Autoren-Thread: McKenzie

Begonnen von McKenzie, 17 Februar 2007, 17:27:29

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McKenzie

@ Bretzelburger: (Entschuldige die Länge, es ist eine Schwäche von mir, ich weiß...  :icon_redface:)


Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
ZitatIch war nie ein Fan von dir, lese deine Reviews aber immer wieder gerne. Die Überarbeitungen deiner Reviews sind mir auch nicht sooo gravierend aufgefallen, als das ich es hätte kommentieren wollen.

Dann scheint deine penible Aufmersamkeit und dein von dir oft erwähnter Perfektionismus nur dir selbst zu gelten.

Natürlich. Es wäre doch reichlich anmaßend, einen Perfektionismus, der ausschließlich nach eigenen Kriterien bemessen wird, an die Arbeit eines anderen anzulegen, oder nicht?  ;)

Soviel zu dem "Perfektionismus". Ein solcher lässt sich selbstverständlich nicht sachlich nachweisen oder feststellen sondern eine reine Ansichtssache. Perfektionismus kann schließlich auch etwas zufälliges sein, muss natürlich nicht zwangsläufig ein "Kunstprodukt" sein. Aber wie ich im vorhergehenden Posting schon schrieb - eigentlich geht es nur sekundär um Perfektionismus, aus Ermangelung alternativer, passenderer Beschreibungen sah ich mich allerdings gezwungen, auf dieses Wort zurückzugreifen.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Nicht das du gezwungen gewesen wärst, meine Kritiken zu beurteilen und schon gar nicht erwarte ich, dass du ein Fan von mir wirst, aber das du die Veränderungen nicht wesentlich (damit meine ich nicht besser) findest, empfinde ich als Enttäuschung. Ich habe die drei Filme zum ersten mal komplex als Gesamtheit betrachtet, was ich noch nicht konnte, als ich "La Notte" beschrieb. Der Aufwand des Umschreibens war deutlich höher, als das zuvorige Verfassen der Ersttexte und ich habe nur etwa 20 % des Urtextes übernommen. Das du diese Veränderungen als nicht "sooo" gravierend empfindest, kann für mich nur bedeuten, dass du sie inhaltlich nicht erweitert findest.

Leider, ja. Das mag dich persönlich in Anbetracht deiner Bemühungen enttäuschen, ist aber kein negativer Kritikpunkt von mir - ich nickte zwar öfter beim Lesen, allerdings kam es (abgesehen von der Szenenanalyse im zweiten Absatz des "L'Avventura"-Reviews - der hat mir persönlich aufgezeigt, das es noch einige Parallelen mehr zwischen den anderen beiden Filmen und "L'Avventura" zu entdecken gibt) eigentlich nicht zu Überraschungsmomenten bei mir, mit anderen Worten: Inspiriert haben mich deine Texte zumindest hier nicht, allerdings bestätigt - und das an sich ist auch schon ein Vorzug. Gelegentlich ist es vonnutzen, die eigene Auffassung hochgeschätzter Filme zu hinterfragen, sich zu überlegen, ob man sich nicht möglicherweise versteigt - und dann sind Reviews wie diese durchaus ein erdender Blitzableiter. Gerade aber weil Antonionis Filme so grenzenlos sind, möchte man eben immer etwas mehr haben - ob ich das selbst in einem Review hinbekommen würde, ist allerdings eine berechtigte und ganz andere Frage auf die ich allerdings gerne irgendwann einmal eine Antwort in Form eines oder besser noch mehrerer Antonioni-Reviews geben würde.
Ich bin nun einmal eher ein "Nach dem Film"-Leser und du legst scheinbar gerade (was ich, bitte verstehe mich nicht falsch, löblich finde) bei Reviews zu renommierten Autorenfilmen wie diesem Wert darauf, neues Publikum für den betreffenden Film anzulocken und die Angst vor derartigen Filmen zu verkleinern - es ist eben schwer, es beiden Parteien recht zu machen, den Kennern und den Nicht-Kennern.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Ich betrachte dein Wirken ja insgesamt mit Sympathie, da ich deinen Filmgeschmack schätze, so dass es fast schade ist, dass ich ausgerechnet mit deinen Texten nicht so recht warm werde.

Genau das habe ich vermutet und geahnt.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Das hat weniger mit deinen Aussagen oder gar Analysen zu tun, denn diese kann ich fast immer nachvollziehen, sondern mit deinem Schreibstil.

Ach Herr, einerseits hast du vieles geschrieben, das ich harsch abstreiten muss, andererseits aber ist dein Problem mit meinen Kritiken zumindest zu 50 % auch mein Problem. Das wird schwierig... Warum allerdings

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Dazu passt auch deine, in meinen Augen überzogene Selbstkritik, die ich nur sehr schwer ernst nehmen kann - was nicht heisst, dass ich dich als Person nicht ernst nehme.

das? Ich versichere dir, diese Selbstkritik ist mir eine hochheilige, ernste Sache (die mir auch sehr zu schaffen macht), auch wenn sie vielleicht nicht hierher gehört und der Eindruck entstanden sein könnte, ich würde sie zur Schau stellen, eben um "Fishing for compliments" zu betreiben. Dem ist aber wirklich nicht so.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Ich versuche das an einem anderen Beispiel festzumachen. Als ich mit meinem Studium begann, war ich ein bemühter zeichnender Dilettant, bevor ich während des Studium dann jahrelangen Unterricht im Malen, Skizzieren und Zeichnen erhielt. Im Nachhinein wirken diese Anfangsversuche natürlich amateurhaft und vielleicht sogar lächerlich, aber sie sind ein Teil von mir und zeigen meine damalige Haltung. Deshalb möchte ich sie nie missen.

Darf ich daraus zwischen den Zeilen lesen, das sich Zeichnen (ich habe mich "auch schon" durch zwei Jahre Kunst & Gestaltung an der Fachoberschule gequält - daher) und beispielsweise auch das schreiben von qualitativ hochwertigen Reviews in deinen Augen erlernen oder üben lässt? Dann sollten wir das vielleicht unterlassen denn ein heikler Zank wäre dann wohl unausweichlich, weil ich das vollkommen anders sehe, ganz entgegen meinem eigenen "Perfektions" drang.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


McKenzie

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Jetzt könntest du dem entgegnen, dass ich meine frühen "Werke" ja auch nicht veröffentliche. Das stimmt, weshalb ich sogar verstehe, wenn Jemand hier bestimmte Kritiken wieder entfernt, aber deshalb würde ich mich dieser "Entwicklung" doch nicht schämen.

Wie ich bereits Sarge schrieb, es ist nicht nur die Scham sondern eher die unangenehme Situation, nicht mehr hinter dem Inhalt vieler Reviews zu stehen weil sich meine Sicht auf die jeweiligen Filme stark verändert hat, im positiven und auch gelegentlich im negativen. Wenn ich mich schämen würde, hätte ich mehr entfernen lassen müssen.
Und natürlich ist das Teil der Entwicklung, es ist aber eben die Frage, wo die Entwicklung einer bestimmten Sache beginnt und was in diesem Sinne die "Entwicklung der Entwicklung" ist. Mir gefallen beispielsweise deine frühesten Reviews mit Abstand am besten voll all deinen Texten, eine Entdeckung, die ich machte, als ich kürzlich nach dem Film "Diva" in der OFDb sah. Sicherlich, der Wille zur inhaltlichen Goldsuche ist noch nicht so ausgeprägt und warum du z. B. diesem Film 10 Punkte gibst, wird aus dem Text nicht offensichtlich, trotzdem ist der Text von einer Vitalität, Unbedarf- und Freundlichkeit die ich heute bei dir vermisse.
Worauf ich hinaus will: Es ist mir bedeutend gleichgültiger, was "man" von meinen Reviews hält als es vielleicht gemeinhin den Anschein hat. Aber dazu gleich mehr.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Selbstzweifel wie die deinen, sind einerseits sicherlich zur Entwicklung notwendig, aber ich habe viele "Künstler" erlebt, die genau daran gescheitert sind, dass sie nicht "Perfekt" wären. Abgesehen davon, dass Perfektion nicht messbar ist - wie soll man denn perfekt werden, wenn man nichts tut ?

Perfektion ist nichts anderes als eine willkürliche, individuelle Vorstellung von größtmöglicher Qualität und Reichhaltigkeit, Ausgeglichenheit. Daher ist es beispielsweise auch so problematisch, mit Kunst an Universitäten und Schulen sowie in Rezensionen umzugehen - die Kritiker, Professoren, Dozenten und Lehrer legen ihre eigenen Perfektionsmaßstäbe an die Arbeiten ihrer Schüler oder der weit entfernten Künstler an und begeben sich dadurch in einen ungeheuren Widerspruch.
Perfektion lässt sich meiner Meinung nach durchaus auch ohne Übung und lernen erreichen - möglicherweise wäre, wenn ich nur eine einzige Kritik in der OFDb veröffentlicht hätte, diese eine perfekt nach meinem Maßstab den ich mir durchaus anhand des Lesens anderer Kritiken und Aufsätze geformt haben könnte - ich sehe sehr oft Perfektion in anderen Kritiken, auch von Autoren, die allgemein nicht sonderlich bekannt oder geschätzt zu sein scheinen - Perfektion ist also das Gefühl, mit einem Text etwas wirklich erfasst zu haben - ob das nun nur ein Teil, ein Fragment oder ein Gedanke des betreffenden Filmes ist oder auch eine rundumfassende Analyse, ob der Text in rüpelhafter Umgangssprache oder sachlichem, wissenschaftlichen Gestus formuliert ist, das ist dabei vollkommen gleichgültig. Das Herz, der Kern und die Attitüde muss stimmen. Und hier habe ich oft das Gefühl, das aus meinen Texten genau jene "prätentiöse" und elitäre Überheblichkeit und Starrheit spricht, die ich selbst eigentlich so sehr verabscheue. Und dieses Gefühl hast du mit deinem Posting irgendwo bestätigt.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Das Schöne an der Eigenkrativität ist doch, dass man sich über sein Ergebnis freuen kann - und wenn auch nur für einen Momnt, bevor man begreift, wie man sich verbessern kann.

Zweifellos.  :respekt: Manchmal begreift man das selbst allerdings erst im falschen Moment.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Wenn ich dann bei dir lese, dass die perfekte Antonioni-Kritik noch gar nicht möglich ist, dann ist das - gelinde gesagt - prätentiöser Blödsinn. Du hebst diese Filme (zu recht) so hoch, dass ein Text quasi immer hinterher hinken muss. Aber Kritiken können doch eine Vielzahl von Intentionen verfolgen. Das kurze Statement, die Aufmerksammachung auf einen für viele unbekannten Fim, eine Einordnung in das Gesamtwerk und natürlich die ausschweifende Analyse.

