Die letzte Sichtung: Serien & Dokus

Begonnen von StS, 21 Juli 2022, 10:11:06

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StS

21 Juli 2022, 10:11:06 Letzte Bearbeitung: 31 August 2022, 10:53:31 von StS


In der dramatischen südkoreanischen ,,Netflix"-Crime/Cop-Serie ,,My Name" (2021) schließt sich die Tochter eines getöteten Gangsters der Organisation an, in welcher ihr Vater tätig war, und wird dann wiederum (nach einem harten Training sowie mit dem Boss als Mentor, da ihr Vater dessen bester Kumpel war) als ,,Maulwurf" in die örtliche Polizei eingeschleust: Offenbar war der Killer nämlich ein Cop – vermutlich der Chef des Drogendezernats. Ihr Ziel lautet also: Rache!

Die Grundidee dieser acht Folgen (keine Ahnung, ob es eine zweite Staffel geben wird – die im Fokus stehende Story erfährt auf jeden Fall einen vernünftigen Abschluss) ist eine relativ reizvolle – u.a. weil die Hauptprotagonistin geschickt agieren muss, um nicht aufzufliegen – worüber hinaus sie (und das Publikum) im Verlauf mit diversen Offenbarungen konfrontiert wird und es immer wieder zu ,,brenzligen Situationen" kommt, an denen bspw. andere Kriminelle (Banden, Dealer etc.) beteiligt sind...

Beginnen wir einfach mal mit dem Negativen: Die Verlaufsentfaltung wird regelmäßig durch gewichtige (ruhige) Drama-Elemente/Passagen ,,ausgebremst" – was auf Kosten der Spannung und des ,,Kurzweil-Faktors" geht – ein ,,großer Twist" ist für den routiniert-geübten Genre-Gucker leider ziemlich vorhersehbar und die viel, viel zu häufige Verwendung eines bestimmten kitschigen Songs war einfach eine echt unvorteilhaft-blöde Idee seitens der Verantwortlichen...

Das Positive: Produktionsdesign, Optik und Inszenierung überzeugen (eine angenehme Kombination aus ,,nüchtern" und ,,stylish"), die finale Folge wartet mit einem echt überraschenden ,,Shocker" auf, bis auf bei einem ,,Psycho-Baddie" gibt es kaum ,,Asia-typisches Overacting" zu verzeichnen und die Darsteller machen ihre Sache durchweg gut – allen voran Hauptdarstellerin Han So-hee, welcher man die Toughness ebenso wie die Verletzlichkeit ihrer Figur zu 100% abnimmt...

Und dann wären da noch die blutig-flotten Fights, bei denen nicht selten Klingen zum Einsatz kommen und welche prima choreographiert sowie ansehnlich gefilmt wurden: Packend, ,,gritty" und hart – und nicht so überzogen wie etwa bei ,,the Villainess" oder in den ,,John Wick"-Flicks. Eine Auto-Verfolgungsjagd (samt Crashs und überflüssigem Drohen-Einsatz) gegen Ende war dagegen ,,nicht so prickelnd" – aber hey, an den häufigen und abwechslungsreichen Fights hatte ich echt meine Freude...

6/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Moonshade

Aus der Abteilung Try&Error:

Unbreakable Kimmy Schmidt
Opfer einer Weltuntergangssekte, die 15 Jahre im Bunker lebte, will sich wieder ein Leben aufbauen und geht dafür ausgerechnet nach NY, wo sie zwischen Reichen, Armen, Queers und total Ausgeflippten ungebrochenen Optimismus verbreitet.
Hatte ich mir als schräge Sitcom versprochen, aber was Ellie Kemper und Tituss Burgess da zusammengrimassieren, spottet jeder Beschreibung. Die Drehbücher sind zwar gagintensiv, aber vieles, was an die Wand geschmissen wird, bleibt nicht kleben, die Figuren sind unnahbar und die Skripte sind offenbar unter Einfluss aller möglichen Drogen geschrieben worden. Praktisch jeder redet am jeweils anderen vorbei und am Ende kommt eine absurde Erkenntnis für jeden raus.
Bin ich nicht bekifft genug für oder hab zu viele normale Uppers im Blut, nach 10 Folgen (in denen die Serie sich immer mehr wie eine demente Version der Marx Bros gebärdet) war jedenfalls Schluss, weil mich die Serie nicht auflockert, sondern stresst.

Grace and Frankie
Klang gut: Jane Fonda (als Deluxe-Zicke) und Lilly Tomlin (als Hippie-Zicke) müssen sich mit ihrem Lebensabend arrangieren, weil ihre jeweiligen Männer (Martin Sheen, Sam Waterston) jetzt auch offiziell ein schwules Paar bilden.
War die erste Folge schon eckig bei der Figureneinführung, war die zweite (oho, Kreditkartensperre) eigentlich komplett unkomisch und das will bei 30 Minuten Länge schon was heißen. Behutsam und behäbig wirkt das zu Anfang, wobei die jeweilig ebenfalls derangierten Kinder (echt oder adoptiert) auch nicht eben anziehend wirken. Wohlfeile Upper-Crust-Comedy für ein Ü60-Publikum (notfalls nur im Geiste).
Offenbar ist die erste Staffel halbwegs misslungen, danach wird die Serie für weitere 6 Staffeln immer besser, aber ich hab nicht genug Geduld aktuell, mir eine mies ge-time-te erste Staffel reinzuziehen. Daher Vorwarnung, wer sich daran versucht.

Harry Wild - Mörderjagd in Dublin

Und einmal ZDF: diese 137.Variante von gebildete, aber angejahrte Mama/Oma (Jane Seymour), stolpert über Mordfälle, von denen ihr arroganter Polizistensohn nix wissen will, weswegen sie sich von einem farbigen Oberschüler zweifelhafter sozialen Unterbaus aushelfen lässt, hat mich wegen Vorhersagbarkeit schon binnen 20 Minuten so genervt, dass ich alle Absichten gecancelt habe, das weiter zu schauen. Deutsche mögen faktisch alle britischen Krimis (so sehr, dass sie sie noch schlechter selbst drehen, siehe die Inspektor-Jury-Krimis) , also wird auch das gesehen worden sein. Aber noch eine malerische englische Stadt in flotten Farben und schöner Sonne, dazu die Figuren von der Stange und die Oma, die sich überall reinlügt und mogelt - ich brauchs eigentlich nicht. Da ist sogar die ebenfalls generisch erstellte "McDowell & Dodds"-Serie origineller.
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

Private Joker

Schöne Idee, der Thread ..

Only Murders in the Building (Disney+)

.. gibt er mir doch die Gelegenheit, mal ein bisschen Werbung für die vermutlich beste Crime-/Comedy-Serie seit Jahrzehnten zu machen, ohne gleich einen eigenen Thread zu basteln.

Da weiß man gar nicht, wo man mit dem Lob anfangen soll. Das Setting in dem elitären Wolkenkratzer ist schon mal sehr hübsch, die Figuren perfekt ausbalanciert (in S1 jedenfalls, zur noch nicht beendeten S2 sage ich noch was), Martin/Short/Gomez sind ein geniales Trio ganz ohne Fäuste und der Fall ist genau so kompliziert oder simpel, wie es für die kurzen Episoden gut ist. Reichlich Situationskomik  und ein paar schöne Film-/TV-Anspielungen ("Brazos") sowie solide dosierte Gastauftritte (Sting!) runden das ab. Glatt 9/10 für S.1

S2, die noch nicht so lange läuft, kann das Niveau soweit erkennbar weitgehend halten, leidet allerdings unter den jetzt doch arg überbordenden eitlen Gastauftritten (besonders nervig: Delevingne). Erfolg spricht sich halt herum, und dann wollen alle mal mitmachen. Aber so Sachen wie die mit dem Bild, dem Fahrstuhl oder dem Messer in der Decke waren schon wieder echte Klopfer, also bleiben wir mal guter Hoffnung.

Big Sky (Disney+)

Nach dem Ende seiner Anwaltsserien ist der Producerjurist (oder Juraproducer) David E. Kelley zwar genreseitig vielfältiger geworden, aber es gilt der alte Spruch "'ne Kelley-Serie erkennst Du innerhalb von 10 Minuten". Und wenn es nur an der Parade blendend aussehender Menschen ist, die sich sogar dort tummeln, wo Hollywood sonst nur potthässliche Rednecks und deren Gegenstücke aus den nördlichen Hinterwaldstaaten vermutet. Konkret spielt das im jedenfalls mal in S1 sehr fotogenenen Montana, wo sogar die Corona-Pandemie (die einmal erwähnt wird) nur ein hässliches Abfallprodukt ferner Großstädte ist.

Als Krimi ist das eine leicht strange Mischung aus Serial- und Procedural-Elementen, die fast genauso viele Höhen wie Tiefen hat. Der anfängliche Entführungsfall ist ganz spannend, den zur multiversen staffelüberspannenden Verschwörung auszubauen, gelingt aber nur maßvoll; die Episoden aus S2 auf der Hundefarm, wo der Serienkiller "dressiert" werden soll, sind schlicht lachhaft. Die relativ unvermittelt eingeschobenen Stücke über diese (dann doch) Hinterwäldler-Familie in Season 1.2 kommen irgendwie nicht auf Touren; die Mafiakiste, die weite Teile von S2 bestimmt, ist dann wieder ganz unterhaltsam, aber von der vermutlichen Realität im Drogenbusiness doch wohl sehr weit entfernt.

Auffällig für jemanden, der wie Kelley eigentlich ein bisschen Ahnung von Polizei- und Justiz haben sollte: Die lausige Ermittlungsarbeit in den ersten Folgen um "Roland", den Entführer/Killer. Wie schwer kann es denn sein, einen selbständigen Truckfahrer mit eigenem Gefährt in einem so schwach bewohnten Bundestaat zu ermitteln und seinen Wohnsitz zu finden ? Ich meine, einen 50 Tonner hat auch in den USA jetzt nicht jeder vor der Tür stehen. Klasse dagegen die "Tesla"-Szene.

