME - DAS SPIEL MIT DEM TOD



In einer TV-Show werden Todeskandidaten aus dem Knast vor schwere Aufgaben gestellt.
Wer diese schafft, darf überleben. Vielleicht.
Als ein Fehler passiert und der Moderator versehentlich eine alte Dame killt, sinnt deren Sohn auf Rache...

Was ist das denn für eine Scheisse? Komödie? Satire? Müll? Ja, das letzte trifft's.
Miserabel gespielt, billigst aufgezogen und unlustige "Gags" rund um die Todesstrafe.

0/10

PierrotLeFou

Zitat von: Private Joker nach  8 September 2020, 16:56:45The Turning / Die Besessenen (2020)

Ich bin ja eigentlich immer froh, wenn sich für meinen wöchentlichen Horrorabend ein Film einfindet, der sich durch einen Kinostart, eine bekannte Vorlage, eine vernünftige Machart (dazu gehört auch eine Non-Porno-Synchronisation) und andere Merkmale von der reinen Videotheken- (oder heute Streaming-)ware unterscheidet. Der gehört eindeutig dazu: Ein ordentliches Budget und damit zusammenhängend eine ansehnliche Kulisse, einige (wenige) unpeinliche Effekte, gescheite Schauspieler (u.a. Aushilfs-Terminatrix Davis), so weit passt das - gepflegter Grusel eben, nicht wirklich erschröcklich, aber absolut herbstkompatibel ...

... bis zum Ende halt, das dem Film im Alleingang das fürchterliche "F" der US-Audiencepolls eingebracht hat. Bei aller Kritik, die ich gleich auch äußern werde - das ist unfair. Nur weil der Schluss für Klein-Redneck-Ronnie nicht verständlich oder allgemeinkompatibel genug rüberkommt, gleich zur Tiefstnote zu greifen, ist mehr als engstirnig. Was nicht bedeutet, dass ich das Ende rundum gut finde - dazu ist der Bruch zum Rest des Films doch zu groß. Wenn das ganz oder teilweise wirklich nur eine Wahnvorstellung der Hauptfigur sein sollte (so deute ich die Schlusszene mal), sind etliche Szenen der Restlaufzeit sinnlos (zB der mit der Puppe, die sich von selbst dreht), und wirklich vorbereitet wird das auch eher nicht. Man (oder ich) empfindet die Hauptfigur eigentlich die ganze Zeit über als normal oder sogar sympathisch und eher ihr Umfeld als durchgeknallt.

Vielleicht hätte man das Verhältnis von verwendetem Schluss und alternativem Ende umdrehen sollen, zumal eine Schlüsselszene aus der Alternativvariante (Spinne / Mund) ja auch im Trailer war. So nur knapp 6/10, trotzdem einen Blick wert für Softgruselfans.
Ich mochte den auch halbwegs, wenngleich das Ende mir eine große Schwachstelle zu sein schien. Die wurde mMn leider durch das alternative Ende nicht ausgebessert, welches aus andere Weise ähnlich missraten ist...
Beide Male wird zu einer jeweils anders ausgerichteten Eindeutigkeit gegriffen, die ich bei einer "Turn of the Screw"-Verfilmung nicht brauche... andererseits sind die Drehbuchautoren zuvor ja auch nicht unbedingt durch Subtilität aufgefallen...

Davon abgesehen war diese Verfilmung vorher einigermaßen stimmungsvoll und hat nochmals Nuancen des Stoffes beleuchtet, die zuvor weniger herausgestellt worden waren...
"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Private Joker

Zitat von: PierrotLeFou nach  9 September 2020, 17:16:09ch mochte den auch halbwegs, wenngleich das Ende mir eine große Schwachstelle zu sein schien. Die wurde mMn leider durch das alternative Ende nicht ausgebessert, welches aus andere Weise ähnlich missraten ist...
Beide Male wird zu einer jeweils anders ausgerichteten Eindeutigkeit gegriffen, die ich bei einer "Turn of the Screw"-Verfilmung nicht brauche... andererseits sind die Drehbuchautoren zuvor ja auch nicht unbedingt durch Subtilität aufgefallen...

Davon abgesehen war diese Verfilmung vorher einigermaßen stimmungsvoll und hat nochmals Nuancen des Stoffes beleuchtet, die zuvor weniger herausgestellt worden waren...

Dabei ist zu bedenken, dass das alternative Ende nur eine - auch im Vergleich zum verwendeten -  relativ kurze Szene ist und man nicht genau weiß, wie das an den Film "angedockt" wäre. Ich denke, da wären noch ein oder zwei Überleitungssequenzen oder noch eine weitere Finalszene gekommen (zB die mit der Psych-Klinik, das hätte dann zumindest ansatzweise Sinn gegeben - der Zuschauer hätte spekulieren können, ob die Nanny über die Ereignisse verrückt geworden ist oder es von Anfang an war). Alles Theorie, aber das meiste besser als das genutzte Finale.

Aber wo ich gerade hier bin - zuletzt war ich mehr zufällig über zwei deutsch-(oder ähnlich-)sprachige Genrefilme gestolpert

Marlene
(Österreich 2020) Amazon

Seltsam - spinnt die grottige Suchfunktion der Ofdb so total oder ist der hier wirklich nicht eingetragen, wo sich mittlerweile fast jedes obskure Machwerk tummelt ?