Und noch viel mehr, richtig. Diese Aussage war kein prätentiöser Blödsinn sondern meine Meinung, die ich, wie bereits erwähnt, nicht zwingend anderen auferlegen möchte. Ich hebe diese Filme sicherlich hoch, allerdings nicht so hoch als dass mir nicht klar wäre, das sie erfassbar sind - wenn ich sie mit geistig und emotional erfassen kann, dann könnte ich sie auch schriftlich in einer Kritik erfassen - theoretisch. Praktisch sieht das anders aus. Erst vorgestern habe ich zum wiederholten Male "Die rote Wüste" und "La Notte" gesehen, allerdings erstmals auf der Kinoleinwand was den Filmen sicherlich gut tut. Zumindest "Die rote Wüste" hat sich mir dabei erstmals im maximalen Umfang (ebenfalls nach persönlichen Maßstäben gemessen) erschlossen und nun frage ich: Wie um alles in der Welt soll es mir im TEXT gelingen, die sinnlichen Erfahrungswelten und jenseits von purer Metaphorik oder Symbolik liegende, ebenso assoziative wie durchkomponierte Filmsprache, die sich weder durch den Dialog, noch die Bilder allein definiert, sinnvoll und mit Selbstbewusstsein, einem Gefühl der Sicherheit, auf dem Papier sprechen zu lassen und gleichzeitig Stellung dazu zu beziehen ohne das eine in Konflikt mit dem anderen zu bringen und darüber hinaus den "Raum des Zuschauers" (siehe oben im Posting an Chili) nicht einzuengen? Das die Schrift dem Film ohnehin in den Mitteln unterlegen ist, stellt normalerweise kein Hindernis dar - doch wenn ein Film so "unliterarisch" ist wie "Die rote Wüste", sperrt er sich der Beschreibung im Wort und der Analyse. Das ist keine übertriebene Ehrfurcht vor Antonioni und seinem Werk (ich hätte meinen alten "Zabriskie Point"-Text bei dem großem Reinemachen durchaus ebenfalls löschen können) sondern schlicht ein Gefühl des Überfordertseins, des an die Grenzen des Ausdrucks stoßens.

Verstehst du halbwegs, was ich meine?

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Aber wo fängt die an und wo hört sie auf ? In der "Filmzentrale" beginnt der "La Notte" Text mit der Architektur, auf die ich auch kurz eingegangen bin. Als Architekt könnte ich allein über dieses Thema problemlos 20 Seiten füllen, vielleicht wäre "Antonioni und die Architekturstile" ein angemessenes Doktorthema. Aber ist das notwendig, um den Filmen und Antonionis Gedanken in einer Filmkritik gerecht zu werden ?

Wie oben schon geschrieben, es ist nicht notwendig. Und es wird in Zukunft desöfteren Kritiken von mir geben (vorrausgesetzt das ich nicht doch die Flinte ins Korn werfen sollte), die sich von diesem "Umfassungs"-Anspruch befreit, nur mit einzelnen Teilaspekten oder Gedanken eines Films beschäftigen. Ich bin es leid, dieser Erwartung nachzukommen, es ist langweilig. Das dürfte viele meiner Texte für "Vor-dem-Film-Leser" entwerten, allerdings war ich dafür noch nie sonderlich geeignet, unter anderem deshalb:

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Ich meine nicht und damit komme ich zu deinen Texten zurück. Diese wirken immer so, als könntest du keinen Satz ertragen, der nicht vor Inhalt und analytischer Weisheit strotzt. Dadurch wirken sie fast künstlich und sind schwer zu lesen, aber "schwer" oder wie du es gern formulierst "sperrig" ist nicht automatisch gleich gut und anspruchsvoll, und es entspricht schon gar nicht dem Stil des von dir geliebten Meisters Antonioni.

Ich würde solche Sätze sehr gerne ertragen, ich müsste mich aber bewusst darum bemühen. Sobald man sich ausgesprochen bewusst um eine derartige Änderung des eigenen Stils sorgt, geht es beinahe immer schief, in vieler Hinsicht. Ich weiß, das viele meiner Texte verkrampft und steif, überladen wirken. Doch die ungeheure Anstrengung und Arbeit, von der ich schon öfter schrieb und die dafür verantwortlich ist, das mein Ausstoß nicht größer ist, liegt nicht im wie (auch nicht im "Wie bringe ich möglichst viele Informationen in einem Satz unter, um Länge einzusparen") sondern im was - Was stelle ich besonders heraus, was ist für mich persönlich von Bedeutung und gleichzeitig aber vielleicht auch für den Leser (denn ganz für mich selbst schreibe ich denn doch nicht), was ist offensichtlich, was weniger - es geht nicht um bedeutungsschwangere, tiefenanalytische Sätze (welche Texte wären hier Beispiele? Grundgütiger, das trifft doch eigentlich erst auf einige wenige, jüngere Reviews zu) die kein Wort der Banalität überlassen, sondern um eine Erfassung des Films, auch für mich selbst. Letztlich habe ich bisher immer Wert darauf gelegt, eine bestimmte Form beizubehalten und dem Leser ein ganzes Stück entgegenzukommen, das werde ich in Zukunft weniger oder vielleicht sogar nicht mehr tun, sprich: egoistischer Kritiken schreiben. Letztlich bedeutet eine Kritik für mich die intensivste Beschäftigung mit einem Film und meinem eigenen Kunstverständnis und nur ein geringer Teil der von mir angestellten Überlegungen schafft es tatsächlich aufs Papier. Wenn ich Menschen auf einen Film aufmerksam mache, freut mich das - allerdings ist mir inzwischen auch klar geworden, das die eben beschriebene Verschiebung meiner Werte nicht viel ändern wird an der Aufmerksamkeit der Leser - ich bin meinem Vorsatz der Leserfreundlichkeit nie treu gewesen, so sehr ich sie mir auch herbei gesehnt habe. Wenn ich sie jetzt "ablege", bedeutet das lediglich, das ich in Zukunft in dem Bewusstsein, mir mit einem Review selbst etwas zu "gönnen" und "beizubringen" schreiben werde und somit offener, befreiter und vielseitiger sein kann.

Um noch einmal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Die Arbeit besteht nicht darin, die Reviews analytisch und intellektuell aufzublasen sondern darin, den Film zu erfassen, sein Wesen zu beschreiben. Und das kann natürlich so enden, weil das Wesen eines Films schwerer zu erfassen ist als der Film selbst.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Dadurch wirken sie fast künstlich und sind schwer zu lesen

Über die Lesbarkeit meiner Texte herrschen geteilte Meinungen, ich habe auch einen Bekannten, der schon einmal kritisierte, ich wäre um zu flüssige Lesbarkeit bemüht (!). Doch um noch einmal auf das künstlich zurückzukommen: Ich schreibe und sauge mir nicht auf den Ohren. Manchmal rattere ich einen Text innerhalb von 25 Minuten herunter, der genau die von dir kritisierten Eigenschaften besitzt. Auch wenn ich vor einiger Zeit ( :icon_mrgreen:) erwähnte, meine Form mache mir Sorgen, so lehne ich es ab, ihr erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken beim schreiben selbst. Nicht das wie ist mir wichtig, sondern das was, das schrieb ich bereits. Ein Indiz dafür ist - und möglicherweise ist gerade das ein wichtiger Teil der von dir beschriebenen "Künstlichkeit" - die "Unkürzbarkeit" meiner Texte. Inhaltlich wären Kürzungen sicherlich möglich, es ist aber beinahe nie möglich, einzelne Sätze zu streichen weil sich stets ein Satz auf den vorhergehenden bezieht - dieses Phänomen habe ich bei anderen Kritikern noch nicht beobachtet, allerdings kommt dieses enge Gefüge bei mir nicht durch stundenlanges Grübeln sondern rein instinktiv zustande, genauso wie ich nach der Beendigung der eigentlichen Schreibarbeit meist kaum mehr Änderungen, die über Rechtschreib- und Satzzeichen-Korrektur hinaus gehen, vornehme. Beim schreiben verlasse ich mich, ebenso wie beim musizieren oder beim zeichnen / malen mehr auf meine Intuition - daher erfolgen nützliche und wichtige Reflexionen über das "Werk" oft erst im Nachhinein was freilich eine Schwäche ist.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
aber "schwer" oder wie du es gern formulierst "sperrig" ist nicht automatisch gleich gut und anspruchsvoll, und es entspricht schon gar nicht dem Stil des von dir geliebten Meisters Antonioni.

Es gibt nur sehr wenige Texte, die ich selbst als gut bezeichnen würde. Mit anderen Worten: DAS hast du gesagt.  ;)

Sperrig und schwer ist - in meinen Augen - im Zweifelsfall aber auch wesentlich interessanter als

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
inhaltlich tiefe Leichtigkeit

die gerade derzeit überall und vielerorts von beinahe allen Autoren, Kritikern, Regisseuren, Musikern und sonstigen Künstlern betrieben wird. Anspruchsvoll, aber unterhaltend, tief aber kurzweilig, fordernd aber anschmiegsam, bodenständig aber schwebend, etc., etc., etc. Das erinnert mich an das Werbe-Programmheft des Nürnberger Kinomoguls Weber, der bei allen Filmen, die jenseits des Blockbuster-Rummels lieben, sprich: Den populäreren Programmkino-Filmen, die stets auch deutsch synchronisiert und nicht nur mit Untertiteln starten, Texte verwendet, die stets betonen, das der jeweilige Film zwar sehr anspruchsvoll und intelligent wäre, gleichzeitig aber auch beschwingt, humorvoll oder "luftig-leicht". Dadurch entsteht ein Komfort, aber auch eine Unverbindlichkeit, die Ecken und Kanten, Markanz, Ungewöhnliches und Experimente, neue Erfahrungen und Auseinandersetzung unterbindet. Wenn ich mir einen Film wie "Die Klavierspielerin" ansehe, ist das eine alles andere als angenehme Erfahrung. Dennoch gebe ich ihm aber 9 - 10/10 weil ich das Gefühl habe, bereichert worden zu sein. Das der Film dabei trotzdem moralistisch, klobig-didaktisch und trocken inszeniert ist, nehme ich dabei gerne in Kauf, weil mehr hängen geblieben ist als beispielsweise von der "fabelhaften Welt der Amelie", auch wenn dieser wesentlich angenehmer, innovativer, lebendiger und inhaltlich nicht unbedingt weniger Potenzial besitzt als der statische Haneke Film.
Ich weiß, das du es vermutlich anders gemeint hast, denn du schreibst ja auch:

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Deine Kritiken versuchen auch so eine "versteckte Verklausulierung", scheitern aber an ihrer Offensichtlichkeit, dieses Ziel zu erreichen.