In der Summe ist das blendend aussehender Edeltrash, bei dem man irgendwie dranbleibt, ohne genau zu wissen warum. Um die 6/10, wobei es da Folgen gibt die klar drunter oder knapp drüber sind.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

31 Juli 2022, 12:36:58 #3 Letzte Bearbeitung: 31 Juli 2022, 12:45:05 von Private Joker
Zur Abwechslung mal ein paar Exemplare aus dem Fernsehprogramm einer fast schon vergessenen Zeit (NBC & Co). Wer sich angesichts mäßiger Wertungen fragt, warum dann bis zum Ende gesehen: Frage ist berechtigt, aber so ab und an läuft bei mir auch mal was zur reinen Zweitberieselung im Hintergrund, wenn ich dann noch mal meine Restzeitungsabos sichte oder ein paar Casual Games dadelle.

La Brea (Sky)

O.K. Das ist wirklich ein Extremfall. Oder ein Beweis für die These, das bei NBC & Co offenbar ab und an mal ein Ideenwettbewerb bei den Praktikanten stattfindet und dann der beste (soll heißen: der am wenigsten scheißige) Vorschlag mit möglichst geringem Budget in eine Serie umgesetzt wird. Dass diese Standard "Mysterykisten" - irgend etwas Seltsames passiert, und dann wird gerätselt und ein bisschen verschworen - in der Regel nur ein, zwei Seasons überlebt haben und am Ende meist komplett in der Luft hängen, scheint da niemanden zu stören.

Konkret: Die Idee um das Zeitloch in L.A ist jetzt irgendwo im Niemandsland von "kann man was draus machen" und "tausend mal gesehen"; aber schon das Personal, das da durchfällt, wirkt wie vo der Resterampe vom Emmerich, die angerissenen Konflikte angesichts der Lage so realitätsnah wie "Lindenstraße 10000 B.C". Die komplette Ausgestaltung der Altsteinzeit, oder was auch immer, ist dann dermaßen dürftig, dass man die Spuren der Mountainbiker im australischen Sand fast noch zu sehen glaubt. Die Krone sind dann wahlweise einige selten schlechte CGI wie das Riesenfaultier und die massenhaft auftauchenden Originalsteinzeitler, die natürlich alle perfekt Englisch sprechen.

Echt lausig. 2,5/10. Soll übrigens noch eine Staffel 2 geben  :wut:

The Endgame (Sky)

Deutlich besser (Kunststück), aber immer noch nicht gut. Auffällig hier vor allem der dreiste Ideenklau: Einige sehen hier eine Version der "Blacklist", dazu gibt es das Anfangsszenario mit den parallelen Überfällen wohl weitgehend aus dem "Haus des Geldes" (ungesehen). Und die Personenkonstellation hat man sich mehr noch als aus der Liste schon wegen der sehr ähnlichen Frauenfiguren aus "Killing Eve" (zT gesehen) ausgeborgt. Gerade der letzte Punkt und die Darstellering der Antagonistin durch Baccarin sind ein echtes Ärgernis, und das sage ich, obwohl ich Morena seit Firefly eigentlich gerne sehe. Die spielt diese SupergangsterIn als unfassbar selbstgefällige Mischung aus "The Brain", Hannibal Lecter und Villanelle/Reddington; und auch ohne der allgegenwärtigen Polizeigewalt das Wort reden zu wollen: Welche Sicherheitsbehörde der Welt würde sich von einer derartig arroganten Gangsterbitch in dem Ausmaß auf der Nase herumtanzen lassen, ohne mal irgendwann zu sagen wir "härteren Mitteln" zu greifen ?
Auch Bathe als fast genauso geniale (klaro) Gegenspielerin bleibt blass, da hat man sich dann offenbar auch die meiste Mühe mit deren ständig wechselnder Frisur gegeben (wie macht die das in dem zeitlikch knappen Szenario?)

Dass "Federova" (blödsinnige Bio für die Brasilianerin Baccarin) dann auch noch teilweise zur "gerechtfertigten Rächerin" und Antikorruptionskämpferin hochstilisiert werden soll, gibt einen weiteren Minuspunkt, der auch nicht komplett ausgeglichen wird durch das minimal vom Schema "ich habe da alles im Detail geplant" abweichende Finale. Als Actionserie ist das übrigens anfänglich ordentlich, der wohl als Producer einiger Folgen involvierte Justin Lin bringt zunächst mal ganz gut Tempo in die Sache. Halten kann man das Niveau mit den Mitteln des TV aber nicht, die Sache mit den verschiedenen Banken wird fix in den Hintergrund gedrängt durch weitgehend dröge Rückblenden.

So um 4/10. Fortsetzung Fehlanzeige, soweit ich weiß.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Moonshade

Das nicht so ganz befriedigende Kombipaket aus Belgien/Türkei (beide Netflix):

Into the Night:
Prämisse ist Programm: irgendwas läuft enorm scheiße mit dem letzten Sonnensturm, der auf die Erde trifft, mit der dummen Folge, dass unmittelbare Sonneneinstrahlung enorm tödlich für alle. Auch für die Leute zu Hause. Auch für die Leute im Keller. Als das noch in Umrissen als seltsames Phänomen durchs Internet geistert, entführt ein Bewaffnet auf dem Brüsseler Airport eine halb leere Passagiermaschine (bei Nacht) und lässt sie unter ominösen Hinweisen in den Himmel steigen. Die Idee: immer schön der Nacht hinterher fliegen in der Nähe des Polarkreises, denn ohne Sonnenaufgang halten die Beteiligten noch ein Weile länger durch...

Ja, eigentlich puzzelt man hier nur alle Klischees aus Extremsituationen und Katastrophenfilmen (Aggros, Futter, Treibstoff, Wahnsinn) noch mal durch, aber die erste Staffel hat dennoch durchaus brauchbares Potential. Da die Prämisse nicht ewig halten kann, setzt man sich dann in Staffel 2 unter einem Staudamm in Bulgarien in die Nesseln, wo dann das böse oder unkontrollierbare Militär ins Spiel kommt. Und die Russen bombardieren noch extra. Gleichzeitig sucht man in einem Saatgutbunker in Norwegen nach der Rettung der Ernährungsfrage.
Staffel 2 tritt zwar manchmal ein wenig Wasser, aber geht auch noch klar, allerdings endet die Chose tatsächlich auf einer hoffnungsvollen Note, wobei man sich allerdings wirklich noch eine 3.Staffel wünscht, in der das hoffentlich alles aufgelöst wird. Für gute 12 Folgen reicht das jedenfalls. (6/10)

Yakamoz S-245:
Und die gleiche Chose nochmals, diesmal aus der Türkei: die gleiche Katastrophe, das gleiche Auslöschen der Menschheit. Sieben Folgen, aber hartes Brot.
Diesmal kommen Meeresbiologen und ein türkische Militär-U-Boot zusammen und gemeinsam taucht man sich halbwegs in Sicherheit.
Hätte gut werden können, erbricht aber nur noch uralte Klischees. Der Käptn zu schwach, der erste Offizier ein hasserfüllter Psycho (das wechselt mit kompetent je nach Szene), die Mannschaft hauptsächlich frauenfeindlich oder depperte Idioten. Die Wissenschaftler ohne jede Finesse, der jugendliche Held ein Alleskönner-Strahlemann, der allen den Arsch rettet. Zwischendurch gibts auch noch Kannibalen - aber entscheidend ist, dass in der letzten Folge quasi ein Crossover der Serien stattfindet. Abgeschlossen ist aber immer noch nichts.

Verlangt also eigentlich in beiden Fällen nach weiteren Staffeln, wobei ich mir die Arschgeigen aus der Türkei eigentlich nicht weiter ansehen möchte, aber die Szenerie stimmt eben.

Ansonsten aber gilt wie in allen realen Krisen aktuell: bei solchen Charakteren ist die Menschheit verloren. (4/10)
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Private Joker

6 August 2022, 23:46:50 #5 Letzte Bearbeitung: 7 August 2022, 02:56:01 von Private Joker
Keep Breathing (Netflix)

Die passste zeitlich (6x~30 Minuten, keine Fortsetzung) gut als Pausenfüller, und erste Stimmen sowie der Trailer sahen auch gar nicht so schlecht aus. Und dann so was...
Aber fangen wir mal vorne an: Prämisse - problemüberlandene Anwalts-Yuppine auf sich alleine gestellt in der Wildnis - und der Auftakt sind eigentlich ganz manierlich. Aber dann brechen im Sekundentakt Rückblenden auf gefühlte 17 unterschiedliche Zeitebenen aus dem Leben der Lady über einen hinein, natürlich bestmöglich antichronologisch angeordnet. Und nicht genug damit, so ein paar von den Figuren aus ihrer Vergangenheit tauchen dann auch noch unvermittelt als Dauerlabergäste in der Wildnisphase auf.

Ob der Survivalteil näherer Betrachtung standhielte, lasse ich mal dahingestellt; ein paar Szenen dort sind mal ganz drollig. Ein echter Höhepunkt bleibt hier allerdings auch aus, vor allem die Prämisse, dass die zwei Mitflieger Gangster sind und die Komplizen mal nach dem Geld schauen könnten bleibt schmerzlich ungenutzt.

Ist aber auch ziemlich egal. Das Gesamtprodukt hat mir ungelogen und physisch Kopfschmerzen bereitet, so sprunghaft ist das. Technisch kompetent, aber almost unwatchable, mMn. 4/10.

