Autoren-Thread: Chili Palmer

Erstellt von Chili Palmer, 1 Dezember 2006, 00:15:27

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Chili Palmer


Kleines Update, um die absolute Dringlichkeit meines Reviews zu verdeutlichen:



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"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Chili Palmer


Bevor ich jetzt jeden einzelnen Thread behellige, schnell mal die letzten Filmsichtungen:

Der Gott des Gemetzels
Auch wenn sich das eigentlich verbietet, von wegen Film ist Bewegung und so: Ich mag solche Theaterfilme irgendwie. Und wenn man dann noch so gut gelauntes Overacting wie hier geliefert bekommt, das aber leider immer noch allzu nah am Verhalten echter Großstadteltern ist, dann aber hallo die Enten. Zudem ist die oft herbeizitierte Parallele zu Polanskis erzwungen beengtem Leben angesichts des Resultats reichlich quatschig: Er wollte einfach nur mal wieder richtig Spaß haben. Nur Foster hat mich tierisch genervt; Rolle hin oder her.

My Soul to take
Toll. Kann man nicht anders sagen. "Scream 4" stank, aber das hier ist ein Musterbeispiel eines spaßigen, nicht immer sinnig, aber eben mit ach-scheißegal-Gestus vollgepfropften Ideenfüllhorns, das man vielleicht nur mit ausreichender Kenntnis von Cravens Werk so richtig genießen kann. Wenn "Inland Empire" Lynchs Best-Of-Sampler war, dann haben wir hier Cravens. Und wenn man seinen eigenen Erwartungen an standardisierte Teeniegrusler mit Obligatori-Twist mal einen saftigen Arschtritt verpassen lassen möchte, dann hiermit.

Verblendung
So richtig zündet die Geschichte jenseits von Buchseiten auch bei Fincher nicht, dennoch ist der Film der dröhnigen schwedischen Variante überlegen. Die Nebenfiguren bekommen alle ihre wirkungsvollen Auftritte, die Bilder sind in Kombination mit dem tollen Score wie zu erwarten erlesen-verkommen, und Craig ist einfach näher an dem dran, was man sich so unter Blomkvist vorgestellt hat.

Die Muppets
Möglicherweise zieht Disney da ein wenig die Anarchiebremse, was die diesbezüglichen Muppet-Ausbrüche verhindert, aber wenn sich das schließlich in einem weiteren Film oder gar einer Neuauflage der Show (wir leben immerhin im Zeitalter der Qualitäts-TV-Serien) niederschlagen sollte, dann wäre dieser etwas zu harmlose Spaß zu verschmerzen. Der trotzdem immer noch mehr bessere Lacher bietet als alle Til-Schweiger-Regiearbeiten zusammen, natürlich.

Super
Ja, halt super. Und man drängelt sich wirklich nicht vor. DÄNG!

The Artist
Möglicherweise nicht vom ganz großen Anspruch getragen, nicht die Filmgeschichte akkuratestens abklopfend, seine Möglichkeiten nicht immer bis ins Letzte ausspielend, aber: das wird einem ab dem Moment egal, in dem einen die sympathischen Darsteller erst einmal für sich eingenommen haben.
Also so etwa nach einer Minute.

Hugo Cabret
Scorsese frühstückt einen Jeunet, und das Ergebnis nervt dennoch nicht. Und das, obwohl alle Zutaten für massiven Brechreiz gegeben sind: Naseweise Gören, eimerweise Kitsch, ganze Croissantbackbleche voller Klischees. Nicht zu vergessen Gewinke vom Regisseur mit dem ganz dicken Zaunpfahl: Sogar sein ihm wichtiges Thema der Filmrestauration findet Platz im Geschehen. Aber genau darum geht es hier: Um eine Herzensangelegenheit. Deshalb ist das hier auch kein 3D-Hype-Mitläufer, sondern ein exakt auf diese Technik zugeschnittenes Kinomärchen. Paris sieht aus wie eine Modellstadt, die Kamera ist permanent in Bewegung (in die Tiefe! so wie das muss!), und das ist alles so schön und muss unbedingt auf Leinwand genossen werden.

Dame, König, As, Spion
Ernsthaft, wer bei der Handlung jederzeit den Überblick bewahrt hat, dem schenke ich meinen Tron-Diskus, wenn ihn mir Private Joker endlich geschickt hat. Aber um schnödes Agentenkino im Handlungsabspulsinne geht es Alfredson auch nicht (weshalb auch, das Buch wurde ja schon einmal verfilmt), sondern um erhellendes Agentenkino: Was macht so ein Job in der permanenten Grauzone aus den Menschen? Welche weitreichenden Konsequenzen können kleinste Entscheidungen nach sich ziehen? Welchen Wert haben Werte? Diese Fragen, unmittelbar auf heutige Zeiten übertragbar, werden hier in filmisches Blei gegossen. Schwer anzusehen, schwer verdaulich, aber sättigend, noch für Tage danach. Vermutlich ein Meisterwerk.

Gefährten
Und noch so ein Fall von Kitsch as Kitsch can. Klassische Hollywoodästhetik wird brachial mit modernem Kriegsfilm vor dem Hintergrund der Somme-Schlacht vermählt. Wie viele politische und geschmackliche Fettnäpfchen da lauern, will man lieber gar nicht zählen. Doch wenn schon nach wenigen Minuten auf dem Hauptschauplatz des Bauernhofs die Gans eigene Szenen spendiert bekommt, ist klargestellt: Wir sind im Spielbergland. Spekulative Elemente, gnadenlose Gefühlsmanipulation; alles inklusive. Alles der Regie und ihrer mitunter zügellosen (hihi) Art unterworfen. Das kann man als reines, mitreißendes Kino genießen, wenn man will. Oder ein gewaltiges Problem damit haben. Ich hatte jetzt mal keins.
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Vince

Sehr schön, könnte eigentlich mal die Runde machen, damit der Bereich hier nochmal auflebt.

Den Artist sehen wir dann ja recht ähnlich, bei dem Kartenspieltitelfilm bin ich ehrlich gesagt recht enttäuscht aus dem Kino gestapft, bevor die Begeisterung dann aber über Nacht enorm gewachsen ist; vor allem auch deswegen, weil man sich nicht so manipuliert vorkommt wie bei irgendeinem Grisham-Thriller. Der schreit geradezu nach einer Zweitsichtung, nicht nur, damit man endlich mal alles kapiert.

Super fand ich auch super und den Rest kenn ich noch nicht.