Nur ist man bei einer solchen Formulierung oder Gedankenspirale:

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Die grösste Meisterschaft liegt nämlich in einer inhaltlich tiefen Leichtigkeit, der die harte Arbeit bei der Entstehung nicht anzumerken ist.

schnell bei dem von mir eben Beschriebenen.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Gerade Antonioni beweist das, denn seine Bilder und Geschichten sind meist von einer absoluten Klarheit, fast bis zur Transparenz. Die Tiefe der Gedanken erschliessen sich nicht sofort, da sie nicht vordergründig demonstriert werden

Damit hast du beispielsweise teilweise recht, andererseits gibt es auch hier zwei Ebenen, wie der neue Rudolf Thome Film so schön heißt: Das Sichtbare und das Unsichtbare. Das Sichtbare ist vielleicht schon das, was wir als das Unsichtbare bei der Rezeption und Rezension hervorzuholen meinen, doch ist das sicher schon alles? Es ist immer noch mehr da, und hier beginnt wieder eine Grenze, die nicht klar zu umreißen ist, von Transparenz kann imo hier und beinahe nirgendwo die Rede sein. Die Selbstsicherheit des Menschen (es wird jetzt nicht philosophisch oder prätentiös, ist lediglich ein Kommentar von mir) ist ein Geschenk und ein Fluch gleichermaßen und wenn es um andere Menschen gibt, täte er oft gut daran, sie etwas zurückzuschrauben - was das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit keinesfalls beeinträchtigen muss. Und genauso ist es eben auch mit Filmkritiken und es spielt dabei auch eine Rolle, ob man den Filmkritiker kennt oder nicht. Drei Freunde von mir schreiben ebenfalls (allerdings zwei von ihnen nicht in der OFDb) und mein Zugang zu ihren Texten ist ein ganz anderer, genauso wie ihr Zugang zu den meinigen sich vollkommen von dem deinigen unterscheidet, den du - Danke noch einmal dafür (weil ich damit wirklich etwas anfangen kann) - sehr präzise beschrieben hast.



Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Hier solltest du dich einfach mal entschlacken, anstatt aufzuhören - und dazu gehört Übung...

Das ist auch schon länger mein Wunsch, durch üben lässt sich das aber eben in meinen Augen nie und nimmer erreichen. Übung macht den Meister - das gilt vielleicht für technische, wissenschaftliche Dinge - und hierzu zählen Film-Reviews nicht. Es ist im Endeffekt doch besonders wichtig, in Bewegung zu bleiben und sich zu entwickeln, egal ob in die gewünschte Richtung oder nicht.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
(nichts gegen vordergründig, alles zu seiner Zeit)

Noch mehr würde ich mir für mich selbst einen wesentlich vordergründigeren und plakativeren Stil wünschen. Der Irrglaube, Intelligenz, Talent und Inspiration würden sich besonders in Subtilität und Unterschwelligkeit manifestieren, geht mir schon seit jeher gewaltig auf die Nerven da er etwas dezent Menschenverachtendes und elitäres an sich hat.

Zitat von: Bretzelburger am  5 Januar 2008, 21:08:11
Deine Kritiken versuchen auch so eine "versteckte Verklausulierung", scheitern aber an ihrer Offensichtlichkeit, dieses Ziel zu erreichen.

Noch einmal - um zu resümieren - das kann gut sein, allerdings ist das (eine "verstecke Verklausulierung") nicht meine Absicht sondern - wenn wirklich so präsent - ein unbewusster Reflex, eine geheime Angewohnheit derer ich mir noch nicht bewusst geworden bin.

ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


McKenzie

9 Januar 2008, 00:52:30 #482 Letzte Bearbeitung: 9 Januar 2008, 00:54:58 von McKenzie
Das war's für heute, mehr in den nächsten Tagen. Die gelegentliche Länge meiner Postings dürft ihr im übrigen durchaus als Respektsbekundung vor euch ansehen.  ;) :icon_mrgreen:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Nein, lässt es sich nicht. Je mehr ich über den Film nachdenke, desto problematischer erscheint er mir.

Welche Eindeutigkeit!
Gelegentlich komme ich wirklich ins Schwanken, wenn sich die Frage aufwirft, ob das bei die wirklich nur Polemik ist und nicht reiner Größenwahnsinn.  :icon_lol:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Ich bin zwar gnädig mit Croni, aber allein das erschreckend flache Ende muss jedem Fan des Regisseurs übel aufstoßen.

Wenn ich jetzt behaupte, dass das Ende keineswegs flach sondern äußerst komplex ist, zeigst du mir bestimmt einen Vogel, oder?

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Wir planen lieber eine Konferenzschaltung per Telefon, das wäre bestimmt einfacher - und witziger. :icon_mrgreen:

Wahrscheinlich schon.  :pidu:
Bitte versprich mir das du dir, wenn wir uns während der Berlinale treffen sollten, mindestens drei Stunden Zeit nimmst für dieses Gipfeltreffen.  :icon_cool:

Zitat von: Chili Palmer am  8 Januar 2008, 22:40:05
Monsterposting muss wirklich nicht sein, ich wollte halt nur mal was skandieren.  :icon_mrgreen:

Wenn man vom Teufel spricht. Mit der Antwort auf Bretzels Posting habe ich gerade die maximale Zeichenanzahl überschritten und musste es zweiteilen... :scar:

Zitat von: Chili Palmer am  8 Januar 2008, 22:40:05
Für Liebe kenne ich sein Werk nicht gut genug.  :icon_sad:

Den muss man als Hamburger auch nicht kennen, so wie man alle Attraktionen der Stadt den Touris überlässt.  :LOL:

Du solltest ihn dir vormerken, es lohnt sich. Meine Classic-Hollywood-Entdeckung 2007. Derzeit beackere ich gerade sowieso das alte Hollywood wie nie zuvor: Vincente Minnelli, Frank Capra, Otto Preminger, Billy Wilder, Howard Hawks, William Wyler, Preston Sturges, John M. Stahl, Robert Siodmak, John Ford, Edward Dmytryk, John Huston, Anatole Litvak und wie sie alle weiß Gott auch heißen - stehen auf der Warteliste.  :love:

Aber gut geschult, Chili! Wer weiß - vielleicht hätte Sierck ja auch einen der St. Pauli-Filme gedreht, wenn er nach seiner Rückkehr nach Deutschland weitergearbeitet hätte?  :icon_eek:

Zitat von: Rügenwalder Sesselmett am  8 Januar 2008, 22:37:21
Sach ma, Freund Blase, ist das 90ziger in Deiner Sig ein Scherz?

Nö, ist mein voller Ernst. Ich vergöttere "Basic Instinct" und halte ihn für einen der herausragendsten Filme der sonst unseligen Dekade mit der 9.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Crumby Crumb & the Cunty Bunch

Ich meinte auch eher, daß "90ziger" falsch ist, so würde es ja Neunzigziger heißen ;).
Ja ich weiß, Korinthenkacker, aber in einer Sig muß das nicht sein, da bekomme ich ja immer wieder Augenkrebs.
'Are you talkin' to me? You talkin' to me?' - Raging Bull, Pacino. Love that movie!

McKenzie

Danke für den Hinweis, einer meiner hartnäckigsten Fehler. Ebenfalls bereits verewigt in unzähligen Reviews...  :kotz:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Chili Palmer

Zitat von: McKenzie am  9 Januar 2008, 00:52:30
Bitte versprich mir das du dir, wenn wir uns während der Berlinale treffen sollten, mindestens drei Stunden Zeit nimmst für dieses Gipfeltreffen.  :icon_cool:

Du willst dich drei Stunden lang prügeln? Respekt, dann komme ich auch nach Berlin, das muss ich sehen.  :LOL:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Mr. Vincent Vega

Zitat von: McKenzie am  9 Januar 2008, 00:52:30
Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Nein, lässt es sich nicht. Je mehr ich über den Film nachdenke, desto problematischer erscheint er mir.

Welche Eindeutigkeit!
Gelegentlich komme ich wirklich ins Schwanken, wenn sich die Frage aufwirft, ob das bei die wirklich nur Polemik ist und nicht reiner Größenwahnsinn.  :icon_lol:

Wie soll ich das jetzt verstehen?

Oder erwartest du von mir etwa wirklich derart ausführliche Pamphlete Postings, wie du sie darbietest? :icon_mrgreen:

Ich haue hier Sachen rein, und das war's. Botschaften kann man mit der Post schicken.

Zitat von: McKenzie am  9 Januar 2008, 00:52:30
Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Ich bin zwar gnädig mit Croni, aber allein das erschreckend flache Ende muss jedem Fan des Regisseurs übel aufstoßen.

Wenn ich jetzt behaupte, dass das Ende keineswegs flach sondern äußerst komplex ist, zeigst du mir bestimmt einen Vogel, oder?

Nein, aber ich würde es für überkonstruiert und zweifelhaft halten, andererseits: wenn der Film es hergibt und es PLAUSIBEL ist, nur zu. Ich lasse mich gerne von dir bequatschen beim Treffen.

(*schon mal genug Kippen einpack*)

Zitat von: McKenzie am  9 Januar 2008, 00:52:30
Bitte versprich mir das du dir, wenn wir uns während der Berlinale treffen sollten, mindestens drei Stunden Zeit nimmst für dieses Gipfeltreffen.  :icon_cool:

Versprechen kann ich gar nichts, aber je nachdem wie lange du bleibst, werde ich entsprechende zeitliche Vorkehrungen treffen, ok? ;)

PS: Ich mache mir grad Sorgen, ob ich so ein Treffen überstehen werde.

Chili Palmer

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Botschaften kann man mit der Post schicken.

Polanski! Bekomme ich einen Preis?  :icon_razz:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Happy Harry mit dem Harten

Zitat von: Chili Palmer am  9 Januar 2008, 01:56:35
Polanski! Bekomme ich einen Preis?  :icon_razz:

Nicht Woody Allen?

Chili Palmer

10 Januar 2008, 00:02:44 #489 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2008, 00:22:41 von Chili Palmer
Nun, da brauchen wir wohl einen Unparteiischen.  :00000109:

Ach so, hierzu noch mal:


Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Ein Bekannter formulierte es erst heute im Chat sehr treffend, ich zitiere mal:

SPOILER

Zitatdass am ende der böse schwule am rande des kindsmord steht und gegen das heterosexuelle paar in einer ikonographie der heligen familie ausgespielt wird, kann man ihm [cronenberg] eigentlich nie mehr verzeihen.