Ms. Marvel Disney +

Da gibt es wohl ein gewisses Spannungsverhältnis: Auf RT ist das die am besten bewertete Marvel/D+-Serie seit langem (98%!), auf vielen Foren ist das Interesse eher gering und bei imdb sind die Noten schon relativ niedrig.

Liegt's am jugendlichen Alter der Hauptfigur oder dem indisch-islamischen Hintergrund ? Ich spekulier mal nicht und versuche, das möglichst objektiv zusammen zu fassen. Also die Pluspunkte: Die ist quietschbunt, temporeich und durchaus charmant gecastet und von der Lead auch gespielt. Sogar die Action, wenn sie denn kommt, hat ordentlich Wumms und ist viel schneller geschnitten als im Genre und bei den direkten Vorgängern zuletzt üblich. Weniger schön: Das Drehbuch schlägt die mittlerweile gängigen Volten bei diesen Kurzserien, die Fronten zwischen diversen Geheimdiensten und Superheldenclans sind unübersichtlich. Und als ob die üblichen Teenie-Gefühlswirren nicht genug wären - das islamische Milieu wird mächtig verkitscht (klar, sind ja Inder, etwas vereinfacht, da dürfen die kuppelwütigen Mütter nicht fehlen).

Also: Die guten Kritiken sind irgendwo schon verdient, in der Machart und im Unterhaltungswert liegt die klar vor den etwas trägen "Loki" und "Moon Knight". Richtig meins war es trotzdem nicht. 6/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

StS



,,Anatomy of a Scandal" (2022) ist eine sechsteilige britisch-amerikanische Miniserie aus dem Hause ,,Netflix", welche auf dem gleichnamigen Roman Sarah Vaughans basiert. Verfasst seitens der beiden Profis David E. Kelley (,,the Practice", ,,Boston Legal" etc.) und Melissa James Gibson (u.a. ,,House of Cards" und ,,the Americans") sowie von S.J. Clarkson in Szene gesetzt, welche ja gerade bei dem ,,Spider-Man"-Spinoff-Film ,,Madame Web" Regie führt, wird eine Geschichte über einen hochrangigen britischen Politiker erzählt, der beschuldigt wird, seine ehemalige Geliebte vergewaltigt zu haben – was u.a. zu einem Gerichtsprozess sowie der Auseinandersetzung seiner Ehefrau mit der Situation führt. Wie gut kennt sie ihren Mann wirklich? Inwieweit spielt sein seit jeher bestehendes ,,privilegiertes Umfeld" da eine Rolle – z.B. hinsichtlich seiner Auffassung bestimmter Situationen und Gegebenheiten? Wird die Jury der Aussage des Beschuldigten oder des mutmaßlichen Opfers mehr glauben, da die Beweise keine ,,klare Sprache" sprechen? Und welche Rolle spielt die betreffende Kronanwältin bei all dem – also über ihre Position als Staatsanwältin hinaus...?

,,Anatomy of a Scandal" ist eine leider recht ,,oberflächliche", nichtsdestotrotz unterhaltsame Angelegenheit, in der es mehr um generelle traditionelle/veraltete Gesellschafts- und Geschlechterrollen als den konkreten (aktuellen) Fall an sich geht – und das samt regelmäßiger Rückblenden in die Studienzeit (Stichwort: ,,Schatten der Vergangenheit"). Diejenige, welche den Politiker der Tat beschuldigt, ist eine halb so junge Mitarbeiterin seines Teams – also sind auch Machtverhältnisse mit zu berücksichtigen. Unglücklicherweise taucht ihre Figur in der Geschichte fast nur am Rande auf: Sie wurde anderen ,,inhaltlichen Prioritäten" untergeordnet. Die Umsetzung kommt kompetent, allerdings mit einigen ,,inszenatorischen Gimmicks" ausgestattet daher, die zwar nett anzusehen, im Grunde aber überflüssig sind. Leicht kann man verschiedene Punkte dieser Miniserie kritisieren – doch liefert die gute Besetzung (Sienna Miller, Rupert Friend, Michelle Dockery, Naomi Scott) überzeugende Performances ab, gibt´s am Produktionsdesign nichts zu beklagen und ging der ,,Entertainment-Grad" dieser knapp 4,5 Stunden für mich durchaus in Ordnung...

6/10
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Moonshade

Uncoupled
Netflix hat mal wieder die Beziehungskiste für sich entdeckt, diesmal die schwule und daher kann Neil Patrick Harris diesmal für 8 Folgen nach Herzenslust gegen sein Barney-Stinson-Image anspielen, nur eben nicht in hetero.
Dahinter hängen die "Sex and the City"-Macher und daher gibt es so einige Gemeinsamkeiten, aber so beziehungsflach die Diskrepanz zwischen "schwul vor 20 Jahren" und "schwul aktuell" ausfällt, so amüsant ist das Thema auch diesmal umgesetzt, in der Mischung aus Beziehungskiste, moderne Stadtgesellschaft und Social Media.
Gefühlig, aber meistens lustig, also eine relationship comedy wie geschnitten Brot, aber gut besetzt und gut zum Feierabend zu konsumieren. Löst seine Probleme binnen 8 Folgen halbwegs auf und legt dann Fäden für eine eventuelle Fortsetzung aus, ohne das man gleich mit den Augen rollt. Amüsante 7/10 ohne ewige Halbwertzeit.
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Moonshade

12 August 2022, 12:38:56 #8 Letzte Bearbeitung: 22 August 2022, 17:54:07 von Moonshade
Fett und Fett

Hui, Vorsicht mit angesagten Serien, die auch noch im Spiegel etc beworben werden!
"Fett und Fett" soll (in der ZDF-Mediathek abrufbar) so eine Art Beziehungs- und Gegenwartscomedy mit leichtem Tatortreinigerhumor sein und bisweilen sind die kuriosen Lebensereignisse eines unreifen 30ers, der unfähig ist, seine Lebenswünsche auszuformulieren, wirklich ganz witzig, vor allem weil die häufig nur 1x auftauchenden Nebenfiguren aus München und Berlin etc wirklich irre gut gewählt sind.
Bei 20 min und wie improvisiert wirkenden Plots ist da nicht viel falsch zu machen, aber die Hauptrolle, in der Jakob Schreiber "glänzt" wird binnen weniger Minuten zum unerträglichen Cringe.
Ein alterndes Kind, welches von der Moderne nur eine sehr rudimentäre Idee hat, kegelt sich stotternd und radebrechend durch allerlei Probleme, die jeder 10jährige leichter lösen kann (und genau das geschieht schon in Folge 3), bei denen sein häufigstes Wort "sorry" und sein zweihäufigstes "nett" ist, weswegen das mit den Mädels im Tinderzeitalter auch nicht so einfach ist.
Mag sein, dass diese Trottelfigur vielen gefällt, ich finde sie unerträglich, da wertet auch der Humor der Plots das nicht über eine mittelprächtige 5/10-Wertung.
Ob ich mich noch durch eine zweite Staffel arbeite, (zwischen 1 und 2 lagen 5 Jahre), muss ich mal in einem schmerzbefreiten Moment überdenken. War manchmal besser, dass Chaplin und Keaton selbst meistens geschwiegen haben.


Ergänzung zu Staffel 2:  Die zweite Staffel ist wesentlich reifer und erzählerisch besser als die ersten sechs Nervtöter. Neues und altes Personal, aber die Nebenfiguren sind nicht mehr zufällig, sondern haben einen eigenen Platz und übernehmen auch teilweise einige der Episoden. So ist die "Vor dem Besuch im Sexclub" -Episode mit "Svenja", die eigentlich nur aus einem langen Nicht-Beziehungsgespräch handelt, auf den Punkt, weil sie nicht auf den Punkt ist. Eine Folge gehört Jakschs asiatischem Mitbewohner, eine weitere wird mit ihm geteilt, die letzte Folge hat eine andere Regieassistentin an Jakschs Theater (die bisher nur Kurzauftritte hatte) als Fokus.
Jaksch selbst ist streckenweise etwas erwachsener geworden, allerdings dreht man gegen Ende die Entwicklung relativ einfallslos wieder in die Kinderschuhe zurück.
Also bei knapp unter 5/10 wird bei S2 eine knappe 7/10 draus. Mit einer Sichtungsempfehlung.
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StS



,,Trainwreck: Woodstock '99" (2022) ist eine dreiteilige, knapp 140-minütige Doku aus dem Hause ,,Netflix" mit dem betreffenden Festival-Wochenende im Fokus (eine Folge für jeden Tag), welches damals eigentlich die Tradition von ,,Woodstock 1969" fortführen sollte – relativ schnell jedoch außer Kontrolle geriet und schließlich in einem Fiasko mündete. Rund 200.000 Besucher sahen sich einer ganzen Reihe unfassbarer Bedingungen (Unhygiene, Hitze, überhöhte Preise, Unmengen an Müll, ungenügende Security und medizinische Versorgung etc.) ausgesetzt. Zusätzlich ,,aufgepeitscht" durch Drogen und der aggressiven Musik, kam es zu diversen sexuellen Übergriffen und Randalen – bevor die Veranstalter am Ende obendrein noch auf die blöde Idee kamen, ,,Friedenskerzen" im Publikum zu verteilen, mit denen kurzerhand diverse Feuer entzündet wurden...

Damals war ich 22 und habe viele der Bands gehört, die dort auftraten. Die Musik hier zu wiederzuhören, hat durchaus Erinnerungen geweckt. In der Doku kommen u.a. Gavin Rossdale (Bush), Jonathan Davis (Korn), Jewel und Norman Cook (Fatboy Slim) zu Wort – schildern, wie sie die Veranstaltung erlebten, welche fraglos grandiose Performances bot. Zudem gibt es Interviews mit anderen Zeitzeugen (unter ihnen Mitarbeiter des Stabs, MTV-Moderatoren und Besucher) – plus die zwei für die Veranstaltung hauptsächlich verantwortlichen: Promoter John Scher und Organisator Michael Lang. Jene weisen (traurigerweise) noch immer den Großteil der Verantwortung von sich (man kann Leuten wie Fred Durst (Limp Bizkit) nur ein bedingtes Maß an Schuld zusprechen, Schritte zur Eskalation beigetragen zu haben). Irgendwo musste die ganze ,,Energie" und Wut der Masse ja hin...

