Autoren-Thread: Intergalactic Ape-Man

Erstellt von Intergalactic Ape-Man, 3 Juli 2008, 19:34:23

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Hedning

Zitat von: Intergalactic Ape-Man nach 19 März 2011, 00:37:10Mein Satz über das Publikum hingegen bezieht sich jedoch oberflächlich auf "ein" Publikum, in der unwissenden Annahme, daß es möglicherweise darüberhinaus ein Interesse auch an der Intensität schwierigerer Stoffe gegeben haben kann


Hat es, definitiv. Es handelt sich ja um eine ganze Reihe von Filmen, nicht nur die paar eben genannten, die eher eine Zufallsauswahl waren. Wie groß genau der kommerzielle Erfolg des deutschen Nachkriegsdramas, teils wegen der häufigen Fokussierung auf bestimmte Konfliktlagen (Drogen, Suizid, Prostitution, Wissenschaftsethik, Jugendkriminalität, ...) auch als "Problemfilm" bezeichnet, war, weiß ich jetzt auch nicht, aber dem lohnt es sich auf jeden Fall nachzugehen. "Magic Picture" bringt solche Sachen in letzter Zeit gern auf DVD raus.

Dass heute die 50er Jahre eher mit Heimatfilm in Verbindung gebracht werden, hängt aus meiner Sicht auch mit der Nachwirkung der 68er-Generation zusammen, die sich gerne das Durchbrechen einer durch und durch spießigen, staubigen usw. Nachkriegsära und ihres verlogenen Kitsches als Verdienst anrechnet. In diese Selbstwahrnehmung passt natürlich der kitschige bunte Heimatfilm der 50er besser als das ambitionierte Schwarzweiß-Drama, das sich aus damaliger Sicht schon einiges getraut hat. Z. B. um bei "Ohne dich wird es Nacht" zu bleiben - die Überlegung: Soll man im Notfall statt einer dauerhaft nicht anschlagenden Entziehungskur das Sich-Fügen in die Abhängigkeit, eine freiwilliges Leben in der Sucht wählen? Auch wenn es im Film nicht dabei bleibt, überrascht hat mich diese Idee schon. 

Intergalactic Ape-Man

Im Rahmen unserer Forschungen stoße ich tatsächlich immer mehr und mehr auf Filme, die das allgemeine Bild des deutschen 50er Jahrefilms zersetzen. Ich kann mir sogar gut vorstellen, daß nicht nur die 68er Generation, sondern viel mehr der Protest gegen "Großvaters Kino" in den 60ern auch dazu beigetragen haben könnte, daß man eine Ernsthaftigkeit nicht früher sucht. Dabei hat gerade kürzlich Manfred Polak einen Vorgänger des jungen deutschen Films vorgestellt.

Was mir immer noch fehlt: Zahlen, Daten, Fakten. Dummerweise habe ich keinen Schimmer, wo man da mal ansetzen könnte. Im Netz ist meistens die Rede vom Üblichen...

PierrotLeFou

Zitat von: Intergalactic Ape-Man nach 28 März 2011, 20:31:03
Im Rahmen unserer Forschungen stoße ich tatsächlich immer mehr und mehr auf Filme, die das allgemeine Bild des deutschen 50er Jahrefilms zersetzen. Ich kann mir sogar gut vorstellen, daß nicht nur die 68er Generation, sondern viel mehr der Protest gegen "Großvaters Kino" in den 60ern auch dazu beigetragen haben könnte, daß man eine Ernsthaftigkeit nicht früher sucht. Dabei hat gerade kürzlich Manfred Polak einen Vorgänger des jungen deutschen Films vorgestellt.

Was mir immer noch fehlt: Zahlen, Daten, Fakten. Dummerweise habe ich keinen Schimmer, wo man da mal ansetzen könnte. Im Netz ist meistens die Rede vom Üblichen...


Als ich kürzlich wieder Herzogs Fata Morgana sah, war ich etwas überrascht, dass er auf Khittl und seine "Parallelstraße" zu sprechen kam, an die ich vorher schon dachte (und ich sehe da einen engeren Zusammenhang als Herzog selbst)... Herzog beschreibt dort Khittl mit seinen Industriefilmen durchaus als eine Art Vorläufer...
Dessen "magisches Band" (1959) halte ich für ungemein neuartig (es erinnerte mich vage an Godard oder auch den frühen Farocki) und bereits in seiner Oktoberfest-Doku "Auf geht's" (1955) sehe ich im humoristischen Kommentar weniger Heinz Erhard Nonsens, sondern eine doch sehr distanzierte, durchaus kritische betrachtung des Themas...

Eine kleine Fundgrube könnte für dich womöglich die mehrbändige "Zentrale Filmografie" der Bundeszentrale für politische Bildung sein... die ist zwar für meinen Geschmack ein etwas unübersichtlicher Katalog mit kaum hilfreicher alphabetischer Ordnung, in der Entstehungsländer, -jahre und Themen, Genres usw. gleichberechtigt nebeneinander (oder durcheinander) stehen, aber man stößt da halt auf einige etwas abwegige, unbekannte Filme...