SPOILER

Ist da nicht ein wenig zuviel hineininterpretiert? War der "böse Schwule" wirklich so böse? Habe das gar nicht so in Erinnerung.
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

McKenzie

10 Januar 2008, 00:14:34 #490 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2008, 00:18:45 von McKenzie
Zitat von: Chili Palmer am  9 Januar 2008, 01:19:18
Du willst dich drei Stunden lang prügeln? Respekt, dann komme ich auch nach Berlin, das muss ich sehen.  :LOL:

Das kleine Fliegengewicht stecke ich fränkisch-bulliger Holzfäller locker in die Tasche!  :icon_twisted: :icon_lol:

Aber komm nur nach Berlin, komm nur! *erfreutdieHändereib*

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Wie soll ich das jetzt verstehen?

Vielleicht bin ich auch einfach neidisch auf soviel Selbstbewusstsein.

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Oder erwartest du von mir etwa wirklich derart ausführliche Pamphlete Postings, wie du sie darbietest? :icon_mrgreen:

Nein, natürlich nicht. Auch wenn man sich doch mal vor Augen halten muss, das diese Postings nicht einmal ansatzweise die Aussagekräftigkeit einer verbalen Konversation erreichen. Ich bin eben eine Plaudertasche.  ;)
Ich erwarte allerdings mehr, als nur die Feststellung, das du der einzige bist, der recht hat, immer und immer wieder. Das ist doch inzwischen hinlänglich bekannt, oder nicht?  :icon_mrgreen:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Nein, aber ich würde es für überkonstruiert und zweifelhaft halten, andererseits: wenn der Film es hergibt und es PLAUSIBEL ist, nur zu.

Hast du mein Review gelesen? Da deute ich doch schon etwas davon an... (Ausformen wollte ich es nicht, das wäre dann zu prätentiös und interpretativ spoilerig gewesen).

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Ich lasse mich gerne von dir bequatschen beim Treffen.

(*schon mal genug Kippen einpack*)

Ach, auch ein Quarzer. Oh je, da werden die Berliner Emissionen aber gewaltig zunehmen...

Allerdings würde ich ja zu gerne mit dir "Die Rache des Paten" ansehen, einem solch üblen Inferno an unglaublicher Frauenfeindlichkeit, extremer Homophobie, Gewaltverherrlichung, Plagiaten, Macho-Pathos und faschistoiden Thesen in deiner Gegenwart beizuwohnen stelle ich mir schon außerordentlich ergötzlich vor.  :king:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Versprechen kann ich gar nichts, aber je nachdem wie lange du bleibst, werde ich entsprechende zeitliche Vorkehrungen treffen, ok? ;)

Wunderbar!  :icon_razz:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
PS: Ich mache mir grad Sorgen, ob ich so ein Treffen überstehen werde.

Ach ja... soll ich meine beiden Freunde, die übrigens einen ähnlich prätentiösen Filmgeschmack und ähnlich nerdige Anwandlungen haben wie ich, ebenfalls mitbringen?  :pidu: :icon_mrgreen:

Ich kann es wirklich kaum erwarten... Dieses Treffen wird, neben "There will be Blood" und der deutschen Filmreihe, definitiv ein ganz großes Highlight der Berlinale.  :love:

Zitat von: Chili Palmer am 10 Januar 2008, 00:02:44
Ist da nicht ein wenig zuviel hineininterpretiert? War der "böse Schwule" wirlich so böse? Habe das gar nicht so in Erinnerung.

Du hast auch vollkommen recht, Chili. Kirill ist imo, neben Naomi Watts, der oberflächlichste und sich seiner Handlungen am wenigsten bewusste Charakter unter den Protagonisten, quasi das andere "Unschuldslamm", ein großer dummer Junge, der gar nicht wirklich kapiert, was um ihn rum und mit ihm selbst geschieht.
Homophobie oder spießigen Mief sehe ich da überhaupt nicht, ist alles wieder eine hemmungslose Hysterie.  :icon_rolleyes:

PS: Wo sind eigentlich die Avatare hin? Mettokalypse?

PPS: Ich sage ebenfalls Polanski
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Chili Palmer

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Aber komm nur nach Berlin, komm nur! *erfreutdieHändereib*

Zwei militante "Star-Wars"- und "Herr-der-Ringe"-Fanatiker auf einen Schlag? Das willst du nicht wirklich.  :icon_mrgreen:

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Kirill ist imo, neben Naomi Watts, der oberflächlichste und sich seiner Handlungen am wenigsten bewusste Charakter unter den Protagonisten, quasi das andere "Unschuldslamm", ein großer dummer Junge, der gar nicht wirklich kapiert, was um ihn rum und mit ihm selbst geschieht.

Sehe ich auch so.

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
PS: Wo sind eigentlich die Avatare hin? Mettokalypse?

Nein, Uri Geller. Sarge weiß Näheres.  :icon_cool:

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
PPS: Ich sage ebenfalls Polanski

:icon_razz:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

McKenzie

Zitat von: Chili Palmer am 10 Januar 2008, 00:28:29
Zwei militante "Star-Wars"- und "Herr-der-Ringe"-Fanatiker auf einen Schlag? Das willst du nicht wirklich.  :icon_mrgreen:

Vielleicht will ich ja gerade das?  :icon_cool: :icon_twisted:

Zitat von: Chili Palmer am 10 Januar 2008, 00:28:29
Sehe ich auch so.

Es liegt meiner Meinung nach doch auf der Wand (Die väterliche Standpauke Cassels durch Müller-Stahl, gefilmt durch die Beine von Mortensen hindurch - bedarf dieser Moment z. B. noch einer Erklärung?). Den Wald vor lauter Bäumen nicht, sag' ich bloß.  ;)

Zitat von: Chili Palmer am 10 Januar 2008, 00:28:29
Nein, Uri Geller. Sarge weiß Näheres.  :icon_cool:

Gut, das ich kein Fernsehen habe. Ich verstehe kein Wort, bitte aber Sarge um Auskunft und ziehe mich zurück.  :icon_mrgreen:
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


psychopaul

Zu Kyrill: ist das nicht genau ein Jahr her, hier hatte es damals 15 Grad plus mitten im Januar, mitten in der Nacht *schwärm*

so und jetzt zu Kirill: wegen "böse": hat der nicht den ein oder anderen im Film umlegen lassen? (den zu Beginn) also, ihr beschreibt ihn zwar treffend, ein Unschuldslämmchen sieht aber auch anders aus..  ;)


Übrigens @ Mc, weil Chili gerade von Herr der Ringe spricht..  :king: zu Weihnachten wieder nur kurz und ausschnittsweise in die Filme reingeschaut und stets hat mich sofort die geniale Inszenierung von Jackson gepackt, vor allem in dem "Frodo-Strang" ist das alles sowas von traumhaft inszeniert, Gänsehaut pur, diese Trilogie ist ein Meisterwerk (mit Abstrichen), bei der nächsten Viennale nehm ich mir gerne auch mal 3 Stunden Zeit, dir das zu erklären.  :icon_mrgreen:
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Three little devils jumped over the wall...

Chili Palmer

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:50:01
Vielleicht will ich ja gerade das?  :icon_cool: :icon_twisted:

Uns bekehren, hm? You'll walk out there a Jedi and like it.  :icon_twisted:

Zitat von: Bettwurst am 10 Januar 2008, 00:54:36
so und jetzt zu Kirill: wegen "böse": hat der nicht den ein oder anderen im Film umlegen lassen? (den zu Beginn) also, ihr beschreibt ihn zwar treffend, ein Unschuldslämmchen sieht aber auch anders aus..  ;)

Da ich den ganzen Film ja auch als Weihnachtsmärchen im Cronenberg-Style begreife, ist selbstverständlich auch das Unschuldslamm 'ne miese Socke, das sei ihm zugestanden.  :icon_smile:
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

psychopaul

Miese Socke..Weihnachtsmärchen..da muß ich eher an den Polarexpress denken.  :king:

hast du da ein Review zu geschrieben?? bin schon zu faul heute, um noch nachzusehen..  :doof:


jedenfalls, ganz schön prall war der Sack des roten Penners..der Film nicht gar soo..


Paule, nur noch wortfetzenhaft vor sich hin delierierend, ich schalt jetzt mal die Kiste aus und widme mich dem Lernstoff zu.  :algo:
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Sarge

10 Januar 2008, 03:05:48 #496 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2008, 03:09:04 von Sarge
ZitatGut, das ich kein Fernsehen habe. Ich verstehe kein Wort, bitte aber Sarge um Auskunft und ziehe mich zurück.

"Auf warf ich das Fenstergatter, als herein mit viel Geflatter
schritt ein stattlich stolzer Rabe wie aus Sagenzeiten her;
Grüßen lag ihm nicht im Sinne; keinen Blick lang hielt er inne;
mit hochherrschaftlicher Miene flog empor zur Türe er -
setzt' sich auf die Pallas-Büste überm Türgesims dort - er
flog und saß - nichts weiter mehr."


Zitat von: Sarge am  8 Januar 2008, 23:15:58
Zitat von: Chili Palmer am  8 Januar 2008, 22:49:08
Selbstverständlich wollen wir manipuliert werden.

Ich nicht. Ausgerechnet jetzt fallen die Avatare aus, ausgerechnet jetzt, wo ich extreme Uri-Geller-Bestrahlung vernehme. Jetzt könnt ich meinen Aluhut gebrauchen.

Zitat von: Chili Palmer am  8 Januar 2008, 23:51:31Genau deshalb fallen ja die Avatare aus.

Falls du mal beim Uri reingeschaut hast:
Als neuen Avatar solltest du unbedingt den Rabenmann nehmen, der scheint gegen so ziemlich alles resistent zu sein.  :icon_lol:

"Doch dies ebenholzne Wesen ließ mein Bangen rasch genesen,
ließ mich lächeln ob der Miene, die es macht' so ernst und hehr:
"Ward dir auch kein Kamm zur Gabe", sprach ich, "so doch stolz Gehabe,
grauslich grimmer alter Rabe, Wanderer aus nächtger Sphär'-
sag, welch hohen Namen gab man dir in Plutos nächtger Sphär'?"
Sprach der Rabe, 'Nimmermehr.'"

http://www.gemeinschaftsforum.com/forum/index.php/topic,93272.0.html

"Staunend hört' dies rauhe Klingen ich dem Schnabel sich entringen,
ob die Antwort schon nicht eben sinnvoll und bedeutungsschwer;
denn wir dürfen wohl gestehen, daß es keinem noch geschehen,
solch ein Tier bei sich zu sehen, das vom Türgesimse her -
das von einer Marmor-Büste überm Türgesimse her
sprach, es heiße 'Nimmermehr.'"

http://uk.youtube.com/watch?v=qbZL4X1zL2E

"Und der Rabe rührt' sich nimmer, sitzt noch immer, sitzt noch immer
auf der bleichen Pallas-Büste überm Türsims wie vorher;
und in seinen Augenhöhlen eines Dämons Träume schwelen,
und das Licht wirft seinen scheelen Schatten auf den Estrich schwer;
und es hebt sich aus dem Schatten auf dem Estrich dumpf und schwer
meine Seele - nimmermehr."

http://uk.youtube.com/watch?v=IYBb_OQ1Tns

psychopaul

Zitatliest auf rätselhafte Weise Gedanken

:LOL:  :algo:  :icon_rolleyes:


Empfehlenswerte Lektüre zu solchem Schabernack
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Mr. Vincent Vega

10 Januar 2008, 13:00:19 #498 Letzte Bearbeitung: 10 Januar 2008, 13:02:31 von Mr. Vincent Vega
Zitat von: Chili Palmer am  9 Januar 2008, 01:56:35
Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Botschaften kann man mit der Post schicken.