Anders als 1969 ging es '99 vorrangig um Gier und Profit – ums Geschäft. Daher wurden Kosten gespart und Preise erhöht. Während die Festivalgänger kein Schatten und keine funktionierenden WCs hatten sowie mit Fäkalien verseuchtes Wasser trinken mussten und das gesamte Gelände geradezu von einer Müllschicht bedeckt war, wurden die Künstler indes ,,fürstlich versorgt". Punkte wie letzteren hätte man durchaus noch intensiver beleuchten können – doch das Behind-the-Scenes-Material ist durchweg interessant anzusehen und das Tempo dieser unterhaltsamen Doku angenehm straff. Freizügigkeit, Drogen, Maskulinität und eine Menge Unmut führten ins Chaos. Aggressiv ,,entlud" sich final alles – u.a. als auch noch der Abschluss der Veranstaltung (nach dem Auftritt der Red Hot Chilli Peppers) enttäuschte: Einige der Szenen/Bilder sind wahrhaft ,,apokalyptisch"...

7/10
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(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

16 August 2022, 01:33:54 #10 Letzte Bearbeitung: 21 August 2022, 13:44:48 von Private Joker
The Tourist - Duell im Outback (ZDF)

O.K., haken wir erst mal das Kleingemecker ab: das "Duell" in der zweiten Titelhälfte ist wohl eher eine Erfindung der deutschen Titelkreativen im Hinblick auf die ersten 5 Minuten, die in der Tat ein wenig an Spielbergs Debüt erinnern, der Rest ist dann doch völlig anders und eher duellfrei gelagert. Und seit wann haben altersschwache australische Kleinstwagen einen Digitaltacho, der auch noch in Kilometern misst ?

Ansonsten: Ja, da bin ich ehrlich, wenn so eine Serie im Vorfeld mit Lob überschüttet wird, gehe ich schon mal gerne in Vorabopposition und schaue vielleicht etwas überkritisch hin. Klar, da hat sich schon ganz ordentlich internationales Talent versammelt, Krimi- und Thrillerroutiniers von der BBC, britischer Hauptakteuer - immerhin international bewährter Frauentyp -, dazu ein paar bekannte Nasen zB aus Island oder Griechenland, ein imposanter Schauplatz sponsored by Touristik Australia, etwas Geld aus good old Germany.

Man ahnt es, ich fand das Ergebnis SEHR durchwachsen. Wenn man die Stärken in der Serienchronologie festmachen will: Der Anfang ist klar besser als das Ende. Die kleine Spielberganleihe hatten wir ja schon erwähnt, das ist ein Einstieg, mit dem man nichts falsch macht. Dazu die auch schon mal gesehene und durchaus bewährte Nummer "Mann ohne Gedächtnis entdeckt, dass er vielleicht nicht der liebenswerteste Kerl unter dem blauen Himmel ist". Mit dem Auftritt von Ólafsson nähert sich die Story einem ersten Höhepunkt, für meinen Geschmack wird der aber viel zu früh entsorgt und findet auch keinen echten Nachfolger in der Bösewichtabteilung. "Die" Griechen sind überschaubar bedrohlich und nerven, und obwohl der Figurenpark durchaus originell ist: Die negativen Gefühle u.a. auf einen übergewichtigen Kontrollfreak zu kanalisieren, der mit der Kernstory so gar nix zu tun hat, ist ein unfairer Taschenspielertrick. Macdonald ist allerdings trotz der öden Verlobungskiste eine der klaren Pluspunkte der Serie.

Apropos Taschenspielertrick: Davon bekommen wir noch eine ganze Reihe zu sehen, vor allem jeweils gegen Episodenende. Kann man machen, ermüdet aber irgendwann und soll wohl übertünchen, dass sich in die einzelnen Folgen dann doch etliche Längen einschleichen. Da wird viel gesprochen, häufig über die Frage, ob man gut sein kann, wenn man mal schlecht war, lange Autofahrten, meist irgendwie im Kreis, relativ überschaubare Action inkl. einer Schießerei, bei der man gar nichts erkennt. Und es gibt eine sehr lange Drogenfantasie, in der die Hälfte der Story aufgelöst wird und die ich ehrlich gesagt etwas anstrengend fand.

Würde man aber schlucken, wenn gegen Ende noch ein Kracher warten würde, entweder in Sachen Action oder eine grandiose Enthüllung. Die Macher entschieden sich eher dafür, da noch ein Art Kreisverkehr einzubauen und das alles auf Anfang zu setzen, sowohl in der Krimihandlung als auch zwischenmenschlich.  Auch das aus der Abteilung "kann man machen", aber die Mehrzahl der Zuschauer mich inklusive werden wohl eher enttäuscht reagieren.

Irgendwie kam ich mit der Serie nicht wirklich klar. Bis ungefähr Folge 3 hätte ich trotz kleiner Schwächen locker 7/10 gezückt, das Ende zieht aber mächtig an der Gesamtnote, vielleicht so in Richtung 5,5/10. Anglophile Zuschauer werden aber in jedem Fall hereinschauen und vermutlich begeistert sein, dazu muss man nur das hier auch verlinkte Review bei wortvogel.de lesen.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Newendyke

22 August 2022, 16:05:26 #11 Letzte Bearbeitung: 23 August 2022, 14:26:51 von Newendyke
Better Call Saul - Serienfinale (inkl. Staffel 5)

Ich bin ja anfangs eher skeptisch gewesen, da speziell Jimmys / Sauls Weg in den ersten 3 Staffeln extrem schleppend voranging, aber spätestens mit S4 nahm auch sein Zug richtig an Fahrt auf. Und ja, fuck, war das ein geiler Ritt bis zum BB/BCS Epilog der letzten beiden Folgen!!!
Zum Inhalt werde ich mich jetzt mal komplett bedeckt halten (wurde selbst schon allein durch Bilder im Netz dezent gespoilert), jedoch der Schluss hat mich eiskalt erwischt. Die letzten 10 Minuten der Serie sind so ziemlich der beste Weg für ein rundes Ende (geilster und auch wirkungsvollster cameo E V E R!!!), auch wenn ich etwas ganz anderes erhofft / erwartet hatte.

Das Hauptproblem, dass ich immer wieder mal mit BB hatte (Skyler White bzw. die White Familie) hat sich hier überhaupt nicht ergeben. Rhea Seehorn / Kim Wexler war von Anfang bis Ende der Hammer, mMn fast schon interessanter ihren Weg mitanzusehen als den der Titelfigur.

Werde mir wohl beide Serien heuer nochmal komplett ansehen, weil's so schön war!

9/10

Edit: ganz vergessen zu erwähnen, ähnlich wie Fring ab S4, haben nun auch Kim und Mike in S6 neue Synchronsprecher spendiert bekommen... Frau Galdy ist leider verstorben und Herr Haar wohl mittlerweile in Rente.


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

StS



,,Running with the Devil: The Wild World of John McAfee" (2022) ist eine True-Crime-Doku aus dem Hause ,,Netflix", welche sich allerdings nicht direkt mit den betreffenden Verbrechen beschäftigt, die dem reichen Unternehmer (Stichwort: Anti-Viren-Programm) zur Last gelegt wurden – sondern vorranging mit seiner ,,Flucht vor Behörden und Verbrechern", bei der er u.a. seitens eines ,,Vice"-Reporters und seines Kameramanns begleitet wurde. Woran genau er nun wirklich schuldig war sowie was von all dem Behaupteten wohlmöglich schlichtweg erlogen wurde, lässt sich nicht klar sagen – da gibt es so einige Spekulationen und Verschwörungstheorien zu. Auch auf die beruflichen Erfolge McAffees wird nur ,,nebenbei" eingegangen. Wer wissen will, wer John McAfee wirklich war, der wird hier nicht fündig...

Stattdessen erinnert diese Doku ein wenig an ,,Tiger King" – denn auch McAfee war eine reizvolle ,,schillernde Persönlichkeit". Der Mann hat u.a. für die NASA gearbeitet, war ein absoluter Computer-Profi, hat sich ein Vermögen angehäuft und in Crypto investiert – aber auch eventuell mindestens eine Person getötet, Steuern hinterzogen sowie illegal Informationen gesammelt, so dass er sich schließlich zu einer mehrere Kontinente umspannenden Flucht gezwungen sah; über eine längere Phase hinweg auf einem Boot mit einer Menge Alkohol, Drogen und Waffen an Bord. Zunehmend paranoider werdend, nutzte er vorgespielte Gebrechen, Verkleidungen und Perücken, um unerkannt umherzureisen – plus natürlich sein Reichtum und die damit verbundenen Möglichkeiten – und war dabei trotz allem meist charismatisch, freundlich und nicht unsympathisch... 