"Eines Tages werde ich ein wahrhaft großes Drama schreiben. Niemand wird verstehen, worauf es hinaus will, aber alle werden nach Hause gehen mit einem vagen Gefühl der Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer Umgebung. Dann werden sie neue Tapeten aufhängen und die Sache vergessen." (Saki)

Intergalactic Ape-Man

Auch wenn ich mich nun derzeit ausschließlich auf meinen Blog verlegt habe, möchte ich nicht abtrünnig erscheinen und eine kleine Übersicht dessen geben, was ich so die letzten Monate getrieben habe. Daher habe ich eine Auswahl von Kommentaren und Besprechungen zusammengestellt. Vielleicht findet ja jemand Gefallen daran. Anregungen nehme ich gern entgegen. Viel Spaß beim Lesen. ;)

Du sollst mein Glücksstern sein - Singin' in the Rain (1952)
Devil Man: The Birth (1987)
Devil Man: The Demon Bird (1990)
Arachnia (2003)
Feed (2005)
Playgirl (1966)
Vase de Noces (1974)
Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn (1967)
Perfect Blue (1998)
Die Rache der Eierköpfe (1984)
It! The Terror from Beyond Space (1958)
Alarm für Sperrzone 7 (1957)
Ace Ventura (1994)
Harte Jungs - Bad Boys (1995)
Insel des Grauens (1948)
Liane - Das Mädchen aus dem Urwald (1956)
Love Object (2003)
Lana - Königin der Amazonen (1964)
Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)
Die Bestien (1978)
Die große Chance (1957)
König des Dschungels (1933)
Rhythmus 21 (192?)
Im Zeichen des Kreuzes (1983)
Tage der Rache (1970)
Dany, bitte schreiben Sie (1956)
Der 4D Mann (1959)
Das Millionenspiel (1970)
Die Delegation (1970)
Stürme über dem Montblanc (1930)
Schwerkraft (2009)
Plastic Planet (2009)
Insect (1987)
Fahrraddiebe (1948)
Danger - Keine Zeit zum Sterben (1984)
Silent Assassins (1988)
Her mit den kleinen Engländerinnen (1976)
Summer Night Fever (1978)
The Fast and the Furious (2001)
Ein Mann muß nicht immer schön sein (1956)
Pick-Up (1975)
Der Stadtstreicher (1966)
Smog (1973)
Die Rache der schwarzen Spinne (1958)
Das Geheimnis des steinernen Monsters (1957)
Das Ende des Regenbogens (1979)
Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache (1971)
Planet der Monster (1978)
Schreie in der Nacht (1969)
[●REC] (2007)

Chili Palmer


Komme gerade aus einer "Zinksärge für die Goldjungen"-Matinée (Zelluloid! Breitwand! Rotstich!).

Deinem Review ist kaum noch etwas hinzuzufügen; derart fröhlich drauflospolternd würde man sich das deutsche Kino häufiger wünschen. Eine künstliche Welt bar jeglicher Gesetzeshüter, die scheinbar nur die Anwesen der Gangsterbosse und die Schauplätze von Feuergefechten kennt: Pfeffersack-John-Woo. Mit Alibi-Romeo-und-Julia-Liebesgeschichtengeflecht. Und Donnerwetter: Als Dénes Törzs noch nicht "Dinner for One" anmoderierte, schoss er Spielhöllen mit vollautomatischen Waffen zusammen. Das Ganze gedeckelt von einer mordsmäßig dynamischen Schnellbootverfolgungsjagd an der Elbphilharmonie vorbei (nicht im Bild), bei der man Fleischmann bewundern kann, wie er ins Boot springt, startet, sofort die Kontrolle verliert, auf den Kai schlittert, um dann mittels Schnitt, pardon, Magie, nochmal einzusteigen und loszubrettern.  :icon_lol:

Schön zu wissen war übrigens dank einleitender Worte, dass derzeit an einer Special-Edition-DVD gewerkelt wird, die demnächst die doch recht schmucklose Kinowelt-VÖ vor allem in Sachen Extras ergänzen soll.

Mein Satz des Tages stammt dann aber doch nicht aus dem Film selbst, sondern von der Kinokasse, als eine Frau sich zu ihrem Mann umdrehte und sagte: "Ich habe mich erkundigt, das ist leider keine Dokumentation über das Rotlichtviertel, sondern ein Spielfilm über die Bandenkriege verschiedener krimineller Ethnien, das möchte ich dann doch nicht sehen!"
"I'm an actor, love, not a bloody rocket surgeon".

"Der Terminader is ja im Grunde so'n Kaiborch."

Intergalactic Ape-Man

Hey, danke für das Lob. Das klingt ja nach einem Superevent, wenngleich ich nach der Aussage an der Kasse auch nicht wüßte, ob ich Lachen oder weinen soll. Man könnte denken, Programmkinos hätten sich ihr Publikum verzogen. Übrigens ist die Zinksärge SE vom selben Label, nämlich filmArt, welche den Film von Kinowelt lizensiert haben. Die selber machen sowas nicht. Auf der SE wird auch die italienische Schnittfassung zu sehen sein, auf die ich sehnsüchtig warte. Guck mal im Labelthread, in der Edition deutsche Vita werden noch mehr Granaten erscheinen.