Polanski! Bekomme ich einen Preis?  :icon_razz:

Öhm, ja, ok, aaaaaber: ich habe Roger Moore zitiert, der sagte das am Set von THE SPY WHO LOVED ME, und scheint das dann wohl ganz übel geklaut zu haben. :icon_mrgreen:

Zitat von: Chili Palmer am 10 Januar 2008, 00:02:44
Ach so, hierzu noch mal:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am  8 Januar 2008, 22:38:25
Ein Bekannter formulierte es erst heute im Chat sehr treffend, ich zitiere mal:

SPOILER

Zitatdass am ende der böse schwule am rande des kindsmord steht und gegen das heterosexuelle paar in einer ikonographie der heligen familie ausgespielt wird, kann man ihm [cronenberg] eigentlich nie mehr verzeihen.

SPOILER

Ist da nicht ein wenig zuviel hineininterpretiert? War der "böse Schwule" wirklich so böse? Habe das gar nicht so in Erinnerung.

Nun: Derjenige, der besagtes Fazit zog, ist schon ein cleveres Kerlchen, das kann ich versichern (trotz des prätentiösen Filmstudentenstatus', den er hat). Ich selbst würde so hart auch nicht mit Croni ins Gericht gehen, ebenso wie ich weder dem Film noch seinem Regisseur bewusste Homophobie unterstellen würde, das ließe auch eher auf Unverständnis des Gesamtwerkes schließen, aber wie ich auch im Review schrieb, fand ich das Ende ziemlich furchtbar und rückwärts gedacht.

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Das kleine Fliegengewicht stecke ich fränkisch-bulliger Holzfäller locker in die Tasche!  :icon_twisted: :icon_lol:

:icon_eek:

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Zitat von: Mr. Vincent Vega am  9 Januar 2008, 01:42:11
Nein, aber ich würde es für überkonstruiert und zweifelhaft halten, andererseits: wenn der Film es hergibt und es PLAUSIBEL ist, nur zu.

Hast du mein Review gelesen? Da deute ich doch schon etwas davon an... (Ausformen wollte ich es nicht, das wäre dann zu prätentiös und interpretativ spoilerig gewesen).

Willst du es ausführlich haben oder reicht die Kurzform?

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Ach, auch ein Quarzer. Oh je, da werden die Berliner Emissionen aber gewaltig zunehmen...

Sehr gut, dann brauche ich die Diskussion, dass wir entsprechende (und zahlenmäßig rare) Raucherlokalitäten aufsuchen, schon mal gar nicht vorbereiten. :icon_lol:

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Allerdings würde ich ja zu gerne mit dir "Die Rache des Paten" ansehen, einem solch üblen Inferno an unglaublicher Frauenfeindlichkeit, extremer Homophobie, Gewaltverherrlichung, Plagiaten, Macho-Pathos und faschistoiden Thesen in deiner Gegenwart beizuwohnen stelle ich mir schon außerordentlich ergötzlich vor.  :king:

Gern. Wenn ich dann ein 1/10-Review schreiben darf. ;)

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Ich kann es wirklich kaum erwarten... Dieses Treffen wird, neben "There will be Blood" und der deutschen Filmreihe, definitiv ein ganz großes Highlight der Berlinale.  :love:

Das habe ich mir ja schon immer gewünscht - ein Highlight neben einer deutschen Filmreihe zu sein.

:icon_lol:

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Du hast auch vollkommen recht, Chili. Kirill ist imo, neben Naomi Watts, der oberflächlichste und sich seiner Handlungen am wenigsten bewusste Charakter unter den Protagonisten, quasi das andere "Unschuldslamm", ein großer dummer Junge, der gar nicht wirklich kapiert, was um ihn rum und mit ihm selbst geschieht.

Und das sagt jetzt was genau aus? Nur weil Croni da eine Figur weniger tief anlegt, kann sie nicht als Instrument für das Loblied auf Familie missbraucht werden? Dann doch erst recht!

Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Homophobie oder spießigen Mief sehe ich da überhaupt nicht, ist alles wieder eine hemmungslose Hysterie.  :icon_rolleyes:

Du und deine Tomaten auf den Augen. ;)

McKenzie

Zitat von: Bettwurst am 10 Januar 2008, 00:54:36
so und jetzt zu Kirill: wegen "böse": hat der nicht den ein oder anderen im Film umlegen lassen? (den zu Beginn) also, ihr beschreibt ihn zwar treffend, ein Unschuldslämmchen sieht aber auch anders aus..  ;)

Chilis weihnachtliches Argument sollte zwar schon alles sagen, ich setze noch einen hinterher und behaupte, Kirill ist ein kleiner Junge, der gerne Tiere quält. Jedenfalls wird er von Cassel und der Regie keinesfalls als erwachsener Mann, der sich der Tragweite seiner Handlungen bewusst ist, gezeichnet. Im übrigen ist er natürlich auch der schwarzhumorig behaftetste Charakter des Films.  ;)

Zitat von: Chili Palmer am 10 Januar 2008, 01:05:54
Uns bekehren, hm? You'll walk out there a Jedi and like it.  :icon_twisted:

You don't really want this to happen, Honey.  :icon_twisted:

Zitat von: Bettwurst am 10 Januar 2008, 01:21:29
Miese Socke..Weihnachtsmärchen..da muß ich eher an den Polarexpress denken.  :king:

:respekt:


@ Sarge:


Wenn ich dein Posting richtig deute, amüsierst du dich königlich und würdest ohne weiteres einen Trash-Award für die Show vergeben, richtig?  :icon_mrgreen: Jetzt bin ich noch glücklicher, keinen Fernseh-Zugriff zu haben.  :icon_eek:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Nun: Derjenige, der besagtes Fazit zog, ist schon ein cleveres Kerlchen, das kann ich versichern (trotz des prätentiösen Filmstudentenstatus', den er hat). Ich selbst würde so hart auch nicht mit Croni ins Gericht gehen, ebenso wie ich weder dem Film noch seinem Regisseur bewusste Homophobie unterstellen würde, das ließe auch eher auf Unverständnis des Gesamtwerkes schließen, aber wie ich auch im Review schrieb, fand ich das Ende ziemlich furchtbar und rückwärts gedacht.

Es scheint wirklich enorm viel davon abzuhängen, in welchen Hals man den Film bekommt. Mir erschien das Ende ausgesprochen konsequent und folgerichtig, wenn auch dramaturgisch äußerst unglücklich gelöst vom Drehbuch.

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Zitat von: McKenzie am 10 Januar 2008, 00:14:34
Das kleine Fliegengewicht stecke ich fränkisch-bulliger Holzfäller locker in die Tasche!  :icon_twisted: :icon_lol:

:icon_eek:


"It's nice to be Breiß (= Preuße), it's higher to be a Bayer aber Godseidangk bin i a Frank'."  :king:

(Postmodernes fränkisches Sprichwort und Trinkspruch)

"Ein Franke bietet Schatten im Sommer und Wärme im Winter"

Ausrede für alle Franken, die ihr Heiligtum, das gute Hopfengebräu, zu sehr verehren und in Folge dessen einen ordentlichen Vorbau haben

:icon_mrgreen: :icon_twisted: :kotz: :icon_lol:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Willst du es ausführlich haben oder reicht die Kurzform?

Wie es dir beliebt, ausführlich brächte dir aber natürlich zusätzliche Bonus-Punkte ein.  ;)

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Sehr gut, dann brauche ich die Diskussion, dass wir entsprechende (und zahlenmäßig rare) Raucherlokalitäten aufsuchen, schon mal gar nicht vorbereiten.

Das gleiche dachte ich mir auch.  :LOL:
Gibt es in Berlin überhaupt noch entsprechende, öffentliche Optionen?

Ist schon irgend etwas zu dir durchgesickert, ob der Final Cut von "Blade Runner" auf der Berlinale läuft?

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Gern. Wenn ich dann ein 1/10-Review schreiben darf. ;)

Darum würde ich dann doch ergebenst bitten.  :D Aber findest du es nicht uninteressant, immer den Erwartungen, die "man" so an dich stellt, gerecht zu werden?  :icon_lol: Andererseits war die Nennung dieses Titels schon bewusst, denn ein asozialeres Stück Film ist mir bislang kaum begegnet.

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Das habe ich mir ja schon immer gewünscht - ein Highlight neben einer deutschen Filmreihe zu sein.

:icon_lol:

Herzog, Oh mein Herzog.  :algo:

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Und das sagt jetzt was genau aus? Nur weil Croni da eine Figur weniger tief anlegt, kann sie nicht als Instrument für das Loblied auf Familie missbraucht werden? Dann doch erst recht!

1. Legt er sie in meinen Augen nicht weniger tief an sondern stellt sie nur auf eine andere Ebene als z. B. seinen Vater oder Mortensen und 2. ist das mit der Verherrlichung familiärer Werte (Tsss, wenn dem wirklich so wäre, müsste ich den Film hassen) reine Auslegungssache und nur ein plakativer, aber keineswegs ernstgemeinter Brocken, den Cronenberg uns Zuschauern zur Irritation vorwirft (Reingefallen!  :icon_twisted:).

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Du und deine Tomaten auf den Augen. ;)

Ich ziehe Tomaten Kartoffeln vor.

Wie ihr merkt, bin ich bei bester Laune und das artet zwangsläufig in merkwürdigen Aussagen und somit auch Postings aus.