In Form einer Mini-Serie hätte man die Materie wesentlich umfassender und intensiver durchleuchten können – doch diese Doku läuft bloß knapp 105 Minuten und konzentriert sich auf die turbulenten, mitunter bizarren und fast surrealen Ereignisse der Zeit, nachdem McAfee´s Nachbar in Belize tot aufgefunden wurde. Mit zwischengeschnittenen Interviews und vereinzelten Nachrichten-Clips daherkommend, ist es vor allem das ,,rohe" Bildmaterial, das überaus interessant anzuschauen ist – denn die Kamera war fast immerzu unmittelbar dabei (sogar mit in einer Gefängnis-Gruppenzelle!). McAfee´s Schilderungen und Handlungen – seine ganze Persönlichkeit – liefert dieser Doku einen ordentlichen Entertainment-Wert. Ja, sie ist oberflächlich und mutet bisweilen genauso ,,fahrig" wie McAfee selbst an – aber wie gesagt: Auf unterhaltsame Weise zeigt sie eine echt irre Geschichte auf...

gute 6/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

StS



Ein Busunfall in den nebeligen Bergen, bei dem diverse Schülerinnen und Schüler einer Klasse ums Leben kommen, bildet den Ausgangspunkt der spanischen ,,Netflix"-Mystery-Drama-Fantasy-Horror-Serie ,,Alma" (aka. ,,the Girl in the Mirror"), die von Sergio G. Sánchez (u.a. ,,das Waisenhaus" und ,,Marrowbone") konzipiert, verfasst sowie teilweise auch in Szene gesetzt wurde. In den 9 Folgen der ersten Staffel (2022) geht es u.a. um Gedächtnisverlust, Identitätsfindung, schattenhafte Kreaturen, alte Prophezeiungen, Körpertausch, Trauma-Verarbeitung sowie verschiedene Coming-of-Age-Jugenddrama-Themenpunkte (Liebe, Freundschaft, Verhältnis zu den Eltern etc.). Die Mythologie hinter all dem ist nicht uninteressant, die Locations, Regie, Effekte, Beziehungen zwischen den Charakteren, Figurenzeichnungen, Dialoge und Performances gehen in Ordnung und einige Sequenzen sind schön stimmungsvoll geraten. Das Problem ist jedoch, dass gewisse Aspekte der Handlung einfach zu ausgedehnt angegangen werden: Eine Straffung auf 6 bis 7 Folgen wäre in meinen Augen optimal gewesen (bspw. hätte ich auf die öffentliche Trauerfeier für die Opfer in dem gebotenen Umfang durchaus verzichten können; aller damit verbundenen ,,Emotionalität" zum Trotz). Aber hey: Ich mochte Hauptdarstellerin Mireia Oriol sowohl von ihrem tollen Aussehen (samt Augenklappe) als auch ihrer Art zu spielen her gern – also werde ich vermutlich auch eine 2. Staffel schauen, sollte es denn eine geben (zumal ich das spanische Setting ebenfalls als ansprechend ,,unverbraucht" empfand)...

4/10
"Diane, last night I dreamt I was eating a large,  tasteless gumdrop and awoke to discover I was chewing one of my foam disposable earplugs.
Perhaps  I should consider moderating my nighttime coffee consumption...."
(Agent Dale B.Cooper - "Twin Peaks")

Private Joker

The Last Kingdom (Netflix)

Besser spät als nie. Die 5. und soweit letzte Staffel hatte ich so ein bisschen vor mir hergeschoben, aber der kommende "Abschlussfilm" und generell die Tatsache, dass die (streitbar - Vikings habe ich nur punktuell gesehen) - beste Action-Historienserie der letzten Jahre hier immer etwas unter dem Radar lief, rechtfertigen doch ein paar Worte.

Also: Wem die Story um Uhtred und die Vereinigung Englands Ende des 9. Jhr. bislang gefallen hat - und das sollte spätestens mit der etwas wertigeren Produktion durch Netflix ab S3 bei fast jedem Geschichtsinterssierten der Fall sein - wird auch von S5 nicht enttäuscht werden. Es gibt wie eigentlich in allen Vorstaffeln persönliche Dramen, schwere Verluste, einen Rachefeldzug, ein paar blutige Kämpfe, das alles in gewohnt solider Düsteroptik. Und mit einer abschließenden Schlacht, die sicher in Sachen Aufwand und Machart keine Maßstäbe im Rahmen historischer TV-Serien setzt, aber trotzdem Eindruck hinterlässt (Stichwort "Klippe").

So wirklich neu ist das jetzt alles nicht; und wer Cornwells Art der Historienaufarbeitung kennt, weiß in etwa, worauf das im Kern hinausläuft: Insbesondere die eigentlichen Machthaber sind durchweg fragwürdige Schwachmaten wie Edward (mehr noch als der auch schon nicht herausragend führungsfähige "Große" Alfred), die sich ständig von der militärischen Mittelschicht um Uhtred & Co sagen lassen müssen, wo das Schwert hängt und wie England zu managen ist. Und noch etwas fällt unangenehm auf, und ganz ehrlich gerät es hier langsam wirklich störend: Die mangelnde Alterung der Hauptfiguren, obwohl seit S1 nach Quellen und durch Vergleich mit realen Ereignissen weit mehr als 30 Jahre vergangen sein müssten. Beispiel: Schauspielerin Eliza Butterworth als Alfreds Witwe Aelswith ist reale 27 Jahre alt und muss in der Finalstaffel als Großmutter durch die Lande ziehen, begleitet von einer "Enkelin", die von einer praktisch gleichalten Actrice gespielt wird.

Na gut, ich kann die Macher verstehen: Den gesamten Cast jeden morgen ein paar Stunden unter die Maske setzen und dann auf RT oder Twitter lesen, wie wenig überzeugend das Ergebnis ausgefallen ist, ist nicht sehr verlockend. Es gibt der Serie aber auch etwas leicht Surreales; dass der "Papst" der Historienserie Michael Hirst das u.a. in seinen "Tudors" auch so handhabte und den am Lebensende 160-Kilo schweren Heinrich VIII vom spindeldürren und immerjungen Rhys-Meyers spielen ließ, macht die Sache nicht besser.
Seien wir nicht zu streng, aber für mich kostet das locker einen Punkt. Bleiben aber immer noch sehr solide 7/10.

Ghosts (Sky/WOW)

Als Kontrast und kleinen Pausenfüller noch eine kurze Empfehlung für etwas leichtere Kost. Das Remake einer (mir nicht bekannten) britischen Comedy kommt erfreulich unamerikanisch her, vom schicken Landsitz über den "fastenglischen" Mini als Auto bis hin zu einigen Figuren hat das durchaus noch Britflair. Erfreulich der weitgehende Verzicht auf geschmacklicke Tiefschläge, Pimmelhumor und ähnlichen Grossout - ganz ohne (Stichwort "einen hoch kriegen") geht es aber wohl heutzutage nicht mehr.

Vieles dabei ist Comedyroutine, aber einige Folgen - zB die mit der D&D-Partie - haben durchaus Witz und Charme, ein paar Fußtritte gegen das heutige TV vor allem aus der Sicht der historischen Geister drängen sich auf und werden gut genutzt. Nicht wirklich herausragend, aber durchweg ganz nett. 6/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Moonshade

Noch nie in meinem Leben.../Never Have I Ever... (Netflix

Stranger Things, Sex Education, Heartstopper...Netflix hatte ja bisher ein Händchen für die goldene amerikanische (oder englische) High School-Zeit und "Never Have I Ever" stößt ins gleiche Horn.
Klar, alles hell, freundlich, in Primärfarben, alles mit Problemen, die sich irgendwie auch wieder bewältigen lassen und mit Mitschülern und Eltern, die die Besonderheiten ihrer Sprößlinge nicht in die hinterste Hölle verdammen.
Also ja, wieder so eine Feelgood-Serie, in der sich - oh Schreck - auch Schwule, Lesben und Trans-Teens (und Lehrer) rumtreiben, was aber in den Grundlagen gar nicht mehr thematisiert werden muss, all das wird einfach logistisch in der Handlung untergebracht.

Die Kontroverse kommt hier - als comedy fodder - aus einer anderen Ecke: die Schule und das Leben aus der Sicht einer indischstämmigen Schülerin, die sich daheim den Restriktionen ihrer alleinerziehenden Mutter unterwerfen muss, da der Vater (als Extra-Trauma) vor einigen Monaten verstorben ist.
Die Erwartungen (Einserschülerin, Jahrgangsbeste, Princeston-Unizulassung) sind hoch, aber der wahre Stress kommt aus den üblichen Teenagerbedürfnissen, nicht mehr der Nerd des Jahres zu sein, sondern einen Freund abzuschleppen, den man gar nicht haben darf. Und wenn man dann auch leicht manisch und chaotisch ist (und die Freundinnen ebenfalls leicht durchgeknallt), dann hat man bald zwei Freunde gleichzeitig, den Typ mit dem Waschbrettbauch und den zickigen Konkurrentenarsch, der so arrogant ist, dass man ihn irgendwie dennoch lieb hat.

Dazu rühre man noch: eine kurz vor der Hochzeit (natürlich eine arrangierte) stehende Supermodel-Kusine, die viel lieber Akademikerin vollzeit wäre; Auftritte bei einer geflashten Psychologin, reichlich Lebensweisheiten mit Trauerverarbeitung.
Ach ja, und das alles lasse man von John McEnroe als Off-Sprecher kommentieren.

Klingt wie das reine Disney-Klischee, aber die Serie schafft es gleichzeitig aufgeklärt wie "Sex Education" zu sein und parallel eine Art "Clueless" für die 2020er zu sein, alles inclusive Pannen, Peinlichkeiten, Entblößungen und ComingOuts.

Kann man drüber disktieren, kann man aber auch gemütlich einpfeifen - zuletzt selten eine Serie gehabt, die so gekonnt abgerundet gute Laune macht.

Netflix hat 3 Staffeln draußen (3x10), eine weitere Staffel folgt nächstes Jahr.

8,5/10
Das große OFDB- Aufräumen: noch 18.263 Filme ohne IMDB-Link (Stand: 09.01.2018 -  2212 Neulinks)!

"Guten Tag, führen Sie Bücher über Paranoia?" - "Ja, die stehen alle hinter Ihnen!"