Klar, das ist ein im Kern schon Independent-Kino, aber ähnlich wie "Schneewittchen" aus Deutschland durchaus mit Professionalität, Engagement und Sinn für das Genre - irgendwo zwischen Gangsterdrama, schwarzer Komödie und Romanze - gemacht. Und mit viel Blut - Herzblut und Filmblut -, wobei so ein Unterfangen natürlich irgendwann an die Grenzen von Budget und Möglichkeiten des Stoffs stößt. Konkret gerät der Film nach ordentlichem Anfang so ziemlich zeitgenau mit dem Verschwinden der Frau aus der Handlung in arge Untiefen, soll heißen, in der Mitte zieht es sich ziemlich (zB die Sequenz mit dem Kumpel oder Bruder).
Das blutige Finale erfüllt dann wieder die Ansprüche, die man an einen Film dieser Preisklasse stellt - nicht ausufernd, aber mit Tempo und schwarz-roten Humor.

Bei objektiver Betrachtung müsste man da auf etwa 5/10 kommen, aber von mir gibt es mindestens eine Sympathiepunkt drauf.

Freaks (Netflix)

Holla, das ist ja mal eine Combo auf der Produktionsseite - Netflix und "das kleine Fernsehspiel" des ZDF (nein, ich sage es diesmal nicht...).

Aber warum denn nicht ? Wer mit entsprechend gedämpfter Erwartung hereingeht, wird jedenfalls nicht schwer enttäuscht. Die Normalos und Kleinbürger, der Penner und der Spätpubertierende als Superhelden, das ist bei aller Ausgelutschheit des Genres gar keine so verkehrte Idee. Ob das als milde Satire gedacht war, weiß ich nicht, aber so ein leicht sarkastischer Witz zieht sich jedenfalls durch das Projekt. Und damit kann man dann auch gleich die nicht zu üppigen Resourcen gut tarnen, unsere Chefheldin darf ihre Kräfte meistens so einsetzen, dass man nur die mitunter recht ulkigen Folgen sieht. Was noch an eher sparsamen Effekten drin ist - ein paar kraftvolle Tritte mit entsprechenden Folgen, Sprünge, etwas Elektrozauber - ist ganz solide, aber so was schütteln die FX-Macher heutzutage dann wirklich mit links aus dem PC.
Für deutsche Verhältnis auch relativ zügig inszeniert, ordentlich besetzt (auch wenn Möhring das arg vernuschelt spielt), manchmal muss es auch einfach nicht "mehr" sein.

7/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Newendyke

Würde wohl auch irgendwie zu Retro's "Filme auf VHS" passen:

Planet of the Tapes

In bisschen mehr als einer Stunde kommen einige (prominente) Nostalgiker, u. a. Kalkofe, zu Wort, die von ihren Erfahrungen mit dem Medium VHS erzählen. Angefangen von der Anschaffung eines sündhaft teuren Rekorders über die Besuche diverser Videotheken bis hin zur Jagd auf die bestmögliche und ungekürzte Fassung eines Films.
Neues gab es nicht zu erfahren, aber ich musste durchweg schmunzeln, da wir hier wohl alle schon mal mit diesen Dingen unsere eigenen Odysseen erlebt haben. Es wurden viele Themen angesprochen, z. B. das Unding PAN SCAN, Marketing Film-Vollverarsche, Haltbarkeit dieser fast unkaputtbaren tapes.

Ein wirklich schöner, kurzer Ausflug mit Gleichgesinnten und eigentlich für jeden alten GFler hier eine Sichtung wert.

7/10


Und dann ging es gleich mal mit meiner eigenen Nostalgietour weiter, als mir dieser Titel von Prime Video empfohlen wurde:

Jaguar lebt!

Meiner Erinnerung nach war das so ziemlich der erste Martial Arts-Streifen, den ich im Beisein meines Stiefvaters angeschaut hab, sonst wurden Bruce Lee & Co. ohne der Aufsicht von Eltern schon konsumiert.
Joe Lewis (the white kickboxing asshole, not the colored boxer hehe) bekommt in seinem Spielfilmdebut alles was Rang und Namen hatte und mal eben schnelles Geld verdienen wollte zur Seite gestellt; Woody Strode, Donald Pleasance, Christopher Lee und Barbara Bach usw. Story ist schnell erzählt; Jonathan (Lewis), der seit dem tödlichen Unfall seines Freundes und Partners dem Geheimdienst G6 den Rücken gekehrt hat, wird beauftragt den Drogenbaron Esteban zu stellen. Auf geht's zur internationalen Hatz auf den bösen Buben und dessen Schergen!
Dieses B-Movie hat alles, was ein recht ordentlich produzierter 70er Actionstreifen so brauchte, einen eingängigen track, feine wenn auch aufs wesentliche reduzierte Schauplätze, eine Handvoll Kämpfe und reichlich doofe Sprüche. Lewis hat zwar nicht mehr als zwei Gesichtsausdrücke, aber er macht seine Sache ganz gut, wenn mir doch die Kämpfe besser und auch länger im Gedächtnis geblieben sind, als sie wirklich sind.
Unterm Strich kann ich nur sagen, wurde ordentlich unterhalten, aber ohne meine Nostalgiebrille wäre ich wohl nicht über die ersten 20 Minuten hinausgekommen ;)

5/10 (+1 Nostalgiebonus)


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)