@ Bretzelburger:

Wenn du nach meinem(n) letzten Posting(s) die Nase voll haben solltest kannst du es auch verlautbaren lassen.  ;)
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Bretzelburger

Zitat von: McKenzie am 15 Januar 2008, 01:19:36
@ Bretzelburger:

Wenn du nach meinem(n) letzten Posting(s) die Nase voll haben solltest kannst du es auch verlautbaren lassen.  ;)

Das ist nicht der Fall - im Gegenteil wartete ich noch auf deine Antwort und hatte auf Grund reger Beteiligung in deinem Thread deinen kurzen Text glatt übersehen. :D

Ich will die Diskussion um deine Ambitionen, die du für mich befriedigend beantwortet hast, nicht noch mal aufgreifen, aber deine - im Gesamtzusammenhang - kurzen Bemerkungen zu meiner sehr frühen "Diva"-Kritik, die letztendlich auch wieder Rückschlüsse zu der gesamten Diskussion ziehen lässt. Du schreibst :

ZitatMir gefallen beispielsweise deine frühesten Reviews mit Abstand am besten voll all deinen Texten, eine Entdeckung, die ich machte, als ich kürzlich nach dem Film "Diva" in der OFDb sah. Sicherlich, der Wille zur inhaltlichen Goldsuche ist noch nicht so ausgeprägt und warum du z. B. diesem Film 10 Punkte gibst, wird aus dem Text nicht offensichtlich, trotzdem ist der Text von einer Vitalität, Unbedarf- und Freundlichkeit die ich heute bei dir vermisse.

Ich gebe dazu ein anderes Beispiel - als gelernter Klarinettist, begann ich erst mit 16 Klavier zu spielen. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon in Bands spielte und andere Zielsetzungen hatte, begann ich nicht mit Tonleitern oder einfachen Übungsstücken, sondern gleich zu improvisieren - auch wenn meine technischen Fähigkeiten noch äusserst begrenzt waren. Selbst in der Vor-Internet-Zeit gab es ja schon Möglichkeiten, seinen Narzissmus auszuleben, weswegen ich erste frühe Stücke auf Cassette aufnahm. Eines davon kam besonders gut an und es gab immer mal Freunde, die es gerne hören wollten - nur, ich konnte es nicht mehr spielen. Nicht ,das ich nicht mehr die Noten konnte oder es gar vergessen hätte (ich kann es noch heute), sondern ich konnte nicht mehr den Charakter imitieren, der daraus entsprungen war, dass dieses Stück für mich bei der Aufnahme an der oberen Fertigkeits-Grenze lag - ich hatte die ursprüngliche Naivität, die dem Stück Leben einhauchte, verloren.

Ich denke, du weißt, was ist damit sagen will. Ich verstehe dich genau, wenn du Perfektion nicht mit Übung gleichstellst, aber wir alle kommen an einen Punkt, an dem wir üben müssen, einfach deshalb, weil wir uns durch die Ausführung einer Sache automatisch verbessern. Wir verlieren die Anfangsnaivität, aber ohne Übung kommen wir dann an eine Grenze. Trotzdem bleibt Qualität auch immer ein Zufall. Ich las einmal einen Bericht über einen berühmten Fotografen, der sagte, dass seine besten Fotos immer auch Glück waren. Unter 1000 Fotos, die er machte, fand sich vielleicht eins, dass er selbst für gut genug hielt.

So gesehen ist Perfektion immer ein Gleichgewicht aus Glück, Können und ursprünglicher Naivität. In diesem Dreieck ist die Übung deshalb kein Teufelszeug, auch wenn sie nicht den Rest erschlagen sollte. Deshalb ist deine Vorliebe für meine alten Reviews auch kein rein gutes Gefühl für mich, denn du gibst mir keinen Raum für eine Entwicklung. Die Kritik zu "Diva" ist eine meiner ersten gewesen und so etwas wie ein erster Gehversuch hier in der OFDb. Die Vitalität, die du dort bemerkst, speiste sich aus dem Unverständnis, dass ein ehemaliger Kultfilm wie "Diva" inzwischen völlig in Vergessenheit geraten war. Viele meiner ersten Reviews befassten sich mit Lieblingsfilmen, die keiner hier beachtete, was zwei Konsequenzen zur Folge hatte : - die Auseinandersetzung und die Begeisterung.

Damit kam ich schnell an eine Grenze, denn die Anzahl der auf dieser Art zu besprechenden Filme war aufgebraucht. Mit dem Schreiben von Kritiken änderten sich auch meine Sehgewohnheiten. Seit fast zwei Jahren gehe ich regelmässig in die Sneak und beim Erwerb von DVD's konzentrierte ich mich auf seltene Klassiker. Das hatte auch wieder zwei Konsequenzen zur Folge - zum Einen fand ich nach vielen Jahren wieder zu vor langer Zeit heiß geliebten Regisseuren zurück (dazu gehörte auch Antonioni), zum Anderen bekomme ich natürlich auch eine Menge mittelmässiger bis schlechter Filme zu sehen (mein immer als extrem positiv aufgefallener Bewertungsschnitt fällt stetig). Natürlich könnte ich mich weiterhin auf die wenigen Filme bei Besprechungen konzentrieren, die mich begeistern, aber dazu schreibe ich inzwischen zu gerne.

Automatisch hat sich dadurch auch mein Stil entwickelt und ich weiß von vielen privaten Reaktionen, dass deren Meinung umgekehrt zu der deinen ist. Das finde ich aber keineswegs besser und es freut mich, dass du die von dir genannten Eigenschaften in den frühen Reviews erkennst. Nur - ich kann sie nicht mehr so schreiben, auch weil meine Zielsetzung eine andere ist. Die frühen Kritiken wendeten sich direkt hier an die OFDb-Gemeinde, während ich jetzt viel unpersönlicher Schreibe. Letztens in meiner Kritik zu "The Flock" war es mir regelrecht unangenehm, die "Ich"-Form zu verwenden - nur liess sich das in diesem Fall nicht vermeiden. Das Schöne aber ist, dass auch der jetzige Zustand kein Stillstand bleiben wird und - falls es mir gelingt, weiter bei der Sache zu bleiben - der Stil sich ganz von alleine weiter entwickeln wird. Ob das besser ist, ist eine andere Frage, aber verhindern werde ich es nicht können - und du, wenn du weiter schreibst, auch nicht.

McKenzie

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Das ist nicht der Fall - im Gegenteil wartete ich noch auf deine Antwort und hatte auf Grund reger Beteiligung in deinem Thread deinen kurzen Text glatt übersehen. :D

:icon_lol:

Ich bin selbst immer wieder erstaunt wie dieser Thread auch ohne allzu viele Review-Diskussionen bisher auf 17 Seiten gekommen ist.

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Ich will die Diskussion um deine Ambitionen, die du für mich befriedigend beantwortet hast, nicht noch mal aufgreifen

Dieses Posting hat natürlich auch einen allgemeinen Zweck, es ist quasi eine genauere Beschreibung meiner Arbeitsweise und Vorstellung von Filmrezension, daher ist es vielleicht noch zusätzlich in die Breite gegangen.

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
aber deine - im Gesamtzusammenhang - kurzen Bemerkungen zu meiner sehr frühen "Diva"-Kritik, die letztendlich auch wieder Rückschlüsse zu der gesamten Diskussion ziehen lässt.

Deshalb ist deine Vorliebe für meine alten Reviews auch kein rein gutes Gefühl für mich, denn du gibst mir keinen Raum für eine Entwicklung. Die Kritik zu "Diva" ist eine meiner ersten gewesen und so etwas wie ein erster Gehversuch hier in der OFDb. Die Vitalität, die du dort bemerkst, speiste sich aus dem Unverständnis, dass ein ehemaliger Kultfilm wie "Diva" inzwischen völlig in Vergessenheit geraten war. Viele meiner ersten Reviews befassten sich mit Lieblingsfilmen, die keiner hier beachtete, was zwei Konsequenzen zur Folge hatte : - die Auseinandersetzung und die Begeisterung.

Was ich meinte war, das dein eigenes Perfektionsbestreben (das du sicher in irgendeiner Form hast) in meinen Augen innerhalb deiner Entwicklung zu einer gewissen Unpersönlichkeit, Unverbindlichkeit geführt hat die deinen frühen Texten nicht anhaftet - hier wird der Leser quasi gezwungen, auch deine Person wahrzunehmen und für die Dauer des Lesens mehr oder minder mit dir zu kommunizieren. Gleichzeitig heben sich derartige Kritiken deutlich vom Groß der (auch und vor allem auch hochwertigen!) OFDb-Reviews ab - es schreiben zwar sehr viele User sehr persönlich, doch häufig finden sich dann Plätze wie "Ich muss sagen das mir der Film überhaupt nicht gefallen hat". Solche Reviews kennen wir zur Genüge und hier sticht ein Text wie das "Diva"-Review eben positiv heraus weil er qualitativ hochwertig, aber dennoch persönlich ist. Deine Begeisterung spürt man bei deinen neueren, positiven Kritiken eben nicht mehr so sehr, ganz einfach weil einen gewissen Sachlichkeits-Anspruch zu haben scheinst - so wirkt es eher so, als wärst du ein auf Filmkritiken spezialisierter Journalist, der seine Arbeit mit dem Brustton der Überzeugung, aber auch routiniert verrichtet.

Das soll keine neuerliche Attacke sein und vielleicht gehört diese Diskussion auch in deinen Thread, vielleicht missbrauche ich sie auch, um meine eigene Zielsetzung genauer herauszustellen - ich finde das nur sehr interessant und irgendwie auch wieder schade - so etwas wie dein dubioses (und natürlich imo extrem fragwürdiges  :icon_mrgreen:) "The Hills have eyes"-Review würdest du dir heute nicht mehr leisten, denke ich.

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
So gesehen ist Perfektion immer ein Gleichgewicht aus Glück, Können und ursprünglicher Naivität. In diesem Dreieck ist die Übung deshalb kein Teufelszeug, auch wenn sie nicht den Rest erschlagen sollte.

Natürlich nicht, ich würde Übung auch nie als "Kunstfeindliches Teufelszeug" bezeichnen, sie ist wichtig, natürlich. Nur lässt sich auch ihr allein nichts aufbauen und in meiner derzeitigen Situation frage ich, was mir selbst fehlt? Glück sicherlich (Ich bin ein notorischer Pechvogel), Können (ich mag zwar nur wenige meiner Texte, würde mich aber nicht als untalentiert bezeichnen) oder ursprüngliche Naivität? Ich denke letzteres und damit kommt eben wieder die Frage auf, inwiefern man nicht immer die eigenen Maßstäbe an fremde Texte anlegt. Ich "therapiere" mich zur Zeit mit einer möglichst oberflächlichen Filmrezeption und möglichst vielen reinrassigen Unterhaltungsfilmen, auch das ist allerdings eher erfolglos. Der Instinkt muss da sein...

Ansonsten hast du bezüglich von Übung und Qualität vollkommen recht, die Differenz zwischen uns ergibt sich wohl eher aus unterschiedlichen Gewichtungen der verschiedenen Faktoren.

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Deshalb ist deine Vorliebe für meine alten Reviews auch kein rein gutes Gefühl für mich, denn du gibst mir keinen Raum für eine Entwicklung.