"3.Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.!" (Douglas Adams)

Stefan M

"And Just Like That..." - Ich bin ja nun wahrlich kein Experte von "Sex and the City", weil ich sie nie gesehen habe, aber meiner Freundin sei Dank darf ich nun mit der recht heftig geschmähten Nachfolgeserie vorlieb nehmen, die ohne Kim Cattrall auskommen muß, während die anderen Frauen wieder am Start sind. Ob das nun sinnvoll ist, weil mir vermutlich sämtliche Insider-Gags entgehen, kann ich nicht sagen, aber beurteilen kann ich die Qualität von "And Just Like That..." für sich genommen natürlich trotzdem - und auffällig ist, wie witzlos die ganze Angelegenheit geraten ist. Nach einer noch recht passablen Auftaktfolge wird die Angelegenheit quasi im Minutentakt immer langweiliger - kein Witz, kein Esprit, kein gar nichts. Die Kritik, die Serie sei sehr woke ("woke" ist übrigens für mich ein absolutes Trigger-Haßwort, das ich schon jetzt als mein Unwort des Jahres bezeichne), kann ich dabei nachvollziehen: nicht weil sie woke ist (das scheint ja nötig gewesen zu sein, weil "Sex and the City" ja auch oft dafür kritisiert wurde, zu weiß zu sein), sondern die Art und Weise, wie Themen wie Transgender sehr krampfhaft in die einzelnen Folgen geprügelt wurden. Das hat "Sex Education" hundertmal besser hinbekommen. Auch nervig, wenn in jeder Folge gefühlt dreimal die Corona-Pandemie erwähnt werden muß, bis auch der Letzte kapiert hat: Ja, auch bei Carrie Bradshaw und ihren Freundinnen gab es Corona. Problematisch ferner, daß die weiblichen Hauptfiguren nicht mal sonderlich sympathisch sind (allen voran Carrie).

Bisher habe ich nur vier Folgen gesehen, aber die sind ernüchternd.
"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot)

Synchronisation ist nicht grundsätzlich schlecht und manchmal sogar richtig gut!

Private Joker

7 Oktober 2022, 12:53:54 #17 Letzte Bearbeitung: 8 Oktober 2022, 22:33:48 von Private Joker
The Irregulars / Die Bande aus der Baker Street (Netflix)

Eines von Netflixens mit viel Tamtam gestarteten, aber letztlich doch mit Ansage gescheiterten Prestigeprojekten. Warum mit Ansage ? Also ganz ehrlich, wie man eine "Holmes"-Serie (und sei es nur im Sinne von "im Holmes-Universum spielend")  fast ohne Sherlock auch nur andenken kann, ist allenfalls mit überhöhtem Drogenkonsum im der Planungsphase erklärbar. Aber schauen wir mal genauer hin: Das Unheil beginnt mit einem mittelmäßigen Piloten, in dem einem das Personal regelrecht vor die Füße geworfen wird, nach dem Motto "bleib gefälligst dran, dann erfährst Du was über die". Figuren, die einem in den meisten Fällen an den unedlen Körperteilen vorbeigehen, allen voran ein schwacher "Sherlock", der erst in Folge 5 oder so überhaupt auftaucht, eher ungenial und uncharismatisch rüberkommt ("alter Mann", hust, der Darsteller ist 35) und weitgehend auf das Drogenthema reduziert wird. Dazu ein hautfarbengewandelter und mit homosexuell bedingten Eifersuchtsanfälle kämpfender Dr. Watson  (Motto: Zwei Wokenesspunkte auf einmal), der aber überraschend (trotzdem ?) weitgehend unsympathisch auftritt; Lestrade motivationslos ein Vollwiderling, der nicht mal eine Folge überlebt, Mrs. Hudson fehlt völlig. Einzig Mycroft darf in der einzigen Folge, in der er auftritt (und die dann auch die beste ist) ein wenig echtes Holmes-Feeling verbreiten.

Über die titelgebenden Jungspunde und ihr natürlich mal wieder hochdiverses Casting kann man streiten, der Aggro-Schläger und der Sprücheklopfer etwa tragen kaum etwas zur Handlung bei und haben mich eher genervt. Aprops Handlung: Das ganze als Grusel-Fantasy aufzuziehen, war wohl alternativlos, die meisten Folgen überschreiten die Grenze zu "echt jetzt" aber doch massiv ("Klone" ? "Sammler", die da aus Leichenteilen einen Ersatzkörper bauen ??); auch optisch Mittelmaß, das CGI-London wirkt verwaschen und detaillarm. Und die zwei Finalfolgen sind überraschungsfrei und definitiv kein Highlight, gerade die letzte besteht hauptsächlich aus ein bisschen Lichtzauber, der fix vorbei ist und noch fast 20 Minuten Zeit für Sentiment und Abschiedsszenen lässt. Einen echten Cliffhanger gibt es nicht, als hätten die Macher schon geahnt, dass das nix wird mit einer Staffel 2, wer nur mal so reinschaut wie ich wird das aber nun gerade nicht als Negativpunkt vermerken.

In der Summe kaum mehr als 4/10. Ganz vereinzelte Episoden wie die erwähnte mit Mycroft und der Seance sind deutlich besser, aber die 80% RT müssen die betreffenden Kritiker mir mal in einer ruhigen Minute erklären.

Undeclared War (WOW)

Oder auch "Die Russen sind an allem Schuld - Die Serie". So gesehen perfektes Timing, was vor einigen Monaten noch als russophob und vielleicht reaktionär kritisiert worden wäre, segelt jetzt ganz hart am Wind of Change der Weltlage.
Und auch ansonsten mit einigen Vorhersagen (Johnson) und Themen gar nicht so weit weg von der Realität. Wobei ich jetzt wirklich nicht weiß, ob man in Moskau tatsächlich Influencerabteilungen vorhält, die da Scheingefechte auf Twitter inszenieren; was bitte soll das bringen - dass da viel Unfug verbreitet wird, weiß letztlich jeder. Und der zentrale Cyberangriffsplot ? Ob das in der Form halbwegs realitätsnah ist, kann ich erst recht nicht beurteilen. Aber, trotzdem, wenn es der Serie darum geht, eine leichte Unruhe beim Zuschauer auszulösen (Deepfakes, getürkte Wahlen, Propagandamedien, Gegenschläge), das funktioniert.

Wenn ich sage, dass das im Kern funktioniert, ist damit allerdings noch nicht der zentrale Problempunkt vieler Cyberthriller erschlagen: Wie visualisiere ich Computerangriffe ? Kann man Spannung erzeugen mit Bildern von Nerds und Geeks, die auf Codezeilen starren ? Gelöst wird das hier auch nicht; die leicht strangen Visionen und optischen Metaphern, die der Film für die Überlegungen der Heldin und die Angriffsmuster findet, sind nicht mehr als ein netter Gimmick. Vielleicht liegt es aber auch am persönlichen Technikhorizont, ob man die entsprechenden Bilder spannend findet, ich bin da mal vorsichtig auf der positiven Seite.

Was für die Figuren nicht unbedingt gilt, vor allem unsere Miss Überschlau. Als Praktikantin da reinschneien, den alten Hasen zeigen, wo der Hammer im Code hängt und die Welt retten, das ist ein Filmklischee, das man eigentlich Anno 22 nicht mehr zwingend braucht. Und das übrigens im krassen Gegensatz steht zum sonstigen Konzept der Figur, mit dem man hier sogar gleich drei Wokenesspunkte einsammelt (Muslima, Lesbisch, Immi); ja ich weiß, es langweilt, aber irgendwie....

Alles in allem bei mancher Kritik aber nicht unspannend, auch ohne viel Action im klassischen Sinn. Da liege ich dann mal mit den RT-Kritikern (69%) auf einer Linie und sage solide 6/10.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Newendyke

The Bear (D+)

Ein junger, hoch ambitionierter Koch (Jeremy White - Shameless) findet sich im heruntergewirtschafteten Sandwich-Shop seines toten Bruders wieder, den er, anfangs mit großem Zwang für sein neues Team, wieder auf Vordermann bringen will. Nicht nur das eingefahrene Team seines Bruders, aber auch eine junge Köchin stehen ihm dabei zur Seite und auch mal im Wege.
Die Serie nimmt dabei eine Vielzahl von Themen auf, wie z. B. der Verlust und die Trauer der Hinterbliebenen eines Suizids, Identität eines Restaurants und Klassenunterschiede in der Küche, Betäubungsmittelmissbrauch in der Branche. Das Ganze wird sehr schnörkellos von den Charakteren getragen und mit einem sehr feinen Soundtrack wird die Hektik in der Küche und die Reibereien in der Truppe vorangetrieben. (besonderes Highlight ist Episode 7!!!)

Freu mich schon auf die nächste Staffel.

8/10


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

Private Joker

Zum Thema "Murmeltiertag" hat man aktuell gleich drei Serien zur Auswahl, zwei davon habe ich mittlerweile durch, zu "Russian Doll" auf Netflix sage ich demnächst noch was.

Another Monday (ZDF Mediathek)

Jo, die Deutschen wollen auch mal. Aber wo Netflix mit seinen einheimischen Serien (Dark, Kleo) bislang durchaus internationales Niveau erreicht, bleibt diese ZDF-Produktion tiefste Provinz. Enge Locations, uncharismatische Schauspieler, die zumindest teilweise zu viel Stromberg gesehen haben und  Mädels Schauspielstil dort kopieren wollen (diese extrem akzentuierte Sprechweise, vor allem).