Doch, eine Zeit lang erschien mir deine Entwicklung bravourös, nämlich in der "Übergangsphase", in der sowohl der "alte Bretzelburger" mit seinem persönliche, enthusiastischen Wesen, als auch der "neue Bretzelburger" mit seiner überlegten Sachlichkeit zum Zuge kamen. Jetzt dominiert mit überwältigender Mehrheit der neue und dadurch lassen deine Reviews eben irgendwo Herz vermissen, das hilfreich wäre, um Verdachtsmomente in jene Richtung zu unterbinden, die ich in meinem ausführlicheren, kritischen Posting in deinem Thread vor einiger Zeit verlauten ließ.

Entwicklung ist sehr, sehr wichtig, nichts ist schlimmer als individueller Stillstand. Gestern habe ich einem sehr guten Freund, auf dessen Urteil bei Filmkritiken ich viel gebe, meinen "Eastern Promises"-Text vorgestellt, auf den ich zwar nicht stolz bin, der mir allerdings eine neue, durchaus attraktive Perspektive auf meine Rezensionsmöglichkeiten eröffnet hat - er meinte, es wäre der schwächste Text, den er von mir bisher gelesen hätte - und das traf mich irgendwo schon ziemlich, andererseits ist das mein erster Text seit langem, bei dem ich mit der inhaltlichen Auswahl und Struktur wirklich glücklich bin weswegen ich einige Ideen für meine neue Kritiken nicht fallen möchte.

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Natürlich könnte ich mich weiterhin auf die wenigen Filme bei Besprechungen konzentrieren, die mich begeistern, aber dazu schreibe ich inzwischen zu gerne.

Es wäre sicherlich interessant, wenn du für einige Zeit nur ein oder zwei Kritiken pro Monat schreiben würdest - es würde sich plötzlich vermutlich einiges ändern, ohne das es dir selbst auffallen würde.  ;)

(Oder auch nicht - ich bin von ca. 7 Texten im Monat auf 1 abgerutscht und es hat sich kaum etwas verändert...)

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Automatisch hat sich dadurch auch mein Stil entwickelt und ich weiß von vielen privaten Reaktionen, dass deren Meinung umgekehrt zu der deinen ist.

Nun, wie du inzwischen vielleicht schon bemerkt hast, lege ich auf die Dinge, die man gemeinhin von Filmkritiken erwartet, nur sekundär Wert - daher kommst du, der du eigentlich alle wichtigen Kriterien mustergültig erfüllst, bei mir auch etwas zwiespältiger weg. Nimm es dir also nicht zu Herzen. ;)

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Das finde ich aber keineswegs besser und es freut mich, dass du die von dir genannten Eigenschaften in den frühen Reviews erkennst. Nur - ich kann sie nicht mehr so schreiben, auch weil meine Zielsetzung eine andere ist.

Wie ich schon schrieb - eine Rückkehr zu "alter Form" ist natürlich nicht erstrebenswert, eine Rückbesinnung auf alte Tugenden (oder wahlweise auch Fehler) aber u. U. schon. Genau daran arbeite ich zur Zeit. Zwei Referenz-Reviews von mir, auf die ich persönlich stolz bin, auch wenn sie eher konventionell und inhaltlich nicht besonders reich ist, sind die Texte zu den beiden Mikio Naruse-Filmen "Drei Schwestern mit reinem Herzen" und "Mutter", beide habe ich spontan und schnell ohne großes Kopfzerbrechen geschrieben, bei "Mutter" war ich sogar während der gesamten Vorstellung vor Müdigkeit darnieder und nicht sicher, ob ich überhaupt berechtigt war, etwas zu schreiben. Trotzdem sehne ich mich danach zurück - und damit vielleicht doch nach der von dir beschriebenen "Tiefe in der Leichtigkeit" oder eben der unschuldigen Naivität mit Scharfsinn.

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Die frühen Kritiken wendeten sich direkt hier an die OFDb-Gemeinde, während ich jetzt viel unpersönlicher Schreibe.

Hier liegt der Hund begraben, finde ich.

Wenn man sich z. B. die von dir letztens sezierten Verrisse (und das sind sie ja meistens) von Rajko ansieht, kleiden sie sich zwar auch objektiv und sachlich, die heilige Wut ihres Verfassers gibt ihnen jedoch eine unverkennbar persönliche Note.  :icon_mrgreen:

Zitat von: Bretzelburger am 15 Januar 2008, 11:09:44
Letztens in meiner Kritik zu "The Flock" war es mir regelrecht unangenehm, die "Ich"-Form zu verwenden - nur liess sich das in diesem Fall nicht vermeiden.

Warum sollte das unangenehm sein?! Es zeugt nur vom Selbstbewusstsein und der Aufgeschlossenheit des Kritikers, wenn er in der ersten Person schreibt - wie ich schon schrieb, man bindet den Leser somit an sich und er schenkt einem automatisch eine gewisse Aufmerksamkeit, auf die man sonst verzichten müsste.

ZitatDas Schöne aber ist, dass auch der jetzige Zustand kein Stillstand bleiben wird und - falls es mir gelingt, weiter bei der Sache zu bleiben - der Stil sich ganz von alleine weiter entwickeln wird. Ob das besser ist, ist eine andere Frage, aber verhindern werde ich es nicht können - und du, wenn du weiter schreibst, auch nicht.

:respekt:

Ich darf meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, das dies nicht nur für dich zutreffen wird sondern auch für mich.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Mr. Vincent Vega

16 Januar 2008, 15:11:43 #502 Letzte Bearbeitung: 16 Januar 2008, 15:15:32 von Mr. Vincent Vega
Zitat von: McKenzie am 15 Januar 2008, 01:19:36
Zitat von: Mr. Vincent Vega am 10 Januar 2008, 13:00:19
Willst du es ausführlich haben oder reicht die Kurzform?

Wie es dir beliebt, ausführlich brächte dir aber natürlich zusätzliche Bonus-Punkte ein.  ;)

Gut. Dein Review geht schon mit einem echten Hammerabsatz los:

ZitatDavid Cronenberg hat eine tief in den rational schwer spiegelbaren Mägen des Kinos gelegene Fleischspalte entjungfert, zumindest im amerikanischen Kino. Den Verlust von Unschuld im weitesten Sinne, physischer wie moralischer, bewusst wie unbewusst, hat er in all seinen Stadien, aus allen erdenklichen Perspektiven und durch eine Vielzahl von zwischen grellem Surrealismus und leiser Aufspaltung zwischenmenschlicher Solidarität und wissenschaftlicher Erfahrungswelten schwankenden Metaphern untersucht und die Ausgestaltung seines Wesens teilweise beinahe expressionistisch mit seinem berüchtigten ,,Körper-Horror" auf die Spitze getrieben.

Ich finde diese Formulierung nachvollziehbar und meine auch zu glauben, was du damit sagen möchtest, aber der Ton ist mir viel zu aufgesetzt und umständlich. Da, so finde ich, bangt man gleich richtig um den weiteren Verlauf des Reviews.

Ohne dir das vorwerfen zu wollen, aber bei Cronenberg neigt man gemeinhin dazu, möglichst viele organische, anatomische, kreativ-biologische Begriffe eloquent aneinanderzureihen, um so dem komplexen Gewebe seiner Arbeiten irgendwie gerecht zu werden. Im Zweifelsfall klingt das immer schön, aber mit blumiger Sprache allein wird man den doch auch sehr simpel erfassbaren Inhalten seiner Filme (auch) nicht gerecht.

ZitatVergleichsweise unauffällig, nach einem Film, der diesen Grundkomplex, bzw. diesen einen von mehreren Grundkomplexen im Cronenbergschen Schaffen, anders in eine neue Richtung ausbaute ("A History of Violence"), lässt Cronenberg nun einen tatsächlich gänzlich konträren Entwurf von Unschuldigkeit folgen, dem seine äußerliche ,,Kindlichkeit" – unter Berücksichtigung jener sonst von Cronenberg gewohnten sublimen Morbidität – ganz offensichtlich nicht zugute kommt im Kampf um geschultes Publikum und erfahrene Kritiker. Wie soll man schon einem Regisseur eine derart elegische, hoffnungsvolle Navigation seiner wie so oft im Labyrinth ihrer eigenen Glaubenswelten verlorenen Protagonisten zutrauen, einem Regisseur der zuvor schon fatalistische und überirdische Exempel brutal am menschlichen Körper und seinem Wahrnehmungsspektrum statuiert hat?

Hast du mir nicht mal (ich glaube es war bei THE FACE OF ANOTHER) vorgeworfen, ich würde zu forciert umständlich und komplex schreiben?

Besonders flüssig liest sich das jedenfalls nicht. Klare Formulierungen täten deinen offenbar komplexen Gedanken zum Film nicht schlecht.

ZitatEine dezent surreale Schlüsselszene präsentiert der Film bereits sehr früh: Als Anna (bewusst steif: Naomi Watts) dem Besitzer eines russischen Nobel-Restaurants, Semyon (Armin Müller-Stahl) von dem Tagebuch erzählt, das ein 14jähriges russisches Mädchen mit sich führte, das einige Tage zuvor während der Geburt ihres Kindes unter Annas Händen starb, erzählt. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, das sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht über die kriminellen Verstrickungen hinter diesem Ereignis im Bilde ist, muss man schlicht konstatieren, das Annas in dieser Szene besonders, aber auch später noch extreme, mädchenhaft-aufgesetzte Naivität bei weitem zu dick aufgetragen und inszeniert ist, um kein Kunstgriff des Regisseurs zu sein. Engelsgleich steht Anna als Lamm an der Pforte zu Sodom. Denn Müller-Stahl, mit seinem gewohnt starken, unheimlichen Charisma, dreht langsam den Kopf, sein onkelhaftes Lächeln nicht verlierend sondern mit einem Hauch von subtilem Argwohn würzend: ,,Ihr Tagebuch?". Ein harter Gegenschnitt auf die strahlende Anna: ,,Ja, ihr Tagebuch". Eine einfache Metapher von Rotkäppchen und dem bösen Wolf.

Eigenwillig, kreativ, originell - aber für mich auch komplett am Thema vorbei. Wenngleich nicht unpassend als Beispiel für deine These der Unschuld, um die es im Film gehe, die für mich aber nicht zentral und überhaupt zweitrangig ist.

ZitatUnd eine Szene, die wie kaum eine andere das Grundthema des Films als These direkt ausformuliert, wenn auch in diesem Moment undifferenziert. Cronenberg schenkt Anna wirklich seine Sympathien, folglich auch ihrer gutherzigen Oberflächlichkeit und Moral. Er versteht das Bestreben der übrigen, menschlich deformierten Figuren, diesen Wesenszustand als Ideal zu erreichen. Die Dialogszenen zwischen Anna und Nikolai (,,Ich bin nur der Fahrer!"), Semyon ebenso wie die kumpelhaften Gespräche des nicht minder naiven Kirill (Vincent Cassel) und Nikolai sowie zwischen Anna und ihrem Stiefvater Stepan (sicherlich nicht zufällig besetzt mit dem polnischen Filmemacher Jerzy Skolimowski, dessen Schaffen einige wenige, aber signifikante Parallelen zu Cronenbergs Werk aufweist) erhalten so eine ganz neue symbolische Bedeutung jenseits ihrer Funktion innerhalb des linearen Handlungsaufbaus, der gelegentlich etwas zu streng empfindlich in das spirituell-philosophische Innenleben des Films eingreift – Cronenberg hat sich um Narrativität vielleicht nie so sehr geschert wie in den letzten Jahren und es steht ihm nicht immer gut.

Sorry, aber das kapiere ich alles nicht. Ich sehe da keine Ordnung und Stringenz in der Argumentation/Gedankenvermittlung, ich kann dir überhaupt nicht folgen.

ZitatDie den Zuschauer massiv fordernde, sinnliche Bildsprache von ,,Eastern Promises" zeigt auf, wie unabhängig die durchschnittliche Handlung hier von der schlichten Form und dem komplexen Inhalt ist - und damit gleichzeitig auch einen sicherlich etwas bedauerlichen Wandel in Cronenbergs Stil, in dem diese drei Komponenten, bzw. Faktoren früher ein homogenes und von kaum greifbaren, vermeintlich sogar oft unbewusst entstandenen Schwebebildern und – wahrheiten (was letztlich stets einen Hauptanreiz darstellte, seine Filme immer und immer wieder anzusehen) umhülltes Ganzes bildeten.

Guter, nachvollziehbarer Absatz. Ist für mich zwar Schönrederei des Verlustes an inszenatorischer Homogenität, aber innerhalb deiner Thesenbildung verständlich.

ZitatGeblieben ist vom ,,alten Cronenberg" seine bemerkenswerteTendenz, die Darsteller im Zusammenspiel mit den Räumen und Gebäuden zu inszenieren. Gesichter und Körper werden häufig in Hintergründe wie Wände und Häuser flächig eingegliedert, verschmelzen quasi mit ihnen. In Momenten aufkeimender Unsicherheit scheinen Innenräume keiner Begrenzung nach oben und unten mehr zu unterliegen und lassen die Protagonisten selbst in Großaufnahmen verloren erscheinen, wie in der Sequenz, in der Semyon Kyrill vor dem Hinterausgang des Restaurants eine harsche Standpauke erteilt.

Sehr gut und sehr richtig. Und sehr filmisch, was ich kürzlich bei Bretzel noch als oft vermisst kritiserte.

Allerdings war Cronenberg hier schon wesentlich stärker, man denke an DEAD RINGERS, wo das Ausstattungsinterieur jedes Bild aufzufressen drohte.

ZitatGleichzeitig kann man es freilich auch als einen willkommenen Nebeneffekt begrüßen, das ,,Eastern Promises" (bedingt vermutlich eher durch das Drehbuch) über sein komplex gestricktes, immer noch metaphysisches ,,Menschen-Stillleben" hinaus auch als spannender Genre-Film funktioniert. Selbst aus dieser einfachen, aber folgerichtigen, wenn auch hinsichtlich der (wie bereits erwähnt) höchstens passablen Handlung weniger ergiebigen Perspektive heraus – es bleibt ein mulmiger Nachgeschmack in der Luft hängen. In der letzten Einstellung lässt die Kamera Viggo Mortensen buchstäblich zurück im grüngrauen Dunkel von Semyons Restaurant. Auch wenn er für sich eine moralisch nachvollzieh- und achtbare Entscheidung getroffen hat, wird er vielleicht die Unbeflecktheit und - im Sinne von Zufriedenheit mit der eigenen Person - Freiheit von Anna oder auch Kirill nie erreichen. Darin liegt dennoch eine gehörige Portion Optimismus, die für Cronenberg befremdlich, aber befreiend anmutet. Das Zugeständnis, die ,,Absegnung" dieses Strebens und die Andeutung, das er schlussendlich wenigstens Einigen erfüllt wird, ist im Verhältnis zu den übrigen Filmen des Regisseurs durchaus eine sonnige Verheißung. Allerdings ebenso, je nach Blickwinkel, ein furchtbarer Fatalismus: Schließt die bewusste Erfahrung neuer ethischer Horizonte einen moralischen Verlust mit ein, kurz: kann man sich davor nur schützen, indem man die eigene Umwelt und vielleicht sogar sich selbst teilweise ignoriert, verleugnet, sich gegen ein Fortschreiten der persönlichen Entwicklung sträubt, dieses ,,Risiko" vermeidet?

Deiner These kann ich noch folgen. Der wirre Rest gibt mir Rätsel auf.

ZitatAuch wenn David Cronenberg äußerlich seit ,,Spider" oder zumindest ,,A History of Violence" auf konventionelleren, gemäßigteren Pfaden zu wandeln scheint – sein neuester Film wirft wie gehabt Fragen über Fragen auf, Fragen die teilweise selbst schon die Antwort auf eine andere Frage beinhalten. Fragen, deren Antwort sich diesmal nur nicht im Dunstkreis wabernder Schleimmassen sondern von in ihrem Selbstwertgefühl verletzten Menschen finden lässt.

Das ist nicht neu, sondern war schon immer so. Es wurde früher nur aufgrund der "wabernden Schleimmassen" (???) nicht gesehen. Die Nummer mit dem "verletzten Selbstwertgefühl" ist vielleicht EASTERN PROMISES-exklusiv (was damit nun wieder genau gemeint ist, weiß ich indes auch nicht), aber dass das Innere des Menschen, besonders seine Psyche, schon immer in Cronenbergs Zentrum stand, würde ich nicht anzweifeln.

Das Review finde ich also ehrlich gesagt viel zu umständlich, verschachtelt, überladen und unklar.

McKenzie

Zitat von: Mr. Vincent Vega am 16 Januar 2008, 15:11:43
Das Review finde ich also ehrlich gesagt viel zu umständlich, verschachtelt, überladen und unklar.

Der Freund, von dem ich oben schrieb, hat genau das auch gesagt und die gleichen Dinge wie du kritisiert. Ich bin also gewappnet, verschiebe allerdings auf morgen.   ;)
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


McKenzie

23 Januar 2008, 00:25:39 #504 Letzte Bearbeitung: 23 Januar 2008, 00:28:07 von McKenzie
Zitat von: McKenzie am 17 Januar 2008, 00:23:05
Ich bin also gewappnet, verschiebe allerdings auf morgen.   ;)

Oder auch noch ein wenig länger, ich habe einfach zuwenig Zeit gerade....

... in der Zwischenzeit möchte ich wieder einmal auf ein Review eines guten Freundes hinweisen:

http://www.ofdb.de/view.php?page=review&fid=30719&rid=277687

Die dritte Sichtung von "Imitation of Life", die ich gestern mit ihm in unserem Kino abhielt (Beamer und Leinwand gehen runter wie Weinbrand), brachte mir persönlich neben 5 (!!!) Tränen-Ausbrüchen ( :icon_redface:) die Erkenntnis, das der Überforderungs-Effekt des Films (den ich eigentlich doch schon in- und auswendig kenne) noch länger an mir haften und mich noch eine Weile vom eigentlich unumstößlichen schreiben eines hingebungsvollen Reviews abhalten wird. Somit kann ich leider Bretzelburgers sachlicher und vermutlich unvermeidlicher Analyse nicht zuvor kommen  :icon_twisted: ;), allerdings gibt es nun ja ein überfälliges Review zu Douglas Sirks überragendendem, im wahrsten Sinne des Wortes überlebensgroßen Over-the-top-Melodram-Meisterwerk, das ihm mit der gleichen Scharfsinnigkeit und dem gleichen Temperament begegnet wie der Film seiner Geschichte und seinen Themenkomplexen.

Seine anderen Reviews sind übrigens auch sehr lesenswert (besonders jene zu "Royal Flash" und "Ex-Drummer"), da ich keine Erlaubnis von ihm habe, werde ich seine wahre Identität (die seinem Profil nicht zu entnehmen ist  :icon_lol:) lieber nicht enthüllen.
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Chili Palmer

Zitat von: McKenzie am 23 Januar 2008, 00:25:39
5 (!!!) Tränen-Ausbrüchen ( :icon_redface:)

Hier, zur Verwendung bei Rückkehr der Avatare:

"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

McKenzie

Zitat von: Chili Palmer am 23 Januar 2008, 00:32:09
Zitat von: McKenzie am 23 Januar 2008, 00:25:39
5 (!!!) Tränen-Ausbrüchen ( :icon_redface:)

Hier, zur Verwendung bei Rückkehr der Avatare:



:respekt: :bawling:

Wieso haben einige hier ihre Avatare wieder und andere nicht? Ich habe auch versucht, ihn zu restaurieren (mit einem anderen Bild, sorry) und es hat nicht funktioniert. Dabei war das so eine geile Mieze auf meinem neu gewählten Avatar. :anime: :icon_mrgreen: (Mr. Vincent Vega soll ja milde gestimmt werden!  :icon_twisted:)
ZitatPunctuality is the thief of time
- Oscar Wilde

ZitatOne problem with people who have no vices is that they're pretty sure to have some annoying virtues.
- Elizabeth Taylor


Mr. Vincent Vega

Zitat von: McKenzie am 23 Januar 2008, 00:50:51
(Mr. Vincent Vega soll ja milde gestimmt werden!  :icon_twisted:)

Mich stimmt grad gar nichts mehr milde.

Und ich habe wirklich mal geschmunzelt über jemanden, der bei River Phoenix' Tod erledigt war.

psychopaul

ja, es ist schon krass irgendwie. Halte diese "Trauer" über Celebrities, denen man ja überhaupt nicht nahe steht, auch immer für etwas lächerlich, aber wenn es dann jemand ist, der in einem ähnlichen Alter ist und den man schätzt, was ja bei dir wohl wegen BBM nochmal mehr sein dürfte, kann einen das schon ziemlich umhauen auf eine ganz eigenartige Weise.


Naja, ich kann trotzdem noch über Ross schmunzeln oder wenn ich gerade im ZDF höre, dass die Kanzlerin heute im Kino war, sogar mit Cliffhanger, was es war, kommt erst..  :icon_lol:
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Chili Palmer


Ja eben, der war ja viel zu jung, und so etwas darf dann wohl auch in einem Filmforum mal Wellen schlagen, ohne dass man gleich wieder eine Dritte-Welt-Klatsche um die Ohren gehauen bekommt.  :icon_rolleyes:

Unsere Kanzlerin war bestimmt im "Mist".  ;)
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

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