Die Grundidee oder der USP (also vom Genre-Standard "Wachwerden am immergleichen Tag" abgesehen) ist hier, dass einige das mit der Schleife merken und andere nicht, und von ersteren gibt es dann immer mehr. Nun gut, kann man machen, trägt aber kaum 6 Folgen. Und wie in der Substory mit der Krankenschwester, die zu den "Merkern" gehört, trotzdem jeden Tag zur Arbeit geht, kommt beim geneigten Zuschauer (also mir) doch recht heftig das Gefühl von Routine und Repetivität auf. Auch die Stories und Personen, die da reingewoben werden, darunter wie bei "Sløborn" aus dem gleichen Haus (das ich in der Summe etwas besser fand) viele Teenager-Kisten, sind nicht durchweg interessant. Ein paar Facetten wie der alte Mann, der auch nach seinem "Erwachen" ungläubig bleibt, sind in Ordnung, aber letztlich bleibt es dabei: Eigentlich von allem zu wenig.

Die Schlussszene könnte eine leicht interessantere Staffel 2 antexten, ob es dazu kommt - keine Ahnung. Bislang nur 4,5/10.

The Lazarus-Project (WoW)

Internationales Produkt, aber auch hier maßgeblich vom deutschen Regisseur Marco Kreuzpaintner in London (und Osteuropa, I guess) realisiert. Tonal und stilistisch das genaue Gegenteil vom zuvor besprochenen, eine massiv auf Krawall und Action gebürstete Serie voller Top-Agenten, Geheimorganisationen und reichlich Verschwörungen. Wobei da, um mal beispielhaft dem Punkt Action ein bisschen auf den Zahn zu fühlen, auch deutlich mehr Schein als Sein geboten wird: relativ simpel gestrickte Ballereien und ein paar überschaubar spektakuläre Autojagden, sehr deutlich im besagten Osteuropa gedreht.

Die Grundidee hat natürlich was: Die Weltzeit einfach um ein Jahr zurückdrehen, wenn mal wieder der Weltuntergang oder der 3. Weltkrieg droht. Was, wer hätte das aktuell gedacht, überraschend oft vorkommt, nur keiner von uns bekommt das mit; oder fast keiner, denn erneut gibt es ein paar Blitzmerker, die sich an das letzte Jahr erinnern. Und weil das zu verführerisch ist, sehen wir dann dem Helden zu, wie der mal eben besagten Weltuntergang provozieren möchte, weil ihm im realen Zeitablauf die Freundin unfallbedingt abhanden gekommen ist. Hui, das ist schon starker Tobak, und trotz der Tatsache, dass da fast alles, was wir sehen, bei Planerfolg obsolet sein wird - einen Fanclub für so einen Egotrip wird wohl kein Zuschauer gründen. Schöne Pointe: Im nächsten Durchgang geht die Freundin dann auch verloren, nur ganz anders.

Weil das alleine nicht mal die heute gängigen 8 Folgen trägt, gibt es auch noch eine echte, große Verschwörung, mit dem von mir eigentlich ganz gern gesehenen Tom Burke (Strike) als Chefsinister. Alles noch im grünen Bereich und in seinen besten Momenten immer mal wieder durchaus spannend und leicht schwarzhumorig, bis es in den letzten zwei Folgen dann doch arg absurd wird (gleich zwei sich öffnende schwarze Löcher - echt jetzt ?). Wäre ja mal wirklich gespannt, ob die aus DER Nummer wieder herauskommen, habe aber die düstere Befürchtung, dass die auch auf der Müllhalde ähnlicher "Event"-Serien landen wird und bei einer Staffel hängenbleibt.

Bis dahin mal solide 6/10 für ein paar neue Ideen im Sub-Subgenre.

Keine Murmeltiere und auch noch nicht ganz durch, aber nach bisherigem Eindruck durchaus ein Tip:

Feria - The Darkest Light (Netflix)

Spanische Horrorserie, und aus dem Land kamen zuletzt auch ein paar ganz solide Genrefilme. Die Serie wuchert jetzt nicht gerade mit neuen Ideen (Sektenselbstmord), aber wo sollen die im Horrorgenre überhaupt noch herkommen ? Dafür aber mit einem schönen Setting (ein abgelegenes, durchaus malerisches Bergdorf, wegen Corona zur Drehzeit gerade gut als Kulisse nutzbar) und einer Prise Nostalgie (Anno 95 spielend). Die ganz solide Verknubbelung von Krimi und Grusel funktioniert soweit schon, ein paar eurotypisch freizügige Szenen schaden sicher nicht, und wer etwas Gesellschaftkritik auch ohne Heerscharen von gewollt divers gecasteten Figuren sucht, findet selbst das (Stichwort Massenhysterie). Kann sich bis zur Halbzeit gut sehen lassen (7/10), ob das bis zum Ende gehalten wird, sage ich noch.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Wolfhard-Eitelwolf

Bei "The Bear" bin ich erst bei Folge 5, aber weiß - trotz des ewigen Rumgebrülles - aufgrund des unverbrauchten Szenarios zu gefallen!
Beendet habe ich dagegen gestern auf Netflix den Drogenthriller Narco Saints. Hat mir insgesamt recht gut gefallen, auch wenn der Drogen-DEA-Cali-Plott sicher keinen Innovationspreis verdient. Soll immerhin auf Tatsachen basieren und die erste Folge liefert ohnehin "nur" fischigen Background, der den Figuren aber für das Folgende genügend Tiefe liefert. Auf jeden Fall ist die Location Surinam schön unverbraucht und die koreanische Präsenz verpasst dem bunt inszenierten Treiben auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Action gibt in im Rahmen der üblichen Ballereien und Nahkämpfe. Gute Darsteller und ein fieser Bösewicht "Pastor" runden die mit 6 Folgen angenehm kurze Serie ab. 7 v. 10

Newendyke

8 Dezember 2022, 15:12:11 #21 Letzte Bearbeitung: 8 Dezember 2022, 15:24:41 von Newendyke
Mike (Disney+)

Das kontrovers von Hulu produzierte Biopic Serial (MT ist oder wird wohl vor den Kadi ziehen) kommt ähnlich daher wie I, Tonya oder auch Pam & Tommy; immer wieder mal wird die 4. Wand durchbrochen, Tyson führt das Publikum "einen Abend lang" durch sein Leben, somit ist da schon mal für die komediantische Note gesorgt. Es werden die wichtigsten Daten seines Lebens erzählt: die schwierige Kindheit, sein väterlicher Mentor, sein ziemlich verschrobenes Frauenbild (teils echt die besten Lacher, auch wenn natürlich in einer Hinsicht so gar nix zu lachen ist) und diese Naivität dieses monstergleichen Rüpels haben mich echt gut unterhalten. Rhodes macht einen richtig, RICHTIG guten Job, nicht nur physisch ist er eine Wucht! Es war auch echt schön Keitel wiederzusehen (irgendwie ist der in meiner Wahrnehmung nimma wirklich aktiv), aber auch der restliche cast ist gut gewählt.

Ja, ist nix besonderes, aber macht Spaß, ist extrem kurzweilig (Episoden zwischen 30 und 50 Minuten) und von Rhodes will ich zukünftig noch mehr Charakterspiel sehen.

7/10


Die Discounter Staffel 2 (Prime)

FUCK  :lol:
Beste Comedyserie des Jahres! Wie schon im Hauptthread beschrieben, haut die Serie in die ähnliche Kerbe wie schon Stromberg & Co., und wenn ich einem guten Kumpel so zuhöre, dann ist auch hier dargestelltes nicht so weit weg von der Realität (teils sogar noch untertrieben, der Mann war mal ne zeitlang Filialleiter beim großen L).
Durchweg alle Figuren sind gut besetzt, die Lacher sitzen (allen voran Thorstens Sprüche... Alter!!!!!!), die Situationskomik haut mich jedes Mal aufs Neue um (z. B. als Peters Mutter diesem einen Kuss aufdrückt muahahahahaha ich geh kaputt!!!) und dass ich se mir bis jetzt schon 3 Mal reingezogen hat, beweist nur, wie verdammt gut es ist.  Hoffentlich kommt bald Staffel 3 - da geht noch mehr! 

"Die goldenen 10 Minuten beginnen!!!!"

9/10


"Ich will jetzt nichts mehr hören, von wegen keinen Job, kein Auto, keine Freundin, keine Zukunft und keinen Schwanz." (der Meister - Gran Torino)

Private Joker

14 Dezember 2022, 16:17:22 #22 Letzte Bearbeitung: 14 Dezember 2022, 18:38:18 von Private Joker
Russian Doll (Netflix)

Mein Murmeltier-Roundup Teil 3. Bislang nur Staffel 1 gesichtet, ob ich mir 2 (und evtl. 3) noch gebe, weiß ich wirklich nicht.

Nicht dass die Serie soooo schlecht wäre. Ist halt eine bewährte bis mittlerweile leicht abgehangene Grundidee, aus der ehrlicherweise wenig Neues herausdestilliert wird, + eine selbstbewusste Comedienne (sagt man wohl heute so) mit dem klaren Anspruch, im Mittelpunkt zu stehen.

Aber mal der Reihe nach: Am Murmeltier-Grundschema wird sehr wenig geändert, gerade in den ersten Folgen. Und weil da in der Idee auch immer ein Problem steckt - die mangelende Abwechslung - sind besagte erste Folgen, bis zum Auftritt von "Alan" etwa, doch leicht zäh. Klar, die zumeist eher unvermittelten Todesfälle sind schon makaber bis launig (mein Fav: die Bienen), aber das alleine reißt es nicht raus. Ab der "Alan"-Folge wird es etwas besser, ein paar Abweichungen vom Grundschema, minimale Mystery- und Gruselelemente. Gemessen daran ist das Ende (von S1) dann wieder strikt Dienst nach Murmeltier-Vorschrift, eigentlich genau das, was man von Anfang an befürchten muss: Einen Tag alles richtig machen, und gut ist ?? Das ist jetzt so banal, dass ich da schon mal bewusst auf die Spoilertags verzichte; und überhaupt: Es wird in der Serie ja auch öfters über Filme geredet, warum dann nicht über "DEN" Murmeltierfilm, zumal der ja die Problemlösung beinhaltet. Dass die letzten Szenen der Finalfolge S1 optisch und überhaupt ganz putzig inszeniert sind, sei aber positiv vermerkt.

Kurzes Wort noch zu Lyonne: Die gibt die Powerfrau mit dem lockeren Mundwerk und ein paar unbewältigten Mutterproblemchen als nicht ganz jugendfreie 21-Century-Lucille-Ball-Version, das wird (vermute ich mal) vor allem einer bestimmten weiblichen Klientel gut gefallen. Ich wage kritisch anzumerken, dass die ständig Blow-Jobs verspricht, aber nie einen liefert (geschweige denn, dass das gezeigt wird), und generell etwas arg auf die verbale Tube drückt - meins war die Rolle nicht. "Alan" / Barnett und der Rest vom Cast mit allerdings überschaubarem Szenenanteil sind aber schon o.k.

Also: Nicht mein Bier, ehrlicherweise, und auch ganz objektiv wenig Neues im Murmeltierland, da müsste x Jahre nach dem Original schon ein bisschen mehr kommen. Trotzdem mal halbwegs faire 6/10 für ein paar brauchbare Szenen und teilweise den Cast. Wie gesagt, die Lust auf S2 hält sich aber in Grenzen, zumal das Ende ja eigentlich "rund" war.

Und so ein bisschen Lumpensammler (beendet oder abgebrochen)

Feria - Darkest Light
(der Originaltitel lautet bei überschaubaren Spanischkenntnissen wohl eher "Licht ohne Makel") hatte ich schon begonnen und hier empfohlen; ist auch ohne den ganz großen Knaller am Ende eine runde Sache, atmosphärischer, gut in eine selten genutzte Ära (Ende der Franco-Zeit) eingebetteter und nicht zimperlicher Standardgrusler. Da haue ich dann als Endnote doch mal aufgrundete 8/10 raus.

Half Bad -The Bastard Son .... (Netflix) ist der gefühlt umpfizgste Versuch mit dem Thema "Gute gegen böse Hexer/Vampire/Werwölfe" im Yound Adult / Schulmilieu. Konnte nach zwei Folgen aber auch so gar nichts entdecken, was mich zum Weitersehen motiviert hätte, keine Tricks, gegen Netflixens Versprechen wenig Horror oder Blut, Darsteller und Figuren nach Schema F. Vielleicht kennt ja jemand die Serie zur Gänze und weiß zuverlässig, dass die dramatisch besser wird....

Und Hamilton (ZDF) ist auch mal wieder unterwegs, schon in S2. Frühere "Langfilme" (zT allerdings auch nur Serienzusammenschnitte) mit den Charakter-Knautschgesichtern Stormare und Persbrandt in der Titelrolle waren angemessen ruppig und sehr nordisch, die hatte ich eigentlich ganz gerne gesehen. Seit das ZDF im Spiel ist, gibt es einen Aushilfsbond, bei dem gutes Aussehen weit wichtiger ist als Charisma und Actionkompetenz, Blut und Härte sind Fehlanzeige, auf Touren kommt das zu keiner Sekunde. Schon die erste Staffel (irgendwas mit Undercover) hatte ich in der Mitte abgebrochen, hier ist schon der Auftakt echt zum Abgewöhnen: Irgendein dussliges multinationales Verschwörungsszenario, und mit der Sequenz auf dem sinkenden Schiff der so ziemlich dümmste Versuch, einen Helden umzubringen seit Bond auf der Schaukel im "You only live ..." (Originalzitat in der fast 20 minütigen Szene "das Boot sinkt schnell", selten so gelacht). Doppelgähn.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

Private Joker

23 Januar 2023, 14:21:18 #23 Letzte Bearbeitung: 23 Januar 2023, 22:31:33 von Private Joker
Devil in Ohio (Netflix)

Mit dem wollte ich meinen "Supernatural"-Slot füllen, möglichst wenig tiefgründiger, aber vernünftig gemachter Grusel-Light-Stoff als Hintergrundunterhaltung.

Gelang nur teilweise. Erst mal: Als Horror geht der nicht durch; nicht nur (aber auch) weil die Serie komplett aseptisch daherkommt: Kein böses Wort, kein Tropfen Blut, keine Effekte, natürlich auch nicht mehr nackte Haut als unbedingt notwendig (in dem Fall: der Rücken der Hauptdarstellerin). Liegt vielleicht daran, dass der zugrunde liegende Roman von Daria Polatin offenbar ein Produkt der Welle "Grusel für - vorwiegend - weibliche Teenager" ist, im Fahrwasser von Glitzervampiren und Streichelwerwölfen, wenn auch natürlich ohne Kreaturen. So nimmt sich die (vermutlich) abgeschlossene Serie viel Zeit für Familienleben und Teenie-Befindlichkeiten, gestrickt nach dem 3-Kid-Muster (die Kleine sympathisch-frech, die ältere als Zicke, die mittlere als Sympathieträgerin). Wobei das mit der Sympathie für Tochter Nr. 2 sich bei mir in engen Grenzen hält, die kommt vorwiegend als "eifersüchtig auf alles und jeden" rüber, verliebt sich ständig in die Falschen, stößt den besten (natürlich schwulen) Freund vor den Kopf usw. Als dann die in den ersten Folgen völlig nebensächliche Älteste noch so eine Lesbenwerdungskiste angetackert bekommt, kommen die ersten Überlegungen zum Abbruch auf, oder zumindest zum Vorspulen.

Warum drangeblieben ? Völlig spannungsfrei war die in der Summe nicht, und ein oder zwei Folgen sind da besonders zu erwähnen; die mit dem Vogel, wo kurz mal angedeutet wird, das doch etwas echt Übernatürliches im Spiel sein könnte (wird aber nicht vertieft). Und die an Halloween, die so etwas wie eine private Apokalypse der Familie antextet (wird aber, wir ahnen es, wieder fix relativiert). Auch die paar kleineren Carrie-Assoziationen, für Film-Noobs auch noch quasi mit Untertiteln klargestellt, würde ich mal als kleinen Pluspunkt verbuchen.

Und dann natürlich der Schluss, der erst mal wie die ganze Serie furchtbar konventionell daherkommt, das erwartbare Finale ist zur Halbzeit der Finalfolge abgefrühstückt. Dann aber wird, ganz leise, doch noch ein doppelter Boden eingezogen, den man so nicht unbedingt erwartet hat und der über das Niveau der Reststaffel deutlich hinausgeht. Und der das Kunststück schafft, ein solider Schluss zu sein, wenn Netflix das wie eigentlich wohl geplant als Miniserie nicht fortführt, aber trotzdem noch ein oder zwei Hintertürchen für eine Staffel 2 offen lässt (zB wo ist die Sekte hin?).

Obwohl die Serie meine Geduld während ihrer Laufzeit schon phasenweise strapaziert hat, muss man da rückblickend etwas Abbitte leisten, so verkehrt war die nicht. Auch unter Berücksichtigung von "eigentlich nicht Zielgruppe" und so dann doch noch faire, wenn auch knappe 6/10

The Lost Symbol
(RTL+)

Der dritte von den fünf Langdon-Browns hat es erwartungsgemäß wegen reichlich dramaturgischer Schwächen nicht in die Kinos geschafft, da hat halt fix ein TV-Sender zugegriffen. Damit verbunden ist, siehe Clancy/Ryan, meist auch eine massive Verjüngungskur des Helden, was bei einem Field-Agent begrenzt Sinn macht, bei einem Universalgelehrten/Professor aber schon etwas grenzwertig ist. So erleben wir die Hauptfigur, die zumindest im deutschen akademischem System maximal "Habilitant im ersten Jahr" wäre, als fast alleswissenden Rätsel-Schnelllöser durch eine zügig bis hektische Schnitzeljagd im typischen Brown-Stil hetzen (wobei ich mich zu erinnern meine, dass da einige Längen der Vorlage mit ein paar Zusatzrätseln ausgetauscht wurden).

Für Fans dieser Machart (gibt es die?) halbwegs solide-unterhaltsam und halt dank des Tempos auch ohne größere Langeweile. Die Figuren passen von der Altersfrage abgesehen auch so halbwegs, vor allem der brownsche Standard-Überböse geriet angemessen bedrohlich, wogegen Langdons Mentor (besetzt mit einem wohl sonst eher der Travestie-Szene zugehörigen Schauspieler) etwas gewöhnungsbedürftig rüberkonmmt.

In der Summe so um 5/10, abhängig von der Affinität zum Subgenre.

Und noch die üblichen Kurzeindrücke: Russian Doll - Staffel 2 - trotz wenig Lust doch mal reingeschaut, aber der Austausch der Murmeltierkiste gegen eine komplett abgefahrene Zeitreisestory hat dem den letzten Zahn gezogen (subjektiv), vor allem die Szenen in Ost-Berlin mit Alan als Frau sind völlig durchgeknallt. Hätte ich besser bleiben lassen.

Und Auris - Der Fall Hegel (RTL+): Fitzek + RTL, das ist keine Mischung, die mir bislang positive Gefühle beschert hätte (die Kiste mit dem Schiff habe ich nicht mal zu Ende geschafft). Und auch hier geht es rechtschaffend bieder los, mit vielen mäßigen Schauspielern und Billig-Optik. Aber dann der Schluss, da bin ich dann echt völlig aufgelaufen - vorausgesetzt, die Serie hält das durch; das ist jedenfalls mal ein "Dranbleiber" für die zwei noch ausstehenden, wie er im Buche steht.
"Ich bin zu alt für diesen Scheiß" "Dem Scheiß ist es egal, wie alt Du bist" (James Grady - Die letzten Tage des Condor)

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